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Fördert die Unterstützung eines optimistischen Attributionsstils die Aufrechterhaltung sportlicher Aktivität?

Eine randomisierte Studie in einer kommerziellen Gesundheitseinrichtung für Frauen

Masterarbeit 2013 90 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung.

1 Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes.
1.1 Gesundheitsziele und Sport
1.2 Sport: Drop out oder Dranbleiben? Zusammenhänge verstehen.

2 Problemstellung.
2.1 Sportliche Aktivität: Fakten und Grenzen.
2.2 Wie Hindernisse und negative Ereignisse sportliche Aktivität blockieren.

3 Zielsetzung.

4 Zielgruppe.
4.1 Begründung und Geschlecht
4.2 Größe und Aufteilung von Experimental-, Placebogruppe und Kontrollgruppe.

5 Theoretischer Hintergrund.
5.1 Mrs.Sporty Ernährungskonzept
5.2 Mrs.Sporty Bewegungskonzept
5.3 Attributionen: Wie unser Kopf mit Ereignissen umgeht
5.4 Seligman: Theorie des gelernten Optimismus.
5.4.1 Von der Theorie der erlernten Hilflosigkeit zur Theorie des gelernten Optimismus
5.4.2 Attributionsstil: optimistische oder pessimistisch.
5.4.3 Gelernter Optimismus und Gesundheit: Eine verhaltensbezogene Erklärung. ...
5.4.4 Die Verhaltensqualität Persistenz.
5.4.5 Die Verhaltensqualität adaptives Verhalten.
5.5 Wirkmechanismen.
5.5.1 Kontrollerwartung.
5.5.2 Coping.
5.5.3 Zielanpassungsfähigkeit
5.5.4 Selbstgesprächsregulation.

6 Methodik.

7 Empirische Untersuchung.

8 Diskussion und Ausblick.

Literaturverzeichnis.

Anhang (Bilder/Tabellen)

Fragebogen.

Einleitung

Es ist heute gemeinhin bekannt, dass körperliche Aktivität von großer gesundheitlicher Bedeutung ist und viele Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht und Adipositas, Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes mellitus reduzieren kann (vgl. Bauman, 2004; Schlicht & Brand, 2007).Warum aber schaffen es so viele Menschen nicht, langfristig dem Sport treu zu bleiben? Die Drop-out-Raten in gesundheitssportlichen Einrichtungen zeigen ganz deutlich die Schwierigkeit einer langfristigen Verhaltensänderung auf. Die vorgestellte Studie entspringt einer Forschungsarbeit von Daniela Kahlert (2011) zur Bedeutung optimistischer Attribution für die Aufrechterhaltung sportlicher Aktivität und stellt eine Erweiterung dieser dar. Auf der Grundlage von Kahlerts Studienergebnissen soll nun in einer weiteren angelegten Studie erforscht werden, ob und wie man mit Interventionen den für die Aufrechterhaltung sportlicher Intervention wichtigen optimistischen Attributionsstil unterstützen kann, damit Menschen nachhaltig aktiv bleiben. Hierzu werden alle theoretischen Grundlagen, die zum Verständnis des Untersuchungsgegenstandes notwendig sind, zwar nicht stets wortgetreu, aber auf jeden Fall inhaltlich deckungsgleich übernommen. Daniela Kahlerts Arbeit ist das Fundament der hier vorgestellten weiterführenden empirischen Studie.

Es ist längst wissenschaftlich belegt, dass sportliche Betätigung viele Krankheitsrisiken reduziert und die Gesundheit fördert (vgl. Bauman, 2004; Schlicht & Brand, 2007). Dazu reicht es allerdings nicht aus, ab und zu in Bewegung zu sein. Ein gewisses Mindestmaß an Aktivität ist notwendig, und so sollen Erwachsene Empfehlungen zufolge an mindestens drei Tagen der Woche mindestens 30 Minuten lang auf moderat-intensive Weise Sport treiben bzw. sich aktiv bewegen (Haskell, Russel, Powell, Blair & Franklin, 2007). Die Daten des letzten bevölkerungsrepräsentativen Bundesgesundheitssurveys zeigen hierzu jedoch ein sehr ernüchterndes Ergebnis: Nur 13 % der deutschen Erwachsenen erfüllen das notwendige Mindestmaß an Bewegung (Mensink, 2003). Doch ohne diese Regelmäßigkeit und Dauerhaftigkeit bei Bewegungsaktivitäten kann Gesundheit auf Dauer nicht erhalten und gesichert werden. Diese Zusammenhänge hören sich einfach und wenig spektakulär an. Doch so einfach scheint es mit Blick auf die Realisierung nicht zu sein. Zur Tatsache nämlich, dass nachhaltige Auswirkungen auf die Gesundheit nur durch dauerhaftes Sporttreiben möglich sind (vgl. Marcus et al., 2000; Wallace, White, Downie, Dalzell & Doran, 1993) gesellen sich Untersuchungen, die belegen, dass die Aufrechterhaltung von Verhalten, hier Gesundheitssport, keine selbstverständliche und sich notwendigerweise ergebende Sache ist. So findet man bei Wagner (2007) einen Überblick, der verdeutlicht, dass etwa jede zweite Person das begonnene Sporttreiben höchstens sechs Monate lang aufrechterhält und dann wieder aussteigt. Was aber ist es, das Sportler bei der Stange hält, und was ist es, das sie aufgeben lässt? Darüber fehlen bislang tiefere Untersuchungen (Nigg, Borrelli, Maddock & Dishman, 2008).

Die vorliegende Arbeit zeigt zunächst noch einmal nach Kahlerts Arbeit auf, warum manche Menschen es schaffen, dauerhaft im Sport aktiv zu bleiben und andere nach absehbarer Zeit aussteigen. Es werden Probleme benannt und erörtert, welche die Aufrechterhaltung von Sport gefährden können. In diesem Zusammenhang werden die Theorie des gelernten Optimismus (Seligman, 1991) sowie Studien, welche die Rolle optimistischer Attributionen im Zusammenhang mit dem Aufrechterhalten von Sporttreiben beleuchten, vorgestellt. Die darauf aufbauende Studie des Autors soll nun zeigen, dass es mit einfachen mentalen Interventionen der Selbstgesprächsregulation (Immenroth, Eberspächer, Hermann, Beckmann, 2008), die effizient in die regulären Routine-Checkups integriert werden können, gelingen kann, negative gedankliche Muster zu beeinflussen, so dass Menschen dem Sport dauerhaft treu bleiben. Da im Vordergrund aller Motive, welche die Zielgruppe zum Bewegungsangebot treibt, die Gewichtsabnahme steht, wurde dieses Kriterium im Zusammenhang mit der vorgestellten Maßnahme gemessen und verglichen. Dabei darf natürlich nicht vergessen werden, dass die Veränderung von Körpergewicht nur eine „Begleiterscheinung“ veränderten Verhaltens ist und das Verhalten wiederum durch den jeweiligen Attributionsstil einer Person bestimmt wird. Da der Verlust von Körpergewicht jedoch eine messbare Größe im Verlauf dieser empirischen Forschung war, wurde diese Größe stets in den Studienverlauf eingebunden und berücksichtigt.

