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Einflüsse von Arbeitszufriedenheit und Persönlichkeitsmerkmalen auf die Entstehung des Burnout-Syndroms

Eine Analyse von dispositionellen und situativen Aspekten innerhalb des Lehrerberufs

Masterarbeit 2013 57 Seiten

BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Versicherung

1. Einleitung

2. Aktuelle Situation

3. Das Burnout-Syndrom.
3.1 Ursachen für die Entstehung von Burnout
3.2 Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus
3.3 Die Entwicklung vom Stress zum Burnout: Am Beispiel Zeitmangel

4. Arbeitszufriedenheit, Burnout, Stress und Persönlichkeitsmerkmale
4.1 Die Persönlichkeitsmerkmale
4.2 Von der Arbeitszufriedenheit zur Arbeitsunzufriedenheit und Stress
4.3 Die Zusammenhänge zwischen Stress, Persönlichkeitsmerkmalen, Arbeitszufriedenheit und Burnout

5. Der Lehrerberuf
5.1 Arbeitszufriedenheit innerhalb des Lehrerberufs
5.2 Besonderheiten des Lehrberufs: Stressoren und Ängste
5.3 Persönlichkeitsmerkmale und Persönlichkeitsausrichtung der Lehrkraft
5.4 Prävention oder Folgen: Stress- und Überforderungsbewältigung
5.4.1 Prävention und Therapie: Zeitmangel
5.4.2 Mögliche Folge: Burnout Übertragung auf Schülerinnen und Schüler

6. Fazit

7. Quellen und Literatur

8. Anhang

A. Maslach-Burnout-Inventory – Human Services Survey

B. Tedium Measure

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Versicherung

Hiermit erkläre ich, Maris Bostelmann, dass ich die vorliegende Masterarbeit mit dem Titel:

„Einflüsse von Arbeitszufriedenheit und Persönlichkeitsmerkmalen auf die Entstehung des Burnout-Syndroms

-eine Analyse von dispositionellen und situativen Aspekten innerhalb des Lehrerberufs“-

selbständig verfasst habe. Ich versichere, alle Stellen der Arbeit, die wortwörtlich oder sinngemäß aus anderen Quellen übernommen wurden, als solche kenntlich gemacht und die Arbeit in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner Prüfungsbehörde vorgelegt zu haben.

Ort, Datum Unterschrift

1. Einleitung

Die folgende Arbeit befasst sich inhaltlich mit dem Zusammenspiel von Arbeitszufriedenheit und Persönlichkeitsmerkmalen sowie deren Auswirkungen auf die Entstehung des Burnout-Syndroms innerhalb des Lehrerberufs. Hierbei werden neben Ursachen, Abläufen und potenziellen Folgen der Erkrankung auch Präventionsmaßnahmen sowie Therapiemöglichkeiten erörtert. Die Fragestellung, die am Ende beantwortet sein soll, lautet: „In wie fern haben Arbeitszufriedenheit und Persönlichkeitsmerkmale eines Individuums Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit des Burnout-Auftretens und welche Position nimmt der empfundene Stress innerhalb dieses Systems ein?“

