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Probleme bei der globalen Bevölkerungsentwicklung am Beispiel Chinas

Facharbeit (Schule) 2013 28 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das weltweite Bevölkerungswachstum

3. Die mögliche Überbevölkerung der Erde

4. Ein Lösungsansatz: Die „Ein-Kind-Politik“ in China
4.1 Die Bevölkerungsentwicklung in China vor 1980
4.2 Die Einführung der „Ein-Kind-Politik“ in China
4.3 Maßnahmen zur Durchsetzung der „Ein-Kind-Politik“
4.3.1 Belohnungen
4.3.2 Sanktionen

5. Die Auswirkungen der „Ein-Kind-Politik“
5.1 Rückgang des Bevölkerungswachstums
5.2 Missverhältnis der Geschlechter
5.3 Soziale Probleme
5.4 Überalterung der Bevölkerung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Dan Browns neuestem Roman „Inferno“, welcher im ersten Halbjahr dieses Jahres zu den meistverkauften Büchern in ganz Europa zählte[1], versucht ein verrückt gewordener Wissenschaftler die Menschheit zu dezimieren, um sie vor ihrem eigenen Untergang zu bewahren. Der Auslöser dieser zu vermeidenden Apokalypse soll die drohende Überbevölkerung der Erde sein, welche durch ein immer größeres Wachstum der Weltbevölkerung verursacht wird[2].

Was wie ein fiktiver Thriller klingt, ist in Wahrheit jedoch gar nicht so weit von der Realität entfernt, wie man zunächst denken könnte. Das große und anhaltende Bevölkerungswachstum - mag es nun in einer Überbevölkerung gipfeln oder nicht - ist auf globaler Ebene und langfristig gesehen durchaus als Problem zu deuten. So zieht es nämlich, wenn es auch nicht gleich den Untergang der Menschheit bedeutet, durchaus schwerwiegende Folgen nach sich, welche in den ersten Kapiteln dieser Arbeit erläutert werden.

Maßnahmen gegen eine solche große Zunahme der Bevölkerung findet man auf globaler Ebene jedoch nicht. Allerdings gibt es eine Nation, die sich dem Problem einer drohenden Überbevölkerung innerhalb ihrer Landesgrenzen gegenübersah und in großen Maßstäben etwas dagegen unternommen hat: China. Zwar bediente man sich dabei keiner biologischen Waffe wie in Browns „Inferno“; aber vor drastischen Mitteln schreckte man gleichwohl nicht zurück und führte 1979 zur Linderung des starken Bevölkerungswachstums die Ein-Kind-Politik ein. Deswegen soll die Volksrepublik China und ihre Bevölkerungspolitik in dieser Seminararbeit als Beispiel dienen.

2. Das weltweite Bevölkerungswachstum

Derzeit leben auf unserem Planeten etwa 7,18 Mrd. Menschen. Eine gigantische Zahl, keine Frage, doch sie wächst nach derzeitigen Angeben noch zusätzlich um 86,6 Mio. pro Jahr[3], ein Wert, der, das sei nur zur Veranschaulichung der Dimensionen gesagt, über der Gesamtbevölkerungszahl Deutschlands liegt. Doch nicht jedes Land oder jeder Kontinent trägt in gleichem Maße zu diesem enormen Wachstum bei: Während in einigen die Bevölkerungszahlen stagnieren oder sogar rückläufig sind, explodiert in anderen Ländern die Bevölkerung geradezu. Dieses Phänomen der teilweise sehr stark ausgeprägten Disparitäten in der demographischen Entwicklung wird mit dem Begriff des „demographic divide“ („demographische Kluft“ oder „demographisches Gefälle“) bezeichnet[4].

So nimmt die Zahl der Menschen, die in Europa leben, leicht ab, was aus dem „Demography Report 2010“ hervorgeht, der von der EU-Kommission und der Statistikbehörde Eurostat veröffentlicht wurde[5]. Dies ist auf die niedrigen Geburtenziffern zurückzuführen; unter Geburtenziffern versteht man die durchschnittliche Anzahl der Geburten, die eine Frau im Laufe ihres Lebens hat. Wie in dem Diagramm in Abb. 1 abzulesen, ist diese Geburtenziffer nur in Island, Irland und in der Türkei höher als 2,0. Somit bekommen Frauen in allen anderen Ländern Europas (ausgenommen Frankreich, denn hier liegt die Geburtenziffer exakt bei 2,0) im Durchschnitt weniger als zwei Kinder, wodurch die Bevölkerung in diesen Ländern abnimmt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 – Geburtenziffer nach Ländern in Europa 2010[6]

