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Einfluss der Börsennotierung auf aggressive Steuerplanung - eine empirische Analyse

Bachelorarbeit 2013 35 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Abkürzungsverzeichnis

B. Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Literaturüberblick

3. Theorie
3.1 Begriffsdefinitionen
3.1.1 Aggressive Steuerplanung
3.1.2 Definition konforme und nicht-konforme Steuerplanung
3.2 Theoretische Grundlagen der Steuerplanung
3.3 Forschungsfrage und Hypothesen

4. Empirische Untersuchung
4.1 Datengrundlage
4.2 Messung der aggressiven Steuerplanung
4.3 Operationalisierung der Hypothesen
4.4 Deskriptive Statistik..
4.4.1 Verteilung der Konzernsteuerquote
4.4.2 Mittelwertvergleich
4.4.3 Branchenspezifische Analyse
4.5 Lineare Regression
4.5.1 Regressionsanalyse
4.5.2 Modellevaulation

5. Diskussion und Ausblick

C. Literaturverzeichnis

D. Anhangsverzeichnis

A. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

B. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Lagemaße der Konzernsteuerquote

Tabelle 2: Ergebnis des Hypothesentest

Tabelle 3: Ergebnisse der branchenspezifischen Analyse

Tabelle 4: Ergebnisse der Regressionsanalyse

Tabelle 5: Gütemaße zur Prüfung der Modellgüte

1. Einleitung

Die aggressive Steuerplanung von Unternehmen gewinnt in der Öffentlichkeit zunehmend an Bedeutung. So hat die nationale Politik beispielsweise unlängst zum Kampf gegen aggressive Steuerplanung aufgerufen. Aber auch auf internationaler Ebene, unter anderem durch die EU-Kommission, beschäftigt man sich verstärkt mit der Thematik der aggressiven Steuerplanung und den ausgehenden Effekten auf die Wirtschaft.1

In der wissenschaftlichen Forschung wurde die aggressive Steuerplanung vor allem im englischsprachigen Raum untersucht. Die Forscher beschäftigen sich unter anderem mit der Frage, welche Determinanten die aggressive Steuerplanung der Unternehmen beeinflussen; speziell wurde in diesem Zusammenhang der Einfluss der Börsennotierung untersucht.

Einhergehend mit den Thematiken dieser angedeuteten Forschungen, wird in dieser Arbeit ebenfalls der Einfluss der Börsennotierung auf die aggressive Steuerplanung empirisch untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es dabei festzustellen, ob ein Einfluss von der Börsennotierung auf die langfristige aggressive Steuerplanung ausgeht und so ja, in welchem Maße die Steuerplanung hierdurch beeinflusst wird.

Zur Beantwortung der Frage, welchen Einfluss die Börsennotierung auf die aggressive Steuerplanung hat, werden 360 deutsche IFRS-Konzernabschlüsse über die Jahre 2007 bis 2011 empirisch untersucht und analysiert.

Hierfür wird zunächst ein genereller Überblick über den aktuellen Forschungsstand empirischer Studien gegeben, die ebenfalls den Einfluss der Börsennotierung auf die (aggressive) Steuerplanung thematisieren. Nach diesem Überblick werden die wichtigsten thematischen Begrifflichkeiten der aggressiven Steuerplanung definiert und die Grundlagen der Steuerplanung erläutert. Basierend auf diesem theoretischen Hintergrund werden im Anschluss verschiedene Hypothesen hergeleitet. Hauptbestandteil dieser Arbeit wird eine ausführliche empirische Analyse zur Prüfung der Hypothesen sein. Im Schlussteil werden die wichtigsten Ergebnisse noch einmal präsentiert, diskutiert und eine Antwort auf die Forschungsfrage gegeben.

2. Literaturüberblick

In diesem Kapitel wird ein detaillierter Überblick über den aktuellen Stand der Forschung bezüglich des Einflusses der Börsennotierung auf die aggressive Steuerplanung gegeben.

Vorweg sei zu sagen, dass vor allem im englischsprachigen Raum verschiedene Forschungen zum Thema „aggressive Steuerplanung“ durchgeführt worden sind. Aus diesem Grund bilden diese Forschungen den Schwerpunkt des Literaturüberblickes. Es werden die wesentlichen Aspekte, aus einer kleinen Auswahl der diversen Studien die sich mit Börsennotierung und Steuerplanung beschäftigt haben, vorgestellt und somit ein allgemeiner Überblick zu den divergierenden Ergebnissen ermöglicht.

