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Kritische Analyse zum Einfluss elektronischen Medienkonsums auf den Schlaf von Kindern und Jugendlichen und den daraus resultierenden Folgen

Bachelorarbeit 2013 41 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Entwicklung des Schlafes nach Altersstufen

3. Zirkadianer Rhythmus

4. Funktion des Schlafes

5. Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

6. Einfluss des elektronischen Medienkonsums auf den Schlaf
6.1 Schlaf und Fernsehen
6.2 Schlaf und Computer
6.3 Schlaf und Nutzung von Mobiltelefonen
6.4 Diskussion

7. Auswirkungen des Einflusses von Medienkonsum auf den Schlaf
7.1 Medienkonsum und schulische Leistungsfähigkeit
7.2 Schlaf und schulische Leistungsfähigkeit
7.3 Medienkonsum, Schlaf und Körperkomposition
7.4 Zwischenfazit

8. Handlungsbedarf und Handlungsstrategien

9. Fazit

Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Elektronische Medien sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Dies gilt für das Berufsleben als auch für den Alltag. Heutzutage gibt es nahezu keinen Beruf, in welchem man ohne Computer auskommen kann. Auch in der Freizeit sind das Handy, der Fernseher oder das Radio allgegenwärtige Lieferanten von Unterhaltung und Informationen. Für Kinder und Jugendliche, die in dieser Medienwelt aufwachsen, ist es eine Selbstverständlichkeit, digitale Medien täglich für die Schule und private Interessen zu nutzen. Die Freizeitgestaltung hat sich dadurch entscheidend verändert. Eine steigende Anzahl Kinder und Jugendlichen besitzt einen eigenen Fernseher oder Computer und verbringt mehr und mehr Freizeit mit Fernsehen, Spielen von Computerspielen und Surfen im Internet. Andere Aktivitäten, wie das Engagement in Vereinen oder Organisationen, treten dadurch in den Hintergrund. Die Sozial- und Gesundheitsforschung untersucht seit mehreren Jahren die Risiken und die Potentiale dieser Entwicklung. Bisher standen dabei vor allem die Auswirkungen des Medienkonsums auf schulische Leistungen und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen im Vordergrund. Der mögliche Einfluss des Medienkonsums auf dem Schlaf wurde bisher nur am Rande diskutiert. Dabei ist der Schlaf einer der wichtigsten Faktoren zur Aufrechterhaltung der Gesundheit. Aus diesem Grund ist der Schlaf auch für die Public Health Forschung ein zentrales Thema (vgl. Baier et al. 2010; mpfs 2012).

Die deutsche Gesellschaft für Public Health e.V. definiert Public Health als „die Wissenschaft und die Praxis zur Verhinderung von Krankheiten, zur Verlängerung des Lebens und zur Förderung von physischer und psychischer Gesundheit unter Berücksichtigung einer gerechten Verteilung und einer effizienten Nutzung der vorhandenen Ressourcen“ (DGPH 2010). Eine wesentliche Voraussetzung für die physische und psychische Gesundheit ist der Schlaf. Wenn der Schlaf gestört ist, wird seine Erholungsfunktion eingeschränkt, was Befindungsstörungen, Leistungseinbußen und Krankheiten zur Folgen hat. Betroffene von Schlafstörungen werden daran gehindert, ihre privaten, sozialen, schulischen und beruflichen Ziele zu erreichen. Neben diesen personenbezogenen Auswirkungen eines gestörten Schlafes entstehen auch gesellschaftliche Kosten, beispielsweise durch Unfälle oder Krankschreibungen. Die Kostenentstehung durch Krankschreibungen scheint für die Gruppe von Kindern und Jugendlichen nicht von Interesse zu sein, tatsächlich kommt es jedoch häufig zu Chronifizierungen von Schlafstörungen, und somit gilt eine Schlafstörung im Kindes- oder Jugendalter auch als Risikofaktor für eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit im Berufsleben (vgl. Penzel et al. 2005; Schlarb et al. 2012).

