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Gerda Breuer: Ästhetik der schönen Genügsamkeit Teil 2

News from Nowhere, Siedlungsmodelle, Guild of Handicraft

Essay 2012 4 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kommt es in England zu einer Spaltung der Arts and Crafts-Bewegung. Dabei widmen sich einige Vertreter fortan vermehrt der künstlerisch-formalen Ausarbeitung der Arts and Crafts-Ästhetik, was sich vor allem im Bereich der Architektur und Innenraumgestaltung niederschlägt.

Andere Anhänger dieses Kunsthandwerks verfolgen weiterhin die „reine Lehre“, die als Grundgedanke der ursprünglichen Arts and Crafts-Mentalität angesehen werden kann. Schlichtheit und Funktionalität stehen hier im Vordergrund. Dieses Prinzip verfolgt auch der Mitbegründer der Kunsthandwerksbewegung, William Morris. Er verfasst zu dieser Thematik einen Roman mit dem Titel „News from Nowhere“, in dem von einer utopischen, perfekten Welt erzählt wird. Morris träumt darin von einer Welt ohne Profitgier und Privatbesitz. Gemäß dem Denken der Arts and Crafts-Vertreter soll auf Massenproduktion verzichtet werden, sodass die Arbeit auf frei handelnden Individuen basieren kann. Die durch Handarbeit produzierten Güter sollen Gemeineigentum sein.

Um diese kommunistisch geprägte Welt zu erzielen, solle die Lebensqualität gesteigert werden, indem eine natürliche Lebensweise und eine ansprechende Umgebung geschaffen werde, die zusammen mit einem kunstvollen Handwerk aufs engste mit dem Volk verbunden sei.[1]

Diese Ideen sollen sich in sogenannten Gartenstädten wiederspiegeln.

Der Garten wird zum Leitmotiv eines neuen Siedlungsmodells, welches unter Hinwendung zum Natürlichen durch die Arts and Crafts-Vertreter realisiert werden soll. Ziel einer solchen Siedlungsform ist schon bei den Vorläufern von Morris Gartenstädten eine Anlehnung an das Leben auf dem Land, die mit einer gesunden Lebensweise der Menschen eng verbunden sei.

Erste Versuche dieses Projekt umzusetzen zeigen sich bereits 1811 in Bristol, entworfen von den Architekten John Nash und George Repton.[2] Nur neun Cottages bilden die Siedlung „Blaise Hamlet“, bei der die kleinen Häuser von einem Gartenring umgeben werden, sodass eine ländliche Atmosphäre entsteht.

Gemäß dieser ländlich geprägten Lebensweise verfolgen die Arts and Crafts-Vertreter eine anti-technologische Haltung, sodass zugleich Sauberkeit von Wasser und Luft garantiert werden kann. Anliegende Ackerflächen sollen von den Bewohnern der Siedlung selber bewirtschaftet werden ohne Einsatz von Maschinen. Allerdings unterliegt diese Arbeit einer strengen Regelbefolgung: Frauen sind den Männern untergestellt und an der Rangspitze steht ein sogenannter Master, dem sich jeder unterzuordnen hat. Diese hierarchische Ordnung weist starke Ähnlichkeiten zu den mittelalterlichen Herr-Knecht-Verhältnissen auf, die in eine feudale und patriarchalische Herrschaftsordnung eingebettet waren. Diese Analogie zum Mittelalter deckt sich mit anderen Arbeitsweisen der Arts and Crafts-Vertreter, wie beispielsweise die Rückbesinnung auf das Schlichte oder auch die Gildengründungen, auf die an späterer Stelle noch eingegangen wird.


[...]

[1] Vgl. Breuer, Gerda: Ästhetik der schönen Genügsamkeit oder Arts and Crafts als Lebensform. Braunschweig/Wiesbaden 1998. S.44.

[2] Vgl. Ebd., S.38.

Details

Seiten
4
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656518426
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263050
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,0
Schlagworte
gerda breuer ästhetik genügsamkeit teil news nowhere siedlungsmodelle guild handicraft

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Titel: Gerda Breuer: Ästhetik der schönen Genügsamkeit Teil 2