Lade Inhalt...

Soziale Arbeit als personenbezogene Dienstleistung

Essay 2012 14 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Angaben zur Sitzung

2. Stundenthematik

3. Präzise Wiedergabe der Sitzung

4. Ergebnisauswertung / Diskussion

5. Literaturverzeichnis

1. Allgemeine Angaben zur Sitzung

Professor Dr. Andreas Schaarschuch von der Bergischen Universität in Wuppertal übernimmt den heutigen Vortrag am 08.11.2012. Der Dozent hat das Studium der Erziehungswissenschaften, Psychologie sowie Soziologie an der pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe und der Universität Bielefeld absolviert. „Zwischen Regulation und Reproduktion – Gesellschaftliche Modernisierungsprozesse der Sozialpolitik und Entwicklungsperspektiven in der sozialen Arbeit“ heißt der Titel seines promovierten Werkes. Seit dem Jahr 2000 ist er an der Hochschule in Wuppertal angestellt, wo er zudem den Posten des Fachsprechers der Erziehungswissenschaft übernommen und schon in zahlreichen Kommissionen mitgewirkt hat. Zusätzlich ist er als wissenschaftlicher Angestellter in Bielefeld tätig. In seiner Vergangenheit hat er in Rostock und Münster gelehrt und eine Habilitationsschrift verfasst. Von der DFG erhielt er bereits ein Habilitationsstipendium und schrieb seine Habilitationsschrift über „die Theoretischen Grundelemente sozialer Arbeit als Dienstleistung – Perspektiven eines sozialpädagogischen Handlungsmodus“. In dieser Sitzung wird er sich mit der sozialen Arbeit als personenbezogene Dienstleistung befassen.

2. Stundenthematik

Der anschließende Vortrag behandelt den Wandel der Sozialpädagogik, der sich in den letzten Jahrzehnten aufgrund gesellschaftlicher Umbrüche vollzogen hat. Zudem wird die Rolle der Beteiligten im Dienstleistungsprozess ins Zentrum aller Bemühungen gerückt und Schritt für Schritt eine präzisere Definition davon herausgearbeitet, was soziale Arbeit als Dienstleistung im eigentlichen Sinne meint.

