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Alexander der Große und die antike literarische Überlieferung

Seminararbeit 1997 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Quellenlage
1.3. Forschungsstand

2. Die Primärquellen
2.1. Die ”offiziellen Quellen”
2.1.1. Die Ephemeriden
2.1.2. Die Hypomnémata
2.1.3. Kallisthenes v. Olynth
2.2. Die ersten Geschichtswerke nach 323 v.Chr
2.2.1. Kleitarchos
2.2.2. Ptolemaios und Aristobulos
2.2.3. Weitere Autoren
2.3. Zusammenfassung: Die ersten Geschichts- werke über Alexander d. Gr

3. Die späteren Autoren
3.1. Der ”Alexanderroman”
3.2. Diodoros v. Agyrion
3.3. Q. Curtius Rufus
3.4. Plutarchos v. Chaironeia
3.5. Flavius Arrianus

4. Zusammenfassung
4.1. Geschichte der Alexanderüberlieferung
4.2. Der Forschungsstreit
4.3. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

1.1. Fragestellung

Inhalt dieser Arbeit ist die Betrachtung der Überlieferungsgeschichte der Taten Alexanders des Großen. Die Personen, die die Geschichte seiner Regierungszeit niederschrieben bzw. in späterer Zeit ein Geschichtswerk über ihn verfaßten, sollen im einzelnen beschrieben und, soweit möglich, auf ihren historiographischen Wert beleuchtet werden. Den Schwerpunkt der Arbeit bildet die Frage, wie die Geschichte Alexanders über die Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurde und wo hierbei die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Autoren und daraus resultierend die Besonderheiten und Schwierigkeiten liegen.

1.2. Quellenlage

Die Quellen der Geschichtsschreiber, die über Alexander berichteten, teilen sich in Primär- und Sekundärquellen auf; erstere stammen von den Zeitgenossen Alexanders; letztere von Autoren der römischen Kaiserzeit.

Von den Primärquellen sind nur äußerst wenige Fragmente erhalten[1], bei vielen ist nicht einmal der Titel oder der Umfang des Werkes bekannt. Den Charakter eines solchen Werkes sowie die Einstellung des Verfassers zu Alexander kann man also nur aus diesen Bruchstücken sowie durch die wahrscheinliche Nutzung dieser Quelle in einem späteren, erhaltenen Werk ermitteln.

Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, daß eine genaue Datierung der Werke nicht möglich ist. Bei einigen Autoren (z.B. Ptolemaios) kann man sie, wenn die biographischen Daten bekannt sind, auf einen mehr oder weniger engen Zeitraum eingrenzen; bei anderen, wie etwa Kleitarchos, liegt die Entstehungszeit völlig im Dunkeln. Dieser Umstand wirkt sich besonders nachteilig auf die Frage nach der chronologischen Reihenfolge der Werke, aus der erschließbar wäre, welche früheren Werke dem Autor bereits bekannt gewesen sein könnten, aus.

Da die ersten Alexanderhistoriker zum größten Teil aus dessen persönlichem Umfeld stammen (s. Kap. 2), sind diese Überlieferungen nicht unbedingt nüchtern und objektiv, sondern - je nach Perspektive des jeweiligen Autors - panegyrisch, teilweise vergöttlichend, teils aber auch von Feindseligkeit beeinflußt.

Die Sekundärquellen, von denen uns die wichtigsten größtenteils erhalten geblieben sind, entstanden in der Zeit vom Ende der hellenistischen Epoche bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. Sie stammen, mit einer Ausnahme (Q. Curtius Rufus), von griechischen Autoren und weisen sichtliche Unterschiede auf, was auf die jeweils verschiedenen Quellengrundlagen zurückzuführen ist. Außerdem leiden sie unter einem zu unbefangenen und unkritischen Umgang mit ihren Hauptquellen, wobei nur das Werk Arrians sich einigermaßen positiv hervorhebt. Dieser Umstand wird in Kap. 3 eingehender beschrieben. Während bei Arrian und Q. Curtius Rufus reine Alexandergeschichten (und bei Plutarch eine reine Biographie über Alexander) vorliegen, erschienen die Werke Diodors und Strabons im Rahmen einer ”Weltgeschichte”, nahmen also nur einen kleinen Teil innerhalb eines Gesamtwerkes ein.

Diese Sekundärquellen sind zusammen mit den verbliebenen Fragmenten der einzige Anhaltspunkt zur Charakterisierung der frühen Alexanderhistoriker; und wahrscheinlich wären einige von ihnen heute vollkommen unbekannt, wenn sie nicht für diese Arbeiten verwendet worden wären.

1.3. Forschungsstand

Durch das wenige zur Verfügung stehende Material und die Ungewißheit bei den Zusammenhängen zwischen den einzelnen Autoren entsteht ein breiter Raum für verschiedene Theorien. So hat sich eine Anzahl von Forschern intensiv mit diesem Thema befaßt - z. B. J. Kaerst, Ed. Schwartz, W.W. Tarn und F. Jacoby, um nur einige zu nennen[2] -, zu gesicherten Erkenntnissen über die Charakterisierung der Primärquellen und die Struktur der Überlieferung hat dies jedoch noch nicht geführt. Uneinigkeit herrscht bei allen Fragen: welche Werke von welchen anderen beeinflußt worden sind; welche Autoren als glaubwürdig einzustufen sind und wie man die historiologische Bedeutung einzelner Werke einschätzen sollte.

