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Schweigen ist nicht immer Gold. Selektiver Mutismus in der systemischen Therapie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 20 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist selektiver Mutismus?

3. Wie äußert sich selektiver Mutismus?
3.1 Diagnosekriterien
3.2 Der Fall Sabine

4. Wie entsteht selektiver Mutismus?

5. Selektiver Mutismus in der Systemischen Therapie
5.1 Die vier Phasen der Therapie
5.1.1 Präverbale Phase
5.1.2 Lexikalisch-syntaktische Phase
5.1.3 Kommunikativ-sozialinteraktive Phase
5.1.4 Nachbetreuungsphase
5.2 Zwischenfazit

6. Schlussbetrachtungen

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein bekanntes deutsches Sprichwort besagt, dass Reden Silber und Schweigen Gold ist. Setzt man dieses in Verbindung mit vielen schweigenden Kindern, so zeigt sich schnell, dass dem nicht immer so ist. Wenngleich die Inzidenzrate des Mutismus zwischen 0,02% und 0,05% liegt und damit nur wenigen Menschen bekannt ist, so ist es für die Betroffenen ein problematisches System.[1]

Im Folgenden soll also ein Überblick über das System des Mutismus, genauer über den selektiven Mutismus im Kindesalter, gegeben werden. Mit einer Definition und der Beschreibung der Diagnose beginnend, soll aufgezeigt werden, wie die Störung entstehen kann. Darauf aufbauend folgt eine Betrachtung, inwiefern systemische Therapiemethoden zur Behandlung geeignet sind und wie sich diese darstellen. Als Praxisbezug hinsichtlich der charakteristischen Eigenarten des selektiven Mutismus wird meine persönliche Erfahrung dargestellt. Es sei darauf hingewiesen, dass es sich dabei lediglich um Beobachtungen und subjektive Eindrücke handelt.

2. Was ist selektiver Mutismus?

Der Begriff des Mutismus ist abgeleitet vom lateinischen Wort „mutus“, übersetzt wird dies als „stumm“. Als Kernpunkt einer Definition lässt anführen, dass es sich beim Mutismus um eine „Sprechhemmung oder [um] Schweigen nach vollzogener Sprachentwicklung“[2] handelt. Wichtig hierbei ist auch, dass der Erkrankte über eine voll ausgebildete Sprachfähigkeit verfügt. Der selektive Mutismus äußert sich dabei so, dass nur in expliziten Situationen, beispielsweise in einem unbewusst festgelegten Personenkreis, gesprochen wird. Der Betroffene bestimmt also nicht direkt über die Situation, wann er spricht. Dies diktiert ihm die Situation selbst.[3]

Gemäß der Klassifizierung der ICD-10 findet sich folgende Definition: „[Selektiver Mutismus] ist durch eine deutliche, emotional bedingte Selektivität des Sprechens charakterisiert, so dass das Kind in einigen Situationen spricht, in anderen definierbaren Situationen jedoch nicht. Diese Störung ist üblicherweise mit besonderen Persönlichkeitsmerkmalen wie Sozialangst, Rückzug, Empfindsamkeit oder Widerstand verbunden.“[4] Diese ist der Erstgenannten ähnlich und soll im Folgenden als Grundlage dienen.

3. Wie äußert sich selektiver Mutismus?

Mutistische Kinder zeigen charakteristische Züge sowohl nach innen, als auch nach außen. Wie die Definition schon zeigt, sind diese mannigfaltig und überdecken ein breites Spektrum von problematischen Verhaltensweisen weit über das Schweigen hinaus. Im Folgenden soll beschrieben werden, welche typischen Bilder bei mutistischen Kindern zu beobachten sind.

Es ist bereits benannt worden, dass die prägnanteste Erscheinung des selektiven Mutismus das Schweigen darstellt. Eben dieses Schweigen wird vom Betroffenen konsequent umgesetzt. Selbst Gefühlsäußerungen wie Lachen oder Weinen erfolgen stumm. Letzteres kann sogar ohne das Vergießen von Tränen erfolgen. Auch beim Räuspern oder Husten ist überwiegend keine Lautäußerung zu vernehmen. Gerade selektiv mutistische Kinder können aber eben auch anders. Wie erwähnt tritt das Schweigen nicht immer auf. In den Momenten, wenn der Betroffene spricht, ist dies ungehemmt, es scheint sogar, das unterdrückte Sprechbedürfnis wird nachgeholt.[5] Ähnlich den auditiven Äußerungen sind das körperliche und motorische Verhalten sowie die Körpersprache der Situation angepasst. Wird von dieser ein Schweigen diktiert, so wirkt die Mimik „maskenhaft, hölzern, monoton ernst oder gleichgültig“[6]. Eine gewisse Grobmotorik mit Bewegungsverzerrung kann in diesen Situationen auftreten. In vertrautem Umfeld hingegen macht der Betroffene den Eindruck der Befreiung, das Kind ist entspannt, Bewegungsabläufe stellen sich als normal dar.[7]

Einige Verhaltensweisen treten sowohl in Situationen auf, in denen gesprochen wird, wie auch dann, wenn Schweigen herrscht. Das Kind kann Beispielsweise eine extreme Schüchternheit aufweisen, sich sozial isolieren oder zurückziehen, eine starke Anhänglichkeit, vor allem zur Mutter, aufweisen oder eine gewisse Fremdenangst zeigen.[8]

[...]


[1] vgl. Hartmann, Boris (2011): „Gesichter des Schweigens“. 3., überarb. und ergänzte Auflage. Idstein:

Schulz-Kirchner Verlag. S. 14. zitiert nach: Goodman, R.; Scott, S. (1997): „Child Psychiatry“.

London: Blackwell Science

[2] Hartmann, Boris; Lange, Michael (2010): „Mutismus im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“.

5. Auflage. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag GmbH. S.

[3] vgl. ebd.

[4] Weltgesundheitsorganisation (2013): „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und

verwandter Gesundheitsprobleme“ 10. Revision. F94.

[5] vgl. Hartmann, Boris; Lange, Michael (2010): „Mutismus im Kindes-, Jugend- und

Erwachsenenalter“. 5. Auflage. Idstein: Schulz-Kirchner Verlag GmbH. S.

[6] ebd.

[7] vgl. ebd.

[8] vgl. Katz-Bernstein, Nitza (2011): „Selektiver Mutismus bei Kindern“. 3., überarbeitete Auflage. München: Ernst Reinhardt Verlag. S. 33 -

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656520924
ISBN (Buch)
9783656526667
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263189
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – GeiSo
Note
1,0
Schlagworte
schweigen gold selektiver mutismus therapie

Autor

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