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Die Bedeutung des Schismas von 1054 für die Trennung von Ost- und Westkirche

Essay 2013 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

1. Einleitung

Das Christentum ist erst im Laufe der Jahrhunderte in seine heute sichtbaren Bestandteile zerfallen: Protestantismus, Katholizismus und das orthodoxe Christentum stellen die drei großen Denominationen dar, die als erste mit dem Oberbegriff des „Christentums“ assoziiert werden. Freilich ist die Variabilität innerhalb des Christentums noch größer, doch das orthodoxe Christentum soll in dieser Arbeit im Vordergrund stehen, genauer gesagt die Entwicklung von eben diesem.

Deshalb soll das Schisma von 1054 dargestellt werden, welches zur ersten andauernden Spaltung zwischen der Kirche im Westen und der im Osten geführt hat. Um die Gründe für dieses Schismas soll es innerhalb des vorliegenden Essays gehen. Zuerst wird das Verhältnis der beiden Kirchen vor dem 9. Jahrhundert skizziert, um die tiefer greifenden Vorbedingungen des Schisma zu beleuchten. Dabei soll auf Unterschiedlichkeiten und Differenzen zwischen den beiden Kirchen eingegangen werden. Danach wird die Entwicklung in beiden geographischen Bereichen seit dem 9. Jahrhundert u. Z. skizziert. Es soll um theologische, aber auch politische Entwicklungen gehen, die als unmittelbare Bedingungen des Schismas angesehen werden können. Im dritten Teil der Arbeit wird darauf folgend das Schisma an sich dargestellt. Abschließend wird ein Fazit bezüglich der Frage gezogen, wie das Schisma von 1054 einzuordnen ist.

2. Die Kirche im Westen und im Osten

Bereits zu Beginn des 5. Jahrhundert traten erste Unterschiede zwischen der Kirche im Westen und der Kirche im Osten hervor. Der Westen war vor allem durch das Einfallen der Germanen geprägt und 476 ging schließlich das weströmische Reich unter, während das oströmische Reich alle Gefahren abwenden konnte und frei von Besetzern blieb, die Kultur des Ostens blieb frei von großen Einschnitten und konnte weiterbestehen. Im Westen jedoch zerfiel das einstmals geeinte Reich in verschiedene Gebiete. Vor allem nach 476 ging der Papst mit einer gestärkten Position aus der Situation heraus. Die Rolle des Papstes wurde in der Außenwahrnehmung im Osten zunehmend als eine politische, nicht eine religiöse wahrgenommen. Gleichzeitig führte die Verlegung der Hauptstadt nach Konstantinopel dazu, dass der Bischof Konstantinopels eine Sonderrolle übernehmen wollte, was Rom negierte und als einen Angriff auf seine Stellung ansah. Konstantinopel wurde auch „Neu-Rom“ genannt, was die Ablösung Roms suggerierte und zwangsläufig zu Spannungen führte. Rom berief sich auf Petrus als Stellvertreter Christi, der in Rom die Kirche aufgebaut habe und argumentierte demnach religiöse und versuchte seine Position so zu festigen. Die religiösen Unterschiede zwischen dem lateinischen Westen und dem griechischen Osten verhärteten und entwickelten sich in der Folge weiter.

Bereits auf der vierten ökumenischen Synode zu Chalcedon (451) wurden die fünf Patriarchate festgelegt: Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. Diese fünf Patriarchate waren für ihr jeweiliges Gebiet zuständig und waren einander gleichgestellt. Keiner konnte dem anderen etwas vorschreiben. Das Patriarchat Roms wählte jedoch im Laufe der Zeit seinen eigenen Weg, während die Patriarchate um Alexandria, Antiochia und Jerusalem durch die Besetzung des Islam an Bedeutung verlor. Deshalb wurde die Position des Patriarchats von Konstantinopel immer bedeutender und wurde zum dem führenden Reichspatriarchart und verstand sich ab dem frühen 6. Jahrhundert als ökumenisches Patriarchat. Doch bereits zum Ende des 5. Jahrhunderts, genauer gesagt von 482-517, herrschte ein erstes Schisma, das auf Grund von Lehrstreitigkeiten entstand. Streitigkeiten zwischen der westlichen Kirche und der östlichen Kirche waren demnach schon fast 600 Jahre vor dem Schisma 1054 immanent.

Der Osten entwickelte sich vor allem durch die Herrschaft von Kaiser Justinian (527-565) weiter. Es kam zu einer gravierenden Veränderung innerhalb der Religion: Kirche und Staat verschmolzen miteinander, wodurch der Kaiser auch religiöse Funktionen übernahm. Nicht nur im Westen verschmolzen somit Religion und Politik, sondern auch im östlichen Mittelmeerraum. Das östliche Christentum verstand sich als „orthodox“, und sah die Bibel als unfehlbar an, soweit die Interpretation dieser von den alten Kirchenvätern vorgenommen worden war. Daran anschließend wichtig ist die durchgehende Nutzung des Griechischen, das eine Kontinuitätslinie aufbaute und somit der Legitimierung der östlichen Kirche diente. Auch deshalb war das östliche Christentum nicht empfänglich für die aufkommende rationale Denkweise, die später im Westen entwickelt wurde. Ein weiterer Unterschied ist die Würdigung von Ikonen, die im Gegensatz zur westlichen Kirche steht. Im 8. Jahrhundert führte eben diese Verehrung von Ikonen im östlichen Raum zum, in der Forschung genannten, Bilderstreit. Dieser war ein Streit, der sich vor allem um die „Legitimität bildlicher Darstellungen im kirchlichen Bereich“[1] handelte. Dieser Streit hatte zwei Ebenen, zum einen die Diskussion innerhalb des östlichen Christentums, zum anderen die Konfliktebene zwischen der westlichen und der östlichen Kirche. Die Hauptebene scheint jedoch innerhalb Byzanz gewesen zu sein. Erst 787 auf der 7. Ökumenischen Synode von Nizäa fand der Bilderstreit ein Ende, indem die Nutzung von Bildern theologisch legitimiert wurden, womit auch die Orthodoxie begründet wurde.

[...]


[1] Wolfgang Hage: Das Christentum im frühen Christentum (476-1054), Göttingen 1993, S. 21, im Folgenden zitiert als: Hage: Christentum.

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656511076
ISBN (Buch)
9783656510802
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262765
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Schlagworte
bedeutung schismas trennung ost- westkirche

Autor

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