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Körperveränderungen: Body Modification – von Attraktivitätsnormen zu Essstörungen

Vom Erwachsenwerden: Die Lebensphase Adoleszenz

Essay 2013 10 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffliche Bestimmung

3. Gesellschaftliche Attraktivitätsnormen anhand des Beispiels Essstörung

4. Körpermodifikationen und –manipulationen im weitesten Sinn

5. Resümee

6. Reflexion

Literatur

1. Einleitung

Die hier vorliegende Ausarbeitung wurde zur Präsentation „Körperveränderungen Body Modification: Vom Extremen zur Normalität“ im Rahmen des Seminars „Vom Erwachsenwerden: Die Lebensphase Adoleszenz“ an der Justus-Liebig-Universität zu Gießen im WS 2012/13 angefertigt.

In Kapitel 2 sollen zunächst die für die Ausarbeitung zentralen Begriffe „Body Modification“ und „Attraktivität“ definiert werden. An einer extremen Form der Modifikation des Körpers, der Essstörung, wird in Kapitel 3 dann dargelegt, welchen Einfluss gesellschaftliche Attraktivitätsnormen auf die Eigenwahrnehmung vieler Menschen haben. Darüber hinaus wird im Rahmen dieses Kapitels darauf eingegangen, in welchem Zusammenhang die modernen Medien in unserer Gesellschaft mit diesen Attraktivitätsnormen und den damit entstehenden Schönheitsidealen stehen und wieso der Anpassungsdruck auf einzelne Individuen dadurch immer größer wird. Im anschließenden vierten Kapitel werden dann die weniger extremen, dafür aber hochaktuellen Erscheinungen der Körpermodifikation und –manipulation thematisiert.

Die Arbeit endet mit einem Resümee und einer anschließenden Reflexion der in der Präsentation angewandten Methoden.

2. Begriffliche Bestimmung

Im Verlauf der Arbeit werden die Begriffe „Body Modification“ und „Attraktivität“ eine übergeordnete Rolle spielen, so dass diese beiden Termini zunächst genauer definiert werden sollen.

Der Terminus „Body Modification“ bezeichnet nach Bammann „[…] das dauerhafte und vorübergehende Gestalten bzw. Verändern des Körpers durch Eingriffe in die körperliche Integrität“ (2011, 173). Das Lesen dieser Definition wirft umgehend die Frage auf, was zu diesem Verändern und Gestalten des Körpers gezählt werden kann bzw. wo die Grenze zwischen hygienischen Maßnahmen und der bewussten Veränderung des Körpers liegt. Damit einhergehend muss auch geklärt werden, welchen Hintergrund eine Modifizierung des Körpers hat bzw. welche Gründe Menschen dazu bewegen, ihren Körper zu Gestalten. Bammann zählt gesellschaftlich tolerierte Veränderungen wie Haare schneiden, Maniküre, Diäten, kosmetische Operationen oder rituelle Eingriffe wie die Beschneidung nicht zum Terminus Body Modification, auch wenn alle aufgeführten Tätigkeiten unweigerlich Veränderungen am Körper darstellen (vgl. Bammann 2011, 174). Nimmt man den Begriff wörtlich, muss jedoch bedacht werden, dass es einen unmodifizierten Körper im weiten Sinn in unserer Gesellschaft kaum noch geben wird, bzw. dieser Mensch von der Gesellschaft als ungepflegt bezeichnet werden würde. So gesehen benötigt die angeführte Definition eine Präzisierung, da nicht alle Veränderungen am Körper darunter gefasst werden können. „Im Zentrum des Interesses der neuen Body-Modification-Bewegung […] standen Tattoos, Piercings und anderer dauerhafter Körperschmuck, der vor allem den nackten Körper schmückte […]“ (Bammann 2011, 175). Mit Blick auf die moderne Gesellschaft muss diese Definition noch um Scarification, Branding, Tackern, Cutting und Implantate erweitert werden (vgl. Niekrenz 2011, 176).

Es stellt sich nun auch die Frage, was Menschen dazu bringt bzw. in ihnen den Wunsch danach auslöst, ihren Körper zu verändern. Schmincke beschreibt diese wie folgt: „Hinter dieser Anstrengung, den eigenen Körper zu optimieren […], stehen der Glaube und das Wissen, dass körperliche und damit auch sexuelle Attraktivität die notwendige Voraussetzungen für Erfolg und damit die aktuelle Währung sozialer Anerkennung ist“ (Schmincke 211, 143). Diese Definition beinhaltet mit „der sexuellen Attraktivität“ und der „sozialen Anerkennung“ gleich zwei entscheidende Termini, die eng mit der Body-Modification verbunden sind. Zum einen ist der Begriff der „Attraktivität“ ausschließlich positiv attribuiert, so dass die meisten Menschen gerne mit diesem Begriff umschrieben werden. In unserer Gesellschaft kann Attraktivität unter anderem mit dem Bemühen um eine schlanke Figur und einer glatten Hautoberfläche, aber vor allem auch durch Hygiene erreicht werden (vgl. Schmincke 2011, 152). Hier ist auch schon der Begriff der „sozialen Anerkennung“ mit inbegriffen, da ein unhygienischer Mensch automatisch als unattraktiv gilt und somit auch seltener soziale Anerkennung erfährt. Zusammenfassend lässt sich für die begriffliche Bestimmung festhalten: „Attraktivität ist nicht Schicksal, sondern Ergebnis körperlicher Manipulation und Anstrengungen […]“ (Schmincke 2011, 152).

