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Alltag der Armut. Indikatoren, Risiken und Folgen von Armut

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 20 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1. Einführung

2. Wo fängt Armut an, wo hört sie auf? – Verschiedene Indikatoren für Armut
2.1 Relative Armut
2.2 Armutsrisikoquote
2.3 Armutsrisikogrenze
2.4 Das Sozialhilfeniveau als Maß für Armut

3. Armutsrisiken – Wer ist in Deutschland von Armut betroffen?
3.1 Armutsgefährdung in den alten und neuen Bundesländern
3.2 Armutsgefährdung in Abhängigkeit vom Haushaltstyp
3.3 Armutsgefährdung und Erwerbslosigkeit
3.4 Armutsgefährdung in Abhängigkeit vom Bildungsabschluss

4. Folgen der Armut in Deutschland - Wie leben Menschen,
die von Armut betroffen sind?

5. Schlussbemerkung

Verzeichnis der Abbildungen Seite

Abbildung 1: Armutsgefährdungsquote in Deutschland (2004)
und anderen EU-Mitgliedsstaaten (2003)

Abbildung 2: Unterschiedliche Grenzwerte zur Armutsgefährdung 2004

Abbildung 3: Armutsgefährdungsquote in den neuen und alten Bundesländern 2004

Abbildung 4: Armutsgefährdungsquote nach Haushaltstyp 2004

Abbildung 5: Armutsgefährdungsquote und soziale Stellung

Abbildung 6: Armutsgefährdungsquote nach Ausbildungsabschluss 2004

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

„Die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung ist eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung, die seit Jahren in Politik und Öffentlichkeit diskutiert wird. Auch in Deutschland bleibt einem Teil der Menschen die Teilhabe an bestimmten Aspekten des gesellschaftlichen Lebens verwehrt. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von einem unzureichenden Einkommen bis hin zu fehlenden Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungschancen.“[1] Daher soll der Hauptgegenstand dieser Verschriftlichung die Darstellung des Alltags der Armut in Deutschland sein.

Hierzu wird zunächst der Begriff der Armut näher betrachtet, der ein überaus komplexer Gegenstand ist. In Deutschland ist eine exakte wissenschaftliche Bestimmung vergleichsweise uneinheitlich. Infolgedessen werden hierzu verschiedene Konzepte, wie z.B. die der relativen Armut und der Armutsrisikoquote begutachtet, sowie deren Vor- und Nachteile bezüglich ihrer Genauigkeit herausgearbeitet.

Des Weiteren wird untersucht, wie sich Armut gegenwärtig in Deutschland bemerkbar macht und was das für Betroffene bedeutet. Hierfür werden sowohl die Gründe für Armut gesucht, als auch die Gruppe der Betroffenen beschrieben.

Grundlage für diese Betrachtungen sollen zum einen die Auslegungen von Nadja Klinger und Jens König aus ihrem Buch „ Einfach Abgehängt - Ein wahrer Bericht über die neue Armut in Deutschland “ sein. In ihrem Buch beantworten sie anhand von Betroffenen-Porträts die Frage, was genau Armut ist und wo sie anfängt bzw. aufhört.

Ergänzend hierzu wird der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Bericht „ Armut und Lebensbedingungen – Ergebnisse aus LEBEN IN EUROPA für Deutschland 2005 “ verwendet, dessen Ergebnisse sich ausschließlich auf das Jahr 2004 beziehen. Für die Studie LEBEN IN EUROPA, auf die sich der oben genannte Bericht bezieht, wurden europaweit über 250 000 Personen befragt, davon rund 25 000 Personen über 16 Jahren in 13 000 Haushalten in Deutschland.[2]

2. Wo fängt Armut an, wo hört sie auf? – Verschiedene Indikatoren für Armut

In den letzten Jahren ist die Armutsforschung in Deutschland sehr umfangreich geworden, dass sie sich im Streit um Definitionen und Statistiken oft um sich selbst dreht. So sind immer ausdifferenzierende Begriffsdefinitionen entstanden[3].

