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Die Parodie im Don Quijote

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 20 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Definition Parodie

2. Der Mechanismus der Parodie im „Don Quijote“
2. 1 Charakteristische Merkmale des Ritterromans
2. 1. 1 Inhalt
2. 1. 2 Form
2. 1. 3 Sprache
2. 2 Parodie als Verfremdung
2. 3 Beispiele für sprachliche, formale sowie inhaltliche Parodie
2. 3. 1 sprachlich/ stilistische Parodie
2. 3. 2 formale Parodie
2. 3. 2. 1 Kapitel und Handlung
2. 3. 2. 2 Kapitelüberschriften
2. 3. 2. 3 Erzähler
2. 3. 4 inhaltliche Parodie
2. 3. 4. 1 „Amadís de Gaula“
2. 3. 4. 2 „Orlando Furioso“ (Ariost)
2. 3. 4. 3. Karls- und Artus-Epenzyklen

3. Parodien auf gesellschaftliche Konventionen und Ereignisse außerhalb der Ritterromane
3. 1 Persiflage auf Verwaltungsbeamte
3. 2 Satire gegen die Klasse der Dueñas

4. Cervantes Verhältnis zum Ritterroman

II. Schlusswort

III. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Parodie im „Don Quijote“ fand in der Forschung bisher nur geringe Beachtung, da sie entweder nicht erkannt oder schlicht und einfach für nicht von Cervantes beabsichtigt gehalten wurde. Auch die Tatsache, dass sich eine Parodie – laut Definition – auf einen einzigen Primärtext bezieht, Cervantes aber die Gesamtheit der in seinem Zeitalter von den Lesern so eifrig rezipierten Ritterromane parodiert, stand einer intensiveren Erforschung im Wege.

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Thema Parodie im „Don Quijote“. Nachdem im ersten Kapitel eine Definition der Parodie erfolgen soll, wird in den darauffolgenden Kapiteln – unter Berücksichtigung des Genres Ritterroman sowie unter Einbezug von Textbeispielen – untersucht werden, auf welche Art und Weise Cervantes eine parodistische Auslegung der Ritterromane auf inhaltlicher, formaler sowie sprachlicher Ebene gelingt, bzw. nach welchen Mechanismen diese funktioniert. Dabei sollen einige seiner parodierten Texte als Vergleich herangezogen werden.

Anschließend soll nach Parodien auf gesellschaftliche Konventionen und Ereignisse außerhalb der Ritterromane gesucht werden.

In den abschließenden Kapiteln soll diskutiert werden, welches Verhältnis Cervantes zum Ritterroman gehabt hat.

1. Definition Parodie

Eine Definition des Begriffs „Parodie“ wird an dieser Stelle als wichtig erachtet, weil sie den Hauptgegenstand dieser Arbeit bildet.

Das Wort „Parodie“ stammt aus dem Griechischen (parodia) und bedeutet soviel wie „Nebengesang“ oder auch „Gegengesang“. Man kann sie beschreiben als verzerrende, übertreibende oder verspottende Nachahmung eines bekannten dichterischen Werkes[1]. Das dichterische Werk, auf das sich die Parodie bezieht, wird als parodierter Text, während das neu entstandene Werk als parodierender Text bezeichnet wird.

Das Gelingen einer Parodie setzt voraus, dass das ursprüngliche Werk dem Adressaten/dem Leser bekannt ist. Durch die Neubearbeitung der literarischen Vorlage – wie es Cervantes im Don Quijote getan hat – entsteht ein zumeist komischer Kontrast zwischen Inhalt und Form. Je größer die Diskrepanz zwischen Original und Nachahmung bzw. Nachbearbeitung ist, desto wirkungsvoller ist die Parodie, vorausgesetzt, die Vorlage ist für den Leser noch erkennbar.

Die Parodie dient einer ganz bestimmten Tendenz des Parodisten, zumeist der bloßen Erheiterung oder der satirischen Kritik. Die Intention einer parodistischen Bearbeitung eines Stoffes kann eine inhaltlich kritische, eine literatursatirische oder auch eine politisch motivierte polemische Auseinandersetzung sein.

Die Parodie, wie auch die Satire, waren bereits im Mittelalter bekannt. Ihre endgültige Form erhielten sie jedoch erst in der spanischen Barockliteratur. Die beiden Begriffe werden häufig als Synonym verwendet. Es gibt aber einen fundamentalen Unterschied zwischen beiden Formen: Die Referenz der Satire ist die Gesellschaft, ein bestimmter Teil einer Gesellschaft oder ein ganz konkretes Individuum, während die Parodie einen anderen literarischen Text, ein traditionelles Genre oder literarische Konventionen als Referenz hat.

