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Exegese zu Kohelet 3, 1-8

Seminararbeit 2003 14 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Einleitung
1.1. Hinführung
1.2. Die Fragestellung des Buches, Gattungsbestimmung und “Sitz im Leben”
1.3. Verfasser
1.4. Entstehungszeit und Entstehungsort
1.5. Aufbau des Buches

2. Exegetische Überlegungen
2.1. Schrifttext: Kohelet 3,1-8
2.2. Analyse

3. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Allgemeine Einleitung

1.1. Hinführung

Um sich dem Text in Kohelet 3, 1-8 exegetisch nähern zu können, ist es wichtig, auf die Rahmenbedingungen des Buches Kohelet, insbesondere auf die Aussagen der ausgewählten Verse zu blicken. Es ist daher unerlässlich, einige allgemeine und einleitende Gedanken dieser exegetischen Proseminararbeit voranzustellen, die allerdings schon einen wesentlichen Bestandteil der Exegese darstellen werden. Die Verfasserfrage, die Frage nach der Gattung, der Entstehungsort und -zeit, der “Sitz im Leben” und die Fragestellung des Buches stehen nun in der allgemeinen Einleitung zur Analyse an. Bilden sie doch die unverzichtbare Grundlage jeder exegetischen Arbeit, die durch die Bestimmung des Kontextes und Methoden der “historisch-kritischen” Methode den Aussagekern des Textes treffen möchte.

1.2. Die Fragestellung des Buches, Gattungsbestimmung und “Sitz im Leben”

In Kapitel 1 in den Versen 2-3 finden wir die Ouvertüre des gesamten Buches. Die Worte des Schreibers: “ Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne? ” 1 , deuten an, dass der Mensch seine tiefste Erfüllung nicht im Reichtum finden kann. Das Buch scheint “ existentialistisch ” 2 geprägt zu sein. Der Biblische Kommentar des Aarre Lauha, schlägt als mögliche Übersetzungsmöglichkeit des Wortes Windhauch “ Eitelkeiten ” oder “ vollständig eitel ” 3 vor. “ Das Gewicht des Wortes wird durch eine fünfmalige Tautologie und eine superlativische Genitivkonstruktion betont. [...] In den alten Ü bersetzungen ist die hebräische Konstruktion beibehalten im Sinne von “ vollständig eitel ” , “ im gr öß ten Ausma ß nichtig ” , vielleicht mit einer iterativen Nuance: “ immer nur eitel ” . Als vorangestelltes Leitwort zur ganzen Verkündigung Kohelets bereitet der gesteigerte Ausdruck den Grundaspekt des Buchesüber die Nichtigkeit aller Werte vor. ” 4

So verstanden wird unser Blick automatisch auf die psychische Verfassung des Autors gelenkt. Es scheint an verschiedenen Stellen immer wieder sein innerer Seelenzustand auf. Probleme, Zweifel und innere Diskussionen prägen das gesamte Buch.5 Im Mittelpunkt steht die Erfahrung eines Menschen - eines jeden Menschen! Als Beispiel wählt der Autor die Gestalt des Salomo, der in allen Gütern, im Vermögen, Reichtum schlecht ist, weil es ihn nicht völlig befriedigt, da alles materielle Grenzen hat. Er stellt sich viele Fragen, die er aber nicht vollständig beantworten kann.6

Ist sich der Verfasser vielleicht selbst zur großen Frage geworden?

