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Aufklärungsfilme und die erotischen Filme der 60er und 70er Jahre

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 23 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Der Aufklärungsfilm.

2. 1910 – 20 Die ’Sittenfilme’
2.1 „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten“
2.2 Richard Oswald und sein „Sozialhygienisches Filmwerk“.
2.3 Sexualität und Geschlechtlichkeit

3. 1920 – 30
3.1 Aufklärungsfilme dieser Zeit.
3.2 Der ’Kulturfilm’
3.3 Sexualität und Geschlechtlichkeit

4. Nationalsozialismus.
4.1 „Opfer der Vergangenheit“
4.2 Sexualität und Geschlechtlichkeit

5. Nachkriegszeit
5.1 Aufklärungsfilme
5.2 Sexualität und Geschlechtlichkeit

6. Die 60er Jahre
6.1 Die „Helga“ – Reihe
6.2 Oswald Kolle
6.3 Sexualität und Geschlechtlichkeit

7. Die 70er Jahre – „Die Sex- (Report-) welle“.
7.1 Die „Schulmädchen Report“ – Reihe
7.2 Sexualität und Geschlechtlichkeit

8. Schluss

Bibliographie

Vorwort

„Sexualität ist zugleich die >einfachste und natürlichste Sache der Welt< und das größte Problem unserer Kultur überhaupt.“[1]

Mit diesen Worten beginnt Georg Seeßlen seinen Beitrag zum Thema ’Sex’ in dem von ihm Mitte der Siebziger herausgegebenen ’Unterhaltungs-Lexikon’. Dass es einen solchen Artikel in einem Buch über Unterhaltungs-Kultur überhaupt gibt erscheint uns heute wenig verwunderlich. Die jüngere Generation ist mit den Aufklärungsserien und den Fragen an das ’Dr. Sommer-Team’ der BRAVO aufgewachsen, jeden Nachmittag kann man in den diversen Talkshows die sexuellen Vorlieben der dortigen Teilnehmer erfahren und dann, später am Abend werden die meisten genervt die Werbung einer der unzähligen ’0190er Nummern’ wegschalten.

Erotik ist aus unserem Fernsehalltag und dem Kino kaum mehr wegzudenken. Doch wie kam es, dass eine Sache, welche bei den meisten Bundesbürgern immer noch hinter verschlossenen Türen in abgedunkelten Schlafzimmern stattfindet, in der Öffentlichkeit heute so präsent ist? Auf der Suche nach den Ursprüngen stößt man schnell auf das Genre ’Aufklärungsfilm’ und kann feststellen, dass schon seit Beginn der Filmkunst die Sexualität auf der Leinwand eine äußerst wichtige Rolle spielte. Thema dieser Arbeit ist nun, wie sich der Aufklärungsfilm im Laufe des Jahrhunderts entwickelt hat, wie er in die jeweilige politische und gesellschaftliche Situation eingefügt wurde und welchen möglichen Zwängen er damit unterworfen war. Die Darstellung von Sexualität und Geschlechtlichkeit in den jeweiligen Filmen ist besonders deswegen wichtig, weil diese sehr deutlich die Veränderungen innerhalb der Aufklärungsfilme aufzeigt. Das Buch „Sex verklärt – Der deutsche Aufklärungsfilm“ von Rolf Thissen, basierend auf den Recherchen zu einer Sendung über die Geschichte des Aufklärungsfilms, die am 7. Juni 1993 im ZDF ausgestrahlt wurde, ist das wohl umfassendste Werk zu diesem Thema und bildet eine der Hauptgrundlagen der vorliegenden Arbeit.

1. Der Aufklärungsfilm

„Bezeichnet heute fast nur noch Filme, die über Aspekte der Sexualität informieren wollen, obwohl der Begriff ursprünglich nicht auf diesen Bereich beschränkt war. Die Geschäftsstrategie, über einen wissenschaftlichen oder aufklärerischen Anspruch üblicherweise von der Zensur verbotene sexuelle Darstellungen auf die Leinwand zu bringen, wurde schon sehr früh entdeckt und ausgebeutet.“[2]

Aufklärungsfilme gab es demzufolge also schon recht früh, und ohne sich auf Spekulationen um den wahren Motivationsgrund einzulassen, sollten sie, wie jede Form von Aufklärungsfilm, im gesellschaftlichen Zusammenhang ihrer Entstehungszeit betrachtet werden.

2. 1910 – 20 Die ’Sittenfilme’

2.1 „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten“

Besonders in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg spielte die „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten“ eine tragende Rolle für den Aufklärungsfilm. Es „waren sich alle Politiker darüber einig, daß etwas gegen Geschlechtskrankheiten, Prostitution, außereheliche Mutterschaft und Abtreibung getan werden müßte.“[3] Und mit Hilfe der Aufklärungsfilme wollte man, über das immer populärer werdende Medium des Kinos, die Bevölkerung erreichen, um die Problematik, deren Folgen und eventuelle Gegenmaßnahmen oder Lösungen aufzuzeigen. Diese sogenannten ’Volksbelehrungsfilme’ fanden jedoch kaum Anklang beim Publikum, weil sie sich in sehr sachlicher Art und Weise mit dem Thema, vor allem mit den häufigsten Geschlechtskrankheiten Gonorrhöe und Syphilis, befassten. Nach dem Ersten Weltkrieg blieben die Themen zwar die gleichen, aber die Filme wurden anders umgesetzt.