3. Präzise Wiedergabe der Sitzung

Zu Beginn der Doppelstunde begrüßt Frau Braches-Cyrek Herrn Schaarschuch und spricht einen Dank für dessen Besuch in Bamberg aus. Der Gast bedankt sich im Gegenzug für die freundliche Einladung und die kurze Einführung und stellt sich noch einmal persönlich vor. In Bamberg sagt er, sei er zuvor noch nie gewesen. Vorhin lief er durch die Stadt und war erstaunt von der großen Anzahl der Kirchen. Es scheint ihm, als wäre die Universitätsstadt eine sehr religiöse, doch kam er auch an einer Straße namens „Ludbank“ vorbei, was seinen Gedanken wieder kompensierte bzw. revidierte. Um in die Thematik der „neueren Disziplinären Zugänge der Sozialpädagogik“ einzusteigen, arbeitet der Dozent mittels der Differenzen zwischen der Sozialpädagogik als Profession einerseits und als Disziplin andererseits den Begriff der Disziplinarität heraus. Unerlässlich für den Entwurf von Theorien, erwidert Herr Schaarschuch, sei die Tatsache, sich unabhängig von Handlungsdruck mit den Themen auseinanderzusetzen und „neue Perspektiven zu entwickeln“. Die erste bemüht sich um eine personenadäquate Beratung und Unterstützung vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Gegebenheiten. Als Disziplin wirkt sie an diesen Hilfen nicht mit, sondern erörtert aus der Ferne deren Erfordernisse, Konsequenzen und Chancen (vgl. Schaarschuch S. 3). Auf seiner folgenden Power-Point-Folie geht der Professor nun auf die Dienstleistungsgesellschaft ein, die die vorherige Industriegesellschaft ablöste. Sie besagt, dass die wenigsten Arbeiten mehr im ersten bzw. im zweiten Sektor bewerkstelligt werden, wodurch der Tätigkeitsbereich auf den dritten, den Dienstleistungssektor, verlagert wird (Prozess der Tertiarisierung). Damit entstanden auch Spekulationen über eine rationaler werdende Gesellschaft, da sich die Arbeit nicht mehr nur auf Güter, sondern auch auf Menschen bezog. Dieses Ziel erfüllte sich jedoch nicht. Vielmehr entstand eine Dienstbotengesellschaft, gekennzeichnet durch sparsame schlechte Angebote. Aufgrund der Enttraditionalisierung, des quantitativen Anstiegs soziokultureller Milieus, der Relativierung normativer Bezugspunkte sowie gesellschaftliche Spaltungs- und Heterogenisierungstendenzen kristallisierten sich seit den siebziger Jahren zwei divergierende Ansätze der Sozialpädagogik heraus. Der erste Diskurs, so Schaarschuch, setzte durch Diskussionen über eine Dienstleistungsgesellschaft ein und wurde durch Säkularisierungsprozesse seitens der Gesellschaft noch angestoßen. In einer Dienstleistungsgesellschaft ruhen unglaubliche Dynamiken, die sie in ihrer Entwicklung immer weiter vorantreiben. Diese Dynamik entstammt laut Bandura und Gross durch Substitution der natürlich erbrachten, unentgeltlichen Tätigkeiten durch professionelle, entgeltliche Dienstleistungen im Säkularisierungsprozess. Menschen verlassen sich heute nahezu vollständig auf die sozialen Systeme und gewinnen somit Unabhängigkeit gegenüber ihren familiären Beziehungen. Der Sozialstaat pfählt und stabilisiert die einzelnen Familienmitglieder, jedoch schwächt er zugleich die althergebrachten Hilfen, kreidet der Dozent an. Im Vergleich zu diesen konventionellen Hilfeformen gewährt der Sozialstaat einen Rechtsanspruch und ist von daher verlässlich und sicher. Wichtig ist hierbei, dass die Fülle sozialer Angebote nicht die jeweilige Sozietät eines Staates repräsentiert, da sie genauso gut die traditionellen gemeinnützigen Betriebe strapaziert und zusätzlich zu dessen Enttraditionalisierung beisteuert. In all den Jahren ging es zudem um Überlegungen, z. B. wie Nichtlohnarbeiter zu Lohnarbeiter transformiert werden können und gleichzeitig die Existenz der Lohnarbeiter durch ein Normalarbeitsverhältnis garantiert wird. Durch die kapitalistische Gesellschaftsverfassung erreichte man aber eher Desintegration anstelle