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Die Bewegung "attac"

Hausarbeit 2003 13 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Globalisierung? Was ist das neue an Globalisierung?
2.1. Internationalisierung
2.2. Globalisierung
2.3. Transnationalisierung

3. Wie und in welchen Bereichen wirkt sich die Globalisierung aus?
3.1. Welthandel/Wirtschaft
3.1.1. Liberalisierung der Märkte
3.1.2. Auswirkungen der Liberalisierung der Märkte
3.1.3. Finanzsphäre
3.2. Umwelt
3.3. Kultur
3.4. Informationstechnologien, Medien

4. Attac
4.1. Die Tobin-Steuer
4.2. Attac heute

5. Biblische Aussagen zu politischen Fragen

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Im Rahmen des Seminars „Theologische Sozialethik“ im Wintersemester 02/03 referierte ich über die Bewegung ATTAC. Ziel des Referates war es, den Seminarteilnehmern einen Überblick über Gestalt und Wirken der Globalisierung zu geben, um ein Problembewußtsein für die Globalisierung zu entwickeln. Mein Referat diente Stefan Leibold, Attac-Mitglied, als Vorbereitung, die Bewegung dann näher vorzustellen.

Zunächst bearbeiteten die Seminarteilnehmer einen Text zum Wesen der Globalisierung, was ich in Punkt 2. weiter ausführen werde. Danach entwickelte sich eine Diskussion über die Auswirkungen der Globalisierung, welche ich in Punkt 3. nach Wirkungsbereichen der Globalisierung geordnet darstelle. Anschliessend berichtete ich den Seminarteilnehmern über die globalisierungskritische Bewegung ATTAC. Abschließend fragten wir uns, welche Beweggründe es für Christen geben kann, bei ATTAC mitzumachen.

2. Was ist Globalisierung? Was ist das neue an Globalisierung?

Der Begriff Globalisierung wird in den Medien gern und viel benutzt. Worum es sich bei Globalisierung eigentlich handelt, womit sich also ATTAC als globalisierungskritische Bewegung beschäftigt, bleibt durch den vielfachen Gebrauch des Begriffs für den Laien unklar.

Franz-Xaver Kaufmann hat erfolgreich versucht, die verschiedenen Sinngehalte, die mit Globalisierung verbunden werden, zu differenzieren. Für ihn ist Globalisierung „die Überwindung der Grenzen nationalstaatlicher Gesellschaften“ (Kaufmann 1998, S.6). Er spricht von drei Typen der Überwindung:

a) Internationalisierung
b) Globalisierung
c) Transnationalisierung

2.1. Internationalisierung

Internationalisierung nach F.-X. Kaufmann meint Prozesse, welche die trennende Wirkung von Staatsgrenzen aufheben. Das heißt, dass sich die Bedeutung von Handel und Austausch aller Art über die Staatsgrenzen hinweg erhöht (vgl. Kaufmann 1998, ebenda). Beispielhaft dafür ist die deutsche Autoindustrie. Die heutige Autoindustrie ist stark von Exportmärkten wie den U.S.A. abhängig. Vor 70 Jahren wurden in Deutschland fast nur einheimische Fabrikate verkauft. Ausländische Anbieter waren innerhalb Deutschlands zu teuer, da ihre Produkte hohen Einfuhrzöllen unterlagen. Das gleiche galt auch für deutsche Produkte, die im Ausland verkauft werden sollten. Die Autoindustrie hatte also im Gegensatz zu heute nur Deutschland als Markt, die Landesgrenzen waren damit auch Grenze des Marktes, was ihre hohe Bedeutung zur damaligen Zeit unterstreicht.

