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Systemische Krisenintervention

Diplomarbeit 2011 19 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Vorwort
2.1 Weshalb „systemische“ Krisenintervention?

3 Einleitung
3.1 Wie es zu dieser Arbeitsidee kam
3.2 Mein Arbeitsziel

4 Grundbegriffe
4.1 Krise
4.2 Intervention
4.3 Erst- oder Kennenlerngespräch
4.4 Klärungsgespräch
4.5 Krisengespräch

5 Hauptteil
5.1 Teil A (Konzepte)
5.1.1 A1) Konzept nach G. Sonneck: Krisenintervention kurzgefasst
5.1.2 A2) NLP – Physiologien oder Wahrnehmungen bestimmter Zustände
5.1.3 A3)Systemisches Gespräch nach der Methode von Schnyder

5.2 Teil B (Gespräch
5.2.1 Gesprächsführung mit der BELLA – Methode
1 Sitzung (ca. 50 – 60 Min.)
5.2.2 Beschreibung der Atemübung
5.2.3 Wichtig für meine Arbeit
5.2.4 2. – 10. Sitzung
5.2.5 Gesprächsauswertung
5.3 Teil C (Reflexion)
5.3.1 Fallbeispiel und Auswertung mit den verschiedenen Konzepten
5.3.2 Ihr Beziehungsnetz aufzeigen

6 Schlussteil
6.1 Zusammenfassung
6.2 Meine Fragen
6.3 Anregung für Daheim

7 Anhänge und Literaturverzeichnis
7.1 Krisenintervention
7.2 Fragebogen
7.3 Selbstübeprüfungsarbeit
7.4 Literaturverzeichnis
7.5 Internetzugangsadresse
7.6 Verzeichnis von Vorlagen und Abbildungen

2 Vorwort

2.1 Weshalb „systemische“ Krisenintervention?

Als „systemisch“ wird ein therapeutischer Ansatz dann beschrieben, wenn Zusammenhänge und interpersonelle Beziehungen in ihrer Gesamtheit als Grundlage für die Diagnose und Therapie von gesundheitlichen Beschwerden oder Konflikten betrachtet werden. Der Mensch in seinem ganzen „System“ – und nicht für sich isoliert – wird für die Diagnose und Therapie ins Zentrum aller Überlegungen gestellt.

Die Anerkennung und wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeit dieser Therapieform erfolgte in der Schweiz und in Österreich bereits in den 1990er Jahren. In Deutschland ist diese Herangehensweise seit 2008 anerkannt.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Systemische Therapie)

Im NLP wird der systemische Ansatz mit dem Modell der logischen Ebenen verknüpft, welches von Robert Dilts entwickelt wurde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die logischen Ebenen des NLP

Modell von Robert Dilts Mit Hilfe dieser logischen Ebenen werden bei Klienten in der Therapie die Wahrnehmungsschwerpunkte von einer Aussen- in eine Innenwahrnehmung der Problemsituation geführt. Durch diese gezielte Lenkung der Aufmerksamkeit kann ein Veränderungsprozess eingeleitet werden.

Die typischen Fragestellungen, die den Klienten in den Veränderungsprozess hineinführen, sind die Folgenden:

1.Wer kann helfen/unterstützen? - Freunde/Familie/Bekannte?
2.Was kann/muss selbst getan werden, damit sich etwas verändert?
3.Wie kann etwas verändert werden? Mit eigenen Ressourcen? Mit Kommunikation?
4.Was ist wichtig? Entscheidung?
5.Was denkst du über dich in dieser Situation (positiv/negativ)?
6.Wie könnte das Leben, die Situation verändert werden? Persönliche Vorstellung davon? Hoffnung vermitteln…!

(Quelle: http://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Logische_Ebenen)

Ich halte in meiner Arbeit als Coach und Berater den systemischen Ansatz für ausgesprochen wichtig und elementar erfolgsentscheidend. Daher ist er für mich aus meiner täglichen Arbeit nicht wegzudenken.

So habe ich mich entschieden, diese Arbeit ganz bewusst der systemischen Krisenintervention zu widmen.