Um dieser Zielsetzung gerecht werden zu können, wird im ersten Kapitel einleitend die aktuelle gesellschaftliche Situation angesprochen, die zeigt, von welcher Prägnanz das Thema Burnout gegenwärtig ist. Ansteigende Krankheitszahlen, sinkende Arbeitszufriedenheit sowie sich häufende Fehlzeiten vor allem in sozialen Berufen - hier speziell dem Lehrerberuf - sind empirisch nachgewiesen. Trotz breiter Kenntnis über das Krankheitsbild und dessen Ausprägungen fällt es aktuell noch immer schwer, allgemein übertragbare Auslöser zu identifizieren, durch deren Beseitigung das Problem gelöst werden könnte. Um dennoch einen Ansatz zur Lösung des gesellschaftlichen Dilemmas zu finden, wird das dritte Kapitel zunächst den Inhalt von Burnout definieren. Dies geschieht zum einen an Hand einer kurzen geschichtlichen Darstellung, zum anderen mit einer expliziten Festlegung von wissenschaftlich anerkannten Ursachen, die für das Auftreten verantwortlich gemacht werden. In diesem Zusammenhang werden die drei Ursachendimensionen, individuelles , arbeitsbezogenes und soziales betrachtet. Das Ergebnis dieser Analyse stellt die Stressentwicklung, als einen zentralen Aspekt der Burnout-Entstehung fest. Um dieser Wichtigkeit Rechnung zu tragen, wird sein Auftreten im Folgenden näher analysiert. Zu diesem Zweck finden sowohl das Lazarus Modell, als auch dessen Erweiterung Anwendung, zu deren Verständniserleichterung am Ende des Kapitels ein Beispiel angeführt ist. Im weiteren Verlauf wird mittels der Kombination des Lazarus-Modells mit dem 12-Stufen-Modell die Entwicklung von Stress bis hin zur Burnout-Entstehung und dessen möglichem Verlauf erörtert. Hierbei wird verstärkt deutlich, dass sowohl die individuellen Veranlagungen, als auch die Wirkung des sozialen Umfeldes eine wichtige Rolle spielen. Beide Aspekte haben Auswirkung auf die subjektive Wahrnehmung der Arbeitsplatzfaktoren und darüber hinaus auch auf die empfundene AZ, da auch sie anteilig von den gleichen Faktoren beeinflusst wird.

Aus diesem Grund greift das vierte Kapitel im Anschluss den zweiten Schwerpunkt der Arbeit, die Arbeitszufriedenheit, auf, die zunächst definiert und ihre Komplexität anhand einer Unterteilung nach Bruggemann dargestellt wird. Es wird festgestellt, dass auch sie, ähnlich dem BO von individuellen und arbeitsbezogenen Faktoren abhängt, woraus zunächst der Anschein erwächst, als basierten beide Phänomene auf identischen Ursachen und könnten somit synonym füreinander gebraucht werden. Dem schließt sich eine genauere Erörterung der Ursachen und Einflussfaktoren von AZ an, um diesen Sachverhalt aufzuklären. Innerhalb dieser Betrachtung gewinnen jedoch die Persönlichkeitsmerkmale, die die Stressentstehung maßgeblich durch ihren Einfluss auf die Wahrnehmung von Arbeitsplatzfaktoren beeinflussen, weiter an Wichtigkeit. Nachfolgend werden aus diesem Grund die Persönlichkeitsmerkmale, die fortlaufend an Relevanz dazu gewonnen haben, unter Zuhilfenahme des Fünf-Faktoren-Modells definiert. Mithilfe dieses Modells sowie seiner Erweiterung und der Unterstützung einer Korrelationsanalyse des SOEP wird verdeutlicht, welche Aspekte der Umwelt und der Persönlichkeit die stärksten Einflüsse auf das Empfinden von Arbeitszufriedenheit in einem Beruf haben können. Um diesen Einfluss plastischer darzustellen wird anhand eines Beispiels die Wirkung des Persönlichkeitsmerkmales „Gewissenhaftigkeit“ mit unterschiedlichen Ausprägungen dargestellt. Weiterführend wird der Zusammenhang von AZ, BO, Stress und den Persönlichkeitsmerkmalen zwar theoretischer, dafür aber detaillierter und umfassender analysiert, um eine möglichst breite Betrachtung der Wechselwirkungen zu gewährleisten. Gleichzeitig werden die ermittelten Aspekte für das Zufriedenheitsempfinden auf ihre Kongruenz mit den Ursachen für das Burnout-Auftreten überprüft um Zusammenhänge herauszuarbeiten, die für eine direkte Verknüpfung zwischen AZ und BO sprechen. Des Weiteren wird die Zentralität von Stress sowohl in Beziehung zur Arbeitszufriedenheit als auch zu Burnout nochmals herausgestellt und die Verbindung der Persönlichkeitsmerkmale mit diesen beiden Inhalten verdeutlicht.