In Kombination mit einer gestiegenen Lebenserwartung - wie sie in Europa bereits vorliegt[7] - führt dies zu einer Überalterung der Bevölkerung, was wiederum fatale Folgen für Renten- und Sozialsysteme hat: Denn die Gelder für die Renten- und Sozialsysteme werden in einem Umlageverfahren von den Berufstätigen erwirtschaftet, mit der Folge, dass immer weniger junge Menschen für immer mehr alte zu sorgen haben. So müssen z. B. in Deutschland, wo die Gesellschaft bereits jetzt stark altert, alle Menschen zukünftig länger als bisher berufstätig sein, damit für ein angemessenes Rentenniveau gesorgt ist[8].

Jedoch sollte man sich nicht täuschen lassen und von europäischen Zahlen und Phänomenen auf die Entwicklung der Weltbevölkerung schließen. Denn in den Ländern, für die ein Bevölkerungsverlust bis 2050 erwartet wird, leben insgesamt

weniger als 15% der gesamten Erdbevölkerung, also weniger als eine Milliarde Menschen[9]. Betrachtet man das Ganze auf globaler Ebene, so ist Europa sehr wahrscheinlich der einzige Kontinent, dessen Bevölkerung bis zum Jahr 2050 abnehmen wird. In Abb. 2 wird deutlich, dass nur hier die für 2050 prognostizierte Bevölkerungszahl (691 Mio.) kleiner ist, als die aus dem Jahr 2010 (733 Mio.). In allen anderen Teilen der Erde ist das genaue Gegenteil der Fall, wobei besonders Asien und Afrika mit sehr großen zukünftigen Bevölkerungszunahmen auffallen (in Afrika wird eine Zunahme von 1,033 Mrd. auf 1,999 Mrd. prognostiziert, in Asien eine von 4,167 Mrd. auf 5,232 Mrd.).

Vergleicht man nun die Wachstumsraten der verschiedenen Länder, so fällt auf, dass Entwicklungs- und Schwellenländer der „Motor“ des globalen Bevölkerungszuwachses sind. Denn rund 95% dieser Zunahme finden hier statt, also in Ländern mit einem niedrigen Lebensstandard sowie wirtschaftlich und sozialpolitisch schwachen Strukturen[10].

Doch warum lässt sich dies für nahezu alle Entwicklungsländer trotz der unterschiedlichen Gesellschaften und der verschiedenen Kontinente so verallgemeinern? Ganz einfach: Es steht immer dasselbe Funktionsprinzip dahinter: Wenn sozialstaat-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 - Bevölkerungswachstum bis 2050 nach Kontinenten; Angaben in Millionen Menschen[11]

liche Strukturen fehlen, wenn Lebensrisiken nicht durch ein Rentensystem oder eine Krankenversicherung abgesichert sind, sondern dem Einzelnen zur Bewältigung überlassen bleiben, dann stellen Kinder die einzige Möglichkeit dar, das eigene Leben in irgendeiner Form abzusichern. Je mehr Kinder man hat, desto eher die Wahrscheinlichkeit, im Alter oder im Krankheitsfall von ihnen unterstützt zu werden, also nicht zu verarmen und versorgt zu sein. Darum sind viele Familien in diesen Ländern oft sehr kinderreich[12].

Ganz anders die Situation in den modernen (westlichen) Sozialstaaten: Für eine Familie, die in einem Land lebt, dessen Staat sie wirtschaftlich und sozial absichert bedeutet jedes zusätzliche Kind zunächst einmal eine weitere finanzielle Belastung. In Deutschland beispielsweise belaufen sich die Kosten, die eine Familie für ein Kind bis zu dessen 18. Lebensjahr aufwendet, auf etwa 120 Tsd. Euro[13]. Kinder senken in diesen Ländern also eher den familiären Lebensstandard, weswegen junge Paare den Kinderwunsch zurückstellen, mit der Folge, dass die Anzahl der Kinder pro Frau sinkt.