3 Einleitung

3.1 Wie es zu dieser Arbeitsidee kam:

Vor einem Jahr hatte ich ein unvergessliches Erlebnis mit meiner ersten Coaching-Klientin. Ich fragte sie am Ende der Sitzung, ob ihr etwas gefehlt habe während der Sitzung und falls ja, ob sie das benennen könne. Sie antwortete sofort, ohne lange zu überlegen: „Stellen Sie mir bitte n o ch m e h r Fragen!“

Ich bin Systemischer Coach, Beraterin und Trainerin. Mich interessiert das Thema Krisenintervention, weil jeder Klient nicht einfach ohne Grund fremde Hilfe sucht. Wenn Menschen bei sich erste Anzeichen erkennen von einem wahrgenommenen Symptom wie Anspannung, Unsicherheit, Angst, Hilflosigkeit, Irritation und Aggressivität, die auf eine Krisensituation hinweisen, dann sind sie oft hilflos und fühlen sich gefangen in der Situation. Sie haben keine Idee, wie eine Veränderung eingeleitet werden kann.

Durch das Coaching habe ich die Möglichkeit, Menschen von diesem „Stuck-State“ (Gefangensein in einer Situation) wieder in einen „Ressource-State“ (Situation, in der ich mir meiner Stärken und Ressourcen bewusst bin) zu führen. In der oben geschilderten Situation erkannte die Klientin ihr Problem und sie sprach dieses in einem einzigen aussagekräftigen Satz aus. Mit meiner Gesprächsführung und den entsprechenden Fragen redete sie darüber. Sie bezog auch ihre Gefühle ein, die sie wahrnahm und sprach offen darüber. Sie beschreib was sie fühlte und wo im Körper dieses Gefühl war (Ort).

Dieses Aussprechen führte zu einer grossen emotionalen Entlastung, die den Beginn der Veränderung zeigte und langfristig sehr gesundheitsförderlich war. Die Versöhnung mit diesem Erlebnis begann.

3.2 Mein Arbeitsziel:

Mein Arbeitsauftrag besteht also generell darin, im Coaching die eigenen Lösungen, die eigenen Ressourcen und somit die eigenen Bewältigungsstrategien der Klientin wieder zu aktivieren (vgl. Aufgabe des Erstgesprächs, Dross, 2001, S.37). So kann eine akute Krise nach ca. 4 - 6 Wochen abgeschlossen sein. Auch das Führen eines Nachgesprächs ist sinnvoll. Wie geht jemand in einer nächsten Krise mit Copingstrategien um? Was hat die Klientin aus der gerade überwundenen Krise gelernt? (Dross, 2001, S. 42)

Um diesen Krisenprozess mit der gebotenen Sensibilität und klaren Zielführung begleiten zu können, bewegen mich die folgenden Fragen, die ich in dieser Arbeit beantworten möchte:

- Wie führe ich konstruktive Krisenberatungsgespräche?
- Auf was achte ich bei meiner Klientin?
- Wie unterstütze ich sie kompetent?

4 Grundbegriffe

4.1 Krise (Definition)

Griech., Krisis, „die Meinung“, „Beurteilung“, „Entscheidung“, „die Zuspitzung“, eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation.
(Quelle: http://woerterbuch.babylon.com/krise/)

4.2 Intervention (Definition)

Ein Übergriff (Dazwischentreten eines Beraters, Helfers oder eines Ankers) über alle Massnahmen und Prozesse, die eine Person mit sich oder mit anderen macht, um eine innere oder äussere Wirkung zu erzielen.
(Quelle: Das Wörterbuch des NLP).

4.3 Erst- oder Kennenlerngespräch (Definition nach Wolfgang Widulle)

Dieses Gespräch dient der Kontext- und Auftragsklärung. Die Fragestellung bezieht sich auf den persönlichen und sozialen Kontext (Vorgeschichte). Die Klientin vertraut mir ihren Auftrag erst an, wenn sie spürt, dass ich sie unterstützen kann mit ihrem Anliegen. Die evtl. Auftraggeberin testet mich als Beraterin. Es kann auch ein erstes Klärungsgespräch stattfinden.
Nach dem Erstgespräch wurde uns klar, dass wir gemeinsam an ihrem Thema arbeiten werden.