Begonnen wird mit der Studie von Chen et al. aus dem Jahre 2008; sie ist die aktuellste der vorgestellten Studien. Einer der Forschungspunkte von Chen et al. war es, börsennotierte Banken und nicht-börsennotierte Banken bezüglichen ihrer aggressiven Steuerplanung zu analysieren. Als Maß für die Aggressivität der Steuerplanung verwendeten Chen et al. in ihrer Analyse die Konzernsteuerquote (ETR). Die Forscher haben einen Vergleich der Konzernsteuerquote von börsennotierten und nicht- börsennotierten Unternehmen im Bankensektor vorgenommen. Hierbei kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Konzernsteuerquote von börsennotierten Banken höher ist, als die von nicht-börsennotierten Banken. Anhand dieses Ergebnisses konkludierten Chen et al., dass nicht-börsennotierte Unternehmen aggressiver in ihrer Steuerplanung sind als börsennotierte Unternehmen.2

Chen et al. schließen sich mit diesem Ergebnis an das Ergebnis der bereits 1999 durchgeführten Studie von Mikhail an. Mikhail verglich in seiner Studie Lebensversicherer mit Börsennotierung mit Lebensversicherern ohne Börsennotierung.

Forschungsgegenstand der Studie war unter anderem der Einfluss der Eigentümerstruktur von Unternehmen der Lebensversicherungsbranche auf die Steuerplanung. Mikhail kam zu dem Ergebnis, dass börsennotierte Lebensversicherer in Ihrer Steuerplanung weniger aggressiv sind, als solche ohne Börsennotierung.3

Der niederländische Wissenschaftler Bodewijn Janssen untersuchte in seiner Studie die Determinanten der Konzernsteuerquote und kam zu einem anderen Ergebnis als seine Forscherkollegen. Zentraler Forschungsgegenstand in seiner Untersuchung war die Analyse von Einflussfaktoren der Konzernsteuerquote. Speziell ging er der Frage nach, was die unterschiedlich hohen Konzernsteuerquoten holländischer Unternehmen erklären kann. Einer der untersuchten Einflussfaktoren stellt dabei die Börsennotierung dar. Anders als Chen et. al., der die Konzernsteuerquote als Maß für die aggressive Steuerplanung verwendete, konnte Janssen keinen Einfluss der Börsennotierung auf die Konzernsteuerquote feststellen und somit auch nicht auf die aggressive Steuerplanung.4

Im Laufe der Jahre wurden diverse Untersuchungen bezüglich der aggressiven Steuerplanung von börsennotierten und nicht-börsennotierten Unternehmen von einer Vielzahl an Wissenschaftlern durchgeführt. Zu einem eindeutigen Ergebnis ist man bis heute jedoch nicht gekommen: Es gibt sowohl Studienergebnisse die besagen das nicht- börsennotierte Unternehmen eine aggressivere Steuerplanung haben als börsennotierte Unternehmen, als auch Ergebnisse die genau das Widerlegen und das Gegenteil belegen.

3. Theorie

Im vorherigen Kapitel wurde der Stand der Forschung zu dem Thema Börsennotierung und aggressive Steuerplanung reflektiert. Dieses Kapitel setzt genau an dieser Theorie an und verstärkt den Kontext durch die Nennung der wichtigsten Elemente wie Definitionen, Zusammenhänge und etwaige Problematiken die in Bezug auf das oben genannte Thema entstehen. Ziel dieses Kapitels ist es Hypothesen zu präsentieren, auf der sich die spätere empirische Analyse stützen wird.

3.1 Begriffsdefinitionen

3.1.1 Aggressive Steuerplanung

Eine allgemeingültige Definition darüber was aggressive Steuerplanung genau umfasst, ist in der Forschung nicht gegeben. Laut den Wissenschaftlern Hanlon und Heitzman können unter Steuerplanung alle Tätigungen zusammengefasst werden, die die „(…) explizite Steuerschuld eines Unternehmens reduzieren sollen5.

