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Bilanzierung und Bewertung selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände

Studienarbeit 2013 15 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhalt

1. Immaterielle Vermögensgegenstände
1.1 Selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte
1.2 Abgrenzung materielle und immaterielle Vermögenswerte
1.3 Immaterielle Vermögenswerte im Detail

2. Das Handelsgesetzbuch
2.1 Immaterielle Vermögenswerte im Handelsgesetzbuch
2.3 Abstrakte Aktivierung für selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte

3. Internationale Finanzreport-Standards
3.1 Immaterielle Vermögenswerte unter der Beachtung des IFRS
3.2 Aktivierungsvoraussetzungen und Bewertungen

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Immaterielle Vermögensgegenstände

Unternehmen sind darauf angewiesen, eine vollständige und korrekte Bilanz aufzustellen.Eine Bilanz besteht aus zahlreichen Einzelpunkten, die zusammen genommen die finanzielleSituation des Unternehmens umfassend darstellen. Einige dieser Posten ergeben sich intuitiv, andere wiederum sind Bestandteil einer wirtschaftswissenschaftlichen Definition odereines gesetzlichen Rahmens. In vielen Fällen ist die Definition und Zuordnung von Gegenständen und Werten innerhalb der Gesetzeslage und Wirtschaftsdefinition nicht absolut eindeutig. Dazu gehören auch die immateriellen Vermögensgegenstände. Bereits im Jahr 1979bezeichnete Moxter die immateriellen Anlagenwerte als ewige Sorgenkinder des Bilanzrechts (vgl. Moxter, 1979). Trotz dieser frühen Erkenntnis ist diese Unsicherheit bis heutegeblieben, gewinnt jedoch an Bedeutung, da die immateriellen Vermögensgegenständeselbst an Bedeutung gewinnen. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass immer neueimmaterielle Vermögensgegenstände entstehen, die neu unter individuellen Gesichtspunkten zu bewerten sind. Außerdem gibt es erhebliche Unterschiede zwischen der deutschenGesetzeslage nach dem Handelsgesetzbuch, kurz HGB und dem internationalen Rechnungslegungsstandard, kurz IFRS, die im Alltag eines Unternehmens harmonisiert werden muss.Vor allem für Unternehmen, die international agieren, ist das von außerordentlicher Bedeutung. Eine besondere Rolle spielen in diesem Zusammenhang die selbst geschaffenen immateriellen Vermögenswerte. Denn hier bestehen zum einen die größten Unterschiede in derdeutschen Rechtsauffassung zum internationalen Standard, zum anderen sind die selbst geschaffenen immateriellen Vermögenswerte besonders schwer zu definieren und einzugrenzen.

1.1 Selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte

Selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte spielen vor allem in Unternehmen eine Rolle, in denen Forschung und Entwicklung betrieben wird. Denn durch die Forschungsund Entwicklungsarbeit entstehen im Unternehmen Werte oder befinden sich in der Entstehung, die materiell nicht zu beschreiben sind. Ein Vermögensgegenstand wird im deutschen Handelsraum in zwei Schritten in eine Bilanz aufgenommen.

"Auf der ersten Stufe werden mit der abstrakten Aktivierungsfähigkeit Anforde- rungskriterien an die Vermögensgegenstandseigenschaft gestellt, die eine Eignung zur Aufnahme in die Bilanz bestimmen. In einem nächsten Schritt wird durch die konkrete Aktivierungsfähigkeit geprüft, ob spezielle gesetzliche Ansatzgebote, -verbote und -wahlrechte existieren, welche den allgemeinen Aktivierungsregelungen widersprechen" (Küting, Ellman 2008, S. 249).

Durch diese Zweistufigkeit ist eine eindeutige Bewertung, wann ein selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstand zur Bilanzierung herangezogen werden kann, nicht eindeutig und abschließend geklärt. Vielmehr liegt es im Ermessen des Unternehmens und inder Gesamtbilanzierung, wie selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte in die Bilanzaufgenommen werden. Der Spielraum, der dem einzelnen Unternehmen in der Bilanzierungund Bewertung selbst geschaffener Vermögenswerte zur Verfügung steht, ist immens. Ausdiesem Grund machen große, international agierende Unternehmen davon auch regelmäßigGebrauch. Auf der anderen Seite ist die Bilanzierung und Bewertung dieser Vermögenswerte auch besonders kompliziert. So muss zum Beispiel bei projektbezogenen Werten aufStetigkeit bei Ansatz und Bewertung der Vermögenswerte geachtet werden. Aus diesemGrund verzichten zahlreiche, vor allem kleinere Unternehmen auf das Ansetzen der selbstgeschaffenen immateriellen Werte.

