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Analyse von Terrorismus als problematischste Form politischer Gewalt in der bundesdeutschen Republik unter Einbeziehung der RAF

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 21 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konturen politischer Gewalt
2.1 Begriffserklärungen
2.2 Theoretische Überlegungen zu Ursachen von politischer Gewalt
2.2.1 Relative Deprivation
2.2.2 Ressourcenmobilisierungsthese
2.2.3 Rational Choice-Ansatz

3. Spezifische Attribute des Terrorismus als Form politischer Gewalt
3.1 Begriffserklärung und Differenzierung zwischen Terror und Terrorismus
3.2 Grafische Einordnung eines Terrorakts in S-Kurven Modell
3.3 Sozialrevolutionärer Terrorismus in Deutschland.
3.4 Ursachen terroristischer Gewalt nach Donatella della Porta
3.4.1 Makroebene
3.4.2 Mesoebene
3.4.3 Mikroebene
3.5 Charakteristika politischer Gewalt im deutschen Terrorismus
3.5.1 Akteure
3.5.2 Opfer und Adressaten
3.5.3 Angewandte Mittel
3.5.4 Intensitätsgrad
3.5.5 Ziele
3.5.6 Verbreitungsebene
3.6 Eigendynamik der medialen Beteiligung
3.7 Herausforderungen für die Staatsgewalt
3.8 Ineffektivität der Terrorismusbekämpfung

4. Bedingungsgeflecht in Deutschland

5. Resümee

Bibliographie

1. Einleitung

«Der Mensch war, ist und bleibt zu Unmenschlichkeit imstande.»

Diese Äußerung am 5. September 2012 stammt von Charlotte Knobloch, heutige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, anlässlich des 40-jährigen Gedenktages zu dem Münchner Olympiaattentat von 1972.[1]

Vierzig Jahre nach diesem Attentat verbindet man mit Terrorismus nach wie vor Angst, Schrecken und Unberechenbarkeit. In gewissen Situationen, in denen die politische Gewalt von Terroristen so offensichtlich und allgegenwärtig ist, stößt der Staat an seine Grenzen.

Heute beschäftigt politische Gewalt nach wie vor die Politik und stellt eine große Herausforderung für den Rechtsstaat dar. Hinzu kommt, dass laut Datenerfassung des Bundeskriminalamtes (BKA) eine tendenzielle Zunahme von politisch motivierten Gewaltakten zu verbuchen ist und im Jahre 2011 ein neuer Höchststand erreicht wurde.[2] Anlässlich dieser alarmierenden Zahlen sollen innerhalb dieser Arbeit die theoretischen Ansätze zur Entstehung politischer Gewalt und mögliche Gründe genauer betrachtet werden. Desweiteren wird gezielt auf das Phänomen Terrorismus als komplizierteste Form politischer Gewalt eingegangen und exemplarisch die Eigenheiten mit Hilfe der Roten Armee Fraktion (RAF) veranschaulicht.

Die RAF wird dabei als empirischer Vertreter der „alten Bundesrepublik“ herangezogen, um einen tieferen Einblick in die Terrorismusstrategie zu erlangen. Ziel dieser Seminararbeit ist es die thematischen Eigenheiten politischer Gewalt und ihre Rolle innerhalb der terroristischen Gewaltstrategie ausführlich zu schildern und zu analysieren.

2. Konturen politischer Gewalt

2.1 Begriffserklärungen

In der Literatur findet man viele unterschiedliche Definitionen von Gewalt. Generell versteht man unter Gewalt illegitime Handlungen zum Schaden gewisser Subjekte und/oder Objekte. Gleichzeitig lässt sich der Begriff spezifizieren in physische Gewalt gegen Personen oder Sachen, psychische und sexuelle Gewalt.[3] Letzteres soll jedoch keine Anwendung innerhalb dieser Arbeit finden. Allgemein kann unterschieden werden zwischen Gewalt als ein Problem der Gesellschaftsordnung (Makroebene), als ein Problem des Individuums (Mikroebene) oder als Charakteristikum sozialer Situationen (Mesoebene).[4]

