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Ein Vergleich der Harzreiseberichte von Heinrich Heine und Hans Christian Andersen

Seminararbeit 2013 11 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Harzreiseberichte im Vergleich
2.1 Heinrich Heines „ Die Harzreise“
2.2 Hans Christian Andersen „Reiseschatten von einem Ausfluge nach dem Harz, der sächsischen Schweiz etc. etc. im Sommer 1831“

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen.

(Hans Christian Andersen)[1]

Seit Jahrhunderten übt der Harz eine besondere Faszination auf Menschen aus. Die kontrastreiche Landschaft veranlasste viele Maler, ihre Eindrücke auf Leinwand und Dichter ihre Empfindungen auf Papier festzuhalten. Im Gegensatz zu heute waren im 18. und 19. Jahrhundert die Reisen in den Harz allerdings viel beschwerlicher. Zur bequemsten Reiseform zählte zu dieser Zeit die Postkutsche. Da diese nur bis in die größeren Städte am Harzrand fuhren, musste, wer die Landschaft des Harzes weiter erkunden wollte, per Fuß oder Pferd weiterreisen. Den Reisenden halfen bei der Orientierung neben einheimischen Führern vor allem die zahlreichen Reisebeschreibungen, welche es bereits seit dem 18. Jahrhundert gab. Insbesondere der Reiseführer von Friedrich Gottschalk „Taschenbuch für Reisende im Harz“ avancierte im 19. Jahrhundert zum beliebtesten Reiseführer für Harzreisende. Viele Dichter und Schriftsteller inspirierte der Harz dazu, die gehörten Sagen, Geschichten und Lieder dieser Region niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Als einer der bekanntesten Harzreisenden zählt heute, neben Goethe, Heinrich Heine. Sein Reisebericht „Die Harzreise“ bildet den Auftakt zu seinen bekannten „Reisebildern“, in denen er vor allem durch Ironie, Witz und Polemik, Kritik an der Gesellschaft seiner Zeit übt. Weit weniger berühmt ist der Reisebericht von Hans Christian Andersen „Reiseschatten von einem Ausfluge nach dem Harz, der sächsischen Schweiz etc. etc. im Sommer 1831“. Mit der Veröffentlichung der Reiseberichte erlangten beide Autoren in Deutschland große Anerkennung.

In dieser Hausarbeit werden diese Reiseberichte von Heinrich Heine und Hans Christian Andersen gegenübergestellt. Es wird aufgezeigt, welche Faszination diese Region auf die Autoren ausübte und wie sie ihre Eindrücke literarisch verarbeitet haben. Die thematischen und stilistischen Besonderheiten der Reiseberichte werden im Mittelpunkt der Analyse stehen.

2. Harzreiseberichte im Vergleich

2.1 Heinrich Heines „ Die Harzreise“

Als Heinrich Heine im Jahr 1824 zu seiner Wanderung durch den Harz aufbrach, war sein heimliches Ziel ein Besuch bei Goethe in Weimar. Heine wollte ihm seine Aufwartung machen, was aber in einem Desaster für Heine endete, da Goethe kein Interesse an dem jungen Autor zeigte und ein intensives Gespräch verweigerte. Heine erhoffte sich wohl von einem Zusammentreffen mit Goethe, dass dieser ihm bei seiner existenziellen und schöpferischen Krise zur Seite stehen würde.

Der damals 26 Jahre alte Heine war als Student in Göttingen immatrikuliert und befand sich am Ende seines Jurastudiums. Allerdings langweilte in das Studium, welches er als Broterwerbsstudium betrachtete.[2] Heine fühlte sich unwohl in Göttingen, da ihm literarische Anregungen, welche er zuvor in Berlin gefunden hatte, fehlten. Im September 1824 fasste Heine den Entschluss, eine Wanderung durch den Harz zu unternehmen, um Abstand vom Leben in der Universitätsstadt zu gewinnen. Nach seiner Rückkehr im Oktober 1824 schreibt er an einen Freund:

„Sie (die Reise) war mir sehr heilsam, und ich fühle mich durch diese Reise sehr gestärkt. Ich habe zu Fuß und meistens allein den ganzen Harz durchwandert, über schöne Berge, durch schöne Wälder und Täler bin ich gekommen und habe wiedermal frei geatmet….Ich habe viel Herrliches und Liebes erlebt, und wenn nicht die Jurisprudenz gespenstisch mit mir gewandert wäre, so hätte ich wohl die Welt sehr schön gefunden.“[3]

