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Wertpapieranalyse und Anlagestrategien

Seminararbeit 2003 24 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fundamentalanalyse
2.1. Top-Down- und Bottom-Up-Analyse
2.2. Ratings

3. Chartanalyse
3.1. Trendlinien
3.2. Trendkanäle
3.3. Widerstands- und Unterstützungslinie
3.4. Die Rolle der Aktienumsätze
3.5. Indikatoren
3.5.1. Gleitende Durchschnitte
3.5.2. MACD-Indikator
3.6. Formationsanalyse
3.6.1. Trendbestätigungsformationen
3.6.1.1. Dreiecke
3.6.1.2. Flaggen
3.6.2. Trendumkehrformationen
3.6.2.1. Schulter-Kopf-Schulter-Formation
3.6.2.2. W- und M-Formation

4. Auswahlstrategien
4.1. Dividendenstrategie
4.2. Growth-Value-Strategie
4.3. Best-5-Strategie
4.4. Low-5-Strategie
4.5. Mix-Strategie

5. Regeln beim Aktienkauf
5.1. Limit
5.2. Stoploss und Stopbuy

6. Resümee

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Begriffs-Erläuterungen

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Das vergangene Börsenjahr hat wiederum den Anlegern etliche Nerven gekostet. Der Dax viel um stolze 44 Prozent. Auch wenn es einige kurzfristige Erholungsphasen gab, einen so lange andauernde Börsenflaute gab es selten. Diese ist nur noch vergleichbar mit dem katastrophalen Börsencrash von 1929 und der anschließenden Baisse.

Der private Anleger ist daher sehr verunsichert. Wie sollte sich der Anleger in solchen Situationen verhalten? Soll er alle Aktien abstoßen und die bisher anfallenden Verluste in Kauf nehmen? Steckt er besser sein Geld in festverzinsliche Wertpapiere? Oder lohnen sich vielleicht wieder erste Aktienkäufe? Kann er den sogenannten Experten oder Analysten noch vertrauen?

Grund genug um das Heft selbst in die Hand zu nehmen und in Eigenregie eine Wertpapieranalyse durchzuführen als sich blindlings auf die Voraussagen der Experten und Analysten zu verlassen. Daß sie sich gewaltig bei ihren Prognosen irren können, haben wir in der jüngsten Vergangenheit erfahren.

2. Fundamentalanalyse

2.1. Top-Down- und Bottom-Up-Analyse

Zunächst gibt es bei der Aktienauswahl zwei Methoden, die richtige Aktie einzukreisen: die Top-Down - und die Bottom-Up-Methode.

Bei der Top-Down-Methode haben die Anleger zunächst noch die Welt im Blick, engen sie ihren Horizont im ersten Schritt geographisch ein. Welche Region (USA, Europa), welches Land hat die besten Aktienchancen? Wichtig sind Kennzahlen wie Wirtschaftswachstum, Inflation, Arbeitslosenquote, Auslandsverschuldung, Auftragseingänge in der Industrie, Unternehmenserwartungen und das Verbrauchervertrauen. Diese Konjunkturdaten werden monatlich von den Wirtschaftsforschungsinstituten veröffentlicht. Anschließend zoomen sich die Anleger an die Branchen heran, deren Aktien überdurchschnittliches Potential aufweisen. Danach erfolgt die Analyse der einzelnen Unternehmen. Folgende Fundamentaldaten, die den inneren Wert[1] einer Aktie bestimmen, sollten hierbei unbedingt herangezogen werden:

- Wachstum (Umsatz, Gewinn (Ebit) und Cash-flow): bezieht sich auf die Vergangenheit. Wie stark sind die Unternehmen bspw. in den vergangenen fünf Jahren gewachsen? Wieviel Geld fließt aus dem Umsatzprozeß zurück ins Unternehmen?
- Finanzlage (Schulden und Kreditrating): Wie hoch ist die Eigenkapitalquote? Wie stark ist die Finanzkraft?
- Wertschöpfung (Eigenkapitalrendite und Kursentwicklung): die EK-Rendite gilt als Gradmesser für den finanziellen Erfolg eines Unternehmens. Welche Wertentwicklung konnten Aktionäre erzielen?
- Dividendenrendite und KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Wie hoch ist die Verzinsung des eingesetzten Kapitals gemessen am Tageswert der Aktie? Ist die Aktie fair bewertet?
- globale Stellung (Absatzmärkte und Marktanteile): je globaler die Absatzmärkte, desto weniger anfällig ist ein Unternehmen für regionale Umsatzflauten. Wie ist das aktuelle Gewicht des Unternehmens?
- Zukunftschancen (Zukunftssicherung und Gewinnerwartung): umfaßt die Ausgaben in Forschung und Entwicklung und die Gewinnerwartungen u.a. der Analysten. In der „Ibes“-Datenbank[2] sind Gewinnprognosen von mehr als 850 Banken Brokerhäusern gespeichert.

