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Von der Überproduktion zum Welthandel zum Finanzmarkt

Die Gründung der Hamburger Börse und Bank als Folge der städtischen Industrialisierung von 1550 bis 1650

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 36 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wirtschaftsgesinnung des Mittelalters

3.Wirtschaftlicher Wandel
3.1. Umbruch in der Landwirtschaft
3.2. Gewerbliche Organisationsformen
3.2.1.Die Heimarbeit
3.2.2.Handwerk und Zunft
3.2.3.Das Verlagssystem
3.2.4.Die Manufaktur
3.3. Technische Neuerungen im Gewerbe

4. Aufstieg des Handels
4.1. Der Hamburger Handel
4.2. Zahlungsformen

5.Der Hamburger Finanzmarkt
5.1. Die Börse
5.2. Die Hamburger Bank

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die neueren Wirtschaftstheorien verstehen den Finanzmarkt als Bedingung für die Produktion. Wachsende Produktionsanlagen, moderne Maschinen sowie hohe Personalkosten bedingen u.a. die Aufnahme und Investition von Kapital. Dieses Kapital wird vom Finanzmarkt bereitgestellt. Die Vermarktung der jeweiligen Produkte findet in dieser Abfolge zuletzt statt und dient dem Kapitalrückfluss - vornehmlich zur Deckung des Fremdkapitals. Daraus leitet sich ab, dass sich Finanzmärkte erst mit zunehmender Größe der Betriebe, komplexer Arbeitsorganisation und der Maschinisierung der Produktion ausbilden konnten. Eine solche wirtschaftliche Entwicklung wird meist mit der Industriellen Revolution und der 1769 patentierten Dampfmaschine von James Watt oder der „Spinning Jenny“ von James Hargreaves verknüpft. Doch ähnlich wie Alexander G. Bell nicht gleich das iPhone patentierte, so hatte auch die industrielle Revolution technologische Vorläufer. Im Bereich des Textilgewerbes lassen sich erste Mechanisierungen anhand der Seidenzwirnmühle bereits zum Ende des 13. Jahrhunderts ausmachen1. Ebenfalls lässt sich die Gründung der Hamburger Börse auf das Jahr 1558 und die Gründung der Hamburger Bank als Girobank auf das Jahr 1619 datieren2. Somit sind zeitliche Zusammenhänge zwischen der Gründung von Finanzintermediären und neuen Technologien zunächst nicht offensichtlich. Dennoch bleibt die Frage, inwieweit eine Kausalverknüpfung zwischen der Industrialisierung eines Staates und dem Ausbilden eines Finanzmarktes besteht. In diesem Kontext bleibt auch zu klären, warum gerade in Hamburg schon früh Institutionen wie die Börse und Bank gegründet wurden.

In dieser Arbeit wird dabei der Ausgestaltung des Handelswesens eine zentrale Rolle zugesprochen. Als Ausgangspunkt der Argumentation sollen hier organisatorische, mechanische und verfahrenstechnische Neuerungen angeführt werden, welche zur regionalen Überproduktion und Spezialisierung führten. Dabei wird auch ein Vergleich zu den zuvorbestehenden Produktionsverhältnissen angestrebt, um einen zeitgemäßen gesamtwirtschaftlichen Kontext herzustellen. Im zweiten Abschnitt soll dann der Handel fokussiert werden. Die Produkte, welche im städtischen Rahmen nicht konsumiert werden konnten, wurden exportiert. Somit wurden aus Gütern handelbare Waren. Dies führte zu einer Belebung des Welthandels, welcher zudem durch den Handel mit Kolonien gestärkt wurde.

Größte Unwegsamkeiten des überregionalen Handels waren und sind noch immer unterschiedliche Zahlungsformen der Handelsregionen, also Währungen und deren Wertigkeit. Diese Bedingungen wurden durch die wiederkehrenden Münzverunreinigungen der Obrigkeiten, wie bspw. während der Klipper- und Wipperzeit, weiter verschlechtert. Die Lösung lag im bargeldlosen Zahlungsverkehr, welcher seine Umsetzung zunächst über Wechselscheine erfuhr. Die bleibenden Kursschwankungen förderten die Entwicklung des Giroverkehrs, welcher zur Sicherung der Liquidität Banken bedingte. Im dritten Abschnitt sollen dann die ausgebildeten Finanzinstitutionen wie Bank und Börse mit ihren Funktionen und ihrer Bedeutung betrachtet werden, um direkte Einflüsse des Handels nachzuweisen.

