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Das deutsche duale Ausbildungssystem als internationales Vorbild für die Berufsausbildung?

Das duale Ausbildungssystem avanciert zu einem deutschen Exportgut.

Studienarbeit 2013 26 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historischer Kontext des dualen Systems

3 Das duale System
3.1 Rechtsgrundlagen
3.2 Die Lernorte
3.2.1 Die Ausbildungsbetriebe
3.2.2 Die Berufsschulen
3.3 Prüfungen
3.4 Weitere Akteure des dualen Berufsbildungssystems
3.4.1 Akteure der betrieblichen Berufsausbildung
3.4.2 Akteure der schulischen Berufsausbildung

4 Kritik am dualen System

5 Organisationen der Berufsausbildung internationa

6 Die internationale Stellung des dualen Systems

7 Das duale System als Exportgu
7.1 Polen
7.2 Spanien
7.3 Griechenland
7.4 Portuga
7.5 Italien.

8 Internationale Berufsbildungskooperation.

9 Fazi

10 Abbildungsverzeichnis

11 Tabellenverzeichnis

12 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In Abgrenzung zu den anderen europäischen Ländern nimmt das deutsche Berufs­bildungssystem mit dem „dualen Ausbildungssystem“ eine Sonderstellung ein. Dieser Sonderweg in der beruflichen Bildung wird im europäischen Kontext differen­ziert betrachtet. Während die einen das System als ein Auslaufmodell betrachten, sehen die anderen im dualen Ausbildungssystem ein Vorbild. (Rothe, 2008, S. 3)

Vor der Finanzkrise im Jahre 2008 wurde das duale System nach dem deutschen Vorbild im europäischen Kontext eher kritisch betrachtet. Die OECD [1] in Paris rügte Deutschland sogar jahrelang aufgrund der niedrigen Akademikerquoten und ließ dabei das duale System völlig unbeachtet. ( Astheimer, 2013) Seit der Finanzkrise avanciert das duale System jedoch zunehmend als Vorbild in den internationalen Fokus. Viele südeuropäische Länder leiden seither unter einer zum Teil drama­tischen Jungendarbeitslosigkeit. Griechenland ist mit einer Jugendarbeits­losigkeit[2] von 62,5 Prozent Spitzeneiter im europäischen Vergleich, gefolgt von Spanien mit 56,4 Prozent und Portugal mit 42,5 Prozent. Deutschland hingegen hat mit 7,5 Prozent die niedrigste Jugendarbeitslosenquote in Europa und liegt somit auch weit unterhalb des europäischen Durchschnitts von 23,5 Prozent. (Statista, 2013)

Das duale System wird von vielen Ländern zurzeit als eine Art Garant gegen die Jugendarbeitslosigkeit wahrgenommen. Die Länder Spanien, Portugal, Slowakei, Lettland und Italien sehen in dem System eine Chance, ihren Arbeitsmarkt zu reformieren, und wollen das System mit Unterstützung der deutschen Bundes­regierung weitestgehend übernehmen. (Die Bundesregierung, 2013)

Die vorliegende Arbeit wird das deutsche duale Berufsbildungssystems systemisch darstellen und den historischen Kontext erläutern. Nach einer kurzen Darstellung anderer europäischer Berufsbildungssysteme soll folgende finale Frage beantwortet werden:

Das deutsche duale Ausbildungssystem als internationales Vorbild für die Berufsausbildung?

2 Historischer Kontext des dualen Systems

Das duale System (siehe Kapitel 3) in der deutschen Berufsbildung hat eine lange Tradition. Durch die mittelalterlichen Zünfte [3] wurde das Ausbildungsmodell „Lehrling–Geselle–Meister“ im Handwerk etabliert. Dieses Modell gilt als Grundstein des dualen Systems in Deutschland. (Kahlund, 2013)

Nach Wolf-Dietrich Greinert lassen sich drei wesentliche Entwicklungsphasen des dualen Systems in Deutschland abgrenzen: (Greinert, 2006, S. 499)

1. die Gründungsphase (1870 bis 1920)
2. die Konsolidierungsphase (1920 bis 1970)
3. eine sich dem Ende zuneigende Ausbauphase (ab 1970); (Greinert, 2006, S. 499)