4.4 Klärungsgespräch (Definition nach Wolfgang Widulle)

Das ist ein systemisch und Klienten zentriertes orientiertes Konzept des Beratungsgesprächs mit meiner Klientin. Es hat die Selbst-, Kommunikations-,Persönlichkeits- und die Systemklärung der Klientin zum Thema.

4.5 Krisengespräch (Definition nach Wolfgang Widulle)

Dieses Gespräch ist ein Teil einer Krisenintervention. Das ist ein an Krisensituationen angepasstes Beratungsgespräch, in dem aktiv, stark strukturiert, zeitlich begrenzt und direktiv die unmittelbare Bewältigung der Krise angestrebt wird.

Verschiedene Anwendungskonzepte bei der Fragestellung zeige ich auf um eine positive Veränderung zu erreichen. Manchmal muss ich auch akzeptieren, dass jemand noch nicht bereit ist über etwas zu reden, auch das ist ein Teil der abgefragt und geklärt werden muss. Wollen sie etwas verändern? Sollen wir jetzt darüber reden?

5 Hauptteil

5.1 Teil A (Konzepte)

5.1.1 A1) Konzept nach G. Sonneck

Die BELLA-Methode hat mich direkt angesprochen. Simpel und klar zur Fragetechnikanwendung und damit gut umsetzbar bei meiner Klientin.
Wir arbeiten damit, und ich integriere auch noch Fragestellungen von diesen 2 weiteren Konzepten A2 und A3.

B = B eziehung aufbauen (Was kann ich für Sie tun? Ich kann das gut verstehen, dass das für Sie ein Problem ist. Wollen Sie mir mehr davon erzählen?)

E = E rfassen der Situation (Was hat Sie dazu bewogen gerade heute zu kommen? Seit wann genau geht es Ihnen so schlecht? Auf welche Bereiche hat dieses Ereignis Einfluss?)

L = L inderung von Symptomen (Welche Dinge sind Ihnen jetzt am wichtigsten? Wenn Ihnen zum Weinen zumute ist, tun Sie es. Wie, glauben Sie, wird das weiter gehen?)

L = L eute einbeziehen, die unterstützen (Gibt es jemanden, mit dem Sie darüber reden können? Mit wem haben Sie in solchen Situationen reden können?)

A = A nsatz zur Problembewältigung (Welchen Grund gibt es, dass es Ihnen dadurch schlecht geht? Was können Sie tun, um etwas zu verändern? Wie gehen Sie vor?) Veränderungsentscheidung!

Mit dieser Vorlage kann im Erstgespräch und in den Folgegesprächen erfolgreich gearbeitet werden innerhalb von 8 – 10 Settings.

Ich möchte mit den folgenden 3 Konzepten mein Gespräch bewerten: A1) Konzept nach G. Sonneck (Sonneck, 2000, Krisenintervention kurzgefasst, S. 96) A2) NLP – Physiologien oder Wahrnehmungen bestimmter Zustände (Mohl/von Stahl, 2006, S. 25) A3) Systemisches Gespräch nach der Methode von Schnyder (2000) (Ortiz-Müller/ Scheuermann/Gahleitner, 2010, S. 127)

5.1.2 A2) NLP – Physiologien oder Wahrnehmungen bestimmter Zustände

1 = Problemphysiologie (Situationserleben nochmals verinnerlichen und nachfühlen)
2 = Zielphysiologie (Problemsituation positiv verändern zum Zielerlebnis)
3 = Ressourcenphysiologie (Fähigkeiten selbst umsetzen bis zur Zielerreichung)
4 = Versöhnungsphysiologie (Verhaltensversöhnung durch positive Zielerfahrung) Das ist eine andere Form eines Lösungsbewältigungskonzeptes (siehe auch 2006, Mohl, S. 26 + S. 27).

5.1.3 A3) Systemisches Gespräch nach der Methode von Schnyder

Die systemische Fragestellung der Klientin individuell anzupassen, d.h., wenn sie nicht bereit ist über etwas zu reden, dann die notwendige Zeit lassen und bei einem Folgegespräch diese Frage oder dieses Thema ansprechen.