von Integration. Um aber dennoch soziale Integration zu gewährleisten, wurden Aufträge fortan durch die Politik zugeteilt (vgl. schaarschuh, S. 544). Nächst beleuchtet der Wuppertaler Dozent den zweiten internationalen Strang, welcher sich ab den 1990er Jahren als „New public management“ generiert hat. Im Zentrum stehen die Modernisierung der Verwaltung sowie das Konkurrieren um günstige Standortfaktoren in der Produktion. Es wurden Problemlagen der staatlichen Finanzierung von sozialen Diensten aufgrund des expandierenden ökonomischen Wachstums behandelt. Unternehmen wollten sich dort ansiedeln, wo die Steuerlast am geringsten ist, um effizienter produzieren zu können. Dadurch standen aber logischerweise auch weniger Mittel für soziale Dienste zur Verfügung, für die bislang der Staat aufkam, so Schaarschuch. Kommunale Finanzträger hatten schon damals großes Interesse an einer Effizienzsteigerung, die durch das Konzept der Dienstleistung herbeigeführt werden kann. Da der Einsatz von Dienstleistungen sehr kostspielig ist, wurde versucht, preiswerter zu „produzieren“. Das neue politisch gesteuerte Unternehmen hantierte zunehmend outputorientiert und -kontrollierend. Irgendwann erkannte man dann, dass der Kunde selbst einen wesentlichen Faktor für den Erfolg der Organisationen spielt. In diesem Zusammenhang bringt der Professor das Schlagwort „Excellence“, das neue Ideal, den Studenten nahe und erklärt, dass dieses nur durch die Methode „getting closer tot he customers“ erreicht werden kann. Denn v.a. durch die Verschärfung jugendlicher Probleme begriff die Sozialarbeit, dass ein unmittelbares Ansetzen beim Subjekt und eine nachfrageorientierte Intervention sinnvoll sind. Stark kritisiert der Professor, dass sich viele Sozialpädagogen ohne eine Professionalisierung von Managementfunktionen, also nur „on-the-job“ weiterbilden und somit nicht verantwortungsbewusst handeln können. Man verlagerte mehr und mehr Verantwortung auf die dezentralen Ebenen, da das jeweilige Berufsfeld am besten wusste, wie Gelder eingesetzt werden müssen. Allerdings besitzt jeder dann nur noch ein begrenztes Budget, mit dem er auskommen muss. Der verursachte Wettbewerb zwischen den Unternehmen sollte eine Selektion verursachen, dass praktisch einzig die mit der besten Qualität „überleben“. Die Sozialpädagogik hatte ab diesem Zeitpunkt auch darauf zu achten, dass Normen eingehalten und Widrigkeiten ausradiert werden. Eine passende Begrifflichkeit hierzu wäre der der sekundären Normalisierung. Weil sich eine nachträgliche Normalisierung ebenfalls der Normalität beigerechnet wird, erweitert sich der Normalitätsbegriff, was Abgrenzungen immer diffuser erscheinen lässt. In den 1990er Jahren erfolgte der Startschuss für eine neue Dienstleistungsdebatte als Folge der Finanzknappheit öffentlicher Haushalte. Die Kommunen sind stets hellhörig, was die Senkung öffentlicher Dienstleistungen angeht. Da sich deren Kostenaufwand aber nicht dezimieren lässt, steigerten die „Unternehmen“ ihre Effizienz (vgl. ebd. S. 544). Schaarschuch bemerkt, dass sich auf diesem Wege ein neues Steuerungsmodell der „Kommunale[n] Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung“ (KGSt) aus der Behörde entwickelte, dass sie zum Dienstleistungsunternehmen transformieren ließ. Diese leistet seit langen schon Beratungsarbeit in den Kommunen, um Verwaltung gewinnbringender und moderner zu gestalten und verfasste auch das neue Steuerungsmodell. Die modifizierten Dienstleistungsunternehmen behandeln den Kunden jetzt als König, da dieser zwischen mannigfaltigen Dienstleistungen selektieren und somit über die Art der Problemlösung uneingeschränkt und frei entscheiden kann. Zudem organisieren sie sich von „außen nach innen“, d. h., dass die Bedürfnisse des Kunden aufgenommen und reflexiv mit in das Unternehmen integriert werden. Der Professor