Lade Inhalt...

Coaching in der Sozialen Arbeit

Seminararbeit 2012 13 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Begriffserklärung von Coaching

3. Coaching und Soziale Arbeit

4. Ziele eines sozialpädagogischen Coachings

5. Adressaten des sozialpädagogischen Coachings

6. Sozialpädagogisches Coaching als Methode

7. Fazit

Einleitung:

Coaching wird seit mehreren Jahrzenten vor allem als Beratungs-, Begleitungs-, und Betreuungsmethode und als Personalentwicklungsinstrument im Managementbereich angewendet und hat sich hier auch etabliert. Auf der Suche nach effektiven Alternativ-Methoden zu aufwändigen psychotherapeutischen Langzeit-Interventionen, erfährt das Coaching einen regelrechten Boom, nicht nur im ökonomischen und unternehmerischen, sondern auch in personal- und entwicklungspsychologischen Domänen. In jüngster Zeit hat sich zudem gezeigt, dass nun auch die Soziale Arbeit sich mit diesem Thema zu beschäftigen beginnt und das Coaching als Methode für ihre spezifische Klientel nutzt. (vgl. Birgmeier 2006, S.12) Von den Mitarbeitern der sozialen Berufe (Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Beratende) wird heutzutage nicht mehr nur fachliche Kompetenz erwartet, sondern auch zunehmend ökonomisch-betriebswirtschaftliches Wissen. Der Arbeit mit der Klientel ist neben der weiterhin bestehenden Intension dem Menschen Hilfe anzubieten, auch immer stärker betriebswirtschaftlichen Kriterien ausgesetzt. Hierbei stellt sich die Frage, welche Investition sich bei welchem Hilfesuchendem lohnt, unter Berücksichtigung des In- und Outputs. Das heißt, dass Soziale Arbeit sich zwischen den Polen Ökonomie („Nur was sich rechnet, ist machbar“) und Caritas („Dem Menschen muss geholfen werden“) abspielt. Um dieses Pendel zwischen den beiden Polen angemessen bewältigen zu können, muss den Mitarbeitern in der Sozialen Arbeit, unter Berücksichtigung ihrer individuellen Persönlichkeit und ihrer Erfahrungen, neue Kompetenzen vermittelt werden. Das Coaching ist hierbei eine effiziente Methode um die schwierigen beruflichen Situationen zu meistern. (vgl. Müller-Commichau 2002, S.28)

Ich möchte mich im Folgenden mit Coaching von Mitarbeitern des sozialen Feldes, als auch mit Coaching durch Mitarbeiter für Klienten im sozialen Feld beschäftigen und der Frage nachgehen, auf welche Weise das „klassische“ Coaching mit dem sozialpädagogischen Arbeitsfeld kombiniert werden kann.

Zunächst werde ich eine Begriffserklärung von „klassischen“ Coaching vornehmen und in einem nächsten Schritt aufzuzeigen, was Coaching mit der Sozialpädagogik verbindet und wo die Überschneidungen der beiden Arbeitsfelder liegen. Anschließend werde ich auf die Ziele und die Adressaten eines sozialpädagogischen Coachings eingehen und schließlich sozialpädagogisches Coaching als Methode darstellen. Im Fazit werde ich die Ergebnisse zusammenfassen und ein Resumeé ziehen.

Begriffserklärung von Coaching:

Coaching ist (gebunden an Looss 1999) die „professionell betriebene, personenzentrierte Einzelberatung“ von Personen, die nach Möglichkeiten suchen, ihre berufliche Rolle in schwierigen Situationen zu meistern. In dieser Definition findet man eine Exklusion. Es geht hierbei nämlich um den beruflichen Erfahrungsbereich einer Person, wobei das Private unbeachtet bleibt. Dagegen einzuwenden ist, dass Coaching aber auch außerhalb des Berufes angewandt werden kann. Der Coachingbegriff kam nämlich ursprünglich aus dem Sport und wird auch dort weiterhin gebraucht. (vgl. Brinkmann 1994, Rauen 1999, Buer 1999 zit.nach Müller-Commichau 2002, S. 28) Zum anderen lässt sich Einzelberatung von solchen Coachings unterscheiden, welche die Weiterentwicklung, Leistungssteigerung und das qualitative Wachstum spezifischer persönlicher Potenziale zum Ziel haben. Aus diesem Grund ist Müller-Commichau der Ansicht, dass die oben genannte Erstdefinition um eine allgemeiner gehaltene Zweite zu vervollständigen ist:

„Coaching ist die professionell betriebene, personenzentrierte Einzelberatung von Menschen zu der Frage, wie diese ihre jeweiligen sozialen Rollen zukünftig handhaben können und wollen“.(Müller-Commichau 2002, S. 28)

Mit dieser Definition soll berücksichtigt werden, dass es im Coachingprozess durchaus auch um private Dinge gehen kann, gerade dann, wenn es die berufliche Tätigkeit beeinflusst. (vgl. Müller-Commichau 2002, S. 28-29)

