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Pest und Policey

Die Pestabwehr als Faktor des Policeywesens in niedersächsischen Städten der frühen Neuzeit

Magisterarbeit 2008 90 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung.

II. Kurze Geschichte und Epidemiologie der Pest.
A. Zur Epidemiologie der Pest
B. Der Ursprung einer rätselhaften Krankheit
C. Der Schwarze Tod des Mittelalters

III. Der Policey-Begriff
A. Policey – Eine Herleitung und Definition
B. Die Policey und der Wohlfahrtsgedanke in der Frühen Neuzeit

IV. Die Policeygesetzgebung der Frühen Neuzeit.
A. Die Entstehung und der Inhalt der Policeygesetzgebung
B. Die Normgeber der Policeygesetzgebung
1. Das Reich
2. Der Niedersächsische Reichskreis
3. Der Landesherr und die Landstände
C. Policeyliche Verwaltung und Sozialdisziplinierung
1. Die Landesverwaltung
2. Die städtischen Behörden
3. Die Sozialdisziplinierung als Funktion der Policeygesetzgebung

V. Pest und Policey im städtischen Leben vom 14. bis zum 18. Jahrhundert
A. Einleitung
B. Die Pest im heutigen Raum Niedersachsen
C. Die Folgen der Pest innerhalb der Gesellschaft
1. Die Pest als Strafe Gottes
2. Sittenverfall und Buße
D. Administrative Maßnahmen während der Zeit der Pest
1. Die Pestverordnungen
2. Der Stand der Medizin und die Behandlung der Pes
3. Präventivmaßnahmen gegen die Einschleppung der Pes
a) Entstehung neuer Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen
b) Die Einschränkung der Versammlungsfreihei
4. Die Pest und ihre wirtschaftlichen Folgen
a) Die Isolierung der Städte nach außen
b) Die Beschränkungen des Handels durch die Pes
c) Die Einführung von Gesundheitspässen
d) Der Militärkordon
5. Maßnahmen während des Pestausbruchs
a) Verschweigen der Epidemie
b) Die Flucht vor der Pes
c) Verstärkte Isolierungsmaßnahmen
d) Die Pestkrankenhäuse
e) Die Bestattung der Toten
E. Ausblick: Die Entstehung einer institutionellen Policey seit dem 18. Jahrhunder

VI. Zusammenfassung und Ergebnisse

VII. Anhang.
A. Abbildungsnachweise
B. Bibliographie
1. Quellen
2. Literatur

I. Einleitung

Die Angst vor der Pest war in Mittelalter und Früher Neuzeit stets präsent und bestimmte sowohl das Handeln der Obrigkeiten als auch die Diskussionen von Ärzten, Dichtern und Chronisten. Es entstand eine Fülle an policeylichen Verordnungen, Pesttraktaten und medizinischen Informationsschriften, in denen nach den Ursachen der Krankheit geforscht und entsprechende Maßnahmen empfohlen wurden. Besonders die Administrationen sahen sich mit einem verstärkten Handlungsdruck konfrontiert.[1] Jede Nachricht über einen Ausbruch der unheilvollen Seuche an den Grenzen des Reiches oder gar innerhalb des eigenen Landstriches wurde als potenzielle Bedrohung wahrgenommen und das „Szenario der prophylaktischen Maßnahmen“[2] immer wieder aktiviert.

Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, die Entwicklung von Pest und Policey im norddeutschen, insbesondere im heutigen niedersächsischen Raum, zu untersuchen. Man kann vermutlich davon ausgehen, dass sich hier die Entwicklung von Pest und Policey in ähnlichem Maße vollzog, wie im gesamtdeutschen Raum. Dabei wird besonders der städtische Raum näher untersucht, da hier die Auswirkungen und Zusammenhänge der Pest mit der Wirtschaft, der Administration und der Policey untersucht werden können.

Die zeitliche Begrenzung der Analysen auf das ausgehende Mittelalter und insbesondere die Frühe Neuzeit soll verdeutlichen, dass nicht allein das Mittelalter der Zeitraum der großen Pestepidemien gewesen ist, sondern dass die Pest ein Problem war, mit dem die Menschen viele Jahrhunderte lang immer wieder konfrontiert wurden.

Pest und Policey – jedes Thema für sich genommen wurde in der Forschung bereits eingehend besprochen. Sucht man in der Literatur jedoch nach einer Verknüpfung dieser beiden Themen, sieht man sich mit großen Forschungslücken konfrontiert. Für die vorliegende Arbeit war es also notwendig, sich zunächst mit beiden Themen separat auseinanderzusetzen.

Der Themenkomplex „Policey“ wartet mit einer Fülle an Literatur auf, sowohl aus juristischer wie auch aus sozialhistorischer Perspektive.[3]

Untersuchungen zum Schwarzen Tod, also der großen Pestepidemie von 1348/49, die ganz Europa erfasste, gibt es ebenfalls einige nennenswerte.[4] Auch zu den Pestepidemien der Frühen Neuzeit liegt eine Reihe Arbeiten vor, die Forschung befindet sich hier jedoch noch in den Anfängen.[5] Für die europäischen Regionen gibt es nicht sehr viele geschlossene Analysen über das Auftreten der Pest. Gleiches gilt für das heutige Gebiet Niedersachsens. Neithard Bulst ist einer der wenigen, der sich auf diesen geographischen Raum spezialisiert hat. Er liefert genauere Aufschlüsse über die Verbreitung und das Ausmaß der Pest, vor allem in den Städten dieser Region in der Zeit von 1350 bis 1750.[6] Daneben gibt es noch weitere Veröffentlichungen, die jedoch nicht so sehr den gesamten niedersächsischen Raum erfassen, sondern primär Mikrostudien einzelner Regionen und Städte sind, wie etwa Hildesheim, Göttingen oder Uelzen.[7] Bei der Untersuchung der vorliegenden Werke zur Frühen Neuzeit in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Pest und Policey fällt folgendes Problem auf, das auch Otto Ulbricht 2004 passend zur Sprache gebracht hat:

„In den Werken der Historiker verschwindet die Pest der Frühen Neuzeit oft ganz hinter dem Schwarzen Tod des Spätmittelalters. Die Pest: das ist die große Pandemie 1347-52, diese ‚apokalyptische Katastrophe’, die fast ganz Europa heimsuchte, und über deren Wirkung die Historiker gern nachdenken. Der Rest ist Schweigen. [...] Geht man in Überblicksdarstellungen doch auf die Pest in der Frühen Neuzeit ein, so verkommt sie in der Regel zu Demonstrationsmaterial für demographische Charakteristika jener Zeit. Die Pest – das war ein drastischer Bevölkerungsrückgang, Schluß und Ende.“[8]

Zwar trifft dies nicht grundsätzlich auf alle Arbeiten zu, soll aber verdeutlichen, dass es bisher eine eher einseitige Erforschung der Pest gegeben hat. Fragestellungen zur Seuchenbekämpfung wurden zwar angerissen, jedoch blieben stets noch Fragen offen. Bei der Verknüpfung von Pest und Policey stellt sich zunächst die einfache Frage, warum die Pestabwehr überhaupt zum Policeywesen gehörte. Welche konkreten Schutzmaßnahmen vor der Seuche wurden angeordnet und von wem? Wer waren die Menschen, die sich der Pest in den Weg stellten?

Es soll analysiert werden, welche Einflüsse die Pest auf die Entwicklungen in der Frühen Neuzeit hatte. Besonderes Augenmerk wird in dieser Arbeit sowohl auf die Entstehung des Policeywesens und die Ausbildung eines Verwaltungsapparates gelegt als auch auf die Auswirkungen der Seuche auf die Gesellschaft und auf den Beginn neuer Gesundheits- und Hygienemaßstäbe.

