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Schulpraktische Übung – Gerätturnen

Vertiefungsstunde zum Themenkomplex Turnen zur Weiterentwicklung der Fähigkeiten und ausgewählter Fertigkeiten der Schüler im Bereich Sprung und Boden

Unterrichtsentwurf 2011 20 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Gliederung

1. Einordnung in den Lehrplan

2. Lerngruppenanalyse

3. Sachanalyse

4. Didaktische Analyse

5. Ziele der Unterrichtsstunde

6. Methodische Analyse

7. Tabellarische Stundenverlaufsskizze

8. Anhang

9. Literatur

1. Einordnung in den Lehrplan

Die zu planende Stunde schließt sich in ihren Inhalten an die Erkenntnisse aus der vorherigen Stunde an. Mittels der Selbsteinschätzung der Schüler (siehe Lerngruppenanalyse) werden defizitäre Bodenelemente vertiefend geübt und zudem der Stützsprung Hocke am Bock eingeführt und weiterentwickelt.

Das Gerätturnen als solches lässt sich in allen Rahmenplänen des Landes Mecklenburg Vorpommerns finden, sei es in der Grundschule und Orientierungsstufe als Themenfeld, als „verbindlicher Bereich“ in der Sekundarstufe I oder als „Bewegen an und mit Geräten“ im Kerncurriculum der Sekundarstufe II (vgl. Rahmenpläne M-V). Demzufolge ist der Stellenwert des Gerätturnens im Sportunterricht leicht zu erkennen. Im Mittelpunkt stehen die Vermittlung und Festigung von „Bewegungsfertigkeiten“ (Müller, Sass & Pietsch, 2002, S. 27). Als Grundlage werden neben den körperlichen Fähigkeiten auch „turnerische Bewegungen, die in der Primar- und Orientierungsstufe erlernt wurden“ (ebd., S. 27) angesehen und zum Teil vorausgesetzt. Allerdings wird ebenso darauf hingewiesen, dass die „Gestaltung des Gerätturnens besonders auf eine Differenzierung des Unterrichts angewiesen“ ist. Diese Notwendigkeit der Differenzierung beruht vermutlich maßgeblich auf den verschiedenen körperlichen Voraussetzungen, die in kaum einer Klasse einen einheitlichen Leistungsstand gewährleisten.

Der Rahmenplan unterteilt die Inhalte der Turnausbildung in verschiedene Bereiche. Aus jedem Bereich muss für Anforderungsniveau 1 mindestens ein Element aus jeder Gruppe geturnt werden und zusätzlich noch drei Elemente aus zwei Gruppen. Für Anforderungsniveau 2 müssen noch 3 weitere Elemente aus 2 Gruppen geturnt werden. Die Gruppen umfassen:

- Rollbewegungen, Stände/Halten
- Überschlagbewegungen
- Umschwungbewegungen
- Stemmbewegungen
- Felgbewegungen
- Beinschwungbewegungen
- Sprungbewegungen.

Diese Gruppen sind mit verschiedenen Vorschlägen zu Turnelementen verbunden und an verschiedenen Geräten durchzuführen. Für das Stundenthema spielen lediglich die für Boden und Sprung relevanten, ausgewählten Gruppen eine Rolle. Diese sind im Stundenkontext: Rollbewegungen, Stände/Halten, Sprungbewegungen und vom Leistungsstand einzelner Schüler abhängig, Felgbewegungen. (vgl. Müller, Sass & Pietsch, 2002, S. 28f)

Auf die einzelnen Turnelemente der Gruppen werde ich im späteren Verlauf Bezug nehmen.

2. Lerngruppenanalyse

Bei der Lerngruppe handelt es sich um einen Teil einer 8. Klasse eines Gymnasiums, welche zum Zwecke der SPÜ in 2 Lerngruppen aufgeteilt wurde. Das augenscheinlichste an der Klasse ist das Geschlechterungleichgewicht. So stehen 20 Mädchen 8 Jungen gegenüber, bzw. in den einzelnen Lerngruppen entsprechend vier Jungen zehn Mädchen. Allerdings lässt sich sagen, dass trotz des „kritischen“ Pubertätsalters keine größeren Probleme bei dieser Konstellation auftreten, sodass durchaus problemlos in geschlechterheterogenem Unterricht gelehrt werden kann.