2.2. Globalisierung

Als Globalisierung bezeichnet Kaufmann „die Entstehung und Beschleunigung weltweiter Kommunikationsnetze“ (Kaufmann 1998, S.6), die immer schneller immer größere Datenmengen transportieren können. Wichtige Ereignisse werden weltweit früher und detaillierter wahrgenommen. Damit werden sie schneller weltweit wirksam als in der Vergangenheit (vgl. Kaufmann 1998, ebenda). Beispielsweise waren die Berichte am 11.09.01 weltweit innerhalb von wenigen Minuten zu sehen. Sie bestanden aus kommentierten Liveaufnahmen. Vor 50 Jahren hätte man von diesem Ereignis erst am nächsten Tag in der Zeitung gelesen. Bedingt durch sich eröffnenden Möglichkeiten der Kommunikation weltweit macht Kaufmann die „Verbreitung eines globalen Bewußtseins“ (Kaufmann 1998, ebenda) aus, welche er ebenfalls als Globalisierung bezeichnet. Diese Entwicklung, die sich besonders bei den gesellschaftlichen Eliten feststellen lasse, ist zurückzuführen auf die zunehmende, weltweite gegenseitige Abhängigkeit. Sie wurde herbeigeführt durch technische Errungenschaften, internationale Verträge und politische Liberalisierungsbemühungen (vgl. Kaufmann, ebenda).

2.3. Transnationalisierung

Als Transnationalisierung benennt Kaufmann die Entstehung von „Institutionsgefüge[n] und kollektive[n] Akteure[n]“ (Kaufmann 1998, ebenda), die national unabhängig agieren, also ohne Einschränkung durch nationale Gesetze. Solche Institutionsgefüge sind z.B. Einrichtungen wie die NATO und die EU sein. Es können aber auch kollektive Akteure wie Wirtschaftsunternehmen sein, welche an einzelne Nationalstaaten nicht gebunden sind. Kaufmann bezeichnet sie auch als „Globale Spieler“ (Kaufmann 1998, Ebenda). Diese sind in der Lage, sich für jede ihrer Aktionen die geeignetste Nation zu suchen. Dies trifft besonders auf Banken und Versicherungen zu (vgl. Kaufmann 1998, ebenda). Als gutes Beispiel bietet sich wieder die Autoindustrie an. Wenn z.B. BMW ein neues Werk bauen will, bewerben sich die Nationen bei BMW, da jedes Land neue Arbeitsplätze braucht. BMW wird sich das für seine Zwecke geeignetste Land aussuchen, was die Nationalstaaten in Konkurrenz zueinander zwingt. Das Resultat davon ist nach Kaufmann, dass der Produktionsstandort, der Versteuerungsort und der Verkaufsort nicht zusammen liegen müssen. Globale Spieler suchen „für jede ihrer Aktivitäten nach dem jeweils günstigsten Wirt“ (Kaufmann 1998, S.6), was den einzelnen Staaten nur schadet und sie in einen endlosen Konkurrenzkampf zwingt.

3. Wie und in welchen Bereichen wirkt sich die Globalisierung aus?

Immer wenn Probleme unserer Gesellschaft diskutiert werden, wird als ein Mitverursacher die Globalisierung genannt. Daher werde ich im Folgenden die wichtigsten Wirkungsbereiche der Globalisierung darstellen.

3.1. Welthandel/Wirtschaft

In der Wirtschaft ist in den letzten Jahrzehnten im Zuge der Globalisierung eine Entwicklung eingetreten, die als Liberalisierung des Handels bezeichnet wird. Das bedeutet, dass die Außenhandelsbeschränkungen der einzelnen Nationalstaaten, also Zölle auf ausländische Waren, abgebaut wurden. Die Verfechter der Liberalisierung der Märkte werden als Neoliberalisten bezeichnet Diese Begriffserweiterung dient zur Unterscheidung von den Liberalisten, die mit Liberalisierung das Freimachen des Einzelnen von allen Zwängen verstehen und es nicht auf den wirtschaftlichen Sektor beschränken.

