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Laterales Denken

Welchen Beitrag kann die Kreativität im Rahmen von Problemlösungsprozessen leisten?

Studienarbeit 2013 24 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Problemlösungsprozess

3. Kreativitä
3.1 Begriffsentwicklung
3.2 Menschenzentrierter und utilitaristischer Ansatz
3.3 Eigenschaften von Kreativitä
3.4 Kreativitätstechniken

4. Das laterale Denken
4.1 Laterales Denken und divergentes Denken
4.2 Laterales Denken und Kreativitä
4.3 Laterales Denken und vertikales Denken
4.4 Laterales Denken und Problemlösungsprozesse

5. Schluss

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vertikales Denken

Abbildung 2: Laterales Denken

1. Einleitung

„Einem »gelernten« Multimediadesigner mit besten Abschlussnoten kann in der Praxis schlicht nichts einfallen.“ (Erpenbeck/von Rosenstiel 2007, S. XIX)

Das Zitat beschreibt ein Beispiel aus der beruflichen Praxis, in dem jemand, der offenbar über ein zertifiziertes Wissen innerhalb eines bestimmten Bereichs verfügt, in der praktischen Anwendung scheitert. Was hier mit „schlicht nichts einfallen “ beschrieben wird, stellt die Herausforderung dar, vor die uns ein Problem stellt. Um ein Problem lösen zu können, bedarf es einerseits gewisser Voraussetzungen und andererseits Methoden bzw. Techniken, wie man diese Voraussetzungen entwickelt oder verbessert.

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der eingangs beschriebenen Herausforderung des Problemlösungsprozess auseinander. Dabei wird der Zusammenhang zwischen dem Lernen über Handlungen bzw. aus Erfahrungen, dem Denken, den entwickelten Kompetenzen und der Fähigkeit Probleme zu lösen, rekonstruiert. Darüber hinaus wird untersucht, ob die Fähigkeit der Kreativität in diesem Prozess Anwendung findet und mit der speziellen Technik des lateralen Denkens von dem maltesischen Mediziner und Kreativitätsexperten Edward De Bono eine Möglichkeit kreativ bei Problemlösungen vorzugehen, präsentiert. Es wird der Frage auf den Grund gegangen, welchen Beitrag Kreativität am Beispiel des lateralen Denkens im Rahmen von Problemlösungsprozessen leisten kann.

Im Rahmen des methodischen Vorgehens wird zunächst der Begriff Problem beleuchtet und eine Klassifizierung von Problemlösungen vorgenommen. Der Problemlösungsprozess wird im Kontext von Handlung, Lernen, Kompetenz betrachtet und eine Arbeitsdefinition für das Problemlösen erarbeitet. In einem nächsten Schritt wird der Terminus Kreativität eingeführt, dessen Entwicklung nachgezeichnet, verschiedene theoretische Ansätze vorgestellt und Kreativitätstechniken klassifiziert. Danach wird mit dem lateralen Denken eine Möglichkeit vorgestellt, wie Problemlösungsprozesse gestaltet werden können. Laterales Denken wird dazu von divergentem und vertikalem Denken abgegrenzt und auf seine potenzielle Bedeutung für Problemlösungsprozesse untersucht. Abschließend wird im Schlussteil die Leitfrage nochmals aufgegriffen und geprüft, ob sie im Hauptteil beantwortet wurde. Außerdem werden die zentralen Forschungsergebnisse zusammengefasst und einer kritischen Bewertung unterzogen.

2. Der Problemlösungsprozess

Ehe der Terminus Kreativität analysiert und das laterale Denken auf seine Anwendbarkeit in Problemlöseprozessen untersucht wird, dient dieses Kapitel einer Einführung in die Problemlöse-Thematik. Es wird der Begriff des Problems fokussiert, klassifiziert und eine für diese Arbeit gültige Arbeitsdefinition von Problemlösungsprozessen erarbeitet. Dabei wird der Problemlösungsprozess im Kontext von Handlung, Lernen und Kompetenz betrachtet.