Die Erlebnisse seiner Wanderung beginnt Heine gleich nach seiner Heimkehr aufzuschreiben. Seine Reiseerzählung wird 1826 von der Zeitschrift „Gesellschafter“ veröffentlicht, allerdings stark gekürzt, da der Herausgeber befürchtete, mit der Zensur in Konflikt zu geraten. Erst als Heine im selben Jahr seinen späteren Verleger Campe kennenlernt, wird „Die Harzreise“ ohne wesentliche Veränderungen herausgegeben.

Insgesamt war Heine während seiner Wanderung durch den Harz vier Wochen unterwegs. Sein Fußmarsch führt ihn von Göttingen nach Osterode, mit einigen Zwischenhalten weiter zum Brocken und nach Weimar, wo er Goethe traf. Über Eisenach und Kassel wanderte er zurück nach Göttingen, wo er am 11. Oktober wieder ankommt. Literarisch in seiner „Harzreise“ hat er allerdings nur die ersten sechs Tage verarbeitet. Wahrscheinlich war Heine von Goethes abweisender Reaktion so enttäuscht, dass er dieses Zusammentreffen nicht weiter verarbeiten wollte. Höhepunkt seiner Reise war die Besteigung des Brocken, was bereits aus dem Eingangsgedicht der „Harzreise“ als Absicht hervorgeht: Auf die Berge will ich steigen / Wo die dunklen Tannen ragen / Bäche rauschen, Vögel singen / Und die stolzen Wolken jagen. Lebet wohl, ihr glatten Säle / Glatte Herren! Glatte Frauen! / Auf die Berge will ich steigen / Lachend auf euch niederschauen.[4]

Heine interessierte sich während seiner Reise „hauptsächlich für die politische und geistige Kultur der Städte und Orte, an denen er sich aufhält.“[5] Der Ich-Erzähler analysiert und vor allem ironisiert das Gesehene und Erlebte. Heine konfrontiert den Leser mit einem ständigen Wechsel von Prosa und Lyrik sowie von Traum und Wirklichkeit. Die Platzierung der drei Gedichte in der „Harzreise“ bildet das äußere Gerüst des Reiseberichts.[6] Im zweiten Gedicht „Die Bergidylle“ sowie im Gedicht „Prinzessin Ilse“ verwendet Heine märchenhafte Motive, um kritische politische Aussagen machen zu können.

Thematische Schwerpunkte der „Harzreise“ sind Heines Kritik an der Wissenschaft sowie an der Gesellschaft. Zudem kommt der Natur, als Gegensatz zur gelehrten Welt, eine Wichtige Rolle zu.

[...]


[1] Köhler-Zülch, Ines (2009): Hans Christian Andersen und die Harzer Sagentopographie, in: Brednich, Rolf Wilhelm (Hrsg.): Erzählkultur : Beiträge zur kulturwissenschaftlichen Erzählforschung; Hans-Jörg Uther zum 65. Geburtstag. Berlin [u.a.]: de Gruyter.

[2] Vgl. Eversberg, Gerd (1984): Erläuterungen zu Heinrich Heine Die Harzreise. Hollfeld: C. Bange, S. 17.

[3] Scholz, Ingeborg (1983): Heinrich Heine. Deutschland. Ein Wintermärchen. Reisebilder. Hollfeld: Joachim Beyer Verlag, S. 37.

[4] Denecke, Rolf (1987): Romantische Harzreisen. Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine und Hans Christian Andersen mit 12 Stahlstichen von Ludwig Richter. Hildesheim: Lax, S. 24.

[5] Stauf, Renate (2008): „Der Brocken ist ein Deutscher“. Zeitkritik, Literatur und Satire in Heines Harzreise, in: Berghahn, Cord-Friedrich [u.a.] [Hrsg.]: Literarische Harzreisen. Bilder und Realität einer Region zwischen Romantik und Moderne. Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte, S. 117.

[6] Vgl. Scholz 1983, S. 42.

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656515050
ISBN (Buch)
9783656514480
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262584
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
vergleich harzreiseberichte heinrich heine hans christian andersen

Autor

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Titel: Ein Vergleich der Harzreiseberichte von Heinrich Heine und Hans Christian Andersen