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Diversitätsperspektiven in der Kulturanthropologie

Magisterarbeit 2002 144 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Kulturanthropologie
1.2 Semiotik
1.3 Der Kulturbegriff
1.4 Der Diversitätsbegriff
1.4.1 Kulturelle Diversität
1.4.2 Ökonomisches Diversitätsverständnis
1.4.3 Biologisches Diversitätsverständnis

2 Aspekte theoretischer Ansätze des Diversitätsverständnisses
2.1 Clifford Geertz
2.1.1 Soziale-Struktur und Kultur
2.1.2 Kultur und Zeit
2.1.3 Kulturelle Perspektiven und Systeme
2.1.4 Rezeption des aktuellen Diversitätsbegriffs
2.2 Klaus Peter Hansen
2.2.1 Standardisierungen
2.2.2 Individuum und Kollektiv
2.2.3 Kultur als komplexe und diversitäre Kollektivität
2.3 Ulf Hannerz
2.3.1 Dimensionen zeitgenössischer Kulturen
2.3.2 Zentrum/Peripherie sowie kultureller Apparat/Subkultur
2.3.3 Prozeß- oder Fluß-Muster
2.3.4 Kulturelle Diversität

3 Ergänzende 'fachfremde' Einsichten
3.1 Die Wirtschaft
3.1.1 Die sichtbare Dimension
3.1.2 Die grenzenlose Dimension
3.1.3 Die Cyber-Dimension
3.1.4 Die Dimension der hohen Multiples
3.2 Die Psychologie
3.2.1 Komponenten der psychologischen Existen
3.2.2 Typen und Zusammenwirken von Komponenten
3.2.3 Evolution, Lernen und Wandel

4 Fazit
4.1 Zusammenfassender Vergleich
4.2 Abschließende Bemerkungen

Anhang:
A: Zusammenfassung der Elemente der Kulturdefinitionen bei Kroeber/Kluckhohn
B: Weltkulturerbe
C: Zusammenhang des Diversitätsbegriffs mit der Ökologie
D: Die Entwicklung wirtschaftspolitischer Konzeptionen
E: Materialien zu Spiral-Dynamics

Literatur- und Quellenverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Paradigma

Abbildung 2: Organisationshöhe, Produktivität und Artendiversität

Abbildung 3: Nahrungsbeziehungen allgemein und konkret beim Ren (Tundra)

Abbildung 4: Informationsgehalt und Artendiversität

Abbildung 5: Analyseraster für zeitliche personale Beziehungen

Abbildung 6: Bereitschaft zur Besiedelung des landlosen Kontinents

Abbildung 7: Memes und vMemes

Abbildung 8: vMeme-Lebenszyklus

Abbildung 9: Historisches Auftreten der vMemes-Typen

Abbildung 10: vMemes-Human-Spiral und zwei Beispiele individueller Prägung

Abbildung 11: Kultur als kybernetisches System

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ein Gespenst geht um in Europa – aber nicht nur dort, auch wenn es sich dort vor kurzem u. a. in einer neuen Währung vielleicht in einem seiner weniger feinen Aspekte materialisiert zu haben scheint – nachdem es dreihundert Jahre oder mehr von einzelnen Auguren vorhergesehen, von Propheten verheissen, von Predigern gefordert und von Missionaren auf den Weg gebracht wurde. Gleichzeitig scheint es aber auch gerade nicht nur Europa, sondern einen Grossteil, vielleicht sogar nahezu die ganze heutige bewohnte Welt, mehr und mehr zu verunsichern. Gemeint ist die kulturelle Diversität. Die mit diesem 'neuen Phänomen' verbundenen neuen Wahrnehmungen werfen neue Möglichkeiten und damit verbunden unzählige offene Fragen auf, deren Turbulenz von Jahr zu Jahr zunimmt und von einem sowohl politischen wie gesellschaftlichen Wandlungsbedarf und Wandlungsvollzug begleitet ist. Über das Problemfeld bestehen dabei viele allgemeine und breite Diskussionen sowie spezielle und generelle Untersuchungen hinsichtlich der immensen Bewegungen der vertrauten Strukturen der betroffenen sozialen Bereiche. Was aber nun 'wirklich' vor sich gehen mag, darüber gibt es zur Zeit vielleicht fast so viele Meinungen wie Stimmen zu diesem Thema. In Bezug auf die Kulturanthropologie, scheint hierbei immer deutlicher zu werden, dass sie dem entscheidenden Sachverhalt unterliegt, dass ihre traditionellen Studienobjekte verschwinden, bzw. sich in andere transformieren oder auflösen, bzw. so viele werden, dass sie unüberschaubar zu werden drohen.

Am Ende dieser Entwicklung wird möglicherweise wieder ein weiteres 'völlig neues' Kulturverständnis entstanden sein, und was sich nun hinsichtlich dieses Verständnisses heute schon z. T. in den theoretischen Debatten abzeichnen mag, ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Hierzu werden, nachdem im folgenden der fachliche Ansatz und die verwendeten Begriffe einleitend skizziert wurden, in Abschnitt 2 einige der bezüglich der kulturellen Diversität wichtig erscheinenden konzeptionellen Erklärungsansätze von Clifford Geertz, Klaus Peter Hansen und Ulf Hannerz angesprochen. In Abschnitt 3 werden die hierin gefundenen konzeptionellen Erkenntnisse durch zwei 'fachfremde' theoretische Beobachtungen ergänzt, welche helfen sollen, einige Punkte der in den vorhergehenden Ausführungen offengelassenen Fragen zu erhellen. In Abschnitt 4 erfolgt eine kurze zusammenfassende Diskussion sowie einige weiterführende Überlegungen zu den Konzepten.