Die Betrachtung von gewerblicher Ökonomie, Produktionsprozessen und Handel findet unter besonderer Fokussierung auf die Handelsstadt Hamburg statt, wobei auch hier eine Einordnung in deutsche und europäische Entwicklungen nicht ausbleibt. Dabei wird auch auf Literatur aus den umfangreichen Studien und Diskussionen zur Protoindustrialisierung Bezug genommen. Grundsätzlich folgt diese Arbeit den Ausführungen Stromers und lehnt sich an seine Ausführungen betreffend dieser Thematik an3. Eine erneute Auseinandersetzung mit der Theorie der Protoindustrialisierung sowie eine differenzierte Positionierung soll jedoch nicht Gegenstand dieser Arbeit sein.

2. Die Wirtschaftsgesinnung des Mittelalters

Das Mittelalter wurde in wirtschaftlicher Hinsicht wesentlich vom „Nahrungsprinzip“ geleitet, wodurch nur jene Gütermenge produziert wurde, die zur unmittelbaren Bedarfsdeckung der Region benötigt wurde4. Die städtischen Zünfte kontrollierten, dass die gewerblichen Produzenten gerade jene Mengen herstellten, welche zur Unterhaltsdeckung der Stadt und des Umlands nötig waren. Im Umland bestand ein feudales Abhängigkeitsverhältnis zwischen Bauern und Landherren. Zwar scheint eine Vorstellung von einer statischen Arbeits- und Produktionsorganisation des Mittelalters nicht zutreffend zu sein5, doch lässt sich diese Feststellung in Hinblick auf das Wirtschaftssystem grundsätzlich nicht halten. Die mittelalterliche Wirtschaftsgesinnung kontrollierte und prägte die ländlichen und städtischen Produzenten und nahm auf diese Weise Einfluss auf die damalige Gestaltung der Produktionsprozesse. Hersteller sahen die Notwendigkeit von Produktion und Verkauf in der Versorgung anderer Bürger, zum Zwecke des Gemeinwohls und zur Erhaltung des eigenen Lebensstandards. Grenzenloses Erwerbsstreben, persönlicher Reichtum und sozialer Aufstieg waren in diesem Sinne keine Ziele der Wirtschaftssubjekte. So waren Arbeitseffizienz, Produktivität und Qualität auch keine Kennzahlen, an denen sich die Produktion orientierte6.

3. Wirtschaftlicher Wandel

Beim Übergang des Spätmittelalters zur Frühen Neuzeit lässt sich gerade in den europäischen Großstädten ein wirtschaftlicher Umschwung von der Subsistenzwirtschaft hin zu einer Frühform der Marktwirtschaft verzeichnen. Im Rahmen der Agrarkrise des 14. Jahrhunderts wurden die feudalen Grundherrschaftsverhältnis zwischen Bauern und Herren weitestgehend gelöst7. Dies führte, trotz weiterhin bestehender Hörigkeit und Dienstpflicht, zu einer stillschweigenden Eigentumsverschiebung zugunsten der Bauern, welche fortan den Hof selbstständig bewirtschafteten und über ihr eigenes Humankapital verfügen konnten. Die klassischen Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital sowie deren planmäßiger Einsatz gewannen zunehmend an Bedeutung. Wurde zuvor durch Restriktionen der Stadt und der regionalen Zünfte versucht, alle notwendigen Produkte für die Stadt auch innerhalb der Stadtmauern zu produzieren8, so lassen sich nun regionale Spezialisierungen und damit einhergehend auch eine überbetriebliche bzw. auch überregionale Arbeitsteilung feststellen9. Die Produktion wurde entsprechend nicht mehr an den städtischen Bedarf angeglichen, sondern richtete sich nunmehr durch den Fernabsatz an einen anonymen Markt. Die überregionalen Märkte wurden mittels einer zunehmenden Vernetzung im Handel bedient und richteten sich besonders nach den Qualitätsmerkmalen der Produkte10. Die Produktion wurde dabei wesentlich von menschlicher und tierischer Muskelkraft bestimmt, wobei auch Hilfsmittel wie bspw. Flaschenzüge verwendet wurden. Auch wurden Mühlen in die

Arbeitsprozesse integriert11. Das unterscheidende Kriterium zu anderen Maschinen ist die Tatsache, dass in einer Mühle Materialen „bereitet“ werden, also Substanzen in einen anderen Zustand oder in eine andere Form verändert bzw. veredelt werden.12. Die Mühlen werden im Allgemeinen entweder nach dem Bewegungstrieb, dem Nutzen oder der Absicht eingeordnet, wie bspw. die Loh-, Walk-, Farbholz- oder Zwirnmühle.