„Allgemein bezeichnet Armut eine Situation wirtschaftlichen Mangels, die verhindert, ein angemessenes Leben zu führen. Für die Beurteilung, ob in einem konkreten Fall ein solcher Mangel vorliegt, werden in Abhängigkeit vom Untersuchungsgegenstand in der Wissenschaft jedoch unterschiedliche Maßstäbe verwendet.“[4]

Fachleute unterscheiden unter anderem nicht nur zwischen relativer und absoluter Armut, sondern auch zwischen materieller, geistiger, objektiver und subjektiver, primärer und sekundärer, dauerhafter und temporärer Armut.

2.1 Relative Armut

Da in westlichen Gesellschaften das durchschnittliche Wohlstandniveau wesentlich über dem physischen Existenzminimum liegt, wird sich zur Beschreibung der Armut in Deutschland des Konzepts der relativen Armut bedient[5]. Nach diesem Konzept wird Armut mit der Benachteiligung, die sich auf den mittleren Lebensstandard bezieht, gleichgesetzt[6]. Dieser Charakterisierung folgend, ist Derjenige als arm zu bezeichnen, dem es an materiellen Ressourcen mangelt. Dem schließt sich die Sozialberichterstattung der EU an:

„In der Sozialberichterstattung der Europäischen Union wird in der Regel [ebenfalls] die relative Armut betrachtet. Relative Armut bestimmt sich in Abhängigkeit von den Lebensverhältnissen in einem bestimmten Land. Als arm gelten diejenigen Personen, die über so geringe Ressourcen verfügen, dass sie den in ihrer Gesellschaft als annehmbar geltenden Lebensstandard nicht erreichen. Diese Ressourcen können materieller Natur sein, wie zum Beispiel das Einkommen, aber auch mangelnde soziale Einbindung oder mangelnde Bildungschancen gehören dazu. Um relative Armut messen zu können, muss ein bestimmtes Niveau definiert werden, unterhalb dessen man von Armut spricht“.[7]

2003 lebten demzufolge rund 11 Millionen Deutsche offiziell in relativer Armut oder sind von Armut betroffen.[8]

Das Konzept der relativen Armut hat dagegen einen erheblichen Nachteil, weil es lediglich das Niveau der Einkommensungleichheit in unserer Gesellschaft misst.[9] [10]

2.2 Armutsrisikoquote

Innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten hat man sich, als relatives Armutsmaß[11] auf die Armutsrisikoquote geeinigt.[12] „Sie umfasst den Anteil aller Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent eines speziell errechneten durchschnittlichen Haushaltseinkommens (Äquivalenzeinkommen) in ihrem jeweiligen Land beträgt“.[13] In Deutschland ist die Armutsrisikoquote in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. 1998 lag diese Quote noch bei 12,1%, 2003 war sie schon auf 13,5% angestiegen.[14]

In dem vom Statistischen Bundesamt veröffentlichtem Bericht Armut und Lebensbedingungen - Ergebnisse aus Leben in Europa, liegt Deutschland im internationalen Vergleich etwa im Mittelfeld, wie Abbildung 1 verdeutlicht.[15]

Abbildung 1: Armutsgefährdungsquote in Deutschland (2004) und anderen EU-Mitgliedsstaaten (2003)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 28)

Da für die EU-Mitgliedsstaaten für das Jahr 2004 noch keine Vergleichszahlen existierten, man aber trotzdem einen groben Eindruck vermitteln wollte, an welcher Stelle Deutschland im Vergleich mit anderen EU-Staaten zu finden ist, vergleicht die Abbildung die Armutsgefährdungsquote von Deutschland von 2004 mit den Quoten der EU-Länder von 2003.[16]

Im EU-Vergleich haben demnach Dänemark, Finnland, Luxemburg und Schweden mit jeweils 11% eine niedrigere Armutsrisikoquote als Deutschland mit 13%. Ähnlich wie Deutschland schneiden Österreich (ebenfalls 13%), Frankreich (14%) und Belgien ab, und bilden das Mittelfeld. Eine höhere Quote ist bspw. in Italien (19%), Griechenland (20%), Spanien (20%), Irland (21%) und Portugal (21%) zu finden.[17]

