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Automotive Qualitätsmanagement. Strategische Besonderheiten

Hausarbeit 2013 28 Seiten

BWL - Industriebetriebslehre

Leseprobe

Gliederung

Abkürzungen

Abbildungsverzeichnis

1 EINFÜHRUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG
1.2 ZIELSETZUNG UND GANG DER ARBEIT

2 QUALITÄTSMANAGEMENT
2.1 ENTWICKLUNG VON QUALITÄTSSICHERUNG UND QUALITÄTSMANAGEMENT
2.2 DEFINITION ZENTRALER BEGRIFFE

3 ANSÄTZE UND METHODEN DES AUTOMOTIVE QUALITÄTSMANAGEMENT UND DEREN STRATEGISCHE BESONDERHEITEN
3.1 NORMENREIHE DES VERBANDES DER AUTOMOBILINDUSTRIE
3.2 TQM UND EFQM-MODELL
3.3 SIX SIGMA
3.4 AUTOMOTIVE SPICE UND FUNCTIONAL SAFTY MANAGEMENT

4 DIMENSIONEN UND STRATEGISCHE BESONDERHEITEN DES QUALITÄTS- UND PROJEKTMANAGEMENTS
4.1 QUALITÄTSAFFINE MANAGEMENTKONZEPTE
4.2 SCHNITTMENGE VON PROJEKTMANGEMENT UND QUALITÄTSMANAGEMENT
4.3 QUALITÄT ZEIT KOSTEN - PARADIGMA

5 KLASSISCHE INSTRUMENTE DES QUALITÄTSMANAGEMENTS
5.1 FMEA
5.2 QFD

6 FAZIT

Quellenverzeichnis

Bezug von Quellen via Internet

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Modell eines prozessorientierten Qualitätsmanagement

Abbildung 2 Normenreihe des VDA

Abbildung 3 Schadteilanalyseprozess

Abbildung 4 Das EFQM Modell

Abbildung 5 QFD

1 Einführung

Qualitätsmanagement gewinnt in der Automobilindustrie zunehmend an Bedeutung und ist einer der wichtigsten strategischen Erfolgsfaktoren um eine nachhaltige Unternehmenssicherung in der Branche zu erlangen.1

1.1 Problemstellung

Durch die ansteigende Komplexität im Fahrzeugbau stiegen die Anforderungen der automobilspezifischen Normen in den letzten Jahren rasant an und diese sind nur schwer in der Praxis umzusetzen. Dadurch erlangte das Qualitätsmanagement eine breite Fachspezialisierung um alle Themengebiete im Unternehmen qualitativ abdecken zu können.2 Präventiven Maßnahmen in der Entwicklung und in der Fertigung ist eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen um die möglichen Fehler- und Ausfallkosten gering zu halten.3 Begründet wird dies unter anderem von möglichen drohenden Rück- rufaktionen, die den Herstellern und Zulieferern mehrere Hundert Millionen Euro kosten können. So musste beispielsweise die Volkswagen AG 384.000 Fahrzeuge we- gen eines Problems mit dem DQ200 Doppelkupplungsgetriebe in China zurückrufen und es verdichten sich die Anzeichen, dass eine Ausweitung auf andere Märkte möglich ist.4 Ziel des Qualitätsmanagements ist es, hier vorbeugend entgegenzuwirken um die Kundenzufriedenheit nachhaltig zu sichern.

1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

Ziel der wissenschaftlichen Arbeit ist, die strategischen Besonderheiten des Automotive Qualitätsmanagements zu erarbeiten. Hierzu wird ein Überblick über die verschiedenen Themengebiete des Automotive Qualitätsmanagements dargelegt und die wichtigsten Ansätze werden erläutert um eine Schnittmenge der Besonderheiten abzuleiten. Im letzten Teil der Seminararbeit werden die wichtigsten Methoden des Qualitätsmanage- ments dargestellt, die für eine nachhaltige Unternehmensführung nötig sind.

