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Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen. Welche Begleitkrankheiten können bei einer ADHS im Erwachsenenalter auftreten?

Seminararbeit 2013 17 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)?

3 Diagnostik und Therapie der adulten ADHS

4 Häufige Begleitstörung bei ADHS
4.1 Persönlichkeitsstörungen
4.1.1 Dissoziale Persönlichkeitsstörung
4.1.2 Borderline-Persönlichkeitsstörung
4.2 Depressionen
4.3 Suchterkrankungen oder Substanzmissbrauch
4.4 Sonstige Begleitstörungen

5 ADHS und Hochbegabung

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Internetverzeichnis

9 Tabellenverzeichnis

10 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der weit verbrei­tetsten seelischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter weltweit. Allein in Deutschland wird vermutet, dass rund fünf Prozent aller Kinder beziehungsweise Jugendlichen zwischen drei und siebzehn Jahren an ADHS erkrankt sind. (ADHS Deutschland e.V., I, 2013) Die Prävalenzrate von ADHS liegt nach Studien der „American Psychiatric Association“ bei fünf bis neun Prozent. Bis in die 1990er-Jahre galt die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als eine rein kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankung. Bis in die 90er-Jahre ging man davon aus, dass ADHS sich im Erwachsenenalter zurückbildet beziehungsweise dass sich die Symptome abschwächen. (Krause & Krause, 2005, S. 1 f.); (Rothenberger & Neumärker, 2005, S. 9 ff.)

Dies ist aber nach neueren Erkenntnissen bei circa dreißig bis fünfzig Prozent der Patienten nicht der Fall. Diese Patienten müssen dann oft ein Leben lang mit den typischen Symptomen (siehe Abbildung 1) der ADHS leben. Im Erwachsenenalter verändert sich jedoch zumeist die Symptomatik, sodass von einer adulten ADHS gesprochen wird. Diese ist sehr schwer zu diagnostizieren, da die adulte ADHS sehr oft mit anderen psychiatrischen Krankheitsbildern wie Suchter­krankungen, Borderline-Störung, Depressionen, bipolare Störungen, Angststörungen, Teilleistungsstörungen und/oder Zwangsstörungen einhergeht. Aufgrund einer ADHS kann somit im Erwachsenenalter ein äußerst komplexes psychiatrisches Krankheits­bild entstehen, das unter anderem das gesamte Spektrum der Psychiatrie beinhalten kann. Nicht zuletzt daher ist es wichtig, eine ADHS frühzeitig zu erkennen und durch entsprechende Fachärzte behandeln zu lassen. (ADHS Deutschland e.V. ,II, 2013); (Wolfgang & Edel, 2006, S. 25 ff.)

Aufgrund der Annahme, dass ADHS im Erwachsenenalter verschwinde, gab es auch keine weiteren relevanten Untersuchungen zu diesem Thema in der Erwachse­nenbildung. Nun ist jedoch bekannt, dass eine ADHS bestehen bleiben kann und, wenn sie nicht behandelt wird, sogar zahlreiche weitere psychische und physische Störungen hinzukommen können. Die vorliegende Arbeit soll einen groben Überblick über die Symptomatik und Diagnostik einer ADHS bei Erwachsenen geben. Im weiteren Verlauf werden die häufigsten Begleitstörungen herausgearbeitet, um der Eingangsfrage, welche Begleitkrankheiten bei einer ADHS im Erwachsenenalter auftreten können, deskriptiv nachzugehen.

2 Was ist eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)?

Der Name Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, stammt aus dem angelsächsischen Raum. In der deutschen Fachliteratur wird ADHS auch als „hyperkinetische Störung“ (HKS) bezeichnet. (Baer & Kirsch, 2012, S. 9)

ADHS kommt bei circa 7 bis 17 Prozent der Jungen und circa 3,3 bis 6 Prozent der Mädchen im Kindesalter vor. 49 bis 66 % der Jugendlichen mit ADHS werden die Krankheit in das Erwachsenenalter mitnehmen, sodass sie sich dauerhaft auf diese Krankheit einstellen müssen. (Kahl, Puls, Schmid, & Spiegler, 2012, S. 3)

Die ADHS ist gekennzeichnet durch drei wesentliche Kernsymptome:

- Unaufmerksamkeit beziehungsweise Aufmerksamkeitsschwäche
- Impulsivität
- Hyperaktivität (Dietrich, 2012, S. 8)

