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Psychische Krankheiten im Wandel der Zeit

Einflussfaktoren der Gesellschaft und ihre Folgen auf die Psyche

Facharbeit (Schule) 2012 17 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Gesellschaftliche Normen
2.1 „Zeit ist Geld“-Veränderungen in der Arbeitswelt
2.2 Familiäre Strukturänderungen
2.3 Kombination von Arbeit und Privatleben

3. Die neue Beziehung zum Selbst
3.1 Der kollektive Wachsamkeitsprozess
3.2 Die Autorität der Medien

4. Folgen
4.1 Psychosomatische Symptome
4.2 Somatisierung
4.3 Selbstüberforderung – Ergebnis: Burnout, Depressionen, Suizid und Süchte

5. Zusammenfassung und Ausblick

6. Literaturverzeichnis
Bücher/Monographien:
Zeitungs- und Zeitschriftenartikel:
Datenbankartikel:
Online-Zeitungsartikel:
Offizielle Homepages:
Videoquellen:
Audioquellen:

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen Zeit leben wir in einer Gesellschaft, die uns jeglichen Komfort bietet. Gerade Deutschland ist dafür bekannt, dass es eine gute Marktwirtschaft sowie ein weltweit anerkanntes Gesundheits- und Bildungssystem hat. Finanziell gesehen sind Arbeitslosigkeit oder andere Faktoren keine wirkliche Bedrohung für unser Überleben, da unser Staat so gebaut ist, dass jeder vom System aufgefangen wird. Auch im Bereich des technischen Fortschritts sind wir bereits weit entwickelt. Ein Großteil der schweren Arbeit wird uns von Maschinen und anderen technischen Entwicklungen abgenommen, sodass wir auch im gesundheitlichen Bereich nichts zu befürchten hätten. Schließlich gibt es klare Strukturen und Gesetze, die dafür sorgen, dass niemand, wie beispielsweise heute noch in den chinesischen Foxconn-Betrieben, mehr als 12 Stunden am Tag arbeiten muss, um zu überleben[1]. Und auch sonst gewinnen wir immer mehr Zeit durch die Technik, fast nirgends muss man noch zu Fuß hingehen, wichtige Termine können auch per Handy im Gehen besprochen werden und Essen kann man an jeder Straßenecke schnell auf die Hand mitnehmen. Also müsste der Mensch von Heute doch massig Zeit haben und gesundheitlich auf einem Hochpunkt sein, oder nicht?!

Trotzdem hört man von bedrohlichen Anstiegen im Bereich der Krankheitsfälle, vor allem im Bereich der psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Burnout, Suchterkrankungen und dem Ende im Suizid. Auch wenn am Arbeitsplatz immer weniger körperlich schwere Arbeiten geleistet werden müssen, nehmen doch immer mehr Arbeitnehmer Auszeiten aus ihrem Beruf und gehen öfter in Rente als noch vor einem Jahrzehnt. Auch privat fühlen sich immer mehr dem Druck nicht gewachsen, Familie und Arbeit zugleich gerecht zu werden, zumal sie auch im privaten Bereich belastende Stressoren strapazieren, und leiden unter Süchten und Depressionen.

Dieses Thema wird auch in den Medien immer öfter angesprochen, in Form von Reportagen und anderem. Auch die Einzelperson kommt immer mehr mit diesem Thema in Berührung, wie auch ich. Denn wie Statistiken beweisen, leidet ca. jeder 5. -momentan an einer Depression[2]. Somit kommt fast jeder einmal mit diesem Bereich in Kontakt, selbst psychische Probleme zu haben, oder wie in meinem Fall, Angehörige mit beispielsweise Depressionen zu kennen. Auch der aktuelle Stressreport 2012, der sich mit den psychischen Anforderungen am Arbeitsplatz befasst, meldet einen gefährlichen Anstieg im Bereich der Krankheitsfälle durch psychische Störungen.