Folgt man weiterhin der Definition von Hanlon und Heitzman, so kann die Steuerplanung bzw. die Steuervermeidung als ein Kontinuum angesehen werden. Auf der einen Seite des Kontinuums sind solche Steuerplanungsaktivitäten zuzuordnen, welche die Steuerschuld mindern und als eindeutig legal angesehen werden. Auf der anderen Seite des Kontinuums erfolgt eine Zuordnung von Steuerplanungsaktivitäten am Rande der Legalität bis hin zu solchen, die der Illegalität zuzuordnen sind. Hanlon und Heitzman machen deutlich, dass es schwierig ist, die genauen Begrifflichkeiten abzugrenzen und das es häufig im Auge des Betrachters liegt, wie der Aggressivitätsgrad einer Steuerplanungsaktivität einzuschätzen ist.6

3.1.2 Definition konforme und nicht-konforme Steuerplanung

Steuerplanung kann im Allgemeinen in „konforme“ (confirming) und „nicht-konforme“ (nonconfirming) Steuerplanung unterschieden werden.

Hierbei wird unter „konformer Steuerplanung“ Steuerplanungsaktivitäten verstanden, die simultan sowohl den ausgewiesenen Bilanzgewinn als auch den steuerlichen Gewinn reduzieren; wobei die gesenkte Steuerschuld mit einem geringeren ausgewiesenen Handelsbilanzgewinn einhergeht.7

Unter „nicht-konformer“ Steuerplanung werden Steuerplanungsaktivitäten verstanden, die die Steuerschuld eines Unternehmens senken und der Handelsbilanzgewinn hiervon nicht beeinflusst wird. Dadurch ergibt sich die Situation, dass zum einen die Steuerlast gesenkt wird und zum anderen ein hoher Handelsbilanzgewinn ausgewiesen werden kann.8

3.2 Theoretische Grundlagen der Steuerplanung

Bevor Hypothesen gebildet und somit mit der Untersuchung des eigentlichen Forschungsthemas „ Einfluss der Börsennotierung auf aggressive Steuerplanung “ begonnen werden kann, wird zuerst der theoretische Hintergrund der Steuerplanung von börsennotierten Unternehmen und nicht-börsennotierten Unternehmen unter Einbeziehung verschiedener wissenschaftlicher Quellen erläutert.

Will ein Unternehmen festlegen, wie aggressiv es in der Steuerplanung vorgehen will, so vergleicht es den Nutzen, der sich aus der Steuerplanung ergibt mit den damit einhergehenden Kosten. Der Nutzen, den ein Unternehmen aus einer aggressiven Steuerplanung ziehen kann, ist eine geringere Steuerschuld und daraus resultierend verminderte Steuerzahlungen. Steuern stellen für Unternehmen signifikante Kosten dar, aus diesem Grund sollte es für Unternehmen generell ein Anliegen sein Steuern zu sparen, unabhängig ihrer Börsennotierung.9

Ob börsennotierte Unternehmen aggressiver in der Steuerplanung agieren als nichtbörsennotierte Unternehmen hängt davon ab, ob sich die mit der Steuerplanung einhergehenden Kosten und Nutzen für börsennotierte und nicht-börsennotierte Unternehmen unterscheiden oder nicht.10

Unter der Annahme, dass Unternehmen ihre Steuern durch konforme Steuerplanungsaktivitäten senken, wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Studien argumentiert, dass bei börsennotierten Unternehmen infolge der Steuerplanung höhere Kosten entstehen, als bei nicht-börsennotierten Unternehmen.11

Hierfür wird zum einen als Grund genannt, dass börsennotierte Unternehmen dem Kapitalmarktdruck ausgesetzt sind. Durch die Notierung am Kapitalmarkt müssen börsennotierte Unternehmen folglich stärker darauf fixiert sein, einen möglichst hohen Handelsbilanzgewinn auszuweisen. Nicht-börsennotierte Unternehmen sind dem Druck des Kapitalmarktes nicht ausgesetzt und haben entsprechend weniger Kosten einhergehend mit einer Senkung des Handelsbilanzgewinns durch konforme Steuerplanung. Dadurch, dass nicht-börsennotierte Unternehmen durch die konforme Steuerplanung geringere Kosten haben, können sie eine aggressivere Steuerplanung verfolgen als es börsennotierte Unternehmen können.12