Die Unaufmerksamkeit beziehungsweise Aufmerksamkeitsschwäche bei Menschen mit ADHS ist gekennzeichnet durch eine erhöhte Ablenkbarkeit, Konzentrations­schwäche, Vergesslichkeit und das Unvermögen, Gesprächen aufmerksam zu folgen. Das Hauptproblem bei diesen Menschen ist, dass die vielen Reize, die in der Umwelt auf die Person wirken, nicht gefiltert werden können. Durch die Reiz­überflutung werden sie öfters abgelenkt und wirken zumeist unkonzentriert. Zudem verursacht eine Reizüberflutung Stress, der sich wiederum negativ auf die Gesundheit auswirken kann. (Pütz, 2006, S. 43 ff.)

Die Hyperaktivität zeichnet sich oft durch ein Gefühl der inneren Unruhe aus. Menschen mit ADHS sind zumeist geradezu unfähig, sich zu entspannen. Sie sind immer „auf dem Sprung“ und durchleiden bei Inaktivität dysphorische Stimmungs­lagen. (Pütz, 2006, S. 45 f.)

Die Impulsivität von Menschen mit ADHS äußert sich durch dauerndes Dazwischen­reden, Ungeduld, ungesteuerte Einkäufe, Unterbrechen von Gesprächen und das häufige Unterbrechen von Handlungen und die Aufnahme neuer Handlungen, obwohl die alte noch nicht abgeschlossen ist. (Pütz, 2006, S. 46)

Über die Entstehung des Krankheitsbildes von ADHS gibt es unterschiedliche Auffassungen. Zum einen wird behauptet, dass eine ADHS hauptsächlich durch eine Vernachlässigung des Kindes durch die Eltern hervorgerufen wird. (Pütz, 2006, S. 27) Die Mehrheit der Wissenschaftler geht jedoch davon aus, dass eine ADHS genetisch bedingt ist. Es wird davon ausgegangen, dass bei Menschen mit ADHS eine Dysfunktion von Neurotransmittern, besonders im frontostriatalen System, besteht. Die natürliche Funktionsweise des Neurotransmitters Dopamin (auch als Glückshormon bekannt) wird von Menschen mit ADHS beeinträchtigt. Dies führt dann zu Beeinträchtigungen der motorischen Kontrolle, der Reizwahrnehmung und ‑verarbeitung und erhöhter Impulsivität. (Wolfgang & Edel, 2006, S. 3 ff. )

Zudem kann eine ADHS durch den Einfluss ungünstiger Umweltfaktoren, wie Rauchen während der Schwangerschaft, Stress und/oder Alkoholismus, in der sensiblen Phase der fetalen Entwicklung hervorgerufen werden. (Bernhard, Paulus, Peters, & Scherk, 2013, S. 1 f.)

3 Diagnostik und Therapie der adulten ADHS

Im Erwachsenenalter ist eine ADHS nur sehr schwer zu diagnostizieren, da sie zumeist von einer oder mehreren psychischen Begleitstörungen überlagert wird (siehe Kapitel 4). Diese Menschen suchen dann einen Psychologen auf, wegen einer depressiven Verstimmung oder Depression, Angststörung und/oder Persönlichkeits­störungen. Eine ADHS als Grundproblem ist dann nur sehr schwer zu erkennen. (Dietrich, 2012, S. 8)

Im Kindesalter werden zur Diagnostik einer ADHS in Deutschland zwei Verfahren beziehungsweise diagnostische Kriterienkomplexe angewandt:

- die Kriterien nach ICD-10 zum hyperkinetischen Syndrom (WHO)
- die Kriterien nach DSM-IV der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts­störungen (American Psychiatric Association) (Schmalzried, 2005, S. 4)

Für eine klinische Diagnostik einer ADHS im Erwachsenenalter werden in Deutsch­land in der Regel die Wender-Utha-Kriterien, die in Abbildung 1 dargestellt sind, angewandt. Um die Diagnose einer ADHS im Erwachsenenalter nach diesen Kriterien zu stellen, müssen die beiden ersten Punkte und zusätzlich zwei weitere Punkte erfüllt sein. (Schmalzried, 2005, S. 5)

