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Schubladendenken in Online-Communities

Wirkung von Eigen- und Fremddarstellung im Internet

Studienarbeit 2008 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Social Software – Social Web – Virtuelle Community
2.1. Facebook
2.2. MySpace
2.3. StudiVZ
2.4. YouTube
2.5. Friendster

3. Online-Selbstdarstellung
3.1. Gründe der Darstellung
3.2. Die Bedeutung des Profils - die Bedeutung des ersten Eindrucks
3.3. Wer stellt sich Online dar?
3.4. Art der Darstellung

4. Entstehen eines Eindruckes

5. Wirkungen
5.1. Pinnwand- bzw. Gästebucheinträge
5.2. Attraktivität der Freunde – Einfluss der Fotos
5.3. Sexual Double Standard
5.4. Persönliche Nachrichten

6. Relevanz für Jobchancen

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Schubladendenken in Online-Communities

Wirkung von Eigen- und Fremddarstellung im Internet

1. Einleitung

Im Jahr 2007 verzeichnete die Online Community Facebook 21 Millionen registrierte Mitglieder, welche pro Tag 1,6 Milliarden Seitenaufrufe generierten. (vgl. Ellison/ Steinfeld/ Lampe 2007: 1144). Auch andere Social-Software-Programme wie MySpace, StudiVZ, Szene1, MyVideo, YouTube und noch viele mehr sind stark im Kommen, verbuchen immer mehr Mitglieder und werden immer stärker genützt.

Mit zunehmender Nutzung solcher Communities sind im Laufe der Zeit auch Fragen dazu aufgetaucht, welche Auswirkungen das Profil eines Users haben kann, bzw. welche Eindrücke bei Usern aufgrund der Userpage einer ihnen unbekannten Person über eben diese Person entstehen können. (vgl. Walther/ Van der Heide/ Kim/ Westermann/ Tong, 2008: 28).

Social networking technologies such as Facebook (http://www.facebook.com), offer a blend of interactive and static features in any one individual’s online “profile”. Moreover, what complicates these sites from an impression formation perspective is that people other than the person about whom the site is focused also contribute information to the site. (Walther/ Van der Heide/ Kim/ Westermann/ Tong, 2007: 29).

Die zentrale Forschungsfrage in meiner Arbeit lautet daher: Ist die Wirkung von Internetauftritten in Online Communities bereits so groß, dass sich Menschen Urteile und Meinungen über andere nur aufgrund deren Profile bilden, ohne sie im wirklichen Leben zu kennen? Dabei soll auch der Faktor der Beeinflussung von außen bedacht werden. Gemeint ist damit, dass der Frage nachgegangen werden soll, welchen Einfluss das Aussehen seiner Freunde sowie deren Pinnwandeinträge in seinem Gästebuch auf die Beurteilungen eines Users haben.

Als Ausgangsbasis dieser Arbeit wird zunächst erklärt, was man unter den Begriffen Social Software, Social Web sowie Online-Communities versteht. Abschnitt 3 beschäftigt sich mit den Gründen die einen Menschen zur Online-Selbstdarstellung bewegen, dabei wird auch hinterfragt, ob es bestimmte Arten von Menschen sind, die sich gerne online präsentieren und auf welche Art und Weise wir uns virtuell zeigen. Anschließend soll erläutert werden, wie es zur Entstehung eines Eindruckes kommt.

Das zentrale Kapitel der Arbeit beschäftigt sich mit den Wirkungen einzelner Online-Community-Elemente. So wird zum Beispiel näher auf Pinnwandeinträge, Fotos und persönliche Nachrichten eingegangen. Zum Schluss soll die hier formulierte Forschungsfrage beantwortet werden sowie eine Überblick über die gewonnenen Erkenntnisse dieser Arbeit gegeben werden.

Es sei auch erwähnt, dass alle geschlechtsspezifischen oder maskulinen Ausführungen in der Arbeit natürlich auf beide Geschlechter bezogen sind. Die Tatsache, dass die weibliche Form nicht explizit genannt wird, ist keinesfalls als Diskriminierung zu verstehen.

2. Social Software – Social Web – Virtuelle Community

Da es sich bei den in dieser Arbeit erwähnten Online-Communities ausschließlich um Social-Software-Programme handelt, halte ich es für angebracht, damit zu beginnen, diesen Begriff näher zu definieren und zu erläutern.

„Der Begriff Social Software selbst wird in der Regel für die Systeme genutzt, mit denen Menschen kommunizieren, zusammenarbeiten oder auf eine andere Art interagieren können.“ (Alby 2008: 89) Was Social Software von anderer computerbasierender Kommunikation unterscheidet, ist die Eigenschaft, die es Usern erlaubt, ihre Beziehungen mit anderen in diesem System zu artikulieren und öffentlich darzustellen. (vgl. Boyd 2006: o. S.)

Alby (vgl. 2008: 90f.) unterteilt Social Software in 2 Kategorien:

- Social Software, bei der Kommunikation im Vordergrund steht, und
- Social Software, bei der zwar ebenfalls kommuniziert wird, aber auch Inhalte im Mittelpunkt stehen, die von den Teilnehmern erstellt oder zumindest in irgendeiner Weise angereichert werden; der Community-Gedanke steht im Vordergrund.