Die Erfahrungen aus der vorangegangenen Stunde zeigen in der Lerngruppe noch eindeutige Defizite im Bereich der körperlichen Fähigkeiten und der turnerischen Fertigkeiten. Die Selbsteinschätzung der 11 anwesenden Schüler zu ihren Fertigkeiten an ausgewählten Bodenelementen ergab folgendes Ergebnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund dieser Einschätzung und meinen eigenen Beobachtungen habe ich mich dafür entschieden, die beiden „Stände“ (Handstand 7mal mangelhaft und Kopfstand 6mal mangelhaft) in das Zentrum des Bodenturnens der Stunde zu rücken. Weiterhin sind mir persönlich eklatante Schwächen bei der Rolle rückwärts aufgefallen, aus welchem Grund auch diese eine wichtige Rolle bei der Stundenplanung spielen wird. Das Rad lasse ich trotz der Auswertungsergebnisse zunächst weg, um mich besser auf die anderen Elemente konzentrieren zu können. Dieses muss allerdings in den nächsten Stunden verstärkt geübt werden, da auch hier bei einigen Schülern eindeutige Schwächen zu erkennen sind. Allerdings ist im Vergleich zu den anderen drei Elementen eher zu differenzieren, da mehrere Schüler den Handstützüberschlag seitlich beherrschen. Bei Hand- und Kopfstand war es lediglich Marlene, die sich selbst als gut einschätzte, was meine eigenen Beobachtungen bestätigen, bei der Rolle rückwärts nur Max, sodass sich der Rest der Klasse auf einem annähernd ähnlichem Niveau befinden müsste. Die Fertigkeiten der fehlenden 3 Schüler können an dieser Stelle nicht eingeschätzt werden.

Da der Stützsprung Grätsche in der letzten Stunde von den Schülern in der Grobform beherrscht wurde, wird es zudem darum gehen, diesen zu erweitern und zeitgleich die Sprunghocke einzuführen, bzw. zu erweitern. So kann auch an dieser Stelle ein Überblick über die Fertigkeiten der Schüler gewonnen werden. Ziel ist es, aus diesen Beobachtungsmöglichkeiten heraus ein Fundament für die nächsten Stunden zu legen.

Weiterhin waren, die für dieses Alter normalen, Schwächen bei den körperlichen Fähigkeiten zu beobachten, die sich sowohl auf die Bewegungsausführung als solche, als auch auf das Helfen und Sichern auswirken. In der Phase der Pubeszenz sind allerdings eine Disharmonie der Körperproportionen und die daraus resultierenden Kraftdefizite normal. Jedoch kann bei Kindern in diesem Alter gewinnbringend mit einem gezielten Krafttraining begonnen werden. (vgl. Stoll, 2009)

3. Sachanalyse

Ziel der Sachanalyse wird es sein, die prüfungsrelevanten Turnelemente, aus den im Lehrplan vorgeschriebenen Gruppen in ihrer Bewegungsausführung zu beschreiben, sowie die entsprechende Hilfestellung darzulegen. Zunächst werde ich mit der Beschreibung der Stützsprünge über den Bock, bzw. Doppelbock beginnen und anschließend auf die jeweiligen Bodenelemente eingehen.

Die Stützsprünge, ob Grätsche oder Hocke, dienen im Anfängerbereich dazu ein „Hindernis stützend zu überwinden“ (Knirsch, 2001, S. 99) und werden daher auch als „Grundstützsprünge“ (ebd., S. 99) bezeichnet. Nach Knirsch (2001) ist es essentiell vor den Sprungübungen die Technik des Landens zu erlernen, um an dieser Stelle Verletzungen vorzubeugen. Wichtig ist, dass bei der Landung „die Knie nie mehr als 90° gebeugt werden dürfen und der Rücken möglichst gerade bleibt“ (ebd. S. 100). Nach Zinke (1965, S. 355) kann die Funktionsphasenanalyse des Stützsprunges in 4 Phasen unterteilt werden (dahinter in Klammern die neuere Bezeichnung durch Knirsch, 2001):

