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Bilder als Einstieg in Unterrichtsstunden. Möglichkeiten zur Ausbildung von Geschichtsbewusstsein?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 20 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Geschichtsdidaktische Überlegungen zu Bildern

3. Bilder als Einstiege in Unterrichtsstunden und –reihen
3.1. Möglichkeiten des Einstiegs
3.2. Unterrichtsprinzipien und ihre Auswirkung auf die Verwendung von Bildquellen
3.3. Exemplarische Betrachtung des Bildeinsatzes in Schulbüchern

4. Bezug zum Fachpraktikum

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bilder sind in allen Bereichen des Lebens anzutreffen und allgegenwärtig. Begriffe wie "Massenmedium" oder "Bilderflut" spiegeln die Wahrnehmung der Gesellschaft von Bildern wieder.

Bilder wirken in der Regel in rascher Folge auf die Menschen ein und sind dementsprechend nur kurz zu betrachten. Eine Konzentration auf das Bild, beziehungsweise die Bilder, kann so nicht erfolgen. Dies birgt die Gefahr, dass alle Bilder nur sehr kurz betrachtet werden und eine längere Konzentration und kritische Auseinandersetzung nicht erfolgt, selbst wenn das Bild länger betrachtet werden kann.

In der Geschichtsdidaktik gibt es Tendenzen, die versuchen auf diese Entwicklung zu reagieren. Dennoch wird die Verwendung und Bewertung von Bildern in der Geschichtsdidaktik ambivalent betrachtet.

Diese Arbeit versucht den Einsatz von Bildern im Geschichtsunterricht, genauer gesagt den Einsatz zum Einstieg in eine Unterrichtsstunde oder –reihe, näher zu betrachten. In diesem Zusammenhang soll der Frage nachgegangen werden, ob sich Möglichkeiten zur Ausbildung des Geschichtsbewusstseins bieten und wenn ja welche.

Zunächst erfolgt eine allgemeine Betrachtung zur didaktischen Argumentation für den Einsatz von Bildern im Geschichtsunterricht. Daran anschließend sollen die didaktischen Möglichkeiten eines Einstiegs in Unterrichtsstunden und –reihen erläutert werden. Um einen Praxisbezug zu gewährleisten erfolgt die Analyse exemplarisch ausgewählter Schulbücher, anhand derer untersucht wird, wie diese mit dem Thema Bilder umgehen und diese für Einstiege nutzen. Auch ein kurzer Bezug zum Fachpraktikum soll genutzt werden, um Chancen und Risiken eines Einstiegs mittels eines Bildes deutlich zu machen. Ein Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt einen kurzen Ausblick.

2. Geschichtsdidaktische Überlegungen zu Bildern

Als historische Quellen habe Bilder in der Geschichtswissenschaft lange keine Bedeutung gehabt. Der Grund dafür dürfte gewesen sein, dass die Geschichtswissenschaft ihr methodisches Repertoire im 19. Jahrhundert aus der Philologie übernommen hat und damit stärker auf Textquellen fixiert war.[1]

Bildquellen[2] sind stärker in das Blickfeld der modernen Geschichtswissenschaft gerückt. Doch wurden und werden Bildquellen zum Teil nur zur Illustration benutzt und nicht als selbstständige Quelle betrachtet. Sie dienen der Ergänzung von Textquellen und sollen diese stützen.[3]

Einen kompetenten und kritischen Umgang mit Bildquellen zu beherrschen sollte Ziel des Geschichtsunterrichts sein. Wie am Beginn geschildert werden Bilder, und damit auch Bildquellen, unreflektiert aufgenommen. In Bezug auf Bildquellen im Geschichtsunterricht bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler Bildquellen als Abbild der Wirklichkeit nehmen und glauben, es würde sich um historisch korrekte Darstellungen handeln.[4]

Bildquellen sind aber kein objektives Abbild der Geschichte, sondern Konstruktion und Deutung. Dies gilt für alle Gattungen von Bildquellen und auch für moderne Fotografien.

Das Ziel des Geschichtsunterrichts sollte es sein, in Anbetracht der Allgegenwart von Bildern den Blick der Schülerinnen und Schüler[5] zu sensibilisieren und die Kritikfähigkeit zu erhöhen. Aus diesem Grund ist die Interpretation von Bildquellen im Geschichtsunterricht zu üben und den Schülern sind Interpretationsmethoden zu vermitteln.

Dabei besitzen Bilder Stärken und Schwächen, die sowohl für, als auch und gegen eine Verwendung im Geschichtsunterricht sprechen können. Eine Stärke ist, dass Bilder Augenblickaufnahmen festhalten und diese Aufnahmen uns länger zur Verfügung stehen, so dass eine intensive Auseinandersetzung überhaupt erst möglich wird. Auch wenn Bilder aus fremden Kulturen und vergangenen Zeiten Symbole und Zeichen enthalten, die heute nicht ohne weiteres verständlich sind, ist es Bildern doch eher möglich Sprachbarrieren zu überwinden und Sinn zu vermitteln. Begriffe können durch Bilder veranschaulicht werden, was durch Sprache allein nur sehr schwer möglich ist. Die imaginären Vorstellungen aus vergangenen Zeiten sind oft nur durch bildliche Darstellungen nachzuvollziehen und so erhalten geblieben.[6]

Doch Bilder bergen auch Nachteile. So ist es kaum möglich, in Bildern Prozesse darzustellen, da sie, wie oben unter den Vorteilen aufgeführt, nur Augenblicksaufnahmen festhalten. Eine Negation ist mittels eines Bildes nicht darzustellen. Auch Häufigkeitsangaben sind durch Bilder nicht zu vermitteln. Größenverhältnisse werden verzerrt und können durch bildliche Darstellung allein kaum vermittelt werden. Auch wenn ein Bezugspunkt für die Größenverhältnisse gesetzt wird, ist es nicht nachzuvollziehen. Die Mehrdimensionalität wird in Bildern reduziert und die ästhetische Vermittlung tritt in den Vordergrund, auch wenn dies ungewollt ist. Gerüche und Empfindungen können nicht zum Tragen kommen.[7]