Den letzten analytischen Teil der Arbeit bildet eine Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse auf den Beruf der Lehrkraft im fünften Kapitel. Es wird erörtert, welche Besonderheiten des Berufszweiges zu Stress oder Arbeitsunzufriedenheit führen können und ob es in Anlehnung an die Persönlichkeitsmerkmale besondere Ausprägungen gibt, die eine Lehrkraft anfälliger für Burnout machen, als Arbeitskräfte in anderen Berufszweigen. Unter diesen Gesichtspunkten werden Ängste durch Rollenkonflikte und spezifische Persönlichkeitsausprägungen die zentrale Rolle einnehmen. Außerdem wird in diesem Teil verdeutlicht, wie eng das Verhältnis zwischen Arbeitszufriedenheit und Burnout im Lehrerberuf einzuschätzen ist. Abschließend werden zum einen neben verschiedene Präventionsmöglichkeiten, die im Alltag verhältnismäßig leicht umsetzbar sind, auch Therapiemöglichkeiten angesprochen, die evtl. auf den Lehrerberuf anwendbar sind. Zum anderen erfolgt eine kurze Darstellung möglicher Auswirkungen, die sich aus einem Lehrer-Burnout entwickeln können. Das Ende der Arbeit wird durch ein Fazit markiert, das die gewonnen Erkenntnisse nochmals kurz aufgreift, zusammenfasst und die einleitend gestellte Frage beantwortet.

2. Aktuelle Situation

Bevor im Weiteren detaillierter auf die Verbindung zwischen den Themen „ Burnout bei Lehrkräften “, „ Arbeitszufriedenheit “ und „ Persönlichkeitsmerkmale “ eingegangen wird, sollen im Vorfeld zwei Aspekte geklärt werden. Zum einen soll festgestellt werden, welche aussagekräftigen Forschungen bereits zu diesem Thema stattgefunden haben, zum anderen soll zunächst ein Blick auf die aktuelle Situation innerhalb der Gesellschaft erfolgen, um dem Leser vorab einen Überblick über den Themenkomplex zu ermöglichen. Zum Aspekt der bereits erfolgten Forschung lassen sich in diesem Zusammenhang sowohl die Arbeiten von Rüsing (2003) und Burisch (2006) anführen, als auch die Studie von Barth (1997), „bei der es sich um die erste größere Untersuchung (N = 122) im deutschsprachigen Raum handelte“. [1] Speziell auf diese Studie wird im fünften Kapitel nochmals eingegangen.

Um den Themenüberblick zu ermöglichen wird im Folgenden zunächst weniger auf einzelne Studien zurückgegriffen, als vielmehr ein aktueller Zusammenschnitt verschiedener Erkenntnisse dargestellt. Zunächst ist anzumerken, dass sich das Burnout-Syndrom in den letzten Jahren immer stärker in der Gesellschaft etabliert hat. Erkennbar ist der steigende Trend der Krankheitsauftritte in der folgenden Grafik, die die Entwicklung der Krankheitstage vom Jahr 2004 bis in das Jahr 2011 analysiert. Im Bereich des hier betrachteten Zeitraums von acht Jahren ist die Anzahl an AU-Tagen je 1000 Mitarbeiter durchschnittlich von 4,6 auf 86,9 und damit um rund 1890 Prozent gestiegen, wobei zu erwähnen ist, dass sich zeitgleich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Krankheitstage durch das Burn-out-Syndrom 2004 bis 2011

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bauer, V.; Bungard, S.; Hertle, D.; Kliner, K.; Tewes, C.; Trümner, A.[2012]: BKK Gesundheitsreport 2012 Diagramm 2.7, S. 43

Gesundheit fördern- Krankheit versorgen- mit Krankheit leben, BKK Bundesverband, Essen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Berufsgruppen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund von Burn-out-Erkrankungen im Jahr 2011 (je 1000 AOK-Mitglieder)

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schwandt, F.; Kröger, T.[2013]: Statista GmbH, Hamburg.