1. = Kontakt herstellen (Was ist das Problem im Augenblick?)
2. = Problemanalyse (Was haben Sie bisher unternommen, um das Problem zu lösen? Womit haben Sie gute, womit schlechte Erfahrungen gemacht?)
3. = Problemdefinition (Wie erklären Sie sich das Problem? Wie erklären sich andere das Problem? Je weniger Distanzierung möglich ist, desto stärker steckt die Betroffene in der Krise, desto bedrohlicher erscheinen womöglich Veränderungen.)
4. = Zieldefinition (Woran würden Sie merken, dass die Krise überwunden ist? Wer würde das als erster merken? Was wäre der erste Schritt dahin? Was hat in dieser Situation bisher am meisten geholfen? Eigene Entscheidungsfindung!)
5. = Problembearbeitung (Skalierungsfrage 0 = schlecht bis 10 = sehr gut. Copinganpassung im Alltag erreicht. Es gibt verschiedene Nuancen, es ist nicht nur alles gut oder schlecht… Kleine Schritte anzuerkennen.)
6. = Termination (Ablösung von der Beraterin/Helferin/Coach: Eigene Copingstrategie ist da sowie die notwendigen Ressourcen. Evtl. passt hier die Frage: Wie würden Sie das nächste Mal eine solche Krise angehen? Was hat sich bei Ihnen verändert im Leben?)

5.2 Teil B (Gespräch)

5.2.1 Gesprächsführung mit der BELLA - Methode

1. Sitzung (ca. 50 – 60 Min.)

Beim Erstgespräch werden offene Fragen geklärt. Was für eine Hilfe erwarten Sie von mir? Was ist das vorherrschende Problem, und wie sieht das Ziel aus? (Lötsch & Stahl, 2003, S.62 und S.157 sowie Swing & Fryszer, 2010, S.32). Es wird empfohlen, mit Smalltalk zu beginnen. Zunächst Fragen stellen, zum Beispiel „Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“ Sobald die Klientin entspannt und ausgeglichen wirkt, kann ich zum Kernthema und damit zum Grund ihres Erscheinens kommen. Falls keine Entspannung spürbar ist, leite ich eine Atemübung an mit 5 – 10 Atemzügen (Loffing, 2003, S.145). Dazu frage ich zunächst die Klientin um ihre Erlaubnis für diese Übung. Nun beschreibe ich die Schritte und hole erneut ihr Einverständnis ein. Diese Entspannungstechnik werde ich erst anwenden, wenn es für die Klientin stimmig ist.

5.2.2 Beschreibung der Atemübung:

1. Tief einatmen und die Luft für einen Augenblick anhalten
2. die gesamte Luft ausströmen lassen und auch die letzte Luft herauspressen, bevor die Luft wieder für einen Augenblick angehalten wird
3. Wiederholung

Die Wirkung beobachten und diese Übung nach 5 – 10 Atemzügen beenden. Ist die gewünschte Entspannung eingetreten beginnen wir mit dem Gespräch.

Jede Sitzung ist in sich abgeschlossen. Die Klientin hat sich Gedanken gemacht über ihr Problem und sie weiss was jetzt zu tun ist. Ihre Gedanken und Gefühle im Ist-Zustand sind wieder erlebt und gefühlt worden und sie weiss wie ihre Folgeschritte aussehen. Wie geht sie daheim damit um und was tut sie? Diese Frage hat sie selbst für sich beantwortet. Mit ihren Lösungen kann sie ihre weiteren Schritte selbst gehen.

5.2.3 Wichtig für meine Arbeit:

-Ich achte darauf, Einschränkung herauszuhören im Gespräch, wie z.B. Gedankenlesen, Tilgungen, Generalisierungen und Verallgemeinerungen (Mohl, 2006, S. 34).
-Eine situative Nachfrage kann sehr gut integriert werden mit NLP, und daraus entsteht eine Klärung (Kunz/Scheuermann/Schürmann, 2009).
-Ich gebe Feedback, mache mir Notizen und gebe sie der Klientin mit. Evtl. kann ich eine E-Mail senden mit den positiven Eigenschaften, die für mich sichtbar waren. (Zum Beispiel beschreibe ich meinen Eindruck, was kann die Klientin gut. So kann ich ihr Selbstwertgefühl stärken und sie kann wieder Vertrauen fassen in ihre Fähigkeiten...)
-Ich kann ihr eine Notfalladresse, oder auch –nummer mitgeben, damit die Klientin erkennen kann, dass sie nicht allein ist in dieser Situation und an wen sie sich wenden kann.