Doch welche Faktoren sind so entscheidend, welche Bereiche in unserem Leben sind so verändert, dass trotz Zeitgewinn und Fortschritt die Gesundheit anscheinend in psychischer Hinsicht immer mehr gefährdet ist? Und welche Folgen haben diese Veränderungen auf unser Seelenleben?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mich genauer mit dem heutigen Stand der psychischen Störungen beschäftigt und mit dem, was sich in den letzten Jahren Ausschlaggebendes verändert hat. Besonders interessiert hat mich dabei das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren, die letztendlich zu den gravierenden Zunahmen im Bereich Depressionen, Burnout und Süchten geführt haben und warum es gerade diese Störungen sind, die so rasant angestiegen sind. Daher werde ich mich zunächst mit den Veränderungen im Arbeits- und Privatleben beschäftigen, wie diese zusammen hängen, aber auch damit, wie sich das Individuum an sich verändert hat und welche Einflüsse dazu führten. Anschließend werde ich genauer die eben genannten psychischen Störungen untersuchen und erhoffe mir dadurch sowohl eine Erkenntnis über den aktuellen Zustand der Psyche und welchen Umwelteinflüssen sie ausgesetzt ist, als auch deren Wirkung.

2. Gesellschaftliche Normen

2.1 „Zeit ist Geld“-Veränderungen in der Arbeitswelt

In den letzten 20 Jahren haben sich im Bereich des Arbeitswesens einige grundlegende Dinge verändert. Zum einen wurden viele Abteilungen technisiert und damit komplett umstrukturiert. Außerdem haben sich die Arbeitsbedingungen ebenfalls gewandelt. Immer mehr Schichtarbeit, Multitasking, Zeitdruck und ständige Erreichbarkeit bestimmen in den letzten Jahren die Berufswelt. Dies wirkt sich natürlich auch auf unsere Gesundheit aus. Zwar übernehmen immer mehr Maschinen körperlich anstrengende Arbeiten und entlasten den Menschen damit. Trotzdem beeinflusst diese Veränderung auch unsere psychische Gesundheit, und das eher im Negativen.

Zunächst wird der Arbeitsschwerpunkt durch die Technologie immer interaktiver, also keine körperlichen Leistungen werden erbracht, da dies von Maschinen übernommen wird. Dafür werden aber immer mehr die Kognitionen gefordert. Dies hat zur Folge, dass der geistige Bereich belastet wird, und in Zusammenhang mit der Akzeleration, der Beschleunigung und dem Anstieg des Schwierigkeitsgrades zugleich, einen großen Stressfaktor für diesen darstellt[3]. Dazu kommen weitere Aspekte wie die wachsende Instabilität, wie Jobunsicherheit, Zukunftsängste und die daraus resultierende Unsicherheit, wie am Beispiel des Wachstums der Zeitarbeiter und Kurzzeitverträge zu erkennen ist. Außerdem ist der Erfolg immer häufiger von eigenständigem Arbeiten abhängig (Subjektivierung), was zusätzlich den Druck auf die Einzelperson erhöht. Aufgrund immer neuerer Informationstechnologien kann man auch eine gewisse „Entgrenzung der Arbeit“[4] beobachten. Früher leistete man in der Firma seine Arbeit und ging nach Hause, damit war die Arbeit für den Tag getan. Arbeits-und Privatleben waren klar getrennt. Heute ist man durch Smartphone, Laptops und andere Technologien ständig erreichbar, auch wird immer öfter Arbeit von zu Hause aus erledigt oder weitergeführt. Somit verschwimmt die Grenze zwischen Privatleben und der Arbeit immer mehr und wird auch immer schwerer zu trennen.