Dies verdeutlicht bereits zu Beginn, welche Zentralität diesem Teilaspekt des Themas aktuell beigemessen werden kann. Des Weiteren soll die sich anschließende Grafik veranschaulichen, welche Berufsgruppen einer besonders großen Gefahr unterliegen, an diesem psychischen Leiden zu erkranken.

Bei genauer Betrachtung fällt dabei auf, dass es sich größtenteils um Berufe mit sozialer Verantwortung handelt, in denen die betroffenen Personen oft mit den Problemen anderer konfrontiert werden.

Da dem Lehrberuf innerhalb dieser Arbeit besondere Aufmerksamkeit zu Teil wird, soll sein Vorkommen bei den gefährdeten Berufsgruppen an dieser Stelle hervorgehoben werden. Zudem verdeutlicht die Grafik auf der folgenden Seite zum einen nochmals explizit die Gefahr des Ausbrennens speziell für Lehrkräfte aufgrund kognitiver und emotionaler Beanspruchung und bestätigt zum anderen das erhöhte Erkrankungsrisiko bei weiblichen Mitarbeitern, das sich bereits in Abb. 1 angedeutet hat. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden jedoch noch weitere Facetten der Burnout-Entstehung tiefgehender analysiert.

Ein markantes Problem, das auffällt und bereits einleitend an dieser Stelle genannt werden soll, ist, dass in der Regel keine Unterscheidung der einzelnen Schultypen bei Untersuchungen stattfindet, bzw. einige Schulformen keine Erwähnung finden und folglich auch das Lehrpersonal global betrachtet wird. „Dies gilt gleichermaßen für US-amerikanische Studien, in denen nicht zwischen dem Primarbereich und weiterführenden Schulen unterschieden wird, wie auch für Studien aus dem deutschsprachigen Raum, in denen nicht zwischen unterschiedlichen Schultypen der weiterführenden Schule differenziert wird.“ [2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Anteil der hoch beanspruchten Lehrer in Deutschland nach Geschlecht 2011

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Statista, DAK, Leuphana Uni Lüneburg

Schwandt, F.; Kröger, T. [2013]: Statista GmbH, Hamburg.

Dieser Aspekt stellt somit in vielen Studien ein großes Problem dar, da davon auszugehen ist, dass berufsfeldbedingte Unterschiede bezüglich des Auftretens von Symptomen der Krankheit festzustellen wären. Dieses Problem zu lösen ist jedoch nicht Gegenstand der Arbeit. Einen weiteren Aspekt zur aktuellen Situation verdeutlicht die folgende Grafik. Sie zeigt die Entwicklung der Mitarbeiterzufriedenheit in Deutschland von 1984 bis 2008.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhand dieser Darstellung ist erkennbar, dass die Zufriedenheit der Menschen in den letzten 20 Jahren kontinuierlich abgenommen hat. Hierbei müssen jedoch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gemacht werden. Es wird deutlich, dass in Westdeutschland die AZ, abgesehen von zwei „Ausschlägen“ zirka 1989-1992 sowie 1998-2001, kontinuierlich abgenommen hat. Die erwähnten Schwankungen lassen sich mit gesellschaftlichen bzw. politischen Ereignissen begründen. Vermutlich sind es hier der Mauerfall und die Euroeinführung, die zu Veränderungen führen. Der letztlich doch als abnehmend zu definierende Trend in Westdeutschland, steht einer positiven Entwicklung in Ostdeutschland gegenüber, die lediglich geringfügige Schwankungen aufweist. Seit dem Jahr 2008 können die Zufriedenheiten beider jedoch als kongruent bezeichnet werden.

Der Aspekt der sich annähernden Arbeitszufriedenheiten, basierend auf mehr oder weniger identischen gesellschaftlichen Ereignissen, stellt zwar in diesem Zusammenhang eine interessante Forschungslücke dar, auf die jedoch innerhalb dieser Arbeit auf Grund einer anderen Schwerpunktsetzung nicht eingegangen werden kann.

