Lade Inhalt...

Zwischen Tabubruch und Zensur

Gesetzliche, religiöse und gesellschaftliche Zensurmaßnahmen in der Zeichentrickserie 'South Park'

Diplomarbeit 2012 156 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 South Park – Eine Zeichentrickserie schockiert die Öffentlichkeit
2.1 South Park in der Öffentlichkeit
2.1.1 Reaktionen in der Presse
2.2.2 Proteste gesellschaftlicher Interessensgruppen
2.2.3 Wissenschaftliche Arbeiten über South Park
2.3 Verteidigungsstrategien à la South Park
2.4 Zwischenresümee

3 Zensur – Ein Begriff im Wandel der Zeit
3.1 Definition von Zensur
3.2 Bereiche und Motive von Zensur
3.2.1 Zensurpyramide nach William Albig
3.3 Exkurs: Standards & Practices als moderne Form von Zensur
3.4 Zwischenresümee

4 South Park vs. Gesetz
4.1 Gesetzliche Zensurbestimmungen in den USA
4.1.1 OPI-Vorgaben
4.1.2 TV Parental Guidelines
4.1.3 Zwischenresümee
4.2 South Park und Schimpfwörter
4.2.1 „Seven Words you can never say on Television“
4.2.2 Enttabuisierung à la South Park
4.2.3 Die Effektivität von Beep-Tönen
4.2.4 Zwischenresümee
4.3 South Park und Sex
4.4 South Park und Gewalt
4.5 Zwischenresümee

5 South Park vs. Religion
5.1 Der Fall Mohammed - Die Entstehung eines medialen Tabus
5.1.1 Erster Akt: Aus einer Zeit, ohne Mohammed-Tabu
5.1.2 Intermezzo: Der Karikaturenstreit
5.1.3 Zweiter Akt: Das Tabu weitet sich aus
5.1.4 Dritter Akt: Das Tabu manifestiert sich
5.1.5 Zwischenresümee

6 South Park vs. Political Correctness
6.1 Ein Tabuwort wird gesellschaftsfähig – „Fag“ im Wandel der Zeit
6.2 South Park und rassistische Äußerungen
6.3 Political Correctness im Kontext der kulturellen Vergangenheit
6.4 Deutschland und das Verhältnis zum Antisemitismus
6.5 Zwischenresümee

7 Fazit und Ausblick

8 Quellenangaben
8.1 Bibliographie
8.2 Mediographie
8.3 Online-Quellen
8.4 Abbildungsverzeichnis

Anhang 1: Beep-Töne bei South Park

Anhang 2: Antisemitische Aussagen mit zensierter Synchronisation

Anhang 3: Deutsche Synchronfassung mit antisemitischen Aussagen

Abstract

Lebenslauf.

1 Einleitung

When in the future scholars document how our culture collapsed into ruin, one tiny, obscure footnote should be reserved for South Park.[1]

(Parents Television Council, 2009)

„Fuck Jesus!“ - Mit diesem wütenden, blasphemischen Ausruf vor laufendem Mikrofon schockierte der 8-jährige Eric Cartman bei einem christlichen Musikfestival im Jahr 2003 die angereisten Fans. Sein Freund Leopold „Butters“ Stotch versuchte zwar noch Eric zu Vernunft zu bringen und ihn mit den Worten „I’m pretty sure you shouldn’t say the ‚F‘ word about Jesus“ auf seinen gerade vollzogenen Tabubruch aufmerksam zu machen. An der empörten Reaktion der tiefreligiösen Zuschauer konnte er freilich nichts mehr ändern. Die Situation eskalierte und endete in Hysterie und Massenpanik…

Die hier beschriebene Szene fand natürlich nicht wirklich statt, sondern sie stammt aus einer Episode der amerikanischen Zeichentrickserie South Park.[2] Es gibt zwei Gründe, warum die vorliegende Arbeit gerade mit dieser blasphemischen Äußerung beginnt. Zum Einen handelt es sich bei dieser Gotteslästerung um einen für diese Serie typischen Tabubruch – Und es sind Tabubrüche dieser Art, mit denen die Serie immer wieder für öffentliches Aufsehen gesorgt hat und auch oft in der Kritik gesellschaftlicher Organisationen und Interessensgruppen stand. So macht die christlich-konservative Jugendschutzorganisation Parents Television Council die Serie im einleitenden Zitat sogar für unseren kulturellen Untergang mitverantwortlich.[3] Zum Anderen stellt dieser Tabubruch ein Paradebeispiel für die vorliegende Arbeit dar: Denn der Ausruf „Fuck Jesus!“ wurde zensiert. Für die Ausstrahlung im amerikanischen Fernsehen wurde das vulgäre F-Wort nämlich ausgebeept, also durch einen kurzen Ton bei 1000Hz unkenntlich gemacht. Aber warum wurde ausgerechnet das Wort „Fuck“ unterdrückt? Liegt es etwa daran, dass hier ein religiöses Tabu gebrochen wurde, oder gibt es andere Ursachen für diesen zensorischen Eingriff?

Genau an diesem Punkt setzt die zentrale Fragestellung dieser Arbeit an, nämlich ob, und wenn ja, bei welchen Themen und aus welchen Gründen das schonungs- und hemmungslose Konzept der Serie durch Zensurmaßnahmen unterdrückt wurde.

Auf den ersten Blick scheint es nur naheliegend zu sein, dass eine Serie wie South Park, die keine Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen nimmt, immer wieder auch kritische Stimmen hervorruft, die sich für eine gemäßigtere, sprich zensierte Darstellung einsetzen. Denn immer schon standen tabubrechende Medienprodukte im Kreuzfeuer jener Institutionen und Gruppen, gegen die sich eine Satire auflehnt. „Satire ist der Gebrauch von Komik für Angriffszwecke“ meint Peter Berger und führt als primäre Ziele solcher Angriffe politische und religiöse Mächte, aber auch gesellschaftliche Gruppen und Kulturen an – insbesondere deren Institutionen und Repräsentanten.[4] In dieser Aussage deutet sich bereits an, in welchem Naheverhältnis Satire, Tabubruch und Zensur stehen. So verortet Ulla Otto, die in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft als Koryphäe der Zensurforschung gilt, unterdrückende Maßnahmen vorwiegend in politischen, religiösen und moralischen Bereichen.[5] In der Satire werden somit also vor allem jene Bereiche angegriffen, die historisch betrachtet immer schon die soziale und politische Macht gehabt haben, Kontrolle über Medieninhalte auszuüben. Und genau diese Bereiche werden in South Park fast schon programmatisch parodiert, diffamiert und attackiert. Kein Wunder also, dass die Serie immer wieder Anlass zu öffentlicher Kritik gegeben hat. So merkt auch Johnson-Woods in ihrer umfassenden Arbeit über South Park an, dass die Serie durch ihren ständigen Bruch aller Konventionen oft ins Kreuzfeuer gesellschaftlicher Gruppen geraten ist:

South Park delights in deliberately subverting conventions. It disregards the strictures of institutions such as family, politics, religion, and school. […] Naturally, the show’s excesses attracted criticism.[6]

Aber reicht öffentliche Kritik alleine schon aus, um die Produzenten der Serie tatsächlich zu Zensurmaßnahmen zu zwingen, oder gibt es vielleicht sogar Faktoren, die den hemmungslosen Rundumschlag der Serie unterstützen und noch weiter forcieren? Mit dieser Frage werden wir uns im ersten Kapitel dieser Arbeit auseinandersetzen. Dabei soll uns zunächst eine kurze inhaltliche Zusammenfassung von South Park einen Überblick über die Charaktere und Themen verschaffen und somit auch einen ersten Einblick in das gesellschaftskritische und tabubrechende Potential der Serie ermöglichen. Mediale Reaktionen und wissenschaftliche Arbeiten über South Park werden uns in weiterer Folge erste Anhaltspunkte auf mögliche Zensurmaßnahmen in der Serie liefern.

Um zensorische Eingriffe aufspüren zu können ist es unumgänglich, sich auch ein theoretisches Basiswissen über den zentralen Begriff dieser Arbeit anzueignen. Denn wenngleich wohl jeder eine ungefähre Vorstellung davon hat, was sich hinter dem Ausdruck Zensur verbirgt, gibt es doch eine Reihe wichtiger Problemfelder, die es zunächst zu erschließen gilt. So soll unter anderem geklärt werden, welche Formen Zensur annehmen kann, welche Motivation hinter solch einschränkenden Maßnahmen steckt und in welchen Bereichen Zensur eigentlich stattfinden kann. Hier wird uns vor allem die Albig’sche Zensurpyramide einen übersichtlichen Einblick in die sozialwissenschaftliche Komplexität dieses Begriffs liefern. Der Soziologe William Albig definiert dabei sechs gesellschaftliche Bereiche, in denen das vielschichtige Phänomen Zensur seiner Meinung nach verortet werden kann.

Mit diesem theoretischen Grundwissen ausgestattet geht es in weiterer Folge „in medias res“ und wir stellen uns der Frage, ob South Park tatsächlich durch Zensurmaßnahmen entschärft werden musste und bei welchen Themen die Serie an die Grenzen ihres tabubrechenden Konzepts gestoßen ist. Der Fokus liegt dabei auf der englischen Originalfassung, dementsprechend werden in erster Linie jene Ursachen und Hintergründe beleuchtet, die in den USA zu einer Zensur geführt haben. An gegebener Stelle werden wir aber auch einen Blick auf die deutsche Synchronfassung riskieren, um einige interessante Zensurfälle zum Vorschein zu bringen und dadurch auch kulturelle Unterschiede hervorzuheben. Insgesamt stehen drei große Themenkomplexe im Mittelpunkt dieser Arbeit: Zuerst werden wir uns mit der gesetzlichen Ebene auseinandersetzen, die sich in den USA vor allem auf den Jugendschutz konzentriert und dementsprechend auch auf „klassische“ Zensurthemen abzielt: Schimpfwörter und vulgäre Ausdrücke, Sexualität und Gewalt. Im zweiten Schritt beschäftigen wir uns mit einer der ältesten Zensurformen überhaupt, nämlich mit der religiös motivierten Zensur. Hier bietet insbesondere der „Fall Mohammed“ ein äußerst anschauliches Beispiel dafür, wie sich ein Tabuthema in der Gesellschaft manifestieren kann und letztendlich auch zu weitreichenden Zensurmaßnahmen bei South Park geführt hat. Im Zentrum des zensorischen Interesses steht dabei die bildliche Darstellung des muslimischen Propheten Mohammed, die in einigen Teilen des Islams verboten ist. Zu guter Letzt sollen gesellschaftliche Tabuthemen beleuchtet werden, die speziell unter dem Schlagwort der Political Correctness zur Geltung kommen und dabei auch den kulturellen Aspekt von Zensurmaßnahmen offenbaren.

