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Der Politische Ge-/Missbrauch des Sports im 20. Jahrhundert

Seminararbeit 2009 8 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

1. Einleitung und Fragestellung

"Man gebe der Deutschen Nation sechs Millionen sportlich tadellos trainierte Körper, alle von fanatischer Vaterlandsliebe durchglüht und zu höchstem Angriffsgeist erzogen, und ein nationaler Staat wird aus ihnen, wenn notwendig, in nicht einmal zwei Jahren eine Armee geschaffen haben" (Hitler, 1934, S. 184-185). Pabst (1980) ist der Meinung, dass der politische Charakter der nationalsozialistischen Auffassung von Sport durch nichts besser bewiesen werden kann, als durch dieses Zitat aus Adolf Hitlers 'Mein Kampf'. Ausserdem nimmt er an, dass sich der Sport, auch wenn von der breiten Masse als Gegenpol zur Leistung und nicht in geringstem Masse als politisch betrachtet - obwohl "als integraler Teil der Gesellschaft per se politische Wirkkraft" (S. 20) besitzend - nicht von der Politik trennen lässt. Denn der Sport ist eng mit der jeweiligen konkreten historischen Situation verknüpft und stellt somit keinen gesellschaftlichen Freiraum dar. Ausserdem bedienen sich viele politische Systeme, über die systembedingte Einengung des Aktionsradius hinaus, des Sports als Instrument der Politik. Dies ist in allen sozialistischen Staaten, den meisten Ländern der Dritten Welt, aber auch in einigen totalitären Regimen sowie in westlichen Demokratien der Fall (Pabst, 1980).

Eine äusserst wichtige Rolle nahm der Sport in der Politik der DDR ein, in welcher er nicht dem Selbstzweck diente, sondern dem Sozialismus als Mittel zum Zweck dienlich war (Holzweissig, 1988). Gemäss Pabst (1980) soll der Sport für die DDR sogar eines der wichtigsten Mittel überhaupt gewesen sein. Ergänzend dazu erwähnt Holzweissig (1988), dass es schon zur Zeit der Weimarer Republik für kommunistische Funktionäre keine Trennung zwischen Sport und Politik gab. Der Sport sei für sie also kein Selbstzweck, sondern ein Instrument des Klassenkampfes.

In meiner Arbeit wird nun nicht auf die Frage eingegangen, ob die Politik sich des Sport als Mittel der Macht bedient, sondern auf welche Art und Weise die Einwirkungen der Politik in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR auf den Sport ersichtlich wurden und in welchem Masse sie diesen beeinflusst haben.

Forschungsstand

Zustände zur Zeit der SBZ (1945-1949)

Die Sportbeziehungen der DDR (damals SBZ) mit der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern waren besonders entfaltet und durch regelmässige Treffen zum Zwecke der Verständigung über das gemeinsame Vorgehen in Fragen der internationalen Sportpolitik gekennzeichnet, da die DDR gemäss Holzweissig (1988) davon ausging, dass Vergleiche mit westlichen Ländern auch ein Teil der Klassenauseinandersetzung zwischen Sozialismus und Imperialismus seien. Die sozialistischen Bruderländer wurden - ungeachtet sportlicher Rivalitäten - als Bruderländer bezeichnet (Holzweissig, 1988). Ausserdem wurde die politische Instrumentalisierung des Sports in der SBZ nach dem Vorbild der sowjetischen Sportentwicklung organisiert, was sich in einer engen gesellschaftspolitischen Verflechtung ausdrückte und somit vom Stalinismus unausweichlich mitbestimmt war (Hofmann, 1967).

Trotz aller Widersprüchlichkeiten der örtlichen Kommandanten und Offiziere nach einheitlichen politisch-ideologischen Grundsätzen, begann die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit der Requirierung der Geld- und Sachmittel vieler Sportvereine. Durch dieses Verunmöglichen der materiellen Entfaltungsmöglichkeiten sowie der politischen Entmündigung dieser Vereine, kamen die stalinistischen Praktiken hinter diesen ungerechtfertigten Vorgehen gemäss Kühnst (1982) am besten zum Ausdruck. Am 1. August 1948 kündigte die SMAD gemeinsam mit der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) die Gründung des Deutschen Sportausschusses (DS) an, in dessen Organisationsstruktur die FDJ-Sportgruppen und die Gemeinschaften des Kommunalsports aufgehen sollten, wodurch der Sport endgültig der SED untergeordnet werden konnte (Knecht, 1978). Die Sportbewegung sollte nun "als politisches Instrument zur Legitimation und zur Stabilisierung der Macht der KPD bzw. SED dienen. Ein Bruch mit den Vertretern des traditionellen Arbeitersports war also unumgänglich geworden" (Kühnst, 1982, S. 36). Dazu Walter Ulbricht im Sommer 1955: "Unsere Sportbewegung soll ihrem Inhalt nach sozialistisch werden" (Ulbricht, 1955, zitiert nach Theorie und Praxis der Körperkultur 18, 1969, S. 12-22).

Aufgrund der zunehmenden Widersprüche von Tulpanow, Informationsoffizier der SMAD, und Semjonow, Leiter der SMAD und späterer Hochkommissar, bezüglich der Ansichten der Eigenstaatlichkeit - Teilstaat oder neutrales Deutschland - der SBZ, gelang es der SED "unter Ausnutzung dieser ambivalenten Deutschland-Politik der KPdSU den Sport als wesentlichen Bestandteil ihrer Jugend- und Kulturpolitik in einer 'Sowohl-als-auch-Praxis' zum gesellschaftspolitischen Nachweis einer kulturellen und damit moralischen Systemüberlegenheit gegenüber der Bundesrepublik 1949 an einzusetzen" (Kühnst, 1982, S. 69).

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Details

Seiten
8
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656518464
ISBN (Buch)
9783656574910
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263040
Institution / Hochschule
Universität Basel – Institut für Sport und Sportwissenschaften (ISSW)
Note
5.5 (entspricht 1,5)
Schlagworte
politische ge-/missbrauch sports jahrhundert

Autor

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Titel: Der Politische Ge-/Missbrauch des Sports im 20. Jahrhundert