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Das Ende der Kunstgeschichte

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 19 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2... Hauptteil
2.1 Das Ende der Kunstgeschichte?
2.2 Eine Revision

3 Fazit

4.. Literatur

1. Einleitung

„Jedes Mal fragen wir uns [...] unnachgiebig, worauf wollenjene hinaus, und zu welchem Zweck, die das Ende von diesem oder jenem, des Menschen oder des Subjekts, des Bewusstseins, der Geschichte, des Abendlandes oder der Literatur und, als letzte Neuigkeit, des Fortschritts selbst verkünden, der noch nie bei Rechten oder Linken so schlecht dastand. Welche Effekte wollen jene Propheten oder jene wortgewandten Visionäre produzieren? Welchen unmittelbaren oder aufgeschobenen Vorteil stellen sie in Aussicht? Was machen sie und was machen wir, indem wir so darüber reden? Um wen zu verfuhren oder zu unterwerfen, einzuschüchtern oder zu erfreuen?“.1

Das Verzeichnis lieferbarer Bücher Deutschlands registriert unter dem Titelstichwort "Ende" 166 verschiedene Einträge. Dabei ist unter anderem die Rede vom Ende Alteuropas, der Abstraktionen, der antiken Welt, der Avantgarde, der Kunst und der Paradigmenwechsel in der Ästhetik und eben auch der Kunstgeschichte. Proklamiert wurde dieses im Jahre 1983 von Hans Belting. In den letzten 30 Jahren hat er den Diskurs über Kunst, Kunsterfahrung und Kunstgeschichtsschreibung enorm erweitert. Die Publikationen Das Ende der Kunstgeschichte? (1983), Bild und Kult (1990), Das Ende der Kunstgeschichte (1995) und Szenarien der Moderne - Kunst und ihre offenen Grenzen (2005) bilden dabei nur einen geringen Teil seines Oeuvres.

Das Motiv vom Ende der Kunst und damit letztlich auch verbunden das Ende der Kunstgeschichte, existiert bereits seit der Antike und schildert den Fortschritt der Kunst, ihr Anfang und Ende, ihre Blüte und ihren Verfall. Gleichsam einem Konjunkturzyklus erlebt sie dabei Aufschwungphasen (Expansion), Hochkonjunktur (Boom), Abschwungphasen (Rezession) und Tiefphasen (Depression). So sah Vasari in der Kunst Michelangelos den unübersteigbaren Zielpunkt, der nicht überboten werden konnte. In der Zeit der Moderne, bzw. Postmoderne äußert sich das Ende der Kunst vornehmlich als Entgrenzung und Dehierarchisierung und wird für eine Revision des stilgeschichtlichen Entwicklungsgedankens in Anspruch genommen.2

Generell hat sich das Thema vom „Ende der Kunst“ im letzten Jahrhundert zu einem regelrechten Topos entwickelt. Greenberg, Danto, Hofmann, Groys, Klotz und auch Imdahl haben sich dezidiert mit der Grenzüberschreitung der modernen Kunst auseinander gesetzt, die sich - wie schon bei Hegel - letztlich in der Krise der Repräsentation äußert. Hans Belting hingegen, beschäftigt sich vornehmlich mit dem Ende der Kunstgeschichtsschreibung.

In einer von Bildern überfluteten Mediengesellschaft, steht die traditionelle Kunstgeschichte vor dem Problem einer Kategorisierung. Der Begriff „Bild“ kann nicht mehr monopolistisch für das Kunstbild verwendet werden - es sind neue Kategorien der Bildanalyse gefragt und die Relativierung der Kunstgeschichte zu einer Komponente im breiten Feld der umfassenden Bildwissenschaft erscheint nötig. Damit ist nicht die Kunst an sich, sondern vielmehr eine bestimmte Erzählform, in deren Begriffen das Kunstmachen als eine Fortschreibung der Geschichte galt, an ihr Ende gelangt.