Bei all diesen Ebenen steht aber nicht nur die Frage im Mittelpunkt, ob es zu einer Zensur gekommen ist und was zensiert wurde, sondern es sollen auch die Ursachen und Hintergründe für diese zensorischen Maßnahmen beleuchtet werden. Denn jeder Tabubruch, von denen es bei South Park unzählige gibt, deutet in gewisser Weise auf einen Wandel in der Gesellschaft hin. Und jede Zensurmaßnahme, die diesen Tabubruch unterdrücken will, stellt im Grunde einen Beleg dar, dass die Zeit für diesen gesellschaftlichen Wandel doch noch nicht reif ist. So betont auch Hartmut Schröder in seinem Aufsatz „Zur Kulturspezifik von Tabus“, dass ohne eine Überschreitung der gesellschaftlichen Grenzen auch kein Fortschritt innerhalb der Gesellschaft möglich wäre:

Stabilität und Dynamik einer Gesellschaft erfordern ein ständiges Ausloten zwischen Tabuisierung und Enttabuisierung. Ohne Tabus ist Stabilität nicht möglich, mit zu vielen und starren Tabus sind Veränderung und Entwicklung nicht möglich.[7]

Es ist vor allem dieses permanente Ausloten von Tabugrenzen, das South Park meiner Meinung nach besonders auszeichnet. Insofern stellt diese Arbeit also nicht die vom Parents Television Council geforderte Fußnote dar, die den kulturellen Ruin durch diese Serie dokumentieren soll, sondern schlägt sich vielmehr voll und ganz auf die Seite von Hartmut Kraft, der meint: „Eine ‚Tabuologie‘ wäre eine höchst spannungsvolle Wissenschaft von den in einer Gesellschaft aktuell gültigen Grenzen des Handelns, Redens und Denkens.“[8]

2 South Park – Eine Zeichentrickserie schockiert die Öffentlichkeit

South Park ’ has been vilified as crude, disgusting and nihilistic, and the eagerness of Stone and Parker to impale every sacred cow they can reach is a major reason for its success.[9]

(Jake Tapper und Dan Morris, ABC News, 2006)

Es ist keineswegs Zufall oder gar Willkür, dass für eine zeitgenössische Untersuchung zum Thema Tabubruch und Zensur die von Trey Parker und Matt Stone produzierte Serie South Park gewählt wurde. Nichts und Niemand wird in der Serie geschont oder geschönt, Religionen und politische Parteien werden diffamiert, ethnische Randgruppen diskriminiert, gesellschaftliche Entwicklungen und Werte kritisiert, Stars und Persönlichkeiten karikiert – verpackt wird das Ganze in einer Darstellung, die auf moralische Vorstellungen und Fragen des guten Geschmacks im wahrsten Sinne des Wortes „scheißt“. Political Correctness scheint für die Produzenten der Serie selbst das größte Tabu zu sein. Aber wie das einleitende Zitat zeigt, dürfte gerade in diesem praktizierten Nihilismus, bei dem scheinbar alle gesellschaftlichen Ordnungen über den Haufen geworfen werden, letztendlich wohl der Hauptgrund für den großen Erfolg von South Park liegen. Begonnen hat diese Erfolgsgeschichte mit dem Kurzfilm The Spirit of Christmas: Jesus vs. Santa, mit dem die beiden Filmstudenten Trey Parker und Matt Stone Ende 1995 erstmals für Furore im Film- und Fernsehbusiness gesorgt haben. Kurz darauf wurden die beiden vom damals noch relativ unbekannten Kabelsender Comedy Central mit einer Pilotepisode beauftragt, in der sie die zentralen Figuren aus ihrem Kurzfilm weiterentwickeln sollten. Die Sendung wurde genehmigt, in Produktion gegeben und unter dem Serientitel South Park am 13. August 1997 erstmals ausgestrahlt.[10]

Im Mittelpunkt der Serie stehen vier Jungs, die im verschneiten und idyllischen Städtchen South Park im US-Bundesstaat Colorado leben und dort die dritte Klasse besuchen. Stan Marsh, der aus einer gutbürgerlichen, amerikanischen Durchschnittsfamilie kommt, und sein bester Freund Kyle Broflovski, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft immer wieder mit Antisemitismus und typischen Klischees gegenüber dem Judentum konfrontiert wird, stehen dabei im Zentrum des Geschehens. Die beiden ergreifen die Initiative, wenn irgendetwas in der Schule, der Stadt oder in der Öffentlichkeit schief läuft, sie hinterfragen gesellschaftliche Verhältnisse und vermitteln am Ende einer Episode häufig auch eine moralische Botschaft. Ihr Kumpel Kenny McCormick kommt aus ärmlichen Verhältnissen – seine Eltern sind Alkoholiker, arbeitslos und streitsüchtig und verkörpern somit den „White Trash“ der amerikanischen Gesellschaft. Kenny ist für jeden Schabernack zu begeistern und vor allem in sexuellen Dingen wesentlich aufgeklärter als seine Freunde. Der Vierte im Bunde ist Eric Cartman, ein übergewichtiges und verzogenes Einzelkind, das von seiner Mutter keinerlei Grenzen aufgezeigt bekommt. Im Prinzip ist Eric der „Bad Boy“ dieser Schuljungen-Clique, ein Egoist, Rassist, Antisemit und Misanthrop wie er im Buche steht. Er legt überhaupt keinen Wert auf die Gefühle oder Meinungen anderer Leute und richtet seine Handlungen einzig und allein auf sein eigenes Wohl aus. Wenn es Ärger gibt, heikle und beleidigende Äußerungen gemacht werden oder es zu moralisch bedenklichen Handlungen kommt, ist Eric meist die treibende Kraft dahinter. So hat er es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die Juden auszurotten[11], er steckt seinen Freund Kyle absichtlich mit AIDS an[12] oder er verkocht die Eltern eines Jungen, der ihn geärgert hat, kurzerhand zu Chili[13]. Diese schockierende Liste ließe sich noch lange weiterführen. Wenn wir uns also im Verlauf dieser Arbeit mit den Grenzen des guten Geschmacks und Tabubrüchen beschäftigen werden, wird Eric Cartman sehr oft eine zentrale Rolle einnehmen.

Die vier Kinder erleben in jeder Episode ein neues Abenteuer. Dabei ist die Bandbreite der Themen vielfältig und setzt sich nicht nur mit gesellschaftlichen Kontroversen, religiösen Themen und aktuellen Ereignissen auseinander, sondern greift auch immer wieder herkömmliche Probleme von Kindern auf. Das tabulose und gesellschaftskritische Konzept kommt dabei bereits in den ersten Episoden mehr als deutlich zur Geltung: So müssen sich die Kinder mit der Problematik aktiver Sterbehilfe auseinandersetzen, während ihre Eltern gegen den vulgären Sprachgebrauch der fiktiven TV-Serie „Terrance & Phillipp“ protestieren[14], Eric kommt zum Entsetzen der Lehrer als Adolf Hitler verkleidet zur Halloween-Schulfeier[15], Stan findet heraus, dass sein Hund schwul ist und versucht ihn daraufhin „umzupolen“[16] oder die jüdische Gemeinschaft von South Park lehnt sich gegen das Weihnachtsfest auf, weil sie sich in ihrem Glauben diskriminiert fühlt[17].

Jede dieser Geschichten wird in wahnwitziger Absurdität, überspitzter und hemmungsloser Eskalation bis an den Rand der gesellschaftlichen Verträglichkeit vorangetrieben, die zusätzlich durch eine äußerst vulgäre Ausdrucksweise und einen perfiden Fäkalhumor noch weiter forciert wird. So hebt auch Johnson-Woods hervor, wie unglaublich facettenreich und divergent zugleich die Serie ist:

Parody, satire, caricature, punning, ridicule, silliness, absurdity, irreverence, incongruity, and slapstick overlap and collide in the best South Park episodes. […] The humor is blissfully vulgar, scatological, and sacrilegious.[18]

Letztendlich dürfte es aber wohl diese ungewöhnliche Mischung sein, die South Park so erfolgreich macht, denn die Serie schlug in den USA ein wie eine Bombe. Innerhalb kürzester Zeit konnte der TV-Sender Comedy Central nicht nur ihren Marktanteil vervielfachen, sondern wurde aufgrund des großen Interesses an South Park in das Programmpaket vieler Kabelanbieter aufgenommen – ein wichtiger Faktor, um sich in der amerikanischen Kabel-TV-Landschaft durchsetzen zu können.[19] Der Erfolg bei den Zuschauern verhalf dem Sender aber nicht nur zu bemerkenswerten Reichweiten und dementsprechend hohen Werbeeinnahmen, auch die Merchandising-Produkte, die Lizenzweitergabe an andere TV-Sender sowie der Video- und DVD-Verkauf brachten mittlerweile mehrere 100 Mio. Dollar ein.[20] Darüber hinaus wurden die Produzenten viermal mit dem Emmy in der Kategorie „Outstanding Animated Program“ ausgezeichnet.[21] Der Film South Park – Bigger, Longer, Uncut brachte Trey Parker im Jahr 2000 sogar eine Oscar-Nominierung für das beste Lied ein (Titel: Blame Canada ).[22] Für den Sender Comedy Central ist South Park quasi die „eierlegende Wollmilchsau“: „Overall, the series has done for Comedy Central what The Simpsons did for FOX. It made Comedy Central.”[23]

2.1 South Park in der Öffentlichkeit

Gute Quoten, Einnahmen durch den Verkauf von Merchandising-Artikel oder Filmpreise sind nur eine Möglichkeit, um die gesellschaftliche Bedeutung der Serie South Park aufzuzeigen. Darüber hinaus sind aber natürlich auch die medialen Reaktionen ein entscheidender Faktor dafür, ob eine Fernsehserie relevant und dementsprechend erfolgreich ist oder aber in der Versenkung verschwindet. Und South Park war in seinen mittlerweile 15 Jahren fast immer ein Garant für Schlagzeilen. Man ist sogar geneigt zu sagen, dass der Erfolg von South Park vor allem durch die mediale Resonanz bestimmt wurde:

South Park has managed to carve a special niche, a niche helped by its ability to keep constantly in the media – few episodes go by without the series generating some press.[24]

2.1.1 Reaktionen in der Presse

In den USA berichteten bereits zum Serienstart die wichtigsten Zeitungen und Zeitschriften des Landes über die Sendung und urteilten trotz, oder gerade wegen des offensiven und schockierenden Stils überraschend wohlwollend über South Park. So fasste Stuart Miller die Berichterstattung über die Serie folgendermaßen zusammen: „Everywhere from TV Guide to Newsweek to USA Today, the show enjoyed positive reviews.“[25] Im Mittelpunkt stand dabei natürlich das kontroverse Potential von South Park, das u.a. auch von Chris Vognar in der Dallas Morning News betont wurde:

Time will tell how well the South Park kids maintain the ability to shock and entertain. In the meantime, sidle up to the TV for some big-boned laughs – or get ready to write your cable company in protest.[26]

Die New York Times bezeichnete South Park, im Vergleich zu ähnlichen Erwachsenen-Zeichentrickserien wie The Simpsons, Beavis and Butt-head oder King of the Hill als „most bizarre of all“.[27] Die Newsweek räumte sogleich ein, dass die Serie vor allem wegen des vulgären Sprachgebrauchs alles andere als eine Kindersendung ist: „These kids don’t just say the darnest things. They say some of the raunchiest things an adult can dream up.”[28] Obwohl viele Kritiken insbesondere den fäkalen und vulgären Humor der Serie hervorgehoben haben, sah man in der Serie aber auch einen intelligenten und längst fälligen Befreiungsschlag gegen die Political Correctness:

No matter how nasty and scatalogical it gets, it’s never just dumb and dumber. Besides all the bathroom humor, the show is built on clever, equal-opportunity satire as it stomps over every politically correct sensitivity of the past decade.[29]

Auch die wichtigsten deutschsprachigen Printmedien berichteten zum Start der Serie im deutschen Fernsehen Ende 1999 über South Park – aber man war dabei mit den Lobeshymnen weit zurückhaltender als die amerikanischen Kollegen. So stellte Die Zeit mit dem Titel “Durchfall-TV“ gleich klar, welchen Schwerpunkt sie bei der Serie vermutet:

Eigentlich müssten die vier Kugelköppe mit entblößten Hinterteilen durch die Serie tollen - weil es immer wieder darum geht: was hinten rauskommt, rauskommen könnte, rauskommen sollte und nicht rauskommen darf.[30]

Gleichzeitig sah man hinter der Political Incorrectness der Show einen Trend, der in dieser Form wohl nur aus den USA kommen und auch nur dort erfolgreich sein könne.[31]

Auch die TAZ, der Tagesspiegel oder die Neue Zürcher Zeitung von der Serie enttäuscht:

Die Hoffnungen auf eine so richtig saftige Schweinerei waren geweckt. […] Die ersten drei Folgen haben die kühnen Bubenträume wie Seifenblasen zerplatzen lassen.[32]

Das soll witzig, frech, pervers, scharf sein? Einfallslos fluchen die Trick-Pennäler durch die Lande - schlimmstenfalls ‚Arschloch‘ und ‚Scheiße‘ brüllen sie.[33]

Was im Mutterland in Zeichentrick verpackt werden muss, bricht im deutschen Fernsehen noch lange keine Tabus. Witze über Polen, Schwule und dicke Kinder hat längst Harald Schmidt gerissen und über Fäkalien haben wir schon bei ‚Werner‘ nicht gelacht.[34]

All diesen Kritiken ist gemeinsam, dass sie den Fäkalhumor der Serie als infantil abstempelten und die immanente Gesellschaftskritik lediglich als Angriff auf die amerikanische Doppelmoral und Political Correctness sehen, die jedoch im europäischen Raum bei weitem keine so große Rolle spiele. Dass man aber auch in Europa über solche Anspielungen lachen kann – und sei es nur über die Verlogenheit der amerikanischen Gesellschaft – betonte Der Spiegel, der in seiner Kritik auch lobende Worte für die Serie fand:

South Park‘ ist ein Frontalangriff auf das verlogene Amerika, auf die ‚Political Correctness‘ der neunziger Jahre. Lustvoll und kenntnisreich verstoßen die Serienmacher Trey Parker, 29, und Matt Stone, 28, gegen die gesellschaftlichen Regeln, jeder darf wieder verspottet und diskriminiert werden.[35]

Im Ländervergleich dieser Berichte sticht in erster Linie hervor, dass die Serie in der amerikanischen Medienlandschaft wesentlich wohlwollender aufgenommen und bewertet wurde als in Deutschland. Während in den USA vor allem der sarkastische Angriff auf die Political Correctness als gesellschaftlicher Befreiungsschlag angesehen und gelobt wurde, konnten die Kritiken aus Deutschland in diesem Angriff nur wenig Relevanz für den europäischen Raum erkennen – und dementsprechend war man enttäuscht darüber, dass die medialen Vorschusslorbeeren aus den USA nicht erfüllt werden konnten. Dadurch wird auch bewusst, dass die Serie in erster Linie für die amerikanische Gesellschaft produziert wird und die permanenten Angriffe auf Tabuthemen letztendlich auch dort ihre größte Brisanz haben. Diese Charakteristik ist einerseits der Grund dafür, warum der Fokus dieser Arbeit in erster Linie auf den Zensurmaßnahmen in den USA liegt. Andererseits kann so aber auch erklärt werden, warum es im (westeuropäischen) Ausland im Laufe der Jahre kaum öffentliche Aufschreie gegen die Serie gegeben hat, während sich in den USA des Öfteren Interessensgruppen hervorgetan haben, die sich über die Serie beschwert haben.

2.2.2 Proteste gesellschaftlicher Interessensgruppen

In den Vereinigten Staaten wurde South Park vor allem von zwei Organisationen immer wieder an den Pranger gestellt. Zum Einen von der Jugendschutzorganisation Parents Television Council, kurz PTC, die 1995 vom christlich-konservativen Aktivisten Brent Bozell gegründet wurde. Diese Privatorganisation hat es sich zum Ziel gesetzt, Minderjährige vor den „negativen Effekten“ des Fernsehens zu beschützen, in erster Linie vor „sex, violence and profanity“[36]. Dabei setzen sich die Mitglieder nicht nur für eine Verschärfung der Jugendschutzgesetze in den USA ein, sondern betreiben auch ein umfangreiches Informationssystem, das Eltern familienfreundliche TV-Sendungen empfiehlt und gleichzeitig vor bedenklichen und jugendgefährdenden Programminhalten warnen soll.[37] Es verwundert also nicht, dass diese Organisation von Beginn an gegen South Park und deren schlechten Einfluss auf Kinder und Jugendliche gewettert hat. So resümierte deren Präsident nach der ersten Staffel, dass der obszöne Sprachgebrauch und die sexuellen Anspielungen das für Kinder erträgliche Maß bei Weitem übersteigt: „There are limits, and this show’s gone too far.“[38]

Die zweite Organisation, die sich oft gegen South Park aufgelehnt hat, ist die Catholic League for Religious and Civil Rights. Diese christliche Organisation hat sich über die Jahre hinweg als der wohl vehementeste Gegner der Serie etabliert und stößt sich dabei in erster Linie an den blasphemischen Inhalten der Sendung: „‘ South Park ’ creators Matt Stone and Trey Parker habitually cross the line. They are not so much interested in poking fun as they are in lashing out.”[39] Vor allem William Donohue, der Präsident dieser Organisation, setzt sich sehr oft dafür ein, seiner Abneigung gegen die Serie durch mediale Feldzüge mehr Nachdruck zu verleihen. Dennoch bestätigen die Produzenten Stone und Parker, dass sich die Proteste aus dem christlichen Lager ansonsten eher in Grenzen halten:

He’s just shameless enough and douchy enough to go on TV and bitch about it. It seems like there’s the other side, but also it makes it sound like Catholics out there are really up in arms over this, and they’re not.[40]

Trotzdem zeichnete sich die Catholic League letztendlich für einen durchaus bemerkenswerten Zensurfall bei South Park verantwortlich, auf den ich noch im Kapitel „ South Park vs. Religion“ näher eingehen werde.

2.2.3 Wissenschaftliche Arbeiten über South Park

Mittlerweile wurde die Serie auch als äußerst nährreicher Boden wissenschaftlicher Betrachtungen entdeckt. So wurden bereits einige Arbeiten veröffentlicht, die sich vor allem mit dem tabubrechenden, gesellschaftskritischen Potential der Serie beschäftigen und gleichzeitig auch einen ersten Einblick in die Zensurgeschichte von South Park geben. Besonders hervorzuheben ist dabei die Arbeit von Toni Johnson-Woods, die in ihrer umfangreichen Publikation Blame Canada! das „Phänomen“ South Park zu erfassen versucht. Anhand zahlreicher Medienberichte, Hintergrundinformationen und Interviews betont sie das Naheverhältnis der Serie zu gesellschaftsrelevanten Themen und hebt dabei auch hervor, welch großen kulturellen Einfluss die Serie in den USA hat. Für Johnson-Woods ist es vor allem der absurde, aber dennoch stets gut reflektierte Humor, der South Park von anderen Zeichentrickserien hervorhebt: „ South Park stepped into a discursive space and filled a political and cultural void.“[41]

Zensur ist für Johnson-Woods bei South Park jedoch ein fast vernachlässigbarer Bereich, den sie in erster Linie in den internen Vorgaben und Richtlinien des Senders, den sogenannten Standards and Practices, verortet und der sich ihrer Meinung nach vorwiegend auf den vulgären Sprachgebrauch der Serie fokussiert. Einschränkungen und Zensurmaßnahmen, die durch Proteste diverser Interessensgruppen durchgesetzt werden konnten oder durch gesetzliche Vorschriften bestimmt wurden, kann Johnson-Woods nur in geringem Maße ausmachen. Vielmehr betont sie, dass die Serie immer wieder neue Bereiche erschlossen hat, die im US-Fernsehen lange Zeit tabuisiert wurden.[42]

Gleich zwei Aufsatzsammlungen wurden unter dem Titel South Park and Philosophy veröffentlicht. Dabei setzen sich die Autoren mit dem scheinbar unerschöpflichen Repertoire gesellschaftsrelevanter Themen bei South Park auseinander und philosophieren anhand der Serie über Themenfelder wie Politik, Religion, Moral, Gender, Rassismus, Drogenkonsum und sogar Stammzellenforschung. Beide Publikationen fassen South Park dabei als eine Serie auf, die ihr Publikum schockieren, mitunter sogar beleidigen will, aber gleichzeitig auch zum Nachdenken anregt und eine moralisch begrüßenswerte Botschaft vermittelt.[43] Während Richard Hanley South Park als „one of the most philosophically important shows on television“[44] bezeichnet, beschreibt Robert Arp die Serie folgendermaßen: „The goal of both South Park and philosophy is to discover truth and make the world a better place to live in.“[45] Vom kulturellen Ruin, den die PTC in der Serie South Park verortet, ist in diesen Aussagen also wenig zu spüren. Auch Jeffrey A. Weinstocks Essay-Zusammenstellung Taking South Park Seriously schlägt inhaltlich wie perspektivisch in die gleiche Kerbe wie die beiden Philosophie-Werke. Doch während in den beiden erstgenannten Büchern Zensurmaßnahmen bei der Serie fast vollständig ausgeblendet werden, widmet sich Weinstock zumindest oberflächlich auch dieser Thematik. Dabei kommt er zu einem ähnlichen Ergebnis wie Johnson-Woods – South Park wird zwar gelegentlich durch zensurähnliche Maßnahmen eingeschränkt, dies geschieht jedoch, in Anbetracht der Fülle an typischen Zensurthemen, erstaunlich selten. Den Hauptgrund sieht er dabei in den gesetzlichen Freiheiten, die in den USA vor allem dem Kabelfernsehen eingeräumt werden: „ South Park is clearly a phenomenon related to the rise of cable television with its more lenient censorship standards and immense range of programming.“[46]

All diesen wissenschaftlichen Arbeiten ist Eines gemeinsam: Sie führen zwar einerseits an, dass die Serie durch ihren Fäkalhumor, vulgären Sprachgebrauch und der schonungslosen Überschreitung von Tabugrenzen großes Potential bieten würde, um bei gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen anzuecken und Proteste hervorzurufen. Andererseits scheint Zensur bei der Serie, trotz gelegentlich aufkeimender Kontroversen, dennoch nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Da stellt sich die Frage, warum South Park zwar immer wieder eine soziale Unverträglichkeit nachgesagt wird, sich die Produzenten aber dennoch relativ selten in ihrer offensiven Ausrichtung einschränken mussten. Einige wichtige Faktoren, die diesen Widerspruch erklären können, sollen im Folgenden beleuchtet werden.