3.1.1. Liberalisierung der Märkte

„Grundlage modernen Wirtschaftens ist die Arbeitsteilung“ (Franzmeyer 1999, S.32). Diese führt nach Franzmeyer zu Handel. Die weltweite Arbeitsteilung bringe die besseren Ergebnisse gegenüber der nationalen, was nach Ansicht der Neoliberalisten zu weltweitem Wohlstand führen soll. Die Teilnehmer am Welthandel sehen sich dabei Problemen ausgesetzt, die durch die ständig wechselnden Bedingungen des Welthandels ausgelöst werden. Dadurch fühlen sie sich überfordert. Möchte man die Ursachen der Liberalisierung der Märkte ergründen, muss man bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückblicken. Zu dieser Zeit führte der zunehmende Warenaustausch dazu, dass fast alle Staaten im Verlauf der Industrialisierung Schutzzölle auf ausländische Waren erhoben, um die eigenen Märkte und Produzenten zu schützen. Dieses Schutzzollprinzip hat sich teilweise bis heute erhalten. Um die weltweite Arbeitsteilung zu erreichen, wurde besonders nach 1945 auf die Liberalisierung der Märkte hingearbeitet. Treibende Kraft hierbei waren vor allem die Engländer und Amerikaner aufgrund ihrer vom Export abhängigen Industrie (vgl. Franzmeyer 1999, S.32).

Wichtige Schritte auf dem Weg zur weltweiten Arbeitsteilung und zur Liberalisierung der Märkte:

- Bereits 1944 wurden IWF (Internationaler Währungsfonds) und die Weltbank gegründet.
- 1948 wurde das GATT „General Agreement on Tarifs and Trade“ (Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) in Kraft gesetzt. In bisher acht Zollsenkungsrunden wurden die mengenmäßigen Handelsbeschränkungen und Zölle zu wesentlichen Teilen beseitigt.
- 1995 löste die WTO (World Trade Organisation) das GATT ab. „Die WTO ist eine eigenständige Behörde der UN-Familie mit (...) wirksamen Streitschlichtungsverfahren, bei denen sich nicht automatisch der Starke durchsetzt“ (Franzmeyer 1999, S.32). Das GATT war von den Entwicklungsländern als Interessengemeinschaft der Industrieländer betrachtet worden (vgl. Franzmeyer 1999, S.32).

3.1.2. Auswirkungen der Liberalisierung der Märkte

Das Handelsaufkommen der OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development), der weltweiten Handelsvereinigung, war 1995 achtmal so groß wie 1960. Die Produktionsleistung hingegen hat sich nur verdreifacht. Diese Zahlen erklären sich daraus, dass heute die Bauteile eines Endproduktes von verschiedenen Firmen in unterschiedlichen Ländern hergestellt werden. Deren Erzeugnisse kauft eine Firma, um ihr Endprodukt, z.B. einen PC, herzustellen, was das Handelsaufkommen steigert. Das zeigt laut Franzmeyer die fortschreitende internationale Arbeitsteilung. Trotzdem wurden bisher die angestrebten Ziele der Liberalisierungsbewegung, die weltweite Arbeitsteilung und der freie Handel, nicht erreicht. Der gegenseitige Handel der Industrieländer macht mehr als ¾ ihres Gesamthandels aus, der Handel der Entwicklungsländer untereinander nur 1/3, d.h., so Franzmeyer, die Entwicklungsländer sind von den Industrieländern abhängig. Des Weiteren ist es bisher nicht gelungen, eine Welt aus gleichwertigen, durch freien Handel miteinander verbundenen, Nationalstaaten zu formen. Stattdessen kam es zur Bildung regionaler Handelsblöcke wie des NAFTA (Nordamerikanische Vereinigung), der EU und des ASEAN (asiatischer Handelsbund). Eine weitere Auswirkung der Liberalisierungsbemühungen ist: Immer mehr Entwicklungsländeröffnen sich außenwirtschaftlich. Das zieht multinationale Unternehmen ins Land. Diese werden angelockt von niedrigen Lohnniveaus und niedrigen Umweltstandards. Einerseits bewirken die Investitionen der multinationalen Konzerne positive Impulse vor Ort für die Beschäftigung und das Einkommen der Bevölkerung (vgl. Franzmeyer 1999, S.32-35).