2.3 Armutsrisikogrenze

Der Berechnung der Armutsrisikoquote liegt die Armutsrisikogrenze zugrunde, ein weiterer Indikator für Armut. In Deutschland lag diese Grenze im Jahr 2004 für einen Einpersonenhaushalt bei 938 Euro im Monat, für einen Vierpersonenhaushalt mit 2 Kindern unter 15 Jahren bei rund 1900 Euro.[18] Zu dieser Grenze sei jedoch zu erwähnen, dass sie noch nicht die Armutsschwelle, sondern lediglich den armutsnahen Bereich angibt.[19]

Im Normalfall bekommt ein allein stehender langzeitarbeitsloser Hartz-IV-Empfänger in Deutschland 345 Euro zuzüglich eines durchschnittlichen Mietzuschusses von 320 Euro, sofern er nicht in einer so genannten Bedarfsgemeinschaft lebt und unter Umständen die staatliche Unterstützung komplett entfällt.[20] Der oben erwähnte Vierpersonenhaushalt mit 2 Kindern hätte Anspruch auf 1600 Euro.[21] Beide Rechenbeispiele verdeutlichen, dass der monatliche Anspruch auf staatliche Unterstützung weit unter der Grenze des armutsnahen Bereichs liegt.

Zur weiteren Orientierung, existieren zusätzliche Grenzwerte in Höhe von 40%, 50% und 70% des bereits auf Seite 3 erwähnten, auf spezielle Weise errechneten, Haushaltseinkommens, deren genaue Höhe in Abbildung 2 zu erkennen ist. Hierbei bezeichnet man die 70%-Armutsrisikogrenze als prekären Wohlstand, der jedoch durch Einschnitte in zentralen Lebensbereichen gekennzeichnet ist.[22] Menschen mit einem Einkommen unter der 50% Grenze „werden nicht mehr nur als armutsgefährdet, sondern bereits als relativ einkommensarm“[23] bezeichnet. Statistisch gesehen gelten Menschen als arm, wenn ihr Einkommen unterhalb der 40%-Grenze liegt.[24]

Abbildung 2: Unterschiedliche Grenzwerte zur Armutsgefährdung 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 18)

2.4 Das Sozialhilfeniveau als Maß für Armut

Da mit jeder Armutsstatistik und mit jeder neuen Definition das Thema der Armut abstrakter und komplizierter wird, hat sich der Paritätische Wohlfahrtsverein dazu entschlossen, Armut an einem alten, aber klar umrissenen Maß festzumachen.[25] Bei der Bestimmung von Armut arbeitet er mit dem Sozialhilfeniveau, das durch die Hartz-Reformen kein offizielles Maß mehr ist, aber im Hinblick auf die Armut nicht weniger aussagekräftig. Der Vorteil dieses Maßes ist, dass es begrifflich bereits eingeführt ist, d.h. jeder verbindet damit genaue Vorstellungen, seien sie im jeweiligen Fall richtig oder falsch.[26] Überdies ist das Sozialhilfeniveau keine relative Größe, sondern eine absolute.[27] „345 Euro – das ist für den Paritätischen Wohlfahrtsverband das Maß aller Dinge. Wer mit diesem Existenzminimum auskommen muss, ist arm. Ende der Diskussion.“[28]

Demnach lebten 2006 nach Berechnungen des Paritätischen Wohlfahrtsvereins 7,2 Mio. Menschen auf Sozialhilfeniveau, was gleichlaufend bedeutet, dass diese Menschen messbar arm waren.[29]

3. Armutsrisiken – Wer ist in Deutschland von Armut betroffen?

Im Folgenden wird das Ausmaß der Armutsgefährdung in verschiedenen Bevölkerungsgruppen dargestellt. Die Merkmale der betreffenden Bevölkerungsgruppen geben darüber Aufschluss, welche dieser Gruppen aufgrund der Höhe ihres jeweils zu Verfügung stehenden Haushaltseinkommens als armutsgefährdet angesehen werden.[30]

3.1 Armutsgefährdung in den alten und neuen Bundesländern

Die Armutsgefährdung verteilt sich in den alten und neuen Bundesländern sehr ungleich[31], wobei die alten Bundesländer ohne Westberlin gerechnet werden bzw. bei den neuen Bundesländern Berlin komplett dazugerechnet worden war.