1 Beschreibung des Untersuchungsgegen standes

1.1 Gesundheitsziele und Sport

Nach Casperson, Powell & Christenson (1985) werden unter dem Begriff „körperliche Aktivität alle Aktivitäten verstanden, bei denen der Energieverbrauch den Ruhewert deutlich übersteigt. Dazu kann ganz Verschiedenes gehören. Sowohl Tätigkeiten des täglichen Lebens wie Gartenarbeit, Treppensteigen oder Spazierengehen als auch Sporttreiben im wörtlichen Sinne wie Fußball oder Jogging usw. gehören dazu. Beim Sport unterscheidet man schließlich noch mal das Sporttreiben auf Basis von Leistungs- und Gesundheitszielen (Brand, 2010). In dieser Arbeit werden die Gesundheitsziele im Vordergrund stehen.

1.2 Sport: Drop out oder Dranbleiben? Zusammenhänge verstehen

Wie schon erwähnt, ist zur Erreichung gesundheitlicher Ziele neben einem Mindestmaß an Bewegung auch die Dauerhaftigkeit des Sportreibens notwendig (Marcus et al., 2000). Wagner (2007) zeigt jedoch Drop-out-Raten im Sport auf, die – bezogen auf einen Zeitraum von 6 Monaten nach Sportaufnahme (= das erstmalig veränderte Bewegungsverhalten einer Person) – 33 bis 50 % betragen, je nach Setting und Organisationsform.

In der gesundheitspsychologischen Forschung sind die definitorischen Kriterien, die zur Unterscheidung der Aufnahme und der Aufrechterhaltung eines Verhaltens herangezogen werden, ganz verschieden. Die motivationalen Kontinuumtheorien beispielsweise differenzieren nicht ausdrücklich zwischen Aufnahme und Aufrechterhaltung (Bosworth & Voils, 2008). Eine andere Theorie, die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1991), definiert Determinanten, die menschliches Verhalten voraussagen; dazu gehören beispielsweise die Einstellung der Person, ihre subjektive Norm, deren wahrgenommene Verhaltenskontrolle oder Intention. Von diesen Determinanten wird angenommen, dass sie auch die Aufrechterhaltung oder den Abbruch eines geänderten Verhaltens erklären. (vgl. auch sozial-kognitive Theorie; Bandura, 1986). Ferner gibt es auch noch andere Konzepte, zum Beispiel das Transtheoretische Modell (TTM) von Prochaska, DiClemente & Nocross, (1992). Dieses Stadienmodell sieht Verhalten nicht als ‚kontinuierliches Maß’, sondern als Prozess. Ein Prozess, der in fünf qualitativ unterschiedlichen Stadien (Präkontemplation, Kontemplation, Präparation, Aktion, Aufrechterhaltung) verläuft. Im Stadium der Aktion ist eine Person gemäß TTM dann, wenn das geänderte Verhalten erstmals realisiert wird. Von Aufrechterhaltung ist beim TTM dann die Rede, wenn das Verhalten nach sechs Monaten immer noch beibehalten wird. Jedoch wird das zeitliche Kriterium zur Unterscheidung von Verhaltensaufnahme und Aufrechterhaltung mancherorts hinterfragt (vgl. Marshall & Biddle, 2001; Wagner, 2007). Und im Allgemeinen gibt es auch keine einheitliche Bezeichnung davon, was unter Aufrechterhaltung von sportlicher Aktivität zu verstehen ist. Nach Wagner (2007) wird bei der sportlichen Aktivität ein wellenförmiges Verhalten beobachtet, das in Häufigkeit und Umfang über die Zeit hinweg unterschiedlich ist. So wechseln sich sportlich aktive/re und inaktive/re Phasen ab. Bei der Betrachtung des Sportverhaltens im Zusammenhang mit dessen Aufrechterhaltung ist es wichtig, nicht nur die aktiven Phasen zu berücksichtigen, sondern auch die inaktiven Phasen. Nur das Gesamtbild ermöglicht letztlich, Aussagen über die Aufrechterhaltung zu machen. Das wellenförmige Phänomen lässt sich auf verschiedene Lebenszeiträume übertragen. So zeigt sich sowohl für einen großen Lebensabschnitt ein bestimmtes wellenförmiges Muster, wo Abschnitte durch mehr oder weniger sportliche Aktivität geprägt sein können; es lassen sich aber auch diese wellenförmigen Abläufe auf kleinere Zeiträume von ein paar Wochen beobachten. Doch ob ein großer oder kleiner Abschnitt betrachtet wird, wichtig ist die Berücksichtigung stets beider Phasen.

2 Problemstellung

2.1 Sportliche Aktivität: Fakten und Grenzen

Feststeht: Körperliche Aktivität fördert die Gesundheit, und doch bewegt sich ein Großteil der Menschen unserer Bevölkerung zu wenig. Laut Eurobarometer-Studie aus dem Jahr 2002 sind durchschnittlich 40 % der Bevölkerung ausreichend in Bewegung, Männer mit 46 % eher als Frauen mit 35 % (Sjöström, Oja, Hagströmer, Smith & Bauman, 2006). Verglichen mit dem für Deutschland bevölkerungsrepräsentativen Bundes-Gesundheitssurvey aus dem Jahr 1998 sind es durchschnittlich nur 13 % der deutschen Erwachsenen, die das Mindestmaß an körperlicher Aktivität erfüllen (Mensink, 2003). Und auch hier gibt es Alters- und Geschlechtsunterschiede. Männer zeigen sich aktiver als Frauen, jüngere Menschen aktiver als ältere. Nach dem telefonischen Gesundheitssurveys 2003, in dem unmittelbar nach sportlicher Aktivität gefragt wurde, sind ein Drittel aller Deutschen sportabstinent; auch hier sind die Angaben nach Alter und Geschlecht unterschiedlich. So treiben von den 20- bis 29-jährigen Männern über die Hälfte (52 %; Frauen: 40 %) mindestens zwei Stunden Sport pro Woche. Dagegen sind es bei den 70- bis79-jährigen Männern lediglich 30 % (Frauen: 22 %), die auf diesen Zeitumfang kommen (Rütten, Abu-Omar, Lampert & Ziese, 2005).

