Lade Inhalt...

Die Mood-Management-Theorie von Dolf Zillmann. Der Rezipient als ein hedonistisches Wesen?

Hausarbeit 2013 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Dolf Zillmann: Das Mood Management
2.1 Überblick: Stimmungen und Stimmungsregulation
2.2 Grundzüge der Mood-Management-Theorie
2.3 Empirische Überprüfung des Einflusses von Stimmungen auf die selektive Zuwendung zu Medienangeboten

3. Hedonismus als alleiniges Motiv für Mood Management durch Medien?

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eine lustige Komödie, ein spannendes Drama oder ein ergreifender Liebesfilm - Medien haben einen großen Einfluss auf unseren emotionalen Zustand und unsere Stimmung. Doch auch umgekehrt nimmt unsere aktuelle Stimmung Einfluss darauf, welchen Filmen, Sendungen oder Musik wir uns gerade zuwenden wollen und welche Medienangebote wir eher vermeiden möchten. So wählen wir häufig passende Medieninhalte aus, mit denen wir unsere Stimmungen regulieren können. Es ist nicht überraschend, dass wir einen Großteil unserer Freizeit mit Unterhaltungsangeboten wie Comedy-Sendungen oder Quizshows verbringen (vgl. Knobloch 2003, S. 233).

Der amerikanische Kommunikationswissenschaftler Dolf Zillmann stellte 1988 dazu aufgrund von Erkenntnissen aus zahlreichen empirischen Experimenten seine prominente Mood-Management-Theorie auf. Sie hat einen zentralen Stellenwert in der Kommunikationswissenschaft. (vgl. Wirth und Schramm 2006, S. 59) Die Theorie versucht zu erklären, wie Menschen ihre Stimmungen durch Zuwendung zu passenden Medienangeboten regulieren (vgl. Schweiger 2007, S. 114). Zentral hierbei ist Zillmanns hedonistisches Weltbild,[1] nach dem Menschen immer nach angenehmen Gemütslagen streben und gleichzeitig negative Stimmungen vermeiden möchten. Die Theorie begründet im Kern die Auswahl von unterhaltenden Medienangeboten (vgl. Wirth und Schramm 2006, S. 59).

Da Zillmanns Mood-Management-Theorie als eine Stimmungsregulationstheorie betrachtet werden kann, soll zunächst erläutert werden, was unter Stimmungen zu verstehen ist (vgl. Schramm 2005, S. 19). Es wird anschließend ein kurzer Abriss über Stimmungsregulation im Allgemeinen gegeben, bevor die Theorie dann in ihren Grundzügen vorgestellt wird. Vor allem Zillmanns hedonistisches Menschenbild und die Annahme, Menschen würden sich zum Zweck der Stimmungsoptimierung nur Medieninhalten mit positiver Valenz zuwenden, wird häufig in Frage gestellt. Im vierten Kapitel dieser Arbeit soll deshalb diskutiert werden, ob Hedonismus als alleiniges Motiv für die Stimmungsregulierung durch Medien fungiert, ob Menschen bei der Mediennutzung wirklich immer hedonistisch handeln und aus welchen Gründen sie vielleicht auch Medienangebote nutzen, die nicht unbedingt ihre Stimmungen verbessern.

2. Dolf Zillmann: Das Mood Management

2.1 Überblick: Stimmungen und Stimmungsregulation

Stimmungen gehören zu den Affekten[2] als eine mentale Funktion der menschlichen Psyche.[3] In der Literatur finden sich zahlreiche Definitionen von Stimmung (vgl. Schramm 2005, S. 19-20). Nach Parkinson und Kollegen (2000, S. 21) ist „[e]ine Stimmung [...] ein ungerichteter, evaluativer Gemütszustand, der eine Person vorübergehend geneigt macht, eine Vielzahl unterschiedlicher Ereignisse auf eine Weise zu deuten und zu handhaben, die in Einklang mit dem affektiven Gehalt dieses Zustandes steht“.

Zillmann (2003, S. 541) definiert sie als „affective experience of low to moderate excitatory intensity and comparatively long duration“.

