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Mary Elizabeth Braddon's "Lady Audley's Secret"

Referat (Ausarbeitung) 2003 12 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel

1. Die Geschichte Englands im 19. Jahrhundert

2. Frauen im 19. Jahrhundert
2.1 Die Stellung der Frau
2.2 Die Rolle der Frau in den verschiedenen Klassen

3. Mary Elizabeth Braddon - Eine Biographie

4. Lady Audley’s Geheimnis
4.1 Form
4.1.1 Gattung
4.1.2 Perspektive
4.1.3 Struktur und Handlungsaufbau
4.1.4 Sprache und Intention
4.2 Inhalt

5. Lucy Audley, geborene Graham - Helen Talboys, geborene Maldon

6. Quellenangaben

1. Die Geschichte Englands im 19. Jahrhundert

Die Regierungszeit Königin Viktorias, welche von 1837 bis 1901 andauerte, war von weitreichenden sozialen Krisen und Reformen gekennzeichnet, so dass die englische Literatur der Zeit - trotz immer noch vorhandener „romantischer” Remineszenzen - verstärkt aktuelle Fragen wie Demokratisierung oder Industrialisierung aufgriff. Auch lieferten der Utilitarismus von Denkern wie Jeremy Bentham, John St. Mill und David Ricardo sowie die Evolutions- und Fortschrittsphilosophien Charles Robert Darwins und Herbert Spencers optimistische Modelle, deren Folgen kritisch beleuchtet werden mussten. Als Medium für Sozialkritik entwickelte sich der Roman in der Viktorianischen Epoche von der Romantik hin zum Realismus, eine Tendenz, die Jane Austen bereits Anfang des 19. Jahrhunderts vorweggenommen hatte.

Der Weg für Massenmedien wurde frei, nachdem die Stamp Act von 1712, nach der einen Penny Steuer auf eine Seite verhängt wurde, abgesetzt wurde, da alle Schriften dadurch günstiger wurden. Bücherläden am Bahnhof öffneten neue Möglichkeiten für den Buchmarkt, da sich nun sehr viel mehr Menschen, Literatur - speziell in diesem Fall Reiseliteratur, die man nach der Reise oft wegwarf - leisten konnten.

„Lady Audley’s Secret“ war ein sofortiger Erfolg und wurde mit neun Auflagen in den ersten drei Monaten über eine Million mal verkauft. Zunächst waren es drei Bände, die in den sogenannten „circulating libraries“ standen und erhältlich waren. Elizabeth Braddon wurde die Königin der Leihbibliotheken genannt1.

Zur Jahrhundertwende erschien „Lady Audley’s Secret“ als einbändiges Buch und durfte sich ungehemmt großer Nachfrage erfreuen.

2. Frauen im 19. Jahrhundert

2.1 Die Stellung der Frau

Die Stellung der Frau im 19. Jahrhundert war vom kleinen familiären Kreise bis hin zum politischen Engagement klar untertänig.

Angefangen, dass nicht die Frau, sondern der Mann einen Heiratsantrag stellt, auch nimmt dieser in der Ehe eine gewisse Vormachtstellung ein. Weder besteht seinerseits eine Unterhaltspflicht, noch verfügt die Frau über ein Erbrecht. Das hieß allerdings immerhin nicht, dass sie nicht erben durfte. Sie war gänzlich finanziell abhängig von ihrem Ehegatten. Bis 1857 hatte die Ehefrau keinerlei Eigentum zu verzeichnen. Im Falle eines Verdienstes seitens der Frau hatte sie keinen Anspruch auf diesen, da ihr Geld, so wie sie selbst auch, ihrem Ehemann gehörte2. Gleichermaßen wäre eine Scheidung der Frau undenkbar gewesen. Der Divorce und Matrimonial Act von 1857 erleichterte schließlich Scheidungen und verbesserte zugleich die schlimmsten Aspekte der Stellung der Frau.