3.1. Umbruch in der Landwirtschaft

Bereits im hohen Mittelalter entstand eine, über den Markt gesteuerte, Arbeitsteilung13. Die Produktion von landwirtschaftlichen Gütern oblag den ländlichen Regionen. Gewerbliche Produkte wurden in der Stadt gefertigt. Beide Bereiche pflegen notwendigerweise einen regen Güteraustausch14. Der Landwirtschaft kam die Aufgabe zu, die Bedürfnisse der Stadt im Hinblick auf Lebensmittel und Gewerbepflanzen zu decken. Dabei waren die Bauern durch die feudale Agrarverfassung weiterhin vom Grundbesitz des Adels abhängig15, trotz der bereits angeführten stillschweigenden Eigentumsverschiebung. Die regionale Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln und natürlichen Produktionsfaktoren war durch die zur Verfügung stehenden Acker- und Weideflächen des Umlandes begrenzt. Diese Restriktion wurde insbesondere für Städte mit einer stetig wachsenden Bevölkerung zum Problem. Im Umland gab es Bestrebungen die Produktivität je Bodeneinheit, trotz unzureichender Düngemittel, durch bspw. die Drei- oder Mehrfelderwirtschaft sowie Fruchtwechselwirtschaft zu steigern16. Zudem lassen sich zwei Effekte ableiten. Der erste Effekt lässt sich anhand der Eindeichung des Gebiets der heutigen Vier- und Marschlanden in Hamburg motivieren17. So wurde auf staatlicher und privater Ebene versucht, durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten mit Hilfe von Mühlen, Neuland für landwirtschaftliche Produkte zu gewinnen18. Zum anderen entsteht eine Nachfrage an Agrarerzeugnissen, welche durch Waren aus anderen Regionen gedeckt werden musste. Dies trägt zu einer Bewusstseinsänderung der Bauern, von der genügsamen Eigenversorgung hin zu einem Selbstverständnis als Anbieter von landwirtschaftlichen Erträgen bei, welche auch den Weg zur Spezialisierung bedingte19. Hiervon ausgehend lässt sich noch eine weitere Entwicklung ableiten. Durch die Ausrichtung der eigenen Wirtschaftsaktivitäten am Markt und die Spezialisierung der eigenen Produktion entstehen Bedarfe in der Eigenversorgung, welche über den Markt befriedigt werden müssen. In Zeiten der saisonalen Arbeitslosigkeit oder des sinkenden Einkommens musste somit die eigene Arbeitskraft anderweitig eingesetzt werden. In den ländlichen Bereichen wurden auf diese Weise zunächst die Aufnahme einer gewerblichen Nebentätigkeit begünstigt20. Besonders im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert kam es dennoch zu einer verstärkten Abwanderung ländlicher Arbeitskräfte in den städtischen Gewerbesektor21. Im Zuge der Preisrevolution des 16. Jahrhunderts und den damit verbundenen enormen Preissteigerungsraten, besonders für Grundnahrungsmittel wie Getreide22, verarmten viele Bauern und Handwerker. Im Hamburger Umland lässt sich nach Abbildung 1 eine solche Entwicklung bereits seit dem 14. Jahrhundert verorten. Als Ursachen können hierfür eine Entwertung des Geldes durch zunehmende Münzverschlechterung infolge von Edelmetallknappheit sowie eine steigende Nachfrage durch ein starkes Bevölkerungswachstum angeführt werden. Letzterem Faktor wurde durch den Ausbruch der Pest 1537, 1547, 1558 und 1564 in Hamburg zwar teils Einheit geboten23, doch wuchs die Bevölkerung der Stadt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von 10.000 Einwohnern um 1550 auf 40.000 Einwohner24, wodurch Hamburg seinerzeit zu den bevölkerungsreichsten Städten in Deutschland zählte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Veränderung wichtiger Grunddaten, um 1250 bis um 1550

Quelle: Bock, Günther: Bauer, Geld und Krise des Spätmittelalters im Hamburger Umland. In: Lorenzen-Schmidt, Klaus-Joachim (Hrsg.): Geld und Kredit in der Geschichte Norddeutschlands. Neumünster 2006, S. 115-142, hier S. 135.