Abbildung 3: Armutsgefährdungsquote in den neuen und alten Bundesländern 2004 in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 19)

Während die Armutsgefährdungsquote der alten Bundesländer bei 12% lag, war die Quote für die neuen Bundesländer bei 17%, was durch die unterschiedliche Erwerbsstruktur begründet ist.[32] Es ist auffällig, dass in Ostdeutschland die Armutsgefährdung stärker ausgeprägt ist, als im Westen der Bundesrepublik, wie Abbildung 3 verdeutlicht. Bis auf die Gruppe der über 65-jährigen Männer in den neuen Bundesländern lässt sich der Unterschied zwischen Ost und West in allen Altersgruppen beobachten.[33] Demzufolge sind die über 65-jährigen Männer in den alten Bundesländern deutlich häufiger von Armut bedroht, als in den neuen Ländern.[34] Jedoch sind die über 65-jährigen Frauen sowohl in den alten, als auch in den neuen Bundesländern überdurchschnittlich armutsgefährdet.[35] Während im gesamtdeutschen Durchschnitt die Armutsgefährdungsquote der Männer bei 12% liegt, ist die Armutsgefährdung der Frauen mit 14% gut einen Prozentpunkt über der Quote für die Gesamtbevölkerung (13%).[36] Dieses Muster lässt sich auf alle Altersgruppen übertragen, d.h. dass die Armutsgefährdungsquote der Frauen in allen Altersgruppen über der der Männer liegt.[37]

Bei den 16- bis 24-Jährigen, wie auch bei den 50- bis 64-Jährigen, ist in den neuen Ländern etwa ein Fünftel der Menschen von Armut bedroht.[38] Die Armutsgefährdungsquote ist jeweils fast 10% über der der alten Länder.[39] Die Armutsgefährdung der Gruppe der 25- bis 49-Jährigen ist im Osten etwas geringer als in den alten Ländern, wobei der Abstand zu den neuen Bundesländern weitgehend unverändert bleibt.[40]

[...]


[1] Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 7

[2] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 7.

[3] Vgl. Klinger/König 2006, S. 71.

[4] Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 17

[5] Vgl. Klinger/König 2006, S. 71.

[6] Vgl. Klinger/König 2006, S. 71.

[7] Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 17

[8] Vgl. Klinger/König 2006, S. 72.

[9] Vgl. Klinger/König 2006, S. 72.

[10] Armutsrisikoquote und Armutsgefährdungsquote werden hier synonym verwendet

[11] Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 28

[12] Vgl. Klinger/König 2006, S. 72.

[13] Klinger/König 2006, S. 72

[14] Vgl. Klinger/König 2006, S. 72.

[15] Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 27

[16] Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 27

[17] Armutsrisikogrenze und Armutsgefährdungsgrenze werden hier synonym verwendet.

[18] Vgl. Klinger/König 2006, S. 72.

[19] Vgl. Klinger/König 2006, S. 72.

[20] Vgl. Klinger/König 2006, S. 72.

[21] Vgl. Klinger/König 2006, S. 72.

[22] Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 17

[23] Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 18

[24] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 18.

[25] Vgl. Klinger/König 2006, S. 78.

[26] Vgl. Klinger/König 2006, S. 78.

[27] Vgl. Klinger/König 2006, S. 78.

[28] Klinger/König 2006, S. 78

[29] Vgl. Klinger/König 2006, S. 78.

[30] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 28.

[31] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 19.

[32] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 19 f. .

[33] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 20.

[34] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 20.

[35] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 20.

[36] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 20.

[37] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 20.

[38] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 20.

[39] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 20.

[40] Vgl. Statistisches Bundesamt [Hrsg.] 2006, S. 20.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656534945
ISBN (Buch)
9783656535515
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264326
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
Schlagworte
alltag armut

Autor

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Titel: Alltag der Armut. Indikatoren, Risiken und Folgen von Armut