Es stellt sich die Frage, wie groß der Einfluss der Pestabwehrmaßnahmen auf das alltägliche Leben gewesen ist. Wie wurde etwa die Bevölkerung motiviert und diszipliniert, sich an die policeylichen Bestimmungen zu halten? Gab es in der Frühen Neuzeit bereits eine institutionelle Polizei in dem Sinne, wie wir sie heute kennen?

Die vorliegende Untersuchung gliedert sich neben Einleitung und Schlussteil in vier Kapitel. Zu Beginn der Arbeit wird ein kurzer Blick auf das Phänomen „Pest“ geworfen, mit dem sich die Menschen von der Antike bis heute immer wieder auseinander setzen mussten. Der Einstieg mit diesem Gegenstand erfolgt nicht ganz zufällig, waren die große Pest des Spätmittelalters und die stets wiederkehrenden Ausbrüche der Frühen Neuzeit doch nicht zu unterschätzende Ereignisse, die das Leben der Menschen viele Jahrhunderte lang prägten. Die Seuche kehrte in die einzelnen Städte immer wieder zurück, durchschnittlich alle zehn Jahre kam es zu einem größeren Pestausbruch. Man kann also davon ausgehen, dass so gut wie jeder Mensch des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit Erfahrungen mit dieser Erkrankung gemacht hatte.[9] Die Pest musste also zu Veränderungen, die Auswirkungen auf die „gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, administrativen und kulturellen Umstrukturierungsprozesse der Frühen Neuzeit“[10] hatten, geführt haben. Es wird untersucht, ob die Erkrankung auch einen Einfluss auf die Entwicklung des Policeywesens hatte, beziehungsweise, wie weitreichend dieser gewesen ist.

Unabdingbar scheint daher die Frage nach der beginnenden Institution „Policey“. Zum besseren Verständnis der Policey wird in Kapitel II die Entstehungsgeschichte der Policey erläutert und die Entwicklung des Begriffes nachgezeichnet. Es folgt eine Darstellung der Entstehung und des Inhaltes der Policeygesetze sowie eine Vorstellung der wichtigen Normgeber und Adressaten der Policeygesetzgebung. Weiterhin wird der Aufbau der policeylichen Verwaltung im dritten Teil der Arbeit erörtert. Im letzten Abschnitt folgt eine Analyse des Zusammenhangs der Krankheit Pest mit der policeylichen Pestabwehr. Hier soll untersucht werden, welche Folgen die Seuche für das gesellschaftliche Leben hatte und welche administrativen Maßnahmen ergriffen wurden, um das Ereignis „Pest“ zu bewältigen.

II. Kurze Geschichte und Epidemiologie der Pest

Um den Zusammenhang von Pest und Policey zu verstehen, soll an dieser Stelle die Pest in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen dargestellt werden. Die europaweite Ausbreitung und die hohe Ansteckungsgefahr der Krankheit machten es notwendig, dass die Obrigkeiten Wege und Mittel fanden, mit der Pest umzugehen, um schließlich geeignete Prophylaxe- und Schutzmaßnahmen ergreifen zu können.

A. Zur Epidemiologie der Pest

Der Schweizer Tropenarzt und Mitarbeiter am Institut Pasteur, Alexandre Yersin, entdeckte 1894 während einer Epidemie in Hongkong das Pestbakterium.[11] Nach ihm wurde der Erreger in den 1970er Jahren Yersinia pestis benannt, vorher war der Bazillus ebenfalls unter dem Namen Pasteurella pestis bekannt.[12]

Bei dem Pesterreger handelt es sich um ein unbewegliches, sporenloses, stäbchenförmiges Bakterium[13], das ein eiweißhaltiges Gift ausscheidet, welches beim Infizierten den Tod herbeiführen kann. Nur sehr wenige Menschen sind gegen den Erreger resistent.[14]

Die Pest ist im eigentlichen Sinne keine Krankheit des Menschen, sondern eine Erkrankung spezieller Nagetiere, zumeist Ratten, die den Menschen erst bei Kontakt mit denselben befällt. Man spricht hier von einer sogenannten Zoonose, also einer Krankheit, deren Träger ursprünglich Tiere sind, die jedoch unter bestimmten Bedingungen auf den Menschen übertragen werden kann.[15]

Als Überträger des Erregers auf den Menschen galten vorwiegend infizierte Ratten, die selbst durch den Biss des Rattenflohs Xenopsylla Cheopis Roth, der den Bazillus in sich trug, angesteckt wurden. Man unterscheidet bei den Ratten die Wanderratte Rattus Norvegicus Birkenhout von der Hausratte Rattus Rattus. Der Rattenfloh springt beim Tod seines eigentlichen Wirtstiers auch auf den Menschen über und überträgt somit die Pest auf diesen.[16] Bei zunehmender Infizierung der Bevölkerung kam die Tatsache hinzu, dass auch der Menschenfloh ein Überträger der Seuche sein konnte, was einen Übertragungsweg von Mensch zu Mensch bedeutete und das Infektionsrisiko wiederum erhöhte. Starb eine große Anzahl von Ratten an der Pest, suchten die Flöhe nach einem Alternativwirt und setzten sich massenhaft auf dem Menschen ab. Überdies wurde das Infektionsrisiko dadurch begünstigt, dass die Flöhe bis zu dreißig Tage auch ohne Wirt in Kleidern, Lumpen, Betten usw. überleben konnten.[17] Die Pest habe sich Erich Keyser zufolge besonders stark entlang der Handelswege ausgebreitet, was einen Zusammenhang zwischen der Seuchengeschichte und der Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte deutlich mache.[18]

Die Ansteckungswege der Pest, so stellt Martin Dinges treffend fest, waren komplex: „Anpassungen zwischen den Mikroben, den Wirten und den Alternativwirten waren notwendig: Ratten mussten zum Beispiel in der Nähe von Menschen leben, damit der Floh nach deren Tod überhaupt auf sie als ‚Wirte’ übergehen konnte.“[19] Daneben spielte die Umgebungstemperatur eine Rolle bei der Übertragung durch Flöhe, da letztere bei einer Temperatur von weniger als zehn Grad Celsius in eine Gliederstarre fallen. Damit wäre laut Klaus Bergdolt auch das Abklingen von Pestwellen im Winter zu erklären.[20]

Dinges bemerkt, dass einer der möglichen Gründe für das Verschwinden der Pest in Europa seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert die Störung der Ansteckungskette Ratte-Floh-Mensch durch einen Populationsrückgang der eng mit dem Menschen zusammenlebenden Hausratte gewesen sei.[21] Die Wanderratte hingegen trat in Europa erst im 17. Jahrhundert auf. Durch ihre starke Mobilität und aufgrund ihrer Eigenschaft, sich nur kurz an einem Ort aufzuhalten, bot sich somit eine geringere Möglichkeit zur Übertragung der Seuche auf den Menschen.[22] Dessen ungeachtet ist das Abklingen der Seuche nicht allein mit der Veränderung der Rattenpopulation zu erklären. Ebenso könnte nach Meinung von Claudia Eberhard-Metzger eine Mutation des Pesterregers dazu geführt haben, dass der Bazillus sich genetisch dahingehend veränderte, dass er nicht mehr so aggressiv auftrat.[23] Weniger ansteckende Stämme des Pesterregers hätten außerdem die gefährlicheren Erreger verdrängen können. Diese Veränderungen, denen der Bazillus vermutlich unterlag, könnten eine Erklärung dafür sein, dass die Pest mit unterschiedlich starker Virulenz auftrat und später fast ganz verschwand. Auch bei anderen Krankheiten, wie beispielsweise der Grippe oder der Tuberkulose, zeigen sich, so Fernand Braudel, vergleichbare Abstufungen.[24]

Weitere Gründe für das Verschwinden der Pest waren wohl auch in der besseren Ernährungs- und Wohnsituation und der somit höheren Widerstandsfähigkeit vor allem ärmerer Bevölkerungsschichten auszumachen.[25] Nach großen Feuersbrünsten im 16., 17. und 18. Jahrhundert wurden Holzhäuser zunehmend durch Steinbauten ersetzt. Die Sauberkeit und dadurch auch die geringere Verbreitung von Ratten und Flöhen nahm vor allem durch die Verbannung der Haustiere aus den Innenräumen der Häuser zu.[26] Einen wichtigen Faktor stellten auch die zunehmenden Prophylaxe- und Abwehrmaßnahmen der Obrigkeiten dar, wie beispielsweise Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit von Personen und Waren, die zumindest eine weitere Ausbreitung der Seuche erschwerten.[27] Es bleibt dennoch eine Tatsache, dass das Verschwinden der Pest von der Forschung bis heute nicht hinreichend begründet werden kann. Es stellt sich auch die Frage, wie groß die Bedeutung der obrigkeitlichen Pestabwehr für den Rückgang der Pest gewesen ist.