5.2.4 2. – 10. Sitzung

Weiterarbeiten mit der Bella-Methode wie bei der ersten Sitzung (Sonneck, 2000, S. 100). Mit diesem Ritual bekommt die Klientin Halt und Sicherheit durch diesen sich wiederholenden Ablauf. Mit der Zeit verändert sich für die Klientin ihre Situation positiv. Sie plant weitere Folgeschritte und anerkennt ihre Erfolge durch Bewusstwerdung und positiver Selbsterfahrung. Sie gewinnt an Selbstvertrauen. Ihre Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit ist wieder hergestellt und dadurch gewinnt sie ihre Sicherheit zurück. Das macht die Klientin stark und mutig. Ihr Verhalten verändert sich und das Problem ist nicht mehr bedrohlich wie noch im Erstgespräch. Sie probiert sogar Neues aus. Ihre eigenen Ressourcen und Alternativen können ein- und umgesetzt werden, wie vor der Krise. Es braucht mehr als n u r 1. Sitzung, um eine Veränderung zu erreichen. In der Regel zeigen sich ca. nach der fünften Sitzung erste Erfolgsergebnisse.

5.2.5 Gesprächsauswertung

Ich habe mich bei meiner potentiellen Auftraggeberin vorgestellt. Die folgenden Punkte nutze ich für meine Auswertung des Gesprächs: Haben wir erreicht, was für den Erstkontakt wichtig war für die Klientin und für mich? Nachfragen. Wie geht es Ihnen am Ende des Treffens? Womit sind Sie noch unzufrieden/zufrieden? (Schwing & Fryszer, 2010, S. 40). Heraushören was sie will und was sie von mir erwartet. Vorsichtig und sensibel mit ihr umgehen und mit ihrem Problem. Sie hat mir ihre Biographie erzählt und nun frage ich mich, bin ich auch bereit mich auf dieses Thema einzulassen und mit ihr zu arbeiten? Was für eine Unterstützung möchte sie? Was für eine Unterstützung kann ich ihr bieten? Wie neutral verhalte ich mich ihrer Problematik gegenüber (selbstkritische Haltung)? Was für eine Unterstützung kann ich ihr bieten? Kann ich sie durch den gesamten Prozess begleiten, insbesondere auch während dieser schwierigen Zeit bis sie alles durchgestanden hat (Selbstkompetenz)? Wie war mein eigenes Gefühl während des Gespräches? War ich berührt? Interessiert mich das? Kann ich diese Klientin gut begleiten?

5.3 Teil C (Reflexion)

5.3.1 Fallbeispiel und Auswertung mit den verschiedenen Konzepten

Eine Klientin kam wegen eines jahrelangen Gewaltmissbrauchs. Der Prozessbeginn gegen ihren Vater war terminlich festgelegt und die Klientin kam wieder wie vereinbart zur Beratung. Für mich war es sehr schwierig, dieses Mal mit der Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Sie richtete ihren Blick auf den Boden und somit war kein Augenkontakt möglich. Ihr Widerstand war offensichtlich. Sie sprach über andere Themen und ging auf meine Fragen, bezogen auf den bevorstehenden Prozess, nicht ein. Ich erreichte sie mit keiner meiner Fragen wirklich. Wertvolle Zeit verlor ich mit unbeantworteten Situations- od. Klärungsfragen.

I ch stelle fest, dass ich die Klientin nicht erreiche. Das heisst, dass sie über ihr Anliegen noch nicht reden kann, bzw. sie kann selbst bestimmen über was sie reden möchte.

Nach der oben beschriebenen BELLA-Methode (A1) ist es mir nicht gelungen, die Teile B und E zu erarbeiten, also die B eziehung aufzubauen und das E rfassen der Situation anzuleiten.

