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Bedeutung von Trennung und Individuation in der Eltern-Kind-Beziehung für die Entwicklung des Kindes

Seminararbeit 2004 18 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

1. Das Bindungsverhalten

2. Trennung und Individuation
a) Die Adoleszenz nach Erikson
b) Die Adoleszenz nach Freud

3. Entwicklungsaufgaben im Jugendalter

4. Bewältigung von Entwicklungsaufgaben

5. Behinderung bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben

6. Entwicklungsbedingte Veränderungen in den Eltern- Kind- Beziehungen
a) Rolle der Eltern
b) Das Bedürfnis nach Selbständigkeit und Individuation in der Adoleszenz

7. Der Prozess der Individuation

Literaturverzeichnis

Soziale Entwicklung bedeutet

immer auch Individuation,

und ihr Ergebnis ist nicht nur

Anpassung an eine vorgegebene

gesellschaftliche Umwelt,

sondern auch die Herausbildung

eines individuellen Ich,

einer Persönlichkeit

mit ihrer Autonomie, ihrer

Individualität und ihrer

unverwechselbaren Identität.

(Hans Aebli)

(1989, zit. nach Damon, Deckblatt)

Einleitung

In der Entwicklung des Menschen bilden sich die frühesten Beziehungen zwischen Kindern und ihren Fürsorgepersonen heraus. Dies sind in den meisten Fällen die Eltern. Unter den Psychologen bildete sich im Laufe der Jahre eine allgemein anerkannte Meinung heraus, dass der psychische Zustand eines Menschen stark von den in früher Kindheit erlebten zwischenmenschlichen Beziehungen und deren Qualität abhängt, ob sie warmherzig, responsiv, harmonisch oder aber aggressiv, angespannt und gefühlskalt waren.

In der Zeit der Trennung und Individuation ist der Jugendliche bestrebt die ursprüngliche Art der Bindung zu seinen Eltern zu ändern, oder gar aufzulösen. Obwohl es den meisten Jugendlichen leicht fällt diese Zeit zu durchleben, müssen andere viele Probleme bewältigen, die wiederum aus der Bindungsqualität zur Bezugsperson resultieren. Besonders Kindern aus Heimen fällt es schwer sich den entsprechenden Entwicklungsaufgaben zu stellen, da sie wegen des häufigen Wechsels der Bezugspersonen, nicht die hilfreiche sichere Bindung empfinden.

Die Individuation stellt besonders für den Heranwachsenden eine wichtige Veränderung dar. Nicht nur die Akzeptanz innerhalb der Familie, sondern auch die Wahrnehmung der Umwelt, ändert sich vollkommen. Ursprüngliche Werte und Ansichten können selbst kritisch betrachtet werden und die Möglichkeit erschließt sich, das Leben selbst zu bestimmen.

Gelingt es der Familie eine neue Balance in der Eltern- Kind- Beziehung, mit beidseitiger Achtung, zu schaffen, so kann sich aus der ursprünglichen abhängigen Beziehung eine ausgewogene und tragfähige, auf Gegenseitigkeit bezogene, Beziehung entwickeln.

1. Das Bindungsverhalten

Einer der bekanntesten Psychoanalytiker, John Bowlby, ist im Zusammenhang mit der Bindungstheorie zu sehen. Die Bindungstheorie befasst sich mit der Neigung des Menschen, enge, von intensiven Gefühlen getragene Beziehungen zu anderen zu entwickeln. Dabei bezeichneten Wissenschaftler, wie Bowlby und Klaus u. Kennell (1969; 1976, zitiert nach Damon, 1989), mit Hilfe der Begriffe „attachment = Bindung“ und „bonding = Prägung“ wie das enge Band zwischen Pflegeperson und Kleinkind geknüpft und aufrechterhalten wird. Dieses Gefühlsband ist sehr spezifisch, keine der Personen kann ausgetauscht werden. Eine frühe soziale „Bindung“ zwischen Bezugsperson und Kind ist nach Miller (1993, S. 288) eine entscheidende Voraussetzung für eine normale Entwicklung.

Bowlbys Mitarbeiterin Ainsworth (1973, zitiert nach Miller, 1993) entwickelte diese Ideen weiter und befasste sich primär mit der Rolle der elterlichen Bindungsfigur als „Sicherheitsbasis“ für die Erkundungsbedürfnisse der Kinder. Sie konzentrierte sich auf die Erforschung unterschiedlicher Verhaltensmuster in kurzen Trennungssituationen, in der sogenannten „Fremde Situation“. Insbesondere bei der Rückkehr der Mutter zeigten sich Unterschiede im Bindungsverhalten und die Kinder wurden drei Bindungskategorien zugeordnet: sichere, vermeidende und ambivalente Bindung (1993, Miller, S. 294). Nach Sroufe (1983, zitiert nach Miller, 1993) ist der Bindungstyp ein guter Prädiktor für das spätere Verhalten des Kindes, etwa sein Sozialverhalten.

Bindungskategorien

Kinder mit sicherer Bindung (B-Kinder) suchen und wahren den Kontakt zur Mutter; sie zeigen kaum Kummer, wenn sie allein sind, falls doch, dann ist deutlich erkennbar, dass sie die Mutter vermissen und lassen sich nicht von der Fremden trösten. Wenn die Mutter zurückkommt, wird sie vom Kind überschwänglich begrüßt, das Spielzeug ist nicht mehr von Interesse. Das Kind zeigt keinerlei Widerstand gegen ein Aufnehmen durch die Mutter, sondern entspannt sich in ihren Armen.

Unsicher-vermeidende Kinder (A-Kinder, "avoidance") zeigen eher Unmut über das Alleingelassen werden. Mutter und Fremde behandeln sie fast gleich und ignorieren die Mutter fast, wenn sie zurückkommt; manche wenden sich ab und meiden sogar die Nähe der Mutter. Beim Aufnehmen durch die Mutter wehren sie sich nicht, bleiben aber verspannt und zeigen auch keinen Unmut, wenn sie wieder auf den Boden gesetzt werden.

Unsicher-ambivalente Kinder (C-Kinder, "ambivalent-insecure") werden laut und wütend, wenn sie allein gelassen werden. Bei der Rückkehr der Mutter verhalten sie sich ambivalent, einerseits suchen sie den Kontakt zur Mutter, andererseits widerstrebt ihnen dies aber.

Aus den verschiedensten Forschungen ist zu erkennen, dass die Bindung an die Pflegeperson einen entscheidenden Teil des frühen Soziallebens der Kinder darstellt. Demnach ist Rutter (1979, zitiert nach Damon, 1989) zuzustimmen, dass die frühen Beziehungen zwischen Kleinkind und Pflegeperson wichtige Auswirkungen auf die spätere soziale und intellektuelle Entwicklung des Kindes haben. Rutter (1979, zitiert nach Damon, 1989) arbeitete Dauerfolgen verschiedener Beeinträchtigungen der frühen Pflegeperson- Kind- Beziehung heraus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bis ins Erwachsenenalter hinein spielt die Stabilität der Bindung eine große Rolle. Das Bezugssystem des Kindes zu der Bezugsperson wird besonders in Bedrohungs- oder Stresssituationen aktiviert und kann dem Kind, je nach Qualität des Bindungssystems, als Schutzfunktion dienen.

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Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638286381
ISBN (Buch)
9783638774949
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26233
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Philosophisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Bedeutung Trennung Individuation Eltern-Kind-Beziehung Entwicklung Kindes Beziehung

Autor

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