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Existenz und Substanz - Heideggers Anthropologie zwischen Philosophie und Wissenschaft

Seminararbeit 2003 44 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Vorbemerkungen

II. Essenz, Existenz, Existenzial & Ek-sistenz = Existenzialis­mus?
II.1 essentia & existentia
II.2 Existenzialien
II.3 Existenz & Ek-sistenz
II.4 In-sistente Ek-sistenzen

III. Substanz & Substanzialität

IV. Der innere Bezug von Anthropologie und Ontologie

V. Ist Heideggers Fundamentalanalyse eine Wissenschaft?

VI. Was ist Philosophie?

VII. Schlussbemerkungen

VIII. Literatur- und Abkürzungsverzeichnis

I. Vorbemerkungen

„Die Sprache ist“, so Martin Heidegger (1889-1976), „das Haus des Seins. In ihrer Behausung wohnt der Mensch.“[1] Hat er sich darin eine Arbeit vorgenom­men, stellt er sich in alter Gepflogenheit nach logischen, also über­wiegend wis­senschaftlichen Gesichtspunkten eine sorgfältige Begriffsbestim­mung voran, um sich in der hier thematisch vorgegebenen Sprachbehausung nicht fremd, sondern heimisch zu fühlen, um möglicher Weise bestätigen zu kön­nen, dass ihm die beigebrachte Sprache von einem gewissen Zeitpunkt an zu ei­nem „im In-Sein fundierten Existenzial“[2] geworden ist.

Die fundamentalen Existenzialien sind nach Heideggers Lesart „keine theore­tisch-ontischen Verallgemeinerungen“, sondern bleiben jeder „ontisch-welt­an­schaulichen Daseinsauslegung“[3] gewachsen, so dass die „Verallgemeine­rung“ als eine „apriorisch-ontische“[4] qualifiziert werden kann und damit unter den Beg­riff „transzendentale ‚Allgemeinheit’“[5] fällt, die zumal in dem „existenzi­alen Begriff der Sorge zum Ausdruck“[6] komme, wobei noch aus eini­ger Entfernung die Bitte Perianders aus Korinth (um 625-585) hinzugefügt werden kann: „... nimm in die Sorge das Ganze als Ganzes“.[7] Das klingt umfas­send bedenklich. Erst in dunklen Zeiten wird erkennbar, ob einem ein Licht auf­gehen will, oder nochmals und immer wieder mit Heidegger gesprochen: „Das Älteste des Alten kommt in unserem Denken hinter uns her und doch auf uns zu.“[8]

Es ließe sich hier schon besorgt fragen, ob Sprache und Denken objektivierend im (natur-)wissenschaftlichen Sinne seien und es gar sein müssten? Habe ich ei­nen so berechenbaren wie kausal erklärbaren Gegenstand als Objekt vor mir, wenn es um die Existenz und Substanz des Menschen geht? Außerhalb des „na­turwissenschaftlich-technischen Vorstellens“[9] gebe es jedoch, so Heidegger, noch ein unabhängiges unmittelbares Ausdrucksvermögen: „Das eigene Wesen des Denkens und Sagens lässt sich nur einsehen in einem vorurteilsfreien Erbli­cken der Phänomene.“[10]

In der Philosophie, der es oft schwer fällt, im­mer nur philosophisch zu sein, geht es von alters her vor allem um die Fähigkeit des Staunens: „Das Er­staunen ist die Stimmung, innerhalb derer den griechischen Philosophen das Entsprechen zum Sein des Seienden gewährt war.“[11] Philosophi­sches Denken dürfte also bedeutend mehr als Logik und berech­nen­des Auseinandernehmen von Brosamen der Ganzheit des Seienden zum Zwecke vorsätzlich-vordergrün­diger Verwertungen sein; es hat folglich in inniger Ver­wandtschaft mit der Dichtkunst mehr mit Stimmungen und dem fortgesetzten Fra­gen nach dem Sinn des Seins zu tun. Sein Ergebnis ist das im Dienste des stau­nenden Denkens zur Sprache gebrachte, „das dem Zuspruch des Seins des Sei­enden entspricht“.[12]