Nach dem oben beschriebenen Konzept der NLP-Physiologien (A2) habe ich sie nicht noch einmal in ihre Problemphysiologie geführt.

Ich war nicht in der Lage, die Klientin aus diesem introvertierten Zustand herauszuholen. Für mich bedeutet das, dass ich Akzeptanz ihres Verhaltens zeigen muss und anerkenne, dass sie momentan nicht bereit für dieses Gespräch über ihre belastende Situation ist. Ihre Angst ist zu groß. Das Offensichtliche habe ich nicht angesprochen, i h r Gesprächsziel oder -wunsch war kein Thema (Worüber möchten Sie heute reden? Oder was kann ich heute für Sie tun? = Druck rausnehmen!). Meine eigenen Gefühle habe ich nicht aufkommen lassen, sondern weiter nachgefragt (denn ich dachte - sofort handeln zu müssen). Heute, 2 Tage später, wird mir bewusst, meine eigene Angst unterdrückt zu haben sowie das Gefühl von Überforderung, Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit erlebt zu haben. Ich muss uns eigentlich nur Zeit lassen - der Klientin und mir, abwarten…

Die verschiedenen Konzepte A1 - A3 unterscheiden sich nicht wesentlich. Alle 3 Konzepte sind hilfreich bei der individuellen Umsetzung und Anwendung in einer akuten Krise (Erfahrungswert).

Ich möchte Anwendungsvarianten von 3 unterschiedlichen Konzepten vorstellen (Methodenflexibilität).

5.3.2 Ihr Beziehungsnetz aufzeigen

75 % unserer Wahrnehmung ist visuell geprägt, also über das Sehen. Mit diesem visuellen Bild wird der Klientin klar, was sie tagtäglich für Kontakte pflegt. Das führt oft zu einer überraschenden Erkenntnis. Rückzug ist in vielen Krisen vorherrschend, weil sich die Betroffene schämt. Sie hat sich von ihrem Mann getrennt und dabei ist ihre Vergangenheit hochgekommen, ihre verdrängte Missbrauchgeschichte. Mit ihrem Vater hat sie deshalb keinen Kontakt mehr. Trotzdem ist sie nicht allein. Ich zeige ihr auf:

Wer tut was für mich?
Für wen tue ich was?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Das Beziehungsnetz

Modell von Dross, 2001, S. 27.

6 Schlussteil

6.1 Zusammenfassung

Durch äussere Umstände ist meine Klientin in eine Krise gekommen und das hat ihr Leben total verändert. Zweifel und Unsicherheit ist entstanden und das hat sie in eine schwierige Situation gebracht (Gahleitner, 2011, S.142 von Ingrid Miethe). Mit meiner Begleitung unterstütze ich sie an einem neutralen Ort über das Erlebte zu reden. In Folgeschritten verändern wir ihre innere Einstellung. Geht es dabei um eine Verlust-, Klärungs- oder Lebensveränderungskrise? Ich unterstütze, stärke und begleite sie auf diesem Weg. Mir ist wichtig die Klientin aus ihrem negativen Ist-Zustand herauszuholen. Mit verschiedenen Fragen und den erhaltenen Antworten kann ich arbeiten. Von der Gegenwart in die Vergangenheit fragen (Wie haben Sie früher Krisen gelöst? Erinnerungs- und Erfahrungswert erfragen). Von der Gegenwart in die Zukunft fragen (Was wünschen Sie sich? Was ist Ihr Ziel?) Lösungen entstehen lassen, die für sie selbst umsetzbar ist. Bei jedem neuen Treffen spreche ich meine Wahrnehmung an. Ihre Rückmeldung zeigt mir, ob ich richtig oder falsch liege. Ein Gespräch entsteht durch ihre Aussage.

6.2 Meine Fragen (S.5)

- Mit verschiedenen Fragestellungen bewege ich meine Klientin ihre Krise zu betrachten nach den Konzepten A1- A3 (S.7-S.8).
- Ihre Befindlichkeit ist der Massstab der Fragestellung (S.7-S.8).
- Ich unterstütze, stärke und begleite sie auf diesem Weg der Krisenbewältigung indem ich ihr Hoffnung vermittle in ihrer schwierigen Situation (S.7-S.8)

Diese konkreten Anwendungsmodalitäten sind Hauptbestandteil im Gesprächsverlauf.

