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Lerntheorien: Konstruktivistische Lerntheorie

Hausarbeit 2010 10 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Konstruktivismus
1.1. Allgemeine Kernaussagen des Konstruktivismus
1.2. Bekannte Vertreter und deren Hauptaussagen

2. Begriffe im Konstruktivismus

3. Verschiedene Ansätze des Konstruktivismus
3.1. Der systemisch-konstruktivistische Ansatz
3.2. Der interaktionistische Konstruktivismus
3.3. Der moderate, gemäßigte Konstruktivismus
3.4. Der soziale Konstruktivismus
3.5. Der operative Konstruktivismus
3.6. Der radikale Konstruktivismus

4. Die konstruktivistische Lerntheorie anhand zweier Beispiele
4.1. Die konstruktivistische Lerntheorie aus der Sicht des interaktionistischen Ansatzes
4.2. Die konstruktivistische Lerntheorie aus der Sicht des operativen Ansatzes

5. Literaturverzeichnis

1. Der Konstruktivismus

Der Konstruktivismus ist nicht als eine eigenständige Wissenschaftsdisziplin zu betrachten und zu beschreiben, sondern eher als ein interdisziplinäres Konstrukt mehrerer Teildisziplinen verschiedenster wissenschaftlicher Bereiche. Dieses interdisziplinäre Konstrukt hat seine Wurzeln unter anderem in der Neurobiologie, der Neuropsychologie, der Soziologie und der Psychologie und das konstruktivistische Denken findet in vielen Disziplinen, wie bsp. der Kommunikationswissenschaft, der Biologie oder auch in den Kunstwissenschaften, großen Anklang (vgl. Klaßen, 2005).

1.1. Allgemeine Kernaussagen des Konstruktivismus

Dem konstruktivistischen Denken nach gibt es keine von uns unabhängige, objektive Welt, d.h. dass das Wahrnehmen der Wirklichkeit nur mittels eines Betrachters möglich ist. Zudem ist der Mensch nicht fähig, seine externe Welt so zu erkennen, wie sie wirklich ist, sondern jede Person konstruiert bzw. erfindet seine Wirklichkeit individuell (vgl. Siebert, 1994). Daraus folgt, dass eine absolute, allumfassende Wirklichkeit nicht existiert, da jeder eine andere, individuelle Ansicht über die Welt vertritt. Überträgt man dies nun auf den Lernprozess, bedeutet dies, dass das „Lernen eine selbstgesteuerte, biografisch geprägte Aktivität (Klaßen, 2005, S.161)“ ist, d.h. wenn jemand einen Vortrag vor 20 voneinander unabhängigen Hörern hält, erhält jeder am Ende eine individuelle Botschaft. Dies geschieht aufgrund von unterschiedlichen vorherrschenden Emotionen oder individuell erlebten Erfahrungen (vgl. Klaßen, 2005). Es wird den Zuhörern also keine bestimmte Botschaft aufgezwängt oder angeraten, sondern sie wird individuell von Ihnen konstruiert (Konstruktion statt Instruktion) (vgl. Klaßen, 2005).

1.2. Bekannte Vertreter und deren Hauptaussagen

Wie in jeder wissenschaftlichen Disziplin, ob nun eigenständig oder nicht, gibt es auch hier viele Vertreter. Die Hauptvertreter des Konstruktivismus sind Ernst von Glasersfeld (1917), Heinz von Foerster (1902-2002), Francisco Varela (1946-2001), Humberto Maturana (1928) und Paul Watzlawick (1921-2007). Diese entstammen alle verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen. Ernst von Glasersfeld hat seine Wurzeln in der Psychologie und der Erkenntniskritik und vertritt die Auffassung, dass die Außenwelt stets vor dem Menschen verborgen bleibt. Daraus folgt, dass die Welt und die Wirklichkeit konstruiert werden muss und kann (vgl. Zirkler,2001). Heinz von Foerster hingegen ist Biophysiker und sieht seinen Ansatz des Konstruktivismus eher als eine „skeptische Haltung (Klaßen, 2005, S.7)“ gegenüber der Wirklichkeit. Zudem distanziert er sich von der strengen Haltung Ernst von Glasersfeld (vgl. Klaßen, 2005;Zirkler, 2001). Die beiden nächsten Vertreter werden häufig in Verbindung miteinander genannt: Francisco Varela und Humberto Maturana. Während Varela aus der Neurowissenschaft kommt, vertritt Maturana eine Nachbarwissenschaft, die Neurobiologie. Beide sind der Auffassung, dass alle Lebewesen operational geschlossen sind und somit die Wahrnehmung der Wirklichkeit von den biologischen Gegebenheiten abhängt (vgl. Zirkler, 2001). Ein System ist dann operational geschlossen, wenn es systemintern auf äußere Reize reagiert und die Umwelt auf diese Reaktion keinen Einfluss hat (siehe Nervensystem) (vgl. Klaßen, 2005). Der letzte, der oben genannten Vertreter, ist der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. Seiner Meinung nach müssen Menschen ihre Wirklichkeit konstruieren, da sie selbst nicht in der Lage sind, die Wirklichkeit zu erkennen. Desweiteren konstruieren sie diese, um anschließend angepasster handeln zu können (vgl. Siebert,1994). Hier bestätigt sich die obige Behauptung, dass es sich beim Konstrktivismus um ein interdisziplinäres Konstrukt handelt.

2. Begriffe im Konstruktivismus

Um die verschiedenen Ansätze des Konstruktivismus verstehen zu können, ist es unabdingbar vorweg einige wichtige Begriffe zu klären. Einer diese Begriffe ist die Selbstreferenz. Die Selbstreferenz besagt, dass alles, was neu oder alt, gut oder böse ist, unserer persönlichen Entscheidung unterliegt und mit unserem vorherrschenden Wissen abgestimmt wird. Lernen an sich und auch Entscheidungen treffen, sind selbstreflexive Prozesse (vgl. Siebert, 1994). Ein weiterer, häufig auftretender Begriff ist die Strukturdeterminiertheit. Sie bestimmt, dass das Lernen bzw. der Lernprozess nicht von außen festgelegt und -gesetzt werden kann, sondern von innen heraus ablaufen und bestimmt werden muss. Ein zusätzlicher zentraler Begriff des Konstruktivismus ist die Autopoiese, d.h. die Selbsterhaltung eines Systems, bsp. die selbstständige Teilung der Zellen. Der Konstruktivismus verwendet in Verbindung mit dem Begriff Lernen auch den Begriff der Rekursivität. Dies bedeutet, dass Erfahrungen und Lernprozesse auf schon Vorhandenen aufbauen und gegebenenfalls auch darauf zurückgreifen (vgl. Klaßen, 2005). Wichtig sind auch Perturbationen, also Störungen von der Umwelt ausgehend. Diese rufen Veränderungen innerhalb eines Systems hervor, auf die dann reagiert werden muss. Aufgrund dieser neuen Gegebenheiten, wird das System zum Anpassen bzw. Verändern angeregt (vgl. Siebert, 1994; Klaßen, 2005).

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Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656518150
ISBN (Buch)
9783656517689
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263165
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Schlagworte
Lerntheorien Konstruktivismus

Autor

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Titel: Lerntheorien: Konstruktivistische Lerntheorie