Es gab zwei bzw. drei unterschiedliche Verlaufsformen der Pest, nämlich die Beulen- oder Bubonenpest und die (primäre und sekundäre) Lungenpest. Die häufigste Form, die Beulenpest, wurde von Flöhen übertragen und hatte eine hohe Mortalitätsrate.[28] Der Name Beulenpest rührte von ihren Symptomen her: Den Pestbeulen beziehungsweise geschwollenen Lymphknoten in der Nähe zur Floheinstichstelle, die sich innerhalb weniger Tage bildeten, nachdem der Bazillus in den Körper eingedrungen war.[29] Im Verlauf der Krankheit entwickelten sich weitere Symptome wie starke Kopfschmerzen, Benommenheit, Fieber, Halluzinationen und Delirium bis hin zur Sepsis, die zum Tode führte.[30] Steckte sich jemand mit der Pest an, so äußerte sich dies, so in einem Hildesheimer Bericht zur Lage der Pest im Jahre 1657, „[...] anfangs mit einem Schauder [...] nebst starker Hauptweh und Schwerigkeit/ Schmertzen des gantzen Rückgrads unnd Magens/ stetigem Seufftzen/ Hertzweh/ vielen brechen etc. [...].“[31]

Der Hildesheimer Stadtphysikus Konrad Barthold Behrens beschreibt in seinem Gründlichen Bericht von der Natur, Eigenschafft und wahrem Uhrsprung der Pest aus dem Jahr 1714 die Symptome der Pest bereits sehr detailliert, was beweist, dass die Ärzte der Frühen Neuzeit in der Lage waren, genaue Diagnosen zu stellen:

„Insgemein aber gehet ein gelinder Schauder vor an/ mit darauf erfolgender Beängstigung des Hertzens/ schleuniger Entkräfftung/ Haupt- und Rücken-Wehe/ Schwindel/ Ohnmacht/ Hin- und Herwerffen/ verfallenen Gesichte/ Magendrücken/ heftigem Brechen/ unlöschlichem Durst/ Schlaff-Sucht und wohl Schlafflosigkeit/ Verwirrung im Haupte/ Nasebluten/ Blutspeien/ öfftern Harnen/ Durchbrüchen und Ruhr. [...] längliche Bäulen/ welche zwar an verschiedenen Orthen des Leibes/ meist [...] unter den Achselln oder auch hinter den Ohren mit Schmerzen und Brennen hervorkommen.“[32]

Die Beulenpest konnte zur sekundären Lungenpest führen, wenn die Erreger in die Blutbahn und anschließend in die Lunge gelangten. Der Lungenbefall endete so gut wie immer tödlich. Die noch ansteckendere Form der primären Lungenpest wurde, anders als die Beulenpest, wie die Grippe von Mensch zu Mensch durch „Tröpfcheninfektion“ übertragen. Der Verlauf der Lungenpest war durch Herzrasen, Bluthusten und Atemnot gekennzeichnet und führte innerhalb von ein bis zwei Tagen zum Tod, meist durch Ersticken. Beulen- und Lungenpest waren zwar durch einen unterschiedlichen Krankheitsverlauf gekennzeichnet, stellten aber im Grunde dieselbe Erkrankung dar. Die Beulenpest konnte vor allem bei älteren Menschen oder Kindern jederzeit mit einem Lungenbefall einhergehen und somit eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ermöglichen.[33] Die weitere Übertragung der Pest war dadurch ohne die Mitwirkung von Flöhen möglich.[34]

Bereits im 14. Jahrhundert waren die Mediziner in der Lage, die verschiedenen Verlaufsformen der Pest zu unterscheiden. 1365 charakterisierte Guy de Chauliac, der Leibarzt des Papstes bzw. des Königs von Frankreich, die Symptome der Lungen- und Beulenpest in seiner Chirurgia Magna :

„Die Krankheit hielt sich (in Avignon) sieben Monate. Es gab zwei Formen. Die erste dauerte zwei Monate und war durch anhaltendes Fieber und Blutspucken gekennzeichnet, und man starb daran innerhalb von drei Tagen. Die zweite dauerte lange Zeit an, ebenfalls unter anhaltendem Fieber, wobei sich Pusteln und Beulen auf der Haut entwickelten, besonders unter den Achseln und in der Leistengegend. Man starb daran nach fünf Tagen.“[35]

B. Der Ursprung einer rätselhaften Krankheit

Die Herkunft des Schwarzen Todes, räumt Manfred Vasold ein, ist nicht eindeutig zu bestimmen. Vielleicht handelte es sich bereits bei der „Pest der Philister“, die im Alten Testament beschrieben wird, um Yersinia pestis. Es könnten aber auch, wie es höchstwahrscheinlich bei der „Pest des Thukydides“ 429 vor Christus in Griechenland der Fall war, verschiedene andere Infektionskrankheiten dahinter gesteckt haben, die zur selben Zeit auftraten, wie beispielsweise Typhus (auch Fleckfieber genannt), Gelbfieber, Masern oder die Pocken.[36] Der Historiker Thukydides hätte wahrscheinlich alle diese Seuchen mit dem gängigen Begriff „Pest“ bezeichnet.[37]

Der Begriff „Pest“ (lat. pestis, griech. loimós, hebr. deber )[38] wurde in der Vergangenheit also häufig synonym mit dem der „Seuche“ gleichgesetzt, was auch in der Forschung immer wieder zu Missverständnissen bei der Identifizierung der einzelnen Krankheiten führte.[39] Die Ärzte der Frühen Neuzeit stellten bereits unterschiedliche Krankheiten fest, wie Johann Cravelius aus Osterode in einer Pestordnung von 1625:

„So müssen sie sich anfangs darbey erinnern lassen/ daß durch die Pest oder Pestilentz wir nicht in gemein all dasselbe/ was etwa Menschen/ Viehe/ oder einem jeden Dinge Schaden zufüget/ vnd deren eins verletzet vnd beschedigt/ welcher gestalt auch Krieg/ Auffruhr/ Zwietracht/ Geitz/ Hoffart/ Müssiggang/ vnd dergleichen Pest in einer Gemeine/ vnd grewlich Vngewitter Pest des Feldes vnd der lieben Erdfrüchte offtmahl genennet wird/ allhie verstehen; [...].“[40]

Auch Konrad Barthold Behrens unterscheidet in seinem Bericht zur Pest von 1714 zwischen der Pestilenz und der Pest und kritisiert das mangelnde Wissen der damaligen Ärzte über die „Natur und Eigenschafft“ der Erkrankung:

„Dieser angeführte Unterschied ist von den alten Medicis so nicht attendiret worden/ wie denn selbige überdem die Pestilentz geringer als die Pest hielten/ auch das Pest-Gifft so nicht begriffen/ und von nichts anders als verdorbener Lufft/ Astralischen influentzen und [...] Cometen/ [...] und dergleichen Dingen redeten. Es ist aber bereits von mir [...] erwiesen/ daß solche himmlische Cörper ein so grosses eben nicht wircken. Es müste auch bey solcher Beschaffenheit der gantze Erdkrans/ oder doch ein gantz clima derselben/ und zwar an allen Orthen zugleich mit der Pest beleget werden/ und keine Stadt oder Land allein und nacheinander leyden. Ist also kein Wunder/ daß die Natur und Eigenschafft der Pest dunckel geblieben/ und so wohl bey præservirung derselben/ als denen Pest-Curen selbst ein und anders versehen worden.“[41]

Die Diagnose der Pest wurde noch dadurch erschwert, dass sich einige Symptome der verschiedenen Krankheiten zunächst glichen, wie zum Beispiel Gewichtsreduktion, Benommenheit, Bluthusten, Durchfälle und Lymphknotenschwellungen (Bubonen).[42] Aus diesen Gründen lässt sich in einigen Fällen nur schwer sagen, ob es sich bei der jeweiligen Epidemie tatsächlich um die Pest oder eine andere Krankheit handelte.

Die erste Epidemie, bei der man sich ziemlich sicher ist, dass es sich um die Pest handelte, war die nach dem byzantinischen Kaiser Justinian I. benannte „Pest des Justinian“ vom 6. bis 8. Jahrhundert. Zeitzeugen, wie der englische Kleriker Beda Venerabilis (673/674-735) oder Gregor von Tours (538/539-594) berichteten davon.[43] Um 750 gab es noch einmal eine schwere Epidemie in Italien, jedoch zeigten die antiken und frühmittelalterlichen Seuchenzüge nicht die „flächendeckende Wirkung der echten ‚mittelalterlichen’ Pest“.[44] Seuchenbeschreibungen der Antike erlauben keine eindeutige Diagnose „Pest“. Offensichtlich ist nur, dass es sich, so Bergdolt, um Epidemien mit hohen Menschenverlusten handelte.[45]

Die eindeutige Bestimmung der Krankheit hat die Pestforschung unter anderem in den USA (Samuel K. Cohn Jr.)[46] und Deutschland (Manfred Vasold) immer wieder zu Diskussionen angeregt, wohl auch deshalb, weil eindeutige Antworten bei der Diagnose bis heute nicht möglich sind.[47] Die Mehrheit der (Medizin-) Historiker ist dessen ungeachtet wie Bergdolt der Meinung, dass es sich neben den erwähnten anderen Erkrankungen, die in Zeiten der Pest auftraten, sehr wohl um den Pestbazillus gehandelt hat. Bergdolt kritisiert nachvollziehbar, dass die nahe liegende Möglichkeit, dass der Pesterreger mutiert sei, in der Diskussion kaum beachtet wurde. Jedoch wäre gerade eine Mutation ein einleuchtender Grund dafür, daß die Pest in Europa seit dem frühen 18. Jahrhundert zurückging, weil sich der Erreger verändert haben könnte. Bergdolt bemerkt, dass die Pest mit ihren hohen Menschenverlusten zwar ein einzigartiges Phänomen dargestellt habe, allerdings wäre Europa gerade auch zur Zeit von Pestzügen, als die Abwehrkräfte der Menschen ohnehin geschwächt waren, von vielen anderen Seuchen heimgesucht worden. Letztlich sei es nicht so entscheidend, welche Seuche die Menschen in der Vergangenheit heimsuchte. Fest stehe jedoch, dass die Reaktionen bei den Betroffenen bei allen schweren Epidemien ähnlich waren: Todesangst, Verzweiflung, Flucht, Verrohung der Gesellschaft sowie die Suche nach Prophylaxe- und Therapiemaßnahmen bestimmten den Seuchenalltag.[48]

C. Der Schwarze Tod des Mittelalters

Wie bei der „Pest des Justinians“ gab es auch beim sogenannten Schwarzen Tod des 14. Jahrhunderts eine Häufung der Beschreibungen von „Naturkatastrophen, Vulkanausbrüchen, Überschwemmungen und Kometenerscheinungen als unheilvolle Vorzeichen von Kriegen und Seuchen“[49], die mit der Pest in Zusammenhang gebracht wurden. Trotzdem erschien den Europäern die nach über einem halben pestfreien Jahrtausend 1347 nach Genua und Venedig auf dem Seeweg eingeschleppte Krankheit als völlig neuartig. Die Seuche wurde nicht direkt mit den antiken, geschweige denn den frühmittelalterlichen Epidemien, in Zusammenhang gebracht.[50] Vor allem in Westeuropa war die Erinnerung an die ersten folgenschweren Epidemien verdrängt worden. „Erst durch die im Hoch- und Spätmittelalter entwickelte Schreibkultur, den zunehmenden Kommunikationsfluß zwischen den Ländern sowie die Institution höfischer und städtischer Chronisten wurde eine solche kollektive Vergeßlichkeit unmöglich“[51], stellt Bergdolt plausibel fest. Von allen Pestzügen blieb der Schwarze Tod, der Europa und die Mittelmeerländer von 1347 bis 1351 heimsuchte, der bekannteste.[52]

Diese große Pest des Mittelalters kam aus dem Inneren Asiens. Sie wurde im Herbst 1347 auf dem Seeweg von der Krim nach Italien eingeschleppt, wo sie sich als Lungen- und Beulenpest schnell ausbreitete und in Städten wie Florenz und Venedig viele Opfer forderte. Von Italien breitete sich die Epidemie 1348 über den See- und Landweg weiter nach Westeuropa aus, zunächst nach Spanien, Frankreich und England. Von dort gelangte der Schwarze Tod auf dem Seeweg ins nördliche Europa und über Land in das heutige Deutschland.[53]

Über die Anzahl der Opfer, die die Pest des Mittelalters forderte, gehen die Meinungen bis heute weit auseinander. Viele Chronisten erwähnten extrem hohe Menschenverluste und schrieben, dass zum Beispiel in Italien, Frankreich und England mehr als 60 Prozent der Bevölkerung an den Folgen der Pest gestorben seien.[54] Die meisten Forscher sind, was diese Zahlen angeht, zurückhaltender. Man ist sich jedoch einig, dass die Folgen des Schwarzen Todes verheerend waren. Etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung wurde in der Zeit von 1347 bis 1351 Opfer der Seuche, wobei es von Stadt zu Stadt und Region zu Region deutliche Unterschiede bei der Sterblichkeitsrate – im Durchschnitt zwischen 10 % und 60 % – gab.[55] Zweifellos zählte die Seuche im Mittelalter zu den einschneidendsten demographischen Katastrophen der Menschheit.