2.2 Richard Oswald und sein „Sozialhygienisches Filmwerk“

Der Regisseur Richard Oswald (1880 in Wien geboren) dreht 1917 den Film „Es werde Licht!“, in dem es um die Gefahren der Syphilis geht. Auch dieser Film entstand noch „unter der Ägide der >Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten<“[4] und fand großen Anklang beim Kinopublikum. In einer melodramatischen Geschichte wird besonders die Ansteckungsgefahr beim Geschlechtsverkehr, aber auch von der Mutter an ihr Ungeborenes, hervorgehoben und „vor der leichtsinnigen Verbreitung“[5] der Krankheit gewarnt. In weiteren Filmen bearbeitete Oswald, wieder mit großem Erfolg, die Themen Abtreibung („Es werde Licht“ – 4. Teil und „Sündige Mutter § 218“ beide 1918), Prostitution (Teil I und II, 1919) und Homosexualität („Anders als die Anderen § 175“, 1919).

Oswald Ziel war dabei unter anderem die Lockerung der Gesetze, um beispielsweise die verbotenen, riskanten Abtreibungspraktiken zu unterbinden oder das Leben Homosexueller menschenwürdiger zu machen. Das heißt aber nicht, dass Oswald sich dafür politisch stark gemacht hat. Sein Werk ist vielmehr als Spiegel seiner Zeit zu verstehen, in der demokratische Strömungen in mehr oder minder starkem Ausmaße die Gesellschaft durchzogen. Und nicht nur Oswalds Filme, auch zahlreiche, meist nur noch vom Titel[6] her bekannte ’Sittenfilme’ dieser Zeit fallen in ein ähnliches Schema.

2.3 Sexualität und Geschlechtlichkeit

„Man darf sich allerdings wohl kaum vorstellen, daß sich hier hemmungslos Pornographisches auf der Leinwand breitgemacht hat. [...] Vielmehr bedienten sich [...] diese Filme der Form des Melodrams, und allenfalls die Themenauswahl darf als >gewagt< gelten [...]. Hier hatten clevere Geschäftemachen nur die Chance genutzt, die die Aufhebung der Zensur (am 12. November 1918) bot“[7]

Soviel sei gesagt zu dem Thema der erlaubten Darstellungen und deren ’Verpackung’. Der geschlechtlichte Akt wurde maximal angedeutet und sollte sich mehr in der Phantasie des Betrachters als real auf der Bildfläche abspielen. Geschlechtsorgane wurden nur in Verbindung mit Krankheiten oder Abnormitäten im medizinischen Sinne und in möglichst ’steriler’ Umgebung gezeigt. Die Kommentare eines echten (oder gespielten) Arztes unterstrichen den medizinisch/ aufklärerischen Anspruch.

Jedoch war dieses Verfahren offenbar im Laufe der Zeit doch zu sehr ausgenutzt und umgangen worden, dass mit der „Wiedereinführung der Zensur durch das Deutsche Lichtspielgesetz Mitte 1920“[8] etwas mehr Einhalt geboten werden musste. Die nun folgenden Filme waren wieder anders gestaltet, obwohl es auch hier Ausnahmen gab, die versteckt produziert und unter der Hand weitergeben, ’verbotene’ Darstellungen zeigten. Besonders diese Filme sind, wie die meisten anderen Filme dieser Zeit, heute leider verschollen, zerstört oder nur noch in anderen Ländern in veränderten Fassungen aufzufinden.[9]

[...]


[1] Seeßlen, Georg; Kling, Bernt: Das große Unterhaltungslexikon. Herausgegeben von Bernhard Roloff. Bayreuth o.J. S. 251.

[2] Rororo Filmlexikon. Filmbeispiele, Genres, Länder, Institutionen, Technik, Theorie. Herausgegeben von Liz-Anne Bawden. Edition der deutschen Ausgabe von Wolfram Tichy. Reinbeck 1978. S. 51.

[3] Dr. Jos van Ussel, zitiert nach Thissen, Rolf: Sex verklärt. Der deutsche Aufklärungsfilm. München 1995. S.60.

[4] Thissen, Rolf: Wie Anm. 3. S. 56.

[5] Thissen, Rolf: Wie Anm. 3. S. 72.

[6] Mehr über verschollene Filme dieser Zeit in Thissen, Rolf: Wie Anm. 3. S. 64.

[7] Thissen, Rolf: Wie Anm. 3. S.64.

[8] Thissen, Rolf: Wie Anm. 3. S.90.

[9] mehr dazu in Thissen, Rolf: Wie Anm. 3. S. 22, 64, 82.

Details

Seiten
23
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638284141
ISBN (Buch)
9783668147997
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25920
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für deutsche Philologie - Volkskundliche Abteilung
Note
1
Schlagworte
Aufklärungsfilme Filme Jahre Kulturgeschichte Erotik

Autor

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