Die im Kindes- und Jugendalter am häufigsten auftretende Schlafstörung ist die Insomnie. Zu der Gruppe der Insomnien gehören Beschwerden wie Einschlafschwierigkeiten, Durchschlafprobleme, frühmorgendliches Erwachen und nicht erholsamer Schlaf. Dadurch wiederum entstehen Beeinträchtigungen der Befindlichkeit am Tage, der Motivation, der Aufmerksamkeit und vieles mehr (vgl. Schlarb et al. 2012). Mehrere in Deutschland durchgeführte Studien zeigten eine hohe Prävalenz für Ein- und Durchschlafstörungen bei Grundschülern und Grundschülerinnen, welche zum Teil bei über 60% lag. Auch Tagesmüdigkeit, welche bei etwa 14% der Schüler und Schülerinnen mindestens gelegentlich auftritt, wurde ermittelt (vgl. Wiater 2011). Obwohl Schlafstörungen Schwankungen unterliegen, haben sie im Kindesalter gemeinsam, dass sie sich häufig chronifizieren. Eine prospektive Längsschnittstudie konnte zeigen, dass Kinder, welche im Alter von fünf Jahren mit Schlafproblemen diagnostiziert wurden, im Alter von zehn Jahren noch immer ein erhöhtes Risiko für Schlafprobleme aufwiesen (vgl. Schlarb et al. 2012).

Im Rahmen dieser Arbeit wird unter der Fragestellung „Welchen Einfluss hat der elektronische Medienkonsum auf den Schlaf von Kindern und Jugendlichen?“ diskutiert ob, und inwiefern der Medienkonsum den Schlaf verändert. Dafür wird im ersten Abschnitt dieser Arbeit ein Grundverständnis über den Schlaf aufgebaut. Es wird dabei auf die Entwicklung des Schlafes über die Altersstufen der Kindheit und Jugend eingegangen und der zirkadiane Rhythmus erklärt. Auch über die Funktion des Schlafes wird aufgeklärt. Anschließend wird die Verbreitung des Medienkonsums unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland beschrieben, um dann im nächsten Abschnitt die Forschungsergebnisse zum Einfluss des Medienkonsums auf den Schlaf von Kindern und Jugendlichen darzustellen und über diese zu diskutieren. Anschließend soll die Frage geklärt werden „Welche Auswirkungen hat der Einfluss des elektronischen Medienkonsums auf den Schlaf für die körperliche und geistliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen?“ Abschließend werden die daraus resultierenden Handlungsstrategien erörtert. In einem zusammenfassenden Fazit werden die Fragestellungen noch einmal aufgegriffen und beantwortet.

In dieser Arbeit wird sich auf die Zielgruppe von Kindern und Jugendlichen fokussiert. Für diese Gruppe ist der Schlaf besonders relevant, da er auch bei der Reifung des Gehirns eine entscheidende Rolle spielt. Zudem zählen Kinder und Jugendliche zu den häufigsten Nutzern von Computerspielen und reagieren besonders sensibel gegenüber Gewalteindrücken, welche in den Medien häufig dargestellt werden. Definiert wird die Kindheitsphase durch die Geburt bis zum Eintritt in die Jugendphase. In Deutschland gibt es kein Gesetz, welches den genauen Zeitpunkt des Eintritts der Jugendphase festlegt, nach allgemeinem Verständnis liegt der Übergang von Kindheit zur Jugend jedoch bei etwa zwölf Jahren. Die Jugendphase endet mit dem Eintritt des Erwachsenenalters mit 18 Jahren (vgl. Honig 2008).

2. Entwicklung des Schlafes nach Altersstufen

Erst vor etwa 50 Jahren fanden Wissenschaftler heraus, dass der Schlaf durch verschiedene Stadien geprägt ist und mittlerweile kann mittels EEG gemessen werden, wie sich die Gehirnaktivität während des Schlafes verändert. Hierbei wird der REM-Schlaf vom Nicht-REM-Schlaf unterschieden. REM steht für rapid eye movement (= schnelle Augenbewegung). In der Alltagssprache wird der REM-Schlaf als Traumschlaf bezeichnet. Der Nicht-REM-Schlaf untergliedert sich in vier Stadien, wobei im Stadium IV der tiefste Schlaf erreicht wird. Die Stufen I und II des Nicht-REM-Schlafes werden auch als Leichtschlaf bezeichnet und die Stufen III und IV als Tiefschlaf. Mit dem Einschlafen fällt der Schläfer oder die Schläferin zunächst in den REM-Schlaf und sinkt dann immer tiefer in den Nicht-REM Schlaf. In der ersten Nachthälfte wird der Schläfer oder die Schläferin gewöhnlich für längere Zeit in der Tiefschlafphase bleiben. In dieser Phase wird die Atmung sehr ruhig und der Herzschlag sehr regelmäßig. Da die Weckschwelle sehr hoch ist, kann der Schläfer oder die Schläferin nur durch sehr laute Geräusche geweckt werden. Aus dieser Phase verfällt der oder die Schlafende in einen immer weniger tiefen Schlaf, bis der REM-Schlaf erreicht ist. Auch ein kurzes Aufwachen ist nun nicht ungewöhnlich. Bildlich kann es so dargestellt werden, als laufe der oder die Schlafende eine Treppe hinab, wobei er oder sie in einen immer tieferen Schlaf fällt, und dann die Treppe wieder hinaufsteigt, hin zum Traumschlaf und dem Erwachen. Anschließend werden alle Phasen erneut durchlaufen. Mit dem Fortschreiten der Nacht hin zum Morgen wird jedoch immer seltener der Tiefschlaf erreicht und der Schläfer oder die Schläferin bleibt für längere Zeit im Traumschlaf (vgl. Kastzahn et al. 2004; Schäfer 2011).