2 Qualitätsmanagement

Qualitätsmanagement (QM) ist gemäß DIN ISO 9000:2005 als die Erfüllung aller Kun- denanforderungen definiert. QM beinhaltet alle organisatorischen Maßnahmen, die zur Optimierung der Prozessqualität und zur Erfüllung der Kundenleistung herangezogen werden und ist eine zentrale Aufgabe des Managements in den Unternehmen.5

2.1 Entwicklung von Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement

Der Grundgedanke, qualitativ hochwerte Produkte und Dienstleistungen zu erstellen ist uralt. So wurden schon zu Zeiten von Kleopatra qualifizierte Messkräfte eingesetzt um den Bau der Pyramiden mit Längenmessungen zu überwachen. Im Mittelalter erstellten Zünfte die ersten Normen und Regeln, um unter anderem Standards für den Brücken- und Hausbau zu definieren.6 Anfang des 20. Jahrhunderts prägten Henry Ford und Frederick Winslow Taylor mit dem sog. „Fordismus“ und dem Taylorismus die Indust- rialisierung, deren Grundsteine noch heute von Bedeutung für das Qualitätsmanagement sind.7 Im Zweiten Weltkrieg kamen Kontrollkarten zum Einsatz, die Stichprobenkon- trollen in der Serienfertigung überwachten und die Sortierung fehlerhafter Teile wurde zum Standard. In den 70er Jahren entwickelte sich die Qualitätssicherung mit ersten präventiven Ansätzen, wie dem QWQC-Ansatz, QFD und House of Quality. Im laufe der 80er und 90er Jahren entwickelte sich das QM, hier erfolgte ein gravierender Um- bruch. Die Prüfung von Teilen genügte den Anforderungen der Wirtschaft nicht mehr. Es wurden die ersten Normen herausgebracht, die einheitliche Standards in der komplet- ten Prozesskette von Lieferanten bis zum Kunden definierten. Hier ist unter anderem auch der Ursprung der weltweit gültigen ISO 9000 ff. zu finden.8 Diese Grundsätze des Qualitätsmanagements wurden in den darauf folgenden Jahren immer weiter entwickelt um zu Business Excellence zu gelangen. Es wurden strategische Modelle, wie Prozess- orientierung, Makroperspektiven, Corporate Governance und Risikomanagement in den diversen Normenreihen und Methoden hinzugefügt, wie dies die Entwicklung der VDA Bände von 2000 bis 2013 aufzeigt.9

2.2 Definition zentraler Begriffe

Um ein Verständnis für die Bedeutung von Qualitätsmanagement zu erlangen werden in diesem Unterkapitel die zentralen Begriffe rund um Qualität beschrieben und definiert. Die Definition der meisten Begriffe erfolgte in der DIN ISO 9000:2005. Der Begriff Qualität leitet sich aus dem lateinischen Wort „qualitas“ ab und beschreibt die Beschaf- fenheit, ein Merkmal, eine Eigenschaft oder einen Zustand eines Produktes oder einer Dienstleistung. Im heutigen Sprachgebrauch wird zwischen neutraler oder bewerteter Qualität unterschieden. Dies beschreibt die Summe der Eigenschaften oder die Güte einer Ware, eines Systems oder Prozesses.10 Gemäß der DIN ISO 9000:2005 wird Qua- lität als Grad in dem ein Satz inhärenter Anforderungen erfüllt wird definiert.11 Die Anforderung steht im engen Zusammenhang mit dem Begriff Qualität und umschreibt die Erfordernis oder die Erwartung an ein Produkt, ein System oder eine Dienstleistung. Diese sind üblicherweise vorausgesetzt oder verpflichtend und von den Stakeholdern definiert.12 In der Automobilbranche werden die Anforderungen im Anforderungsma- nagement aufgenommen, verarbeitet und bewertet. Die Kundenzufriedenheit misst den Grad Anforderungen und legt die Wahrnehmung der Zufriedenheit des Kunden dar. Es können hiermit sowohl qualitative als auch quantitative Zufriedenheit des Kunden zum Ausdruck gebracht werden.13 Ein System beschreibt den Satz von in Interdependenzen und Interaktion stehenden Elementen.14