Abbildung 1: ADHS im Erwachsenenalter nach den Wender-Utha-Kriterien

(Kahl, Puls, Schmid, & Spiegler, 2012, S. 18)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei Menschen mit ADHS ist ein multimodaler Therapieansatz am erfolgver­sprechendsten (ADHS Deutschland e.V. , V, 2013). Folgende Maßnahmen werden in der Regel parallel eingeleitet:

- „eine Situationsanalyse erstellen
- bei neurologischem Befund eine gezielte Physiotherapie,
- verhaltenstherapeutische Interventionen,
- der Einsatz von Medikamenten (zumeist Methylphenidat)
- Coaching, sozialtherapeutische Unterstützung“ (ADHS Deutschland e.V. , V, 2013)

Vor dem Beginn von Therapien und dem Einsatz von Medikamenten ist ein umfassendes klinisches Muster des Patienten zu erstellen. Eine ADHS im Erwachsenenalter tritt nämlich nur in seltenen Fällen allein auf. Zumeist tritt eine ADHS in Kombination mit psychischen oder physischen Begleitstörungen auf, sodass die Therapieform und die Medikamentenwahl auf diese abgestimmt werden müssen (siehe Kapitel 4). (Wolfgang & Edel, 2006, S. 82 f.)

4 Häufige Begleitstörung bei ADHS

Menschen mit einer ADHS entwickeln durch die Krankheit sehr oft mehrere Begleitstörungen (sekundäre Störungen), die zum Teil das typische Krankheitsbild der ADHS überlagern können und somit das typische klinische Bild einer ADHS verzerren. Besonders im Erwachsenenalter ist daher eine eindeutige Diagnose der ADHS oft schwierig. Die sekundären Störungen können unbehandelt eine Eigen­dynamik entwickeln, sodass diese insgesamt das klinische Muster dominieren. Neueren Studien zufolge haben rund 80 Prozent aller Menschen mit einer ADHS mindestens eine weitere psychiatrische Störung. (Bernhard, Paulus, Peters, & Scherk, 2013, S. 27) (ADHS Deutschland e.V. ,II, 2013) Nachfolgend werden die häufigsten psychischen Begleitstörungen bei einer ADHS erläutert.

4.1 Persönlichkeitsstörungen

Eine allgemeine Persönlichkeitsstörung wird nach der allgemein anerkannten ICD-10-Norm wie folgt definiert:

1. „Die charakteristischen und dauerhaften inneren Erfahrungs- und Verhaltens­muster der Betroffenen weichen insgesamt deutlich von kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben ab. Diese Abweichung äußert sich in mehreren Bereichen: Kognition, Affektivität, Impulskontrolle und/oder Beziehungs­gestaltung.

2. Die Abweichung ist so ausgeprägt, dass das daraus resultierende Verhalten in vielen persönlichen und sozialen Situationen unflexibel, unangepasst oder unzweck­mäßig ist.

3. Es bestehen persönlicher Leidensdruck oder nachteiliger Einfluss auf die soziale Umwelt.

4. Die Abweichung ist stabil und hat im späten Kindesalter oder der Adoleszenz begonnen.

5. Die Abweichung kann nicht durch das Vorliegen oder die Folge einer anderen psychischen Störung erklärt werden.

6. Eine organische Erkrankung, Verletzung oder deutliche Funktionsstörung des Gehirns müssen als mögliche Ursache ausgeschlossen werden.“ (Herpertz & Saß, 2003, S. 5)

Neben dem Substanzmissbrauch ist eine Persönlichkeitsstörung mit rund 50 Prozent die zweithäufigste psychische Erkrankung bei Menschen mit ADHS. (Wolfgang & Edel, 2006, S. 84) Da das Wissen um die adulte ADHS noch relativ neu ist, wird diese noch immer von vielen Psychologen mit den verschiedenen Persönlichkeits­störungen bei der Diagnose verwechselt. Andererseits kommen verschiedene Persönlichkeitsstörungen bei der ADHS als sekundäre Störung hinzu, sodass eine Doppel- oder Mehrfachdiagnose notwendig ist. (ADHS Deutschland e.V. , III, 2013) Nachfolgend werden kurz die Persönlichkeitsstörungen erläutert, die oft in Kombination mit einer ADHS auftreten.

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Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668043978
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262439
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
aufmerksamkeitsdefizit-hyperaktivitätsstörung erwachsenenalter welche begleitkrankheiten adhs

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