Lade Inhalt...

Die Wirtschaft des Deutschen Ordens im Heiligen Römischen Reich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einnahmen
2.1 Landwirtschaft
2.2 Viehzucht
2.3 Landwirtschaftliche Nebenbetriebe
2.4 Bewirtschaftungsformen
2.5 Verschiedene Vorrechte
2.6 Hospitäler

3. Weinbau

4. Ausgaben
4.1 Versorgung der Ordensbrüder und Abgaben an den Hoch- und Deutschmeister
4.2 Abgaben an den Landesherren
4.3 Bautätigkeit, Arrondierung und Streitigkeiten

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Während des dritten Kreuzzugs (1189-1192) wurde die Stadt Akkon von muslimischen Truppen belagert. Um 1190 kamen Seefahrer aus Bremen und Lübeck nach Akkon und errichteten hier für die christlichen Kämpfer ein Hospital. Mit diesem Feldspital wurde der Grundstein des Deutschen Ordens gelegt, dessen Brüder gelobten, für Kranke und Bedürftige zu sorgen und für die Ausbreitung des Christentums zu kämpfen. [1] Der Deutsche Orden orientierte sich an den beiden anderen großen Ritterorden seiner Zeit, den Templern und den Johannitern, und wurde 1198 ebenfalls zum Ritterorden erhoben. [2] Die Ordensbrüder erfüllten zwar weiterhin ihre Hospitalaufgaben, jedoch traten diese mit der Zeit immer mehr hinter die ritterlichen Aufgaben zurück. Der Deutsche Orden kämpfte bis zum Verlust von Akkon 1291 im Heiligen Land und später in Siebenbürgen, im Baltikum und in Preußen. Für die Finanzierung all dieser Unternehmungen sorgten zahlreiche Schenkungen von Unterstützern des Deutschen Ordens. Diese reichten von Königen der europäischen Reiche über den Kleinadel bis hin zu Kaufmännern großer Städte. Die Schenkungen konnten mitunter auch aus Geldgeschenken bestehen, doch den größten Teil machte die Übertragung von Ländereien an den Deutschen Orden aus. Somit kam der Orden in zahlreichen Gebieten Europas in den Besitz von Ländereien; unter anderen in Griechenland, in Siebenbürgen, auf Sizilien, in Italien, in Nord- und Südfrankreich, in Spanien und sogar in Schweden. [3] Die wichtigsten Balleien des Deutschen Ordens lagen jedoch innerhalb des Heiligen Römischen Reichs. Die hier erwirtschafteten Überschüsse und rekrutierten Truppen bildeten eine lebenswichtige Unterstützung für den Kampf der Ordensbrüder im Baltikum und in Preußen. [4] Trotz der oft als Belastung empfundenen Abgaben an die Ordensleitung auf der Marienburg, konnte sich der Deutsche Orden seit dem 13. Jahrhundert in vielen Gebieten des Heiligen Römischen Reichs ausbreiten, indem er immer neue Ländereien hinzukaufte. Die deutschordentlichen Balleien im Reich erlebten in dieser Zeit eine anderthalb Jahrhunderte andauernde Blütezeit bis Mitte des 14. Jahrhunderts erste Berichte über hochgradig verschuldete oder verarmte Ordenshäuser auftauchten und den Deutschen Orden in der Folgezeit in eine handfeste Wirtschaftskrise stürzten. [5]

In der vorliegenden Arbeit soll diese Blütezeit des Deutschen Ordens näher betrachtet werden und Aufschluss darüber geben werden, wie die Ordensbrüder ihren Lebensunterhalt erwirtschafteten und darüber hinaus auch noch den Heidenkampf im Osten finanzieren und die Erweiterung des Ordensbesitzes im Heiligen Römischen Reich schultern konnten. Der Fokus dieser Arbeit liegt vorwiegend auf der Ballei Thüringen und den Ausarbeitungen Bernhard Sommerlads zu diesem Thema, [6] jedoch sollen Beispiele aus anderen deutschordentlichen Balleien des Reichs das Bild vervollständigen und einen Überblick über die gesamte Wirtschaft des Deutschen Ordens innerhalb des Heiligen Römischen Reichs ermöglichen. Der zeitliche Rahmen dieser Arbeit erstreckt sich dabei von den Anfängen des Ordens im Reich bis zum Einsetzen der oben angesprochenen Wirtschaftskrise, welche nicht Gegenstand der Ausarbeitungen sein wird.

2. Einnahmen

Ohne eine ausreichende wirtschaftliche Grundlage ließen sich die Ziele des Deutsche Ordens nicht verwirklichen, somit mussten die Ordensleiter darauf bedacht sein, ihre Besitzungen effektiv zu nutzen. [7] Die einzelnen Ländereien des Ordens wurden in Balleien zusammengefasst und innerhalb dieser in einzelne Kommenden unterteilt. „Die Ballei mit dem Landkomtur an der Spitze war eine Verwaltungseinheit ohne eigene Wirtschaftsorganisation.“ [8] Die Leiter der Kommenden (Komture) unterstützten die Landkomture in ihren Aufgaben und mussten ihnen dafür Abgaben leisten. Der Deutsche Orden brauchte sich aber nicht nur auf die Wirtschaftsleistung seiner einzelnen Besitzungen zu verlassen, da zahlreiche Landesherren, Angehörige von Ordensmitgliedern und andere führende Schichten des Heiligen Römischen Reichs den Ritterorden unterstützten. [9] Diese Unterstützung fand in Form von Geld, Schenkungen von Ländereien und der Garantie von Privilegien statt. [10] Vor allem aufgrund der großzügigen Unterstützung innerhalb des Heiligen Römischen Reichs konnte der Deutsche Orden hier seinen Besitz massiv vermehren und effektiv nutzen.