Die Grenzen der sportlichen Aktivität beschreiben die Gründe, die erklären, warum Menschen nicht oder nicht mehr ausreichend Sport treiben. Diese Gründe sind ausgesprochen vielfältig, sie können ganz subjektiv sein, durch äußere Umstände bedingt werden usw. Dazu zählen zum Beispiel Barrieren, die die Wohnumgebung betreffen (Huston, Evenson, Bors & Gizlice, 2003), die Zugangsmöglichkeiten zu Sportstätten oder auch soziodemografische Kriterien, wie Alter, Geschlecht oder Bildung (Bergman, Grjibovski, Hagströmer, Bauman & Sjöström, 2008; Kaleta & Jegier, 2007; Kearney, Graaf, Damkjaer & Engstrom, 1999), mangelnde Ressourcen bezüglich Zeit (King, Castro, Wilcox, Eyler, Sallis & Brownson, 2000), Gesundheit (Steenhuis, Nooy, Moes & Schuit, 2009) oder finanzieller Mittel. Dazu gehören aber auch ganz persönliche Aspekte, wie Mangel an Freude und sozialer Unterstützung oder eine niedrige Selbstwirksamkeitserwartung bezogen auf sportliche Aktivität (King et al., 2000). Diese Barrieren benennen zunächst einige Gründe, warum für manche Menschen der Zugang zu Bewegung schwierig ist. Haben sie es dennoch geschafft und sind einmal aktiv geworden, gibt es wieder ganz andere Faktoren, die nach dem Beginn des Sporttreibens die weitere Aufrechterhaltung erschweren. Dies soll nachfolgend in Anlehnung an Kahlert beschrieben werden.

2.2 Wie Hindernisse und negative Ereignisse sportliche Aktivität blockieren

Drop-out-Raten unterscheiden sich, wie schon zuvor angemerkt, je nach Setting und nach Art der sportlichen Organisationsform nach sechs Monaten [1] zwischen 33 und 50% (Dishman & Buckworth, 1996; Wagner, 2007). Das heißt, dass es ungefähr jeder zweiten Person nicht gelingt, das neu begonnene Sporttreiben länger als sechs Monate aufrechtzuerhalten. Was auf den ersten Blick also eigentlich so einfach scheint, ist letztlich kein selbstverständlicher Prozess. Woran liegt das? Möglicherweise sind es ganz verschiedene Aspekte, die hinsichtlich des Eintritts in den Sport und der sich anschließenden Aufrechterhaltung erschwerend und negativ wirken. Der Fokus liegt hier auf der Zeit nach dem Eintritt, also auf der aktiven Phase. Diese aktive Phase kann gestört und erschwert werden durch negative Ereignisse wie zum Beispiel:

Organisation und Infrastruktur: Besonders gewichtig sind hier oft mangelnde zeitliche Ressourcen. Es gilt die Frage zu lösen, wie das neue Sportverhalten mit dem Alltag vereinbar ist, berufliche und familiäre Verpflichtungen wollen mit dem Sport unter einen Hut gebracht sein. Und noch mehr Zeit muss eingeplant sein, wenn das gewünschte Sportangebot eine längere Anfahrt erfordert, oder wenn man Jogging betreiben möchte, aber kein Park oder Wald in der Nähe ist. (Huston et al., 2003).

Routine und Verhalten : Sportlich aktiv zu bleiben bedeutet, andere gewohnte Verhaltensweisen zu verändern. Dies ist sehr schwer und ist oft auch von negativen Ereignissen begleitet (Conroy, Hyde, Doerksen & Ribeiro, 2010). Verglichen mit anderen Gesundheitsverhaltensweisen wie zum Beispiel Alkohol trinken oder Rauchen, was letztlich „nur“ eingestellt werden muss, bedeutet die Integration von Sport mitsamt seines zeitlichen und organisatorischen Aufwandes eine recht große Herausforderung, wobei mit Schwierigkeiten gerechnet werden kann, wie Kollision mit anderen familiären und beruflichen Verpflichtungen sowie Terminplanungen; Schuldgefühle wegen nicht wahrgenommener Verpflichtungen, Niedergeschlagenheit durch die hohe Belastung (O’Dougherty, Dallman, Turcotte, Patterson, Napolitano & Schmitz, 2008).

Negative Ereignisse durch Sport:Falsch dosiert kann Sport negative Gefühle und unangenehm wahrgenommene Reaktionen wie Muskelkater und Verspannungen auslösen (Chao, et al. 2000). Die Belohnung für das Sporttreiben in Form positiver Gesundheitseffekte tritt bekanntermaßen erst verzögert ein. Manchmal sind solche Effekte auch nicht einmal wahrnehmbar, wie zum Beispiel eine ausbleibende Krankheit.

Die Aufrechterhaltung sportlicher Aktivität ist folglich kein einfaches Unterfangen. Trotz all dieser Schwierigkeiten, die bestehen, schaffen es aber trotzdem einige Menschen, dauerhaft in Bewegung zu bleiben und ihr geändertes Verhalten beizubehalten. Was ist nun der Unterschied zwischen diesen Personen und jenen, die dies nicht schaffen? Die Annahme ist hier, dass sich die Personen in ihrem gedanklichen Umgang mit Problemen voneinander erheblich unterscheiden. Und wenn es so ist, dass der gedankliche Umgang letztlich das Handeln beeinflusst, dann muss es doch auch gelingen können, durch mentale Maßnahmen den gedanklichen Umgang mit Problemen zu beeinflussen. Dieser Fragestellung geht diese Studie nach.

3 Zielsetzung

Die grundlegende Annahme des gelernten Optimismus (Abramson, Seligman et al., 1978) übertrug Kahlert in der Weise auf ihre Untersuchung, dass dort angenommen wurde, dass die mit einem optimistischen Attributionsstil einhergehenden Verhaltensmuster auch für den Prozess der Aufrechterhaltung sportlicher Aktivität förderlich sind. Es wurde herausgefunden, dass dies so ist. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird nun für diese Untersuchung die Hypothese aufgestellt, dass Interventionen (in diesem Fall die Selbstgesprächsregulation) den für die Aufrechterhaltung eines Verhaltens wichtigen optimistischen Attributionsstil unterstützen können. Durch die empirische Belegung dieser Hypothese wird der Nutzen mentaler Maßnahmen für Sporttreibende in Gesundheitsanlagen bekräftigt. Denn je optimistischer der Attributionsstil einer Person ist, desto höher ist ihr Antrieb, das Training im Mrs.Sporty-Club beizubehalten.

4 Zielgruppe

Die Zielgruppe sind sportliche Neueinsteigerinnen aus dem Mrs.Sporty Club Schleswig. Für die Studie wurden 40 Probandinnen rekrutiert.