„Dennoch darf nicht übersehen werden, daß es auch immer wieder schwarze Schafe unter den multinationalen Konzernen gibt, die insbesondere Raubbau an der Natur im Gastland treiben oder sich undemokratischer und die Menschenrechte mißachtender Regime bedienen, um billige Arbeitskräfte besser ausbeuten zu können“ (Franzmeyer 1999, S.34).

3.1.3. Finanzsphäre

Am deutlichsten werden die Veränderungen durch die Globalisierung in der Finanzsphäre. Hier liegen auch ihre größten Gefahren, weil die Entwicklung am schwierigsten zu durchschauen ist. Was geschieht an diesen Finanzmärkten? Weltweit existieren kaum noch Kapitalverkehrsbeschränkungen. D.h. Anleger können minutenschnell ihr Geldvermögen anlegen. Dadurch werden tagtäglich kaum vorstellbare Beträge an Finanzkapital verschoben. Ziel der Anleger ist es, Profit mit Ertragsdifferenzen in verschiedenen Währungsräumen und Wechselkursänderungen zu machen (vgl. Franzmeyer 1998, S.35-36). Die Gefahr liegt in den riesigen Geldmengen, die tagtäglich verschoben werden und im Wesen der Finanztransaktionen. Wechselkurse werden errechnet aus den Unterschieden der so genannten Fundamentaldaten der einzelnen Nationalstaaten, z.B. durch den Vergleich von Preissteigerungsraten oder dem Import und Export zweier Länder. Diese Daten werden ständig verglichen und dadurch die eine Währung aufgewertet, die andere abgewertet. D.h. die Kurse entstehen aufgrund eines realwirtschaftlichen Hintergrunds (vgl. Franzmeyer S.35-36). Jedes Land braucht für seine Wirtschaft eine möglichst stabile Währung, um Geschäfte kalkulierbar zu machen. Die Staaten versuchen dies durch die Mithilfe ihrer Notenbanken zu gewährleisten. Seit den 90er Jahren wird das für die Staaten immer schwieriger, weil „global agierende Händler in Devisen und Wertpapieren (...) einen (...) Strom von freiem Anlagekapital dirigieren und damit über Wohl und Wehe ganzer Nationen entscheiden können – weitgehend frei von staatlicher Kontrolle“ (Martin, Schumann 1998, S.71)

D.h. nicht mehr der realwirtschaftliche Hintergrund eines Landes bestimmt den Wechselkurs seiner Währung. Auch die Wirtschaftspolitik eines Landes hat nur noch geringen Einfluss auf seine wirtschaftliche Entwicklung. Stattdessen sind die globalen Finanzmärkte bestimmend geworden für die reale Wirtschaft, wohingegen die einzelnen Staaten völlig hilflos geworden sind. Wenn aber ein großes Geschäft an einem Finanzmarkt platzt, wie z.B. der Ruin des britischen Bankhaus Barings, hat das negative Folgen für die gesamte Wirtschaft, nicht nur für den Bankensektor. Leider gibt es keinen internationalen Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte, d.h. auch keine Kontrolle durch demokratische Institutionen (vgl. Martin, Schumann 1998, S.123-127)