2.1 Landwirtschaft

Die Basis für eine effektive Nutzung bildete fast überall im Reich der Ertrag aus der Landwirtschaft. [11] Die Ordensbrüder bauten auf ihren Grundstücken Getreide, Heu, Gemüse, Gartengewächse, Waid und Wein an. Die Kommenden des Deutschen Ordens führten durchweg eine Landwirtschaft, die als vorbildlich gerühmt wurde. [12] In der Ballei Thüringen wurden vor allem Roggen, Gerste, Hafer, Mohn, Erbsen und Waid angebaut. [13] Die Thüringer Ordensbrüder bauten verhältnismäßig wenig Weizen an, wohingegen der Weizenanbau in anderen Balleien des Reichs – beispielsweise im Rheingebiet – große Ausmaße annahm. [14] Der Getreideanbau diente nicht nur der Versorgung der deutschordentlichen Brüder, sondern die Überschüsse aus der Landwirtschaft wurden auch auf den lokalen Märkten feilgeboten. [15] Hierbei kamen dem Deutschen Orden die Privilegien der Landesherren zu Gute, denn die oft gewährte Befreiung von Zollabgaben ermöglichte es ihm, das Getreide auch auf weiter entfernten Märkten anzubieten, um so einen besseren Preis für die Waren des Ordens erhalten zu können. Die Marktpreise schwankten allerdings von Jahr zu Jahr erheblich; je nach Ausfall der Ernte. Einfacher war es hingegen, die Entwicklung von Angebot und Nachfrage innerhalb eines Jahres zu berechnen. Einige Kommenden konnten ihre Überschüsse in ihren eigenen Getreidespeichern lagern bis der günstigste Punkt – zum Beispiel nach einer schlechten Ernte – gekommen war, um dann das Getreide mit einem größeren Gewinn zu verkaufen. [16] Um Überschüsse zu erwirtschaften war die Qualität des Bodens von großer Wichtigkeit. Für einen ertragreicheren Boden nutzten die Ordensbrüder den Mist ihres Viehs, den sie auf ihren Äckern verteilten und untergruben. Der Bedarf an Düngemittel für die Felder war so hoch, dass Kommenden sogar Mist aus anderen Regionen importieren mussten. [17] Neben der Düngung mit Mist wurden auch Heu und Stroh verwendet, welche man auf den Feldern verrotten ließ und anschließend unterpflügte. [18]

Im Mittelalter war der Waid als einziges Färbemittel unentbehrlich für die Tuchmacherei. Die Thüringer bauten dieses sogenannte goldene Vlies des Thüringer Landes hauptsächlich im Gebiet um Erfurt und der Hainleite an. [19] Der Deutsche Orden beteiligte sich auch am Anbau dieser wichtigen Pflanze, doch nur in einem sehr geringen Maße. Vor allem die Ordenshäuser, die sich in den traditionellen Anbaugebieten des Waids befanden, bepflanzten ihre Felder mit dem wichtigen Färbemittel. [20] Mit der Entdeckung und Einfuhr des Indigos verlor der Waidanbau – nicht nur in Thüringen – immer mehr an Bedeutung bis er vollständig eingestellt wurde. Jedoch stellte man sich gerade in Thüringen der Einfuhr des Indigos erbittert entgegen, sodass dort der Waidanbau noch Ende des 17. Jahrhunderts große Gewinne abwarf. [21] Die Haupteinnahmequelle des Deutschen Ordens bildete zwar die Landwirtschaft, doch waren ihre Einkünfte damit weitestgehend von äußeren Faktoren wie Natureinflüssen, Kriegen und der Pest abhängig. „Insbesondere im 15. Jahrhundert kam es zu massiven Zerstörungen und Wüstungen durch Kriege und Fehden im Reich wie in Preußen.“ [22]

Wälder stellten ebenfalls einen landwirtschaftlich nutzbaren Raum für den Orden dar. Die zahlreichen Bäume dienten den Ordensbrüdern als Bau- und Brennmaterial. Ältere, starke Eichenstämme wurden hier als Bauholz verwendet und jüngere Bäume als Brennholz. Darüber hinaus diente das Holz auch als Zahlungsmittel für Bedienstete des Ordens. [23] Die Ritterbrüder des Deutschen Ordens, fast ausschließlich dem Niederadel entstammend, nutzten den Wald auch um auf die Jagd zu gehen. [24] Somit ermöglichte der deutschordentliche Waldbesitz ebenfalls die standesgemäße Unterbringung der adligen Ordensbrüder.