Beim Coaching handelt es sich im klassischen Sinne um eine Beratung und Begleitung von Managern und Führungskräften. Da dieses aber erst seit knapp 30 Jahren in dieser Form besteht, kann man noch nicht von einer eigenständigen Profession sprechen, sondern bestenfalls von einer Methode, die unter bestimmten konzeptuellen und qualitativen Merkmalen genutzt werden kann. Die Diskurswellen, die sich mit der Frage beschäftigen, ob Coaching nun als neue Methode oder als Profession zu werten ist, haben sich noch nicht geeinigt. Trotz allem ist Coaching heutzutage eine wichtige und notwendige Form der Beratung einer spezifischen Zielgruppe, deren Anliegen durch andere Beratungsmaßnahmen wie Supervision, psychologische Beratung, Therapie, Mentoring etc. nicht ausreichend gelöst werden konnten. (vgl. Birgmeier 2010, S. 15-17) Herr Müller-Commichau plädiert hinsichtlich einer unabdingbaren Kompetenzerweiterung für Veränderungsprozesse im sozialen Feld und auch im Sinne angemessener Begleitung von Hilfesuchenden für die verstärkte Nutzung eines Beratung- und Assistenz-Konzepts, das mit dem Fachbegriff Coaching überschrieben werden kann. (vgl. Müller-Commichau 2002, S.28). Rauen definiert „klassisches“ Coaching wie folgt:

„Coaching ist ein interaktiver, personenzentriert Beratungs- und Betreuungsprozess, der berufliche und private Inhalte umfassen kann. Im Vordergrund steht die Berufsrolle bzw. damit zusammenhängende Anliegen des Gecoachten.“ (Rauen 2003 zit.nach Birgmeier 2010, S. 15)

Hierbei werden dem Gecoachten keine direkten Lösungsvorschläge präsentiert, sondern der Coach unterstützt den Gecoachten eigene Lösungen zu finden. Die Beziehung zwischen Coach und Gecoachten findet auf einer tragfähigen, diskreten, vertrauensvolle Basis statt, die durch gegenseitige Akzeptanz gekennzeichnet ist. Das Ziel von solch einem Coaching ist außerdem die „Förderung zur Selbstreflexion und – wahrnehmung, Bewusstsein und Verantwortung“, um dem Gecoachten so Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Auch ist es Aufgabe des Coachers, die Selbstmanagementfähigkeiten des Coachees zu verbessern, was bedeutet, dass der Coach den Gecoachten so fördern und beraten soll, dass der Coach am Ende nicht mehr gebraucht wird. Voraussetzung für solch ein Coaching ist ein ausgearbeitetes Coaching-Konzept, das die Vorgehensweise des Coachers beschreibt und den Rahmen für Interventionen, Methoden und Prozesse festlegt. (vgl. Birgmeier 2010, S.15-17) Hierbei zeigt sich auch das Besondere des Coachings im Vergleich zu anderen Beratungsformen. Coaching ist ein zeitlich eingeschränkter Beratungsprozess und stellt eine innovative Maßnahme der( Sozial-)Managementberatung dar. Es orientiert sich individuell an Menschen aller Hierarchiestufen, welche in Dienstleistungseinrichtungen, Betrieben oder Verwaltungssystemen mit Managementaufgaben zu tun haben, aber auch an Freiberufler, die sich in individuellen Krisen befinden. Der Coach ist hierbei für alle Probleme ein Reflexionspartner und gibt dem Gecoachten Feedback, ganz gleich um welche Themen es sich handelt. (vgl. ebd., S.18) Das „klassische“ Coaching ist die Basis für alle weiteren spezifischeren Formen. Demgemäß sind die Annahmen und Vorgaben eines „klassischen“ Coachings auch die Grundlage, aus denen sich die spezifische Coaching-Methode eines sozialpädagogischen Coaching nähert. (vgl. ebd., S.16-17)

Coaching und Soziale Arbeit:

Innerhalb des Coaching gibt es vielerlei verschiedene Konzepte. Aus diesem Grund ist es unerlässlich und für die Praxis äußerst relevant, das „sozialpädagogische Coaching“ begrifflich wie auch theoretisch zu bestimmen. Solch ein spezielles Coaching mit dem Zusatz „sozialpädagogisch“ macht bereits deutlich, woher das erkenntnistheoretische und wissenschaftliche Grundgerüst für ein solches Coaching stammt: „aus dem, was seit vielen Jahrzehnten unter dem Begriff der Sozialen Arbeit, speziell der Sozialpädagogik, erfolgreich an Wissen (als Disziplin) erzeugt, in Theorien generiert und in die Praxis (als Profession) transformiert wird.“ Die Sozialpädagogik ist die wesentliche Disziplin unter den Wissenschaften, welche den Fokus auf den Menschen legt, die in Krisensituationen stecken und ihr eigenes Leben nicht mehr selbstständig führen können. Darüber hinaus weist die Sozialpädagogik eine große Verbundenheit zu den beiden für ein Coaching zentralen Bezugsprofession (Psycho-) Therapie und Supervision auf. Der Unterschied der Sozialpädagogik zur Therapie und Supervision ist jedoch, dass die Sozialpädagogik nicht nur eine Profession ist, sondern als akademische Disziplin und Wissenschaft an Hochschulen und Universitäten als Studium angeboten wird. Die Sozialpädagogik kann, mit den dazugehörigen Aspekt für Wissenschaftlichkeit, auch als Meta-Modell handeln, in dessen Rahmen gegenstands- und objektnahe andere Professionen eingebettet sind. Das sozialpädagogische Coaching als Meta-Modell für professionelle Coaching-Konzepte vorzuschlagen, ist besonders effektiv. Zum einen weil die Sozialpädagogik eine Sozialwissenschaft ist und zum anderen in ihren Reihen auch Anwendungsmodelle eingegliedert sind, die schon lange in der Psychotherapie, Pädagogik und in der Supervision Fuß gefasst haben, sich bisher aber noch nicht unter dem Begriff der Sozialpädagogik behaupten konnten. (vgl. ebd., S.127)

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656521426
ISBN (Buch)
9783656525264
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263420
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Schlagworte
Coaching Soziale Arbeit Sozialpädagogisches Coaching

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Coaching in der Sozialen Arbeit