Gesetzt den Fall also, Heideggers sogenannte Existenzialontologie der Ge­schichtlichkeit ist weder Anthropolo­gie noch Wissenschaft, sondern Phänome­nologie, wenn sie überhaupt mit einem solchen Schlagwort aufs Kreuz zu legen wäre; dann könnte das anstehende Thema demzufolge nicht mit einer „zu einem Instrument der Mel­dung und der berechenbaren In­formation“[13] verkürzten und verhärteten Sprache bewältigt – nein, ziviler ausge­drückt: gestalterisch entwi­ckelt werden.

Es ist oft nicht einfach, den archimedischen Punkt eines eingezäunten Themas zu finden, geschweige denn den eines geistvollen und damit allezeit wider­spruchsvollen Menschen. Besonders dessen Denken und Fühlen, ganz abgese­hen von seinem Handeln, ist einer Sedimentationsverfallenheit ausgeliefert, die folglich bei einer pluralistischen Abfassung philosophischer Begründungen den jeweiligen Sedimentationscharakter der am Gespräch oder am Streit teilneh­menden Argumentationspartner erkennen lässt.

Wer also Heideggers Denken entsprechen will, und sei man ein noch so unbe­darfter Anfänger, sollte versuchen, seinem Denken selbst auf steinigen Wald- oder ver­wachsenen Holzwegen entgegen zu kraxeln und zu krauchen. Derjenige, ob ganz angekommen oder nicht, dürfte dann nicht mehr allzu überrascht entde­cken: Das „Haus des Seins“ ist keine ge­mütliche Schwarzwaldhütte, sondern das gesamte Universum - ohne Trennung in Innen und Außen - das wir trotz früh­warnender Einsichten, die Heraklits (550-480) berühmten Wort zugeschrieben wer­den[14], dass „alles fließt - und nichts bleibt“, festzulegen, also in Sprache zu ban­nen su­chen, um es uns begreifbar[15] und damit auch verfüg­bar zu machen. Der Dich­ter Paul Celan (1920-1970) stellte einmal frag­würdig fest: „Alles fließt: auch dieser Gedanke, und bringt er nicht alles wieder zum Ste­hen?“ Je­doch der „Herrgott“ selber wollte uns vor diesem Zweifel be­wahren, in­dem er uns aus Goethes „Prolog im Himmel“ gönner­haft zurief: „Und was in schwan­kender Er­scheinung schwebt, / Befestiget mit dauernden Gedan­ken!“[16]

Wir unvollkommenen Geschöpfe werden bei diesem „Geschäft“ immer und ringsumher an unsere Grenzen stoßen, sowohl gemäß unserer Existenz und Sub­stanz als auch des Sinns unseres Seins in jenem Dasein, das Heidegger be­kanntlich und berechtigt als ein Phänomen bezeichnete und zum Ausgangspunkt der Phänome­nologie und damit zugleich der Ontologie erklärte.[17] Seine exis­tenz-philosophische Linie, die unmissverständlich ontologischen Absichten ge­widmet war, hatte freilich den Menschen im Blick, ohne ihn mit gewöhnlich ab­genutzten Begriffen zu erwähnen, während dennoch sein Einfluss auf daseins­analytische Psychiater nicht unbedeutend blieb, so auf Ludwig Binswanger (1881-1966), Medard Boss[18] (1903-1990) bis hin zu Jacques-Marie Émilie La­can (1901-1981).

Zugleich ha­ben wir von vorn­herein das Selbstverständnis seines Denkens zu be­achten, das ausdrücklich „nicht auf eine ontologische Grundlegung der Anthro­pologie“[19] aus war, sondern auf eine „fundamentalontologische Abzweckung“[20] zielte. Schon zu­vor, im § 9 seiner Universal-Ontologie „Sein und Zeit“ schrieb er: „Die exi­stenziale Ana­lyse des Daseins liegt vor jeder Psychologie, Anthro­pologie und erst recht Bio­logie.“[21] Obwohl seiner grundlegenden Seinsfor­schung durchaus eine ebenso grundsätzliche Anthropologie innewohnt, ver­wahrte er sich jedoch gegen eine Reduktion seines Werkes auf die in Mode ge­kommene Lehre von der Natur des Menschen. Dessen ungeachtet hat er den Be­gründer der neuzeitlichen Anthropologie, Max Scheler (1874-1928), durchaus geschätzt und ihm sogar sein Werk „Kant und das Problem der Metaphysik“ gewidmet.