Eine weitere Gefahr aus der Finanzwelt entstand durch den Derivatenhandel. Er wurde entwickelt als neues Finanzinstrument aus den Schwankungen und Verschiebungen der Devisen an den Finanzmärkten in den 80er Jahren. Beim Derivatenhandel wird mit dem Risiko, das durch eine Spekulation eingegangen wird, gehandelt. Beispielsweise wird einem Käufer, der ein Aktienpaket von einer Bank kauft, gegen eine Gebühr ein festgesetzter Wiederverkaufswert dieses Aktienpakets garantiert. Das heißt, die Bank stellt eine Vermutung über den Kurs der Aktie in einem Jahr an und garantiert vertraglich, sie auch für diesen Preis vom Kunden zu kaufen. Das Risiko wird vom eigentlichen Geschäft gelöst und verbrieft, es ist so handelbar. Jetzt können Anleger, die das Risiko anders einschätzen als im Vertrag beschrieben, damit handeln und Gewinne erzielen. Das Problem dabei ist, den Akteuren des Derivatenmarktes wird vorgeworfen, die Risiken oft nicht professionell einzuschätzen. Sie verursachen so eine Aufblähung des Finanzmarktes und erschweren die Steuerung der Geldmenge durch die Zentralbank (vgl. Franzmeyer S.35-36). Diesen Finanztransaktionen fehlt jeglicher realwirtschaftlicher Hintergrund. Die Auswirkungen des Finanzmarktes auf die reale Wirtschaft können jedoch verheerend sein. Es handelt sich beim internationalen Finanzmarkt um einökonomisches System, „dem Politikwissenschaftler undökonomen inzwischen den Charakter einer Art höherer Gewalt zubilligen“ (Martin, Schumann 1998, S.74). Dass die Globalisierung nicht nur im Bereich der Wirtschaft für Probleme gesorgt hat, deren Lösung man nicht einfach den Politikern überlassen zeigen die nächsten Kapitel.

3.2. Umwelt

Friedemann Müller stellt fest, dass Globalisierung neue Umweltprobleme, zusätzlich zu den schon vorhandenen regionalen und globalen Problemen, erzeugt. Zurückzuführen sei dies auf das durch die Globalisierung steigende internationale Verkehrsaufkommen und die damit verbundenen wachsenden Schadstoffemissionen. Eine weitere negative Entwicklung, hervorgerufen durch die Globalisierung, ist nach F. Müller, dass die Nationalstaaten gezwungen sind, ihre Umweltauflagen zu mildern, um damit Investoren ins Land zu holen, die Arbeitsplätze schaffen. Sonst würden Arbeitsplätze und Firmen ins Ausland abwandern. Dadurch wird laut Müller eine für die Umwelt nachteilige Kettenreaktion ausgelöst. Die Staaten setzen die Umweltstandards niedrig an, wodurch Firmen ins Land kommen, weil sie die Produktionskosten niedrig ansetzen können. Dies führt zur Verschwendungöffentlicher Güter, wie saubere Luft oder Wasser. Kostet die Verschmutzung den Verursacher nichts oder wenig, gibt es keinen Anlass, Emissionen zu reduzieren. Daraus resultieren volkswirtschaftliche Schäden wie z.B. der Verlust der Gesundheit der Einwohner eines Gebietes. Diese Entwicklung „gefährdet auch die Effizienz der Marktwirtschaft“ (Müller 1998, S.44). Weiteres Ergebnis ist, dass die Kosten der Produktion nicht derjenige trägt, der den Gewinn hat, sondern letztlich die Bevölkerung des Landes und die nachfolgenden Generationen (vgl. Müller 1998, S.42-44).

Auf nationaler Ebene gibt es Bemühungen, solche Regelungen durchzusetzen mit den oben genannten Problemen. Müller stellt fest, dass, verursacht durch den globalen Wettbewerbsdruck, globale umweltgerechte Regelungen fehlen. Diese zu schaffen stelle ein Ziel für die Zukunft dar. Ein Hindernis dabei ist, das viele Länder gerade dabei sind ihre Umweltbelastungen zu steigern, da sie erst am Beginn der Industrialisierung stehen. Sie sind nicht bereit zu reduzieren. Um die Steigerung der Umweltbelastungen auszugleichen, müßten die Industrieländer nach Meinung von Müller ihre Emissionen stark reduzieren. Im Bewusstsein, dass die Übergabe unserer Welt in diesem Zustand an künftige Generationen bedroht ist, kam die UNCED (United Nations Conference on Environment and Development) im Jahr 1992 zusammen, um an der weltweiten Regulierung der Umweltbelastungen zu arbeiten. 1997 traf sich die UNCED in Kioto. Die Industrieländer verpflichteten sich ihre Emissionen zu senken.

