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Unterrichtsstunde: Aufklärung - Sturm und Drang

Der Sturm und Drang – Fortsetzung oder Gegenepoche zur Aufklärung? Die Lernenden erkennen die Leitmotive des Sturm und Drang und reflektieren die Strömung in Abgrenzung zur Aufklärung

von A. Sauer (Autor)

Unterrichtsentwurf 2013 9 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

1. Lerngruppenanalyse

Die Klasse E des Lichtenberg-Gymnasiums setzt sich aus 24 Schülerinnen und Schülern1 im Alter zwischen 15 bis 18 Jahren zusammen, wovon 13 weiblich und 11 männlich sind. Eine Schülerin kam im Halbjahr neu hinzu; sie kommt aus der Q1/2 und ging aufgrund einer längeren Erkrankung im ersten Schulhalbjahr einen Jahrgang zurück. Ich unterrichte die SuS mit derzeit drei Wochenstunden in ihrem Klassenraum.

Die SuS verhalten sich mir gegenüber sehr aufgeschlossen und kooperativ, untereinander respektvoll und zuvorkommend, sodass ein angenehmes und motiviertes Klassen- und Arbeitsklima besteht, in dem gute Arbeitsergebnisse erzielt werden. Da in der Klasse eine hohe gegenseitige Akzeptanz und Toleranz besteht und die SuS darum bemüht sind, zum gegenseitigen Vorteil zu arbeiten, sind arbeitsteilige Erarbeitungen2 aufgrund der guten Zusammenarbeit gut möglich. Dies fördert nicht nur die Kooperationsfähigkeit, sondern auch die Würdigung und Bedeutung der Ergebnisse der leistungsschwächeren SuS.

Insgesamt zeigt sich die Gruppe sehr engagiert und interessiert mit einer hohen Lern- und Leistungsbereitschaft. Die SuS bevorzugen kooperative Lernformen und arbeiten dabei sehr effektiv und strukturiert. Die mündliche Mitarbeit im Unterricht kann qualitativ wie auch quantitativ als ausgeprägt bezeichnet werden. Die SuS verfügen über gute kommunikative Kompetenzen, was sich auch daran zeigt, dass sie sich in ihren Beiträgen nicht nur aufeinander beziehen, sondern kritisch die Meinungen ihrer Mit-SuS reflektieren. Hinsichtlich der Erschließung literarischer Texte weisen die SuS eine gute Lesekompetenz auf, die auch in der geplanten Stunde durch die Interpretation der Fabel weiter vertieft werden soll.3

Teilt man den Kurs nach fachlicher Kompetenz ein, ergeben sich drei unterschiedliche Gruppen. Fünf SuS bilden im Rahmen von Unterrichtsgesprächen die Leistungsspitze. Sie sitzen verteilt im Raum und fungieren als wichtige Impulsgeber, da sie fundiertes Fachwissen besitzen und eine selbstständige Ausweitung der Themen auf weitere Wissensgebiete vornehmen. Ihr Fachinteresse und ihr Wissen um Fachinhalte werden immer deutlich. Sie verfügen nicht nur über eine hohe Lesekompetenz, sondern erfassen zentrale Problematiken von literarischen Texten schnell und eigenständig. Des Weiteren verfügen sie auch über eine positive und engagierte Haltung, die vor allem in Gruppenarbeiten die anderen Gruppenmitglieder insofern motiviert, indem diese leistungsstarken SuS die leistungsschwächeren unterstützen und motivieren können. Dadurch werden diese dazu veranlasst, den literarischen Text besser zu verstehen, Präsentationen zu übernehmen und sich am Unterrichtsgespräch zu beteiligen. Deren Haltung wird insofern positiv mitbeeinflusst, da sich durch das bessere fachliche Verständnis diese weiter verbessert.

Das mittlere Leistungsspektrum setzt sich aus sechzehn SuS zusammen, deren mündliche Beteiligung am Unterricht unterschiedlich hoch ist. Zwölf von ihnen gelingt es, bisheriges Fachwissen abzurufen und auf vorherige mündliche Äußerungen ihrer MitSuS einzugehen. Im schriftlichen Bereich und in kooperativen Arbeitsformen erbringen sie überwiegend gute Leistungen.

Die anderen vier des mittleren Leistungsspektrums nehmen vor allem einfache Aufgaben wahr, wie bspw. Stundenzusammenfassungen oder -wiederholungen. Dabei neigen sie dazu, sich stellenweise in grammatikalisch unvollständigen Sätzen zu äußern, sodass ein Einlenken von Lehrerseite anfangs unumgänglich war. Aufgrund der guten Klassenatmosphäre ist es mittlerweile jedoch schon üblich,dass die anderen SuS eingreifen und ihre MitSuS auf deren syntaktische Fehler hinweisen, sodass eine Korrektur vonseiten der Lehrkraft nur noch selten notwendig ist.