Dies sind die Gründe, warum wirtschaftlich schwache Länder mit geringem Lebensstandard die Hauptlast des großen globalen Bevölkerungswachstums zu tragen haben. Das beste Beispiel, um diese Argumentation zu stützen, erhält man, wirft man einen Blick auf Afrika südlich der Sahara. Diese Region gilt als die ärmste der Welt, während sie gleichzeitig das schnellste Bevölkerungswachstum überhaupt aufweist. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird sich die Bevölkerung dort auf 3,9 Mrd. Menschen vervierfachen[14].

3. Die mögliche Überbevölkerung der Erde

Um Christi Geburt lebten etwa 300 Mio. Menschen auf der Erde, davon 75 Mio. in China und 57. Mio. im römischen Reich. Im Jahr 1000 sollen noch ähnlich viele Menschen gelebt haben und erst vor vierhundert Jahren hat sich die Weltbevölkerung – nach langen Phasen, während derer sich Zuwachs und Reduzierung abwechselten – auf ca. 600 Mio. verdoppelt[15]. An dieser Stelle muss jedoch angemerkt werden, dass alle bis hier genannten Werte lediglich Schätzungen der UN sind, denn wirklich gesicherte Zahlen aus der damaligen Zeit, mit welchen sich die Weltbevölkerung (in einem gewissen Rahmen) korrekt berechnen ließe, existieren nicht.

Aus dem Diagramm in Abb. 3 wird nun ersichtlich, wie sich die Gesamtbevölkerung ab dem Jahr 1800 entwickelte: 1804 lebten nämlich „nur“ eine Milliarde Menschen auf der Erde und es dauerte 123 Jahre, nämlich bis zum Jahr 1927, bis sich die Weltbevölkerung verdoppelt hatte. Bis zur ihrer nächsten Verdoppelung dauerte es nur noch 32 Jahre; 1959 betrug die Weltbevölkerung dann schon drei Milliarden. Ab 1950 war geradezu eine Explosion erfolgt, sodass bereits 1999 sogar die sechs-Milliarden Marke überschritten wurde. Seit dem 31. Oktober 2011 leben über sieben Milliarden Menschen auf der Erde[16].

Anhand dieser Zahlen lässt sich deutlich zeigen, dass die Weltbevölkerung nicht linear, sondern exponentiell anwächst. Diese simple Tatsache ist von großer Bedeutung, denn erst durch sie wird großes Bevölkerungswachstum zum Problem, so dass manche bereits jetzt von einer Überbevölkerung sprechen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Das Wachstum der Weltbevölkerung, 1800-2050[17]

Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass die Zahl der Menschen bis zum Jahr 2100 etwa auf 10,1 Mrd. steigt. Es existieren jedoch auch Schätzungen, denen zufolge die zu diesem Zeitpunkt sogar 15,8 Mrd. Menschen auf unserem Planeten leben werden[18]. Mit so einer gewaltigen Anzahl an Menschen stellt sich zunächst einmal die grundlegendste aller Fragen: Können so viele Menschen überhaupt ernährt werden? Wächst die Nahrungsmittelproduktion mit der Weltbevölkerung mit? Die Frage ist nicht neu. Denn bereits 1798 stellte der britische Ökonom Thomas Robert Malthus in seinem Buch „Essay of the Principle of Population“ fest, dass die menschliche Bevölkerung exponentiell anwächst, die Nahrungsproduktion durch technische Fortschritte aber nur linear zunehmen kann. Die beiden Kurven driften also stark auseinander[19].

Wenn die Bevölkerung sich weiterhin so entwickelt wie prognostiziert, muss auch die Nahrungsmittelproduktion in noch größeren Dimensionen mitwachsen. Um alle Menschen auf der Erde in den nächsten vierzig Jahren ernähren zu können, muss laut Umweltorganisation WWF innerhalb dieses Zeitraums die gleiche Menge von Lebensmitteln hergestellt werden wie in den letzten 8000 Jahren[20]. Ob solche Steigerungen in der Produktion von Nahrungsmitteln überhaupt ansatzweise machbar sind, ist ungeklärt und bleibt abzuwarten.

[...]