3. Gesellschaftliche Attraktivitätsnormen anhand des Beispiels Essstörung

Zunächst muss in Bezug auf gesellschaftliche Attraktivitätsnormen darauf verwiesen werden, dass diese keine allgemeine Gültigkeit über einen längeren Zeitraum beanspruchen können, sondern sich ebenso wie die Gesellschaft an sich mit den Jahren verändern. „Was wir […] als schön empfinden, hat sich im Lauf der Geschichte erheblich gewandelt. Das hat nicht nur mit verschiedenen Moden zu tun. Auch die gesellschaftliche Entwicklung hat erheblichen Einfluss darauf, was uns schön erscheint“ (Mankarios 2012). Beispielhaft kann das durch Marilyn Monroe etablierte Schönheitsideal der 50er Jahre (weibliche Rundungen) dem der extrem dünnen Models aus den 90ern (Ära der Supermodels) und dem sogenannten „Heroin chic“ gegenübergestellt werden. Beide Schönheitsideale hätten in der jeweils gegenübergestellten Zeitspanne keineswegs als attraktiv gegolten, sondern hätten unter Umständen unter fehlender sozialer Anerkennung gelitten. Im heutigen multimedialen Zeitalter wird dieser Druck vor allem dadurch verschärft, dass die Medienrezipienten quasi pausenlos mit den aktuellen Schönheitsidealen konfrontiert werden und sich diesen versuchen anzupassen. „Fernsehen, Kino, Musikvideos, Werbung und Mode haben – als Indikatoren einer Popularisierung der Kultur – zum Wandel der Schönheits- und Körperbilder in Richtung eines schlanken, sportlich-athletischen und androgynen Ideals beigetragen“ (Schroer 2005, 327). Die Folgen dieser dauernden Konfrontation mit dem derzeitigen Schönheitsideal zeigten sich insbesondere in der Dr. Sommer Studie von 2009, die in der Jugendzeitschrift BRAVO veröffentlicht wurde. „Die aktuelle Studie aus dem Jahr 2009 stellt fest, dass die Zufriedenheit mit dem eigenen Aussehen gesunken sei und insbesondere Mädchen Aussehen, Körper und Gewicht kritischer einschätzen […]“ (Schmincke 2011, 148). Die Studie zeigte auf, dass nur 48% der Mädchen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren mit ihrem Gewicht zufrieden seien. Alarmierend war darüber hinaus die Erkenntnis, dass bereits 16% der 11-jährigen und 50% der 17-jährigen Mädchen Erfahrungen mit Diäten gemacht hatten. Diese Ergebnisse der Studie wurden mit dem ebenfalls erhobenen Body-Maß-Index kontrastiert und ergab, dass 80% der Mädchen ein Gewicht im Normbereich zu verzeichnen hatten. Es wird deutlich, dass die dauernden Vergleiche mit Schönheitsidealen dazu geführt hatten, dass Eigenwahrnehmung und Wirklichkeit bei den Mädchen im Widerspruch stehen. Geht diese Diskrepanz zwischen Wunsch(gewicht) und Wirklichkeit zu weit auseinander, sind Essstörungen die häufige Folge. Der Weg zur Essstörung vollzieht sich jedoch nicht unmittelbar. „So gehen in den meisten Fällen von anorektischem und bulimischem Verhalten […] Diäten voraus, die die betroffenen Mädchen insbesondere von ihren Müttern übernommen haben […]“ (Gugutzer 2005, 334). Es wird deutlich, dass das aus der Körperunzufriedenheit entstehende Diätverhalten zum wesentlichen psychosozialen Risikofaktor für gesundheitsgefährdende Essstörungen werden kann. Diese Essstörungen und ihren Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen beschreibt Gugutzer sehr treffend wie folgt:

Essstörungen sind ein zeit- und kulturspezifisches Phänomen, auf das eine stetig wachsende Zahl junger Frauen und Männer zur Lösung ihrer Identitätsbedrohungen zurückgreift. Die extremen Körperpraxen von Essgestörten sind Reaktionen auf extreme psychische und soziale Belastungen, die nahezu ausschließlich moderne, fortgeschrittene Gesellschaften hervorbringen. (Gugutzer 2005, 351)

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656527879
ISBN (Buch)
9783656530497
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263875
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Soziologie
Note
1.0
Schlagworte
körperveränderungen body modification attraktivitätsnormen essstörungen erwachsenwerden lebensphase adoleszenz

Autor

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Titel: Körperveränderungen: Body Modification – von Attraktivitätsnormen zu Essstörungen