6.3 Anregung für Daheim

Für Daheim einen Selbstüberprüfungsarbeit mitgeben zur Unterstützung (vgl. S. 15), evtl. mit einem Notizbuch dazu für tägliche Einträge (vgl. S. 16). Am Morgen beispielsweise: Wie fühle ich mich heute? Was denke ich über meine Situation? Was glaube ich über mich? Wie verhalte ich mich? Gedanken die mich am Tag beschäftig haben aufschreiben. Am Abend die Bearbeitungsfragen erneut beantworten (S.15). Das kann Klarheit bringen und Veränderungsprozesse anregen. Durch stetes Wiederholen zur selben Zeit sowie mit dem gleichen Zeitaufwand von ca. 15-20 Min. wird diese Arbeit zur Gewohnheit. Die Klientin findet und erkennt Lösungswege. Sie beginnt über ihre Krise zu sprechen auch ausserhalb des Coachings. Ihren Wunsch zur Neuorientierung oder -entscheidung kann sie erfolgreich umsetzen, weil sie sich mit dieser Situation auseinandergesetzt hat.

7 Anhänge und Literaturverzeichnis

7.1 Krisenintervention. Leitfaden zur Krisendiagnostik S. 96.

Krisenanlass, wann?

Krisentypus?

Selbst gekommen, überwiesen, mitgebracht?

Zentrale Bedeutung der Krise für die Klientin: Welche Ziele/Bedürfnisse sind verletzt/gefährdet? - Welche kognitiven, emotionalen, Verhaltens-Reaktionen?
- Körperliche Beschwerden?
Welche Vermeidungsschemata sind tangiert?
Welche Interaktionen mit Personen sind betroffen?

Was hat die Klientin zur Bewältigung der Krise unternommen? - Eher erfolgreich bewertete emotionale, kognitive Verhaltens-Reaktion?
- Eher wenig erfolgreich bewertete Strategien und Vermeidungen?
Früher bewältigte Krisen: Erfolgreich? Nicht erfolgreich?

Welche besonderen Belastungen durch die Lebenslage weist die Klientin auf? - Soziale? / - Welche?

Über welche Ressourcen verfügt die Klientin? - Personelle (welche)?
- Werden sie genutzt?
- Materielle (welche)?
- Soziale (welche)?

Weist die Klientin Symptome psychischer Störung auf? Welche? - Schon vorher oder seit der Krise?
- Wie schwerwiegend?

Ist die Klientin suizidgefährdet – in welchem Ausmass? - Eher Wunsch Leiden zu beenden?
- Eher Botschaft an andere? An wen?
- Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe?

Benötigt die Klientin spezifische Hilfe aus der Krisenberatung? Welche?

Welche Ziele möchte die Klientin in der Krisenberatung erreichen, welche der Therapeut? - Klärungsziele?
- Bewältigungsziele?
- Andere Ziele?

Besondere Settingvereinbarungen mit der Klientin werden notiert.

7.2 Bearbeitungsfragen mit täglich 15 minütigem Zeitaufwand

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Schelp/Gravemeier/Maluck, 1997, S. 152)

7.3 Selbstübeprüfungsarbeit

Was habe ich heute gut gemacht?
Wie fühle ich mich heute?
Was denke ich über meine Krise?
Was glaube ich über mich?
Wie verhalte ich mich in dieser Krise?
Was macht mir Angst?
Was überfordert mich in dieser Situation?
Schreiben Sie Ihre Gedanken, Ideen und Ziele auf. Arbeiten Sie täglich mit ihren Bearbeitungsfragen. Das bringt Ihnen Klarheit und unterstützt Sie bei Veränderungsprozessen.

Arrangieren Sie ein Treffen mit einem Menschen dem sie vertrauen oder besuchen Sie eine Selbsthilfegruppe. Sprechen Sie über Ihre jetzige Situation.