Erst im 16. Jahrhundert konnten die Bevölkerungsverluste wieder ausgeglichen werden. Eine Rolle spielten dabei auch Maßnahmen der Städte, die sich darum bemühten, den Zuzug von neuen Bürgern zu erreichen, zum Beispiel mit Erleichterungen beim Erwerb des Bürgerrechtes.[56] Spätestens seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begannen die städtischen Obrigkeiten damit, sich mit Hilfe von Zählungen einen genaueren Überblick über die Anzahl der Bürger zu verschaffen. Manchmal versuchten die Magistrate, wie zum Beispiel in Hildesheim 1657, die Zahl der Pesttoten zu vertuschen, indem sie sie als normale Todesfälle ausgaben. So sollten die Sanktionen vermieden werden, die auf einen schweren Pestausbruch in der Stadt folgen würden.[57]

Besonders betroffen waren stets Berufsgruppen und Menschen, die häufig mit Kranken und Toten in Berührung kamen. Trotzdem waren im Prinzip alle gesellschaftlichen Schichten in ähnlicher Weise gefährdet, denn die Pest breitete sich relativ unabhängig vom jeweiligen Ernährungszustand aus. Allerdings wirkten sich sowohl das dichtere Zusammenleben als auch die schlechteren hygienischen Wohn- und Lebensverhältnisse nachteilig bei der ärmeren Bevölkerung aus, weshalb es hier zu mehr Pestopfern kam.[58]

Die Seuche tauchte in den folgenden Jahrhunderten immer wieder auf und klang im Laufe des 18. Jahrhunderts in Westeuropa allmählich ab. Es gab aber immer noch größere Ausbrüche in angrenzenden Bereichen beziehungsweise im Osten Europas, wie beispielsweise in Moskau 1770, auf dem Balkan 1828-29 und 1841 sowie in Oran (Nordafrika) 1942.[59]

Die Pest hatte sich demzufolge seit der Antike in ganz Europa ausgebreitet. In der Frühen Neuzeit sahen sich die Menschen in unregelmäßigen Abständen immer wieder mit neuen Ausbrüchen der Seuche konfrontiert. Es stellte sich die Frage nach geeigneten Schutzmaßnahmen. Interessanterweise entstand zeitgleich mit der Pest im späten Mittelalter und vor allem in der Frühen Neuzeit eine neue policeyliche Ordnung innerhalb der Gesellschaft, die Obrigkeiten und Untertanen Hoffnung machte, in Zukunft besser auf die Pest vorbereitet zu sein.

III. Der Policey-Begriff

A. Policey – Eine Herleitung und Definition

Um die Entstehung der Policey besser nachvollziehen zu können, ist zunächst eine Klärung des Begriffs nötig. Im Folgenden soll nun versucht werden, die Entwicklung des Policey-Begriffs von seiner Entstehung in der Antike bis in die Neuzeit hinein zu verfolgen.

Das Wort „Policey“ existiert im deutschen Sprachraum seit etwa fünfhundert Jahren. Es stammt aus dem Griechischen (= politeia ) und wurde in späterer Zeit dann über das Lateinische (= politia ) und die burgundischen Kanzleien in die Kanzleisprache des Deutschen Reiches übernommen.[60]

Der griechisch-antike Terminus politeia soll zum ersten Mal im 8. Jahrhundert vor Christus im Homerischen „Ilias“-Epos aufgetaucht sein und zwar im Sinne von „miteinander Mauer bauen“.[61] Das Bild der Mauer als Schutz- und Sicherheitsgedanke ist hier laut Peter Nitschke von Anfang an immanent und ein wesentlicher Bestandteil im allgemeinen Verständnis des Politeia- Begriffes.[62] Häufig werde der Ursprung des Begriffes politeia auch aus dem Begriff polites, „jenem alten Terminus, welcher die Zugehörigkeit zur pólis bezeichnet“[63], vermutet. Dies wiederum verweise auf das letzte Buch Herodots, wo der Begriff politeia zum ersten Mal im Sinne von „Bürgerrecht“ bzw. „Verfassung“ verwendet wurde.[64] In den politiktheoretischen Schriften von Platon und Aristoteles wurden die Begriffe pólis und politeia von nun an synonym mit dem Begriff „rechter Verfassung“ verwendet, in der weiteren Entwicklung wurde der Terminus mehr und mehr auf den formalen Verfassungsaspekt reduziert.[65]

Die Römer, die „mit dem Begriff der ‚civitas ’ über eine ähnliche Sprachwurzel verfügten“[66], schreibt Nitschke, adaptierten den Terminus politeia in die latinisierte Version politia, von nun an im Sinne von „staatlicher Ordnung“.[67] Politia setzte sich auch nach dem Ende der Antike mit dem Siegeszug der lateinischen Sprache durch. Im Früh- und Hochmittelalter spielte der Begriff im Umfeld der Herrschaftssysteme allerdings keine Rolle.[68] Nitschke bringt diese Problematik auf den Punkt:

„Ganz offensichtlich ist hier eine Interdependenz zum Gemeinschaftsverhältnis zu sehen: die Abwesenheit des Politia-Begriffs korrespondiert mit der Abstinenz einer definitiven Unterscheidung zwischen öffentlicher und privater Gewalt. Öffentlichkeit und Privatheit im modernen Sinne gibt es hier nicht: es existierte keine intakte Kommunikationsplattform, auf deren Ebene sich die mittelalterliche Gesellschaft hätte ‚öffentlich’ artikulieren können. Selbst ‚Gesellschaft’ im neuzeitlichen Sinne gab es nicht; sie manifestierte sich immer nur in den einzelnen Gruppen, Ständen und Klassen, nicht jedoch aber in einem gemeinschaftlichen Gesamtbewußtsein.“[69]

Erst an der Schwelle vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit wurde der Politia-Begriff in der deutschen Kanzleisprache unter der Bezeichnung „Policey“ wieder eingeführt. Nitschke wirft die Frage auf, warum der Begriff zu diesem Zeitpunkt im Herrschaftssystem auftauchte und führt zur Begründung an, dass seit dem Spätmittelalter die antiken Staatstheorien für die weitere politiktheoretische Verwendung wiederentdeckt wurden.[70]

B. Die Policey und der Wohlfahrtsgedanke in der Frühen Neuzeit

Zum ersten Mal wird Polletzey im deutschen Sprachraum in einem kaiserlichen Privileg für die Stadt Nürnberg im Jahr 1464 überliefert.[71] Franz Ludwig Knemeyer verdeutlicht, dass der Begriff zunächst von der Obrigkeit verwendet wurde, und zwar vor allem für die obrigkeitliche Regelung der Bereiche des „öffentlichen Wohls, die unter den Begriffen ‚Frieden’ und ‚Recht’ nicht oder nur unzulänglich zu fassen waren“.[72] Seitdem hatte sich der Begriff mehr und mehr eingeengt und weiterentwickelt.[73] In der Frühen Neuzeit hatte Policey, konstatiert Nitschke, drei verschiedene Bedeutungen: Erstens bezeichnete der Terminus einen Zustand der „guten Ordnung“[74] für das Gemeinwesen, zweitens aber auch das entsprechende Gesetz für das besagte Gemeinwesen, sowie drittens „Mittel und Wege zur Herstellung und Durchsetzung eben dieses ‚guten’ Zustands bzw. Gesetzes“.[75] Der letzte Punkt, der auf die institutionelle Sichtweise abzielt, soll sich allerdings erst ab 1700 entwickelt haben.[76] Die Policey stellte, wie Horst Kruse passend formuliert, zunächst noch keine „Institution zur Durchsetzung und Einhaltung der Gesetze“[77] dar, sondern war allgemeiner als Zustand der „guten Ordnung“ zu betrachten.