2.3 Verteidigungsstrategien à la South Park

Wie wir gerade gesehen haben, ist die Serie South Park Satire in Reinform und ein beispielloser Umschlagplatz für Tabubrüche jeglicher Art. Aber nicht jeder Tabubruch ruft gleich Zensoren auf den Plan. Zwar betont auch Freud in seiner 1905 veröffentlichten Arbeit Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten, dass es in jeder Gesellschaft Instanzen gibt, die sich für die Aufrechterhaltung bestimmter Tabuthemen einsetzen. Gleichzeitig erkennt er aber vor allem im Humor eine mögliche Strategie, mit der diese Instanzen in einem gesellschaftlich akzeptablen Rahmen umgangen werden können.[47] Schröder hebt in diesem Zusammenhang die temporäre Tabuaufhebung hervor, die vor allem als Ventilfunktion für die Gesellschaft dienen kann. Dabei dürfen in bestimmten Situationen und Umgebungen Tabus gebrochen werden, ohne dass dabei mit Konsequenzen oder Sanktionen gerechnet werden muss. Solche Situationen können wissenschaftliche Diskurse sein, aber auch Witze, Satire oder der Karneval.[48] Dieser Faktor ist wohl der entscheidende Grund dafür, warum die hemmungslosen Tabubrüche bei South Park eine größere gesellschaftliche Akzeptanz finden, als es bei einer ernsthaften Auseinandersetzung möglich wäre. Es gibt jedoch eine Reihe weiterer Faktoren, die für das schonungslose Konzept der Serie förderlich sind und den Produzenten, aber auch dem Sender Comedy Central, als Verteidigungsstrategie dienen, um die Bestrebungen zensurbestimmender Instanzen im Keim zu ersticken.

Verteidigungsstrategie 1: Matt Stone und Trey Parker als Equal-Opportunity Offenders

Bei einer Arbeit über South Park muss man sich unweigerlich auch den kreativen Köpfen hinter der Serie widmen: Trey Parker und Matt Stone. Kaum eine andere TV-Serie ist über einen so langen Zeitraum so eng mit seinen Erfindern verbunden wie diese Produktion. Bis heute zeichnen sich Stone und Parker hauptverantwortlich für die Ideen und das Drehbuch der Serie, sie überwachen alle Produktionsstufen und synchronisieren zudem den Großteil der Figuren selbst.[49] Die beiden verleihen der Serie aber vor allem durch ihren perfiden Sinn für Humor die entscheidende Note und führen South Park damit oftmals an die Grenze der sozialen Verträglichkeit:

We never thought that we've ever done the show to push the envelope. We do the show to tell stories, and that just happens to be our sense of humor, which pushes the envelope.[50]

Wichtigster Ausgangspunkt der beiden ist dabei, dass sie sich über Alles und Jeden lustig machen – eine Haltung, die sich sehr schön im Ausdruck Equal-Opportunity Offender widerspiegelt. Entscheidendes Merkmal ist dabei, dass sich ihre Angriffe nicht auf bestimmte Ziele fokussieren, sondern dass potentiell jeder zum Opfer dieser Verbalattacken werden kann. Es wird also niemand benachteiligt, dafür aber auch niemand bevorzugt: „The idea being that if everyone is offended equally, no one is singled out, and therefore anyone who takes offense is being overly sensitive and ‘can’t take a joke.‘“[51] In den USA ist dieser Ausdruck vor allem bei Stand-up Comedians und Satirikern eine gängige Strategie, um sich gegen den Vorwurf rassistischer oder sexistischer Beleidigungen wirksam verteidigen zu können.[52] Denn mit dieser Rechtfertigung geben die Beschuldigten zwar einerseits zu, dass sie sich politisch nicht ganz korrekt verhalten haben, andererseits stufen sie ihre beleidigenden Aussagen jedoch keineswegs als einen Akt des Hasses gegen eine bestimmte Minderheit ein. Vielmehr verteidigen sich die Spötter eben damit, dass bei ihren Angriffen generell keine Gruppe verschont wird und somit auch kein Geschlecht, keine ethnische Herkunft oder religiöse Gemeinschaft bevorzugt oder benachteiligt wird. In dieser Phrase schwingt demnach also auch ein Hauch von Gleichberechtigung mit.

Auch South Park wird häufig dieses Prädikat des Equal-Opportunity Offenders verliehen: „By being an ‚equal opportunity offender‘ the series managed to take both sides and no sides in every issue.”[53] Dementsprechend rechtfertigte Isaac Hayes, der jahrelang die Stimme der Figur Chefkoch synchronisiert hat, die tabulosen Rundumschläge von Trey Parker und Matt Stone mit folgenden Worten: „They're equal-opportunity offenders. Don't be offended by it. If you take it too seriously, you have problems.”[54] Und auch für Comedy Central ist das hemmungslose Konzept der Serie, bei dem kein Thema verschont wird, ein wichtiger Schlüssel dazu, um sich gegen Kritiken von Außen wehren zu können. Als es z.B. zu heftiger öffentlicher Kritik an den Episoden “Trapped in the Closet” und “Bloody Mary” gekommen war, verteidigte der Sender seine Produzenten folgendermaßen:

If you know ' South Park ', they are free, and have been, to satirize anybody and anything they want to. They've made fun of MTV, they've made fun of Viacom, they've made fun of Comedy Central, and we've never interfered with them.[55]

An solchen Aussagen lässt sich also durchaus erkennen, dass der perfide Humor von Trey Parker und Matt Stone, der vor nichts und niemanden zurückschreckt, sogar sehr förderlich sein kann, um sich gegen zensorische Maßnahmen von Außen verteidigen zu können.

Verteidigungsstrategie 2: Stil und schnelle Produktion

Aber nicht nur inhaltlich fällt South Park aus dem Rahmen, auch stilistisch unterscheidet sich die Serie sehr stark von Disney-Zeichentrickfilmen oder Serien wie Die Simpsons oder Family Guy. Denn während diese versuchen, ihre Figuren so perfekt wie möglich in Szene zu setzen, merkt man South Park bis heute einen Hang zum Rudimentären abseits jeglicher Perfektion an. Für die ersten Episoden wurden alle Figuren, Häuser und Mundbewegungen von Stone und Parker in mühsamer Handarbeit ausgeschnitten und per Stop-Motion-Technik aufgenommen. Mittlerweile wird die Produktion zwar über Computersoftware produziert, dennoch bleibt die Serie ihren stilistischen Anfängen treu, denn im simpel gehaltenen Zeichenstil sehen Stone und Parker einen entscheidenden Grund dafür, dass sie oftmals die Bedenken der Senderverantwortlichen entkräften konnten und dadurch auch häufig ungeschriebene TV-Tabus brechen konnten:

There’s this thing we get away with, because it’s these dumb, shitty cut-outs, that a lot of things that seem like they’re just gonna be so hardcore and so brutal, as soon as you see it done by shitty cut-outs, it makes it all just silly. And that’s why, a lot of times, we’ll send Comedy Central the animatics, so it’s just basically drawings and the dialogue. And at that point, they’ll be like ‘No, I don’t know.’ And then, a lot of times, they’ll see it animated and be like, ‘Yeah, I guess it’s not that bad’.[56]

Durch diesen stilistischen Minimalismus ist es den Machern von South Park zusätzlich möglich, die Produktionsdauer einer Folge drastisch zu verkürzen. Während bei Serien wie Die Simpsons von der ersten Idee bis zur Ausstrahlung der fertigen Episode mehrere Monate vergehen können, werden viele South Park Folgen innerhalb weniger, manchmal sogar innerhalb einer einzigen Woche geschrieben, animiert, synchronisiert und fertiggestellt. So startet der Prozess häufig mit der Themenwahl am Donnerstag und endet mit der Ausstrahlung am darauf folgenden Mittwoch.[57] Durch diese kurze Produktionsphase ergeben sich auch zwei Nebeneffekte, die sich positiv auf das tabubrechende Konzept der Serie auswirken: Einerseits wird es für die Produzenten möglich, relativ kurzfristig auf die aktuellsten Themen und Nachrichten einzugehen, die gerade gesellschaftlich brisant sind. So konnten die US-Zuschauer bereits am Abend nach der US-Präsidentenwahl 2008 in der Episode „About Last Night“ sehen, wie sich die Fans von Barack Obama über die Anhänger des Verlierers John McCain lustig machen.[58] Durch diese schnelle Reaktionszeit steigt natürlich auch das Potential, Konflikte hervorzurufen und noch nicht abgeebbte Debatten weiter anzuheizen. Wie kritisch eine solch aktuelle Auseinandersetzung mit bestimmten Themen sein kann, wird man im Verlauf dieser Arbeit noch bei den Ereignissen rund um den „Fall Mohammed“ sehen. Andererseits bietet sich den Verantwortlichen bei Comedy Central aufgrund der sehr kurzen Produktionszeit kaum die Möglichkeit, die Episoden vorher vollständig auf anstößige oder problematische Inhalte zu überprüfen bzw. größere Änderungen vornehmen zu lassen.[59] Komplett ohne Prüfung geht es allerdings auch bei South Park nicht, denn das grundlegende Thema jeder Episode sowie einzelne kritische Passagen werden im Vorfeld meist zwischen Sender und Produzenten abgeklärt, um mögliche Schwierigkeiten mit Werbepartnern zu verhindern.[60]

Verteidigungsstrategie 3: Tabubruch als PR-Aktion

Das Produktionsteam rund um Trey Parker und Matt Stone könnte niemals so scharfzüngig und kontrovers zu Werke gehen, wenn nicht auch deren Auftraggeber die Genehmigung dazu geben würden. So waren sich die Verantwortlichen bei Comedy Central bzw. deren Präsident Doug Herzog von Anfang an bewusst, dass sie mit South Park an die gesellschaftlichen Grenzen stoßen werden und dies auch bewusst wollen. Bereits vor der Premiere betonte man in Interviews das kontroverse Potential der Serie, um dadurch die notwendige Publicity für die Show zu erreichen. Aussagen wie "I can guarantee it's gonna be the raunchiest thing on TV and it's gonna piss a lot of people off'' (Trey Parker) oder “People will say we've gone too far” (Doug Herzog) untermauern eindrucksvoll, dass die offensive Ausrichtung der Serie von Beginn an Mittel zum Zweck war, um ins Gespräch zu kommen und Zuschauer anzulocken.[61] Mit Erfolg, wie sich gezeigt hat.