Unter einem Qualitätsmanagementsystem ist ein Managementsystem zu verstehen, das für die Leitung und Lenkung der Organisation verantwortlich ist.15 Das Qualitätsmana- gementsystem ist für die Präzisierung der Qualitätspolitik und die Festlegung der Qualitätsziele verantwortlich. Weiterhin müssen die Grundvoraussetzungen zum Errei- chen der Qualitätsziele vorgegeben werden. Dies umfasst die Gestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation in den Unternehmen. Hierfür wird nicht nur die komplette Wertschöpfungskette in Betracht gezogen, sondern auch alle Supportfunktionen, die im Unternehmen angesiedelt sind. Das Qualitätsmanagementsystem stellt somit einen strukturierten und systematischen Ansatz von Regelkreisen dar, der alle betrieblichen Ebenen umfasst und Ziele, Struktur, Verantwortlichkeiten, Verfahren, Prozesse und die zur Erfüllung notwendigen Mittel festlegt. Die notwendigen Definitionen für das Quali- tätsmanagementsystem werden in dem Qualitätsmanagementhandbuch festgelegt.16 Im Qualitätsmanagement gibt es eine Vielzahl von Qualitätsmodellen, die dazu dienen eine ständige Verbesserung des Qualitätsmanagementsystems zu erlangen. Die Kunden- anforderungen werden erfasst und die Kundenzufriedenheit wird anhand von Messgrö- Messgrößen optimiert und definiert.17 In der folgenden Abbildung wird das Modell des prozessorientierten Qualitätsmanagements nach ISO 9001:2008 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1, Modell eines prozessorientierten Qualitätsmanagements, Quelle: Entnommen aus: DIN ISO 9001 (2008), S. 8

In den Modellen wird versucht, die Komplexität der Qualität zu reduzieren und diese anhand von definierten Merkmalen oder Kenngrößen zu optimieren. Hierfür wird in einem kontinuierlichen Regelkreis, der in einzelne Phasen unterteilt ist, eine Erfassung der Qualitätsparameter durchgeführt und eine systematische Optimierung der Kenngrö- ßen vollzogen. Zu den bekanntesten Qualitätsmodellen gehören unter anderem der PDCA-Zyklus und der DMAIC-Zyklus.18

Ein Qualitätsmerkmal oder eine Kenngröße ist ein abhängiges Merkmal eines Produk- tes, eines Prozesses oder eines Systems, das in Interdependenz zu einer Anforderung steht.19 Die Norm ISO/TS 16949 9001:2008, die als Basis des internationalen Automo- bilstandards definiert wird, setzt ebenfalls die kontinuierliche Verbesserung der Organisationen und des Qualitätsmanagementsystems als eine der Grundvoraussetzun- gen voraus um das Erhalten einer Zertifizierung nach dieser Norm zu erlangen.20

Als Zertifizierung bezeichnet man das erfolgreiche Verfahren zur Konformitätsprüfung des auditierenden Managementsystems. Die Zertifizierung wird durch ein externes Institut, meist auf eine befristete Zeit, erteilt und muss vor dem Ablauf der Zertifizierung wiederholt werden. Die Gültigkeit der Zertifizierung nach ISO/TS 16949 beträgt drei Jahre, wenn mindestens einmal im Jahr ein internes Überwachungsaudit mit positiven Ergebnis absolviert wird. Ziel der Überwachungsaudits ist der Nachweis der Wirksamkeit der installierten Qualitätsmanagementsysteme.21

3 Ansätze und Methoden des Automotive Qualitätsmanagement und deren strategische Besonderheiten

In diesem Kapitel werden die wichtigsten Ansätze des Qualitätsmanagements erläutert und deren strategische Besonderheiten und Herausforderungen dargestellt. Die Darstellung ist nicht schließend, umfasst jedoch die internationalen Normen und Ansätze des Qualitätsmanagements mit dem Schwerpunkt auf die deutsche Automobilindustrie, die derzeit als innovativste in diesem Sektor gilt.22

3.1 Normenreihe des Verbands der Automobilindustrie

Die folgende Abbildung zeigt die Normenreihe des Verbands der Automobilindustrie (VDA), die wichtigste Standards für die erfolgreiche Zertifizierung nach den Normen beinhalten.23

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2, Normenreihe des VDA, Quelle: Entnommen aus: Qualitätsmanagement. Claudia Brückner (2011), S.1