Mit einer einzigen These wirft Hans Belting Fragen auf, wie: Wie sieht die Geschichte der Kunstgeschichte aus? Was kommt nach dem Ende? Wo beginnt die Kunstgeschichte? Wer hat Kunstgeschichte geschrieben - die Künstler oder die Kunsthistoriographen? Was hat Oberhand - Kunst oder Geschichte? Wie steht es um die Wissenschaftlichkeit des Faches? Mit welchen Methoden soll gearbeitet werden, beziehungsweise ist es wirklich sinnvoll sich an Methodik zu orientieren? Oder um es auf den Punkt zu bringen: Kunstgeschichte ja - aber wie?

Die Begriffe der Kunstwissenschaft oder Kunstgeschichte sind eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts. Im Jahre 1799 wurde in Göttingen die erste Professur für Kunstgeschichte eingerichtet. Von grundlegender Bedeutung war zu diesem Zeitpunkt die Stilgeschichte - die stilistische Analyse von Kunstwerken. Heute geht es längst nicht mehr um eine Bestandssicherung, die Datierung oder Zuordnung einzelner Werke, die Untersuchung von Funktionen, Strukturen und die soziologischen Bedeutung von Kunstwerk und Kunst sind ins Zentrum der Forschung gerückt. Damit hat die Kunstgeschichte eine Perspektive angenommen, welche als kulturwissenschaftlich, bildwissenschaftlich oder medienhistorisch zu umschreiben ist. Die Bildwissenschaft oder auch Visual Culture Studies hingegen, sind aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen hervorgegangen und beschäftigen sich fachübergreifend mit dem Phänomen Bild in jedem Medium.

Diese Arbeit wird anhand von Beltings Antrittsrede die Probleme darstellen, mit der die moderne Kunstgeschichtsschreibung konfrontiert ist. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Text soll seine Aktualität im Jahre 2012 untersuchen.

2. Hauptteil

2.1 Das Ende der Kunstgeschichte?

Im Zuge seiner Antrittsrede als Ordinarius für Kunstgeschichte an der Ludwig­Maximilians Universität München im Februar 1983, veröffentlichte der deutsche Kunst- und Medientheoretiker Hans Belting sein Essay Das Ende der Kunstgeschichte?. An ein akademisches Publikum gerichtet, stellte er Überlegungen zur damaligen Kunsterfahrung und historischen Kunstforschung an. Die Rede wurde noch im gleichen Jahr im Deutschen Kunstverlag veröffentlicht. Ein zweiter Teil, der eine Retrospektive der frühen Tradition von Kunstgeschichte liefert, wurde ergänzend hinzugefügt. Er ist dem Band Theorien der Geschichte: 2 entnommen, der 1978 unter dem Titel Historische Prozesse erschienen ist. Die Publikation erfuhr eine solch große Nachfrage, dass kaum ein Jahr später, 1984, eine zweite Auflage gedruckt werden musste.

Der Text gliedert sich grob wie folgt: Belting macht zunächst eine Zustandsbeschreibung des Fachs, wie es heute praktiziert wird, leitet dann zu einer Inspektion der Probleme, die daraus entstanden sind über, um mit der Perspektive auf Aufgaben, die im Kontext heutiger Kunsterfahrung in den Blick treten abzuschließen. Zwei Problemen stehen dabei im Zentrum: Zum einen reflektiert „die heutige Kunst [...] zwar die bekannte Geschichte der Kunst, [setzt] sie aber nicht ,nach vorne‘ [fort]“, zum anderen bringt „das Fach Kunstgeschichte [...] heute kein verbindliches Darstellungsmodell geschichtlicher Kunst mehr zustande“.3 An diesem Punkt stellt sich bereits eine essentielle Frage: Schreibt die Kunst ihre Geschichte oder wird eine Geschichte für die Kunst geschrieben?