3.2. Gewerbliche Organisationsformen

Im Wollbereich stieg die Produktivität zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert gemessen an der gesamt notwendigen Anzahl von Stunden zur Herstellung von Wollgewebe um etwa 40%25. Besonders signifikant sind hierbei die Arbeitsvorgänge Spinnen (von 1.700 Stunden auf 400 Stunden) und Walken (von 1.000 Stunden auf 50 Stunden), welche im 17. Jahrhundert nur noch 23,5% bzw. 5% der Zeit in Anspruch nahmen26. Diese Steigerung der Produktivität der gewerblichen Tätigkeiten soll sowohl auf der Ebene der Organisationseinheiten als auch auf der Ebene der Technologisierung betrachtet werden. Hieraus soll im Folgenden der wirtschaftliche Gesinnungswandel abgeleitet werden, welcher sich, auch in Anbetracht der bereits angeführten Aspekte, langsam entwickelte. Die gewerbliche Arbeit im späten Mittelalter sowie in der Frühen Neuzeit lässt sich an zwei Standorten ausmachen. Einerseits in den Städten und andererseits im ländlichen Bereich.

3.2.1. Die Heimarbeit

Die, überwiegend auf dem Lande vorkommende, Heimarbeit sollte zwecks Selbstversorgung den Bedarf an Produkten decken, welcher nicht durch die landwirtschaftliche Produktion gedeckt werden konnte27. Zwei Elemente waren für die ländliche Heimarbeit charakteristisch. Zum einen war der Produzent auch gleichzeitig Konsument, da überwiegend für den Eigenbedarf produziert wurde. Zum anderen war eine Zulieferung von Rohstoffen oder Teilerzeugnissen anderer Produzenten für das Endprodukt nicht nötig, da der Produzent des Gewerbeprodukts meist auch Produzent der Gewerbepflanzen war. Die Verarmung und die damit verbundene Abwanderung der Bauern in die Städte, konnte z.T. durch nebenberufliche oder auch hauptberufliche Heimarbeit abgefedert werden.

3.2.2. Handwerk und Zunft

Aufgrund der niedrigen Reallöhne im primären Sektor kam es in den Städten zu einer Verdichtung des Arbeitsangebots durch die fortschreitende Urbanisierung28. Damit einhergehend wuchs auch die gewerbliche Produktion29. Das Handwerk grenzt sich von der Heimarbeit insofern ab, als dass die Arbeiter spezialisiert sind auf die Herstellung bestimmter Produkte und dass sie ihre Produktion am Markt ausrichten30. Somit sind Produzent und Konsument im Handwerksbetrieb voneinander gelöst. Auch bedarf der Handwerker der Zulieferung von Rohmaterialien und erstellt diese nicht selbst in seiner Werkstatt. Im städtischen Gewerbesektor galt weiterhin ein allgemeiner Zunftzwang. Die Zünfte steuerten das städtische Marktgeschehen, indem sie den Zugang zu einzelnen Gewerbezweigen, die Qualität und den Absatz der Erzeugnisse kontrollierten31. So verhängten die Zünfte je nach Notwendigkeit Einfuhrverbote ländlicher oder nicht-zünftiger Produkte oder Ausfuhrverbote relevanter Rohstoffe sowie Nutzungsverbote für bestimmte (neue) Technologien. In Hamburg lassen sich bei den Fischern, Leinewebern und Wollwebern Einschränkungen der Produktionsmittel finden32. Ebenso lassen sich seit den 40er Jahren des 16. Jahrhunderts Bestrebungen für Maßnahmen gegen das günstigere, unzünftige Gewerbe in Nachbarorten wie Altona und Wandsbek finden33. Eine weitere hansische Besonderheit war der Einbezug von Faktoren wie bspw. der Abstammung und Ehrlichkeit von Gesellen oder Meistern bei deren Zulassung34. Die Grundsätze der Zünfte sollten die eigenen Gewerbe schützen, den Mitgliedern ein standesgerechtes Einkommen sichern und die Eigenversorgung der Stadt garantieren35. Eine Überproduktion und der damit verbundene Fernabsatz standen somit in Konkurrenz zum wirtschaftlichen Weltbild der Zünfte, zumal eine wirtschaftliche Neuausrichtung und Öffnung der städtischen Märkte den Einfluss der Zünfte schmälern würde. Entsprechend wurden Verstöße gegen die geltende Zunftordnung mit hohen Strafen belegt und das (technische) Innovationspotenzial des Gewerbes durch das Festhalten und diktieren von traditionellen Fertigungsverfahren seitens der Zünfte gehemmt. Das Erwehren der Zünfte gegen produktivitätssteigernde Mechaniken soll sogar soweit gegangen sein, dass im späten 16. Jahrhundert der Erfinder eines neuartigen Bandwebstuhls in Danzig auf Geheiß der Zünfte ertränkt wurde36.