Die Zertifizierungen in der Automobilindustrie können nur nach den folgenden Stan- dards ISO/TS 16949, VDA 6.1, VDA 6.2 und VDA 6.4 durchgeführt werden. Die Zertifizierung erfolgt durch eine unabhängige Zertifizierungsgesellschaft und gilt meist als Grundvoraussetzung für die Vergabe von Aufträgen in der Automobilindustrie und signalisiert dem Kunden eine partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Gesondert, zu den hier aufgeführten Normen, sind die kundenspezifischen Anforderun- gen und Normen zu erfüllen. Die Normen und Anforderungen sind spezifisch für die Art des hergestellten Produktes oder die Dienstleistung. So umfasst die ISO/TS 16949 alle produzierenden Gewerbe, VDA 6.1 produzierende und Dienstleistungsunterneh- men, VDA 6.2 Dienstleistungsunternehmen und VDA 6.4 Betriebsmittelhersteller. Mit der VDA Normenreihe werden die strategisch wichtigen Aspekte der Entwicklung eines Qualitätsmanagementsystems, der kontinuierliche Verbesserungsprozess, die Fehler- vorbeugung und Minimierung der Prozessstreuung beschrieben. Weiterhin wird auf die Minimierung der Verschwendung innerhalb der Lieferkette und die Zuverlässigkeit innerhalb der Wertschöpfungskette eingegangen.24 Die ISO/TS 16949 ist der am meist geforderte Standard in der Automobilindustrie und basiert auf der ISO 9001, wie dies aus Abbildung 2 zu entnehmen ist. Die erschienene dritte Ausgabe der ISO/TS 16949 wurde durch den Inhalt der neuen ISO 9001 aktualisiert. Die Zusatzforderungen der Technischen Spezifikation wurden nicht erweitert. Durch die weltweit gültige Norm ist es vielen Zulieferern nun möglich Kosten einzusparen, da nicht mehr diverse Normen der unterschiedlichen Verbände erfüllt werden müssen. Ein Hauptziel der ISO/TS 16494 ist die Erfüllung der zusätzlichen kundenspezifischen Normen, die in den Las- tenheften der Kunden definiert sind.25 Obwohl die bis jetzt beschriebenen Normen viele strategische Besonderheiten enthalten um einen Wettbewerbsvorteil nach Definition von diversen Wirtschaftswissenschaftlern zu erlangen, werden diese in der Automobilin- dustrie als Stand der Technik angesehen und von den meisten Automobilindustrieunternehmen mit einem hohen Erfüllungsgrad befolgt.26

[...]


1 Vgl. Claudia Brückner (2011), S. 79 ff.

2 Vgl. Claudia Brückner (2011), S. 79 ff.

3 Vgl. Manfred Burghardt (2007), S. 229 ff.

4 Vgl. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/probleme-mit-dem-doppelkupplungsgetriebe-vw-verspricht-kulante-hilfe-a- 896894.html

5 Vgl. DIN ISO 9000 (2005), S. 4 ff.

6 Vgl. Hans Dieter Seghezzi (2007), S. 16

7 Vgl. Hans Dieter Zollondz (2011), S. 60 ff.

8 Vgl. Hans Dieter Zollondz (2011), S. 57 ff.

9 Vgl. Hans Dieter Seghezzi (2007), S. 16

10 Vgl. Hans Dieter Zollondz (2011), S. 161 ff.

11 Vgl. DIN ISO 9000 (2005), S. 18

12 Vgl. DIN ISO 9000 (2005), S. 19

13 Vgl. DIN ISO 9000 (2005), S. 19 ff.

14 Vgl. DIN ISO 9000 (2005), S. 19

15 Vgl. DIN ISO 9000 (2005), S. 20

16 Vgl. Gerd Kamiske (2005), S. 206. ff

17 Vgl. DIN ISO 9000 (2005), S. 9 ff.

18 Vgl. Hans Dieter Zollondz (2011), S. 194 ff.

19 Vgl. DIN ISO 9000 (2005), S. 26

20 Vgl. ISO/TS 16949 (2009), S 1 ff.

21 Vgl. Gerd Kamiske (2005), S 377. ff

22 Vgl. http://www.pwc.de/de/automobilindustrie/die-deutsche-automobilindustrie-ist-bei-innovationen- premium.jhtml

23 Vgl. Claudia Brückner (2011), S. 1

24 Vgl. Claudia Brückner (2011), S. 2 ff.

25 Vgl. ISO/TS 16949 (2009), S. 1 ff.

26 Vgl. Klaus Backhaus (2010), S. 419 ff.

Details

Seiten
28
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656514244
ISBN (Buch)
9783656513926
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262826
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,0
Schlagworte
Qualitätsmanagement ISO 16949 Automobilindustrie QS 9001 Management Projektmanagement

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