4.1 Begründung und Geschlecht

Die Beschränkung auf weibliche Probandinnen und Neueinsteigerinnen erfolgt bewusst, denn gerade bei einer homogenen Gruppe von Neueinsteigerinnen ist die Aufrechterhaltung der sportlichen Aktivität interessant, da dem Drop-out-Phänomen mit einer frühzeitigen Intervention begegnet werden kann, was den erwarteten Nutzen einer solchen Intervention signifikant belegen kann. Eine gemischtgeschlechtliche Gruppe mit breiter Altersstruktur brächte eine enorme Komplexität individueller Bedürfnisse, Voraussetzungen und Dispositionen mit sich, was die Studienarbeit erheblich erschweren und ein aussagekräftiges Studienergebnis behindern würde. Mit der gewählten Beschränkung ist trotz natürlich auch hier vorherrschender Individualität der Probandinnen eine Homogenität geschaffen, welche die erwarteten Studienergebnisse besser und deutlicher herausstellen kann.

4.2 Größe und Aufteilung von Experimental-, Placebogruppe und Kontrollgruppe

Die Zielgruppe der sportlichen Neueinsteigerinnen wird in der Sportanlage Mrs-Sporty rekrutiert und in drei Gruppen aufgeteilt zu je 15 Probandinnen in Experimental- und Placebogruppe und 10 Teilnehmerinnen in der Kontrollgruppe. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass keine ärztlichen Kontraindikationen vorliegen (Ausschlusskriterien). Alle drei Gruppen erhalten ein unterschiedliches Maßnahmen-Programm. Die detaillierten Inhalte der jeweiligen Maßnahmen für die einzelnen Gruppen werden in den weiteren Ausführungen noch genau erläutert.

5 Theoretischer Hintergrund

5.1 Mrs.Sporty Ernährungskonzept

Ziel des Mrs.Sporty-Ernährungskonzeptes ist eine langfristige Ernährungsumstellung auf eine am individuellen Energiebedarf der Mitglieder orientierte, ausgewogene Ernährung. Sie soll den Bedarf an Makro- (Fette, Eiweiße, Kohlenhydrate) und Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe) abdecken, durch einen erhöhten Ballaststoff- und Eiweißanteil sättigen und die Lebensqualität durch bewussten Genuss fördern. Dieses Programm besteht aus den drei Phasen der Reduktion, Stabilisierung und Erhaltung des Gewichts.

Das Mrs.Sporty-Ernährungskonzept berücksichtigt die wissenschaftlichen Empfehlungen der Adipositastherapie sowie die Adipositasleitlinien. [2] Ebenso finden Berücksichtigung für eine Sicherung der Nährstoffzufuhr die Lebensmittelmengenempfehlungen der aid-Ernährungspyramide für Erwachsene mit einer sitzenden Tätigkeit.[3]

Zu Beginn des Ernährungsprogramms steht ein Ernährungsfragebogen, mit welchem der jeweilige Energiebedarf der teilnehmenden Person ermittelt wird. Um den Abnehmprozess ideal begleiten zu können, wird in dem Fragebogen auch das Ernährungsverhalten der Probandin erfasst. [4]

Aufgrund des ermittelten Energiebedarfs kann die Probandin individuell in das zum Konzept gehörende Phasenmodell und Baukastensystem der Nahrungsmittel eingeordnet werden, das eine langsame und langfristige Gewichtsreduktion auf drei Energie- bzw. Kalorienstufen gewährleistet.

Der Individualität der Probandin wird mit dem Konzept dadurch Rechnung getragen, dass es den tatsächlichen Energiebedarf ermittelt, den Leistungs- und Gesundheitszustand der Probandin prüft und die Ernährungsumstellung langsam und individuell an die jeweilige Person anpasst. Diese Methodik wird in der Arbeit noch tiefergehend beschrieben.

Grundlegende verhaltensmodifizierende Maßnahmen finden sich auch im Ernährungskonzept. So werden realistische Ziele gesteckt, Rückschläge besprochen, bessere Rahmenbedingungen überlegt oder Gruppentreffen organisiert. Jedoch stehen diese kognitiven Inhalte hinter der geplanten kognitiven Maßnahme dieser Studie weit zurück. Bei der Besprechung des kognitiven Konzepts wird deutlich werden, dass das kognitive Konzept im Gegensatz zu den verhaltensmodifizierenden Maßnahmen eine Bewusstseinsänderung in den Probandinnen bewirkt, welche maßgeblich den Erfolg eines Ziels bestimmt.

5.2 Mrs.Sporty Bewegungskonzept

Das Mrs.Sporty-Bewegungskonzept umfasst ein dreimal wöchentliches 30-minütiges Zirkeltraining, das die Phasen Aufwärmen, Kräftigung, Kondition, Abkühlen und Dehnen enthält. Auch hier ist durch 5 verschiedene Zirkelprogramme der Individualität Rechnung getragen. Die Besonderheit dieses Konzeptes liegt in der zeitlichen Effizienz durch kurze Trainingseinheiten, der hohen Flexibilität und der intensiven Betreuung der Kundinnen. Auch auf das Bewegungskonzept wird innerhalb der Arbeit nicht dezidierter eingegangen, da der Schwerpunkt dieser Arbeit in den Auswirkungen der kognitiven Maßnahmen des kognitiven Konzeptes liegt. Für weiterführende Informationen dazu sind am Schluss des Literaturverzeichnisses dieser Arbeit einige Internetquellen aufgeführt.

5.3 Attributionen: Wie unser Kopf mit Ereignissen umgeht

In der Psychologie nennt man die gedankliche Erklärung von Ursachen, die zu Ereignissen führen (Kausal-)Attribution. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er für Erlebnisse bzw. Ereignisse, die ihm widerfahren, Begründungen und Erklärungen sucht. Dieses Bedürfnis danach, Geschehenes zu erklären, ist umso größer, je negativer oder überraschender die Ereignisse in Erscheinung treten (Peterson & Seligman, 1984). Da solche Ursachenzuschreibungen immer sehr persönlich und daher ganz individuell sind, müssen sie nicht mit dem tatsächlichen und objektiven Sachverhalt kongruent sein. Die ersten Untersuchungen zur Bedeutung von Attributionen in der Psychologie finden sich bei Heider (1958). Auch angesprochen werden soll in dieser Arbeit die Theorie des gelernten Optimismus (Seligman, 1991). Die zentrale Aussage, die den angesprochenen Theorien bzw. Ansätzen zugrundeliegt, ist die Annahme, dass die Art und Weise, wie Menschen in der Vergangenheit Ursachen für Ereignisse erklärt haben, auch zukünftiges Verhalten beeinflusst.