Um sich der Fähigkeit Probleme zu lösen, annähern zu können, bedarf es zunächst einer Fokussierung des Problems. Für Duncker (1974) entsteht ein Problem z. B. dann, „wenn ein Lebewesen ein Ziel hat und nicht weiß, wie es dieses Ziel erreichen soll. Wo immer der gegebene Zustand sich nicht durch bloßes Handeln (Ausführen selbstverständlicher Operationen) in den erstrebten Zustand überführen lässt, wird das Denken auf den Plan gerufen. Ihm liegt es ob, ein vermittelndes Handeln zu konzipieren“ (Duncker 1974, S. 1) Für Klix (1971) wird das Handeln in diesem Zusammenhang über Ziele gesteuert. Ein Problem entsteht für ihn eben dann, wenn erstens ein Anfangs- und zweitens ein Zielzustand vorliegt sowie drittens die Überführung des Anfangszustands in einen Zielzustand nicht unmittelbar gelingt (vgl. Greiff 2012, S. 22 zit. n. Klix 1971). Ein Individuum steht nach Dörner (1976) „einem Problem gegenüber, wenn es sich in einem inneren oder äußeren Zustand befindet, den es aus irgendwelchen Gründen nicht für wünschenswert hält, aber im Moment nicht über die Mittel verfügt, um den unerwünschten Zustand in den wünschenswerten Zustand zu überführen“ (Dörner 1976, S. 10) Den meisten Problemdefinitionen ist die Suche nach einer adäquaten Lösung gemein. Dabei wird zumeist die Frage danach gestellt, von welchen Abbruchkriterien, die sowohl situativ als auch interindividuell verschieden sein können, sie geleitet werden. In diesen Definitionen wird zudem der Zusammenhang von Handlung und Denken deutlich. So stellt die Handlungsregulation beim problemlösenden Denken den Schwerpunkt des Denkprozesses dar: „Problemlösendes Denken erfolgt, um Lücken in einem Handlungsplan zu füllen, der nicht routinemäßig eingesetzt werden kann. Dazu wird eine gedankliche Repräsentation erstellt, die den Weg vom Ausgangs- zum Zielzustand überbrückt“ (Funke 2003, S. 25) An dieser Stelle lässt sich das Problem von der Aufgabe abgrenzen. Diese kann im Gegensatz zum Problem auch durch routinemäßiges Handeln bewältigt werden.

Beschreibt die bisherige Abhandlung verschiedene Facetten des Problems, so lassen sich innerhalb einer Klassifizierung von Problemen diverse Typen herausstellen. Einfache Probleme bzw. das statisches Problemlösen beziehen sich auf die geforderte Überführung eines festen Ausgangszustands in einen vorgegebenen Zielzustand. Sie beschreiben ein schrittweises Prozedere bis zum Erreichen der Lösung und der Eindeutigkeit in der Lösungsbewertung. Der Problemlösende hat dabei alle nötigen Informationen vorliegen und muss diese nicht aktiv beschaffen. Diese Beschreibung hält jedoch der Forderung nach realitätsnaher Erforschung komplexer Zusammenhänge nicht stand. Er ist zu weit entfernt von alltäglichen Anforderungen und impliziert keine dynamische Interaktion zwischen Problemlöser und Problem, sondern ein eher sequentielles Abarbeiten linearer Lösungsprozesse. Beim analytischen Problemlösen sind alle notwendigen Informationen explizit verfügbar oder können logisch abgeleitet werden. Die Hauptaufgabe für den Problemlöser liegt hierbei in der Analyse vorgegebener oder erschließbarer Informationen und der darauf basierenden Lösungsentwicklung. (Vgl. Greiff 2012, S. 21ff)

Auf der Grundlage der bisherigen Untersuchungsergebnisse zum Problemlösungsprozess wird folgende Arbeitsdefinition als für diese Arbeit gültig, zugrunde gelegt: „Komplexes Problemlösen ist demnach ein in der Hauptsache kognitiver Prozess, der sich in einem Variablenraum vollzieht. Die Variablen zeichnen sich aus durch nicht unmittelbar ersichtliche kausale Beziehungen untereinander; mit diesen Variablen muss der Problemlöser interaktiv und dynamisch in Beziehung treten, um einen gewünschten Zielzustand zu erreichen. Daraus resultieren unmittelbar drei Aufgaben an den Problemlöser: (1) die Beschaffung fehlender aber für die Problemlösung relevanter Informationen über die beteiligten Variablen und deren kausale Beziehungen; (2) die Integration dieser Informationen in ein Situationsmodell, welches die Elemente und Zusammenhänge des Problems adäquat abbildet, sowie (3) unter Berücksichtigung des aktuellen Zustands des Variablenraums eine bedachte Auswahl möglicher Eingriffsoptionen und deren Applikation.“ (ebd., S. 23)

