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Blumen einmal anders

von Prof. Dr.-Ing. Jörg Buchholz (Autor) Inge Buchholz (Autor) Siegfried Buchholz (Autor)

Technischer Bericht 2013 55 Seiten

Kunst - Kunsthandwerk

Leseprobe

1 Motivation

Mit diesem kleinen Buch möchten wir die vielen wertvollen Erfahrungen, Tipps und Tricks, die wir in über zwanzig Jahren Blumenpressen und der Gestaltung von Karten, Kerzen und Lampenschirmen gewonnen haben, weitergeben. Auf unzähligen Kunsthandwerkerausstellun­gen durften wir erfahren, dass sehr viele Menschen beim Betrachten unserer Geschenkideen genauso viel Freude empfinden wie wir bei deren Gestaltung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(a) Karte (b) Lampenschirm

Abbildung 1.1: Gestaltung mit gepressten Blumen

Unser ganz besonderer Dank geht an Almuth und Aloys Schmiegelt, die viele der nachfolgend beschriebenen Verfahren zusammen mit uns entwickelt haben und mit denen wir sehr viele schöne Stunden auf gemeinsamen Ausstellungen hatten.

2 Blumen pressen

Bevor wir Karten, Kerzen und Lampenschirme mit Pflanzen verschönern können, brauchen wir natürlich als erstes einen Vorrat an gepresstem Material. Obwohl wir mittlerweile einzelne gepresste Pflanzen auch über das Internet bestellen können [1], [2], wollen wir im Folgenden den günstigeren und natürlich viel interessanteren Weg beschreiten, unsere Pflanzen selbst zu pressen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Der immer wieder empfohlene Tipp „Leg die Blumen doch einfach ein paar Tage in ein dickes Telefonbuch.” funktioniert definitiv nicht. Weil ihnen ihre Feuchtigkeit nicht schnell und gründlich genug entzogen wird, verlieren die meisten Pflanzen im Telefonbuch ihre Farbe und werden braun und unansehnlich. Um die in Abbildung 2.1 bis Abbildung 2.39 dargestellten leuchtenden Farben zu erhalten, müssen wir schon ein paar der in Abschnitt 2.2 aufgeführten Erfahrungen beherzigen.

2.1 Richtige Pflanze, richtiger Zeitpunkt

Gelber Krokus Das herbarische Jahr beginnt im März mit dem Krokus (Abbildung 2.3). Dabei eignen sich am besten die gelben Töne, da die blauen Blüten beim Pressen viel Farbe verlieren. Krokussen müssen wir sehr schnell ihre viele Feuchtigkeit entziehen, indem wir-wie in Abschnitt 2.2 beschrieben - häufiger „die Pappen wechseln”. Mit zwei Krokussen und ein paar Gräsern können wir schnell ein ansprechendes Bild erzeugen.

Gänseblümchen Ende März bis Anfang April beginnt das Gänseblümchen zu blühen und kann eigentlich den ganzen Sommer über geerntet werden. Seine Blütenblätter variieren von schneeweiß bis tiefrot. Am liebsten verwenden wir die interessanten weiße Blüten mit einem zarten rosa Rand (Abbildung 2.2). Wenn wir Gänseblümchen pflücken, müs­sen wir darauf achten, sie schnell in die Presse zu bekommen oder sie in der Zwischenzeit in Wasser zu stellen, da sonst die Blütenköpfe zusammenklappen.

Huflattich Zur gleichen Zeit beginnt an Wegesrändern der wilde Huflattich zu blühen, der mit seinen vollen gelben Blütenständen und seinen kräftigen Stängeln auf Karten sehr ausdrucksstark wirkt. Seine Blätter - die wir sogar zusammen mit ein paar zarten Wurzeln (Abbildung 2.4) zum Pressen nutzen können - bildet der Huflattich erst nach dem Verblühen aus.

Hornveilchen, Stiefmütterchen Im April und Mai finden wir in Gärtnereien einjährige Hornveilchen (Abbildung 2.5) und Stiefmütterchen (Abbildung 2.6) in vielen schönen Farbkombinationen, die auch im gepressten Zustand erhalten bleiben. Dabei sollten wir auf möglichst intensive Farbzeichnungen achten und die Blüten sofort pressen, wenn sie sich geöffnet haben.

Bach-Nelkenwurz Im Mai wächst auf feuchtem, sumpfigem Waldboden der grazile Bach­Nelkenwurz (Abbildung 2.7) mit seinen farblich unscheinbaren aber bizarr geformten Blüten, der gut mit den leuchtenden Farben anderer Pflanzen harmoniert.

Akelei Ebenfalls im Mai beginnt die Akelei (Abbildung 2.1) zu blühen, die wir in vielen unterschiedlichen Farbtönen von rot bis blau (aber auch als gelb leuchtende Goldakelei) finden. Die mehrjährige Akelei neigt dazu, im Laufe der Jahre in unserem Garten an Farbe zu verlieren und bildet immer blässere Blüten aus, so dass wir ab und zu auf professionell gezüchtete Auffrischungen zurückgreifen müssen.

Vergissmeinnicht Ende Mai, Anfang Juni können wir beginnen, das Vergissmeinnicht zu ernten. Sein Blau übersteht das Pressen sehr gut und wir können neben voll geöffneten auch halb geöffnete Blütenstände, Knospen, Stängel und Blätter verwenden (Abbil­dung 2.8). Ein Bild nur aus Vergissmeinnicht hat für viele Menschen eine persönliche symbolische Bedeutung.