Dennoch waren sich auch die Verantwortlichen bei Comedy Central durchaus bewusst, dass man sich mit South Park auf ein unbekanntes Terrain vorwagte, bei dem die gesellschaftliche Reaktion auf beide Seiten hätte fallen können: entweder in heftige Proteste und Ablehnung oder in Aufmerksamkeit, Akzeptanz und hohe Einschaltquoten. So schildert Doug Herzog, dass die Tage vor der Erstausstrahlung durchaus von Bedenken geprägt waren:

I was very nervous. I remember thinking, 'Can I go to jail for this?' There was a lot of stuff that was enormously troublesome to me as a whatever - as a network executive, as a parent, as a human being. But I think Comedy Central's success has come from letting people like Matt and Trey pursue their vision and not getting in the way."[62]

Dieser Mut zum Risiko erklärt auch, warum der Handlungsspielraum, den Comedy Central Trey Parker und Matt Stone einräumt, für das TV-Business ungewöhnlich groß ist. So betonte Stone in einem Interview, dass die beiden wohl tatsächlich mehr Freiheiten zugesprochen bekommen als die meisten anderen TV-Produzenten:

We do have Standards & Practices look at the script, and Legal does too. But we probably get more leeway than most shows. And if we want to do something special […] there's always a negotiation process, and if we can give a reason for it that's defendable to them, and to our advertisers, then they let us do it.[63]

In dieser Aussage fällt ein wichtiges Schlagwort – die Standards & Practices. Dabei handelt es sich um jene internen Richtlinien, in denen der Sender bestimmt, welche Inhalte für die Ausstrahlung zulässig sind und welche nicht. Denn auch wenn es bisher vielleicht so gewirkt haben mag, vollkommene Narrenfreiheit haben Stone und Parker nicht. Natürlich müssen sich auch die Produzenten von South Park an die Anweisungen des Senders halten, der vorgibt, was in der Sendung erlaubt ist und was nicht. So kam es z.B. bei der kontroversen Episode „Bloody Mary , in der Blut aus dem Hintern einer Marienstatue spritzt und dabei den Papst besudelt, zu einigen restriktiven Vorgaben:

A lot of times, when the whole story hinges on one thing, we’ll tell the network the idea first, to make sure they’re not gonna pull it on us. They had some comments on that one [„Bloody Mary“, Anm.] They didn’t want it to look like a butt. And they didn’t want anybody putting their finger in the butt. […] You are supposed to care about that. We absolutely get a pass.[64]

Verteidigungsstrategie 4: Tabubrüche im Wandel der Zeit

Wie wir gesehen haben, tastet sich South Park durch die Wahl brisanter und heikler Themen immer wieder an die Grenzen gesellschaftlicher Tabus heran. Durch das ständige ausloten dieser Grenzen hat sich die Serie im Laufe der Zeit ein Image geschaffen, unter dessen Deckmantel auch der Handlungsspielraum der Produzenten immer größer geworden ist. So gibt Matt Stone an, dass man sich mittlerweile an Themen heranwagen dürfe, die zu Beginn der Serie undenkbar gewesen wären:

[…] none of the shows we’ve done in the last two or three seasons could have been shown on air back in 1997. If you look at the first season, they’re tame. It’s definitely a lot dirtier.[65]

Den Grund dafür sieht Trey Parker vor allem darin, dass sich die Zuschauer inzwischen an die offensiven und anstößigen Inhalte der Serie gewöhnt hätten und kritische Aussagen dadurch auch selten so ernst genommen werden, wie sie auf den ersten Blick vielleicht erscheinen: „We created a brand for ourselves, […] people say, ‚Oh, yeah, that’s just South Park‘.“[66] Stone sieht in dieser Entwicklung jedoch keinen Trend, der sich nur auf South Park beschränkt, sondern er erkennt darin eine generelle Tendenz im Fernsehbereich, bei der jahrzehnte- und jahrhundertealte Tabus immer öfter gebrochen werden und letztendlich sogar ihren kontroversen Charakter verlieren:

I think that television has changed, not just because of us but because of a long process starting most recently with Beavis & Butt-head and then maybe us and Jackass. It's a step- by-step process, and there will be somebody else coming down the pike here pretty soon that takes it to another level. We feel like every week we still tackle some pretty fucked-up ideas and fucked-up shows, and there's just not even a peep from anybody.[67]

Man sollte in weiterer Folge also immer auch im Hinterkopf behalten, dass sich South Park mittlerweile in der 15. Staffel befindet. Tabus, die Mitte der 90er noch nicht gebrochen werden durften, stellen im Jahr 2010 nicht mehr zwingendermaßen eine gesellschaftliche Barriere dar. So werden uns im Verlauf dieser Arbeit auch einige Beispiele begegnen, bei denen sich ehemals kritische Tabuthemen gelockert haben bzw. viel von ihrer Wirkung eingebüßt haben. Gleichzeitig werden sich aber auch neue Themenbereiche herauskristallisieren, die im Laufe der Jahre an Relevanz gewonnen haben und dementsprechend auch kritischer von der Gesellschaft betrachtet werden – auch hier wird vor allem der „Fall Mohammed“ ein eindrucksvolles Zeugnis für eine solche Entwicklung sein.

Verteidigungsstrategie 5: Die gesetzlichen Bestimmungen

Auch die gesetzlichen Bestimmungen in den USA legen dem offensiven und provokativen Stil von South Park keine allzu großen Steine in den Weg, denn die Regulierung amerikanischer Medien ist traditionell von einem äußerst starkem Freiheitsgedanken und Liberalismus geprägt. Als Grundpfeiler hierfür dient das sogenannte First Amendment, das zusammen mit neun weiteren Artikeln die Bill of Rights bildet. In diesem ersten Zusatzartikel wird u.a. Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit zugesichert oder exakter ausgedrückt: Gesetze verboten, welche diese Freiheiten einschränken könnten.[68] Mit diesem Meilenstein der Pressefreiheit sollte das First Amendment eigentlich ein staatliches Zensur- bzw. Einschränkungsverbot in den Medien garantieren. Für Matt Stone stellt dieser Artikel sogar eine gesetzliche Absicherung für Provokationen jeglicher Art dar:

Part of living in the world today is you're going to have to be offended. The right to be offended and the right to offend is why we have a First Amendment. If no speech was offensive to anybody, then you wouldn't need to guarantee it.[69]

An dieser Stelle genügt vorerst das Wissen, dass der provokante Stil der Produzenten von South Park auch auf gesetzlicher Ebene zu großen Teilen abgesichert ist. Wo und warum sich dennoch inhaltliche Einschränkungen durch die gesetzlichen Bestimmungen ergeben, wird noch im Kapitel “ South Park vs. Das Gesetz“ erläutert werden.

2.4 Zwischenresümee

Tabubruch? Ja. – Zensur? Nein. So lautet das vorläufige Fazit, dass man aus diesem Kapitel über South Park ziehen kann. Die Serie ist Satire in Reinform, die sich gegen jede nur erdenkliche Gruppe, Institution oder gesellschaftliche Entwicklung auflehnt und dabei kritisiert, provoziert und beleidigt. So durchbrechen die Produzenten immer wieder gesellschaftliche Normen und moralische Werte und bewegen sich dabei, in Kombination mit dem oftmals propagierten Fäkalhumor, häufig am Rande der sozialen Verträglichkeit. Tabubrüche stehen bei South Park an der Tagesordnung, was sowohl von Verfechtern als auch von Kritikern der Serie häufig betont wird. Dadurch könnte man nun eigentlich auch vermuten, dass die Serie immer wieder gegen inhaltliche Maßnahmen und Einschränkungen, sprich Zensur, ankämpfen musste. Doch just diese Annahme konnte sich bisher nicht bestätigen. Vielmehr scheint es so, als wären sowohl die Produzenten als auch die Senderverantwortlichen von Comedy Central bestens gegen jegliche Zensurmaßnahmen gerüstet. So hält auch Johnson-Woods fest, dass die gelegentlichen Aufschreie und Proteste gegen die Serie nur wenig am provokanten Stil der Serie ändern konnten und eine inhaltliche Zensur, wenn überhaupt, in erster Linie durch die internen Senderrichtlinien zum Tragen kommt.[70]

Dieser Umstand sollte jedoch kein Grund zur Entmutigung sein. Denn im Verlauf dieser Arbeit wird sich noch zeigen, dass es gerade durch diese internen Senderrichtlinien, es handelt sich dabei um die bereits erwähnten Standards & Practices, einige interessante Fälle gibt, die einer Zensur gleichkommen. Und dabei werden auch gesetzliche Vorschriften, gesellschaftliche Moralvorstellungen oder Proteste diverser Interessensgruppen durchaus eine entscheidende Rolle spielen. Um diese Zensurmaßnahmen jedoch ausfindig zu machen und richtig einstufen zu können, ist es zunächst unerlässlich, ein Verständnis für den Begriff Zensur aufzubauen und dabei auch der Frage nachzugehen, auf welchen Ebenen zensorische Maßnahmen überhaupt getroffen werden können.

3 Zensur – Ein Begriff im Wandel der Zeit

Censorship is an enormous, wide-ranging topic, far more complex than simply cutting the ‘naughty bits’ out of movies, shutting down adult bookshops, or muzzling civil service whistling-blowers.[71]

(Jonathan Green, Encyclopedia of Censorship )

Der zentrale Begriff dieser Arbeit ist Zensur. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Ausdruck? Welche Bedeutung hat er für unsere Gesellschaft und in welchen Bereichen findet Zensur statt? Diese Fragen sind unabdingbar, wenn wir uns im weiteren Verlauf dieser Arbeit mit Zensurfällen bei South Park auseinandersetzen wollen. Eine allgemeingültige Begriffserklärung zu finden ist jedoch alles andere als einfach, denn das Phänomen Zensur hat im Laufe der Jahrhunderte immer komplexere Ausmaße angenommen und sich in den einzelnen Gesellschaften, Kulturen und Epochen unterschiedlich entwickelt. Wie vielschichtig der Begriff mittlerweile geworden ist, stellt u.a. auch Ulla Otto fest:

Die Verwirrung, die sich allerorts in der Argumentation über das Thema Zensur bemerkbar macht, […] belegt, wie wenig scharf umrissen und wie klärungsbedürftig der Fragenkomplex im Zusammenhang mit diesem Phänomen im Grunde noch ist.“[72]

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Problemfeld Zensur durch die Etablierung neuer Medien, wie z.B. durch das Internet, sogar noch einmal rasant verändert und weiterentwickelt. Mittlerweile ist es für jeden leicht möglich, Neuigkeiten, Nachrichten, Informationen oder seine eigenen Gedanken über das Internet zu verbreiten und mit der Welt zu teilen. Und natürlich gibt es unter diesen Massen an Aussagen auch viele Inhalte, die für bestimmte Personen oder Gruppen ein Ärgernis darstellen und dementsprechend unterdrückt werden sollen. Wie schwer dieses Unterfangen jedoch inzwischen geworden ist, zeigt sich am Beispiel der Internetseite WikiLeaks.org, auf der Ende 2010 tausende von vertraulichen Dokumenten der US-Regierung veröffentlicht wurden und deren Publikation, trotz der Mittel und Möglichkeiten der amerikanischen Behörde, nicht verhindert werden konnte. In einer Welt, in der praktisch jeder Daten und Informationen veröffentlichen kann und gleichzeitig auch jeder Zugriff auf diese Informationen hat, scheint eine Zensur beinahe unmöglich geworden zu sein. Aber nur beinahe, denn wie sich in dieser Arbeit noch zeigen wird, gibt es nach wie vor Mittel und Wege, um unerwünschte Medieninhalte zu unterdrücken und zu verhindern.