1.1 Kulturanthropologie

Die Anthropologie beschäftigt sich mit dem Studium menschlicher Konvergenzen und Divergenzen und entstand zu Zeiten der Entdeckungen durch das westliche Europa, wodurch sich ein Zugang zu Gesellschaften ausserhalb der 'westlichen, technologischen, zivilisierten und modernen Welt' ergab. Anthropologen waren (wie zum grössten Teil auch noch heute) immer Europäer oder Nordamerikaner. Untersucht wurden Gesellschaften, denen aus späteren Sichten beurteilt i. d. R. ein unbefriedigendes Attribut nach dem anderen zugeordnet wurde: wilde, primitive, traditionelle, schriftlose, vorgeschichtliche, fremde Kulturen usw. Gemeinsam war ihnen ihre grosse kulturelle Differenz, Fremdheit, Distanz zur Lebenswelt der Anthropologen, die vor allem aus Forschungsreisenden und staatlich beauftragten Ethnographen bestanden. Die kulturellen Brüche zwischen den kulturellen Umwelten des Forschers und des erforschten Subjekts waren deutlich. Daneben wurden vergangene Hochkulturen betrachtet (Hethiterreiche, Ägypten, Karthago, Griechenland, Rom, China, Indien usw.)[1] und gewisse feststellbare 'Vorstufen' dieser Kulturen mit der eigenen 'Hochkultur' in Beziehung gesetzt, wie Ackerbau, Erfindung der Schrift, Stadt- und Staatswesen usw. (Geertz 1996: 72; Bar-loewen/Barloewen 1988: 6; Brockhaus 1999: Weltkulturgüter). Die Weltgeschichte der Hochkulturen wird dabei bspw. als universalhistorischer Prozess der Kulturevolution von der Geschichte Mesopotamiens und Ägyptens bis hin zum Zerfall des römischen Reiches und den Schwerpunktverlagerungen im Rahmen der interkulturellen Vernetzung der Hochkulturregionen, bspw. von der chinesischen bis hin zur islamischen Welt betrachtet. Zur Argumentation und Darstellung werden u. a. gerne Architektur, Literatur, Philosophie, Religion, Sozialgeschichte, Politik, Kriege und Handelsexpeditionen herangezogen (Barloewen 1988: 6, 255f).

Der Anstoss für die 'Kulturanthropologie' im heutigen Sinne, kann im Umfeld der durch Edward Burnett Tylors in seinem Hauptwerk 'Primitive Culture' gelieferten Definition gesehen werden, worin er Kultur und Zivilisation im weitesten geographischen Sinne als jenen Inbegriff von Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Gesetz, Brauchtum und allen

übrigen Fähigkeiten und Gewohnheiten, die sich der Mensch als Glied der Gesellschaft angeeignet hat, konstatiert (Kroeber/Kluckhohn 1963: 11f, 82) und damit die 'primitiven Kulturen' zumindest auf theoretischer Ebene (und dem damaligen Verständnis nach) der westlichen, euro-amerikanischen Kultur als gleichberechtigt gegenüberstellt, insofern das grundsätzliche Funktionieren von Kultur immer dasselbe ist (Hansen 2000: 16f).

Nach dem Ersten Weltkrieg etablierten sich u. a. in Folge von Bronislaw Malinowski und Franz Boas verstärkt Feldforschung, teilnehmende Beobachtung und Langzeitstudien (Kohl 1990: 232, 236; Métraux 1968: 541, 543; Renner 1992: 132ff). Dabei setzte sich zum einen ein konfigurationaler und zum anderen ein relativistischer Kulturbegriff durch, die beide in Abhängigkeit ihres Paradigmas plausibel zu machen suchten, wie sich die Teile der untersuchten Kulturen zu einem Ganzen zusammenfügen, bzw. diese feststehende Ganzheit interpretierend zu deuten sei (Geertz 1996: 72; Reckwitz 2000: 19ff). Im Unterschied zu vorhergehenden Ansätzen waren diese Betrachtungsweisen pluralistischer und hoben mehr die besonderen Varietäten von Gesellschaften und Kulturen hervor, indem sie die gesamten Umstände jeder menschlichen Gruppe zu berücksichtigen suchten: ihre Geschichte, Kontakte mit anderen Gruppen, alle möglichen Umstände, wichtige Entwicklungen, das geographische Umfeld und seine Benutzung, die Diffusionen kultureller Materialien und Verhaltensweisen sowie Innovation, Anpassung usw. (Geertz 1996: 72). Vorzugsweise wurden dabei sehr isolierte Gesellschaften betrachtet, die problematischerweise aber nach dem Zweiten Weltkrieg mehr und mehr zu verschwinden begannen. Die Ethnologen lenkten nun ihre Aufmerksamkeit auch auf umfassendere, durchmischtere und komplexere Studienobjekte wie Indien, Japan, Frankreich, Brasilien, Nigeria, die Sowjetunion oder die Vereinigten Staaten, in denen sie Dorfgemeinschaften, Städte, Organisationen, industrielle Unternehmen usw. als kleinere kulturelle Einheiten betrachteten, so wie sie sich innerhalb der modernen Gesellschaften finden. Die untersuchten Populationen waren dabei nach wie vor von geringer Grösse, einfacher und homogener als die ganzen komplexen modernen Gesellschaften. Von daher erklärt sich, dass sie sich mit geringerer Geschwindigkeit verändern, wodurch wiederum die Perspektive der Ganzheit einfacher aufrecht zu erhalten ist (Geertz 1996: 73).

Insgesamt waren hierbei die meisten Anthropologen eher Sammler als Systematisierer, so dass sich aufgrund einer auch heute noch sehr ausgeprägten relativistischen Perspektive, gleichzeitig und wie im Vergleich zu anderen Wissenschaften deutlich wird, nur wenig und sehr partiell eine allgemeine formale Terminologie entwickeln konnte. Kontinuierlich werden Terminologie und paradigmatische Ansichten der Vorgänger des Faches als explizit oder implizit durch Ideologien, Werte, Normen usw., kurz: irgendwelche 'Ethnozentrismen' (wenn man die stereotypisierende Komponente des Begriffs ausser Acht lässt) geprägt identifiziert, und immer wieder verworfen. Heute scheint darüber hinaus u. a. immer deutlicher zu werden, dass die Suche nach Ganzheit auch kleinerer Populationen kein zuverlässiger Leitfaden mehr ist (Geertz 1996: 73; Levinson 1996: 404f). Als akademisches Fach hat demnach auch die 'Kulturanthropologie' wohl zu kaum einer Zeit einen Zustand völliger Kohärenz erlangt. Der Begriff 'Kulturanthropologie' wird in dieser Arbeit stellvertretend für all die Fachbezeichnungen, Disziplinen, Schulen, Richtungen und Sujets gewählt, die sich im direkteren Zusammenhang mit der gerade angerissenen Entwicklung befinden.[2] Der Begriff Kulturanthropologie hat auch den Vorteil, dass er semantisch nicht direkt mit dem Begriff Ethnos in Verbindung gebracht werden kann und so dem Sachverhalt Rechnung trägt, dass auch die Untersuchungen von 'modernen' Ländern, Städten, Nationen usw. heute längst Gegenstand der Betrachtung von Kultur sind. Das die Kulturanthropologie nicht die einzige Wissenschaft vom Mensch sein kann, zeigt sich daran, dass sie Aspekte und Ergebnisse aus den unterschiedlichsten akademischen Disziplinen heranzieht, die sich alle mit besonderen Aspekten des menschlichen Daseins beschäftigen (Ency.Brit. 1999: Definition and scope). Traditionell bestehen besonders im angloamerikanischen Raum enge Verbindungen zwischen 'cultural anthropology' und 'physical anthropology', was mit der im deutschen üblichen Trennung von Ethnologie und Anthropologie harmoniert, wobei die jeweils letzteren als akademische Fächer eher verstärkt biologische und archäologische Orientierungen annehmen (Fischer 1998: 7f). In dieser Trennung spiegelt sich akademisch gleichzeitig ein Schwerpunkt, der von jeher die Ausdifferenzierung des Kulturbegriffs nach Maßgabe der Distanz zur Natur betrachtet, d. h wieweit sich kulturelle Phänomene von der Natur entfernt haben (Geertz 1996: 72).