„Die Gesamtheit der Reduktionsverpflichtungen wird nicht ausreichen, um die erwarteten Emissionssteigerungen von China, Indien und anderen Entwicklungsländern zu kompensieren, geschweige denn, daß damit eine globale Reduktion erreicht werden kann“ (Müller 1998, S. 46)

Die Globalisierung macht es nötig, zur globalen Reduktion Instrumente zu entwickeln, die Grenzwerte festlegten, welche die Regenerationsfähigkeit der Natur berücksichtigt. Ziel sollte außerdem die Zurechnung der Kosten der Umweltverschmutzung zum Verursacher sein. Als ein mögliches Instrument stellt Müller das Quotenmodell vor, bei dem jedem Land bei der Umweltbelastung Quoten zugestanden werden. Dieses Modell wird zum Beispiel zum Schutz der Wale bereits praktiziert. Um das Quotenmodell auch auf globale Probleme wie etwa das Klimaproblem anwenden zu können, wurden die handelbaren Zertifikate entwickelt. Jedes Land bekämme nach diesem Modell Zertifikate entsprechend seiner Einwohnerzahl und seiner bisherigen Emissionen. Braucht es mehr Zertifikate, müsste es sie von Ländern kaufen, die Zertifikate übrig haben. Resultat einer solchen Regelung wäre ein „Finanztransfer von Nord nach Süd“ (Müller 1998, S.47), da die Industriestaaten wesentlich mehr Emissionen im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl verursachen als die Entwicklungsländer (vgl. Müller 1998, S.46-47).

3.3. Kultur

Welche Auswirkungen die Globalisierung auf die Kulturen der einzelnen Nationalstaaten und ethnischen Gruppen hat, untersuchte Claudius Seidl. Für ihn sind die Metropolen Amerikas wie z.B. New York, Los Angeles, Modelle für die Kultur in der zukünftigen Welt. Sie zeigen die Entwicklungen, welche im Rest der Welt erst in Jahrzehnten stattfinden werden. „Die ethnischen Gruppen [einer Metropole] bewahren ihre Tradition, schon um sich von anderen abzugrenzen: aber sie nutzen dafür die Mittel, welche ihnen Amerika bieten kann“ (Seidl 1998, S.48). Sie benutzen hochmoderne, nicht traditionelle Mittel. Er widerspricht mit dieser Darstellung der Meinung, durch die Globalisierung würden alle Kulturen durch die amerikanische Popkultur erstickt. Als Beweis zieht er wieder den Vergleich mit den Metropolen heran, in denen trotz äußerlicher Gleichheit „fast jedes [Stadt-]Viertel sein eigenes (...) kulturelles Leben hat“ (Seidl 1998, S.48). Er sieht vielmehr in der westlichen Popkultur die Kultur, welche ständig Neues braucht und dadurch auf Einflüsse anderer Kulturen angewiesen ist. Elemente anderer Kulturen würden vermischt und weiterverbreitet. Für ihn sind die anderen Kulturen zwar bedroht durch die westliche Popkultur. Diese Bedrohung gehöre aber zu den Wandlungsprozessen der Zeit. Pop werde möglicherweise eine Epoche darstellen wie der Barock und ähnlich lange dauern (vgl. Seidl 1998, S.47-51).