Zwei SuS bilden im Unterrichtsgespräch die Gruppe der leistungsschwächeren Lernenden, die sich mündlich wenig beteiligen. Sie haben Hemmungen, sich vor einer größeren Zuhörerschaft zu präsentieren. Durch die Übernahme kleinerer Redebeiträge wie etwa dem Vorstellen von Gruppenergebnissen soll die Präsentationskompetenz bei diesen SuS weiter geschult werden. Die neu hinzugekommene Schülerin kann ich leistungstechnisch noch nicht erfassen, da ich sie bislang erst eine Stunde gesehen habe, in der sie sich noch nicht geäußert hat.

2. Sachanalytische Überlegungen

Die Fabel „Wir haben gegessen“ von Friedrich Karl von Moser aus dem Jahr 1786 thematisiert den damaligen Status des Volkes gegenüber des Adels. Es wird auf die Epoche der Aufklärung Bezug genommen, deren Hauptaussage es war, seinen eigenen Verstand und Vernunft einzusetzen, Gegebenheiten kritisch zu prüfen und selbständig zu denken. Dieses selbständige Denken wird in der Fabel durch den Sperber versinnbildlicht, der sich nicht wie die restliche Horde Vögel damit zufrieden gibt, den anderen nur beim Essen zuzuschauen. Hinsichtlich der Epoche der Aufklärung sollte diese Fabel das Volk aufrütteln, sich nicht wie die Horde Vögel zu verhalten und sich mit der für sie benachteiligten Situation zu begnügen, sondern sich gegen das Unrecht zur Wehr zu setzen und für die eigenen Interessen zu sorgen. Neben der Aufklärung, die eine geistige und kulturelle Strömung darstellte, wird in der Fabel auch noch der Absolutismus thematisiert, der in der Fabel mit der Monarchie angeprangert wird.

3. Didaktisch-Methodische Überlegungen

In den Richtlinien des Hessischen Lehrplans ist für die E-Phase der Umgang mit literarischen Texten in Verbindung mit der Identitätsfindung vorgesehen. Dabei sollen die SuS ihre eigenen Identitätskonzepte im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Relevanz reflektieren und kritisch hinterfragen.4 Die SuS haben das Werk „Nathan der Weise“ von Lessing gelesen, hatten aber bei der Lerneingangsdiagnose geäußert, ihre Probleme mit dem Verständnis und der Einordnung des Dramas in den Alltagbezug zu haben. Daher habe ich mich dafür entschieden, das Werk über die Epoche und die Fabeltheorie einzuführen, um den SuS mithilfe der fächerübergreifenden Thematik im Fach Geschichte, der Französischen Revolution, einen Anknüpfungspunkt zu ermöglichen, damit sie das Drama in seiner exemplarischen Funktion erkennen. Des Weiteren wird die Einheit zu diesem Drama kürzer als geplant ausfallen und daher stellenweise nur auszugsweise behandelt werden, da einige SuS bereits ab Anfang März für mehrere Wochen im Ausland sein werden. Der Wert der Einheit liegt daher weniger in der detaillierten Personenkonstellation aller Figuren und dem Erarbeiten aller Szenen, sondern vielmehr in dem allumfassenden Verständnis der Werks mitsamt seiner Aussage, die für die heutige Zeit noch aktuell ist.

Das Lesen der Fabel bildet den Einstieg in die Stunde. Anschließend fassen die SuS die Fabel inhaltlich zusammen, bevor sie sich arbeitsteilig in drei unterschiedliche Arbeitsgruppen begeben. Die Zuordnung an die Gruppentische erfolgt bereits vor dem Unterricht durch die SuS selbst, dabei setzen sie sich nach freundschaftlichen Gruppen.

[...]


1 Im Folgenden wird der Ausdruck „Schülerinnen und Schüler“ mit SuS abgekürzt.

2 Siehe Didaktisch-Methodische Überlegungen, Punkt 3

3 Ebd.

4 Hessisches Kultusministerium (2010): Lehrplan Deutsch. Gymnasialer Bildungsgang. Jahrgangsstufen 5G bis 9G und gymnasiale Oberstufe. Wiesbaden 2010. S. 51

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656521488
ISBN (Buch)
9783656531012
Dateigröße
723 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263373
Note
15 Punkte
Schlagworte
Examenslehrprobe Deutsch Aufklärung STurm und Drang Wir haben gegessen Kurt Moser Fabel Oberstufe Unterrichtsentwurf

Autor

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    A. Sauer (Autor)

    8 Titel veröffentlicht

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