Mit der Bottom-Up-Methode gehen die Anleger genau anders herum vor: Beginnend mit der Fokussierung eines Unternehmens und mit einem anschließendem Blick auf die Branchen und die Welt.

2.2. Ratings

Bei der Wahl bspw. einer Anleihe sollte nicht nur der Rendite im Vordergrund stehen. Je höher dieser nämlich ist, desto größer ist auch das Verlustrisiko. Neben der eigenen Analyse der bevorzugten Unternehmen, hat der Anleger hier eine einfache Möglichkeit, seine Entscheidung mit Hilfe von Ratings abzusichern, oder diese ggf. als Grundlage zu verwenden. Sogenannte Ratingagenturen, wie z.B. Moody’s oder Standard & Poor’s, analysieren Unternehmen hinsichtlich ihrer Fähigkeit, ob sie schuldnerische Verpflichtungen fristgerecht und vollständig erfüllen. Die Ergebnisse dieser Bewertungen sind leicht ablesbar. Ratings - hier: Kreditrating - erfolgen meist in Buchstabenkombinationen wie AAA oder Aaa (höchste Bonitätsstufe), über BBB (noch hinreichend zahlungsfähig) bis D (Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten, Rückzahlung bereits notleidend).

3. Chartanalyse

Die Chartanalyse, auch technische Analyse genannt, orientiert sich ausschließlich am Kursverlauf von Aktie, Index oder Währung. Sie untersucht das Kursverhalten in der Vergangenheit und versucht durch Beobachtungen Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen. Klassische Analysten bewerten Aktien nach den fundamentalen Unternehmensdaten. Das kostet jedoch Zeit und Mühe. Chartisten benötigen nur ein Lineal und Kugelschreiber für ihre Investmententscheidungen. Sie ziehen für gewöhnlich nicht mehr als drei Striche pro Chart, aus Gründen der Übersichtlichkeit, und bilden sich so eine Meinung.

3.1. Trendlinien

Also dann einfach nur ein paar Striche einzeichnen und locker Gewinne einfahren? So einfach ist es sicherlich nicht. Jede Aktie hat ebenso wie das zu Grunde liegende Unternehmen einen eigenen Charakter. Chartmuster sind interpretationsbedürftig und hängen von der Erfahrung und Intuition des Betrachters ab.

Charttechniker suchen keine Abenteuer, sondern sind eher konservativ ausgerichtet. Ihr Verhalten äußert sich darin, sich nicht gegen den Trend zu stemmen. Denn Kurse bewegen sich in der Regel nicht willkürlich, sondern immer in bestimmten Formationen.[3] Eine der Grundannahmen der technischen Analyse ist es, daß ein Trend dazu tendiert, in einer Richtung zu verbleiben. Steigende Kurse orientieren sich meist an einem Aufwärtstrend, fallende an einem Abwärtstrend. Der Grund dafür ist, daß die Charts die Stimmung der Anleger wiederspiegeln. Die Kunst besteht nun darin, die wichtigen Trends von den unbedeutenden zu unterscheiden. Je länger ein Trend anhält, desto bedeutender ist er. Und je öfter der Kurs seinen Trend berührt, umso stärker wird er. Durchbricht bspw. der Dax seinen kurzfristigen Abwärtstrend (Dauer: max. 3 Wochen) nach oben, sollte dies nicht dazu verleiten, auf breiter Front wieder in deutsche Blue-Chips zu investieren. Erst, wenn der Dax seinen langfristigen Abwärtstrend (mind. 1 Jahr) durchstößt, können bessere Zeiten kommen. Allerdings kann es passieren, daß der Anleger hier in eine Börsenfalle tappt. Manchmal schwingt ein Kurs nämlich unmittelbar, nachdem er einen Abwärtstrend nach oben durchkreuzt hat, wieder zurück in den alten Negativtrott. Wer zu hastig eingestiegen ist, muß eine solche Falle teuer bezahlen. Ratsam ist, drei, vier Tage abzuwarten, ob der durchbrochene Trend sich tatsächlich bestätigt.