addiert, dass der Kunde neben der freien Wahl zwischen Dienstleistungen genau dadurch aber auch zu Eigenverantwortung gezwungen wird. Im neunten Jugendbericht, so die Information des Dozenten Schaarschuchs, wird offen dargelegt, dass sich Sozialarbeit von einer (para-)staatlichen Instanz zur sozialen Dienstleistung der Jugendhilfe fortgebildet hat. Dadurch wandert ins Zentrum des Interesses das Individuum samt seinen Möglichkeiten und den individuellen Kontext. Die Angebotsdimension wird durch die sich verstärkende Nachfragedimension in den Hintergrund gestellt. Der Redner möchte im Folgenden auf die Theorie sozialer Dienstleistung näher eingehen, die durch die Emanzipierung der Frauen gegenüber den Männern am Arbeitsplatz angestoßen wurde. Kurz spricht er an, dass sich die Theorieentwicklung der sozialen Arbeit über mehrere Formen geschaffen hat und später zu einer gesellschaftlichen Bewegung aufstieg. Damals beschäftigten sich Forscher mit der Frage, wie Sozialpolitik aus der Sicht des Subjekts konzipiert werden kann. Da die Menschheit ihre eigenen sozialen Strukturen und somit ihr Leben herstellt, soll sie durch die Politik dazu befähigt werden, ihre Potentiale zu entfalten. Die Politik des Sozialen betrachtet das Individuum als Ausgangspunkt der Politik und richtet sich nach diesem. Der Professor selbst weiß, dass die Sozialpädagogik eine Art Mediator zwischen dem Einzelmenschen und der Gesellschaft darstellt und setzt sich anschließend mit der reproduktionsorientierten sozialen Arbeit auseinander. Die Balance zwischen dem spezifischen Einzelfall und einer Bezugsnorm muss insgemein hergestellt werden. Der anschließende Auftrag besteht in der Absicht, ein umfassenderes Verständnis für die thematischen Zusammenhänge zu erlangen. Deshalb wendet sich der Wuppertaler mit folgender Fragestellung an seine Zuhörer: „Wie lässt sich soziale Arbeit als ein professioneller Handlungsmodus, der von der nachfragenden Person gesteuert wird, theoretisch konzipieren (ebd. S. 21)?“ Seine Methodologie ist es, fügt der Professor hinzu, immer vom Abstrakten zum Konkreten hin zu arbeiten (vgl. ebd. S. 22). Hier bezüglich wird auf der Power-Point-Präsentation eine Grafik erläutert. Sie zeigt ein komplexes Interaktionsgefüge aller Partizipierenden im sozialen Dienstleistungsprozess. Im Knotenpunkt stehen Produzent und Konsument, die im Rahmen eines sog. Erbringungsverhältnisses miteinander in Kontakt treten. Das Erbringungsverhältnis besagt, welche Leistungen Interagierende erbringen und durch welche Mittel und Gegenleistungen diese Leistungen getilgt werden. In Institutionen und Organisationen finden die sozialen Dienste statt, welche sie prägen und umgekehrt auch deren Regelungen unterworfen sein können. Die gesellschaftlichen Verhältnisse ummanteln all jene Prozesse und dürfen nach Schaarschuch ebenso wie der jeweilige Kontext keinesfalls außer Acht gelassen werden. Es dreht sich alles um Kontextualisierung, nicht wie früher um Ableitung. Der Hochschullehrer greift auf die Beiträge zur DL-Theorie der 70er und 80er Jahre zurück und analysiert die Begriffe von Konsumption und Produktion anhand dreier Ansätze. Herder-Dorneich und Kötz schufen 1972 ein Bild ihres Verständnisses von Erbringungsverhältnis nach dem „uno-actu-Prinzip“. Dieses Tauschmodell charakterisiert, dass Produktion und Konsumption zeitlich zusammen fallen. Der Produzent bietet dem Konsumenten also Dienstleistungen an (hier „m“) und erhält im Gegenzug Steuerungsmittel „s“ von seinem Klienten. Es besteht folglich eine Gleichzeitigkeit von Angebot und Nachfrage. Das rudimentäre Modell zur Erfassung des Dienstleistungsprozesses lässt Gesellschaftliche Bedingungen allerdings außen vor und weist den Produzenten den aktiven Part zu, bemerkt der Redner. Dann stellt er eine Weiterentwicklung des Modells vor, welche von Gross und Badura