Eine gelungene Definition lieferte Heinrich Popitz, die über den Gewaltbegriff von Max Webers Begrifflichkeit Gewalt als Machtausübung hinausgeht:[5]

„Der Mensch muß (!) nie, kann aber immer gewaltsam handeln, er muß (!) nie, kann aber immer töten […] - jedermann. Gewalt überhaupt und Gewalt des Töten im besonderen ist […] kein bloßer Betriebsunfall sozialer Beziehungen, keine Randerscheinung sozialer Ordnungen und nicht lediglich ein Extremfall oder eine ultima ratio. Gewalt ist in der Tat […] eine Option menschlichen Handelns, die ständig präsent ist.“

Politisch motivierte Gewalt ist eine Erweiterung des ursprünglichen Gewaltbegriffs. Birgit Enzmann definiert politische Gewalt als „die absichtsvolle physische und psychische Schädigung anderer mit dem Ziel, politische Entscheidungen, Leitideen oder Regeln zu beeinflussen“.[6] Daraus ergeben sich unterschiedliche Formen politischer Gewalt, die laut Stefan Dahlem differenziert werden können nach bestimmten Kriterien wie den beteiligten Akteuren, die Wahl ihrer Mitteln, Adressaten, Verbreitungsebene, Intensitätsgrade der politischen Gewalt und verfolgten Zielen. Je nach Ausprägungsgrad ergeben sich unterschiedliche Typen politischer Gewalt, einer davon ist der Terrorismus. Unabhängig von der Form politischer Gewalt kann festgehalten werden, dass politisch motivierter Gewalteinsatz Änderungen im politischen Bereich anstrebt.[7]

2.2 Theoretische Überlegungen zu Ursachen von politischer Gewalt

Grundsätzlich gilt, dass immer bestimmte Beweggründe für den Einsatz von politischer Gewalt vorhanden sind und der Gewalteinsatz nicht grundlos erfolgt. Dennoch ist zu bekunden, dass es keine universelle Erklärung für das Erscheinen politischer Gewalt gibt, auch wenn in der Politikwissenschaft und der Soziologie eine Vielzahl theoretischer Erklärungsansätze existiert.

2.2.1 Relative Deprivation

In Anlehnung an die Deprivationstheorie verspricht die „J-Kurven-Hypothese“ von James C. Davis eine Möglichkeit für die Entstehung politischer Gewalt und revolutionärer Ereignisse. Die relative Deprivation erklärt die Entstehung politischer Gewalt aus dem Gefühl der Benachteiligung zwischen Personen. Demnach bringt eine unerträgliche Differenz zwischen tatsächlicher Bedürfnisbefriedigung und erwarteter Bedürfnisbefriedigung zu einem gewissen Zeitpunkt den Ausbruch einer Revolution, wenn die „rising expectations“ unerfüllt bleiben.[8]

2.2.2 Ressourcenmobilisierungsthese

Dieser Ansatz geht über die Überlegungen der Deprivationstheorie hinaus, weil er nicht nur das Handeln und Verhalten des Individuums miteinbezieht, sondern ebenso Gruppenprozesse und gesellschaftliche Phänomene berücksichtigt. Benachteiligung führt hier erst zu politischen Gewalteinsatz, wenn eine betroffene Gruppe nicht über die notwendigen Ressourcen verfügt, um die eigene Position friedlich durchsetzen zu können, aber in der Lage ist gewaltsame Mobilisierungsversuche durchzuführen.

Diese These erweitert den Blick von der Mikroebene auf die Meso- und Makroebene aber scheint gleichzeitig einen generellen Geltungsanspruch nicht gerecht werden zu können aufgrund der Vielzahl daraus resultierender Einflussfaktoren.[9]

2.2.3 Rational Choice-Ansatz

Der Rational Choice-Ansatz stammt aus der Wirtschaftswissenschaft und sieht Rationalität als Voraussetzung und Grundlage für den Einsatz politischer Gewalt. Dieser Ansatz ist neueren Überlegungen zuzuordnen und besagt, dass Handlungen abhängig von der jeweiligen rationalen Kosten-Nutzen-Kalkulation sind. Sprich die Bereitschaft zur Gewaltanwendung steht in Relation mit den damit verbundenen Folgen wie Strafverfolgung und denkbaren Erfolg.[10] [11]