Säuglingsalter

Bei einem Neugeborenen ist es zunächst nicht möglich, die Gehirnaktivität differenziert genug auszuwerten, um den REM- vom Nicht-REM-Schlaf zu unterscheiden. Daher unterscheidet man bei Säuglingen den aktiven Schlaf und den ruhigen Schlaf, welcher mittels EEG, aber auch durch Verhaltensmerkmale gemessen wird. Der aktive Schlaf ist eine unreife Form des REM-Schlafes und der ruhige Schlaf ähnelt in seiner Struktur dem Tiefschlaf. Je älter das Neugeborene wird, umso deutlicher lassen sich diese zwei Phasen unterscheiden. Ist eine klare Unterscheidung jedoch nicht möglich, wie es bei unreifen Neugeborenen häufig der Fall ist, spricht man von interdeminierten Schlaf. Der Traumschlaf macht bei einem Neugeborenen noch 50% des Schlafes aus, doch bereits ab dem dritten Lebensjahr nur noch 25% und somit genauso viel wie bei einem Erwachsenen. Ab dem sechsten Lebensmonat kann der kindliche Schlaf in der Regel mit denselben Instrumenten wie beim Erwachsenen gemessen werden. Die einzelnen Schlafperioden sind nun von längerer Dauer und finden hauptsächlich während der Nacht statt. Die Schlafdauer verkürzt sich von durchschnittlich 16,5 Stunden in der ersten Lebenswoche auf durchschnittlich 14,5 Stunden im sechsten Lebensmonat (vgl. Kastzahn et al. 2004, Schäfer 2011).

Kleinkind- und Vorschulalter

Die Schlafenszeit von Kindern zwischen eineinhalb und fünf Jahren beträgt durchschnittlich etwa 11,5 Stunden. Mit Eintritt des vierten Lebensjahres fällt der Schlaf während des Tages in der Regel weg. Nächtliches Aufwachen tritt in dieser Altersgruppe laut Elternbefragungen bei 10% der Kinder mindestens einmal pro Nacht auf (vgl. Kastzahn et al. 2004, Schäfer 2011).

Grundschulalter

Die Schlafdauer von Grundschulkindern beträgt durchschnittlich nur noch zehn Stunden und sinkt mit jedem Lebensjahr weiter ab. Die Aufstehzeit liegt gleichbleibend bei 7 Uhr, wobei die Zubettgehzeit später wird. Im Gegensatz zu jüngeren Kindern leidet diese Altersgruppe häufiger unter Schläfrigkeit am Morgen. Außerdem schlafen Kinder dieser Altersgruppe häufiger unbeabsichtigt ein (vgl. Kastzahn et al. 2004, Schäfer 2011).