Was hat Ihnen sonst in einer Krise geholfen?
Wer hat Ihnen früher bei Krisen geholfen?
Entspannungsmusik anhören im Internet http://www.youtube.com/watch?v=4d7k0_5mO7U&feature=related

Die Reise zum eigenen Entspannungsort anhören im Internet http://www.youtube.com/results?search_query=die+reise+zum+eigenen+entspannungsort&aq=0&oq=Die+Reise+zum+eigen Distanzieren Sie sich von Ihrem Problemzustand mit einem Spaziergang oder durch Sport.

Was würde mir gut tun?
Was für Wünsche, Ziele und Träume habe ich?
Es ist ein Wunder geschehen, sie haben das Problem nicht mehr...
Was hat sich verändert?
Was haben Sie jetzt für eine innere Einstellung?
Was denken andere darüber?

Was hat diese Krise verändert in meinem Leben?

Was hat mir diese Krise gebracht?
Wie gehe ich nun Krisen an?
Was habe ich gelernt?

7.4 Literaturverzeichnis

Dross, M. (2001): Krisenintervention. Bern: Huber

Kunz, S./Scheuermann, U./Schürmann, I. (Hg.) (2009): Krisenintervention. Ein fallorientiertes Arbeitsbuch für Praxis und Weiterbildung. München: Juventa

Miethe, I. (2011): Biographiearbeit. Lehr- und Handbuch für Studium und Praxis.

Mohl, A. (2006): Der Zauberlehrling l. Das NLP-Lehr- und Übungsbuch. Paderborn: Junfermann

Mohl, A. (2006): Der Zauberlehrling ll. Das NLP-Lehr- und Übungsbuch. Paderborn: Junfermann

Müller, W./Scheuermann, U./Gahleitner, S.B. (Hg.) (2010): Praxis Krisenintervention. Handbuch für helfende Berufe: Psychologen, Ärzte, Sozialpädagogen, Pflege- und Rettungskräfte. Stuttgart: Kohlhammer

Ötsch, W./Stahl, T. (2003): Das Wörterbuch des NLP. Das NLP-Enzyklopädie-Projekt. Paderborn: Junfermann

Schelp, T./Grafemeier, R./Maluck, D. (1997): Rational-Emotive Therapie als Gruppentraining gegen Stress. Bern: Huber

Schwing, R./Fryszer, A. (2010): Systemisches Handwerk. Werkzeug für die Praxis. Göttingen: Hogrefe

Sonneck, G. (2000): Krisenintervention und Suizidverhütung. Wien: Facultas/UTB

Widulle, W. (2011): Gesprächsführung in der sozialen Arbeit. Grundlagen und Gestaltungshilfen. Wiesbaden: VS Verlag

7.5 Internetzugangsadresse

http://nlpportal.org (NLP-Wörterbuch): Zugriff am 24.04.2011 http://woerterbuch.babylon.com/krise/ (Online Wörterbuch): Zugriff am 27.07.2011

http://de.wikipedia.org/wiki/Systemische_Therapie (Online Wörterbuch): Zugriff am 10.09.2011

http://www.youtube.com/watch?v=4d7atedk0_5mO7U&feature=rel (Entspannungsmusik aus dem Internet): Zugriff am 24.04.2011

http://www.youtube.com/results?search_query=die+reise+zum+eigenen+entspannungsort&aq=0&oq=Die+Reise+zum+eigen (Eine Meditationsreise): Zugriff am 30.06.2011

7.6 Verzeichnis von Vorlagen und Abbildungen

-Abfragevorlage für die Beratung - Krisenintervention.
Leitfaden zur Krisendiagnostik von M.Dross S. 14
-Bearbeitungsfragen
ABCDZ – Schema von Schelp/Gravemeier/Maluck S. 15
-Selbstüberprüfungsarbeit S.16
-Abb. 1
Die Logischen Ebenen des NLP S. 3
-Abb. 2
Das Beziehungsnetz von M.Dross S. 12

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656504481
ISBN (Buch)
9783656504726
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262071
Institution / Hochschule
Fachhochschule St. Gallen – FHS St. Gallen - Schloss Hofen
Note
5.0 (Gut)
Schlagworte
Krise Chance Krisenintervention Kriseninterventionskonzepte

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Titel: Systemische Krisenintervention