Neben der technologischen Entwicklung gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die zur Komplexität des Themenbereichs Zensur beitragen. So muss auch die kulturelle Variable miteinbezogen werden, denn Zensurmaßnahmen sind stets auch durch ihre gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt und können von Land zu Land stark variieren. Und natürlich muss auch ein zeitlicher Wandel berücksichtigt werden. Aussagen und Themen, die gestern noch tabu waren, können bereits morgen erlaubt bzw. üblich sein. So hält auch Ulla Otto in ihrer Zensurdefinition fest, dass das Phänomen Zensur „immer nur in Relation zu einer konkreten sozialen Ordnung, die in bestimmter Weise etabliert ist und sich durch diese Äußerungen bedroht fühlt“ betrachtet und analysiert werden kann.[73] Diese Grundprämisse sollte man in Anbetracht der technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte stets im Hinterkopf behalten, wenn im Folgenden versucht wird, den Themenkomplex Zensur theoretisch aufzubereiten.

3.1 Definition von Zensur

Bei einer Begriffsdefinition ist es zunächst sinnvoll sich der Wortherkunft zu widmen. Seinen Ursprung hat Zensur im lateinischen Wort Censura, das mit Prüfung und Beurteilung übersetzt werden kann – es ist also kein Zufall, dass im deutschen Sprachraum Zensur auch als Synonym zur Beurteilung von schulischen Leistungen verwendet wird.[74] Etymologisch wurde der Begriff jedoch in erster Linie zur Bezeichnung eines hohen altrömischen Amtes benutzt. Etwa 400 v. Chr. wurden diese Censores zum ersten Mal primär mit der Aufgabe betraut, den Zensus abzuhalten, worunter die Erstellung einer Bürgerliste zu verstehen ist, die u.a. für steuerliche und militärische Zwecke verwendet wurde. Darüber hinaus fungierten die Zensoren aber auch als „Sittenwächter“, wobei sie Bürgern eine Rüge aussprechen konnten, wenn diese unsoziales Verhalten an den Tag legten oder vorherrschende Sitten verletzten. In Anlehnung an diese moralische Prüfungsinstanz wurde der Begriff über viele Jahrhunderte hinweg vor allem dafür herangezogen, um die Unterdrückung und das Verbot von gefährlichen bzw. moralisch bedenklichen Büchern und Aussagen durch die katholische Kirche zu beschreiben.[75] So findet sich eines der ältesten Relikte systematischer Zensur im Index Librorum Prohibitorum wieder. Dabei handelt es sich um eine Liste, die 1559 von Papst Paul IV eingeführt wurde und in der jene Bücher katalogisiert und verboten wurden, die sich für eine gesellschaftliche Reformation eingesetzt haben. Wurde man mit einem dieser Bücher erwischt, drohte dem „Sünder“ die Exkommunikation. Das Verzeichnis hatte in der katholischen Kirche lange Zeit Bestand und wurde erst 1966 aufgrund mangelnder Durchsetzungskraft wieder aus den römisch-katholischen Statuten entfernt.[76] Bereits in dieser ersten historischen Betrachtung kann man also einige Elemente erkennen, die auch das heutige Verständnis von Zensur prägen: Sitte und Moral spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Kontrolle durch autoritäre Mächte.

Die zeitgenössische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Zensur ist jedoch geprägt durch eine Vielzahl unterschiedlichster Ansätze, die versuchen, das breite Spektrum des Begriffes zu erfassen. Dabei bewegen sich die Definitionen, je nach wissenschaftlichem Interessensgebiet, zwischen einem eng ausgelegten, rechtsstaatlichen Begriff von Zensur und solchen Auslegungen, die sämtliche Formen und Ausprägungen zensorischer Maßnahmen beschreiben wollen. So definiert der Brockhaus Zensur z.B. folgendermaßen:

1) eine von zuständiger Stelle, i.d.R. staatl. Stelle vorgenommene Überprüfung und Kontrolle von Druckwerken und audiovisuellen Produktionen auf ihre polit., gesetzl., sittl. und religiöse Konformität und

2) die ggf. daraufhin erfolgende Unterdrückung bzw. das Verbot der unerwünschten Veröffentlichung. […] Im wesentlichen Sinne erfasst der Begriff Zensur darüber hinaus die Kontrolle jegl. Form von Meinungsäußerung in autoritären und totalitären Staaten sowie auf nichtstaatl. Ebene.[77]

Der Zensurprozess ist auf den ersten Blick also zweigeteilt und liegt einerseits in der Kontrolle der medialen Inhalte und andererseits in deren Unterdrückung bzw. Verbot. Zwar wird mit dem Zusatz „auf nichtstaatlicher Ebene“ eingeräumt, dass es neben einer staatlich geregelten Zensurpraxis auch andere Instanzen gibt, die Inhalte unterdrücken wollen, dennoch konzentrieren sich viele Begriffsauslegungen in erster Linie auf eine rechtswissenschaftliche Betrachtung und in weiterer Folge auf behördlich durchgeführte Maßnahmen.[78] Man muss sich jedoch im Klaren sein, dass eine Unterdrückung medialer Inhalte nicht nur von staatlicher Seite aus vorgenommen werden kann, sondern von den verschiedensten Stellen und aus den unterschiedlichsten Gründen erfolgen kann. So kann Zensur u.a. auch durch gesellschaftliche Normen und Werte motiviert sein und von den Medienschaffenden selbst durchgeführt werden, oder sie wird von gesellschaftlichen Interessensgruppen angestrebt, die versuchen, durch geeignete Druckmittel Einfluss auf die Produzenten und somit auf die Medieninhalte zu nehmen.[79]

Ulla Otto greift diesen Grundgedanken auf und definiert den Zensurbegriff etwas allgemeiner, indem sie einräumt, dass Zensur im heutigen Verständnis vorwiegend durch den Faktor des Verbots bestimmt ist und somit als „Freiheitsbeschränkung durch eine kirchliche, staatliche oder andere Macht im Geistesleben der menschlichen Gesellschaft“ zu verstehen ist.[80] Mit dieser Auslegung trifft sie meiner Meinung nach sehr schön das zeitgenössische Verständnis von Zensur. Denn während sich „klassische“ Definitionen in erster Linie auf eine autoritäre und vorwiegend staatliche Prüfung konzentrieren, sollte Zensur vielmehr als Vorgang betrachtet werden, der von nahezu jeder Stelle durchgesetzt werden kann, „denn nicht nur die politischen Regime in Vergangenheit und Gegenwart haben sich als Zensoren betätigt, auch die verschiedensten anderen gesellschaftlichen Gruppen haben ihre Autorität zu demselben Zweck eingesetzt.“[81]

Diese Zweiteilung an möglichen Zensurstellen findet sich auch in der häufig vorgenommenen Differenzierung zwischen einem formellen und einem informellen Zensurbegriff wieder. Dabei ist das spezifische Merkmal des formellen Zensurbegriffs, wie der Name schon sagt, die Form des staatlichen Einschreitens, also das Kontroll- und Unterdrückungsverfahren an sich. Wenn ein mediales Produkt, z.B. ein Theaterstück, ein Film oder ein Buch, einer staatlichen Behörde vorgelegt werden muss, die daraufhin bestimmte Inhalte oder das gesamte Werk freigibt oder verbietet, dann spricht man vom formellen Zensurvorgang.[82] Er beinhaltet letztendlich also nur die gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien, die vorgeben, wie mediale Inhalte kontrolliert und gegebenenfalls sanktioniert werden sollen. Diesen gesetzlichen Vorgaben steht der informelle Zensurbegriff gegenüber. Darunter werden all jene inhaltsunterdrückenden Maßnahmen verstanden, die abseits der rechtlichen Grundlagen durchgeführt werden. Laut Breuer wird vornehmlich dann von einer informellen Zensur gesprochen, wenn „einflussreiche gesellschaftliche Gruppen mit Hilfe von psychischem, ökonomischem, politischem oder sonstigem Druck“ Kontrolle auf die Veröffentlichung von Medienprodukten ausüben.[83] Die Bandbreite der einflussreichen Gruppen ist dabei vielfältig: politische Parteien können genauso dazu gezählt werden wie religiöse Institutionen und Gemeinschaften, Interessensgruppen, Unternehmen oder auch Verbände. Ein aktuelles Beispiel liefert dabei der Internationale Fußballverband FIFA, der Journalisten und Medienunternehmen bei der Fußball-WM 2010 mit umfassenden Auflagen konfrontierte. So konnte u.a. bereits die Nennung eines Teamhotels zum Entzug der Akkreditierung führen.[84] Der Journalist hat bei solchen Auflagen die Wahl: Rein rechtlich gesehen darf er die Information ohne Weiteres veröffentlichen, er muss jedoch mit harten, vielleicht sogar existenzbedrohenden Konsequenzen rechnen, was den Reporter letztendlich also durchaus nachvollziehbar in eine Selbstzensur treiben kann.

Informelle Zensur nimmt demnach auch meistens nicht direkt Einfluss in die Veröffentlichung bestimmter Inhalte, sondern wird über den indirekten Weg der Beeinflussung bzw. durch entsprechende Druckmittel bewerkstelligt. So versuchen Interessensgruppen einerseits durch Lobby-Arbeit die politischen und gesetzlichen Träger so zu beeinflussen, dass ihre Ansichten ins staatliche System einfließen. Andererseits kann durch finanziellen oder öffentlich erzeugten Druck auf die Journalisten, Produzenten oder Medienunternehmen ebenfalls das gewünschte Ergebnis erreicht werden. Die eigentliche Zensur erfolgt dabei jedoch auf „freiwilliger“ Basis durch die Medienschaffenden selbst.[85] Wie einschneidend eine solche Form der Zensur sein kann, zeigt sich am Beispiel vieler Hollywood-Produktionen aus den 40er und 50er Jahren. So definiert Pollard vor allem jene Phase, in der der Production Code unter Will H. Hays gültig war, als die Hochzeit der informellen Zensur:

Pressure groups that represent special interests constituted some of the most powerful forces for censorship. Lobbyists, pressure groups, and political and military spokespersons pressure studio executives to suppress various plot elements and controversial subjects.[86]