Doldengewächse Manche Menschen mögen statt knalliger Farben lieber gedecktere Töne. Diese Menschen können wir mit den zarten Blüten des Kälberkropfs (Abbildung 2.9), des von Gärtnern gehassten Gierschs (Abbildung 2.10) und anderer Doldengewächse erfreuen. Andererseits lassen sich die im Juni geernteten Dolden auch wunderbar mit bunten Farben kombinieren.

Wilde Möhre Wir haben schon Karten verkauft, auf denen sich nichts als eine einzige besonders schön gepresste Dolde der Wilden Möhre befand. Die im Juli an vielen Wegrändern und Brachen üppig wachsende Blüte der Wilden Möhre pressen wir sowohl im frühen Stadium (Abbildung 2.11) als auch voll entwickelt (Abbildung 2.12) mit dem interessanten, kontrapunktierenden dunkelroten bis schwarzen Scheininsekt, das die Wilde Möhre verwendet, um Insekten zum Besuch zu bewegen.

Sommerblumen In den Sommermonaten ernten wir in unserem Garten Knospen, Blüten, Stängel und Blätter in allen Farben des Regenbogens:

- Färberkamille (Abbildung 2.13)
- Gelbe Cosmea (Abbildung 2.14)
- Elfenspiegel (Abbildung 2.15), möglichst hell, möglichst gelb
- Felsenkraut (Abbildung 2.16)
- Husarenk(n)öpfchen (Abbildung 2.17)
- Verbene (Abbildung 2.18)
- Rose (Abbildung 2.19), nur ohne Fruchtknoten
- Geranie (Abbildung 2.20 und Abbildung 2.21), möglichst kleinblütig
- Schleifenblume (Abbildung 2.22)
- Sterndolde (Abbildung 2.23)
- Lobelie (Abbildung 2.24 und Abbildung 2.25) als stehende (nicht hängende) Neuzüch­tung mit großer Blüte
- Storchschnabel (Abbildung 2.26)
- Rittersporn (Abbildung 2.27)
- Herbstanemone (Abbildung 2.28)
- Gemeines Weidenröschen (Abbildung 2.29)
- Hortensie (Abbildung 2.30), verliert manchmal beim Pressen ihre Farbe
- Fuchsie (Abbildung 2.31)

Waldrebe Die in vielen Gärten rankende Clematis orientals blüht praktisch den ganzen Sommer. Wir verwenden allerdings weniger die großen Blüten als vielmehr die im Herbst entstehenden filigranen Fruchtstände (Abbildung 2.32), die als dynamischer Anziehungspunkt das Auge des Betrachters fesseln.

Heide Mit blühender Heide (Abbildung 2.33) können wir ohne viel Beiwerk eindrucksvolle Bilder gestalten. Allerdings müssen wir - wie beispielsweise auch bei der Clematis - damit leben, dass sich Heide nicht beliebig dünn pressen lässt.

Frauenhaarfarn Kleinwüchsigen Frauenhaarfarn kaufen wir direkt beim Gärtner. Beim Pres­sen kann es leider manchmal passieren, dass die Blätter braun werden (Abbildung 2.34).

Fingerahorn Auch den filigranen Fingerahorn (Abbildung 2.35) finden wir in unseren Brei­tengraden kaum in der Natur sondern nur als gepflegte Gartenpflanze. Je nach Jah­reszeit und Sorte leuchtet er mal grün und mal rot. Er dominiert, wie Wilde Möhre, Clematis und Heide, ein ganzes Bild, so dass wir auf weitere ausdrucksstarke Pflanzen verzichten können.

Labkraut, Wicke Im Gegensatz dazu verwenden wir Labkraut (Abbildung 2.36) und Wicke (Abbildung 2.37) gerne als schmückende Füllpflanzen in farbenfrohen Bildern und als Basis für Wiesenblumen.

Moos Auch Moose (von denen es etwa 16 000 Arten gibt) nutzen wir naturgemäß als „Bo­den” unserer Bilder. Dabei drücken wir ganz bewusst durch die braunen Wurzeln (Ab­bildung 2.38) die natürliche Verbindung zur Erde aus.

Gräser Die vielen unterschiedlichen Gräser (Abbildung 2.39), die wir rund ums Jahr in ver­schiedenen Blütenstadien sammeln, sind sehr wichtig für das Gestalten ausgewogener Bilder. Die Gräser bringen Bewegung, Anmut und Leben in das Bild und verhindern den Eindruck von Starrheit, Künstlichkeit und Steife.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.5: Hornveilchen

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Abbildung 2.6: Stiefmütterchen

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Abbildung 2.13: Färberkamille

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Abbildung 2.14: Gelbe Cosmea

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Abbildung 2.17: Husarenk(n)öpfchen

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Abbildung 2.18: Verbene

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Abbildung 2.21: Geramenbliite

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Abbildung 2.22: Schleifenblume

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Abbildung 2.25: Rosa Lobelie

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Abbildung 2.26: Storchschnabel

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Details

Seiten
55
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656520337
Dateigröße
37.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262573
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
Keine Note
Schlagworte
Kunst Kunsthandwerk Blumen Pflanzen Pressen Kerzen Karten Lampenschirme Abwicklung Programm Herleitung

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