Vielleicht! Denn der Autor entwirft zunächst eine Lehre vom Kosmos (Vgl. 1,4-11). Der Kosmos wird gleichsam die Bühne, auf der die Menschen kommen und gehen. Anschließend folgt der grundlegende anthropologische Teil indem er sich in die höchste menschliche Möglichkeit versetzt und sich als gebildeten und das Leben voll auskostenden Herrscher sieht, der nach dem Sinn des Lebens fragt. (1,12-3,15). Als Ergebnis seines Nachdenkens kommt er zum Schluss, dass angesichts des kommenden Todes, alles Windhauch ist. Gott ist es, der jeden Augenblick bestimmt. Der Mensch kann ihn weder berechnen noch in den Griff bekommen. Anschließend folgt in (3,16-6,10) eine Gesellschaftskritik und im nächsten Teil werden der Zusammenhang von Tun und Ergehen kritisch überprüft. (6,11-9,6). Am Ende steht der Tod. An diese Betrachtung schließt sich die Ethik an, die Weisung für die rechte Lebensführung (9,7-12,7). Aus dieser Betrachtung sind die Weisungen über das religiöse Verhalten herausgenommen und als eine Art Zwischenstück in die Gesellschaftskritik (4,17- 5,6) eingesetzt worden.7

“ Nach solcher Mühe, die erfolglos erscheint, nimmt der Autor zur Selbstdisziplin Zuflucht, in der dennoch diese Fragen ohne Antwort quälen, den Leser beunruhigen und zwingen,über das Buch hinaus eine Lösung im umfangreichen Kontext zu suchen. ” 8

Natürlich wird dem Betrachter schnell klar, dass der Verfasser an die Grenzen philosophischer Anthropologie stößt und letztlich “transzendieren”, das heißt eine Schwelle zu einer höheren Ebene überschreiten möchte. Die Unruhe die in Kohelet spürbar ist, führt zur Annahme, “ dass dem denkenden Geist eine ursprüngliche Offenheit für das Sein im ganzen zukommt. Er voll-

zieht sich im Horizont des Seins. Ihm ist eine gewisse - nicht aktuelle, aber virtuelle Unend- lichkeit eigen. Seine Dynamik ist wesenhaft hingeordnet auf die Unendlichkeit des Seins und kann in keinem endlichen Seienden erfüllt zur Ruhe kommen. ” 9

Konsequenterweise heißt es in der Einleitung, zum Buch Kohelet, in der “Echter Bibel”: “ Von Anfang an fragt er nach “ dem ” Menschen. ” 10 Dem Schreiber ging es wohl weniger um das “ National-Israelitische ” 11 sondern vielmehr um die Fragen der Kosmologie und schließlich der Anthropologie, die dann theologisch endet.12

Obwohl Kohelet “ ein kritisches Verhältnis zur traditionellen Weisheit einnimmt ” 13 deutet der Schreibstil und die aufgeworfenen Fragen an, dass es sich bei dieser Schrift um “ Weis- heitsliteratur ” 14 handeln muss, zu der neben dem Buch Kohelet die Sprichwörter, Weisheit, Hoheslied, Jesus Sirach und Ijob zählen.15 So findet sich bei Aarre Lauha der Gedanke, “ dass das Buch Kohelet vor allem als ein schmerzlicher Protest gegen die rational-optimistische Lebensdeutung zu verstehen ist, die sowohl in der alttestamentlichen Schulweisheit als oft auch anderswo in der israelitisch-jüdischen Religionsauffassung hervortritt. ” 16

Im Kontext der hebräischen Weisheitsliteratur eingebettet, kann die These formuliert werden:

“ Das Buch der Sprüche legt seine These vorüber das menschliche Leben,über gut und schlecht, und diese These ist gewisserma ß en wahr, aber weil sie unvollständig ist, ruft sie eine Antithese von gr öß ter Wahrheit hervor: Ijob und Kohelet. Nach diesen beiden Büchern, beabsichtigen Sirach und Weisheit gleichsam eine Synthese zu bringen, die allerdings noch nicht vollständig, sondern offen ist für eine gänzlich vollständige Synthese, die in einem anderen Kontext gefunden werden kann, nämlich im christlichen Kontext. [...] In Christus der “ vollkommenste Wahrheit ” ist, sind alle Teilwahrheiten enthalten. [...] Daher erhalten diese Fragen der menschlichen Grenzen und Erfahrung einen vollständigen Sinn im christlichen Kontext. Daher erhalten diese Fragen der menschlichen Grenzen und Erfahrung einen vollständigen Sinn im christlichen Offenbarungskomplex. ” 17