3.2.3. Das Verlagssystem

Sowohl die Heimarbeit als auch das Handwerk haben gemein, dass die Produktionsplanung und Rohstoffbeschaffung sowie die Erstellung des Produkts von derselben Person für jeweiligen lokalen Markt durchgeführt wurde. Eine kapitalistisch geprägte Unternehmensform hingegen ist das Verlagssystem, welches die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital grundsätzlich trennt. Unter dem Verlagssystem soll hier eine dezentrale Produktion bestimmter Gewerbegüter verstanden werden, welche mehrere Produktionsstufen bei verschiedenen selbstständigen Produzenten umfasst, wobei die jeweiligen End- und Teilprodukte rechtlich Eigentum einer anderen Personen sind, welche für die Finanzierung des Fertigungsprozesses und den Absatz der Erzeugnisse zuständig ist37. Der Verleger übernahm hierbei die Rolle des Kapitalgebers, indem er kleine Gewerbetreibende auftragsbezogen an sich band. Er stellte die notwendigen Ressourcen zur Produktion, plante den Ablauf der Arbeit und koordinierte abschließend den Vertrieb der Produkte, wobei hier

[...]


1 Vgl.: Troitzsch, Ulrich: Die Entwicklung der Technik vom späten 16. Jh. bis zum Beginn der industriellen Revolution. In: Troitzsch, Ulrich; Weber, Wolfhard (Hrsg.): Die Technik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Braunschweig 1982, S. 198-232, hier S. 210.

2 Vgl.: Pohl, Manfred: Hamburger Bankengeschichte. Mainz 1986, S. 12f.

3 Vgl.: Stromer, Wolfgang von: Gewerbereviere und Protoindustrien in Spätmittelalter und Frühneuzeit. In:Pohl, Hans (Hrsg.): Gewerbe- und Industrielandschaften vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Stuttgart 1986, S. 39-111, hier: S.42f.

4 Vgl.: Sombart, Werner: Der moderne Kapitalismus. Historisch-systematische Darstellung des gesamteuropäischen Wirtschaftslebens von seinen Anfängen bis zur Gegenwart, Band 1, Die vorkapitalistische Wirtschaft, München; Leipzig 1919, S. 31ff.

5 Vgl.: Herdick, Michael: Handwerk auf der Burg - Gewerbe auf dem Lande. Wirtschaftsstandorte jenseits der Städte im Blickfeld der Mittelalterarchäologie. In: Häberlein, Mark; Jeggle, Christof (Hrsg.): Vorindustrielles Gewerbe. Handwerkliche Produktion und Arbeitsteilung in Mittelalter und früher Neuzeit, Konstanz 2004, S. 37-62, hier S. 61.

6 Vgl.: LeGoff, Jacques: Für ein anderes Mittelalter. Zeit, Arbeit und Kultur im Europa des 5.-15. Jahrhunderts, Weingarten 1987, S. 30ff.

7 Vgl.: Kroeschell, Karl; Cordes, Albrecht; Nehlsen von Stryk, Karin: Deutsche Rechtsgeschichte. Band 2, 1250- 1650, Köln (u.a) 2008, S. 131.

8 Vgl.: Kulischer, Josef: Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit. Die Neuzeit, Band 2, Darmstadt 1976, S.102 ff.

9 Vgl.: Pfister, Ulrich: Die Entstehung der europäischen Weltwirtschaft (ca. 1450 - 1850). Ein endogenes Modell, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, Berlin 2003, S. 57-81.

10 Vgl.: Kulischer 1976, a. a. O., S. 109.

11 Vgl.: Troitzsch, Ulrich: Technischer Wandel in Staat und Gesellschaft zwischen 1600 und 1750. In: König,Wolfgang (hrsg.): Propyläen Technikgeschichte. Mechanisierung und Maschinisierung 1600 bis 1840, Frankfurt a. M. 1991, S. 26.

12 Vgl.: Krünitz, Johann G.: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, in: http://www.kruenitz1.uni-trier.de (gelesen: 20.03.2013).

13 Vgl.: Kriedte, Peter: Genesis, agrarischer Kontext und Weltmarktbedingungen. In: Kriedte, Peter; Medick,Hans; Schlumbohm, Jürgen (Hrsg.): Industrialisierung von der Industrialisierung. Gewerbliche Warenproduktion auf dem Land in der Formationsperiode des Kapitalismus, Göttingen 1978, S. 36-89, hier S. 36.