Final könnte bereits an dieser Stelle eine Verbindung zwischen der sinkenden Arbeitszufriedenheit und dem steigenden Auftreten von Burnout angenommen werden.

- Annahme 1 :
Arbeitszufriedenheit und das Auftreten von Burnout korrelieren negativ. Mit abnehmender Arbeitszufriedenheit steigt das Burnout-Risiko.
- Annahme 2 :
Die steigende Anzahl an Burnout-Erkrankungen bei Lehrern ist auf deren sinkende Arbeitszufriedenheit zurückzuführen.

Die sich anschließenden Analysen der einzelnen Bereiche werden versuchen, diese Annahmen zu belegen.

3. Das Burnout-Syndrom

Der folgende Teil der Arbeit wird sowohl den Inhalt des Begriffs Burnout verdeutlichen, als auch dessen geschichtliche Entwicklung kurz darstellen, um den Leser gründlich in das Themenfeld einzuführen. Zu diesem Zweck erfolgt zunächst eine Definition, der sich eine kurze historische Darstellung anschließt. Die Hervorhebung der Auslöser der psychischen Erkrankung bildet das Ende dieses Teils, um weiterführend den Blick in Richtung der Arbeitszufriedenheit und deren Einfluss auf das Auftreten des BO-Syndroms zu lenken.

Definition und geschichtlicher Aufriss: Burnout

Bereits im Jahr 1911 litten Lehrer häufig unter dem BO-Symptom. Zu damaliger Zeit trug die Krankheit jedoch noch den Namen „Neurasthenie“ (gr. Nervenkraftlosigkeit, Nervenerschöpfung).[3] Deren Verlauf wurde anhand folgender Merkmale dargestellt:

1. chronisch (allmählich sich entwickelnde)
2. allgemein (das gesamte Nervensystem betreffende)
3. funktionell (keine anatomischen Veränderungen nach sich ziehende)

Demnach ist Burnout eine Erkrankung, die mit individuell unterschiedlichen Symptomen aufgrund diverser Ursachen auftreten kann.

Auch aktuell hat sich diese Betrachtungsweise kaum verändert. „Unter dem Burnout Syndrom versteht man einen Zustand emotionaler Erschöpfung. Mit ihm reduziert sich die eigene Leistungsfähigkeit. Der Mensch fühlt sich ausgebrannt, schwach, lustlos und ist nicht mehr fähig, sich in irgendeiner Weise zu erholen“. [4]

Weitere Definitionen bieten zum einen Maslach und zum anderen Pines, Aronson & Kafry an. Maslachs Darstellung ist in der Burnout Literatur jedoch die meist verwendete: Burnout ist ein „Syndrom von emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und verringerter persönlicher Erfüllung im Beruf, das bei Individuen, die bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit mit Menschen arbeiten, auftreten kann.“ [5] Pines, Aronson & Kafry definieren Burnout ähnlich als: „… Erfahrung von körperlicher, geistiger und emotionaler Erschöpfung.“ [6] Allem Anschein nach lässt sich Burnout also in die drei Bereiche körperliche (physische) , emotionale (psychische) und geistige (kognitive) Erschöpfung unterteilen. Auf diese wird das Kapitel 3.3 nochmals näher eingehen.