Der Begriff Social Software unterscheidet sich vom Begriff Social Web insofern, als dass ersterer laut Ebersbach, Glaser und Heigl (vgl. 2008: 30) auf Programme und Anwendungen abzielt, wohingegen Social Web auch die bereitgestellten Daten sowie das soziale Geflecht der Beteiligten untereinander subsumiert. Wenn man sich nun genauer mit den Anwendungen des Social Webs auseinandersetzt, wird man feststellen, dass es einige Prinzipien gibt, die allen Programmen gemeinsam sind:

- Im Mittelpunkt steht das Individuum bzw. die Gruppe. Funktionen der Kommunikation untereinander sind wesentlich für eine Social-Web-Anwendung.
- Das Individuum integriert sich in die Gruppe. Einzelkämpfer die auf Kosten der Community arbeiten werden nicht gerne gesehen.
- Personen, Beziehungen, Inhalte und Bewertungen sollen sichtbar gemacht werden.
- Grundlage ist die Idee der Selbstorganisation. Es werden keine starren Verhaltensregeln oder Datenstrukturen vorgegeben.
- Es wird eine soziale Rckkopplung in Form von Social Ratings gegeben.
- Der Fokus liegt weniger auf der einzelnen Information, sondern vielmehr auf der Struktur (Ebersbach/Glaser/Heigl 2008: 31).

Die in dieser Arbeit behandelten sozialen Netzwerke sind laut Ebersbach, Glaser und Heigl (vgl. 2008: 83) sogenannte privat-freundschaftliche Netwerke und nicht etwa Businessnetzwerke wie zum Beispiel Xing oder LinkedIn. Alle bisher erläuterten Anwendungen unterstützen die Entstehung von Online-Communities, welche wiederum bestimmte Merkmale aufweisen:

Eine Registrierung ist erforderlich, Profilseiten beinhalten Interessen und Tätigkeiten, die Daten liegen hauptsächlich in strukturierter Form vor, die Beziehungen zu anderen Menschen werden dargestellt, Bekanntschaften über die sprichwörtlichen ‚fünf Ecken’ werden nachvollziehbar gemacht und es herrscht ein starker Bezug zu den realen Sozialbindungen (Ebersbach/Glaser/Heigl 2008: 79).

Dadurch, dass die Nutzer der Communities geworben werden und immer wieder neue Freunde einladen können, entstehen sozialen Netzwerke praktisch per Schneeballsystem (vgl. ebd.: 80). Die soziale Bedeutung von Communities sollte nicht unterschätzt werden, so argumentiert Michele Willson (vgl 2006: 120) zum Beispiel, dass sich soziale Gemeinschaften auf die Formulierung einer Gruppenidentität fokussieren. Sie meint damit, dass jede Person bzw. jeder User in eine kulturelle, historische und soziale Matrix integriert ist. Diese Einbindung in ein Grundgerüst bestimmt die Persönlichkeit jeder Person sowie ihr Verhältnis zu Anderen und damit auch die Identität der Community.

Virtuelle Gemeinschaften beschreiben also „[…]den Zusammenschluss von Individuen oder Organisationen, die gemeinsame Werte und Interessen miteinander teilen und die […] mittels elektronischer Medien orts- und teilweise auch zeitungebunden in einem gemeinsamen semantischen Raum (gemeinsame Begriffswelt) kommunizieren.“ (Schubert 1999: 30, zit. nach Schelske 2007: 119, Hervorhebung im Original)

In weiterer Folge möchte ich näher auf die im Laufe meiner Arbeit behandelten Online Communities Facebook, MySpace, StudiVZ, YouTube und Friendster eingehen. Alle während meiner Arbeit gewonnenen Erkenntnisse sind aus Forschungen und Arbeiten, die eine oder mehrere dieser Online Communities zum Thema hatten, abgeleitet.

2.1. Facebook

Facebook.com wurde im Februar 2004 gelauncht; die Nutzung war zunächst nur den Studenten der Harvard University vorbehalten, nach und nach konnten Studenten weiterer Universitäten darauf zugreifen.“ (Alby 2008: 105) Facebook ist alleine schon deshalb ein sehr interessantes Tool, weil es ein interaktives, vorstellungsbeladenes Netwerk ist, welches Gruppen beinhaltet, die Lebensstile und Einstellungen teilen. Viele Studenten halten es sogar für süchtig machend (vgl. Bugeja 2006: o. S.).

Michael Tracey, Professor für Journalismus an der University of Colorado, beschreibt den immensen Erfolg von Facebook wie folgt: Er erinnert sich an eine Diskussion mit Studenten, bei der er wissen wollte, wie viele der Studenten die NewsHour auf PBS am Vorabend gesehen hätten, von 140 Studenten meldete sich vielleicht eine Handvoll. Als er nachfragte, wie viele denn heute schon Facebook benutzt hätten, gingen alle 140 Hände nach oben (vgl. ebd.: o. S.).

So wie andere Social-Networking-Seiten stellt Facebook ein formatiertes Profil zur Verfügung, in das User eine beträchtliche Anzahl an persönlichen Informationen eingeben können (vgl. Walther/ Van der Heide/ Kim/ Westerman/ Tong 2008: 30). Auf Facebook können das der Geburtstag, die E-Mail-Adresse, die Anschrift, die Heimatstadt, der akademische Status, die Hobbies, die sexuelle Ausrichtung, der Beziehungsstatus, die besuchten Kurse, die Lieblingsfilme, -musik, -bücher, -zitate sowie ein Userfoto sein (vgl. ebd.: 30).

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Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656538127
ISBN (Buch)
9783656538981
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264532
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Fachbereich Kommunikationswissenschaft
Note
1
Schlagworte
schubladendenken online-communities wirkung eigen- fremddarstellung internet

Autor

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