3.2. Trendkanäle

Ein Trendkanal entsteht, indem jeweils die Höchst- und Tiefstpunkte eines Kursverlaufes miteinander verbunden werden. So erhält man zwei parallele Linien, die einen Trendkanal bilden. Spekulative Anleger nutzen Trendkanäle bei tertiären Trends. Das Risiko ist hier sehr hoch, da bei kurzfristigen Trends die Fehlerhäufigkeit sehr groß ist. Außerdem ist es ungewiß, ob die Schwankungen innerhalb eines Trendkanals sich stetig in einer Richtung entwickeln bzw. ob sich der Trend überhaupt noch fortsetzt. Langfristige Anleger konzentrieren sich eher auf die primären Trends, denn je länger ein Trendkanal bestand hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß der Kurs innerhalb des Trendkanals verbleibt. Aber je länger ein Trendkanal andauert, umso größer sind dann die Auswirkungen bei einer Trendwende auf den Kurs.

3.3. Widerstands- und Unterstützungslinie

Weitere Hilfen zur Orientierung bietet die Wiederstands- und die Unterstützungslinie. Die Widerstandslinie entsteht durch die Verbindung von Kurshöchstständen. Scheitert ein Kurschart immer wieder an derselben Stelle, ist dies also ein Widerstand. Durchbricht der Kurs den Wiederstand nach oben, ist das ein Einstiegssignal für den Anleger. Grenzt man einen Chart durch die Verbindung mehrerer Kursspitzen nach oben (äußere Trendlinie) und mehrerer Kursspitzen nach unten (innere Trendlinie) ein, wobei die Trendlinien parallel einzuzeichnen sind, so erhält man eine Wiederstandszone. Die so gezeichneten Trendkanäle verlaufen in der Regel schräg nach oben oder unten.

Kehrt aber ein Chart immer wieder von derselben Kursmarke nach oben zurück, nennt man das Unterstützung. Bricht die Unterstützung, ist dies ein Verkaufssignal, da nun weitere Kursverluste zu erwarten sind.

3.4. Die Rolle der Aktienumsätze

Der Umsatz ist ein wichtiger, begleitender Indikator für die Aussagekraft einer Formation und ein wichtiges Instrument für den technischen Analysten, weil die Umsätze die Intensität einer Kursbewegung messen. Generell gilt, daß bei ansteigenden Umsätze der derzeitige Trend weiter geht und bei abnehmenden Umsätze der Trend sich ändern könnte. Ein wichtiger Leitsatz der technischen Analyse lautet: „Der Umsatz geht mit dem Trend.“[4] Falls also die Kurse auf ein neues Hoch ansteigen, dies jedoch bei fallenden Umsätzen geschieht, so spricht das gegen die Annahme, daß der Umsatz in Richtung des existierenden Trends zunehmen wird. Es liegt also eine Divergenz vor. Divergenzen warnen üblicherweise vor einem Trendwechsel. Diese sucht der technische Analyst, um rechtzeitig gewarnt zu werden. Denn ein Techniker glaubt, daß die Umsätze den Kursen voraus laufen.

3.5. Indikatoren

3.5.1. Gleitende Durchschnitte

Neben Trends sind gleitende Durchschnittslinien nützliche Werkzeuge. Auch sie geben Auskunft über die Vergangenheit eines Charts und leisten Prognosehilfe für die Zukunft. Berechnet werden sie täglich als Mittelwert der vergangenen 30, 60 oder 200 Börsentage. Welche die aussagekräftigere Linie ist, hängt davon ab, wie dauerhaft das Investment sein soll. Kurzfristanleger schauen eher auf die 30-, oder 38-Tage-Linie, für langfristigere Anlagen kommt die 200-Tage-Linie in Betracht.

[...]


[1] Vgl. Cottle, Sidney/Murray, Roger F./Block, Frank E.,Graham and Dodd’s Wertpapieranalyse, 5. Auflage, Darmstadt 1992, S. 45-54

[2] Die „Ibes“-Schätzungen werden von der Thomas Corporation durchgeführt.

[3] s. Wayand: „Leitlinien für Investoren”, Capital 19/2002, S. 168

[4] s. Welcker: „Technische Aktienanalyse“, Zürich 1990, S. 61

Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638282536
ISBN (Buch)
9783640521883
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25702
Institution / Hochschule
Hochschule Bochum
Note
2,3
Schlagworte
Wertpapieranalyse Anlagestrategien Finanzwirtschaft Diagramm Aktienanalye Börse Aktie Fond Chart Aktienchart

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