kreiert wurde. Die zwei Männer heben die aktive Beteiligung des Konsumenten im Dienstleistungsprozess hervor und sind sich sicher, dass ohne dessen Mitwirken effiziente Arbeit eines Unternehmens stark angezweifelt werden müsste. Der Kunde muss also anwesend sein und seine Präferenzen ausdrücken. In gesellschaftliche und situative Bedingungen ist die Dienstleistungsarbeit hier bereits eingebunden, jedoch präzisieren die amerikanischen Soziologen Gartner und Riessman wenig später das Schaubild. Professor Schaarschuch erklärt, dass bei diesen neuen Überlegungen der Konsument als Koproduzent bezeichnet werden kann. Ein Patient im Krankenhaus ist an der Wiederherstellung seiner Gesundheit ebenso mitbeteiligt wie der Arzt persönlich. Deshalb rollt er den „Herstellungsprozess“ genauso nach vorne. Das eingefahrene Muster, das besagt, dass der Professionelle also immer der Produzent ist, wird somit aufgehoben. In den neuesten Ansätzen, kam man dahinter, dass das Erbringungsverhältnis immer von beiden Seiten hinreichend erhellt werden muss. Sozialpädagogik ermöglicht den Menschen, sich selbstbestimmt in der Welt zu bewegen. Zudem heißt es mittlerweile, dass der Produktionsprozess bei den jeweiligen Subjekten anzusetzen ist und somit als ein Selbstproduktionsprozess bezeichnet werden kann, sagt der Referent. Sie müssen sich aber ihre Umwelt dafür aneignen. Grund für den subjektzentrierten Ansatz ist, dass Individuen Verhalten und Bedürfnisse von eigener Hand schaffen. Mit Folie 31 der Präsentation veranschaulicht der Professor noch einmal die Wandlung der Begrifflichkeiten von Konsumenten und Produzenten in den letzten Jahrzehnten. Auffallend ist, dass sich das Rollenverständnis nahezu umgekehrt hat. Der Professionelle, der über Jahre hinweg als Produzent betitelt war, ist nunmehr Ko-Produzent. Im Gegensatz dazu ist der Klient vom bloßen Konsumenten sogar zum Produzenten „aufgestiegen“. Soziale Arbeit als Dienstleistung versteht sich also als ein Prozess, der vom Individuum, welches gleichzeitig Produzent und Konsument ist, ausgeht und durch individuelle Aneignungsprozesse gekennzeichnet ist (vgl. ebd. S. 32). In Folge dessen zeigt der Referent zusätzlich ein Schaubild über die Platzierung und Beziehungen von den Interaktionspartnern im Erbringungsverhältnis und –kontext. Zudem erläutert er intensiv den Unterschied zwischen den Begriffen „Nutzer“ und „Kunde“. Den Kunden kann man einzig in der Ökonomie auffinden. Leistungen, die er entgegennimmt, kann er ausschließlich mit Bezahlungen in Form von Geld tilgen. Er ist vom Markt aus engagiert und die Inanspruchnahme einer Leistung ist von einem reinen Tauschsystem geprägt. Konträr dazu bedient sich der Nutzer staatlicher Potentiale. Steuerungsmedium ist hierbei das Recht (vgl. ebd. S. 34). Die Definition über soziale Arbeit als Dienstleistung weitet der Dozent aus, indem er hinzufügt, dass die Dienstleistung im Rahmen eines Sozialstaates stattfindet. In diesem sind soziale Strukturen ausgebildet, die dem Erbringungsverhältnis des Nutzers Rationalität und eine spezifische Form verleihen (vgl. ebd. S. 35). Auf der drittletzten Folie erfahren die Studenten und zuhörenden Dozenten schlussendlich die vollkommene, ausgefeilte Definition: „Soziale Dienstleistung ist ein vom nachfragenden Subjekt als produktiver Konsument ausgehender und gesteuerter professioneller Handlungsmodus im Erbringungskontext des Sozialstaates. Ihr legitimierender Bezugspunkt besteht in ihrer Ausrichtung auf den Bürgerstatus ihrer Nutzer. Dies impliziert perspektivisch eine Symmetrie des Machtverhältnisses von Nutzer und Professionellem sowie die Demokratisierung der Einrichtungen sozialer Arbeit“ (ebd. S. 36). Am Schluss seines Vortrags stellt Herr Professor Schaarschuch die Frage, worin der Nutzen personenbezogener Dienstleistungen aus dem Blickwinkel der Nutzer besteht und