Weiterhin waren für die Kulturanthropologen zu allen Zeiten die Linguistik und Frühgeschichte wichtig. Daneben wird die Soziologie, die sich plakativ ausgedrückt mit der 'Zivilisation' beschäftigt, in Harmonie mit der Definition Tylors als Zwillingsschwester der Kulturanthropologie bezeichnet. Dieser Zusammenhang wird u. a. bei Untersuchung kolonialer Gesellschaften deutlich, wenn genauso soziologische, historische und kulturanthropologische Perspektiven einfließen. Dies äussert sich in institutionalisierter Weise auch fachintern durch die spezialisierte Bezeichnung Sozialanthropologie, der sich nebenbei der unten angesprochene theoretische Ansatz von Ulf Hannerz zuordnet. Daneben besteht aber auch eine ganze Reihe anderer, bspw. ökonomischer, juristischer, politischer, psychologischer, philosophischer, theologischer Einflüsse usw.

Dies hat innerhalb der 'Kulturanthropologie' eine breite Ausdifferenzierung der wissenschaftlichen Spezial- und Allgemeingebiete zur Folge,[3] was quasi in jedem Lehrbuch als auch in vielen Einzelabhandlungen (wie auch hier) immer wieder dargelegt wird (Ency.Brit. 1999: Distinction; Käser 1997: 12ff; Müller 1984: 40ff; Valjavec 1984: 432; vgl. aber auch: Freedman 1978: 131ff; Schweizer 1993: XIIf; Vivelo 1981: 42ff; Gingrich 1993: 8ff; Valjavec 1997: 2ff; Kohl 1993: 11ff).

Seit dem zweiten Weltkrieg, insbesondere aber in den letzten zwei Dekaden des zwanzigsten Jahrhunderts, ist ausserdem das Phänomen einer immer breiter werdenden Übernahme des Kulturbegriffs durch nicht traditionell damit verknüpften Fächer zu beobachten. Der jüngere Begriff der 'Kulturwissenschaften' fasst dabei die Richtungen innerhalb der Fächer zusammen, die sich um eine Integration insbesondere von geistesgeschichtlichen, literaturwissenschaftlichen, kunstphilosophischen, philologischen, philosophischen, soziologischen, historischen, politologischen, anthropologischen und psychologischen Betrachtungsweisen bemühen und je nach theoretischem Schwerpunkt, die Phänomene, Handlungsfelder und Rahmenbedingungen von Kultur untersuchen (Brockhaus 1999: Kulturwissenschaft; Kramer 1997: 7ff; Fohrmann/Müller1995: 7ff; Flechsig 1999: 209f), – diesem Bereich ist der unten skizzierte Ansatz von Klaus Peter Hansen zuzuordnen. Bevor nun im folgenden ein kurzer Einstieg in den Kulturbegriff angerissen werden soll, erscheint es an dieser Stelle, u. a. auch in Hinblick auf den dritten angeführten, als 'semiotisch' benannten Ansatz von Clifford Geertz sinnvoll, eine einfache Unterscheidung einzuführen, die an einigen Stellen behilflich sein kann, die jeweiligen Aussagen und Standpunkte in einfacher Weise zu kontrastieren.

1.2 Semiotik

Die Semiotik (griech.: sema – 'Zeichen') ist die Lehre von den Zeichen. Zeichen sind allgemein jede sinnlich wahrnehmbare Gegebenheit (Gegenstand, Erscheinung, Vorgang, Handlung usw.), die mit einem bestimmten, vereinbarten Bedeutungs- bzw. Informationsinhalt als Signal oder Symbol auftreten oder andere Gegebenheiten (z. B. Phonem, physikalische Grösse, mathematische Variable, technisches Objekt, Datenverarbeitung usw.) repräsentieren, indem sie sie 'bezeichnen' (z. B. Schriftzeichen, Formelzeichen, mathematische Zeichen, Schaltzeichen, Diagramme usw.). Die Semiotik wird schwerpunktmäßig durch Philosophie und Sprachwissenschaften betrieben. Der Ansatz von Charles Wiliam Morris eignet sich für eine relativ allgemeine Anwendung – er unterscheidet drei Dimensionen: Die Syntaktik beschäftigt sich mit der Beziehung eines Zeichens zu anderen Zeichen, also der Beziehungen der Zeichen zueinander. In der Sprachwissenschaft ist dies z. B. der Teil der Grammatik, welcher sich mit dem Bau und der Gliederung des Satzes beschäftigt, in der Datenverarbeitung sind es die formalen Regeln zur Bildung eines Programmes. Die Semantik beschäftigt sich mit der Beziehung eines Zeichens zu dem, wofür es steht, d. h. mit der Bedeutung von Zeichen. Bspw. 'be-deutet' das Wort Feder (oder irgendein Bild, Symbol, Laut, Geste oder sonstiges Zeichen für Feder) nicht 'die' oder irgendeine Spielart irgendeiner realen Feder selbst, sondern nur ein allgemeines, näher oder weniger nah spezifiziertes Verständnis dafür. Die Erhellung dieser Beziehung des Zeichens zum gemeinten Gegenstand ist das Erkenntnisinteresse der Semantik. Die Pragmatik ist die Lehre vom sprachlichen Handeln (Sprechakt). Sie betrachtet die Beziehung eines Zeichens zu seinen Benutzern, d. h. den Gebrauch und die Wirkung von Zeichen (z. B. wie und auf welche konkrete Feder der Begriff Feder verweist). Der Sprechakt betont den Handlungscharakter sprachlicher Äusserungen. Indem man etwas sagt, tut man etwas. Was das ist, was man da tut, kann wiederum in viele Nuancen zerlegt und gedeutet werden.