[...]


[1] Vgl. Militzer, Klaus: Die Einbindung des Deutschen Ordens in das europäische Finanzsystem. In: Roman Czaja und Jürgen Sarnowsky (Hrsg.): Die Ritterorden in der europäischen Wirtschaft des Mittelalters, Toruń: 2003, S. 8.

[2] Vgl. Arnold, Udo: Agrarwirtschaft im Deutschen Orden. Besitzverwaltung und Bewirtschaftungsformen des landwirtschaftlichen Besitzes im Deutschen Reich bis zur Reformationszeit. In: Udo Arnold (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte des Deutschen Ordens Band 1, Marburg: 1986, S. 47 und Militzer, Klaus: Die Einbindung des Deutschen Ordens in das europäische Finanzsystem, Toruń: 2003, S. 8.

[3] Vgl. Militzer, Klaus: Die Einbindung des Deutschen Ordens in das europäische Finanzsystem, Toruń: 2003, S. 1 sowie 7f.

[4] Vgl. Ebd. S. 8.

[5] Vgl. Sommerlad, Bernhard: Der Deutsche Orden in Thüringen. Geschichte der Deutschordensballei Thüringen von ihrer Gründung bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts, Halle (Saale): 1931, S. 50 und 56f. sowie Jähnig, Bernhart: Der Deutsche Orden und seine Ballei Thüringen im Mittelalter. In: Udo Arnold (Hrsg.): Deutscher Orden 1190-1990, Lüneburg: 1997, S. 340.

[6] Sommerlad, Bernhard: Der Deutsche Orden in Thüringen. Geschichte der Deutschordensballei Thüringen von ihrer Gründung bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts, Halle (Saale): 1931.

[7] Vgl. Sarnowsky, Jürgen: Der Deutsche Orden, München: 2007, S. 72.

[8] Militzer, Klaus: Die Wirtschaftstätigkeit ländlicher und städtischer Deutschordenshäuser. Ein Überblick. In: Udo Arnold (Hrsg.): Zur Wirtschaftsentwicklung des Deutschen Ordens im Mittelalter, Marburg: 1989, S. 5.

[9] Vgl. Jähnig, Bernhart: Der Deutsche Orden, Lüneburg: 1997, S. 340.

[10] So bestätigte beispielsweise König Ottokar I. von Böhmen 1222 alle Schenkungen des Deutschen Ordens in der Ballei Böhmen-Mähren und befreite alle Güter des Ritterordens von der niederen Gerichtsbarkeit, allen Zöllen und Abgaben. Vgl. Militzer, Klaus: Von Akkon zur Marienburg. Verfassung, Verwaltung und Sozialstruktur des Deutschen Ordens 1190-1309, Marburg: 1999, S. 242f.

[11] Vgl. Sarnowsky, Jürgen: Der Deutsche Orden, München: 2007, S. 72.

[12] Vgl. Sommerlad, Bernhard: Der Deutsche Orden in Thüringen, Halle (Saale): 1931, S. 109.

[13] Vgl. Ebd. S. 109.

[14] Vgl. Eickels, Klaus van: Die Deutschordensballei Koblenz und ihre Wirtschaftliche Entwicklung im Spätmittelalter, Marburg: 1995, S. 106f. sowie Sommerlad, Bernhard: Der Deutsche Orden, Halle (Saale): 1931, S. 110.

[15] Vgl. Eickels, Klaus van: Wein, Zölle, Kredite. Wirtschaftliche Struktur, Verwaltungsaufgaben und Funktion der Deutschordensballei Koblenz für den Hochmeister. In: Roman Czaja und Jürgen Sarnowsky (Hrsg.): Die Ritterorden in der europäischen Wirtschaft des Mittelalters, Toruń: 2003, S. 137.

[16] Vgl. Eickels, Klaus van: Die Deutschordensballei Koblenz, Marburg: 1995, S. 107.

[17] Vgl. Eickels, Klaus van: Die Deutschordensballei Koblenz und ihre Wirtschaftliche Entwicklung im Spätmittelalter, Marburg: 1995, S. 123.

[18] Vgl. Schöffler, Ekhard: Die Deutschordenskommende Münnerstadt. Untersuchungen zur Besitz-, Wirtschafts- und Personalgeschichte, Marburg: 1991, S. 206.

[19] Vgl. Sommerlad, Bernhard: Der Deutsche Orden, Halle (Saale): 1931, S. 115f.

[20] Vgl. Ebd. S. 116f.

[21] Vgl. Sommerlad, Bernhard: Der Deutsche Orden, Halle (Saale): 1931, S. 116f.

[22] Vgl. Sarnowsky, Jürgen: Der Deutsche Orden, München: 2007, S. 72.

[23] Vgl. Schöffler, Ekhard: Die Deutschordenskommende Münnerstadt, Marburg: 1991, S. 226.

[24] Vgl. Arnold, Udo: Agrarwirtschaft im Deutschen Orden, Marburg: 1986, S. 62.

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Wirtschaft des Deutschen Ordens im Heiligen Römischen Reich