Den Bezug zum Lernen bzw. der Kompetenz bislang schuldig geblieben, wird der Zusammenhang zwischen der Fähigkeit Probleme zu lösen, Erfahrungen und Handlungen in der Kompetenzdefinition von Weinert (2001) deutlich. Kompetenzen sind hier „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“ (Weiner 2001, S. 27f.). Auch in Kappelhoffs (2004) Kompetenzdefinition wird der Bezug zur Fähigkeit Probleme unter dem Einsatz von Kreativität lösen zu können deutlich: „Kompetenzen sind in Entwicklungsprozessen entstandene, generalisierte Selbstorganisationsdispositionen komplexer, adaptiver Systeme – insbesondere menschlicher Individuen – zu reflexivem, kreativen Problemlösungshandeln in Hinblick auf allgemeine Klassen von komplexen, selektiv bedeutsamen Situationen.“ (Erpenbeck/von Rosenstiel 2007, S. XI zit. n. Kappelhoff 2004) Kompetenzen werden ergo als Problemlösungsdispositionen aufgefasst. Das bedeutet, dass die durch individuelle Handlungen entwickelten Fertigkeiten und Fähigkeiten als eine Art persönliches Werkzeug zur Lösung von Problemen in unterschiedlichen Handlungssituationen genutzt werden können. (Vgl. Erpenbeck 2002, S. 143ff) Das Lernen wird in dem Zusammenhang als eine Folge von Problemlösungsprozessen angesehen. Dabei kann das neu entstandene Wissen allerdings nur durch die Erfahrungsreflektion tatsächlich bewusst werden und somit zur Erkenntnis führen (vgl. Dehnbostel/Nowak 2002, S. 9). Lernen über das Lösen von Problemen verläuft nicht zwingend zielgerichtet. Innerhalb eines Problemlösungsprozesses ist ein sich einstellendes Lernergebnis häufig gar nicht die eigentliche Absicht des Problemlösers. Der Problemlösungsprozess kann vielmehr gemeinsam mit der individuellen Reflektion von Handlungen und persönlichen Erfahrungen durch kontinuierliche Wiederholung unter Berücksichtigung vorheriger Erfahrungs- und Erkenntnisprozesse zu Erfahrungswissen führen. (Vgl. Dehnbostel 2010, S. 37ff.)

Problemlösungsprozesse gehören zu den strategisch wichtigsten Prozessen in Organisationen aber auch darüber hinaus in Forschung, Wissenschaft etc.. Die wachsende Komplexität von Entscheidungs- und Entwicklungsprozessen wird zunehmend von der Frustration und Unsicherheit über die sogenannten Zielfunktionen begleitet. Der Annahme folgend, dass für ein bestimmtes Problem verschiedene Lösungen bewertet werden können und derart eine Zielfunktion definiert werden kann, wird diese von dem Suchprozess unterschieden. Das Optimum einer Zielfunktion entspricht dann der optimalen Problemlösung. Der Problemlösungsprozess lässt sich vor diesem Hintergrund als ein Suchprozess nach diesem Optimum beschreiben. Bei Selbstorganisationsprozessen ist die Zielfunktion dagegen nicht bekannt. Selbstorganisation wird aber dann notwendig, wenn die Komplexität der Handelnden, der Handlungssituation und des Handlungsverlaufs keine streng nach Plan verlaufenden Problemlösungsprozesse zulässt.

Erpenbeck/von Rosenstiel (2007) klassifizieren die dem Problemlösungsprozess zugrunde liegenden Strategien in zwei Typen. Die Gradientenstrategien sind dabei Suchstrategien, bei denen implizit von einem schnellsten Weg zu einem eindeutigen Optimum ausgegangen wird. Die Zielfunktion ist vorhanden aber schlecht oder unscharf definiert. Die Lösungsfunktion wird im Laufe der Suche schrittweise optimiert und die Lösungsnähe nimmt zu. Die Evolutionsstrategien unterscheiden sich davon in der Art des Suchprozesses. Sie werden in Problemsituationen angewendet, in deren Verlauf der Lösungssuche sich die Lösungsmöglichkeiten noch ändern können und bei denen mehrere Lösungen möglich sind. Die wesentlichen Elemente dieser Strategien sind die Prozesse, bei denen neue Lösungen kreativ erzeugt werden und die Fähigkeit, die erzeugten Lösungen beizubehalten und präzisiert auszubauen. Die endgültige Lösung ist dabei unbekannt und wird erst im Prozess kreativ erzeugt. Beide Strategien gehen von der Vorstellung einer Suche in einem Raum von Problemen und Lösungsvarianten und einer fortlaufenden Bewertung von Ergebnissen im Suchprozess aus (vgl. Scharnhorst 2000, S. 106ff). Während bei den Gradientenstrategien nur Suchschritte angeführt werden, die eine schnelle Annäherung an die Lösung fokussieren und bei denen Phantasie oder Kreativität als störend empfunden werden, setzen die Evolutionsstrategien Destabilisierung und Umbewertung von Vorhandenem voraus, wobei „einmal erstiegene Lösungshügel“ (Erpenbeck/von Rosenstiel 2007, S. XXII) auch wieder verlassen werden müssen. Zieloffenheit wird dabei ebenso, wie die Akzeptanz von Verschlechterung notwendigerweise mit eingeschlossen. (Vgl. ebd., S. XXIff)

An den Ausführungen zu den Evolutionsstrategien bei Problemlösungsprozessen ansetzend, wird im nachfolgenden Kapitel der Terminus Kreativität abgehandelt und dessen zentrale Bedeutung innerhalb von Problemlösungsprozessen herausgearbeitet.

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Details

Seiten
24
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656508472
ISBN (Buch)
9783656508854
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262510
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
laterales denken welchen beitrag kreativität rahmen problemlösungsprozessen

Autor

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Titel: Laterales Denken