Die theologische und humanistische Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts weist laut Knemeyer auf eine weitere, umfassendere Bedeutung des Policey-Begriffs hin. Unter Berufung auf die griechischen Staatsphilosophen wie Platon und Aristoteles meine der Begriff das „gemeine Wesen insgesamt“, also „Staat und Stadt sowie deren Verfassung“.[78]

Besonders seit der Reformation wurde in der „lutherischen Lehre von der Obrigkeit“ auf die Gehorsamspflicht der Untertanen hingewiesen. Zwar ergaben die frühen Reichspoliceyordnungen von 1530, 1548 und 1577 keine eindeutige Definition dessen, was Policey zu diesem Zeitpunkt war, allerdings wird deutlich, dass von nun an alles geregelt werden sollte, was das gesellschaftliche Leben betraf. Gesetz und Ordnung sollten nach Nitschkes Meinung zum „Fixpunkt für die obrigkeitlichen Gesetzgeber“[79] werden. Wer sich diesem Ordnungsdenken entgegenstellte, hätte mit Sanktionen rechnen müssen. Weiterhin zeige „das frühneuzeitliche Policeyverständnis [eine] [...] Tendenz zur Obrigkeitsdoktrin“.[80] Hier wird eine frühe sozialdisziplinierende Dimension der „guten Policey“ deutlich.[81] Nitschke stellt treffend fest, dass Politia in der Frühen Neuzeit eine stärkere obrigkeitliche Perspektive bekam.[82]

Stolleis beobachtet für das 16. Jahrhundert, dass der Begriff Policey (auch: Polletzey, Pollucy, pollicei, pollicey ) weiterhin sehr weit gefasst wurde. Er umschloss die Begriffe „Staat“, „Verfassung“ und „Gemeinwesen“. Ab den 1530er Jahren sei der Terminus dann in den Reichs- und Landespoliceyordnungen aufgetaucht.[83]

In der Gesellschaft des 17. Jahrhunderts sieht Nitschke die „Verpflichtung zum ‚gemeinen Nutzen’“ als gegebene Vorraussetzung und Verpflichtung für alle ihre ständischen Mitglieder an. Diese wohlfahrtsstaatliche Intention solle auch die „gute“ Policey verkörpern. Die Bedeutung der Policey sei religiös und somit karitativ begründet gewesen und es habe die allgemeine Auffassung geherrscht, dass Gottesfürchtigkeit auch zu „guter beständiger Policey in allen Ständen“[84] führen müsse.

Der absolutistische Staat nach dem Dreißigjährigen Krieg hätte laut Nitschke eine Herrschaftskonstruktion von „Schutz und Schirm“ postuliert, die von ihren Untertanen Gehorsam eingefordert habe und sich alle Kräfte innerhalb des Staates dienstbar machen wollte.[85] Die Policeyverordnungen der Territorialherren erhielten damit eine wichtige politische Funktion, denn mit Hilfe der Policey „erhoben die Territorialherren ihren Anspruch auf Souveränität gegenüber den lokalen intermediären Gewalten in Stadt und Land und forcierten ihn mit einer neuen, bis dato nicht gekannten Qualität“[86]. Der absolutistische Staat, der häufig auch als „Polizeistaat“ bezeichnet wird, habe hier allmählich eine neue Form der Rechtsgestaltung entwickelt, in der die Policey eine zentrale Rolle übernahm.

IV. Die Policeygesetzgebung der Frühen Neuzeit

A. Die Entstehung und der Inhalt der Policeygesetzgebung

Michael Stolleis sieht den Ursprung der Policeywissenschaft und der Policeygesetzgebung in der aristotelischen Tugendlehre für Individuum, Haus und Gemeinschaft. Ihre Vorläufer seien „in Fürstenspiegeln und Landesbeschreibungen, Sittenspiegeln, Ehebüchlein, Tischzuchten, Hausväterliteratur, Traktaten über Handel, Geld und Steuererhebung, Ackerbau und Viehzucht, Jagd und Fischfang, Medizin und Bevölkerungspolitik“[87] zu finden.

Die Policeygesetzgebung entstand auch als Reaktion auf die gesellschaftlichen Probleme und Veränderungen seit dem 16. Jahrhundert, einer Zeit sozialer Wandlungsprozesse und Krisen innerhalb des Reiches, die Karl Härter treffend als „Zerfall der alten Ordnung“[88] bezeichnet. Während der Reichsreform des 15. und 16. Jahrhunderts konnte dem stärker werdenden Bedürfnis nach Gesetzgebungsmaßnahmen auch durch die Policeyverordnungen nachgekommen werden.[89]

Die Policeygesetzgebung entwickelte sich auf verschiedenen Ebenen, und zwar innerhalb des Reiches, der Territorien sowie in den Städten selbst.[90] Nach dem Dreißigjährigen Krieg entstand eine Fülle von Policeyverordnungen, die laut Anette von Stieglitz „den großen Regelungsbedarf des öffentlichen Lebens“[91] dokumentierten. Härter verwendet allgemein „einen historischen Gesetzesbegriff, der unter ‚Policeygesetz’ alle obrigkeitlich gesetzten und mit allgemeinem Geltungsanspruch versehene Normen, wie z. B. Verordnungen, Reskripte usw. versteht [...].“[92] Die Policeygesetze und -verordnungen hätten, so Härter weiter, nahezu alle gesellschaftlichen Lebensbereiche im Hinblick auf die Bewahrung und Herstellung eines Zustandes guter Ordnung umfasst. Sie seien deshalb als „Rechtsgebote und herrschaftliche Pflichten- und Fürsorgeordnungen“[93] bezeichnet worden.

[...]


[1] Vgl. Bulst, Neithard: Die Pest verstehen. Wahrnehmungen, Deutungen und Reaktionen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, in: Groh, Dieter/Kempe, Michael/ Mauelshagen, Franz (Hg.): Naturkatastrophen. Beiträge zu ihrer Deutung, Wahrnehmung und Darstellung in Text und Bild von der Antike bis ins 20. Jahrhundert (= Literatur und Anthropologie, 13). Tübingen 2003, S. 147.

[2] Bulst, Neithard: Die Pest verstehen, S. 147.

[3] Beispielhaft können hierfür stehen: Butz, Werner: Der Polizeibegriff im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel. Umfang und geschichtliche Entwicklung bis 1806. (= Beihefte zum Braunschweigischen Jahrbuch, hrsg. von Günter Scheel, Bd. 4) Braunschweig 1986; Dehesselles, Thomas: Policey, Handel und Kredit im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel in der Frühen Neuzeit (= Studien zu Policey und Policeywissenschaft, hrsg. von Michael Stolleis) Frankfurt am Main 1999; Dietz, Bettina: Utopie und Policey. Frühneuzeitliche Konzeptionen eines idealen Ordnungsstaates, in: Zeitschrift für historische Forschung 30 (2004), S. 591-617; Eisenhardt, Ulrich: Deutsche Rechtsgeschichte. München 1984; Gittel, Udo: Die Aktivitäten des Niedersächsischen Reichskreises in den Sektoren 'Friedenssicherung' und 'Policey' (1555-1682). (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 35, Quellen und Untersuchungen zur allgemeinen Geschichte Niedersachsens in der Neuzeit, Bd. 14) Hannover 1996; Härter, Karl: Entwicklung und Funktion der Policeygesetzgebung des Heiligen Römischen Reiches Dt. Nation, in: Jus Commune 20 (1993), S. 61-141; Ders.: Soziale Disziplinierung durch Strafe? Intentionen frühneuzeitlicher Policeyordnungen und staatliche Sanktionspraxis, in: Zeitschrift für historische Forschung 26 (1999), S. 365-379; Landwehr, Achim: Die Rhetorik der „Guten Policey“, in: Zeitschrift für Historische Forschung 30 (2003), S. 251-287; Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Polizei-Begriffs und seiner herrschaftspolitischen Dimensionen von der Antike bis ins 19. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Historische Forschung 19 (1992), S. 1-27; Oestreich, Gerhard: Policey und Prudentia civilis in der barocken Gesellschaft, in: Ders.: Strukturprobleme der frühen Neuzeit, hg. von Oestreich, Brigitta. Berlin 1980, S. 367-379; Schulze, Reiner: Policey und Gesetzgebungslehre im 18. Jahrhundert. (Schriften zur Rechtsgeschichte Heft 25) Berlin 1982; Scupin, Hans-Harald: Die Entwicklung des Polizeibegriffs und seine Verwendung in den neuen deutschen Polizeigesetzen. Marburg 1970; Stolleis, Michael: Geschichte des öffentlichen Rechtes in Deutschland, Bd. 1, Reichspublizistik und Policeywissenschaft 1600-1800. München 1988; Zobel, Karolina: Polizei. Geschichte und Bedeutungswandel des Wortes und seiner Zusammensetzungen. Diss. Univ. München 1952.