Während die Syntax also die formale Relation der sprachlichen Zeichen zueinander untersucht und die Semantik die Beziehung zwischen den Zeichen und den gedachten oder realen Gegenständen, denen sie zugeordnet sind, behandelt die Pragmatik die Beziehung zwischen sprachlichen Zeichen und Zeichenbenutzer und versteht Sprechen generell als Form menschlichen Handelns. Sie gehört damit in den grösseren Rahmen komplexer sozialer und kommunikativer Prozesse (Brockhaus 1999: Semiotik, Zeichen, Syntax, Semantik, Pragmatik, Sprechakt).[4]

1.3 Der Kulturbegriff

Lexika respektive Wörterbücher oder Dictionaries erheben in gewisser Weise den Anspruch die semantische Wortbedeutung nach einem besonderen Paradigma der jeweiligen Lexika-Intention auszuweisen und dadurch einen mehr oder weniger grossen Teil der bis dato existierenden Verbreitung von Sprech- und Schreibakten in seiner Bedeutung zusammenzufassen, d. h. die pragmatische Verbreitung des Begriffs abzudecken. Dies tun sie, indem sie Wortbedeutungen (= semantische Zeichen) durch andere Wortbedeutungen (= semantische Zeichen) im Rahmen einer gegebenen Syntaktik aufeinander beziehen. D. h. aber, dass das (ein Zeichen), was auf etwas anderes (1) verweist, was es selbst nicht ist, durch etwas anderes (ein anderes Zeichen) erklärt wird, dass ebenfalls auf etwas anderes (2) verweist, was es selbst nicht ist. Dabei kann das zweite 'andere' nicht dasselbe sein wie das erste (sonst wäre das Huhn immer ein Huhn, das Ei immer ein Ei usw.). Wenn dieses Vorgehen lange fortgesetzt wird, wie z. B. im wissenschaftlichen Diskurs, kann es zu erstaunlichen Erklärungen aber vielleicht auch unnötig erscheinenden Verdunkelungen kommen, je nachdem inwieweit ein konkreter Benutzer der Zeichenfolgen diese versteht.

Dadurch nimmt in der lexikalischen Erklärung (bzw. Bedeutung) die Abstraktion oder Distanz der Zeichen zu dem Bezeichneten automatisch zu, bzw. das real gemeinte wird mehr und mehr ausgeblendet, da die Erklärung, soweit sie nicht immer wieder den Weg der abnehmenden Abstraktion in Richtung Wirklichkeit begeht, Gefahr läuft, irgendwann nur noch sinnentleerte Zeichen auf Zeichen als Projektionsfläche zu beziehen.

Wenn sie den Bezug zur Wirklichkeit nicht verliert, ergibt sich allerdings die Chance

auf hohem Abstraktionsniveau recht weitläufige Zusammenhänge überschauen zu können und in einer gewissen Art Phänomene zu begreifen, die ansonsten völlig unverständlich blieben. Hinsichtlich des Kulturbegriffes scheinen mir dabei folgende Bedeutungen im deutschen Sprachgebrauch erwähnenswert:

Etymologisch leitet sich der Begriff Kultur aus dem lateinischen Substantiv cultura, in der Bedeutung von Landbau, Pflege des Körpers und/oder des Geistes ab und gehört damit zu dem lateinischen Verb colo, colui, cultus, was pflegen, (be)bauen, (be)wohnen, anbeten bedeutet. Der Kulturbegriff ist dadurch also einerseits mit der Vorstellung von Feldbau und Bodenwirtschaft (Bodenkultur) sowie der Pflege der geistigen Güter und dem Gebet (Geisteskultur) andererseits verbunden. Zur ersten Bedeutung gehören Tätigkeiten und Phänomene wie das Urbarmachen des Bodens, der Anbau von Pflanzen (Mono- oder Mischkulturen, Kulturlandschaft) und in weiterer Verwendung die Begriffe Bakterienkulturen, Zell- oder Gewebekulturen, Pilzkulturen oder einfach irgendwelche Lebewesen auf geeigneten Nährböden bzw. auch das Züchtungsverfahren selbst. Die menschliche Tätigkeit bewirkt in diesem Zusammenhang, dass die natürliche Ordnung durch eine von Menschen geschaffene Ordnung ersetzt wird, wozu er eine Vielzahl auf diese Weise bereits geschaffener materieller und technischer Gegenstände benutzt (Obdach, Kleidung, Werkzeug, Gerät usw.). All diese Gegenstände und Verfahren führen ihm im Grunde das kulturell Geschaffene vor Augen.