Dennoch hielt ihn nichts davon ab, sich später in dem Text „Die Zeit des Welt­bildes“ noch konsequen­ter von der Anthropologie abzusetzen, in dem er nahezu vernichtend ur­teilte: „Durch die Anthropologie wird der Übergang der Metaphy­sik in den Vor­gang des bloßen Aufhörens und des Aussetzens aller Philosophie eingeleitet.“[22] Solche Widersprüche, besonders jedoch der Widerspruch zum Un­tertitel der Überschrift, erzeugen vorsätzlich Span­nungen, die es einfallsreich zu nutzen gilt, selbst wenn man noch nicht genau weiß: warum, wozu?

Als Eckpfeiler des vorgegebenen Fundaments sind bequem die Begriffe Exis­tenz, Substanz, Anthropologie, Philosophie und Wissenschaft auszumachen. So­eben ist unversehens der Begriff „Begriff“ ins Spiel gekommen; und so ginge das fort - fast ohne Ende - durch die unzähligen Varianten des Alphabets, denn ein Wort ergibt bekanntlich das andere - oder angemessener ausgespro­chen: Begriffe neigen dazu, sich zu lösen und, aufgelöst in neuen Zu­sammenhängen, zu verselbständigen. Einem Einzel­nen ist es un­möglich, alles durchzuspielen, aber es dürfte wohl im Sinne Georg Wilhelm Friedrich He­gels (1770-1831) bedacht bleiben, dass die Wahrheit immer nur das Ganze sein kann. Das faktisch Unmögliche bewahrt so vor dem Größenwahn, der über ein ganzes Jahrhundert ausgefüllt hat, zugleich auch vor dem voreiligen Schluss, sich einzubilden, mit St. Marx (1818-1883) oder ohne ihn die Welt samt ihrer angeblichen Ge­schichtsgesetze er­kennen zu können, um sie dann nicht mehr interpretie­ren zu wollen, sondern nur noch handfest „verändern“ zu müssen.[23] Ausge­rechnet solch ein halbstarkes Pos­tulat würde angeblich „die Völ­ker überzeugen, dass es nur ein Mittel gibt, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft abzu­kür­zen, zu vereinfa­chen, zu konzentrieren, nur ein Mittel – den revolutionären Ter­rorismus[24].

Jener vom europäischen Ursprung zynisch entfremdeten „Philosophie“, die nichts mehr mit dem Ursprung des Wortes, also mit der Liebe zur Weisheit zu tun hatte und haben wollte, setzte Martin Heidegger, der in einem Brief vom März 1933 deutlich vom „Widergeist der kommunistischen Welt“[25] schrieb, ein Zurück zur Substanz und Existenz sowie zum Seienden im Sein und sein Zurück zur Besinnung bei den Vorsokratikern entgegen, um solches ins Leere, also in die Utopie und gleichzeitig in die Katastrophe laufende Den­ken zu überwinden. Was bedeutete es ihm, etwas zu überwinden? Bezogen auf René Descartes (1596-1650) schrieb er dazu: „Überwindung aber bedeutet hier ursprüngliches Fragen der Frage nach dem Sinn, d. h. nach dem Entwurfs­bereich und somit nach der Wahrheit des Seins, welche Frage sich zugleich als die Frage nach dem Sein der Wahrheit enthüllt.“[26]