1. Anlauf (Hilfsfunktionsphase II. Ordnung) und Sprung aufs Brett (Hilfsfunktionsphase I. Ordnung)

2. Absprung und erste Flugphase

3. Abdruck vom Gerät und zweite Flugphase
(2. + 3. = Hauptfunktionsphase)

4. Landung (Übergangsfunktionsphase).

Der Anlauf soll die notwendige horizontale Beschleunigungsgeschwindigkeit für den Absprung aufbauen, wobei die Art des Sprunges die Länge und die Geschwindigkeit des Anlaufs bestimmt (vgl. Knirsch, 2001 & Zinke, 1965). Hohe und kurze Geräte verlangen einen kürzeren und langsameren Anlauf als lange Geräte. „Im allgemeinen [sic!] beträgt die Länge des Anlaufs etwa 15 bis 20m“ (Zinke, 1965, S. 355). In den ersten beiden Dritteln wird die nötige Geschwindigkeit erreicht, welche im letzten Drittel bei Verlängerung der Schritte beibehalten wird, um so in den einbeinigen Sprung auf das Brett überzugehen. „Während des letzten Anlaufschrittes werden beide Arme zurückgeführt“ (ebd., S. 355) und der Absprung erfolgt mit einem Bein, wobei das Sprungbein dem Schwungbein rasch folgt und die Beine vor dem Rumpf sind, sodass der Absprung vom Brett in leichter Rücklage erfolgt (vgl. ebd.). „Bei Fußkontakt [mit dem Brett] sind die ‚Absprunggelenke‘ nur leicht gebeugt, und es muss eine Vorspannung in der Fuß-, Knie- und Hüftmuskulatur vorhanden sein“ (Knirsch, 2001, S. 101). Der Absprung vom Brett hat unmittelbar zu erfolgen, um so die Federwirkung zu nutzen und ist mit einer zeitgleichen vorwärts-aufwärts gerichteten Armbewegung verbunden, welche in Schulterhöhe abgebremst wird, „um eine Impulsübertragung auf den Körper zu erreichen“ (Zinke, 1965, S. 355). Die Flugphase ist von der Art des Sprungs bzw. vom Gerät abhängig. So sind Hechtsprünge nur bei langgestellten Geräten (wie Pferd und Kasten) oder seitgestellten Geräten mit großem Brettabstand erforderlich. Beim einfachen Bock oder Doppelbock wird nicht, bzw. nicht in vollem Maße gehechtet. Trotz dessen sind die Angaben zu den Flugphasen in der Literatur zu berücksichtigen. Durch den beidbeinigen Absprung aus dem Anlauf wird in der ersten Flugphase „eine Drehbewegung vorwärts eingeleitet“ (Knirsch, 2001, S. 101). Neben dieser zusätzlichen Rotation wird zudem Höhe für die erste Flugphase erreicht. Nach ihrem Scheitelpunkt fällt die erste Flugphase ab und geht „durch den Abdruck der Arme vom Gerät“ (Zinke, 1965, S. 365) in die zweite Flugphase über. Während des Handabdrucks „wird die Drehbewegung vorwärts in eine Drehbewegung rückwärts umgekehrt“ (Knirsch, 2001, S. 101), sodass ein Aufrichten des Körpers ermöglicht wird und die Beine so weit nach vorne gelangen, dass eine saubere Landung ausgeführt werden kann. Diese zunächst allgemein dargestellte zweite Flugphase stellt den Unterschied zwischen der Sprunggrätsche und der Sprunghocke dar.

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Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656529989
ISBN (Buch)
9783656534341
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263808
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
1,2
Schlagworte
schulpraktische übung gerätturnen vertiefungsstunde themenkomplex turnen weiterentwicklung fähigkeiten fertigkeiten schüler bereich sprung boden

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Titel: Schulpraktische Übung – Gerätturnen