5.4 Seligman: Theorie des gelernten Optimismus

5.4.1 Von der Theorie der erlernten Hilflosigkeit zur Theorie des gelernten Optimismus

Seligmans Theorie des gelernten Optimismus (1991) geht zurück auf dessen Theorie der erlernten Hilflosigkeit (1975) sowie die darauf aufbauende reformulierte Theorie der erlernten Hilflosigkeit (reformulated learned helplessness theory, RLHT; Abramson, Seligman & Teasdale, 1978). Ausgangspunkt der Theorie der erlernten Hilflosigkeit war die Beobachtung von apathischen und teilnahmslosen Hunden, denen zuvor mit Hilfe von Stromschlägen eine nicht vorhandene Kontingenz zwischen Verhaltensreaktion und Konsequenz induziert wurde. Hunde, die wiederholt erfolglos versuchten, Stromschlägen zu entkommen, zeigten in nachfolgenden Durchgängen keine Verhaltensreaktion. Sie hatten demnach die Hilflosigkeit gelernt (Seligman, 1975). Diesen erlernten Hilflosigkeitseffekt konnte man bei Menschen nur bedingt festzustellen. Hier war eher die individuelle Ursachenerklärung ausschlaggebend für das anschließende Verhalten, was somit zur Ergänzung und Reformulierung der Theorie führte (Abramson et al., 1978). Die zentrale Annahme der Theorie des gelernten Optimismus (Seligman, 1991) ist, dass die subjektive Art der Ursachenerklärung vergangener Ereignisse Einfluss auf das zukünftige Verhalten von Menschen nimmt. Die Theorie sagt also über einen indirekten und retrospektiven Zugang Verhalten voraus. Dabei gehen Abramson und Kollegen (1978) und auch Seligman (1991) von habituierten Attributionsmustern aus, das heißt, es finden sich immer wiederkehrende Muster in der Ursachenerklärung. Diese Muster und ihre individuellen Erklärungen lassen sich mit Hilfe von Attributionsdimensionen strukturieren. Ob eine Person einen eher optimistischen oder eher pessimistischen Attributionsstil hat, wird durch die Kombination und Ausprägung der Attributionen definiert.

5.4.2 Attributionsstil: optimistische oder pessimistisch

Attributionsstile sind die subjektive Art, wie sich Menschen gewöhnlich (vor allem negative) Ereignisse erklären. Gelernter Optimismus definiert sich über diese Attributionsstile (Seligman, 1991). Diese Art und Weise der Ursachenerklärung kennzeichnet sich durch Konsistenz von Attributionsmustern bezüglich negativer Ereignisse sowie eine zeitliche Stabilität dieses Verhaltens. (Seligman, 1989). Es gibt drei Dimensionen, nach denen sich die individuelle Ursachenerklärung negativer und/oder unerwarteter Ereignisse strukturieren lässt (Abramson et al., 1978):

- Lokus: internale Attribution vs. externale Attribution
- Globalität: globale Attribution vs. spezifische Attribution
- Zeitliche Stabilität: stabile Attribution vs. instabile Attribution

Bei internaler Attribution begründet die Person Ereignisse durch sich selbst, zum Beispiel durch individuelle Fähigkeiten, bei externaler Attribution macht sie andere Personen oder äußere Umstände zur Erklärung eingetretener Ereignisse. Die globale und spezifische Dimension differenzieren nun, ob eine Ursachenerklärung übergreifend für den gesamten Lebenskontext (global) Auswirkungen hat oder nur einen Teilbereich (spezifisch), beispielsweise den Beruf betrifft. Und schließlich bezieht sich die dritte Dimension auf den zeitlichen Aspekt, das heißt, ob es sich um eine einmalige (instabile) Erklärung handelt oder ob die Erklärung manifest und dauerhaft (stabil) bedeutsam ist.

Diese drei Dimensionen mit ihren jeweils entgegengesetzten Ausprägungen bestimmen nun den individuellen Attributionsstil einer Person, und je nach Kombination und Gewichtung spricht man eher von einem negativen oder einem positiven Attributionsstil. Attribuiert ein Mensch bei einem negativen Ereignis zum Beispiel internal, global und stabil, so ist von einem pessimistischen Attributionsstil zu sprechen, wogegen eine externale, spezifische und variable Attribution eines negativen Ereignisses einem optimistischen Attributionsstil entspräche.[5] (Abramson et al., 1978; Seligman, 1991). Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur wenige Untersuchungen die sich der Ätiologie des individuellen Attributionsstils widmen, und das, was vorliegt, benennt vor allem genetische und umweltbezogene Erklärungen für die Entstehung von Attributionsstilen. Zum Beispiel konnte in Studien mit Geschwistern, darunter auch eineiige und zweieiige Zwillinge, ein genetischer Anteil an der Ausprägung des Attributionsstils nachgewiesen werden (Lau, Rijsdijk & Eley, 2006; Schulman, Keith & Seligman, 1993). Für umweltbezogene Erklärungen wird vor allem das prägende Verhalten durch Eltern herangezogen. So präge die Art und Weise, wie Eltern Kindern Rückmeldungen geben oder Sanktionen erteilen, den Attributionsstil der Kinder (Lau et al., 2006; Seligman).

5.4.3 Gelernter Optimismus und Gesundheit: Eine verhaltensbezogene Erklärung

Zur Zeit der reformulierten Theorie der erlernten Hilflosigkeit (Abramson et al., 1978) entstanden eine Reihe empirischer Forschungsarbeiten, die sich dem Zusammenhang von Attributionsstil und gesundheitsbezogenen Variablen widmen. Robins & Hayes (1995) beispielsweise dokumentieren sehr gut den Zusammenhang zu depressiven Symptomen bei Erwachsenen. Ferner konnte eine längsschnittlich angelegte Untersuchung auch die Beziehung zur körperlichen Gesundheit belegen. So zeigten Peterson et al. (1988), dass der Attributionsstil von durchschnittlich 25-Jährigen zu Beginn der Untersuchung den von Ärzten objektiv erfassten Gesundheitszustand der Personen im Alter von 45 Jahren, 55 Jahren und 60 Jahren vorhersagt, und das auch bei statistischer Kontrolle des Gesundheitszustands im Alter von 25 Jahren. Eine andere prospektiv angelegte Studie von Sellers und Peterson (2002) konnte des Weiteren den Nachweis erbringen, dass das Zusammenwirken des Attributionsstils mit dem wahrgenommenen Stress die körperliche Gesundheit über einen Zeitraum von neun Wochen vorhersagt.