Als weiteres Charakteristikum können wir erkennen, dass das Buch nur noch teilweise die poetische Gestalt der alten Lehrschriften aufweist. Des Weiteren finden sich bereits einige Merkmale der damals aufkommenden Predigt der Wanderphilosophen (Diatribe).18

Als “Sitz im Leben” nimmt Lohfink an, dass Kohelet “ als Festlesung dem Laubhüttenfest zugeteilt (war) . ” 19 Der LThK ergänzt “ wohl auch weil es im Angesicht der Ungesichertheit und Vergänglichkeit menschlichen Daseins zur Freude aufruft. ” 20

1.3. Verfasser

Die Frage nach dem Verfasser ist schwierig, wenngleich im Prolog (1,1) “ Worte Kohelets, des Davidssohnes, der König in Jerusalem war. ” genannt wird. Auch im Epilog (12,8.9.10) wird wiederholt das Wort “Kohelet” genannt und ein Kohelet, König in Jerusalem, erwähnt. Das “Lexikon für Theologie und Kirche” nimmt an, dass es “ fiktiv einem israelitischen König in Jerusalem ” 21 zugeschrieben wurde. Prof. Univ.-Doz. em. P. Dr. theol. habil. Augustinus Fenz OCist, Dozent an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz, gibt zu bedenken, dass das Wort Kohelet mit einem Artikel gebraucht, ein Amt benennt, denn im Hebräischen haben Eigennamen keinen Artikel, in diesem Zusammenhang wird allerdings ein Artikel verwendet. Das hätte zur Folge, dass Kohelet das Predigeroffizium oder das Amt eines Versammlungsredners inne hatte.22 Fenz vertritt bei der Verfasserfrage die These, dass Salomo als Autor des Buches in Betracht kommen würde. Er begründet dies mit den Stellen 1,1: Dort wird ein König in Jerusalem, Sohn Davids genannt: Salomo, sowie 1,12 dort wird der König über Israel in Jerusalem genannt. Nur Salomo war Sohn Davids (1,1) und zugleich König über Israel in Jerusalem, nach Salomo regierten die Könige Israels niemals mehr in Jerusalem. Als weitere Belegstellen verweist Fenz auf 1,16, 2,6 und 2,8. Ferner stützt er seine

These darauf, dass die Autoren des 16/17 Jh. für Salomo als Verfasser plädieren.23 Allerdings bemerkt Fenz auch, dass diese These sehr umstritten ist, führende Exegeten, hier kann vor allem Franz Delitzsch genannt werden, bemerken: “ Si Ecclesiastes originem Salomonicam habet, lingua hebraica historiam non habet. “ 24

1.4. Entstehungszeit und Entstehungsort

Als Entstehungszeit nimmt das Lexikon für Theologie und Kirche, sowie der Kommentar der Einheitsübersetzung zum Buch Kohelet, die 2. Hälfte des 3 Jh. v. Chr. an, als Entstehungsort wird Jerusalem genannt.25 Lohfink dagegen geht von einer Entstehungszeit von 190 v. Chr. aus.26 Diese These scheint im Hinblick auf die Fragmentenfunde einer Schriftrolle des Kohelet bei Qumran, nicht schlüssig zu sein, denn dieser Text stammt aus der Zeit um 150 v. Chr. Dieser Text stimmt mit dem kanonischen Buch nicht überein. Gewisse Entwicklungen sind zu erkennen. Das würde bedeuten, dass die ursprüngliche Abfassung des Buches etwa 150-200 Jahre früher stattgefunden hat.27

Zur Sprache des Buches sei ergänzend angemerkt: Es handelt sich um ein ganz neuartiges Hebräisch, es finden sich Elemente der armänischen Umgangssprache, aber auch manche griechische Wort- und Satzstruktur.28

1.5. Aufbau des Buches

Nicht nur Fenz sondern auch andere29, nennen als typisches Merkmal des Buches, den schweren und nicht immer einsichtigen Aufbau des Buches.30

[...]