Obwohl er kein Aufheben davon machte, hat er den anfänglichen Pakt mit den Nationalsozialisten als Irrtum aufrichtig überwunden. Übrig bleibt: „...er war für eine kurze Weile ein politischer ‚Militanter’, wie Sartre es sein ganzes denkeri­sches Leben hindurch war“.[27] Die in Washington geborene Journalistin Anna Applebaum (geb. 1964) stimmt diesbezüglich völlig mit dem Heidegger-Schü­ler Ernst Nolte (geb. 1923) überein: „So nahm der Ruf des deutschen Philoso­phen Martin Heidegger schweren Schaden, weil er den Nationalsozialismus kurze Zeit offen unterstützt hatte, und dies bevor Hitler seine großen Verbrechen beging. Dagegen litt der französische Philosoph Jean-Paul Sartre überhaupt nicht darunter, dass er in der Nachkriegszeit, als jeder, der sich dafür interes­sierte, bereits genügend über Stalins Grausamkeiten wissen konnte, die Sowjet­union lautstark verteidigte.“[28]

Ich werde mir aus der Gegebenheit meiner Veranlagung heraus, da ich ja auch in meiner „Eigentlichkeit“ leben möchte, die Freiheit nehmen (müssen), mich dem mir abwechslungsreich vorkommenden Thema assoziativ in essayistischer Sprachform zu nähern, so dass ich das, was mir einfällt (Heidegger: „Wir kom­men nie zu Gedanken. Sie kommen zu uns.“[29]), erst nachträglich zu gliedern versu­che, was freilich hauptberuflichen „Methodikern“ unangenehm auffallen wird. Gerechtfertigt werden soll oder kann diese Selbstbestimmung nur durch ein Denken, das in ein „Denken des Seins“[30] zu gelangen sucht, indem es sich mit seinen Fragen und seiner Sprachmöglichkeit einfach auf den Weg macht, denn: „Der Weg ist ein Weg des Denkens“.[31] Es möchte weder durch Eitelkeit noch Anmaßung, vielmehr durch Einsicht in die eigene Begrenztheit die tas­ten­den Schritte auf dem weiten Feld der Da-Seins-Frage nicht zu einer „Technik des Erklärens aus obersten Ursachen“[32] herabwürdigen oder sich zu einer allzu ge­schäftigen, oft als professionell missverstandenen Beschäftigung mit der Phi­losophie aufblähen. Was dann? Es möchte mitdenken, nachdenken und wenn es hoch kommt: offen sein gegenüber dem, was da aus der heideggerschen Gewest­heit als Lichtung in die heutige oder in mir wesende Dunkelheit zu dringen ver­mag. In der Not gäbe es sich auch damit zufrieden, sich wundern zu dürfen, wie es Worte, Wort für Wort, oftmals schaffen, Wort zu halten und selbst undeutlichen Sätzen einen Sinn zu leihen.

Die Besinnung auf jenen Bereich, auf dem sich das Seiende offenbaren könnte – er steht bei Heidegger für die „neuzeitliche Philosophie der Subjektivität“[33] – und ebenso „auf der Seite der Zerrissenheit – nämlich des Bewusstseins. Dieses Zerrissene ist durch seinen Riss offen für den Einlass des Absoluten. Für das Denken gilt: Die Zerrissenheit hält den Weg offen in das Metaphysische“.[34] Also? Staunen wir mal!

II. Essenz, Existenz, Existenzial & Ek-sistenz = Existenzia­lis­mus?

Das ‚Wesen’ des Daseins liegt in seiner Existenz.“[35] Über diesen Satz, einer der wenigen knappen in Heideggers Fundamentalanalyse „Sein und Zeit“, ließe sich lange philosophieren oder wenigstens nachdenken. Die biblische Menschenauf­fassung, so wird in einigen Weisheitsbüchern behauptet, gehe von der These aus, dass die Essenz der Existenz vorausgehe. Bei Aristoteles (384-322) ist dann schon von „akmé“ die Rede, die im Lateinischen mit dem Begriff „fünftes We­sen“ (Quintessenz) übersetzt wurde, weil Aristoteles mit dem „Äther“ den ursprünglich vier Elementen einen weiteren Urstoff hinzugefügt hatte. In der von Hermann Bo­nitz (1814-1888) übertragenen „Metaphysik“ von Aristoteles ist man gut bera­ten, den Ausdruck des „Wesens“ durch „Substanz“ zu ersetzen, weil „Wesen“ ein recht doppeldeutiger, wenn nicht gar schillernder Begriff sein soll. Kurt Flasch (geb. 1930) meint, das „Wesen“ sei ein „korrelativer“ Begriff, der im Unterschied zu allen ständig wechselnden Erscheinungen im Sinne He­raklits wohl mehr eine „bleibende Instanz“[36] verkörpere.