Die ersten grundlegenden Thesen stellten Ed. Schwartz und F. Jacoby zu Beginn dieses Jahrhunderts auf[3] ; ihre Artikel in der RE blieben lange maßgebend. Erst W.W. Tarn setzte mit seiner Arbeit neue Impulse in der Forschung und löste eine neue Diskussion aus[4].

2. Die Primärquellen

Noch zu Lebzeiten Alexanders und bald nach seinem Tod entstand eine Anzahl von Geschichtswerken über seine Taten. Verfaßt wurden diese größtenteils von Männern, die im Gefolge Alexanders am Asienfeldzug teilnahmen und dabei die unterschiedlichsten Ämter bekleideten - die Ausnahme bildet hier Kleitarchos. Die wichtigsten Geschichtsschreiber und andere Quellen werden im folgenden beschrieben.

2.1. Die ”offiziellen” Quellen

2.1.1. Die Ephemeriden

Die Ephemeriden - oder ”Königliche Tagebücher” - beschrieben die Amtshandlungen und andere Tätigkeiten des Königs. Von ihnen sind 3 Fragmente erhalten, aus denen hervorgeht, das sie neben offiziellen Angelegenheiten auch Details aus dem Privatleben Alexanders zum Inhalt hatten. Es ist also nicht klar ersichtlich, ob sie eine Art ”Hofjournal”, ein reines Tagebuch oder eine Mischung daraus darstellten. Neuere Forschungen sprechen den Ephemeriden jegliche Echtheit ab und halten sie für eine Fälschung, die erst in späterer Zeit entstand. Einigkeit ist in dieser Streitfrage bislang nicht erzielt worden[5]. Unbestritten ist dagegen die Benutzung durch Ptolemaios, da sich Elemente der Ephemeriden bei Arrian finden (s. Kap.2.2.2 und 3.5).

2.1.2. Die Hypomnémata

Laut Diodor, der die Hypomnémata (die ”letzten Pläne Alexanders”) als einziger der erhaltenen Autoren heranzieht, handelt es sich hierbei um die Niederschriften von Vorhaben, die nach der Unterwerfung des Perserreiches als nächstes in Angriff genommen werden sollten. Die Rede ist hierbei vom Bau einer 1.000 Schiffe starken Flotte; vom Bau von 6 Tempeln mit einem enormen Kostenaufwand und von der kulturellen und geographischen Vermischung der Menschen in Europa und Asien. Diese seien nach Alexanders Tod vom Heerführer Perdikkas unter Verschluß genommen worden und daher nicht zur Ausführung gekommen.

Auch bei den Hypomnémata steht die Authentizität in Frage. Einerseits durch Widersprüche in Diodors Ausführungen (s. Kap.3.2), andererseits durch die utopische Größenordnung der Vorhaben. Obwohl sie in Alexanders politische Vorstellungen paßten, gibt es keine gesicherten Anhaltspunkte darüber, ob er tatsächlich seine Zukunftspläne in dieser Form hinterlassen hat[6].

2.1.3. Kallisthenes von Olynth

Kallisthenes (ca. 370 - 327 v. Chr.), ein Großneffe Aristoteles´, wurde von Alexander mit der Aufgabe der ”offiziellen Berichterstattung” über den Feldzug betraut und nahm als ”Hofhistoriograph” und Privatsekretär des Königs am Asienzug teil. Bereits vorher hatte er sich mit einer Helleniká einen Namen als Geschichtsschreiber gemacht. Die Alexandergeschichte des Kallisthenes blieb unvollendet, da der Verfasser unter dem Verdacht der Mitwirkung an der ”Pagenverschwörung” 327 v.Chr. hingerichtet worden ist[7]. Sie ist wie alle Primärquellen nur in Fragmenten erhalten.

[...]


[1] diese sind zusammengefaßt in: F. Jacoby, Die Fragmente der griechischen Geschichtsschreiber (FGrHist), Berlin 1923 ff.

[2] zu den verschiedenen Forschungsmeinungen siehe: J. Seibert, Alexander der Große (Erträge der Forschung Bd. 10), Darmstadt 1994, S. 1 - 42.

[3] Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE), Stuttgart 1894 -1978.

[4] Seibert, S. 42.

[5] Klaus Meister, Die griechische Geschichtsschreibung von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus, Stuttgart 1990, S. 102f sowie Seibert, S. 5f.

[6] Seibert, S. 7ff sowie Meister, S. 103f.

[7] Die ”Pagenverschwörung” war ein fehlgeschlagenes Attentat auf Alexander durch einige seiner Kammerdiener. Kallisthenes war bereits zuvor in Ungnade gefallen, da er dem König die Proskynese, d. h. die Ehrerbietung durch Kniefall und Kußgeste, die Alexander nach persischem Vorbild einführen wollte, verweigerte. Siehe hierzu Siegfried Lauffer, Alexander der Große, München 1978, S. 136ff.

Details

Seiten
20
Jahr
1997
ISBN (eBook)
9783638284103
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25913
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Fakultät IV
Note
1
Schlagworte
Alexander Große Proseminar

Autor

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