Ebenso stand der Bildungsweg bis 1848 ausschließlich den Männern offen bis nach langem Warten das Queens College in London konstituiert wurde, welches den Mädchen die Gelegenheit gab, eine Ausbildung auf Universitätsniveau zu erlangen. Jedoch wurden Abschlüsse erst ab 1878 an Frauen vergeben. Weiteres Manko war die Tatsache, dass der Besuch des Queens College exklusiv und somit den wohlhabenden Familien vorbehalten war3.

Auf politischer und juristischer Ebene war die Frau marginal vertreten. Da das Wahlrecht rein an Eigentumsverhältnisse geknüpft war, und bekanntlich Frauen fast nie Eigentümerinnen waren, durften nur sehr wenige Frauen wählen. Durch die Reform Bill, wurde 1832 das sowieso schon unterdrückte Geschlecht weiter ins Abseits gedrängt, indem das Wort „männlich“ eingefügt wurde und folglich nur noch Männer mit Eigentum wahlberechtigt waren.

2.2 Die Rolle der Frau in den verschiedenen Klassen

Welche Rolle die Frau in der Familie spielte, unterschied sich in gewissen Punkten zwischen den einzelnen Schichten.

In der Unterschicht war die größte Beschäftigungsgruppe Hausangestellte, insbesondere in den 50er und 60er Jahren4. Während die Männer der Arbeiterklasse zur Arbeit gingen, hatte die Frau im Hause zu bleiben und die dort anfallende Arbeit zu verrichten. Durchaus wurde die Heimarbeit der Frauen als ordentliche Tätigkeit angesehen. Da das häusliche Leben im 19. Jahrhundert ein Ideal war, gab es sehr viele verheiratete Frauen, die eine Arbeit dieser Art ausüben wollten. Ansonsten arbeiteten die Frauen als Land- oder Fabrikarbeiterinnen.

Frauen aus der Mittelschicht gingen im Normalfall nicht für Geld arbeiten, dieses Verhältnis von Leistung und Gegenleistung wuchs auf dem Nährboden der Prostitution. Gewöhnlich drehte sich ihr Leben ohne Frage um Haus und Familie. Natürlich gab es keinerlei Maschinen, welche in irgendeiner erdenklichen Art und Weise die Arbeit hätten erleichtern können. Beispielsweise war das Waschen von Wäsche ein Akt von einem ganzen Tag, der vielleicht alle zwei Wochen stattfand, wobei alle aus dem Haushalt, in welchem ein halbes Dutzend Kinder nicht atypisch waren, mithelfen mussten, damit die Arbeit geschafft wurde. Selten hatten die Familien der Mittelschicht als Hilfe ein einziges Dienstmädchen. Mehr jedoch war mit dem Budget dieses Standes sicher nicht durchführbar.

Diener und Dienstboten, explizit männliche, waren in der Oberschicht durchaus verbreitet. Den Frauenalltag machte dieser Umstand zweifellos um einiges erträglicher. Die Zeit nutzten die Frauen mehr oder weniger sinnvoll durch Beschäftigung mit Musik, Handarbeit, Kunst und anderweitiger Bildung, wie etwa Fremdsprachen, aber auch karitatives Engagement wurde nicht versäumt.

3. Mary Elizabeth Braddon - Eine Biographie

Geboren wurde Mary Elizabeth Braddon am 4. Oktober 1837 als drittes Kind einer mittelständischen Familie in London. Ihr Vater, Henry, war Anwalt und ihre irische Mutter, Fanny, kennzeichnend für die Zeit, Hausfrau. Affären von seiten ihres Mannes brachten Fanny dazu, sich zu trennen und die Kinder allein aufzuziehen. In London besuchte Mary Elizabeth Braddon eine private Schule für junge Mädchen.

Als sie 20 Jahre alt war, geriet ihre Familie in finanzielle Engpässe, woraufhin sie sich entschied, selbst für ihre Familie zu sorgen, was zu dieser Zeit für ihre Schicht höchst außergewöhnlich war. Einem solchen Mädchen war der Lebensweg für gewöhnlich quasi schon in die Wiege gelegt worden. Sie wurde Schauspielerin und übte diese Tätigkeit die kommenden drei Jahre überwiegend in Yorkshire aus. Gleichzeitig beschäftigte sie sich zunehmend mit dem Schreiben. Ermutigt wurde sie zu der Zeit von ihrem Liebhaber Gilby, ein Landedelmann aus Yorkshire. Er bewerkstelligte die Veröffentlichung ihres ersten Romans „The Trail of the Serpent“.