Für diese Zusammenhänge und gesundheitlichen Auswirkungen unterscheiden Peterson und Bossio (2002) fünf mögliche Erklärungen: die immunbiologische, emotionale, kognitive, soziale und behaviorale Erklärung. Die kognitive Erklärung stellt fest, dass optimistisch attribuierende Personen im Gegensatz zu pessimistisch attribuierenden in ihrem Lebensalltag weniger tägliche Ärgernisse („daily hassles“) wahrnehmen, die wiederum in Zusammenhang mit der Gesundheit stehen. Im Zusammenhang mit der sozialen Erklärung zeigen Studienergebnisse, dass optimistisch attribuierende Personen in ihrem Umfeld über mehr soziale Unterstützung verfügen können, welche ebenfalls in positivem Zusammenhang mit gesundheitlichen Effekten (Wang, Wu & Liu, 2003) steht. Zentral in dieser empirischen Arbeit indes ist die behaviorale Erklärung, der zufolge optimistisch attribuierende Personen andere Verhaltensmuster zeigen als pessimistisch attribuierende Personen. So lässt sich nach Seligman (1991) prägnant und kurz konstatieren: Je optimistischer sich Personen negative Ereignisse erklären, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das entsprechende Verhalten zukünftig wieder zu zeigen. Besonders in schwierigen Situationen und bei großen Widerständen offenbart ein optimistischer Attributionsstil folglich eine erhöhte Persistenz des Verhaltens. Personen mit optimistischem Attributionsstil geben weniger schnell auf, aber nicht nur das, sie handeln auch angemessener, beispielsweise in aussichtlosen Situationen, in denen sie durch ihre Fähigkeit zur Persistenz nicht sinnlos an Verhaltensweisen festhalten, sondern gemäß der Situation adaptiver verhalten. Die behaviorale Erklärung der Theorie des gelernten Optimismus (Seligman, 1991) enthält folglich die Verhaltensqualitäten ‚Persistenz’ und ‚adaptives Verhalten’ als zentrale Aspekte.

5.4.4 Die Verhaltensqualität Persistenz

Als Persistenz bezeichnet man im Allgemeinen ein ausdauerndes Verhalten oder die andauernde Anstrengung in schwierigen Situationen, oder wenn sich Widerstände auftun (Bandura, 1986). Diese Persistenz nun wird bedingt durch die Art der Ursachenerklärung und die damit verbundene Erwartung (Gillham, Shatté, Reivich & Seligman, 2002). So ist es von großer Bedeutung, ob jemand Misserfolg optimistisch oder pessimistisch attribuiert. Denn diese Attributionen bestimmen die Erwartung an die erfolgreiche Realisierung zukünftiger Handlungen (Abramson et al., 1978; Seligman, 1991). So wird, um es noch mal exemplarisch zu veranschaulichen, ein negatives Ereignis, das der eigenen Person sowie globalen und stabilen Ursachen zugeschrieben wird, die Erwartung erzeugen, dass das Verhalten in Zukunft nicht mit Erfolg realisiert werden kann. Wird dasselbe Ereignis external, spezifisch und instabil attribuiert, steigt die Erwartung und die damit verbundene Wahrscheinlichkeit der Verhaltensrealisation.

In einigen wenigen Studien (z. B. Schwimmsport: Seligman, Nolen-Hoeksema, Thornton und Thornton, 1990) wurde der Einfluss unterschiedlicher Attributionsstile auf Persistenzmaße im Kontext sportlicher Aktivitäten untersucht und es konnte ansatzweise gezeigt werden, dass der Attributionsstil in Zusammenhang mit der Persistenz eines Verhaltens steht. Bislang mangelt es jedoch an Studien zum Kontext der Aufrechterhaltung sportlicher Aktivität zur Erreichung von Gesundheitszielen.

5.4.5 Die Verhaltensqualität adaptives Verhalten

Auch wenn Persistenz grundsätzlich etwas Positives ist, macht es bei unlösbaren Aufgaben oder unerreichbaren Zielen keinen Sinn, an der Persistenz festzuhalten, denn dies vergeudet im Ernstfall wichtige und vielleicht knappe Ressourcen. In solchen Situationen ist eher ein adaptives Verhalten angebracht.

Wenn wir gelernten Optimismus (Seligman, 1991) und ‚adaptives Verhalten’ im Zusammenhang betrachten wollen, sei zunächst festgehalten, dass gelernter Optimismus über die Art der habituierten Ursachenerklärung negativer Ereignisse definiert ist. Und ganz eindeutig sind nicht erreichbare Ziele oder auch unlösbare Aufgaben negative Ereignisse. Wir haben bereits angeführt, dass optimistisch attribuierende Personen sich negative Ereignisse anders erklären als pessimistisch attribuierende Personen. Ein optimistischer Attributionsstil definiert sich über die externale, instabile und spezifische Erklärung eines negativen Ereignisses. Diese Betrachtung bedeutet einen geringen Selbstbezug dieses negativen Ereignisses, wie auch die unwahrscheinliche Erwartung, dass zukünftige Ereignisse ebenso sein werden und dass dies auch in anderen Kontexten der Fall ist. Auf dieser Grundlage kann angenommen werden, dass es optimistisch attribuierenden Personen besser gelingt, sich von unlösbaren Aufgaben oder auch nicht erreichbaren Zielen zu lösen, als pessimistisch attribuierende Personen, die dies wegen ihres stärker ausgeprägten Selbst- und Zukunftsbezuges nicht so gut können. Und wem es gelingt, sich von einer Sache zu lösen, der hat die Möglichkeit, sich Neuem zuzuwenden, sprich ein Verhalten adaptiv an eine neue Gegebenheit anzupassen. Es gibt bislang jedoch keinerlei Untersuchungen zur Verhaltensqualität ‚adaptives Verhalten’ in Verbindung mit der Theorie des gelernten Optimismus (Seligman, 1991) oder im Kontext sportlicher Aktivität.

Aspinwall und Richter (1999) untersuchten adaptives Verhalten unter anderem im Zusammenhang mit der Theorie des dispositionellen Optimismus. Dort wurde adaptives Verhalten über die verbrachte Zeit mit unlösbaren Anagrammen[6] operationalisiert. Es gab 96 Teilnehmer, die im Vorfeld der Studie nicht vollständig informiert wurden; sie dachten, sie würden an einer Untersuchung zur verbalen Intelligenz teilnehmen. Zunächst wurden allen Versuchspersonen sieben nicht lösbare Anagramme vorgelegt. Für eine Gruppe war dies die einzige Aufgabe. Den anderen Versuchsteilnehmern wurden weitere Anagrammsets zur Bearbeitung angeboten (insgesamt 2 x 7 lösbare Anagramme). Variiert wurde dabei, ob die Versuchspersonen zur ersten Aufgabe zurückkehren durften oder nicht. Allen Teilnehmern standen 20 Minuten für die Bearbeitung der Anagramme zur Verfügung. Aspinwall und Richter (1999) interessierten sich dafür, ob dispositioneller Optimismus, das Selbstwertgefühl (Rosenberg, 1965) oder die Selbstbeherrschung (engl.:„selfmastery“) das Ausmaß adaptiven Verhaltens erklären. Das Ergebnis war, dass Personen mit hohen Optimismus- oder Selbstbeherrschungswerten, die dachten, sie dürften nicht zum ersten Anagrammset zurückkehren, sich durchschnittlich etwa vier Minuten schneller von den ersten sieben unlösbaren Anagrammen abwendeten, als jene mit niedrigen Optimismus- oder Selbstbeherrschungswerten. Die Autorinnen erklären sich dieses Ergebnis unter anderem dadurch, dass Optimisten das erste Misserfolgserlebnis (nicht gelöste Anagramme) nicht generalisieren und daher weniger Zweifel daran haben, sich der nächsten Situation zuzuwenden. Es lässt sich vor allem festhalten, dass die von Aspinwall (1999) genannte Ergebnisinterpretation an die Annahmen der Theorie des gelernten Optimismus (Seligman, 1991) anschließt und daher vor deren Hintergrund näher beleuchtet werden sollte.