2. Der Mechanismus der Parodie im Don Quijote

Dieses Kapitel widmet sich der Frage, auf welche Art und Weise Miguel der Cervantes die Parodie im „Don Quijote“ entstehen lässt.

Die Parodie im „Don Quijote“ wird oft in klitzekleinen Details sichtbar, in kleinsten Situationen, durch Gesten, Haltung, die der nicht-gebildete Leser leicht übersehen kann. Don Quijote als Parodie fand bisher in der Forschung nur geringe Beachtung. Das erklärt sich aus der allgemein engen Auffassung von Parodie als einer komischen Folie zu einem einzigen bestimmten Text. In der Parodie der Ritterbücher folgt Cervantes jedoch keiner einheitlichen Vorlage, denn Cervantes nimmt mal diesen mal jenen Ritterroman aufs Korn.

„Don Quijote“ ist daher nicht die Umkehrung eines einzigen Ritterromans, sondern Cervantes parodistische Intention richtet sich gegen die Gesamtheit der Ritterromane. „Don Quijote“ stellt eine Parodie auf die Ritterromane des 15. Jahrhunderts dar.

2.1 Charakteristische Merkmale des Ritterromans

Es stellt sich zunächst die Frage, welche charakteristischen Merkmale den Ritterroman des 15. Jahrhunderts ausweisen.

Die Geschichte des Ritterromans ist so gut wie unerforscht. Es ist nicht einmal sicher, ob seine Wurzel dem spanischen oder dem heute portugiesischem Raum zuzuordnen ist. Der Ritterroman gilt als Nachkomme des höfischen Romans. Das Aventüreschema und die dominierende Rolle der Frau hat das Ritterbuch aus der Artusepik übernommen.[2] Die weiteren charakteristischen Merkmale des Ritterromans sollen auf den drei Ebenen Inhalt, Form und Sprache betrachtet werden.

2. 1. 1 Inhalt

Im Mittelpunkt eines Ritterromans steht ein Held, der im Verlaufe des Romans zahlreiche, oft untereinander austauschbare, Abenteuer durchlebt, aus denen er in den meisten Fällen als Sieger hervorgeht. Die Abenteuer sind von verschiedener Art und zielen darauf ab, Unrechtes wieder Recht zu machen und Missstände in der Gesellschaft zu beseitigen: Kämpfe mit Ungetümen, Räubern, Heeren, Fabelwesen, Zauberern usw., Befreiung von Prinzessinnen oder anderer Personen, die in Not geraten sind.

An der Seite des Ritters verdingt sich ein Knappe, der ihm treu dient und der für seine Dienste nach Beendigung der Abenteuer vom Ritter einen angemessenen Lohn erhält, meist in Form von Gold oder eines Königreiches.

Ebenfalls allen Ritterromanen gemein ist die Frauenverehrung. Der Ritter hat eine Frau auserkoren, die er verehrt und für die er all die guten Taten vollbringt, um ihr Herz zu erobern. Aus diesem Grund sollen ihr alle Personen, denen der Ritter bei seinen Auszügen begegnet, von seinen guten Taten berichten.

Nach der Wiederkehr des Ritters in sein Heimatdorf wird er dort gebührend als Held gefeiert.

Auch Zauberer tauchen in zahlreichen Ritterromanen auf. „Von daher bekommt auch der Wahn Don Quijotes, gute und übelwollende Zauberer lenken sein Leben, einen tieferen Sinn. Vordergründig parodiert hier Cervantes sicherlich die Unzahl von Zauberern, die die Ritterromane bevölkern.“[3]

2. 1. 2 Form

Ritterromane funktionieren nach einem festgefügten Schema. Sie verfügen über ein Kerngerüst und besitzen Episodencharakter. Das Kerngerüst bildet die Handlung in den ersten Kapiteln bis zum Auszug des Ritters sowie die abschließenden Kapiteln, in denen der Ritter in sein Heimatdorf zurückkehrt. Zu Beginn des Romans wird der Ritter kurz unter Nennung seines Namens und seines Herkunftsortes dem Leser vorgestellt und charakterisiert. In den letzten Kapiteln kehrt der Ritter als Sieger in sein Heimatdorf zurück und wird dort als Held gefeiert. Den Mittelteil bilden die Abenteuer des Ritters, denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist, das mit einer eigenen Überschrift versehen ist.

[...]


[1] Fremdwörterbuch (1991), S. 306.

[2] Neuschäfer (1969), S. IV.

[3] Dirscherl, (1982), S. 35.

Details

Seiten
20
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638284622
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25988
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Romanistik
Note
2,0
Schlagworte
Parodie Quijote Literatur Film Spanien

Autor

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