Der andere Grund für die Annahme, dass börsennotierte Unternehmen höhere Kosten infolge der Steuerplanung haben als nicht-börsennotierte Unternehmen, ist, dass die Manager in börsennotierten Unternehmen häufig erfolgsabhängig entlohnt werden, um Abweichungen zwischen den Interessen der Anteilseigner und dem Management zu reduzieren. Diese erfolgsabhängige Vergütung führt dazu, dass die Manager börsennotierter Unternehmen einen größeren Anreiz haben einen möglichst hohen Handelsbilanzgewinn auszuweisen, als Manager von nicht-börsennotierten Unternehmen. Demzufolge entstehen Managern der börsennotierten Unternehmen höhere Kosten durch konforme Steuerplanung als Managern von nicht-börsennotierten Unternehmen; dies kann dazu führen, dass sich nicht-börsennotierte Unternehmen stärker in der konformen Steuerplanung engagieren.13

Betrachtet man auf der anderen Seite die nicht-konforme Steuerplanung, so ergibt sich die Möglichkeit die Steuerschuld zu senken ohne den Handelsbilanzgewinn reduzieren zu müssen; folglich sollte dem Unternehmen keine Kosten durch eine Reduktion des Handelsbilanzgewinns durch die Steuerplanung entstehen.14 Kosten können dennoch auch durch die nicht-konforme Steuerplanung entstehen. Durch die resultierende Differenz zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ein Unternehmen durch Steuerbehörden überprüft wird. Aufgrund des größeren Aufdeckungsrisikos, kann es also ebenfalls bei nicht-konformer Steuerplanung zu hohen Kosten kommen.15

3.3 Forschungsfrage und Hypothesen

Die Informationen der letzten Kapitel haben verdeutlicht, dass der Zusammenhang der aggressiven Steuerplanung zwischen börsennotierten und nicht-börsennotierten Unternehmen nicht eindeutig definierbar ist.

Wie bereits erwähnt ist das primäre Ziel dieser Arbeit zu untersuchen, ob anhand einer empirischen Untersuchung neue Erkenntnisse zu dieser Thematik gewonnen werden können. Aus diesem Grund wurde die Forschungsfrage wie folgt definiert:

-Welchen Einfluss hat die Börsennotierung auf die aggressive Steuerplanung?- Um Antworten auf diese Frage zu finden, werden im Folgenden nun einige Hypothesen hergeleitet und definiert die im nächsten Kapitel dieser Arbeit anhand einer empirischen Untersuchung geprüft werden.

Zentraler Bezugspunkt für die empirische Untersuchung bildet die Haupthypothese. Wichtig ist es zu erwähnen, dass das hier verwendete Maß zur Messung der aggressiven Steuerplanung, die Konzernsteuerquote, nur nicht-konforme Steuerplanung messen kann.16 Aus diesem Grund wird die Haupthypothese in Bezug auf die nicht-konforme Steuerplanung abgeleitet.

Basierend auf der vorherigen theoretischen Analyse wird vermutet, das börsennotierte Unternehmen einen größeren Anreiz haben, einen hohen Handelsbilanzgewinn auszuweisen als nicht-börsennotierte Unternehmen. Demnach kann vermutet werden, dass börsennotierte Unternehmen die Kosten durch ein erhöhtes Aufdeckungsrisiko eher in Kauf nehmen würden, als nicht-börsennotierte Unternehmen. Im Gegensatz dazu sollten die Kosten durch das erhöhte Aufdeckungsrisiko für nicht-börsennotierte Unternehmen höher ausfallen als die Kosten durch einen gesunkenen Handelsbilanzgewinn. Es wird also vermutet, dass börsennotierte Unternehmen stärker in der nicht-konformen aggressiven Steuerplanung involviert sind, so dass folgende Haupthypothese abgeleitet wird:

H1: Die Börsennotierung steigert die nicht-konforme aggressive Steuerplanung.