1.2 Abgrenzung materielle und immaterielle Vermögenswerte

Um selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte souverän und rechtssicher in die Bilanz aufnehmen zu können, muss das Grundlagenwissen über Vermögenswerte und ihreKlassifizierung umfassend sein. Besonders wichtig ist hier die Unterscheidung zwischendem Begriff der materiellen Güter im Gegensatz zu den immateriellen Gütern. MaterielleGüter sind als Sachwerte zu verstehen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei umgreifbare Dinge. Der Begriff der materiellen Güter ist aufgrund seiner Natur besser zu beschreiben und zu erfassen als der Begriff der immateriellen Güter. Als Beispiele für materielle Güter sind Fahrzeuge oder Maschinen zu nennen. Immaterielle Güter hingegen sindnicht greifbar. Eine eindeutige und klar verständliche Definition immaterieller Güter gehtdaher von einem Ausschlussverständis aus. "Immaterielle Güter umfassen alle Güter, dienicht den materiellen und nicht den finanziellen Gütern zuzuordnen sind“ (Wulf, 2008, S. 20). Es handelt sich also um Güter, die weder materiell noch monetär sind. Allein diese

Ausschlussformulierung macht deutlich, dass es nicht einfach ist, immaterielle Güter in der Bilanzierung zu bewerten und sie rechtssicher in das Unternehmensvermögen einfließen zu lassen. Denn immaterielle Güter sind Interpretationssache und haben immer einen gewissen Interpretationsspielraum. Bei korrekter Anwendung dieses Spielraums ist jedoch ein sehr positiver Effekt auf die Bilanz des jeweiligen Unternehmens zu erreichen.

1.3 Immaterielle Vermögenswerte im Detail

In der Praxis hat sich eine Reihe von immateriellen Vermögenswerten herauskristallisiert,die für ein Unternehmen von großer Bedeutung sein können. Dazu zählen vor allem Rechteund rechtsähnliche Werte. "Es ist einzuräumen, dass es unter den immateriellen Werten sowie zwischen immateriellen Werten und dem Sach- und Finanzkapital zu Überlappungen kommt und die immateriellen Werde nie vollständig erfassbar sein werden" (Waxmann,2005, S. 381). Zu den unentgeltlich erworbenen Rechten, die zu den immateriellen Vermögenswerten hinzugerechnet werden, zählen Rechte wie zum Beispiel Patente, Lizenzen oderMarkenrechte. Sind diese Vermögenswerte selbst geschaffen, so kommt Ihnen eine ganzbesondere Bedeutung zu. Die Stellung der selbst geschaffenen immateriellen Vermögenswerte ist im Wirtschaftsrecht umstritten und unsicher. Das wird insbesondere bei rechtsähnlichen und sonstigen Werten und Vorteilen deutlich. Hier geht es zum Beispiel um Nutzungsrechte oder Vorkaufsrechte. Inwiefern solche Werte in der Bilanz aktivierungsfähigsind und wie sie bewertet werden müssen, hängt vom Einzelfall ab. Eine positiv formulierte,nicht auf Ausschlusskriterien beruhende Definition von immateriellen Vermögenswerten hatsich bisher nicht etabliert. Aus diesem Grund gibt es auch keine allgemein anerkannte Definition oder Kategorisierung der immateriellen Vermögenswerte. Dennoch existieren in derLiteratur einige Vorschläge zur Kategorisierung. Eine anerkannte Variante ist der Vorschlagvon Edvinsson und Malone (vgl. Edvinsson, Malone, 1997, S. 1ff), die folgende Kategorienfestlegen:

Zum einen ist vom Innovationskapital die Rede, das die Innovationen auf allen Gebieten desUnternehmens zusammenfasst. Das können zum Beispiel Patente, geschützte Rezepturenoder selbst erstellte Software sein. Unter dem menschlichen Kapital werden alle immateriellen Werte gezählt, die an Personal gebunden sind. Dazu zählt zum Beispiel spezielles Know How. Unter dem Kundenkapital versteht man das Netzwerk von potentiellen und be- stehenden Kunden. Im Gegensatz dazu beschreibt das Lieferantenkapital Beziehungen zwischen dem eigenen Unternehmen und Lieferanten, die zum Beispiel zu speziellen Preisen aufgrund einer langjährigen Zusammenarbeit liefern oder mit denen Verträge über die Lieferung seltener Rohstoffe oder Materialien bestehen. Ähnliches gilt für das Investorenkapital, das das nicht monetäre Kapital im Sinne von vorteilhaften Geschäftsbeziehungen zu Finanzdienstleistern beschreibt. Das Prozesskapital bezieht sich auf die innere Organisation des Unternehmens. Letztendlich ist noch das Lokalkapital zu nennen, das sich auf alle Vorteile rund um den Standort des Unternehmens bezieht.

Führt man für das eigene Unternehmen die Vermögenswerte dieser Kategorien auf, so wirdin den meisten Fällen deutlich, dass das Unternehmen unter Einbeziehung dieser Werte einen höheren Gesamtwert hat als ursprünglich angenommen. Doch nicht alle diese Wertekönnen bewertet und in die Unternehmensbilanz aufgenommen werden. Vor allem bei selbstgeschaffenen immateriellen Vermögenswerten ist es schwierig, einen entsprechend belegbaren Wert zu finden und diesen in die Bilanz aufzunehmen. In der Vergangenheit gab esdaher in der deutschen Rechtsauffassung im Sinne des Handelsgesetzbuchs strenge Regeln,die eine Aktivierung solcher Werte nicht erlaubte. International ist die Rechtsauffassung zudiesen besonderen Werten anders. Das veranlasste auch die deutsche Legislative zu einerNachbesserung in der Rechtsauffassung. Die Grundlagen und Auswirkungen der unterschiedlichen Regelwerke soll im folgenden Kapitel vorgestellt werden.

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Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656528012
ISBN (Buch)
9783656530596
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263892
Note
1,2
Schlagworte
bilanzierung bewertung vermögensgegenstände

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