Jugend

Obwohl Schlaflaboruntersuchen nahelegen, dass sich das Schlafbedürfnis von der Kindheit bis ins Jugendalter kaum verändert, schlafen Jugendliche deutlich weniger. Sechszehnjährige Jugendliche schlafen durchschnittlich nur noch 7,5 Stunden, was auf deutlich spätere Zubettgehzeiten mit derselben durchschnittlichen Aufstehzeit von 7 Uhr zurückzuführen ist. Dass dieses Schlafverhalten nicht dem Bedürfnis entspricht, zeigt das Schlafverhalten bei Jugendlichen am Wochenende. Die Zubettgehzeit verschiebt sich hier lediglich um 1 bis 2 Stunden nach hinten, die Aufstehzeit verschiebt sich jedoch bei jüngeren Jugendlichen um 1,5 bis 3 Stunden nach hinten. Ältere Jugendliche stehen am Wochenende sogar 3 bis 4 Stunden später auf (vgl. Kastzahn et al. 2004; Schäfer 2011). Hierdurch zeigt sich, dass Jugendliche, wenn sie nicht durch den Schulbeginn zum Aufstehen gezwungen werden, bis zu 3,5 Stunden länger schlafen und mit einer Gesamtschlafdauer von 10,5 Stunden dem Schlafpensum von Siebenjährigen nahekommen. Weshalb Jugendliche nicht früher zu Bett gehen, um somit ihrem Schlafbedürfnis gerecht zu werden, kann neben Schulanforderungen und Nebenjobs vielerlei Gründe haben. In dieser Arbeit soll unter anderem gezeigt werden, welchen Einfluss der Medienkonsum auf die Zubettgehzeit hat.

3. Zirkadianer Rhythmus

Bereits vor 277 Jahren wurde entdeckt, dass alle lebenden Organismen, bis auf Höhlen- und Tiefseebewohner, dem Tag-Nacht-Rhythmus unterworfen sind (vgl. Staedt/Riemann 2007). Einige Lebewesen ruhen am Tag und sind nachtaktiv, andere Lebewesen, wie auch der Mensch, ruhen in der Nacht und sind am Tag wach. Diese innere Uhr ist genetisch programmiert und hat einen Rhythmus von etwa 24 Stunden. Man spricht daher vom zirkadianen Rhythmus, wobei das Wort zirkadian aus dem lateinischen abgeleitet ist und „circa“ ungefähr bedeutet und „dies“ Tag. Gesteuert wird dieser Rhythmus durch Umwelteinflüsse, insbesondere das Licht spielt hierbei eine entscheidende Rolle (vgl. Cajochen 2005). Die gesamte Körperfunktion ist auf diesen Rhythmus ausgelegt und wenn der Mensch entgegen der inneren Uhr am Tage schläft und während der Nacht wacht ist, wie es beispielsweise bei Schichtarbeit der Fall sein kann, kommt es zu erheblichen physiologischen Beeinträchtigungen. Die entstehenden physiologischen Desynchronisationen äußern sich unter anderem durch Beschwerden des Magen-Darm Bereichs und des Herzkreislaufsystems (vgl. Beermann 2008). Grundsätzlich ist es nicht möglich, den entgangenen nächtlichen Schlaf am Tag nachzuholen. Auch wenn in einer 24-Stunden Periode ausreichend Schlaf erfolgte, kann der Schlaf am Tag typischen Symptomen des Schlafentzugs, wie Müdigkeit, nicht entgegenwirken (vgl. Mesquita et al. 2007). Weshalb diese Erkenntnis von Bedeutung ist, wird im Teil 6 dieser Arbeit deutlich, in welchem unter anderem das Potential zur Schlafverschiebung durch Medienkonsum diskutiert wird.

4. Funktion des Schlafes

Während des Schlafes befindet sich der Körper in einem Ruhezustand und nur das Gehirn bleibt aktiv. Durch diese Aktivität werden nicht nur Erinnerungen und Gelerntes gefestigt, sondern auch die psychische Gesundheit, das Immunsystem und das Körperwachstum unterstützt. Schlafwissenschaftler unterscheiden zwei Dimensionen zur Beurteilung eines angemessenen und ausreichenden Schlafes. Die Quantität des Schlafes ist die erste Dimension. Hierbei handelt es sich um die Gesamtdauer des Schlafes, welche durch frühes Aufwachen und eine lange Einschlafdauer beeinträchtigt werden können. Die zweite Dimension ist die Qualität des Schlafes. Die Schlafqualität kann durch Albträume, nächtliches Aufwachen und irreguläre Schlafzeiten gestört werden (vgl. Zimmerman 2008).

Bei einem unzureichenden Schlaf ist die exekutive Funktion des Gehirns als erstes beeinträchtigt, wodurch es zu einer verminderten Fähigkeit zum Planen, Organisieren und Aufnehmen von Informationen kommt. Weiterhin gibt es Assoziationen zwischen Qualität oder Quantität des Schlafs und einer reduzierten Kreativität, vermindertem Gedächtnisvermögens, Stürzen und Verletzungen, Verhaltensauffälligkeiten und Schulversagen. Auch gibt es Studien, die einen Zusammenhang von Schlaf und der Regulation des Metabolismus zeigen, wodurch eine Verbindung von Schlaf und Übergewicht, sowie Diabetes, naheliegt (vgl. Zimmerman 2008). Diese Zusammenhänge werden im siebten Abschnitt dieser Arbeit genauer untersucht.

5. Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Jedes Jahr untersucht der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest die Mediennutzung von Jugendlichen. Hierfür werden in der Langzeitstudie „Jugend, Information, (Multi-) Media Studie“ (JIM-Studie) 12- bis 19-Jährige zur ihrem Medienverhalten befragt. In diesem Bericht werden die Ergebnisse der JIM-Studie 2012 differenziert dargestellt. Bestimmte Aspekte werden mit den Ergebnissen der JIM-Studie 2000 verglichen, um zu beleuchten, in wie weit sich das Medienverhalten der Jugendlichen in den letzten zwölf Jahren verändert hat. Für die JIM-Studie 2012 wurden eine repräsentative Stichprobe von 1201 Zielpersonen per Telefon befragt. Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse: Zur Grundausstattung der Haushalte der befragten Jugendlichen gehört ein Computer und/oder Laptop. Dieser war bei 100% der Befragten vorhanden. Über einen Fernseher, Handy und Internetzugang verfügen jeweils 98%. Eine feste Spielkonsole ist in 74% der Haushalte vorhanden. Neben der Haushaltsaustattung spielt auch der Besitz von eigenen Mediengeräten eine zentrale Rolle, denn über diese Geräte können die Jugendlichen oft selbst bestimmen und die Inhalte und Zeitpunkte der Nutzung eigenständig festlegen. Von den befragten Jugendlichen besitzen 79% der Mädchen und 85% der Jungen einen eigenen Computer oder Laptop. Knapp neun von zehn Jugendlichen können aus ihrem Zimmer per Laptop oder Computer auf das Internet zugreifen. Einen eigenen Fernseher besitzen 64% der Jungen und 55% der Mädchen. Bei dem Besitz von Handys liegen Mädchen mit 98% knapp vor den Jungen mit 95%. Der größte Geschlechtsunterschied zeigt sich bei dem Besitz einer festen Spielkonsole. Diese besitzen 61% der Jungen und nur 38% der Mädchen. Auch für verschiedene Bildungsgruppen zeigen sich unterschiedliche Häufigkeiten des Besitzes von Mediengeräten. Jugendliche, die eine Hauptschule besuchen bzw. einen entsprechenden Abschluss haben, besitzen häufiger einen eigenen Fernsehen und eine feste Spielkonsole als Gymnasiasten. Interessanter als die Ausstattung mit entsprechenden Medien ist jedoch die Beschäftigung mit ihnen. Von den Befragten geben 68% an, täglich das Internet zu nutzen. Täglich nutzen die Jugendlichen zu 62% den Fernseher und das Handy zu 83%. Zur Nutzungsdauer sagen die Jugendlichen aus, dass sie nach eigener Einschätzung an Wochentagen durchschnittlich 111 Minuten fernsehen. Gymnasiasten sehen mit durchschnittlich 96 Minuten weniger fern als Hauptschüler mit 137 Minuten. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Spieldauer. Hierzu zählen sowohl Computer-, Konsolen- und Onlinespiele. Die befragten Jungen bringen hierfür an Wochentagen durchschnittlich 70 Minuten auf und am Wochenende 96 Minuten. Mädchen verbringen weniger Zeit mit dem Spielen. An Wochentagen spielen sie durchschnittlich 49 Minuten und am Wochenende 62 Minuten. Die JIM-Studie erfasst auch, in welchem Maße die Altersfreigaben für entsprechende Spiele von den Jugendlichen beachtet werden. Von den Jungen gaben 83% an, bereits Spiele gespielt zu haben, die für ihr Alter nicht freigegeben waren. Bei den Mädchen waren es 34%. Von den Spielern gaben außerdem 34% an, besonders brutale bzw. gewalthaltige Spiele zu bevorzugen. Bei den Mädchen sind es nur 10%. Zu diesen besonders gewalthaltigen Spielen gehört beispielsweise „Call of Duty“, welches von 22% der Jungen sogar insgesamt als Lieblingsspiel aufgeführt wird (vgl. mpfs 2012).