5.5 Wirkmechanismen

Die Wirkmechanismen, über welche der Attributionsstil und die beiden genannten Verhaltensqualitäten ‚Persistenz’ und ‚adaptives Verhalten’ verbunden sind, dies sind nach Gillham und Kollegen (2002) die motivationale Determinante ‚ Kontrollerwartung’ sowie das ‚ Copingverhalten’ (Gillham et al., 2002). Für die Verhaltensqualität ‚Adaptivität des Verhaltens’ wird an dieser Stelle zusätzlich der Wirkmechanismus Zielanpassungsfähigkeit eingeführt.

5.5.1 Kontrollerwartung

Das subjektive Empfinden einer Person, ob man ein Ergebnis oder ein Ereignis durch eigenes Zutun beeinflussen kann, nennt man Kontrollerwartung (Tewes & Wildgrube, 1992). Die Kontrollerwartung der Untersuchungsteilnehmer wurde in den klassischen Versuchsanordnungen zur erlernten Hilflosigkeit durch eine experimentelle Variation manipuliert. Dabei konnten beispielsweise Personen ein unangenehmes Geräusch nicht beenden oder sie konnten einer unangenehmen Situation nicht entfliehen (Seligman, 1975), was zu einem Gefühl nicht vorhandener Kontrolle führte. Seligmans (1975) reformulierte Theorie der erlernten Hilflosigkeit sowie der heutige Ansatz des gelernten Optimismus (1991) enthalten die Annahme, dass die jeweilige Ausprägung des Attributionsstils zu einem Gefühl der Hilflosigkeit oder der Kontrolle führt (Gillham et al., 2002), also zu der Erwartung, ob in Zukunft das eigene Verhalten erfolgreich oder nicht erfolgreich realisiert werden kann. Ein internal, stabil und global attribuiertes negatives Ereignis bringt eine niedrigere Kontrollerwartung mit sich, was sich wiederum auf das zukünftige Verhalten auswirken soll. Es gibt Untersuchungen zum Verhältnis zwischen Attributionen, Kontrollerwartungen und anschließendem Verhalten außerhalb des Sportkontextes. Deuser und Anderson (1995) stellen in einer Überblicksarbeit die Bedeutung der Kontrollierbarkeitseinschätzung innerhalb der attributionsttheoretischen Annahmen heraus und bezogen weitere Forschungsarbeiten ein, die meist die Relation zwischen Attributionen, Kontrollierbarkeit und Leistungsparametern bestätigten. In neueren Studien wird die Kontrollerwartung über den Ansatz der Selbstwirksamkeitserwartung (Bandura, 1986) untersucht. In Studien im Bereich des Leistungssports hat die Forschungsgruppe um Pete Coffee die Auswirkung manipulierter Attributionen auf jene Selbstwirksamkeit untersucht. In einem randomisierten 2×2-Untersuchungsdesign baten die Autoren 368 Untersuchungsteilnehmer darum, sich vorzustellen in ein Auswahlteam aufgenommen werden zu wollen. Dazu legten sie den Teilnehmern mit Hilfe einer Vignette unterschiedliche Attributionen nahe, um daran anschließend die Selbstwirksamkeitserwartung der Teilnehmer zu messen. Das Ergebnis war wie erwartet. Die Probanden, denen nicht kontrollierbare und stabile (eher pessimistische) Attributionen für das Ereignis ‚Aufnahme in ein Auswahlteam’ angeboten wurden, gaben niedrigere Werte der Selbstwirksamkeitserwartung an (Coffee, Rees & Haslam, 2009). Eine ähnliche Studie mit 80 Probanden ergab Gleiches. Hier baten Coffee und Rees (2011) die Teilnehmer darum, mit verbundenen Augen eine Dartwurfaufgabe zu absolvieren, und gaben ihnen ein falsches, negatives Feedback erhielten. Danach teilte der Versuchsleiter den Teilnehmern zunächst eine von vier Varianten der Ursachenerklärung für das schlechte Resultat mit, um dann die Selbstwirksamkeit der Teilnehmer zu erfassen. Wieder war das Ergebnis erwartungsgemäß. Diejenigen, denen unkontrollierbare und stabile Erklärungen (eher pessimistische Attributionen) für deren Leistung nahegelegt wurden, gaben geringere Werte der Selbstwirksamkeitserwartung an. Im Anschluss sollten die Teilnehmer nochmals die Dartwurfaufgabe ausführen und es zeigte sich wiederum der gleiche Effekt (Coffee & Rees, 2011). Die Verbindung zwischen Attributionen und dem Wirkmechanismus Kontrollerwartung im Sport, respektive Selbstwirksamkeitserwartung (Bandura, 1986), ist somit bereits behandelt worden. Jedoch sind die vorliegenden Arbeiten nicht im Kontext der Aufrechterhaltung sportlicher Aktivität zur Erreichung von Gesundheitszielen angesiedelt und sollten daher vor diesem Hintergrund untersucht werden.