Zur zweiten Bedeutung des Begriffs Kultur gehören Vorstellungen wie körperliche, geistige und seelische Bildung, die verfeinerte Lebensweise, die Lebensart, die intellektuelle Bildung, die Erkenntnis, Wissensvermittlung, ethische und ästhetische Bedürfnisse u. ä., die zum einen die nützlichen Praktiken der ersten Bedeutung hervorbringen, zum anderen aber auch diejenigen Gegenstände und Produkte menschlicher geistiger, kreativer und künstlerischer Arbeit ansprechen, die vielleicht auf den ersten Blick keinen konkreten praktisch-materiellen Zweck verfolgen, wie Religion, Oper, Theater, Kunst, Film, Architektur, Literatur usw. Hiermit in Zusammenhang ist auch eine 'verfeinerte' Lebensart oder 'Kultiviertheit' zu sehen, die zur Zähmung der Leidenschaften und zur Disziplinierung der Triebe und Egoismen der einzelnen Individuen und Gruppen als Ganzes beiträgt, wodurch bestimmte Formen der zwischenmenschlichen Kommunikation wie Gesprächs-, Konflikt-, Streitkultur oder Zivilisation geprägt werden, die sich auf ihrem Höhepunkt zwischen Humanität, Sensibilität, Toleranz und Ars vivendi u. ä. bewegen. Beide Arten der Begriffsauffassung beinhalten, dass der Mensch sich für den Umgang mit der Natur eine kulturelle Ersatzordnung schafft, für die er sich dann wieder weitere kulturelle Ersatzordnungen schafft. Diese Ersatzordnungen fallen bei verschiedenen Völkern, je nach Perspektive, Notwendigkeiten, Umständen und Freiheiten völlig unterschiedlich aus. Kultur meint dann in den Vergleichen von Völkern, wie im vorherigen schon gesagt, eine Gesamtheit der typischen Lebensformen und besonderen Gewohnheiten, die für eine bestimmte Gruppierung oder einen Bereich typisch sind. Hierzu werden z. B. Brauchtum, Sitten, Schichten, Manieren, Milieus, Werte, Jugendkultur, Subkultur, Esskultur usw., kurz alle denkbaren Eigenarten, die an einem fremden Volk auffallen können, betrachtet (Brockhaus 1999: Kultur; Bertelsmann 2000: Kultur; Wahrig 1999: Kultur; Duden 1989: 393; Kluge 1999: 492).

Abgesehen von den lexikalischen Bedeutungen verschaffen einzelne wissenschaftliche Vertreter sich und ihren Lesern von Zeit zu Zeit natürlich immer mal wieder den Überblick des Experten. Für die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ist eine solche schon klassisch gewordene Überblicksdarstellung zum Kulturbegriffs das Werk 'Culture – A Critical Review of Concepts and Definitions' von Kroeber und Kluckhohn. Dort wird eine Sammlung von 164 Definitionen von Kultur aus Bereichen der Anthropologie, Soziologie, Psychologie, Philosophie u. a. angegeben, sowie weitere, nicht konkret definitorische Aussagen über Kultur herangezogen und ansatzweise die dahinterstehenden Konzepte und Bemerkungen skizziert und diskutiert, wodurch das Werk insgesamt nahezu 300 'Definitionen' berührt (Kroeber/Kluckhohn 1963: 6f, 291). Im nachfolgenden sind die unterschiedlichen Elemente, die Kroeber und Kluckhohn aus den 164 Definitionen extrahiert haben, kurz zusammengefasst, um eine Vorstellung der 'syntaktisch-semantischen' Vielfalt der bis dato wahrgenommen Kulturvorstellungen aufzuzeigen.[5]

Ganzes/Teil: abstraction, accumulated treasury, adjustments, aggregate, all (social activities), civilization, colletion, complex, omplex-whole, concepts, configuration, congeries, cultivation of the whole man, cultural, culture, holistic culture, eidos, elements, embodiment, force, forms, fund, integral whole, integrated, integrated groups, mass, non-material content, organization, organized, outfit, patterns, porperty system, scheme for living, set, sum, summation, surroundings, synthesis, system, system of knowledge, system of thohght, systems, total, totality, variation. Relationen, Verhältnisse, Raum: area, attitutional relationships, correlations, cumulative, diffusion, environment, explicit, external, objective external situations, external world, field, fields, implements, implicit, inhibits, interaction, interactional, interactional fields, interlinked institutions, interdependent patterns, interrcorrelated customs, relationship, relationships, interrelated patterns, interrelation, interrelations, functionally interrelated, overt, rational, rationalization, relatively, relatively constant, relatively permanent, segment, selected, selection, traits, variation. Zeit, Fluss, Prozess, Medium: change, changing, channel, codes, communicative fields, dynamic, exosomatic means, exosomatic ways, force, historical life, historically, history, means, means of adjustment, mode, mode of action, mode of behavior, mode of conduct, mode of life, mode of operation, mode of thoght, modes, modification, modification of learned habits, modified, modified by environement, past, perpetuated, persistent, persisting, point, point of view, points, present, process, selective process, technical process, received, responses sequences, self-generating, self-perpetuating, time, given time, period of time, point in time, way, way feeling, way of doing, way of life, way of thinking. Biologie: adaption to environment, basic nature, biological, biological nature, biological circumstances, biological equipment, biological nature, biological needs, biological transformation of drives, biopsychological organism, bodily, bodily acts, body, economic nature, human nature, human biolgical equipment and process, man-environment, inherits, natural, nature, needs, recurrent and continous needs, not created, ontologiy, implicit dominant ontology, physical circumstances, pyhsical nature, racial temperament, satisfaction, satisfied transformation of biological drives. Gewohnheiten: conventional understanding, cultural common to all groups, cultural tradition, customs, interrcorrelated customs, burial customs, definitions of the situation, established habit, etiquette, events, experience, external stimuli, internal stimuli, folkways, habit, habit patterns, habits, habitual, habituation, food habit, implicit design for living, maintenance of equilibrium, maniére de vivre, manner of living, marriage, morality, morals, mores, non-material traits, particular strain of social heredity, standard, standardization, standards, tradition, traditional. Wissen, Gedächtnis: complex objective ideas, experiance, images, knowledge, learned, learned behavior, learned modes of behavior, past behaviour, intellectual, intelligence, intelligence equipment, learned patterns, learning, mental, mental adaptions, mental constructs, mental techniques, mind, philosophy, rational, rationalization, sciences, taught, teachers, thinking, thinking of people, thought. Sprache, Zeichen, Werkzeuge, Gegenstände: amulets, artefacts, books, buildings, goods, instruments, ornaments, paintings, material, material traits, materials, mechanism, shelter, tools, utensils, vehicles, objects, design, explicit design for living, design of the human maze, pattern, pattern creating, patterned, patterning, language, language uses, oral form of culture, sign configuration, texture, verbal instruction, speechsymbols, symbolic, symbolic action, symbolic behavior, symbolic communicated ideas, symbolic system, symbolically, symbolling, symbols. Funktionen: adjust, adjusting, adjustment techniques, expressing, forbidden, function, functionally, functioning, guidance, inhibits, motor reactions, non-automatic, regulations, self-cultivating, usages, useses in the business of living, culture ist that which is useful. Glauben, Macht: beliefs, constitutional charters, ethics, govern, influence, instruction, law, permits, possession, possession of ideas, possessions, possessors, religion, religious, religious beliefs, religious order, reward, sanction, sanctioned, superorganic order. Personen: child, human, human creation, human useful, man, individual, individual ends, individually, individuals, retailored by individual, intelligence of individuals, needs of individuals, member of group, people, person, personal, personalities, persons. Personen-/-Kollektive: a people, grown people, assemblage, association between persons, children, consumers, parents, elders, generations, common, common recognized, common application of ideas, common eidos, common ends, common implicit dominant ontology, conformity, conformity to ideals, conforms, common-sense, commonly, community, employed by man, group, group accepted, group of people inhibating a common geographie, groups, integrated group, unintegrated group, institutional, institutions, living together, man, man-environment, members, members of group, members of society, participants, population aggregate, shared, social, social categories, social class, social contact, social ends, social entities, social environment, social group, social grouping, social habit, social heridity, social inheritance, social inherited, social interaction, social legacy, social needs, social order, social organization, social orientation, social problems, social procedures, social regularized, social structures, social tradtion, social transmitted, socially, sociation, society, thinking of people, tribe. Eigenschaften, Einstellung, Verhalten, Handlung: accepted, acquired, act, acting, action, actions, active ideas, activity, conscious activity, human activity, activity complex, categories of acting, life activities, unconscious activity, social activities, overt actions, reacting, non-instinctive activities, attitude, attitudes, behave, behavior, behavior families, behavior patterns, adaptive behavior, learned behavior, probable behavior, social behavior, overt behaviour, guides for behavior, covert behavior patterns, communicable intelligence, cooperate, creates, cultivation, doing, expressing, favor (motivations), feeling, guidance, ideas, consciously held ideas, inactive ideas, imitation, invented, inventing, inventing, invention, motivations, non-rational, practices, recurrent and continous needs, participant, satisfaction, satisfied satisfying motivations, sentiments, solutions, solving, struggle for survival and existence. Ergebnisse, Produkte, Erwerb, Züchtung: adaption to environment, all that man has produced, attainment of ends, conditioned, conditioning, conduct, created, cultivated, domestication, education, ends, goals, sanctioned ends, images, invented, invention, man-made, personal changes due to culture, problem-solutions, product, products, immaterial product, man-products, non-physiological products, physically product, ready-made, response, response system, repetitive responses, responses, success of responses, emotional responses, result, result of behavior, result of experience, result of human effort, results, solution, solutions, solving (Kroeber/Kluckhohn 1963: 145 – 154).