3.4. Informationstechnologien, Medien

Auf den starken Ausbau internationaler Kommunikationsnetze wurde bereits in Punkt 2. verwiesen. Dazu gehört z.B. der Siegeszug des Internets. Dies hat laut G. Schweigler tiefgreifende Auswirkungen auf Arbeits- und Kommunikationsprozesse. Positiv an diesem Prozess ist, dass es für totalitäre Systeme keine allumfassenden Kontrollmöglichkeiten des Informationsflusses mehr wie noch vor fünfzig Jahren gibt. Als Problem bei der Verbreitung der Informationstechnologien im Zuge der Globalisierung sieht er die sich dadurch vertiefende Spaltung der Welt. Z.B. besitzt Afrika 13% der Weltbevölkerung, aber nur 0,3% der Internetanschlüsse d.h. die Bewohner des afrikanischen Kontinents nehmen nicht Teil an den neuen Arbeits- und Kommunikationsprozessen. Dadurch steht in Afrika die Entwicklung still, während sich der Rest der Welt immer rasanter weiterentwickelt. Das Internet ist nur ein Beispiel für die durch die Globalisierung in diesem Bereich hervorgerufenen Veränderungen. Aber sie steht exemplarisch dafür, dass es für die Entwicklungsländer immer schwieriger wird, zu den Industriestaaten aufzuschließen (vgl. Schweigler 1998, S.37-41).

4. Attac

Attac ist die französische Abkürzung für ‚Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der BürgerInnen’. Die Bewegung wurde 1998 in Frankreich gegründet. Entstanden ist sie als Bewegung zur Durchsetzung der demokratischen Kontrolle der weltweiten Finanzmärkte. Als Mittel hierzu dient die sogenannte Tobin-Steuer.

4.1. Die Tobin-Steuer

Die Macht der internationalen Finanzmärkte und die Auswirkungen auf die Nationalstaaten habe ich weiter oben beschrieben. Der amerikanische Nobelpreisträger James Tobin hat bereits in den siebziger Jahren ein Mittel zur Stabilisierung der Finanzmärkte und damit auch der Staaten entwickelt. Er sieht vor, auf alle Devisentransaktionen, also den Handel mit Währungen, einen Steuersatz von einem Prozent zu erheben. Bei diesen Transaktionen erzielen die Händler ihre Gewinne durch Veränderungen in der 4. Stelle nach dem Komma. „Der Satz erscheint niedrig, hätte aber durchschlagende Wirkung (...) [, da sich] das Geschäft mit den Zinsdifferenzen zwischen den verschiedenen Märkten und Ländern nur noch in Ausnahmefällen lohnen“ (Martin, Schumann 1998, S.118) würde. Sie führen weiter aus, dass die unkontrollierte Macht der Finanzmärkte durch die Tobin-Steuer sinnvoll eingeschränkt würde. Die Kurse an den Märkten würden wieder mehr den realen wirtschaftlichen Daten entsprechen. Durch die zusätzlichen Einnahmen aus der Tobin-Steuer würden die überlasteten Staatshaushalte gestützt, die Staaten könnten das Geld zur Stützung der Sozialsysteme nutzen. „Wissenschaftlich und politisch gibt es daher schon seit Jahrzehnten kein ernstzunehmendes Argument gegen Tobins Vorschlag“ (Martin, Schumann 1998, S.120). Ihre Einführung verhindert allerdings die einflußreiche Lobby der Finanzmärkte, welche die Initiative einzelner Staaten mit der Drohung des Rückzuges aus dem jeweiligen Staat immer stoppen konnte (vgl. Martin, Schumann 1998, S.118-123).