[1] Boersenblatt.de, Inferno und Schatten dominieren Podien, Internetseite: http://www.boersenblatt.net/631973/ vom 05.08.2013, aufgerufen am 30.10.2013

[2] Brown, D., Inferno, Köln 2013, Gustav Lübbe Verlag

[3] Stiftung Weltbevölkerung, Die Weltbevölkerungsuhr, Internetseite: http://www.weltbevoelkerung.de/oberes-menue/publikationen-downloads/zu-unseren-themen/weltbevoelkerungsuhr.html, aufgerufen am 27.10.2013

[4] Wehrhahn, R., Sandner Le Gall, V., Bevölkerungsgeographie, Darmstadt 2011, Verlag Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S.25

[5] EurActiv.de, EU-Bevölkerung schrumpft weiter, Internetseite: http://www.euractiv.de/soziales-europa/artikel/eu-bevlkerung-schrumpft-weiter-004611 vom 05.04.2011, aufgerufen am 27.10.2013

[6] Quelle der Grafik: Spiegel Online, Demographie Deutschlands, Internetseite: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bild-873338-439147.html o.J., aufgerufen am 27.102013

[7] Ärzte Zeitung, Lebenserwartung in Europa um fünf Jahre gestiegen, Internetseite: http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/835250/seit-1980-lebenserwartung-europa-fuenf-jahre-gestiegen.html vom 13.03.2013, aufgerufen am 30.10.2013

[8] Die Welt, Überbevölkerung ist größtes Problem der Menschheit, Internetseite: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13519338/Ueberbevoelkerung-ist-groesstes-Problem-der-Menschheit.html vom 01.08.2011, aufgerufen am 30.10.2013

[9] Haub, C., Die Schere öffnet sich – Hintergründe und Konsequenzen demographischer Entwicklung weltweit, Internetseite: http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/20061110_94471827W3DnavidW263.php, o. J., aufgerufen am 27.10.2013

[10] Knop, D., Experiment Mensch, Münster 2011, Natur und Tier – Verlag, S. 178

[11] Quelle der Grafik: Die Welt, Überbevölkerung ist größtes Problem der Menschheit, Internetseite: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13519338/Ueberbevoelkerung-ist-groesstes-Problem-der-Menschheit.html vom 01.08.2011, aufgerufen am 27.10.2013

[12] Knop, D., Experiment Mensch, Münster 2011, Natur und Tier – Verlag, S. 211

[13] Familie.de, Wie viel kosten Kinder?, Internetseite: http://www.familie.de/eltern/sparen/artikel/kosten-fuer-kinder-was-es-kostet-ein-kind-grosszuziehen/kosten-fuer-kinder-was-es-kostet-ein-kind-grosszuziehen/ o.J., aufgerufen am 27.10.2013

[14] Stiftung Weltbevölkerung, 7,16 Milliarden Menschen leben auf der Erde, Internetseite: http://www.weltbevoelkerung.de/index.php?id=71&tx_ttnews%5Btt_news%5D=855&cHash=8c6333cf146be0ea58479eecfc69827b vom 10.07.2013, aufgerufen am 27.10.2013

[15] Wehrhahn, R., Sandner Le Gall, V., Bevölkerungsgeographie, Darmstadt 2011, Verlag Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 24

[16] Informationszentrum der Vereinten Nationen, UNO-Weltbevölkerungsbericht: Bald 7 Milliarden Menschen auf der Erde, Internetseite: http://www.unric.org/de/uno-schlagzeilen/26574-uno-weltbevoelkerungsbericht-bald-7-milliarden-menschen-auf-der-erde, o. J., aufgerufen am 30.10.2013

[17] Quelle der Grafik: Siper AG, Bevölkerungswachstum, Internetseite: http://www.siper.ch/de/energie/energie-wissen/dossiers/bev%C3%B6lkerungswachstum.html vom November 2011, aufgerufen am 30.10.2013

[18] Die Welt, Überbevölkerung ist größtes Problem der Menschheit, Internetseite: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13519338/Ueberbevoelkerung-ist-groesstes-Problem-der-Menschheit.html vom 01.08.2011, aufgerufen am 30.11.2013

[19] Knop, D., Experiment Mensch, Münster 2011, Natur und Tier Verlag, S. 176

[20] Die Welt, Überbevölkerung ist größtes Problem der Menschheit, Internetseite: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13519338/Ueberbevoelkerung-ist-groesstes-Problem-der-Menschheit.html vom 01.08.2011, aufgerufen am 30.10.2013

Details

Seiten
28
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656534501
ISBN (Buch)
9783656535546
Dateigröße
894 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264181
Note
10 Punkte
Schlagworte
Bevölkerung demographische Entwicklung Bevölkerungswachstum Überbevölkerung China Ein-Kind-Politik demographisch Auswirkungen Überalterung Vergreisung Seminararbeit

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