Der aktuelle Burnout-Begriff lässt sich aus der englischen bzw. amerikanischen Sprache übersetzen. Hier hat er primär in technischen Bereichen Anwendung gefunden. Unter Burnout wurde in diesem Zusammenhang „ausbrennen“ oder auch „durchbrennen“ verstanden. Innerhalb des medizinischen Sektors wurde der Begriff erstmals 1974 durch Herbert Freudenberg (zeitgleich Ginsburg) verwendet.[7] Er diagnostizierte unter anderem bei Therapeuten freier Drogenkliniken häufig physische und psychische Zusammenbrüche, nachdem diese anfänglich starkes Engagement in ihrem Beruf gezeigt hatten. Freudenberg gab dieser Symptomatik den Namen „Burnout-Phänomen“. In der Folge wurden erste Beobachtungsstudien zu dieser Krankheitssymptomatik durchgeführt. Vor allem die Sozialpsychologin Christina Maslach von der Universität Berkeley führte systematische Untersuchungen zum Burnout-Phänomen durch.[8] Sie war es auch, die in Zusammenarbeit mit Susan E. Jackson 1981 das MBI[9],[10] (Maslach Burnout Inventory) entwickelte.[11] Im Laufe der Zeit wurde dieses Instrument optimiert und verändert, so dass heute diverse Ausprägungen existieren. Es kann mittlerweile in den unterschiedlichsten Berufsgruppen [12] angewendet werden, um Burnout zu diagnostizieren.

- MBI-HSS (Human-Services-Survey)
- MBI-ES (Educators-Survey)
- MBI-GS (General-Survey)

Trotz erfolgreicher Anwendung zur Diagnose von BO-Erkrankungen betonen Maslach und Jackson in ihrem MBI-Manual, „dass das MBI weder als Diagnosetool noch als Indikator für eine Intervention verwendet werden soll.“ [13] Diese Aussage hat den Hintergrund, dass „aufgrund dieser Testkonstruktion und der fehlenden externen Validierung der Zuordnungen […] die [erlangten] Cutoff-Werte und die Einstufung der Schweregrade keine diagnostisch gültigen Instrumente für die medizinische Praxis [darstellen].“ [14] Neben dem MBI gibt es jedoch noch ein weiteres Messinstrument, das sich durchgesetzt hat. Hierbei handelt es sich um die Überdruss-Skala bzw. TM[15],[16],[17] (Tedium Measure später Burnout Measure).

Dennoch sind sowohl Bekanntheitsgrad als auch Inhalte des MBI unangefochten. Es gilt als theoretisch fundiert, ist wissenschaftlich anerkannt und findet in 90 % der Burnout-Studien Anwendung.[18] Nachdem im Jahr 1983 in der Zeitschrift „Psychologie heute“ ein erster Artikel zum Burnout-Syndrom erschien, wird auch in Deutschland das Auftreten der Krankheit, vor allem in Sozialberufen, diskutiert.[19] Hierunter sind vor allem die Berufe zu verstehen, in denen man oft mit anderen Menschen in Kontakt tritt und mit deren Problemen konfrontiert wird.

Eben dieses Feld der sozialen Berufe beinhaltet auch den Beruf des Lehrers (aus Vereinfachungsgründen steht die männliche Form im weiteren Verlauf stellvertretend). Welche auslösenden Aspekte des BO sind jedoch als zentral einzustufen, um direkt mit dem Lehrberuf in Verbindung zu stehen? Der sich anschließende Teil der Arbeit wird sich mit dieser Frage befassen.

3.1 Ursachen für die Entstehung von Burnout

Zunächst ist festzustellen, dass es nicht „die“ Auslöser für BO im Lehrerberuf gibt. Vielmehr lassen sich drei allgemeine Hauptbereiche definieren, denen diverse einzelne Aspekte untergeordnet werden können.[20]

1.Individuelle Faktoren (Persönlichkeitsmerkmale)

Hiermit sind in erster Linie die individuellen Persönlichkeitsmerkmale einer jeden Person gemeint, die starken Einfluss auf subjektive Empfindungen und das gezeigte Verhalten haben. Beispiele hierfür sind Empathie, Sensibilität, Idealismus, etc. Jedes dieser Merkmale ist bei jedem Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt und führt in Kombination mit dem Beruf bzw. den dort auftretenden Situationen zu anderen Reaktionen.