All diese Punkte wirken sich extrem belastend auf die Psyche aus und erhöhen die Gefahr, an einer psychischen Störung zu erkranken. Normalerweise ist eine geregelte Arbeit stabilisierend und stellt einen gewissen Schutz für die Psyche dar. Wird die Arbeit jedoch zunehmend und über einen langen Zeitraum hin immer mehr als Belastung empfunden (siehe Anhang Seite __), können schnell Symptome wie ein andauerndes Müdigkeitsgefühl, Kopfschmerzen, Gefühle der Erschöpfung und weitere Beschwerden aufkommen. Durch den starken Anstieg von Schichtarbeiten, vor allem im Bereich der Nachtschichten, wird der biologische Rhythmus immer mehr ignoriert (Urbanisierung), wodurch auch Warnsignale des Körpers außeracht gelassen werden. Dazu kommt, dass immer mehr Arbeitnehmer so unter Druck stehen, dass sie bei Krankheit, aus Angst gekündigt zu werden, lieber zur Arbeit gehen, als sich zu schonen. Eine neue Studie hat ergeben, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 11 Tage im Jahr zu Arbeit geht, obwohl er eigentlich Bettruhe halten müsste[5]. Dies zeigt zusätzlich ein dass ein körperlicher Risikofaktor hinzukommt.

2.2 Familiäre Strukturänderungen

Weitere Stressoren können sich im Bereich des Privatlebens abzeichnen. Wie in der Arbeitswelt gab es auch im Privatleben einige entscheidende Veränderungen, die ebenfalls Auswirkungen auf die Psyche haben. Früher entsprach es der gesellschaftlichen Norm, zu heiraten und Kinder zu bekommen, an diese Norm wurde sich zumeist gehalten. Es gab geregelte Arbeitszeiten und eine klare Rollenverteilung innerhalb der Familie, die Frau hatte sich um den Haushalt und die Kinder zu kümmern, der Mann ging arbeiten und verdiente den Unterhalt für die Familie. Dadurch war eine klare und feste Grundlage geschaffen, die auch für den Einzelnen eine Sicherheit darstellte, auf die er sich verlassen konnte.

Heute sind Scheidung und ein Leben als Alleinstehender keine Seltenheit mehr und betreffen einen großen Teil der Bevölkerung (siehe Abbildung __). In den meisten Familien sind die Rollenbilder verwischt, oft gehen beide Elternteile arbeiten und nicht nur die Mutter ist für die Erziehung der Kinder verantwortlich. Die Arbeitszeiten sind auch am Wochenende und nicht selten wird auch von zu Hause aus in der Freizeit weitergearbeitet. Darunter leidet das Familienleben, es wird belastet durch den erhöhten Zeitaufwand für die Arbeit. Oft wird der biologische Rhythmus missachtet (Urbanisierung), es wird zu Zeiten gearbeitet, wo eigentlich geschlafen werden müsste, gegessen wird dann, wann es in den Zeitplan passt, und meist wird die Ernährung diesem Plan angepasst, indem schnelles und ungesundes Essen ohne wichtige Nährstoffe, dafür mit künstlichen Zusatzstoffen herhalten muss.

Außerdem ist die wachsende Arbeitslosigkeit ebenfalls ein Aspekt, der in der heutigen Gesellschaft ein fester Bestandteil ist. Es fehlt den Arbeitslosen oft an einer festen Aufgabe in ihrem Leben, und meist leiden unter der Situation auch das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein. Wie stark sich die Arbeitslosigkeit auf die psychische Gesundheit auswirkt, wird anhand der folgenden Statistik klar, die zeigt, dass Arbeitslose mehr als doppelt so viele jährliche Fehltage durch psychische Erkrankungen haben wie Erwerbstätige. Damit wird auch noch einmal deutlich, was für eine wichtige Rolle der Job für die Gesundheit spielt.

[...]


[1] Vgl.: http://www.stern.de/panorama/apple-zulieferer-foxconn-will-arbeitsbedingungen-in-china-verbessern-1882750.html

[2] Vgl.: Bundesministerium für Bildung und Forschung

[3] Vgl.: Stressreport 2012

[4] Vgl.: Stressreport 2012

[5] Vgl.: http://www.abendblatt.de/wirtschaft/article113393377/Trotz-Krankheit-geht-jeder-zweite-Arbeitnehmer-zur-Arbeit.html

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656541059
ISBN (Buch)
9783656541585
Dateigröße
845 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264562
Note
14 Punkte
Schlagworte
psychische krankheiten wandel zeit einflussfaktoren gesellschaft folgen psyche

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