14 Vgl.: Henning, Friedrich Wilhelm: Handbuch der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands. Band 1,Deutsche Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, Paderborn 1991, S. 191f.

15 Vgl.: Troitzsch 1982, a. a. O., S. 200.

16 Vgl.: Kersting, Martin: Steilshoop aus dem Hause tretend, möchte ich Bäume sehen... Die Geschichte des Stadtteils von den Anfängen bis zur Gegenwart, Hamburg 2009, S. 35.

17 Zur Namensgebung und Bedeutung dieser siehe Beckershaus, Horst: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 1998.

18 Vgl.: Troitzsch 1982, a. a. O., S. 200 f.

19 Vgl.: Kriedte 1978, a. a. O., S. 38.

20 Vgl.: Pfister, Ulrich: Protoindustrie und Landwirtschaft. In: Ebeling, Dietrich; Mager, Wolfgang (hrsg.):Protoindustrie in der Region. Europäische Gewerbelandschaften vom 16. Bis zum 19. Jahrhundert, Bielefeld 1997, S. 57-84, hier S. 60.

21 Vgl.: Pfister 2003, a. a. O., S. 64.

22 Vgl.: Henning, Friedrich-Wilhelm: Das vorindustrielle Deutschland 800 bis 1800. Paderborn (u.a.) 1985, S. 180.

23 Vgl.: Rambach, Johann J.: Versuch einer physisch-medizinischen Beschreibung von Hamburg. Hamburg 1801, S.295.

24 Vgl.: Pohl 1986, a. a. O., S. 13.

25 Vgl.: Malanima,Paolo: Europäische Wirtschaftsgeschichte. 10. - 19. Jahrhundert, Wien; Köln; Weimar 2010,S. 272.

26 Vgl.: Endrei, Walter: Changements dans la productivité de l'industrie lainière au Moyen Âge. In: Spallanzani, Marco: Produzione, commercio e consumo dei panni di lana (nei secoli XII-XVIII). Firenze 1976, S. 625-632, hier S. 632. Zit. n.: Malanima 2010, a. a. O., Tabelle 1., S. 273.

27 Vgl.: Ebd., S. 243.

28 Vgl.: Mathis, Franz: Die deutsche Wirtschaft im 16. Jahrhundert. München 1992, S. 4ff.

29 Vgl.: Ebd., S. 27.

30 Vgl.: Malanima 2010, a. a. O., S. 245ff.

31 Vgl.: Kulischer 1976, a. a. O., S. 102ff. sowie Mathis 1992, a. a. O., S. 28f.

32 Vgl.: Rosenbohm, Rolf: Der Hamburger Liber Officiorum Mechanicorum. Studien zur hamburgischen Zunftverfassung insbesondere zu Ausgang des XIV. Jahrhunderts, Hamburg 1952, S. 83.

33 Vgl.: Postel, Rainer: Reformation und Gegenreformation 1517-1618. In: Loose, Hans-Dieter; Jochmann, Werner (Hrsg.): Hamburg. Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner, Band 1, Von den Anfängen bis zur Reichsgründung, Hamburg 1982, S. 232.

34 Vgl.: Frensdorff, Ferdinand: Das Zunftrecht insbesondere Norddeutschlands und die Handwerkerehre. In: Hansische Geschichtsblätter. Band 34, Leipzig 1907, S. 1-89, hier S. 1ff.

35 Vgl.: Ebd.

36 Vgl.: Troitzsch 1982, a. a. O., S. 212.

37 Vgl.: Holbach, Rudolf: Frühformen von Verlag und Großbetrieb in der gewerblichen Produktion (13.-16.Jahrhundert), Stuttgart 1994, S. 32; 563. Sowie Ders.: Formen des Verlags im Hanseraum vom 13. Bis zum 16. Jahrhundert. In: Hansische Geschichtsblätter, Band 103, Köln; Weimar; Wien 1985, S. 41-73.

Details

Seiten
36
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656526506
ISBN (Buch)
9783656530664
Dateigröße
870 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263828
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Fachbereich Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
Industrialisierung Hamburg Börse Bank wirtschaftlicher wandel Handel gewerbe manufaktur technik zahlungsformen finanzmarkt neuzeit mittelalter überproduktion globalisierung

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Titel: Von der Überproduktion zum Welthandel zum Finanzmarkt