Die auf diesem explikativen Weg ausgearbeitete eigene Definition des Kulturbegriffs von Kroeber und Kluckhohn lautet dann in etwa: "Kultur besteht aus expliziten und impliziten Mustern von und für Verhalten, erworben und übermittelt durch Symbole; sie bilden die unterschiedlichen Leistungen menschlicher Gruppen, einschliesslich deren Verkörperung in Artefakten; der wesentliche Kern von Kultur besteht aus traditionellen (das heisst historisch gewonnenen und ausgewählten) Ideen und besonders den ihnen beigelegten Werten; Kultur-Systeme können einerseits als Ergebnis von Handeln, andererseits als konditionierende Elemente ferneren Handelns betrachtet werden. Als Kultur werden nicht die konkreten Verhaltensweisen in ihrer Gesamtheit angesehen, sondern die Normen für oder die Standards von Verhalten wie auch Ideologien, die bestimmte ausgewählte Verhaltensweisen rechtfertigen oder vernunftsmäßig erklären und weite, allgemeine Prinzipien von Selektivität und Ordnen, nach denen Muster von, für und über Verhalten in sehr verschiedenartigen Bereichen kulturellen Inhalts auf sparsame Verallgemeinerungen reduziert werden können" (vgl. Fleischer 2001: 24f).

Eine Zusammenfassung der kulturtheoretischen Debatte für die drei nachfolgenden Jahrzehnte machten bspw. die Soziologen Alexander und Seidman.[6] Kultur wird dabei bereits nicht nur als die Ebene kollektiver Sinnsysteme verstanden, sondern bezieht sich auf Sinnsysteme, die Handeln anleiten und sich in subjektivem Handeln manifestieren. Dazu bietet es sich an den Kulturbegriff verstärkt mit Wissen in Zusammenhang zu bringen, mit dem, was in den jeweiligen Köpfen ist: Kultur sind dann jene Sinnsysteme, über die die Akteure im Sinne von geteilten Wissensordnungen verfügen, die ihre spezifische Form des Handelns ermöglichen und einschränken (Reckwitz 2000: 85f).

Daneben besteht natürlich ein breites Feld paradigmatischer Diskussionen, die zum einen aus Sicht der einzelnen Fachvertreter geführt werden, die bemüht sind sich als besondere Repräsentanten im Diskurs voneinander zu unterscheiden, sowie zum anderen die eher integrativ zu verstehenden Bemühungen des relativ neuen Diskurses der Kulturwissenschaften als fachübergreifendes Phänomen. Den wissenschaftlichen erkenntnistheoretischen Prozess bzw. die Struktur einer Theorie kann man sich dabei vereinfacht wie folgt vorstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Paradigma (Mintzel 1997: 227)

Das Basis-Element einer Theorie sind Axiome (als generelle Hypothesen), die zunächst mal als nicht-abgeleitete Aussagen eines Wissenschaftsbereiches verstanden werden können, aus denen weitere Aussagen in Form von Theoremen durch logisches Schließen formuliert werden. Die Theoreme nehmen eine Mittelposition zwischen begriffsnahen speziellen Hypothesen und theorienahen generellen Hypothesen ein. Insbesondere die speziellen Hypothesen werden dann durch Forschung mit der empirischen Realität konfrontiert und dadurch in weiteren gedanklichen und kommunikativen Schritten das ganze Gedankengebäude kontinuierlich modifiziert und angepasst (Friedrichs 1990: 62ff; Bea/Göbel 1999: 34ff).