[4] Beispielhaft hierfür: Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa. Die große Pest und das Ende des Mittelalters. München 1994, Ders.: Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes. München 2006; Biraben, Jean Noël: Les hommes et la peste en France et dans les pays européens et méditerranéens, 2 Bände. Paris 1975/76; Bowsky,William: The black death.A turning point in history? Huntington, New York 1978; Bulst, Neithard: Der schwarze Tod. Demographische, wirtschafts- und kulturgeschichtliche Aspekte der Pestkatastrophe von 1347-1352. Bilanz der neueren Forschung, in: Saeculum 30 (1979), S. 45-67; Cohn, Samuel K.: The black death: End of a paradigm, in: The American Historical Review 107, Nr. 3 (2002), S. 703-738; Gottfried, Robert: The black death. New York 1983; Keil, Gundolf: Pest (Medizin), in: Lexikon des Mittelalters Bd. 6, CD-ROM-Ausgabe. Stuttgart 2000, S. 1918-1920; Keil, Gundolf: Seuchenzüge des Mittelalters, in: Herrmann, Bernd: Mensch und Umwelt im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 109-128; Meier, Mischa (Hg.): Pest. Die Geschichte eines Menschheitstraumas, Stuttgart 2005; Tuchmann, Barbara: Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert. München 1978; Vasold, Manfred: Die Pest: Ende eines Mythos. Stuttgart 2003; Zinn, Karl Georg: Kanonen und Pest. Über die Ursprünge der Neuzeit im 14. und 15. Jahrhundert. Opladen 1989.

[5] Beispielhaft sind z. B. die Untersuchungen von: Feuerstein-Herz, Petra (Hg.): Gotts verhengnis und seine straffe. Zur Geschichte der Seuchen in der Frühen Neuzeit (= Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 84). Wiesbaden 2005; Kinzelbach, Annemarie: Gesundbleiben, Krankwerden, Armsein in der frühneuzeitlichen Gesellschaft: Gesunde und Kranke in den Reichsstädten Überlingen und Ulm 1500 –1700. Stuttgart 1995; Mauelshagen, Franz: Pestepidemien im Europa der Frühen Neuzeit (1500 -1800), in: Meier, Mischa (Hg.): Pest. Die Geschichte eines Menschheitstraumas, Stuttgart 2005, S. 237-265; Schwarz, Klaus: Die Pest in Bremen: Epidemien und freier Handel in einer deutschen Hafenstadt 1350-1713. Bremen 1996; Ders. : Die Pest in Bremen zur Zeit des Nordischen Krieges 1709/13, in: Kaldewei, Gerhard (Hg.): „...in Lieb und Leid, ... in Noth und Todt, ... in Pest-Zeiten“. Begleitveröffentlichung zur Ausstellung "Pest, Plagen und Polycarpus 1454/2004" vom 13.6.-5.9.2004 in den Museen der Stadt Delmenhorst. Oldenburg 2004, S. 103-112; Ulbricht, Otto (Hg.): Die leidige Seuche. Pest-Fälle in der frühen Neuzeit, Köln 2004.

[6] Bulst, Neithard: Vier Jahrhunderte Pest in niedersächsischen Städten. Vom Schwarzen Tod (1349-1351) bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Meckseper, Cord: Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 1150-1650, Bd. 4. Stuttgart-Bad Cannstatt 1985, S. 251-270.

[7] Beispielhaft hierfür: Höhl, Monika: Die Pest in Hildesheim: Krankheit als Krisenfaktor im städtischen Leben des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Hildesheim 2002; Keyser, Erich: Die Pest in Niedersachsen, in: Erlebtes, Erzähltes, Erforschtes. Festgabe für Hans Wohltmann, hrsg. von Richard Drögereit. Stade 1964, S. 108-115; Kronshage, Walter: Die Bevölkerung Göttingens. Ein demographischer Beitrag zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte vom 14. bis 17. Jahrhundert. (Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen Bd. 1). Göttingen 1960; Rüthning, Gustav : Die Pest in Oldenburg, in: Kaldewei, Gerhard (Hg.): „...in Lieb und Leid, ... in Noth und Todt, ... in Pest-Zeiten“. Begleitveröffentlichung zur Ausstellung "Pest, Plagen und Polycarpus 1454/2004" vom 13.6. - 5.9.2004 in den Museen der Stadt Delmenhorst. Oldenburg 2004, S. 91-101; Woehlkens, Erich: Pest und Ruhr im 16. und 17. Jahrhundert. Grundlagen einer statistisch-topographischen Beschreibung der großen Seuchen, insbesondere in der Stadt Uelzen. Hannover 1954.

[8] Ulbricht, Otto: Einleitung. Die Allgegenwärtigkeit der Pest in der Frühen Neuzeit und ihre Vernachlässigung in der Geschichtswissenschaft, in: Ders. (Hg.): Die leidige Seuche. Pest-Fälle in der Frühen Neuzeit. Köln 2004, S. 1-63, hier S. 25ff.

[9] Vgl. Höhl, Monika: Die Pest in Hildesheim, S. 42.

[10] Höhl, Monika: Die Pest in Hildesheim, S. 42.

[11] Vgl. Bulst, Neithard: Der schwarze Tod, S. 48.

[12] Vgl. Vasold, Manfred: Die Pest, S. 56f.

[13] Vgl. Eberhard-Metzger, Claudia: Stichwort Seuchen. München 1996, S. 11.

[14] Vgl. Vasold, Manfred: Die Pest, S. 56f.

[15] Vgl. Bulst, Neithard: Vier Jahrhunderte Pest, S. 253.

[16] War die Wanderratte der Überträger, trat die Pest nur in unregelmäßigen Abständen und nicht unbedingt als Epidemie auf, da Wanderratten sich über weite Strecken fortbewegen und sich nicht ständig in unmittelbarer Nähe menschlicher Siedlungsräume aufhielten. Anders war dies bei der Hausratte, die massenhaft in Häusern, Speichern, Kellern oder auch in Laderäumen von Schiffen vorkam. Durch diese Nähe zum Menschen war eine Übertragung des Erregers und die Entstehung einer Epidemie wahrscheinlich. Vgl. Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 17f.

[17] Vgl. Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 17f.

[18] Vgl. Keyser, Erich: Neue deutsche Forschungen über die Geschichte der Pest, in: Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 44 (1957), S. 243-253, hier S. 247f.

[19] Dinges, Martin: Seuchen in Mittelalter und Früher Neuzeit, in: Feuerstein-Herz, Petra (Hg.): Gotts verhengnis und seine straffe. Zur Geschichte der Seuchen in der Frühen Neuzeit (= Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 84). Wiesbaden 2005, S. 16.

[20] Vgl. Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 18.

[21] Vgl. Dinges, Martin: Seuchen in Mittelalter und Früher Neuzeit, S. 16.

[22] Somit verhinderte das vermehrte Auftreten der Wanderratte eine epidemische Ausbreitung der Krankheit. Die Hausratten wurden nach und nach von den Wanderratten verdrängt, so dass sie bei der Ansteckung eine immer kleinere Rolle spielten. Vgl. auch: Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 20.

[23] Vgl. Eberhard-Metzger, Claudia: Stichwort Seuchen, S. 17.

[24] Vgl. Braudel, Fernand: Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts, Bd. 1: Der Alltag. München 1990, S. 87.

[25] Vgl. Dinges, Martin: Seuchen in Mittelalter und Früher Neuzeit, S. 17.

[26] Vgl. Braudel, Fernand: Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts, S. 81.

[27] Vgl. Dinges, Martin: Seuchen in Mittelalter und Früher Neuzeit, S. 17.

[28] Vgl. Münch, Paul: Lebensformen in der Frühen Neuzeit: 1500 bis 1800. Berlin 1998, S. 393.