Will man dem wahrscheinlich von Marcus Tullius Cicero (106-43) geprägten Kunstwort „Essenz“ auf die Spur kommen (das man im größten Wörterbuch der deutschen Sprache[37] zwischen „Essenträger“ und „Esser“ vergebens sucht, ob­wohl seine Derivate in alle europäischen Sprachen Einlass gefunden haben), dann findet man später bei Aurelius Augustinus (354-430) zum griechischen Wort „ousia“ noch die Übertragung „Substanz“, was darauf schließen lässt, dass zu dieser Zeit „essentia“ und „substantia“ noch austauschbar verwendet wurden. Eine lange Geschichte des Begriffes, seiner Auslegungen und seines Gebrauchs schließt sich an, die von der Philosophie in die Theologie hinein­wirkt, so dass sie sich also wechselseitig durchdringen, eine eigenartige Überset­zung ins Deut­sche wie „Washeit“ hervorbringend oder missverständlich als „Natur“ gebrau­chend, bis schließlich der Substanzcharakter der Essenz auf­gelöst und dem all­gemeinen Sprachgebrauch in Essig-Essenz, Wasseraufberei­tungs-Essenz und dergleichen überlassen wird.

Heidegger erwähnte „essentia“ in seinem Hauptwerk nur beiläufig und allewege zu „existentia“ in Bezug gebracht. Sich anlehnend an Søren Kierkegaard (1813-1855) benannte er in bewusster Abgrenzung zur rationalistischen We­sensphilo­sophie mit Existenz die menschlich-individuelle Seinsweise. Das We­sen des Seienden, das wir je selber sind, liegt angeblich „in seinem Zu-sein“[38]. Die Es­senz dieses Seienden soll aus seiner Existenz, die je die meine ist, ver­standen werden. Für „den Titel existentia“[39] wird stets der Ausdruck Vorhanden­heit ge­braucht, um die seinsbestimmende Existenz allein dem Dasein zuweisen zu können. Das Dasein, so heißt es weiter, bestimme sich „als Seiendes je aus einer Möglichkeit, die es ist und d. h. zugleich in seinem Sinn irgendwie ver­steht. Das ist der formale Sinn der Existenzverfassung des Daseins“.[40] Alle Expli­kate[41], ge­wonnen aus der Analyse des Daseins, seien im Hinblick auf seine Existenz­struktur als Existenzialien (u.a. Verstehen, Rede, Befindlichkeit und vor allem Sorge als Grundexistenzial) zu bezeichnen, da sie sich aus der Exi­stenzialität gründen, während die „Seinsbestimmungen des nicht daseinsmäßi­gen Seien­den“[42] als Kategorien zu führen seien. Existenziale Wissenschaft fun­diere die lo­gische Wissenschaft, wie die Zeitlichkeit die Räumlichkeit und die Rede den Begriff begründen. Nur in einem vorstellbaren Gott müssten Existenz und We­senheit zusammenfallen, so dass man sagen könnte: „Das Wesen Gottes ist seine Existenz.“[43]

[...]