Der Diskussionsstand zum Kulturbegriff scheint dabei bei weitem noch nicht oder vielleicht überhaupt nicht mehr zu überblicken (Reckwitz 2000: 16f), bzw. nur durch kapitale und/oder hochspezialisierte Werke zu erfassen, die sich natürlich in vielem völlig einig, aber in vielem auch völlig uneinig sind (vgl. bspw.: Geertz 1997 u. 2000; Hansen 1993 u. 2000; Cesana 1996; Drechsel 1998 u. 2000; Welsch 1998; Riedel 1998; Thomas 1998; Bohman 1991; Reckwitz 2000). Ein in jüngerer Zeit in diesem Zusammenhang auftauchender Begriff ist der der kulturellen Diversität, der sich in ein noch ungeklärtes Feld anderer Begriffe wie Divergenzen, Differenzen, Unterschiede u. ä. einordnet, und denen Begriffe wie Identität, Konvergenz, Kohärenz usw. gegenübergestellt werden.

1.4 Der Diversitätsbegriff

Der Begriff der Diversität, als etymologische Ableitung aus dem Adjektiv divers zu dem lateinischen Verb divertere (auseinandergehen, voneinander abweichen) bedeutet als Fremdwort im Deutschen zunächst soviel wie Vielfalt, Vielfältigkeit, Verschiedenartigkeit, Mannigfaltigkeit (Kluge 1999: 186; Duden 5 1997: 200).

1.4.1 Kulturelle Diversität

In der Kulturanthropologie wie in den Kulturwissenschaften taucht der Begriff Diversität gelegentlich wohl schon immer als wenig spezifizierter Allgemeinort auf, um auf die auch unter vielen anderen Perspektiven rekurrierten Themengebiete, wie das 'kulturell Fremde', das 'Other', den kulturellen Relativismus, den kulturellen Pluralismus, den Interkulturalismus, den kulturellen Hybridismus, den Multikulturalismus usw. einzugehen. Die jüngere semantische Verwendung des Begriffs scheint insbesondere mit dem letzteren Problemgebiet verbunden, wie es vorwiegend durch Kanada, die USA und Südafrika als mögliche geopolitische Vorreiter eingeführt wurde. Prinzipiell – und das liegt an dem Phänomen der heutigen Diversität – geht es hierbei fast immer um die konkrete kulturelle Diversität eines geschlossenen Landes, wobei paradoxerweise offensichtlich zu werden scheint, dass in diesem Land viele Kulturen vorhanden sind, von denen einige der Kulturen nun auf einmal überrascht zu sein scheinen, dass sie da sind. Einige von diesen verschiedenen Kulturen sind früher oder später in dem jeweiligen Land (oder gelegentlich auch Kontinent) aufgetaucht, weshalb sich das Problem i. d. R. eigentlich implizit um verschiedene Länder oder Kontinente dreht, und dadurch die gegensätzlichsten Standpunkte und Erörterung zum tragen kommen (vgl. bspw. White 1990; Doyle 1994; Gleason 1992; Parillo 1996; Sangari 2001; Geertz 1996, 1997; Hannerz 1992; Drechsel/Schmidt 1995; Schmidt 2000; Beck/Cowan 1996; Lull 2001; Griggs/Louw 1995; Fricke 1998; Shelley/Winck 1995; Braidotti 2001)

Ein greifbarer konsensualistischer Probleminhalt des Begriffs Diversität in Verbindung mit Kultur zeichnet sich z. Z. nicht ab (Geertz 1996: 24), was soweit ich sehe auch heute noch gilt; und obwohl Fragen der kulturellen Ordnung der Welt doch eigentlich in das Gebiet der Ethnologie fallen, diese sich aber immer schwer damit tut (Geertz 1996: 71), möchte ich kurz den ökonomischen und biologischen Fachbereich bemühen, in denen der Begriff Diversität schon eine greifbar pragmatische Form angenommen hat.

Initialisiert wurde die breitere Diskussion um den kulturellen Diversitätsbegriff in der wissenschaftlichen Behandlung, soweit es mir nachvollziehbar ist, durch die Wirtschaftswissenschaften. Ausgearbeitet und lexikalisch festgelegt wurde er davor von der Biologie, auf die terminologisch beim Begehen soziologischen und geisteswissenschaftlichen bzw. pragmatischen Neulands ja gerne zurückgegriffen wird, insbesondere durch ihre enge ethologische Verknüpfung mit dem Behaviourismus. Diese Praxis zeigt sich auch in der Bionik, die in vielen Disziplinen als Kreativitäts- und Entscheidungsmethode fungiert und Anwendung findet (vgl. Nachtigall 1998: 17ff; Bronner 1999: 63). In entsprechendem Sinn soll im folgenden die wirtschaftswissenschaftliche und die biologische Perspektive der Diversität knapp skizziert werden, um pragmatische Kontrapunkte klarzumachen, aber auch um deren Implikationen im Zusammenhang der im weiteren besprochenen Perspektiven der kulturellen Diversität aufzeigen zu können, soweit dies eventuell sinnvoll erscheinen mag.