Eine weitere, wichtige Differenzierung des Begriffs Zensur findet man in den Begriffen der Vor- bzw. Nachzensur wieder. Das entscheidende Kriterium ist dabei der Zeitpunkt, an dem der Zensurvorgang stattfindet: Vorzensur findet immer vor der Herstellung oder Veröffentlichung eines Geisteswerkes statt, während unter einer Nachzensur jene zensorischen Maßnahmen verstanden werden, die erst nach der Publikation eines medialen Produktes zum Tragen kommen. Das mag sich zunächst banal anhören, aber aus dieser Unterscheidung ergeben sich einige weiterführende Überlegungen, die man beim Themenkomplex Zensur unbedingt beachten sollte. So soll mit einer Vorzensur in erster Linie erreicht werden, dass die Öffentlichkeit mit bestimmten Inhalten erst gar nicht in Kontakt kommt und dadurch beeinflusst werden kann.[87] Dahingehend ist auch der synonyme Gebrauch der Präventivzensur ( praevenire, lat. : zuvorkommen, verhüten) zu verstehen. Im rechtswissenschaftlichen Verständnis ist damit eine Überprüfung sämtlicher Inhalte gemeint, bei der die Werke entweder komplett oder teilweise verboten werden oder für die Veröffentlichung freigegeben werden. Ist diese Vorprüfung verpflichtend, so spricht man von einem „allgemeinen Verbot mit Erlaubnisvorbehalt“, was soviel bedeutet, dass nichts veröffentlicht werden darf, bevor es nicht genehmigt wurde.[88] Eine solch rigorose staatliche Vorzensur zielt in erster Linie darauf ab, den Gefahren, die eine freie Meinungsäußerung für die herrschende Staatsmacht bringen würde, zu begegnen und damit die öffentliche Meinung zu kontrollieren. So war auch in der NS-Zeit das primäre Ziel der Zensur die „bestehende Herrschaftsstruktur abzusichern, zu bestätigen, auszubauen und eine potentielle Gefährdungen der Herrschaft auszuschließen.“[89] In solch totalitären Maßnahmen ist wohl auch der Grund zu sehen, warum der Begriff Zensur landläufig negativ konnotiert ist und Vorzensur in demokratischen Staaten fast durchwegs als rechtlich unzulässig eingestuft wird.[90] Das bedeutet jedoch nicht, dass es auch für die Medienunternehmen verboten ist, ihre Werke vor einer Veröffentlichung selbst zu überprüfen und unerwünschte Inhalte zu entfernen. Auch in diesem Falle müsste man streng genommen von einer Vorzensur sprechen, obwohl sich solche Maßnahmen meist durch gesetzliche, ökonomische oder gesellschaftliche Konsequenzen erklären lassen, die sich erst nach einer Veröffentlichung ergeben könnten.

Genau an diesem Punkt setzt nun auch das Wirkungsfeld einer Nachzensur an. Der Begriff wird oft auch als Repressivzensur ( repressere, lat. : unterdrückend, hemmend, einschränkend) bzw. Prohibitivzensur ( prohibere, lat. : verhindernd, abhaltend) bezeichnet und umschreibt im Prinzip jene Konsequenzen und Maßnahmen, die erst nach der Veröffentlichung eines Geisteswerkes zum Tragen kommen.[91] Durch solche Unterdrückungsmechanismen können ebenfalls unerwünschte Inhalte von der Öffentlichkeit ferngehalten werden, allerdings ohne sie bereits von Vornherein zu verbieten. In der Rechtswissenschaft ist deshalb auch von einem System der „Erlaubnis mit nachträglicher Verbotsmöglichkeit“ die Rede – alle Inhalte sind somit zunächst für die Veröffentlichung erlaubt, bis für Einzelne ein Verbot ergeht.[92] In einem demokratischen Staat wird Nachzensur vor allem dann als probates und zulässiges Mittel angesehen, um „eine dringende Gefährdung der Allgemeinheit oder der freiheitlichen Demokratie zu beseitigen oder zu verhindern“.[93] Dementsprechend ist eine Nachzensur auch eher mit den Vorstellungen einer freien Gesellschaft vereinbar als die Vorzensur. Vom Potential her kann aber auch die Repressivzensur eine ähnlich treffende Wirkung wie die Präventivzensur haben, denn den Medienunternehmen drohen im Falle einer Verletzung meist weitreichende Strafen und Sanktionen. Durch solche prohibitiven bzw. repressiven Maßnahmen, die nicht nur vom Staat sondern auch von Interessensgruppen gesetzt werden können, lässt es sich auch erklären, warum Medienunternehmen ihre Inhalte oftmals selbst kontrollieren und gegebenenfalls zensieren, bevor es überhaupt zu einer Veröffentlichung kommt.[94]

3.2 Bereiche und Motive von Zensur

Wir wissen nun, dass unter dem Phänomen Zensur sowohl die Kontrolle medialer Produkte verstanden werden kann als auch die Unterdrückung bzw. das Verbot bestimmter Inhalte. Und wir wissen auch, dass die entsprechenden Zensurmaßnahmen nicht nur vom Staat oder etablierten, autoritären Mächten gesetzt werden können, sondern auch von anderen Interessengruppen, Unternehmen oder den Medienschaffenden selbst. Damit hat sich das Problemfeld von Zensur aber noch lange nicht vollständig erschlossen. Denn was wir noch nicht wissen ist, in welchen gesellschaftlichen Bereichen Zensur tatsächlich stattfinden kann und was die Beweggründe und Ursachen dafür sind. Um in weiterer Folge Zensurfälle bei South Park aufspüren und entsprechend einordnen zu können, ist es jedoch notwendig, sich vorher einen genaueren Überblick darüber zu verschaffen, wo man Zensur vorfinden kann und welche Motivation dahinter steckt. Eine erste Orientierung dafür liefert uns erneut Ulla Otto, die in den Bereichen Religion, Politik und Moral die entscheidenden Dreh- und Angelpunkte von Zensur verortet. Diese drei Gebiete haben ihrer Meinung nach die Zensurgeschichte, je nach historischem Kontext, geprägt und bestimmt. So hält sie fest, dass bis ins 18. Jahrhundert die religiös motivierte Zensur dominant war, während im 18. und 19. Jahrhundert, im Kampf um die Aufrechterhaltung der bürgerlichen Klasse, vor allem die politische Zensur vorherrschend war. Im 20. Jahrhundert hat dann die moralische Zensur immer mehr an Bedeutung gewonnen.[95] Dennoch waren alle drei Faktoren in allen Epochen stets präsent und miteinander verwoben – man denke nur an die sexualmoralisch motivierten Zensurmaßnahmen der Kirche oder die staatspolitische Tragweite beim Bruch von religiösen Tabus, wie sie uns noch im Kapitel über das Abbildungsverbot des islamischen Propheten Mohammed begegnen wird. „Eine Trennungslinie zwischen religiöser, politischer und moralischer Zensur ziehen zu wollen, wird in Anbetracht des Interessenspluralismus westlicher Staatsgefüge heute vollends zur Unmöglichkeit.“[96]

[...]


[1] PTC, “The Worst Cable Content of the Week: South Park on Comedy Central”, auf: Parents Television Council (Web: www.parentstv.org, 2009). Anmerkung: Um die Übersicht in dieser Arbeit zu wahren, sind die ausformulierten Web-Links nur im Quellenverzeichnis zu finden.

[2] „Christian Rock Hard“, TC 00:21:00 (Tonspur: Englisch). In: South Park: Die Komplette Siebte Season, Disc 2 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2008), [USA, 2003].

[3] Kurz nach dem Start der Serie 1997 hat sich Brent Bozell, der Präsident der PTC, auch hinsichtlich der häufigen, gotteslästerlichen Flüche kritisch geäußert: „To my knowledge ‚South Park‘ is the only non-pay-cable series that includes ‚goddamn‘ - and does so routinely.” Vgl.: Brent Bozell, "'South Park' Reconsidered, Sort Of", auf: Media Research Center (Web: www.mediaresearch.com, 11.02.1998).

[4] Vgl.: Peter L. Berger, Erlösendes Lachen: Das Komische in der menschlichen Erfahrung (Berlin: de Gruyter, 1998), S. 185ff. Satire kann sich aber auch gegen Individuen, Theorien, Prozesse oder die Gesellschaft selbst auflehnen.

[5] Vgl.: Ulla Otto, "Zensur: Schutz der Unmündigen oder Instrument der Herrschaft?", S. 7. In: Publizistik: Zeitschrift für die Wissenschaft von Presse - Rundfunk - Film - Rhetorik - Öffentlichkeitsarbeit - Werbung - Meinungsbildung. ( 13. Jahrgang, Heft 1, 1968), S. 5-15.

[6] Toni Johnson-Woods, Blame Canada! South Park and Popular Culture (New York: continuum, 2007), S.76.

[7] Hartmut Schröder, "Zur Kulturspezifik von Tabus: Tabus und Euphemismen in interkulturellen Kontaktsituationen", S.59. In: Claudia Benthien u. Ortrud Gutjahr (Hg.), Tabu: Interkulturalität und Gender (München: Fink, 2008), S.51-70.

[8] Hartmut Kraft, "Nigger und Judensau: Tabus heute", S. 262. In: Claudia Benthien u. Ortrud Gutjahr (Hg.), Tabu: Interkulturalität und Gender (München: Fink, 2008), S.261-273.

[9] Jake Tapper und Dan Morris, "Secrets of 'South Park'", auf: ABC NEWS (Web: www.abcnews.go.com , 22.09.2006).

[10] Vgl.: Johnson-Woods, Blame Canada, S. 4f.

[11] Vgl.:„The Passion of the Jew“, in: South Park: Die Komplette Achte Season, Disc 1 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2008), [USA, 2004] .

[12] Vgl.: “Tonsil Trouble“, in: South Park: Die Komplette Zwölfte Season, Disc 1 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2009), [USA, 2008].

[13] Vgl.: “Scott Tenorman must die”, in: South Park: Die Komplette Fünfte Season, Disc 1 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2007), [USA, 2001].

[14] Vgl.: „Death“, in: South Park: Die Komplette Erste Season, Disc 2 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2007), [USA, 1997].

[15] Vgl.: „Pink Eye”, in: South Park: Die Komplette Erste Season, Disc 2 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2007), [USA, 1997].

[16] Vgl.: „Big Gay Al's Big Gay Boat Ride”, in: South Park: Die Komplette Erste Season, Disc 1 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2007), [USA, 1997].

[17] Vgl.: „Mr. Hankey, The Christmas Poo” , in: South Park: Die Komplette Erste Season, Disc 3 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2007), [USA, 1997].

[18] Johnson-Woods, Blame Canada, S.101.

[19] Vgl.: Johnson-Woods, Blame Canada, S.6f.

[20] Vgl.: “Debmar Studios Acquires Broadcast Syndication Rights to Comedy Central's 'South Park'”, auf: PR Newswire United Business Media (Web: www.prnewswire.com, 03.09.2002).

[21] Ausgezeichnet wurden dabei die Episoden „Best Friends Forever“ (2005), „Make Love, Not Warcraft“ (2007), „Imaginationland“ (2008) und „Margaritaville“ (2009). Vgl.: “Emmy Award History Search”, auf: Academy of Television Arts & Sciences (Web: www.Emmys.com).

[22] Vgl.: “Recources and Databases”, auf: The Academy Of Motion Picture Arts And Sciences (Web: www.oscars.org).

[23] Johnson-Woods, Blame Canada, S.8.

[24] Johnson-Woods, Blame Canada, S.256.