3. Spezifische Attribute des Terrorismus als Form politischer Gewalt

3.1 Begriffserklärung und Differenzierung zwischen Terror und Terrorismus

Grundsätzlich sollten die Termini Terror und Terrorismus unabhängig voneinander betrachtet werden, da sie sich trotz ihrer ähnlichen Namensgebung in einem wesentlichen Punkt fundamental unterscheiden. Terror richtet sich prinzipiell von staatlicher Seite gegen die Bevölkerung, wohingegen Terrorismus von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe gegen die staatliche Ordnung betrieben wird.[12] Beide Begriffe leiten sich vom Lateinischen „terror,-is“ ab und lassen sich mit Furcht beziehungsweise Schrecken übersetzen und bestehen bereits seit der Antike. Während der französischen Revolution besaß das „régime de la terreur“ für Revolutionäre wie Maximilien de Robbespierre einen positiven Beiklang, indem versucht wurde zur Schaffung einer neuen Gesellschaftsordnung beizutragen.[13] Dies erklärt die Auffassung Robbespierres zur damaligen Zeit:

„Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit, sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit; er stellt daher eine Ausdrucksform der Tugend dar.“[14]

[...]


[1] Vgl. Zeit-online (2012): Gedenkfeier für Olympia-Terror-Opfer von ´72. 05.09.2012. Online verfügbar unter: http://www.zeit.de/news/2012-09/05/terrorismus-gedenkfeier-fuer-olympia-terror-opfer-von-72-05182012 (zuletzt geprüft am 28.03.2013).

[2] Vgl. Bundesministerium des Inneren (2012): Entwicklung der politisch motivierten Kriminalität im Jahr 2011. Online verfügbar unter: http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/05/politisch-motivierte-kriminalitaet-2011.html?nn=3316698 (zuletzt geprüft am 28.03.2013).

[3] Vgl. Heitmeyer, Wilhelm/Schröttle, Monika (2006): Gewalt . Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S.344-346.

[4] Vgl. Bornschier Volker (2007): Konflikt, Gewalt, Kriminalität und abweichendes Verhalten . Berlin: LIT-Verlag, S.219.

[5] Popitz (1986): Phänomene der Macht. Tübingen: Mohr, S. 76 -82 f.

[6] Vgl. Enzmann, Birgit (2013): Handbuch Politische Gewalt. Wiesbaden: Axel Springer Verlag, S.9.

[7] Vgl. Willems Helmut (1989): Jugendprotest, die Eskalation der Gewalt und die Rolle des Staates, in: Heitmeyer, Wolfgang/ Möller, K./Sünker, H. (Hrsg.): Jugend-Staat-Gewalt. Politische Sozialisation von Jugendlichen, Jugendpolitik und politische Bildung . Bielefeld: Juventa, S.219-221.

[8] Vgl. Bornschier, Volker (2007): Konflikt, Gewalt, Kriminalität und abweichendes Verhalten. Berlin: LIT-Verlag, S.44.

[9] Vgl. ebd., S.53.

[10] Vgl. Bornschier, Volker (2007): Konflikt, Gewalt, Kriminalität und abweichendes Verhalten. Berlin: LIT-Verlag, S.295.

[11] Vgl. Enzmann, Birgit (2013): Handbuch Politische Gewalt. Wiesbaden: Axel Springer Verlag, S.54.

[12] Vgl. Elter, Andreas (2006): RAF und die Medien, in: Kraushaar W. (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus . Hamburg: Hamburger Edition, S.1060.

[13] Vgl. Hoffmann, Bruce (2007): Terrorismus-der unerklärte Krieg . Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S.23.

[14] Reichardt, Rolf (1988): Die Französische Revolution . Freiburg und Würzburg: Ploetz.S. 68 f.

Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656527930
ISBN (Buch)
9783656529224
Dateigröße
723 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263752
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Schlagworte
analyse terrorismus form gewalt republik einbeziehung

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