[1] ÜdH, S. 5

[2] SuZ, S. 54

[3] SuZ, S. 200

[4] SuZ, S. 199

[5] SuZ, S. 199

[6] SuZ, S. 200

[7] HEIDEGGER / FINK: Heraklit, S. 263

[8] AdD, S. 19

[9] PuT, S. 44

[10] PuT, S. 45

[11] Philo, S. 26

[12] Philo, S. 29

[13] PuT, S. 45

[14] Edward Hussey weist dies als „nicht herakliteisch“ zurück, siehe: Handbuch Frühe Griechische Philosophie. Von Thales bis zu den Sophisten, Stuttgart 2001, S. 90. K.-H. Volkmann-Schluck hingegen meint: Der Sache nach stammt dieses Wort durchaus von Heraklit. Es fragt sich nur, was es bedeutet.“ In: Die Philosophie der Vorsokratiker. Der Anfang der abendländischen Metaphysik, Würzburg 1992, S. 97

[15] Heidegger sagte dazu: „Inbegriff, Einbegreifen, Greifen und Begreifen ist schon an sich ungriechisch. Bei Heraklit gibt es keinen Begriff, und auch bei Aristoteles gibt es noch keinen Begriff im eigentlichen Sinne.“ In: Heidegger / Fink: Heraklit. S. 50

[16] Johann Wolfgang von GOETHE: Faust 1. Teil

[17] SuZ, S. 37: „Sachhaltig genommen ist die Phänomenologie die Wissenschaft vom Sein des Seienden – Ontolo­gie.“

[18] Michael MAYER: „Hatte Boss sich bereits in früheren Jahren mit der Daseinsanalytik Martin Heideggers ausei­nandergesetzt, markierte doch erst das persönliche Zusammentreffen mit dem deutschen Philosophen 1946 einen entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben. Mit Heidegger verbanden ihn eine innige, bis zu dessen Tod 1976 anhaltende Freundschaft und eine fruchtbare Arbeitsgemeinschaft (Zollikoner Seminare). Einig waren beide sich in der Überzeugung, dass der technisch-naturwissenschaftliche Kausalismus prinzipiell die Dimension des Menschen in seiner Ganzheit verfehlen müsse.“ In: Der Daseinsanalytiker. Zum 100. Geburtstag von Medard Boss, Neue Zürcher Zeitung, (Internationale Ausgabe) 4./5. Oktober 2003, S. 36

[19] SuZ, S. 200

[20] SuZ, S. 200

[21] SuZ, S. 45

[22] Hw, S. 92

[23] Siehe 11. Feuerbach-These von Karl MARX, die übrigens noch immer widersinnig in goldenen Lettern im Vor­raum der Berliner Humboldt-Universität prangt.

[24] MEW, Bd. 5, S. 457

[25] HEIDEGGER / BLOCHMANN: Briefwechsel 1918-1969, S. 60

[26] Hw, S. 92

[27] Ernst NOLTE: Geschichtsdenken im 20. Jahrhundert. Von Max Weber bis Hans Jonas, S. 481

[28] Anna APPLEBAUM: Der Gulag. Berlin 2003, S.13

[29] AdD, S. 11

[30] ÜdH, S. 8

[31] TuK, S. 5

[32] ÜdH, S. 9

[33] WhD, S. 52

[34] WhD, S. 52 f

[35] SuZ, S. 42

[36] Kurt FLASCH: Stichwort: Wesen. In: Handbuch philosophischer Begriffe. Band 6, S. 1687f.

[37] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm GRIMM in 33 Bänden

[38] SuZ, S. 42

[39] SuZ, S. 42

[40] SuZ, S. 43

[41] Explikate: Explikation, nach Rudolf CARNAP (1891-1970) Verbesserung, Präzisierung eines im Alltags­gebrauch bzw. im vorwissenschaftlichen Stadium bereits gegebenen Begriffes. Der Begriff heißt Explikandum, das Resultat der Operation der Explikation heißt Explikat. Der Übergang vom Explikandum zum Explikat erfolgt durch einen Abstraktionsvorgang, bei dem besonders das konstruktive Element der Abstraktion im Vordergrund steht.

[42] SuZ, S. 44

[43] GA, Bd. 24, S. 116

Details

Seiten
44
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638283984
ISBN (Buch)
9783638702249
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25898
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Philosophische Fakultät III
Note
2 (gut)
Schlagworte
Existenz Substanz Heideggers Anthropologie Philosophie Wissenschaft Proseminar Heidegger Sein Zeit

Autor

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Titel: Existenz und Substanz - Heideggers Anthropologie zwischen Philosophie und Wissenschaft