Stimmungen werden als angenehm oder unangenehm erlebt (vgl. Parkinson et al. 2000, S. 22). Sie können durch einen Zusammenschluss mehrerer kleinerer Ereignisse ausgelöst werden und/oder durch innere veränderbare sowie kognitive Prozesse entstehen. Gewöhnlich entwickeln sich Stimmungen graduell. (vgl. Parkinson et al. 2000, S. 18, 22; Morris 1992, S. 260) Zillmann unterscheidet zwischen zwei Dimensionen von Stimmungen. Zum einen die Bewertung (angenehm vs. unangenehm) und zum anderen die Erregung (überregt vs. unterregt). (vgl. Schweiger 2007, S. 114)

Emotionen sind ebenfalls eine Untergruppe der Affekte und meist von relativ kurzer Dauer, treten akuter und intensiver als Stimmungen auf (vgl. Schwarz und Clore 2007, S. 385; Parkinson et al. 2000, S. 16-17). Sie werden durch spezifische Ereignisse ausgelöst und beziehen sich auf greifbare Inhalte oder Begebenheiten (vgl. Parkinson et al. 2000, S. 18). Stimmungen dagegen seien eher ungerichtet und können sich auf die mannigfaltigsten Gegenstände beziehen (vgl. Morris 1992, S. 258). Sie sind im Gegensatz zu Emotionen meist längerfristig und relativ stabil. Dennoch verändern sie sich unaufhörlich. (vgl. Schramm 2005, S. 22)

Häufig kommen Menschen in schlechter Stimmung zu der Feststellung, dass dieses Befinden nicht erstrebenswert ist. Aus hedonistischen Gründen versuchen sie dann diesen Zustand zu ändern. (vgl. Parkinson et al. 2000, S. 165) So können unangenehme Stimmungen bspw. durch selbstregulatorische Prozesse verbessert werden (vgl. Morris 1989, zit. nach Schramm 2005, S. 27). Zunächst ist jedoch eine Bewertung und Überwachung der Stimmung notwendig (vgl. Parkinson et al. 2000, S. 165). Es gibt eine Vielzahl an Stimmungsregulationsstrategien, welche nach verschiedenen Kennzeichen klassifiziert sind (vgl. Schramm 2005, S. 29). Morris und Reilly bspw. stellen vier Hauptkategorien dar. Die erste Kategorie beinhaltet die Selbstbelohnung wie den Konsum von Alkohol und Ablenkung. In dieser Kategorie geht es um Strategien und expressives Verhalten, die direkten Einfluss auf die Stimmung nehmen. (vgl. Morris und Reilly 1987, S. 225; Schramm 2005, S. 30) Die zweite Kategorie beinhaltet Strategien, welche die Bedeutung oder die Wichtigkeit der Stimmung modifizieren. Hierzu gehören u.a. soziale Vergleiche und Attributionsverzerrungen. (vgl. Morris und Reilly 1987, S. 234) Des Weiteren sprechen Morris und Reilly von Stimmungsregulierungsstrategien, welche sich direkt auf das Problem beziehen und dessen Ursache entfernen. Und als letzte Kategorie schließlich führen sie Strategien an, bei denen man Anschluss an andere Menschen, also soziale Unterstützung, sucht. (vgl. Morris und Reilly 1987, S. 236-237; Schramm 2005, S. 31)

Westen dagegen geht davon aus, dass Menschen durch Erfahrungen ein gewisses Repertoire an kognitiven und verhaltensbezogenen Strategien entwickeln. Strategien, die sich als wirksam zeigen, werden zukünftig wahrscheinlich auch in ähnlichen Situationen genutzt. (vgl. Parkinson et al. 2000, S. 177) Sein Ansatz weist hohe Ähnlichkeit zu dem Grundgedanken der Mood-Management-Theorie auf, welche im Folgenden dargestellt wird (vgl. Schramm 2005, S. 31).

2.2 Grundzüge der Mood-Management-Theorie

Vorüberlegungen

Dolf Zillmanns Mood-Management-Theorie kann als eine spezifische Theorie des Selective-Exposure-Ansatzes von Leon Festinger gesehen werden (vgl. Zillmann 1988a, S. 329). Die psychologisch unangenehme kognitive Dissonanz[4] könne demnach durch selektive Auswahl von Informationen reduziert werden (vgl. Cotton 1985, S. 12; Festinger 1957, S. 3). Hierbei würden Individuen Informationen suchen, welche die Dissonanz vermindern und solche vermeiden, die sie verschlimmern (vgl. Cotton 1985, S. 12). Menschen würden sich so Inhalten zuwenden, die ihre eigenen Einstellungen unterstützen, um somit Konsonanz herzustellen (vgl. Zillmann 1988a, S. 327). Die Theorie der selektiven Zuwendung wurde erst in den 1980er Jahren auf Unterhaltungsangebote angewendet (vgl. Batinic und Appel 2008, S. 157). Das Streben nach Vermeidung kognitiver Dissonanzen ist somit eine mögliche Erklärung für die Auswahl von Medienangeboten (vgl. Zillmann 1988a, S. 327).