Im Zuge der Mittelstandspolitik des Kaiserreiches (1878 bis 1907) erfolgte eine Restauration der im Mittelalter entstandenen Lehrlingsausbildung (Lehrling Geselle­Meister). Im Jahre 1897 erfolgte die Gewerberechtsnovelle mit der Schaffung der sogenannten fakultativen Zwangsinnung. Des Weiteren ermöglichte das Handwerks­schutzgesetz von selbstständigen Handwerkern die Errichtung von Handwerks­kammern. Im Jahre 1908 erfolgte per Gesetz der „kleine Befähigungsnachweis“, der besagte, dass fortan nur geprüfte Meister die Lehrlingsausbildung durchführen durften. Die Neuordnung des Handwerks und die Novelle von 1908 (Neuregelung des Lehrlingswesens) gilt als Fundament des dualen Systems. Zwischen 1895 und 1914 wurden durch die Schulreformen obligatorische Fortbildungsschulen als zweiter Pfeiler des dualen Systems eingeführt. (Kahlund, 2013); (Greinert, 2006, S. 500 f.)

Während der Konsolidierungsphase wurde der bis dahin weitestgehend uneinheit­liche Ausbildungssektor strukturiert. Das beziehungslose Nebeneinander von schu­lischer und betrieblicher Bildung wurde in klare Strukturen gebunden. (Greinert, 2006, S. 501) Ab dem Jahre 1930 wurden die ersten Lehrlingsprüfungen in den Industriekammern abgenommen. Im Jahre 1938 führten die Nationalsozialisten die klassische Pflichtschule mit den einheitlichen Bezeichnungen Berufsschule, Berufs­fachschule und Fachschule ein. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Neuerungen des Nazi-Regimes, wie die Berufsschulpflicht, Berufsschullehrer als Landesbeamte und die Landkreise beziehungsweise die Städte als Schulträger, weitgehend übernommen. (Kahlund, 2013) Mit Inkrafttreten des Berufsbildungs­gesetzes (BBIG) am 14.08.1969 wurden die Interessen des Staates, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer neu bemessen. Der Einfluss der Arbeitgeber wurde im BBIG begrenzt und der Einfluss des Staates auf die Ausbildung gesichert. Das Bundes­ministerium für Bildung und Wissenschaft ist seither federführend im Bereich der beruflichen Bildung. Nach Meinung vieler Bildungswissenschaftler kann vom „dualen System“ erst seit dem BBIG gesprochen werden. (Kahlund, 2013); (Greinert, 2006, S. 502 ff.)

Seit den siebziger Jahren steht die Optimierung und Anpassung des Berufsbildungs­systems auf der Agenda der jeweiligen Regierungen. Die aktuellste Reform erfolgte mit dem am 1. April 2005 in Kraft getretenen Berufsbildungsreformgesetz. Mit diesem Gesetz versucht die Bundesregierung, die hohe Qualität der beruflichen Bildung und die Ausbildungschancen zu sichern, indem der Bund und die Länder per Gesetz mehr Handlungsspielräume erhalten. (BMBF, I, 2012)

3 Das duale System

Die Berufsausbildung in Deutschland erfolgt zu rund zwei Dritteln über das duale System. Somit ist dieses System ein wichtiger Grundpfeiler des deutschen Berufs­bildungssystems. (Budesagentur für Arbeit, 2013) Das Besondere an diesem System ist, dass es die Theorie und die berufliche Praxis miteinander verbindet. Im dualen System findet die Ausbildung an zwei Lernorten (siehe Abbildung 1) statt. Zum einen erlernen die Auszubildenden die berufliche Praxis in einem Betrieb der Wirtschaft, in Praxen eines freien Berufs oder in einer Verwaltung. Zum anderen erfolgt eine umfassende schulische Ausbildung an den Berufsschulen. „Dual“ bedeutet in diesem Kontext ein aufeinander abgestimmtes System der Lernorte Berufsschule und Betrieb. (Niedersächsisches Kultusministerium, 2013); (IHK Frankfurt am Main, I, 2013)

Die Ausbildung im dualen System dauert je nach Berufsart zwischen zwei und dreieinhalb Jahren. In folgenden Bereichen wird eine duale Ausbildung angeboten:

-Handwerk
-Industrie und Handel
-Dienstleistungsbereich
-Schifffahrt
-Landwirtschaft