[25] Stuart Miller, „Comedy Central’s ‘South Park’ Shocks Cable”, in: Multichannel News (15.12.1997), zitiert aus: Johnson-Woods, Blame Canada, S.25.

[26] Chris Vognar, „‘South Park’: Having Some Fun in the Gutter”, in: Dallas Morning News (11.08.1997), zitiert aus: Johnson-Woods, 2007, S.25.

[27] Vgl.: Anita Gates, "In 'Southpark': The Adventures of Foulmouthed Tots", auf: The New York Times (Web: www.nytimes.com, 10.08.1997).

[28] "'Peanuts' Gone Wrong", auf: Newsweek Magazine (Web: www.newsweek.com, 21.07.1997).

[29] Matthew Gilbert, „Cute but Crude, Sly Kids Can Kick ‘Butt-head’”, in: Boston Globe (28.1.1998), zitiert aus: Johnson-Woods, 2007, S.25.

[30] Barbara Sichtermann, "Durchfall-TV", auf: Die Zeit Online (Web: www.zeit.de, 28.10.1999).

[31] Vgl.: Sichtermann, „Durchfall-TV“, Web.

[32] Gerda Wurzenberger, "'South Park' - eine Medienseifenblase", S. 79. In: Neue Zürcher Zeitung (Zürich: Neue Zürcher Zeitung , 25.09.1999), S.79.

[33] Jutta Heeß, "Toller als die Simpsons", S. 5. In: taz. die tageszeitung (Berlin: taz, 28.09.1999), S.5.

[34] Tina Angerer, "We are not amused", S. 35. In: Der Tagesspiegel (Berlin: Der Tagesspiegel, 07.09.1999), S.35.

[35] Peter Onneken und Dietmar Pieper, "Rabiate Zyniker", S.104. In: Der Spiegel (Hamburg: Spiegel-Verlag Rudolf Augstein, Ausgabe 33/1999 ), S.104f.

[36] Vgl.: PTC, „L. Brent Bozell. Founder, Parents Television Council“, auf: Parents Television Council (Web: www.parentstv.org , ohne Datum ).

[37] Vgl.: PTC, "What is the PTC's mission?" auf: Parents Television Council (Web: www.parentstv.org, ohne Datum).

[38] Vgl.: Brent Bozell, „‘South Park, Reconsidered, Sort of“, Web.

[39] "'South Park' lashes out again", auf: Catholic League for Religious and Civil Rights (Web: www.catholicleague.com, 23.04.2002).

[40] „Fantastic Easter Special“, TC 00:04:39 (Tonspur: Audio-Kommentar). In: South Park: Die Komplette Elfte Season, Disc 1 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2009), [USA, 2007).

[41] Vgl.: Johnson-Woods, Blame Canada, S.258.

[42] Vgl.: Johnson-Woods, Blame Canada, S.82ff bzw. S.257.

[43] Beide Arbeiten behandeln in etwa die gleichen Themenkomplexe – Während Richard Hanley die meisten Artikel in seinem „Sammelband“ jedoch selbst verfasst hat und somit recht einseitig ist, gestaltet sich die Zusammenstellung von Robert Arp durch die Anzahl der Autoren wesentlich abwechslungsreicher und ist dementsprechend auch empfehlenswerter.

[44] Richard Hanley (Hg.), South Park and Philosophy: Bigger, Longer, and More Penetrating (Peru, Illinois: Carus Publishing, 2007), S.12 [= S.xii].

[45] Robert Arp (Hg.), South Park and Philosophy: You know, I learned something today (Malden: Blackwell Publishing, 2007), S.2.

[46] Vgl.: Jeffrey A. Weinstock (Hg.), Taking South Park Seriously (New York: State University of New York Press, 2008), S.11.

[47] Vgl.: Sigmund Freud, Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten (Frankfurt a.M.: Fischer, 1958), S.97-130. [Orig. 1905]. Hierbei ist insbesondere das Kapitel „Die Tendenzen des Witzes“ von Interesse.

[48] Vgl.: Schröder, "Zur Kulturspezifik von Tabus“, S.62.

[49] Eric Goldman, "South Park: Matt and Trey Speak Out, Part 2", auf: IGN Entertainment (Web: tv.ign.com, 17.07.2006).

[50] Robert Wilonsky, "It Happens: Ohmigod! Five seasons in, South Park's the funniest show on TV", auf: Broward Palm Beach NewTimes (Web: www.browardpalmbeach.com, 26.07.2001).

[51] Weinstock, Taking South Park Seriously, S.13.

[52] Dementsprechend versah auch William Clotworthy, der jahrelang als Zensor der Show „Saturday Night Live“ gearbeitet hat, seine Erzählungen über seine Arbeit mit dem Untertitel „equal opportunity offender“. Vgl.: William G. Clotworthy, Saturday Night Live: Equal Opportunity Offender. The Uncensored Censor (Bloomington: AuthorHouse, 2001).

[53] Hal Erickson, "South Park [Animated TV Series]", auf: MTV (Web: www.mtv.com, ohne Datum).

[54] Phil Roura, "5 Minutes With...isaac Hayes", auf: New York Daily News (Web: www.nydailynews.com, 13.01.2006).

[55] Lisa de Moraes, "Everyone's in a Stew Over 'South Park' Chef", auf: The Washington Post (Web: www.washingtonpost.com, 18.03.2006).

[56] “Le Petit Tourette”, TC 00:02:06 (Tonspur: Audio-Kommentar). In: South Park: Die Komplette Elfte Season, Disc 2 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2009), [USA, 2007].

[57] Vgl.: Goldman, "South Park”, Web.

[58] Vgl.: „About Last Night“, in: South Park: Die Komplette Zwölfte Season, Disc 2 (DVD: Paramount Home Entertainment, 2009), [USA, 2008].

[59] Vgl.: Ted Gournelos, “Blasphemous Allusion: Coming of Age in South Park ”, S. 146. In: Journal of Communication Inquiry (Thousand Oaks, Kalifornien: SAGE Publications, Volume 33/Number 2/2009), S.143-168.

[60] Vgl.: Tasha Robinson, "Trey Parker & Matt Stone", auf: The A.V. Club (Web: www.avclub.com, 19.02.2008).

[61] Vgl.: "'Peanuts' Gone Wrong", Web.

[62] Frank Rose, "Building the Fun Bomb", auf : WIRED (Web: www.wired.com, Februar 2005).

[63] Robinson, "Trey Parker & Matt Stone", Web.

[64] Mickey Rapkinl, "They Killed Kenny… And Revolutionized Comedy", auf: GQ Magazine (Web: www.gq.com, Februar 2006).

[65] James Poniewozik, "10 Questions for Matt Stone and Trey Parker", auf: Time Magazine US (Web: www.time.com, 05.03.2006).

[66] Poniewozik, "10 Questions for Matt Stone and Trey Parker", Web.

[67] Robert Wilonsky, "It Happens”, Web.

[68] Vgl.: Ingrid Stapf, "Zwischen First Amendment und 'public interest': Die Regulierung des Rundfunks in den USA im Hinblick auf Jugendschutz", S. 4. In: TV-Diskurs: Verantwortung in audiovisuellen Medien, Nr. 38 (Baden-Baden: Nomos, 04/2006,), S. 4-7.

[69] Tapper/Morris, "Secrets of 'South Park'", Web.

[70] Vgl.: Johnson-Woods, Blame Canada, S. 82ff bzw. S.257.

[71] Green und Karolides (Hg.), Encyclopedia of Censorship, S. 12 [= S. xxi].

[72] Otto, „Zensur: Schutz oder Instrument“, S.5.

[73] Vgl.: Otto, „Zensur: Schutz oder Instrument“, S.9.

[74] Vgl.: Brockhaus-Enzyklopädie, Band 30, WETZ-ZZ, 21. Auflage (Leipzig: Brockhaus, 2006), S.539 =„Zensur“.

[75] Konsequenz einer solchen Rüge war beispielsweise die Einstufung in eine schlechtere Steuerkategorie oder Ehrenminderung. Vgl.: Afroditi Kousouni, Die Zensur im Fernsehen im Rahmen der deutschen und der griechischen Rechtsordnung (Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 2005), S.65f.

[76] Vgl.: Claus Nordbruch, Sind die Gedanken noch frei? Zensur in Deutschland (München: Universitas, 1998), S.29.

[77] Brockhaus-Enzyklopädie, Band 30, S.539 = „Zensur“.

[78] Vgl.: Isabella Bossniak-Jirku, „Zensurwesen in Österreich: Die Zensurfreiheit und die Garantien der Meinungs- und Kunstfreiheit“, Diss. (Salzburg: Universität Salzburg, Institut für Rechtsphilosophie, 1995), S. 57ff bzw. Kousouni, Zensur, S.68ff.

[79] Vgl.: Dieter Breuer, Geschichte der literarischen Zensur in Deutschland (Heidelberg: Quelle & Meyer, 1982), S.20.

[80] Vgl.: Otto, „Zensur: Schutz oder Instrument“, S.5f.

[81] Ulla Otto, Die literarische Zensur als Problem der Sozilogie der Politik (Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag, 1968), S.67.

[82] Vgl.: Kousouni, Zensur, S.68f.

[83] Vgl.: Breuer, Geschichte der literarischen Zensur, S. 20. Breuer spricht dabei von einer „indirekten“ Zensur, die jedoch vom Prinzip her einer informellen Zensur gleichgesetzt werden kann. Siehe auch: Bossniak-Jirku, „Zensurwesen in Österreich“, S.78

[84] Vgl.: Jürgen Roth, "Rote Karte für Journalisten: FIFA droht kritischen WM-Reportern mit Akkreditierungsentzug", auf: Deutschlandfunk (Web: www.dradio.de, 05.04.2010).

[85] Vgl.: Bossniak-Jirku, „Zensurwesen in Österreich“, S.76ff.

[86] Gerald Gardner, The Censorship Papers: Movie Censorship Letters from the Hays Office, 1934 to 1968 (New York: Dodd, Mead, 1987), S.179.

[87] Vgl.: Kousouni, Zensur, S.85.

[88] Vgl.: Bossniak-Jirku, „Zensurwesen in Österreich“, S.62f.

[89] Klaus-Jürgen Maiwald, Filmzensur im NS-Staat (Dortmund: Nowotny, 1983), S.14.

[90] Vgl.: Kousouni, Zensur, S.87ff.

[91] Vgl.: Kousouni, Zensur, S.85.

[92] Vgl.: Bossniak-Jirku, „Zensurwesen in Österreich“, S.63.

[93] Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz: Kommentar für die politische Bildung, 9. Aufl. (Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 1995), S.92.

[94] Vgl.: Breuer, Geschichte der literarischen Zensur, S.19f.

[95] Vgl.: Otto, „Zensur: Schutz oder Instrument“, S.7.

[96] Otto, Die literarische Zensur, S.89.

Details

Seiten
156
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656523031
ISBN (Buch)
9783656526155
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263638
Institution / Hochschule
Universität Wien – Theater-, Film- & Medienwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
zwischen tabubruch zensur gesetzliche zensurmaßnahmen zeichentrickserie south park

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Zwischen Tabubruch und Zensur