Belting versucht daher zunächst den problematischen und strittigen Begriff der Kunstgeschichte zu definieren. Er gliedert ihn in seine Einzelteile und fügte diese im Anschluss zusammen. „Kunst“ ist dabei eine in den Kunstwerken erkannte Qualität und die „Geschichte“ ein in den geschichtlichen Ereignissen erkannter und ihnen unterstellt.4 Die Symbiose aus beidem, die „Kunstgeschichte“, macht den an den Kunstwerken entwickelten Bewusstseinsinhalt „Kunst“ zum Objekt geschichtlicher Darstellung und wird damit zum Modell der Darstellung von Kunst. Diese relativ simple Darstellung, berücksichtigt ihre einzelnen Variablen jedoch nicht: In unserem Unvermögen den Terminus der „Kunst“ exakt zu definieren, kann nicht erwartet werden den Entwurf einer Geschichtsschreibung dieses Abstractums zu erstellen. Besonders mit ihrem Rückzug aus politischen und religiösen Verpflichtungen, die bis ins 18.Jahrhundert die bildenden Künste strukturiert haben, kann mit der Autonomisierung der Kunst auch gleichzeitig ein Funktionsverlust konstatiert werden. Die Moderne ist durch den außerordentlich raschen Wechsel von Stilrichtungen, die zum Teil nebeneinander verlaufen, gekennzeichnet. Das im Bild Dargestellte ist für den unvoreingenommenen Betrachter nicht mehr spontan verstehbar - die Leinwand wird zum Träger von Farben, Formen und Strukturen,die einzig durch den Willen des Künstlers bestimmt werden. Der Betrachter wird häufig aufgefordert, bereits Bestehendes zu hinterfragen und für neue künstlerische Ansätze offen zu sein.5 Hinzu kommt, dass neue Verfahrenstechniken in der Herstellung von Kunst die traditionell vorherrschenden Kunstgattungen Malerei, Skulptur und Grafik aufbrechen. Die Krise des Geschichtsbildes, auf den Gegenstand Kunst angewandt, gilt folglich für die Gegenwartskunst wie für die gegenwärtige Kunstgeschichte:

„Die eine hat das Bewusstsein von einem historischen Gang der Dinge verloren, den sie in die Zukunft der Kunst führen könnte oder sollte; die andere hat so viele neue Fragen in ihr Repertoire aufgenommen, dass sie selbst die Grenzen und Möglichkeiten einer Erzählung von der „Geschichte der Kunst“ sprengt“.6

Belting verdeutlicht mit seinem Ansatz aber auch, dass er an einem funktionsgeschichtlichen Ansatz festhält. Das Werk an sich rückt in den Hintergrund, seine Funktion, beziehungsweise seine Position in der geschichtlichen Darstellung werden zur zentralen Bedeutung. Damit ist die Kunst zeitlich und räumlich verortet, kann aber unabhängig von ihrer Entstehungszeit gestern, heute und morgen betrachtet werden. Mittels einer Dreigliederung unterscheidet er die kultische Funktion des Bildes bei den „primitiven Völkern“ von der ästhetischen im Zeitalter des Tafelbildes. Letztere wird im 20. Jahrhundert durch das Bild als Medium abgelöst. Bedingt durch diesen Funktionswandel ändert sich immer auch die Leitfrage, beziehungsweise der Diskurs unter dem Bilder diskutiert werden.

In einem linearen Geschichtsmodell, setzt Belting dem Begriff des Endes den Begriff des Anfangs, beziehungsweise des Ursprungs voraus.

[...]


1 Derrida, Jacques: Von einem neuerdings erhobenen apokalyptischen Ton in der Philosophie; in:ders.: Apokalypse, Wien/Graz 1985, S.60.

2 Vgl. Prange, Regine: Ende der Kunst, in: Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen, Methoden,Begriffe, hrsg. von Ulrich Pfisterer, Stuttgart / Weimar 2003, S. 81.

3 Belting, Hans: Das Ende der Kunstgeschichte?, München 1984, S. 11.

4 Vgl. Ebenda, S. 14f.

5 Schlagintweit, Harald; Forstner, Helene K.: Kunstgeschichte. Stile erkennen - von der Antike bis zur Moderne, Basel 2003, S. 185.

6 Belting 1984 (wie Anm. 3), S. 94.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656522089
ISBN (Buch)
9783656528210
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263398
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Schlagworte
ende kunstgeschichte

Autor

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Titel: Das Ende der Kunstgeschichte