2.Interpersoneller und sozialer Bereich (Familie, Freunde, Kollegen)

Hierunter sind die Unterstützungssysteme zu verstehen, die ein Individuum sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz in Form von Familie, Freunden, Vorgesetzten und Kollegen umgeben. Sie schützen die Person vor den Einwirkungen negativer Einflüsse wie beispielsweise vor auftretenden Problemen (Scheidung, Streit mit der Familie oder Freunden). Wirken diese Unterstützungssysteme nicht, kann der Überhang an negativen Einflüssen schnell zum Stressempfinden und in der Folge zum Ausbrennen führen. „Soziale Unterstützungssysteme gleichen Defizite aus, wie sie beispielsweise auch durch Burnout hervorgerufen werden können, denn sie geben z.B. Anerkennung und Wertschätzung und gleichen Anforderungen aus.“ [21] In diesem Zusammenhang stellen die folgenden Situationen Beispiele dar: Der Vorgesetzte der in Problemsituationen nicht unterstützt, sondern den Betroffenen allein lässt, oder der Druck der Gesellschaft, die sehr hohe Ansprüche an Lehrer stellt, da diese einen großen Teil der Verantwortung für die nächste Generation tragen. Schnell kann es passieren, dass sich Lehrkräfte der Aufgabe aufgrund eines Rückschlags nicht mehr gewachsen fühlen, Angst haben sie nicht erfüllen zu können und so andere zu enttäuschen (Rollenbedingter Stress).

[...]


[1] Käser, U./ Wasch, J. [2009]: S. 20

[2] Käser, U./ Wasch, J. [2009]: S. 22

[3] Vgl. Barth, A.-R. [1992]: S. 13

[4] Sattler, M./ Geppert, S.: Definition Burnout

[5] Pfennighaus, D. [2000]: S. 4

[6] Heim, D. K.; Nido, M. [2008]: S. 10

[7] Vgl. Reime, B. [1999]: S. 143

[8] Vgl. Barth, A.-R. [1992]: S. 16

[9] Vgl. Lanz, C. [2010]: S. 77

[10] Mit Hilfe von 22 Fragen werden drei Dimensionen des Burnout-Syndroms erfasst: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit. Die Items werden nach Intensität und Häufigkeit auf einer sechsstufigen Likert-Skala beantwortet und die Werte der drei Subskalen separat ausgewertet. Die Dimension der emotionalen Erschöpfung wird mit den Items 1,3,6,13,14,16,20 erhoben, die Dimension der Depersonalisierung mit den Items 5,10,11,22,23,24,25 und die der reduzierten Leistungsfähigkeit mit den Items 4,7,9,12,17,18,19 und 21.

[11] Vgl. Anhang A: MBI-HSS (Human-Services-Survey)

[12] Vgl. Burisch, M. [2006]: S. 34 f.

[13] Korczak, D/ Kister, C./ Huber, B. [2010]: S. 21

[14] Korczak, D/ Kister, C./ Huber, B. [2010]: S. 21

[15] Vgl. Hillert, A./ Marwitz, M. [2006]: S. 90

[16] Dieses Messinstrument, auch Überdrussskala genannt, weist 21 Items auf, die nur hinsichtlich ihrer Häufigkeit auf einer 7-stufigen Likert-Skala zu beantworten sind. Die Hauptkomponenten von Burnout, körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung, werden innerhalb des Fragenkatalogs von niemals bis immer bearbeitet.

[17] Vgl. Anhang B: TM (Tedium Measure)

[18] Vgl. Matthaei, K. [2008]: S. 13

[19] Vgl. Barth, A.-R. [1992]: S. 16

[20] Ebd.: S. 29 ff.

[21] Dückers-Klichowski [2005], S. 110 in: Hedderich, I. [2011]: S. 85

Details

Seiten
57
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656534471
ISBN (Buch)
9783656537922
Dateigröße
943 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262440
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Institu für Unternehmensentwicklung
Note
1,7
Schlagworte
einflüsse arbeitszufriedenheit persönlichkeitsmerkmalen entstehung burnout-syndroms eine analyse aspekten lehrerberufs

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Titel: Einflüsse von Arbeitszufriedenheit und Persönlichkeitsmerkmalen auf die Entstehung des Burnout-Syndroms