5.5.2 Coping

Menschen gehen unterschiedlich mit Problemen und Stress um. Die Art und Weise, wie sie dies tun, nennt man Coping (Greenglass, 2002). Die grundlegenden Konzepte und Forschungsansätze zu Stress und Coping gehen auf Lazarus und Folkman (1984) zurück. Unterschieden wird nach deren kognitiver Theorie zwischen zwei Prozessen: die ‚kognitive Bewertung’ einer Situation (‚cognitive appraisal’) und die ‚aktuelle Copingstrategie’. Die dazu gehörigen beiden Copingstrategien sind das problemfokussierte und emotionsfokussierte Coping[7]. Zum einen ist Coping somit eine Reaktion auf Ereignisse zu verstehen, andererseits ist es durch seinen Bezug auf vorangegangene Ereignisse zugleich zukunftsorientiert (Greenglass, 2002). Dieses neuere Verständnis (vgl. Schwarzer, 2000) differenzierte weitere Copingformen, die sich vor allem in Bezug auf zeitliche Kriterien zu der herausfordernden Situation einordnen lassen. Zu diesen Strategien zählen reaktive, antizipatorische, präventive und proaktive Coping [8]. Welche Verbindung besteht nun zwischen gelerntem Optimismus (Seligman, 1991) und Coping? Wir haben bereits gesagt, dass sich nach der Theorie des gelernten Optimismus (Seligman, 1991) der individuelle Attributionsstil auf die Kontrollerwartung zukünftiger Ereignisse sowie die tatsächliche Verhaltensreaktion auswirkt (Abramson et al., 1978). Die internale, stabile und globale Ursachenerklärung eines negativen Ereignisses führt demnach zu einer verminderten Kontrollerwartung und Resignation; vergleichbar ist es auch bei dysfunktionalen Copingstrategien zu beobachten. Die optimistische Attribution eines negativen Ereignisses indessen steht mit einem aktiven Copingverhalten in Verbindung. Im Sportkontext existieren auch hier nur wenige empirische Arbeiten, die die Verbindung zwischen Attributionsstilen und Coping untersucht haben. Es gibt außerhalb dieses Settings eine Studie zum Zusammenhang von Attributionsdimensionen (Internalität, Stabilität und Globalität) und Copingformen (problemfokussiert, emotionsfokussiert, Hilfesuche, Distanzierung) die mit insgesamt 90 Studierenden durchgeführt wurde (Mikulincer, 1989). Es konnte dabei mit den durchgeführten Zusammenhangsanalysen ein signifikanter Zusammenhang zwischen den Attributionsstilen und den Copingformen Problem- und Emotionsfokussierung nachgewiesen werden. Darauf aufbauend untersuchte Mikulincer (1989) mit Hilfe einer induzierten unlösbaren Aufgabe die über aufgabenunspezifische Gedanken und Kontrollerwartungen moderierte Verbindung zwischen Attributionsstil und einer Leistungsaufgabe. Angenommene Wirkmodelle konnte nicht bestätigt werden. Dafür wurden auf direkter Ebene statistisch signifikante und hypothesenkonforme Zusammenhänge nachgewiesen. Wie nun die einzelnen Attributionsdimensionen über die Verbindung unterschiedlicher Copingstrategien mit dem emotionalen Befinden von 89 Jugendlichen zusammenhängen haben Roesch, Vaughn, Aldridge und Villodas (2009) in ihrer querschnittlich angelegten Studie untersucht. Erwartungsgemäß ergab sich, dass instabile Attributionen eines negativen Ereignisses mit adaptiveren Copingstrategien (hier: problem-fokussiertes Coping und positives Denken) und in Folge auch mit einem positiveren Befinden einhergehen. Stabile Attributionen hingegen bedingen nicht adaptive Copingstrategien; dies führt den Autoren zufolge zu negativen Affekten. Sellers und Peterson (1993) untersuchten in einer sportspezifischen Studie die Frage, ob der Attributionsstil einerseits über die sekundäre Bewertung (‚secondary appraisal’) und andererseits direkt auf die Copinganstregung (problemfokussiert sowie emotionsfokussiert) Einfluss nimmt. Insgesamt 66 Footballspieler sollten sich dabei gedanklich in eine kontrollierbare Situation versetzen. Das Ergebnis dieser querschnittlich angelegten Studie bestätigt die indirekte Verbindung von internalen, stabilen und globalen Attributionen über die sekundäre Bewertung auf die Copinganstrengungen. Das Vorhandensein einer direkten Verbindung zwischen Attributionsstil und Copinganstrengung konnte in dieser Studie nicht nachgewiesen werden. Auch zu dieser gesamten Thematik existieren keine Untersuchungen im Sportkontext, wenngleich die dargestellten Untersuchungen auf eine Verbindung zwischen Attributionsstil und Coping hindeuten.

[...]


[1] In Untersuchungen zur Aufrechterhaltung sportlicher Aktivität wird bislang meist das zeitliche Kriterium ‚sechs Monate’ verwendet. Dies orientiert sich an dem Transtheoretischen Modell (Prochaska et al., 1992), nach dem die Phase der Aufrechterhaltung des Sportverhaltens nach sechs Monaten beginnt. (zit. nach Kahlert, 2011)

[2] Vgl. DEUTSCHE ADIPOSITASGESELLSCHAFT: Evidenzbasierte Leitlinie. Prävention und Therapie der Adipositas. (2007).

[3] Zur Ernährungspyramide siehe im Internet: http://www.aid.de/ernaehrung/ernaehrungspyramide.php.

[4] Siehe Ernährungsfragebogen im Anhang.

[5] Beispiel eines pessimistischen Attributionsstils für das negative Ereignis eines nicht eingehaltenen Trainingsplanes: „Mir gelingt es nie meine Pläne umzusetzen. Das geht mir in allen Lebensbereichen so. “Beispiel eines optimistischen Attributionsstils für das negative Ereignisse eines nicht eingehaltenen Trainingsplanes: „Das liegt lediglich daran, dass ich Überstunden machen musste. Nächste Woche klappt bestimmt.“ (zitiert nach Kahlert, 2011)

[6] Anagramme sind Buchstabenkombinationen, die zu Worten umgeordnet werden müssen.

[7] Das problemfokussierte Coping kennzeichnet sich durch die (aktive) Veränderung der Situation, die die Bedrohung hervorruft. Das emotionsfokussierte Coping umfasst die Regulation der emotionalen Reaktion auf den bedrohenden Reiz (Greenglass, 2002).

[8] Reaktives Coping ist die Anstrengung, mit einem bereits aufgetretenen Ereignis umzugehen. Unter antizipatorischem Coping ist jene Vorbereitung und Anstrengung gemeint, die sich auf ein kritisches Ereignis in sehr naher Zukunft bezieht. Das präventive Coping ist über den Aufbau von Ressourcen zur Reduktion der Schwere einer Stresskonsequenz in der fernen Zukunft definiert und das proaktives Coping bezeichnet einen Ressourcenaufbau, der dabei hilft zukünftige Aufgaben und Ziele zu erreichen (Greenglass, 2002). (Ausführungen und Verweise nach Kahlert, 2011)

Details

Seiten
90
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656508434
ISBN (Buch)
9783656508953
Dateigröße
1004 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262553
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
1,3
Schlagworte
fördert unterstützung attributionsstils aufrechterhaltung aktivität eine studie gesundheitseinrichtung frauen

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Titel: Fördert die Unterstützung eines optimistischen Attributionsstils die Aufrechterhaltung sportlicher Aktivität?