wie sich die Nutzer den Gebrauchswert sozialer Arbeit aneignen. Damit beendet Herr Professor Schaarschuch seine Rede und lobt die Zuhörer für ihre Aufmerksamkeit. Frau Braches-Cyrek wendet sich somit an das Publikum und bittet um Fragestellungen an den Dozenten. Der erste Hochschüler meldet sich und möchte wissen, wie sich die „Komm- und Gehstruktur“ auf das vorgestellte Konzept anwenden lässt. Der Professor stimmt zu, dass diese Struktur besteht und beantwortet die Unklarheit mit dem Argument, dass diese soziale Arbeit immer auf den Klienten zugehen muss. Soziale Arbeit richtet sich nicht immer an den Bedürfnissen der Kunden aus. Um dies zu verstehen, muss aber zunächst verinnerlicht werden, was die Grundidee der Sozialpädagogik eigentlich meint. Im Anschluss richtet sich ein Dozent der Universität Bamberg an den Vortragenden. Seine Meinung ist, dass die vorgestellte Beschreibung keine empiriefremde darstellt, da sie sich z. B. genau am Konzept der sozialpädagogischen Familienhilfe verdeutlichen lässt, wo der Sozialarbeiter sofort entlassen würde, gelänge ihm keine Umsetzung der besprochenen Aspekte. Professor Schaarschuch lässt sich ungern auf eine Diskussion ein und rechtfertigt sich damit, dass jeder eine andere eigene Empirie vertritt. Ein weiterer Studierender möchte sich vergewisern, ob das Ziel sozialer Arbeit nicht „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein sollte. Der Dozent entgegnet, dass dies das alte Konzept der Sozialarbeit ist und mit der Dienstleistungstheorie korrespondiert. Mit professionellen Wissen und Erfahrungswissen müssen Alternativen und Konsequenzen zum eigenverantwortlichen Handeln offen gelegt werden. Ein anderer Student spricht von Sozialarbeit als empathische Dienstleistung. Daraufhin widerspricht Herr Schaarschuch und fügt hinzu, dass Sozialarbeiter nur Hilfestellungen zu Aneignungsprozessen leisten, diese aber nicht initiieren können. Zudem vertritt er den Standpunkt, dass jeder Sozialarbeiter, egal ob empathisch oder nicht, niemals drum herum kommt, die aufgeführten Prozesse zu stimulieren. Der Dozent, welcher vorhin bereits einen anderen Standpunkt als der Professor vertrat, legt erneut ein Veto ein. Er ist der Ansicht, dass das Konzept zu kurz greift, da es nahezu ausschließlich das Individuum betrachtet und die gesellschaftlichen Gegebenheiten unter dem Tisch kehrt. Die Rechtfertigung der „Opposition“ erfolgt durch die Aussage, dass ein isolierter Mensch ebenso wie in der Gruppe individueller und adäquater Förderung bedarf. Zuletzt erhebt eine Kommilitonin die Hand. Sie sagt, dass der Vortragende im Hinblick auf die Kontextualisierung angesprochen hat, dass durch diese eine Anreicherung der Möglichkeiten für die Sozialpädagogik vorstellbar wäre und fragt an, was Herr Schaarschuch darunter versteht. Dieser entgegnet, dass man ermittelt, was das für die einzelnen Einrichtungen bedeuten könnte. Infrage kommt ein riesen Spektrum von Alternativen, die empirisch belegt sind. Wir bekommen dadurch einen größeren Überblick über verschiedene Formen von Normalität und Abweichung. Zusammen mit einer Kollegin hat er sich der sozialpädagogischen Nutzerforschung zugewandt, bei der Menschen befragt wurden, was sie von der Sozialarbeit haben. Diese Nutzerforschung ist die empirische Umsetzung des ganzen Konzepts. Frau Braches-Cyrek bedankt sich am Ende für den Vortrag sowie die lebendige Gestaltung durch die Zuhörer und überreicht den Gastdozenten ein „kleines Andenken“ (braches-cyrek) aus Bamberg.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656524441
ISBN (Buch)
9783656535676
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263514
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Institut für Erziehungswissenschaften
Schlagworte
soziale arbeit dienstleistung

Autor

Zurück

Titel: Soziale Arbeit als personenbezogene Dienstleistung