Nach Zillmann und Bryant (1985, S. 2) bezeichnet selektive Auswahl „behavior that is deliberately performed to attain and sustain perceptual control of particular stimulus events“. Die Theorie der selektiven Zuwendung „[...] besagt, dass Menschen die Programme wählen, von denen sie sich eine schnelle Erleichterung/Verbesserung von negativen affektiven Zuständen erhoffen“ (Batinic und Appel 2008, S. 157).

Zillmann geht davon aus, dass die selektive Zuwendung der Rezipienten zu Medienangeboten vor allem stimmungsabhängig ist (vgl. Wirth und Schramm 2006, S. 59).

Grundannahmen

So formuliert Zillmann 1988 seine Gedanken zur Theorie der selektiven Zuwendung leicht abgewandelt und als Hypothesen unter dem Namen Mood Management Theory (vgl. Wirth und Schramm 2006, S. 61).

Zillmann vertritt mit seiner Stimmungsregulierungstheorie die Annahme, dass der Konsum von unterhaltenden Medienangeboten die vorherrschenden Stimmungszustände ändern kann, und die spezifische Auswahl solcher Inhalte der Stimmungsregulation diene (vgl. Zillmann 1988a, S. 327). Stimmungen sind stark von verschiedenen Stimuli unserer Umgebung beeinflusst. Individuen können diese Umgebungen kontrollieren. Medienangebote sind dabei künstlich geschaffene Umgebungen, die zum Zweck der Stimmungsregulierung besonders leicht kontrolliert und manipuliert werden können. (vgl. Zillmann 1988b, S. 147-148) Voraussetzung von Zillmanns Theorie ist die Annahme, der Mensch sei ein hedonistisches Wesen (vgl. Schramm 2005, S. 33). Der Autor formuliert dazu zwei Prämissen:

„Premise 1: Individuals are motivated to terminate noxious, aversive stimulation of any kind and to reduce the intensity of such stimulation at any time.

Premise 2: Individuals are similary motivated to perpetuate and increase the intensity of gratifying, pleasurable experiential states.” (Zillmann 1988b, S.148)

Menschen würden demnach jegliches Leid und unangenehme Zustände vermeiden bzw. reduzieren wollen und einzig nach Freude, also guten Stimmungen, streben (vgl. Zillmann 1988a, S. 328; Vorderer 2004, S. 549).

Die Mood-Mangement-Theorie postuliert mit ihrer ersten Kernhypothese, dass Individuen interne und externe Reize dementsprechend organisieren, dass Aversion minimiert und Befriedigung maximiert wird. Die zweite Hypothese besagt, dass Individuen ihre Umgebung so organisieren, dass die in der ersten These festgehaltenen Absichten bestmöglich erreicht werden, soweit die Kontrolle der Stimulation auf die Umwelt beschränkt ist. (vgl. Zillmann 1988b, S. 148) Diesen Annahmen zufolge wissen Individuen um die Wirkung interner sowie externer Stimuli, was mit dem Phänomen des unbewusst ablaufenden operanten Lernens zu erklären ist (vgl. Schramm 2005, S. 33). Zillmann differenziert zudem zwischen einer eher aktiven und eher passiven Wahl von externen Stimuli (vgl. Wirth und Schramm 2006, S. 62). Eine aktive Wahl wie Tennisspielen oder Verreisen ist im Gegensatz zur passiven Wahl sehr energieaufwändig. Die Wahl von Repräsentationen von Umgebungen über die Medien dagegen benötigt wenig Aufwand seitens der Rezipienten. Unterhaltungsangebote wie Musik, Komödien und Sport bspw. eignen sich nach Zillmann besonders gut bei der Reduzierung unangenehmer Stimmungen. (vgl. Zillmann 1988b, S. 149) Dementsprechend lautet seine dritte Kernhypothese:

[...]


[1] Hedonismus ist „jene[…] ethische[…] Richtung, die sinnliche Lust, Vergnügen und Genuss als Motiv bzw. Ziel des Handelns betrachtet“ (Kunczik und Zipfel 2006, S. 64).

[2] „In der deutschen Forschung wird unter >>Affekt<< häufig ein kurzes und heftiges Gefühl mit desorganisierenden Auswirkungen auf Erleben und Verhalten verstanden.“ (Parkinson et al. 2000, S. 15)

[3] Die anderen mentalen Funktionen sind die Kognition und Konation (vgl. Parkinson et al.2000, S. 15).

[4] Kognitive Dissonanz ist nach Festinger (1957, S. 3) „the existence of nonfitting relations among cognitions”.

Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656522270
ISBN (Buch)
9783656525363
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263392
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Kommunikationswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
mood-management-theorie dolf zillmann rezipient wesen

Autor

Zurück

Titel: Die Mood-Management-Theorie von Dolf Zillmann. Der Rezipient als ein hedonistisches Wesen?