Mit 23 kehrte Mary Elizabeth Braddon sowohl Gilby als auch der Schauspielerei den Rücken. Auf der Bühne zu stehen bedeutete damals für junge Frauen eine öffentliche Zurschaustellung und war nicht respektabel.5 Nach einem Jahr weniger positiven Ergebnisses ihrer schriftstellerischen Laufbahn, kam 1861 der Durchbruch mit der ersten Folge von „Lady Audley’s Secret“, welche in dem populären Magazin „Robin Goddfellow“ erschien. John Maxwell, war Herausgeber jenes Magazins und Mary Elizabeth Braddons Liebhaber zugleich. Da seine Frau in der Irrenanstalt war, mussten die beiden die folgenden 13 Jahre in „wilder Ehe“6 verbringen und konnten erst nach dem Tod seiner Frau den Bund der Ehe eingehen.

Geschäftliche Schwierigkeiten Maxwells waren der Grund, dass Mary Elizabeth Braddon abermals für die Finanzlage verantwortlich war. Dazu bekam sie selbst, neben den fünf Kindern, die Maxwell aus erster Ehe mitbrachte, sechs eigene Kinder. Ständig aufeinander folgende Schwangerschaften, die finanzielle Last und der ständige Druck der Verleger bedeuteten eine große Last für Mary Elizabeth Braddon. Im Jahr 1866 übernahm sie überdies die Leitung eines neuen von Maxwell herausgegebenen Magazins. Pro Jahr schrieb sie durchschnittlich zwei Romane; ihre Geschäftigkeit geriet lediglich in eine Baisse, als ihre Mutter und ihre Schwester starben und ihr jüngstes Kind erkrankte.

Mary Elizabeth Braddon starb 1915 im Alter von 77 Jahren und hinterließ über 80 Veröffentlichungen, im übrigen auch ein paar weniger erfolggekrönte Theaterstücke. Bedeutende Werke waren unter anderem „Aurora Floyd“ (1862/1863) - von diesem Werk hatte sie das Glück, 1915 eine Stummfilmversion anzusehen - „The doctor’s wife“ (1864) und „The fatal three“ (1888). Große Popularität, gesellschaftliches Ansehen und beachtlicher Reichtum waren die drei Kategorien, in die sie einzuordnen war.

4. Lady Audley’s Geheimnis

4.1 Form

4.1.1 Gattung

Das Buch ist der literarischen Form des Romans zuzuordnen; genaugenommen ist es eine sogenannte „sensational novel“, ein Sensationsroman. Mary Elizabeth Braddon galt zu ihrer Zeit als „the head of the sensation school“7 und kann auch heute noch fraglos als „Begründerin des von Frauen für Frauen geschriebenen Sensationsromans“8 betitelt werden, wie auch Wilkie Collins und Ellen Wood. In diesem Vorläufer des heutigen Kriminalromans ging es um Verbrechen - vorallem um arglistigen rätselhaften Mord - Vergeltung, Familiengeheimnisse, Bigamie, Ehebruch, Doppelgänger, Rache, Sühne und Wahnsinn; verknüpft mit einer Liebesgeschichte inklusive Happy-End. Sie waren ein „Sondertypus des Zeitromans seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“9, in denen extraordinäre, fiktive

[...]


1 vgl. Mary Elizabeth Braddon, 1998, S. 534

2 vgl. www.pinn.net/~sunshine/whm2003/bodichon2.html

3 vgl. Bonnie Anderson, 1993, S. 434

4 vgl. Ursula Becher, 1988, S. 485

5 vgl. Mary Elizabeth Braddon, 1998, S. 532

6 vgl. Mary Elizabeth Braddon, 1998, S. 532

7 ebd., S. 534

8 ebd., S. 535

9 vgl. Gero von Wilpert, 2001

Details

Seiten
12
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638283403
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25820
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Kulturwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Mary Elizabeth Braddon Lady Audley Secret Frauenportraits

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