Im Vergleich zur JIM-Studie 2000 hat sich gezeigt, dass der Besitz eines eigenen Computers gestiegen ist und zwar um 36 Prozentpunkte. Einen noch größeren Anstieg zeigt sich beim Besitz des eigenen Mobiltelefons von 49% in 2000 auf 96,5% in 2012. Einen leichten Rückgang gab es beim Besitz eines eigenen Fernsehgerätes. Im Jahr 2000 gaben noch 67% der Jugendlichen an, einen eigenen Fernseher zu besitzen, während es im Jahr 2012 nur noch knapp unter 60% waren (vgl. mpfs 2000; mpfs 2012).

Frölich und Lehmkuhl verdeutlichen die Mediennutzung von Jugendlichen durch die Schilderungen eines 17 Jahre alten Jungen: „, Wenn ich von der Schule nach Hause komme, schalte ich meist als erstes meinen PC an und mache dann meine Hausaufgaben. Wenn ich dann fertig bin, schalte ich den Fernseher noch ein und das Handy ist immer an, damit ich auch für jeden erreichbar bin. Meinen PC lasse ich die meiste Zeit über an, damit ich auch immer weiß, was alles aktuell ist oder was alles passiert´“ (Frölich/Lehmkuhl 2012, 13).

Aufschluss über die Mediennutzung von jüngeren Kindern gibt eine bundesweite repräsentative Schülerbefragungen des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen E.V. Für diese Untersuchung wurden insgesamt 5531 Schüler und Schülerinnen der vierten Jahrgangsstufe befragt. Etwa jedes vierte Kind (26,8%) gab an, eine Spielekonsole im Zimmer stehen zu haben. Mehr als ein Drittel der Kinder haben jeweils einen Fernseher (36,1%) und einen Computer (36,0%). Diese Angaben erweisen sich als Ethnien-, status-, geschlechtsabhängig. Die Jungen haben insgesamt häufiger eigene elektronische Medien im Kinderzimmer als Mädchen. Am größten ist dieser Unterschied bei den Spielekonsolen, welche bei 38,1% der Jungen im Zimmer vorhanden ist und nur bei 15,6% der Mädchen. Kinder, deren Eltern laut Lehrerangaben ein höheres Bildungsniveau haben, verfügen seltener über elektronische Medien im Kinderzimmer als die Kinder, deren Eltern ein niedrigeres Bildungsniveau aufweisen. Der Unterschied ist mit 31,3% zu 57,3% beim Fernseher und 22,4% zu 42,7% bei Spielekonsolen beachtlich. Außerdem zeigt die Befragung, dass bei nicht-deutschen Kindern (inkl. deutsch mit Migrationshintergrund) häufiger entsprechende Geräte im Kinderzimmer zu finden sind als bei deutschen Kinder. Interessanter als das Vorhandensein dieser Medien ist jedoch die Nutzungsdauer. In dieser Untersuchung wurde die Nutzungsdauer der Viertklässler und Viertklässlerinnen erfasst, indem die befragten Kinder auf einem Zeitplan eintrugen, für wie lange sie am Vortag Tätigkeiten wie Fernsehen, Videos ansehen und Computer- und Konsolenspielen nachgegangen sind. Das Ergebnis zeigte, dass die befragten Kinder im Durchschnitt fast zwei Stunden eines Wochentages Medien konsumieren. Davon werden im Durchschnitt 88 Minuten mit dem Fernsehen und Video schauen verbracht und 28 Minuten mit Computer- und Konsolenspielen. Zur Erfassung der Nutzungsdauer wurde noch eine zweite Methode verwendet, bei denen die Kinder die durchschnittliche Zeit, welche sie mit dem Konsum von Medien verbringen, angaben. Diese Methode zeigte eine höhere durchschnittliche Nutzungsdauer, soll jedoch hier außer Acht gelassen werden, da nicht geklärt ist, inwieweit Kinder der vierten Klasse die Fähigkeit besitzen, Durchschnittswerte richtig zu berechnen (Baier et al. 2006). Da die Befragung bereits im Jahr 2005 durchgeführt wurde, ist davon auszugehen, dass die Werte, ähnlich wie bei den Jugendlichen, teilweise gestiegen sind.

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Details

Seiten
41
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656558729
ISBN (Buch)
9783656558736
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262936
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,7
Schlagworte
kritische analyse einfluss medienkonsums schlaf kindern jugendlichen folgen

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Titel: Kritische Analyse zum Einfluss elektronischen Medienkonsums auf den Schlaf von Kindern und Jugendlichen und den daraus resultierenden Folgen