1 Soweit nicht anders angegeben, sind die zitierten der Schriftstellen, der Einheitsübersetzung entnommen.

2 Deissler, Alfons: Das Alte Testament und die neuere katholische Exegese: 5. Auflage: Freiburg - Basel - Wien, Verlag Herder KG, 1963, S. 52

3 Vgl. Lauha, Aarre: Biblischer Kommentar Altes Testament: Kohelet: Band XIX: Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 1978, S. 30

4 ebd.

5 Vgl. z.B. Koh. 2,20

6 Vgl. Fenz, Augustinus: unveröffentlichtes Hörerskriptum „Fundamentalexegese III.“ für die Hörer der Philosopisch- Theologischen Hochschule Heiligenkreuz, S. 45

7 Vgl. Kommentar der Einheitsübersetzung zum Buch Kohelet, S. 719f

8 Fenz, Augustinus: „Fundamentalexegese III“ S. 45

9 Coreth, Emerich: Was ist der Mensch: Grundzüge einer philosophischen Anthropologie: 4. neu bearbeitete Auflage: Innsbruck-Wien: Tyrolia-Verlag, 1986, S. 85

10 Lohfink, Norbert: Die Neue Echter Bibel: Kommentar zum Alten Testament mit der Einheitsübersetzung: Kohelet: herausgegeben von Weihbischof Dr. Josef G. Plöger u.a.: Stuttgart, Katholische Bibelanstalt GmbH, 1980, S. 5

11 ebd. S. 5

12 Vgl. ebd.

13 Zenger, Erich u.a.: Einleitung in das Alte Testament: Dritte neubearbeitete und erweiterte Auflage: Suttgart-Berlin-Köln, W. Kohlhammer GmbH, 1998, S. 340

14 Deissler, Alfons: a.a.O., S. 52

15 Vgl. ebd. S. 52

16 Lauha, Aarre: Biblischer Kommentar Altes Testament: Kohelet: Vorwort des Verfassers: a.a.O.

17 Fenz, Augustinus: „Fundamentalexegese III.“ a.a.O., S. 45-46

18 Kommentar der Einheitsübersetzung zum Buch Kohelet, S. 719

19 Lohfink, Norbert: Die Neue Echter Bibel: a.a.O., S. S. 5

20 Lexikon für Theologie und Kirche: sechster Band : Kirchengeschichte bis Maximianus: Hrsg. Kasper, Walter: Freiburg u.a.: Verlag Herder, 1997, Spalte 169

21 ebd. Spalte 170

22 Vgl. „Fundamentalexegese III.“ a.a.O., S. 39

23 Vgl. ebd. S. 42f

24 ebd. S. 43

25 Vgl. Lexikon für Theologie und Kirche: a.a.O., S. 169 Deissler, Alfons: Das Alte Testament und die neuere katholische Exegese: a.a.O., S. 52

26 Lohfink, Norbert: Die Neue Echter Bibel: a.a.O., S. 7

27 Vgl. Fenz, Augustinus: „Fundamentalexegese III.“ a.a.O., S. 43

28 Kommentar der Einheitsübersetzung zum Buch Kohelet, S. 719

29 Vgl. z.B. Zenger, Erich u.a.: Einleitung in das Alte Testament: a.a.O., S. 337 „ F. Delitzsch: „ Alle Versuche, in dem Ganzen nicht nur Einheit des Geistes, sondern auch genetischen Fortgang, alles beherrschenden Plan und organische Gliederung nachzuweisen, mussten bisher und werden inskünftig scheitern. ““

30 Vgl. Die Heilige Schrift in deutscher Übersetzung (Echter Bibel): 4. Band: Nötscher, Friedrich u.a. (Hrsg.): Würzburg: Echter-Verlag, 1959, S. 537

Details

Seiten
14
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638285988
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26180
Institution / Hochschule
Hochschule Heiligenkreuz – Theologische Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Exegese Kohelet Proseminar Fach Einführung Bibelwissenschaftliche Methoden

Autor

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