· bei Freiberuflern (zum Beispiel bei Ärzten, Apothekern, Rechtsanwälten oder Steuerberatern)

-im Öffentlichen Dienst (Budesagentur für Arbeit, 2013)

3.1 Rechtsgrundlagen

Die Rechtsgrundlage der dualen Berufsausbildung in der Bundesrepublik Deutsch­land ist für den betrieblichen Teil das Berufsbildungsgesetz, kurz BBIG (siehe Abbildung 1), das am 1. April 2005 reformiert wurde (siehe Kapitel 3). Für eine duale Ausbildung in einem Handwerksberuf gilt die Handwerksordnung. (Niedersächsisches Kultusministerium, 2013) Beide Gesetze regeln im Wesent­lichen:

-„ die Rechte und Pflichten der Ausbildungsbetriebe und der Auszubildenden,
- den Berufsausbildungsvertrag, der in jedem Fall die individuelle Rechtsgrund­lage eines Ausbildungsverhältnisses sein muss,
- das System der anerkannten Ausbildungsberufe sowie
- die Aufgaben der zuständigen Stellen, das heißt in der Regel der Industrie- und Handelskammern (IHK), Handwerkskammern“ (IHK Stuttgart, 2011)

Die Rechtsgrundlage für die Berufsschule ist das jeweils landeseigene Schulgesetz (siehe Abbildung 1). Für alle Auszubildenden im dualen System besteht eine Berufs­schulpflicht während der gesamten Dauer der Ausbildung, da die betrieblichen Ausbildungsinhalte und die Lehrpläne der Berufsschule aufeinander abgestimmt sind. Das BBIG bestimmt zudem, dass der berufsschulische Lehrstoff Gegenstand der Abschlussprüfung ist. (Niedersächsisches Kultusministerium, 2013); (IHK Stuttgart, 2011)

Abbildung 1 zeigt die rechtlich bindenden Zuständigkeiten der dualen Berufsbildung.

Abbildung 1: Rechtsgrundlagen und Zuständigkeiten dualer Berufsbildung (Krekel, 2013)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Die Lernorte

Die duale Berufsausbildung findet an folgenden zwei Lernorten statt:

3.2.1 Die Ausbildungsbetriebe

Grundsätzlich kann jeder Betrieb in Deutschland ausbilden, vom kleinen Familien­betrieb bis hin zum Großunternehmen. Weit über achtzig Prozent der Auszubil­denden werden in kleinen und mittleren Betrieben ausgebildet. (IHK Frankfurt am Main, I, 2013)

Die Ausbilder in den Betrieben müssen in der Regel fachlich und persönlich geeignet sein. Dies wird durch die Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) geregelt beziehungsweise gesetzlich bestimmt. Ein Ausbilder sollte eine Abschluss­prüfung in der entsprechenden Fachrichtung des Ausbildungsberufes besitzen. Zudem gehören zur fachlichen Eignung eines Ausbilders berufs- und arbeitspädagogische Kennt­nisse (§ 30 Abs. 1 und 2 AEVO). Diese sind gemäß § 30 Abs. 5 BBiG nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) durch ein Zeugnis oder eine andere Beschei­nigung nachzuweisen. In der Regel legen die betrieblichen Ausbilder die Ausbilder­eignungsprüfung bei den Industrie- und Handelskammern (IHK) des jeweiligen Bundeslandes ab. Diese prüfen auch, ob ein Betrieb im Allgemeinen als Ausbil­dungsstätte geeignet ist. Die Ausbilder-Eignungsverordnung gilt für Ausbilder in der Landwirtschaft, im Bergwesen, in Gewerbebetrieben, im öffentlichen Dienst und in der Hauswirtschaft. Die Ausbilder-Eignungsverordnung gilt jedoch nicht für die freien Berufe. (BMBF, II, 2010)

[...]


[1] OECD: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

[2] Jugendarbeitslosigkeit: mindestens 15 und höchstens 24 Jahre alt nach der Definition der

Vereinten Nationen.

[3] Zünfte: Körperschaften von Handwerkern, die ihre jeweiligen Interessen vertraten.

Details

Seiten
26
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656512134
ISBN (Buch)
9783656511663
Dateigröße
840 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262391
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
ausbildungssystem vorbild berufsausbildung exportgut

Autor

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