Dies sind nicht alle Stärken und Schwächen, die Bilder besitzen, aber diese sind wichtig für den Geschichtsunterricht und die Überlegung, ob Bilder eingesetzt werden sollten oder nicht. Grundlegend ist zu sagen, dass Bilder eingesetzt werden sollten, da Bilder und zum Teil auch Bildquellen zum Alltag der Schüler gehören und es ihnen ermöglicht werden sollte, sich kritisch und reflektiert mit diesen auseinanderzusetzen.

Ziel des Faches Geschichte soll es sein, die Ausbildung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins[8] zu fördern. Im Kernlehrplan für das Fach Geschichte ist dieses Ziel festgelegt und präziser ausformuliert. Zur Ausbildung eines solchen Geschichtsbewusstseins werden die Schüler befördert, indem sie historische Kompetenzen erwerben. Diese miteinander vernetzten Teilkompetenzen sind die Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz.[9]

Für die Auseinandersetzung mit historischen Quellen ist die Methodenkompetenz von Bedeutung. Die Schüler sollen durch die Methodenkompetenz befähigt werden, sich mit Quellen und historischen Darstellungen auseinanderzusetzen und diese kritisch zu beurteilen. Für die Jahrgangsstufen 5 bis 6 und 7 bis 9 sind Kompetenzerwartungen vorgeschrieben, die zum Ende der jeweiligen Jahrgangsstufen erreicht sein sollten. So ist für die Jahrgangsstufe 5 und 6 vorgesehen, dass die Schüler unter anderem in Bildquellen Einzelheiten beschreiben, Zusammenhänge darstellen und Wirkungen der Bildquellen einschätzen können. Innerhalb der Jahrgangsstufen 7 bis 9 sollen Schüler eine Methodenkompetenz entwickeln, die es ihnen ermöglicht, Informationen und Erkenntnisse aus Bildquellen mittels eingeübter Arbeitsschritte zu entnehmen.[10] Diese erworbenen Teilkompetenzen sollen in der Sekundarstufe II weiter ausgebaut werden. Damit dies aber auch geschehen kann, ist davon auszugehen, dass die Schüler die beschriebenen Kompetenzen bis zum Ende der Sekundarstufe I erworben haben. Die Frage, ob Schüler in der Lage sind, die beschriebenen Kompetenzen in den entsprechenden Jahrgangsstufen zu erreichen, wird an späterer Stelle erneut aufgegriffen.

[...]


[1] Vgl. Sauer, Michael: Bilder im Geschichtsunterricht. Typen Interpretationsmethoden Unterrichtsverfahren, 3. Auflage, Seelze-Velber 2007, 7.

[2] Eine allgemeine Definition des Bildbegriffes ist schwer zu fassen. Der Begriff umfasst eine Fülle von Gegenständen. Auch ist der Begriff des Bildes von dem der Bildquelle zu unterscheiden. Der in dieser Arbeit verwendete Begriff des Bildes und der Bildquelle orientiert sich an den Kriterien, die Hans-Jürgen Pandel getroffen hat, um einen Arbeitsbegriff zu erhalten. So ist das Bild eine bemalte, gezeichnete, gestochene, belichtetet, etc. Fläche und schließt keine Plastiken und Gegenstände ein. Bei Bildquellen handelt es sich um Bilder, die in der Vergangenheit entstanden sind. Dabei werden Rekonstruktionszeichnungen ausgeschlossen. Des Weiteren sind Bilder nur eine Quelle für den Zeitpunkt ihrer Herstellung, unabhängig von dem was sie darstellen.

Vgl. Pandel, Hans-Jürgen: Bildinterpretation. Die Bildquelle im Geschichtsunterricht. Bildinterpretation I, Schwalbach am Taunus 2008, 10-11.

[3] Vgl. Sauer, Michael: Bilder im Geschichtsunterricht, 7.

[4] Vgl. Ebd.

[5] Im folgenden Text wird aus Formgründen nur noch der Begriff „Schüler“ verwendet. Dabei ist der Begriff „Schülerin“ immer mit impliziert.

[6] Vgl. Pandel, Hans-Jürgen: Bildinterpretation, 26.

[7] Vgl. a.a.O., 20-21.

[8] Der Begriff des Geschichtsbewusstseins ist komplex und in verschiedenen Varianten definiert worden. Grundlegende ist zu sagen, dass es sich bei Geschichtsbewusstsein um die individuellen, beziehungsweise gesellschaftlichen Vorstellungen von Geschichte handelt. Gemeint sind damit die Vorstellungen, die von der Vergangenheit existieren. Jede Gesellschaft und jedes Individuum entwickelt sein eigenes Geschichtsbild. Jede Gesellschaft deutet die Vergangenheit anders (Vgl. Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, 9. Auflage, Seelze-Velber 2010, 9-10.). Diese kurze Definition erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll lediglich einen kurze Arbeitsdefinition liefern.

[9] Vgl.http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/lehrplaene/upload/lehrplaene_download/gymnasium_g8/gym8_geschichte.pdf, 18 (abgerufen am 21.06.2012).

[10] Vgl. a.a.O., 24-29.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656534822
ISBN (Buch)
9783656538912
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264104
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches Institut
Note
2,3
Schlagworte
bilder einstieg unterrichtsstunden möglichkeiten ausbildung geschichtsbewusstsein

Autor

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