[29] Vgl. Vasold, Manfred: Die Pest, S. 14f.

[30] Vgl. Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 18f.

[31] Kurtzer Bericht/ Wie sich ein jeder bey diesen geschwinden Leufften verhalten könne: Zu Nutz und Wolfahrt der Eingesessenen dieser Stadt Hildesheim. Hildesheim 1657. (HAB Wolfenbüttel Xb 269, Link: http://diglib.hab.de/drucke/xb-269/start.htm), S. 10.

[32] Behrens, Konrad Barthold (*1660-1736): Gründlicher Bericht/ Von der Natur/Eigenschafft und wahrem Uhrsprung Der Pest/ auch wie dieselbe auf alle Weise præcaviret und am sichersten curiret werde, verfasst von Konrad Barthold Behrens (1660-1736), verlegt von Johann Georg Zilliger und Ludolph Schröder. Braunschweig 1714, S. 1 und S. 19f.

[33] Vgl. Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 18f.

[34] Vgl. Bergdolt, Klaus: Die Pest, S. 17.

[35] Zit. nach Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 19.

[36] Vgl. Vasold, Manfred: Die Pest, S. 95f.

[37] Vgl. Bergdolt, Klaus: Die Pest, S. 24.

[38] Vgl. Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 12.

[39] Vgl. Vasold, Manfred: Die Pest, S. 100; Weiterführend eignet sich zum Beispiel zur Bezeichnungsvielfalt der Pest: Kinzelbach, Annemarie: Gesundbleiben, Krankwerden, Armsein in der frühneuzeitlichen Gesellschaft, S. 155ff.

[40] Cravelius, Johann: PestOrdnung/ Oder Gründlicher bericht/ und einfältige anleitunge/ wie man sich/ vermittelst Göttlicher verleyhunge/ vor der grawsamen vnd hochgefehrlichen Seuche der Pest/ præserviren: Vnd auch ferners/ So einer damit vbereilet/ ordentlicher weise... Curiren könne/ Zu nutz/ ... des löblichen Braunschw. Lüneb. Fürstenthumbs Grubenhagen/ abgefasset Durch Johannem Cravelivm, M. Doctorand. vnd Med. Pract. zu Osteroda. Goslar 1625. (HAB Wolfenbüttel A: 50 Med., Link: http://diglib.hab.de/drucke/50-med/start.htm), S. 7 (14).

[41] Behrens, Konrad Barthold (*1660-1736): Gründlicher Bericht/ Von der Natur/Eigenschafft und wahrem Uhrsprung Der Pest/ auch wie dieselbe auf alle Weise præcaviret und am sichersten curiret werde, verfasst von Konrad Barthold Behrens (1660-1736), verlegt von Johann Georg Zilliger und Ludolph Schröder. Braunschweig 1714, S. 4.

[42] Vgl. Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 12ff.

[43] Vgl. Vasold, Manfred: Die Pest, S. 95ff.

[44] Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 13.

[45] Vgl. Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 14.

[46] Vgl. Cohn, Jr., Samuel K. : The Black Death transformed: Disease and culture in early renaissance Europe. New York 2003; Ders.: The black death: End of a paradigm, in: The American Historical Review 107, Nr. 3 (2002), S. 703-738; Vasold, Manfred: Die Pest.

[47] Vgl. Vasold, Manfred: Die Pest, S. 166ff. Britische Mediziner der Universität Liverpool vermuteten beispielsweise unlängst, dass es sich beim Schwarzen Tod nicht um die Pest, sondern ein Virus, das dem Ebola-Virus ähnelt, gehandelt haben soll. Vor allem die Schnelligkeit ihrer Ausbreitung durch Flöhe und die unterschiedlich dargestellten Krankheitsbilder der historischen Quellen führten laut Manfred Vasold dazu, dass die Diagnose „Pest“ in Frage gestellt wurde.

[48] Vgl. Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 13ff.

[49] Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 15.

[50] Vgl. Dinges, Martin: Seuchen in Mittelalter und Früher Neuzeit, S. 16.

[51] Bergdolt, Klaus: Der schwarze Tod in Europa, S. 16f.

[52] Vgl. Bergdolt, Klaus: Die Pest, S. 41.

[53] Vgl. Vasold, Manfred: Die Pest, S. 103ff.

[54] Vgl. Bergdolt, Klaus: Die Pest, S. 46.

[55] Vgl. Bulst, Neithard: Pest, in: Lexikon des Mittelalters, CD-ROM-Ausgabe 2000, Bd. 6, S. 1915ff.

[56] Vgl. Bulst, Neithard: Pest, S. 1915f.

[57] Vgl. Bulst, Neithard: Vier Jahrhunderte Pest, S. 258; Vgl. zu den Sanktionen Kap. V, D.

[58] Vgl. Bulst, Neithard: Pest, S. 1915ff.

[59] Vgl. Braudel, Fernand: Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts, S. 82.

[60] Vgl. Knemeyer, Franz Ludwig: Polizei, in: Brunner, Otto/Conze, Werner/ Kosellek, Reinhart: Geschichtliche Grundbegriffe: Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 4. Stuttgart 1978, S. 875-897, hier S. 875.

[61] Nachgewiesen u. a. bei Zobel, Karolina: Polizei.

[62] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 2.

[63] Nachgewiesen u. a. bei Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 3.

[64] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 3.; Grundsätzlich hierzu z. B. Meier, Christian: Die Entstehung des Politischen bei den Griechen. Frankfurt a. M. 1980, S. 299.

[65] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 4.

[66] Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 4.

[67] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 4f.

[68] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 5.

[69] Nietschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 5.

[70] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 6ff.

[71] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 11.

[72] Knemeyer, Franz Ludwig: Polizei, S. 875.

[73] Vgl. Scupin, Hans-Harald: Die Entwicklung des Polizeibegriffs, S. 5.

[74] Vgl. Von Stieglitz, Anette: Landesherr und Stände zwischen Konfrontation und Kooperation. Die Innenpolitik Herzog Johann Friedrichs im Fürstentum Calenberg 1665-1679. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Bd. 24: Untersuchungen zur Ständegeschichte Niedersachsens, Bd. 7) Hannover 1994, S. 204.

[75] Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 12.

[76] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 13.

[77] Kruse, Horst: Stände und Regierung – Antipoden? Die calenberg-göttingischen Landstände von 1715-1802. (Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens) Hannover 2000, S. 154.

[78] Knemeyer, Franz Ludwig: Polizei, S. 876.

[79] Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 13.

[80] Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 14.

[81] Zur Sozialdisziplinierung s. auch Kapitel IV, E.

[82] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 11.

[83] Vgl. Stolleis, Michael: Geschichte des öffentlichen Rechtes in Deutschland, S. 369.

[84] Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 14f.

[85] Vgl. Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 15f.

[86] Nitschke, Peter: Von der Politeia zur Polizei, S. 16f.

[87] Stolleis, Michael: Geschichte des öffentlichen Rechtes in Deutschland, S. 336.

[88] Härter, Karl: Entwicklung und Funktion der Policeygesetzgebung, S. 66.

[89] Vgl. Härter, Karl: Entwicklung und Funktion der Policeygesetzgebung, S. 67.

[90] Vgl. Härter, Karl: Entwicklung und Funktion der Policeygesetzgebung, S. 61f.

[91] Von Stieglitz, Anette: Landesherr und Stände, S. 205.

[92] Härter, Karl: Soziale Disziplinierung durch Strafe?, S. 366.

[93] Härter, Karl: Entwicklung und Funktion der Policeygesetzgebung, S. 62f.

Details

Seiten
90
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656529675
ISBN (Buch)
9783656533870
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263964
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,75
Schlagworte
pest policey pestabwehr faktor policeywesens städten neuzeit

Autor

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Titel: Pest und Policey