Wie bereits erwähnt basiert der Hauptbestandteil der empirischen Analyse auf der Überprüfung dieser Haupthypothese. Um jedoch sicherzustellen, dass diese Ergebnisse nicht auf fundamentalen Unterschieden zwischen börsennotierten Unternehmen und nicht- börsennotierten Unternehmen beruhen, werden weitere Unternehmenscharakteristika als Kontrollvariablen in einer Regressionsanalyse mit einbezogen. Dabei werden solche Unternehmenscharakteristika kontrolliert, bei denen in der Literatur ein Zusammenhang mit dem Maß der aggressiven Steuerplanung, der Konzernsteuerquote, festgestellt werden konnte. Die vermuteten Beziehungszusammenhänge werden im Folgenden nun dargestellt und die verschiedenen Kontrollvariablen in Form von Hypothesen gebildet.

Einige Studien, die sich mit der aggressiven Steuerplanung von Unternehmen beschäftigt haben sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Profitabilität eines Unternehmens die Steuerplanung beeinflusst. Es wird zum einen argumentiert, dass mit steigender Profitabilität mehr Ressourcen für die Steuerplanung zur Verfügung stehen und zum anderen, dass profitablere Firmen höhere Steuern zahlen und dahingehend mehr Anreize haben Steuern zu sparen.17 Demnach kann folgende Hypothese aufgestellt werden.

H2: Mit steigender Profitabilität sinkt die Konzernsteuerquote.

In mehreren empirischen Studien wurde ebenfalls ein Zusammenhang zwischen der Verschuldung eines Unternehmens und der Konzernsteuerquote festgestellt; ebenfalls wird ein negativer Zusammenhang zwischen Verschuldung und der Konzernsteuerquote vermutet. In Anlehnung an diese Befunde wird folgender Zusammenhang assoziiert:18

H3: Mit steigender Verschuldung sinkt die Konzernsteuerquote

Der Einfluss von Verlustvorträgen wird in dieser Arbeit ebenfalls empirisch kontrolliert, da hier, basierend auf verschiedenen Studien und deren Ergebnisse, ein negativer Zusammenhang vermutet wird: Unternehmen, die Verlustvorträge aufweisen, könnten diese nutzen um weniger Steuern zu zahlen.19

H4: Je höher die Verlustvorträge, desto niedriger ist die Konzernsteuerquote.

Des Weiteren wird in der Literatur ein Zusammenhang zwischen der aggressiven Steuerplanung und den immateriellen Vermögensgegenständen vermutet. Dieser Gedanke beruht darauf, dass Unternehmen mit steigenden immateriellen Vermögensgegenständen mehr Möglichkeiten zur Steuerplanung gegeben sind. Unternehmen ohne materielle Vermögensgenstände sollte es leichter fallen die Erlöse in niedrig besteuerte Länder zu verschieben, da ihnen kein zusätzlicher Aufwand aufgrund der materiellen Vermögensgegenstände entsteht.20 Daher kann gefolgert werden:

H5: Je mehr immaterielle Vermögensgegenstände ein Unternehmen aufweist, desto niedriger ist die Konzernsteuerquote.

Der gleiche Zusammenhang kann angenommen werden in Bezug auf die Anlagenintensität. Bisherige Arbeiten haben diesbezüglich gezeigt, das Kapitalintensive Unternehmen eine geringere Steuerquote aufgewiesen haben. Aus diesem Grund wird ein negativer Zusammenhang zwischen der Anlagenintensität und der Konzernsteuerquote vermutet.21 Durch diese Argumentation lässt sich folgende Hypothese formulieren:

H6: Je mehr Anlagevermögen ein Unternehmen aufweist, desto niedriger ist die Konzernsteuerquote.

Als letztes erfolgt die Kontrolle der Unternehmensgröße. Dyreng et al. (2008) haben in Ihrer Arbeit festgestellt, dass größere Unternehmen eine geringere Steuerquote aufweisen. Dies begründen sie damit, dass sich Größenvorteile in der Steuerplanung ergeben und folglich größere Unternehmen eine geringere Konzernsteuerquote aufweisen.22 Daraus ergibt sich die folgende Hypothese:

H7: Je größer ein Unternehmen ist, desto niedriger ist die Konzernsteuerquote.

4. Empirische Untersuchung

Dieses Kapitel basiert auf der empirischen Analyse. Es werden unter anderem Informationen zur Datengrundlage und zur Operationalisierung gegeben und im Anschluss die gewonnenen Ergebnisse präsentiert.