4.2. Attac heute

Die Bewegung hat sich schnell ausgebreitet und verfolgt jetzt wesentlich mehr Ziele als bei ihrer Gründung. Attac versteht sich als politisches Netzwerk, in dem sowohl Privatpersonen wie auch Organisationen Mitglieder werden können. Mitglieder sind zum Beispiel der Dachverband kritischer Aktionäre/Innen, Christen für eine gerechte Wirtschaftsordnung, Christliche Initiative Romero, BDKJ-Diözesanverband, Bistümer Osnabrück und Hamburg. Das Netzwerk bezeichnet sich selbst als eine globalisierungskritische Bewegung. Sie sieht die Globalisierung als einen Umbruch von historischen Dimensionen, welcher die Gesellschaft in enormem Tempo verändere. Für Attac wird die Globalisierung bisher einseitig von mächtigen Wirtschaftsinteressen dominiert. Attac untersucht und hinterfragt den Neoliberalismus und will als Teil einer außerparlamentarischen Bewegung einen Beitrag für eine umfassende Demokratisierung der Gesellschaft leisten. Des Weiteren kämpft das Netzwerk für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung und für den Weltfrieden (vgl. ATTAC: wer wir sind und was wir wollen).

5. Biblische Aussagen zu politischen Fragen

Was für einen Hintergrund hat es, das Christen bei Attac mitmachen? Ulrich Duchrow untersuchte die Bibel auf Handlungsmöglichkeiten für Christen im Kapitalismus. Gott hat durch die Bibel auch „in politisch-ökonomisch-sozialen Konflikten Partei“ (Duchrow S.4) ergriffen, stellt Duchrow fest. Natürlich lasse sich die Bibel nicht einfach in die heutige Zeit übertragen, einige Grundaussagen lassen sich trotzdem pauschal aufstellen. Gott stellt sich der Entwicklung von politisch-ökonomisch-sozialen Strukturen entgegen, die Menschen verarmen und unterdrücken. Außerdem wendet er sich gegen Systeme, die Macht, Reichtum und Wissen in den Händen weniger konzentrieren. Gott fordert Christen auf zur Weigerung, politische undökonomische Strukturen auf dieser Welt zu akzeptieren und zu versuchen, neue Gemeinschaften und Lebensformen zu inspirieren. Zu diesem Zweck ist die Bildung von Netzwerken und Gegenmacht durch Zusammenarbeit eine gute Möglichkeit (vgl. Duchrow S.3-11).

6. Schluss

Aus purer Neugier und mit dem geringen Vorwissen aus einem Zeitungsartikel hatte ich mich für das Attacreferat entschieden. Meine Befürchtungen, bei einer so jungen Bewegung keine Basisliteratur zu haben, bestätigten sich nicht. Das Thema der Globalisierung war auch vor Attac auf dem Buchmarkt heiß umkämpft. Daher bin ich Stefan Leibold und ihnen dankbar für die Unterstützung durch den Seminarreader, der einen gezielten Überblick über das Thema ermöglichte, was sonst kaum möglich gewesen wäre. Die Vorbereitung des Referates war für mich selbst sehr interessant.

7. Literaturverzeichnis

ATTAC: Wer wir sind und was wir wollen. Link: http://www.attac.de/material/selbst.php Zugriff am 28.10.02.

DUCHROW, ULRICH: Laßt uns auch den Westen demokratisieren. Handlungsmöglichkeiten für Christen und andere im real existierenden Kapitalismus. Sonderdruck: Junge Kirche - Eine Zeitschrift europäischer Christen.

FRANZMEYER, FRITZ: Welthandel und internationale Arbeitsteilung. In: Informationen zur politischen Bildung. Nr. 263/1999 S.32-35.

KAUFMANN, FRANZ-XAVER: Globalisierung und Gesellschaft, In: Aus Politik und Zeitgeschichte B18/1998, Seiten 3-10.

MARTIN, HANS PETER/ SCHUMANN, HARALD: Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand. 1. Aufl. Reinbek bei Hamburg, 1996.

MÜLLER, FRIEDEMANN: Die Umwelt kennt keine Grenzen. In Informationen zur politischen Bildung. Nr. 263/1999 S.42-47.

SEIDL, CLAUDIUS: Auf dem Weg in die Kultur der Zukunft. In: Informationen zur politischen Bildung. Nr. 263/1999 S.48-51.

Details

Seiten
13
Jahr
2003
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25687
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster
Note
1
Schlagworte
Bewegung Theologische Sozialethik

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