4.1 Datengrundlage

Der Datensatz der zur Überprüfung der hergeleiteten Hypothesen verwendet wurde entstammt der Dafne-Datenbank (Bureau van Dijk (BvD)) entnommen (Stand 12. Juli 2013; Update Nr. 503).

Die Stichprobe für diese empirische Untersuchung basiert auf den Konzernabschlüssen deutscher Kapitalgesellschaften, welche nach den Regeln des „ International Financial Reporting Standards “ (IFRS) bilanzieren. Die gewählte Zeitspanne bezieht sich auf die Zeit von 2007 bis 2011.

Zum Erhebungszeitpunkt befanden sich insgesamt 1467 Unternehmen in der Datenbank, welche die Konzernabschlüsse nach den IFRS Regeln erstellt haben. Aus der Stichprobe wurden Unternehmen entfernt, die in dem Zeitraum von 2006 bis 2011 keinen konsolidierten Abschluss aufwiesen und nicht nach den IFRS Regeln bilanzierten.23 Des Weiteren wurden ebenfalls Unternehmen entfernt, die nicht den Kapitalgesellschaften zuzuordnen waren.24

In Anlehnung an Dyreng et al. (2008) wurden ferner solche Unternehmen aus der Stichprobe eliminiert, bei denen Angaben über die Jahre 2007-2011 zu den Positionen „Steuern vom Einkommen und Ertrag“ sowie „Gewinn/Verlust vor Steuern“ fehlten.

[...]


1 Vgl. Deutscher Bundestag (2013); Europäische Kommission (2012).

2 Vgl. Chen et al. (2010).

3 Vgl. Mikhail (1999).

4 Vgl. Janssen (2005).

5 Hanlon/Heitzman (2010), S. 137.

6 Vgl. Hanlon/Heitzman (2010), S. 137.

7 Vgl. Hanlon/Heitzman (2010), S. 137; McGuire et al. (2011), S. 8 ff.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. Chen et al. (2010), S. 42 ff.

10 Vgl. ebd.

11 Vgl. Badertscher et al. (2009), S. 2 ff.

12 Vgl. Badertscher et al. (2009), S. 2 ff.; Cloyd et al. (1996), S. 26 ff.; Mikhail (1999), S. 10; Mills/Newberry (2001), S. 2 ff.; Penno/Simon (1986), S. 561 ff.; McGuire et al. (2011), S. 10.

13 Vgl. Badertscher et al. (2009), S. 6 f.; Klassen (1997), S. 457 ff.; Mikhail (1999), S. 8 ff.; Penno/Simon (1986), S. 561 ff.

14 Vgl. Badertscher et al. (2009), S. 3; McGuire et al. (2011), S. 8.

15 Vgl. Hanlon/Heitzman (2010), S. 131; McGuire et al. (2011), S. 8.

16 Vgl. Hanlon/Heitzman (2010), S. 141.

17 Vgl. Badertscher et al. (2009), S. 17; Zhang (2012), S. 17; Wang (2010), S. 24.

18 Vgl. Dyreng et al. (2005), S. 26; Gupta/Newberry (1997), S. 7.

19 Vgl. Dyreng et al. (2005), S. 27; Wang (2010), S. 25.

20 Vgl. Dyreng et al. (2005), S. 25; Hanlon et al. (2005), S. 22.

21 Vgl. Chen et al. (2010), S. 49; Dyreng et al. (2005), S. 24.

22 Vgl. Dyreng et al. (2008), S. 79.

23 Dies erfolgte, um die Stichprobe auf einen einheitlichen Rechnungslegungsstandard zu begrenzen. Die Berechnung der Kennzahlen erfordert es auch, das Jahr 2006 mit zu berücksichtigen.

24 Dies erfolgte, um eine Vergleichbarkeit der Besteuerung zu gewährleisten.

Details

Seiten
35
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656515807
ISBN (Buch)
9783656515876
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262727
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre
Note
1,3
Schlagworte
einfluss börsennotierung steuerplanung analyse

Autor

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Titel: Einfluss der Börsennotierung auf aggressive Steuerplanung - eine empirische Analyse