1.4.1 Ökonomisches Diversitätsverständnis

In den Wirtschaftswissenschaften ist der Begriff Diversität bzw. das Diversitäts-Management als etablierter 'neuer Trend' seit etwa zehn Jahren, in Folge von der langjährigen vorausgehenden Beschäftigung mit der Organisations- oder Unternehmenskultur anzusiedeln. Hierbei ist er im grösseren Zusammenhang mit der Unternehmenspolitik und dem Personalwesen zu sehen. Historisch wurde das Thema Diversity in den U.S.A. durch Diskriminierungsverbote und der Verwirklichung von Gleichstellungsgesetzen Ende der achtziger Jahre vorangetrieben und zwangen die Unternehmen zu einer Auseinandersetzung mit dem Problem. Es hängt also mit der Reaktion der Politik auf die neue globale Situation im Umgang mit 'Verschiedenartigkeit' in Zusammenhang, die kontrolliert und kanalisiert werden soll. Nachdem früher 'anders sein' häufig mit dem inneren oder äusseren Druck zur Anpassung verbunden war, wird nun auf ein neues Selbstbewusstsein in Bezug auf Andersartigkeit geachtet. Sich als selbständig sehende Individuen erscheinen sich selbst und anderen gegenüber als unterschiedlich bzw. different und empfinden dies als einen für sie wichtigen Teil ihrer Persönlichkeit (Wagner 2000: 1ff; Pietschmann 2001: 3). Zur Befriedigung der Ansprüche der Human-Resources erscheint es deshalb für Unternehmen u. U. notwendig Tendenzen von 'Monokulturen' vorzubeugen und die Besonderheiten der Individuen als wertvolles Gut und nicht als Hindernis zu betrachten. In anderen Fällen kann es aber auch so erscheinen, dass diversitäre Kulturen nicht sinnvoll sind, sondern Monokulturen durchaus präferiert werden sollten (Pietschmann 2001: 1f). Bei einer Entscheidung für Diversität kann sich folgender Nutzen ergeben: in dem Maße, indem eine Organisation eine maximale Nutzung seiner Mitarbeiter aus unterschiedlichen Hintergründen ziehen, behalten und fördern kann, wird sie Wettbewerbsvorteile in Kostenstrukturen erzielen und hochqualitative Human-Resources erhalten. In dem Maße, indem Organisationen die potentiellen Vorteile kultureller Diversität in Arbeitsgruppen ausnützen, können sie Wettbewerbsvorteile durch a) Problemlösung und b) flexible Anpassung und Wandel sowie c) Kreativität, erzielen (Wagner 2000: 6f; Pietschmann 2001: 2ff ). Wie die konkreten Beschäftigungen aussehen, um diese drei Arten von Wettbewerbsvorteile zu erreichen, spiegeln zum einen die augenblicklich propagierten und im nachfolgenden skizzierten drei Ansätze des Diversitäts-Managements[7] wieder, die unter dynamischer Perspektive aber auch ein rekursiv verknüpftes Durchlaufen bestimmter Kombinationen davon implizieren: a) Fairness- und Diskriminierungsansatz als ursprünglicher Auslöser für das Diversitäts-Management. Er ist notwendig aufgrund des Zusammenarbeitens von Menschen, die sich zunächst einfach aufgrund ihrer demografischen Herkunft und den damit einhergehenden Differenzen unterscheiden. Damit eng verbunden ist der b) Marktzutritts- und Legitimitätsansatz der sich darauf bezieht, dass wenn ein Unternehmen Absatz oder Bezugsmärkte in unterschiedlichen Welt-, Kontinental-, Regional-, Lokal-Märkten agieren will, es sich auf die dort herrschenden Verhältnisse in einem bestimmten Maß einstellen muss, z. B. indem die Mitarbeiterstruktur eines Marktes sich z. T. im Unternehmen abbildet oder lokale Verhaltensnormen berücksichtigt werden müssen. Schliesslich wurde erkannt, dass der Umgang mit Diversität auch ein c) Lern- und Effektivitätsansatz ist, der die ersten beiden Ansätze miteinbezieht und sich durch gestiegenes Know-how, organisationales und individuelles Lernen usw., in allen möglichen Bereichen positiv auswirken kann (Wagner 2000: 4f; Pietschmann 2001: 3ff; vgl. insgesamt aber auch: Cox 1993; Voss 1998; Griggs/Louw 1995).

1.4.3 Biologisches Diversitätsverständnis

Der biologische Diversitätsbegriff (vgl. Anhang C), der sich auf die Artendiversität der beteiligten Lebensgemeinschaften in einem Ökosystem bezieht, steht sprachlich mit dem kulturanthropologischen Kulturbegriff nur im übertragenen Sinn in Zusammenhang, etwa mit den bereits erwähnten Mono- oder Mischkulturen usw. oder gar damit, dass biologische Arten als 'Kulturflüchter' und 'Kulturfolger' bezeichnet werden, je nach dem, ob sie von der menschlichen Kultur verdrängt bzw. angezogen werden (Wahrig 1999: Kultur, Diversität ; Brockhaus 1999: Kulturfolger, Kulturflüchter).

Allgemein wird der aktuelle Zustand eines Ökosystems durch drei Faktorenkomplexe bedingt: a) durch die vorgegebene Vielfalt (Diversität) und Optimums-Nähe der abiotischen Bedingungen, wie räumliche und klimatische Diversität, d. h. die mehr oder weniger grosse zeitliche Schwankung der Witterungsbedingungen; b) durch die biotische räumliche oder strukturelle Diversität (Heterogenität), d. h. die Vielfalt der ökologischen Nischen; c) durch die inneren Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung des Ökosystems, wofür nebst anderen folgende Grundbeziehungen, entsprechend den Abhängigkeiten zwischen Biotop und Biozönose (Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren in einem Biotop), bestehen: je vielfältiger die Lebensbedingungen des Biotops, desto grösser die Artenzahl; je weiter entfernt die Lebensbedingungen des Biotops vom durchschnittlichen optimalen Bereich (Gleichgewicht), desto artenärmer die Biozönose, desto individuenreicher die einzelne Art; je länger gleichartige Umweltbedingungen im Biotop herrschen und je kontinuierlicher die Entwicklung erfolgt, desto artenreicher, ausgeglichener und stabiler ist die Biozönose. D. h. in neubesiedelten Biotopen durchlaufen Ökosysteme zunächst verschiedene Phasen zunehmender Anpassung, bis sie schliesslich bei genügend langer ungestörter Entwicklung einen stabilen Endzustand (Klimax) der Artenzahl und Individuendichte erreichen.

Bei der Entwicklung von Ökosystemen zum Klimaxstadium werden aus produktionsbiologischer Sicht unreife und reife Ökosysteme unterschieden. Sie werden charakterisiert durch:

Unreife (produktive) Ökosysteme: wenige Arten, einfache Nahrungsketten, Überschuss an Produzenten, Geringe Biomasse (B), Schneller Energiedurchfluss

P (Produktivität)/R (Respiration) > 1; bei Einbeziehung von Zu-(Z) und Abfluss (A) bei offenen Systemen:

P + Z/R + A > 1 (hohe Produktivität)

Daraus folgt: P/B gross (hohe Umschlagsrate);

Weiter folgt: B/P klein (geringe Organisationshöhe);

Biozönose mit Umweltbedingungen im Ungleichgewicht.

Reife (produktive) Ökosysteme: viele Arten, komplexe Nahrungsketten, grosse Organisationshöhe, stark verlangsamter Energiefluss, Gleichgewicht zwischen Produzenten-Konsumenten-Destruenten, starke Besetzung höherer Trophiestufen, grosse Biomasse. Biozönose und Biotop im Einklang. Reife Ökosysteme können also unter gleichbleibenden Bedingungen als stabil gelten. Sie sind aber nicht starr insofern, als sie sich langsamen Veränderungen, etwa klimatischer Art, durchaus anpassen können.

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Abbildung 2: Organisationshöhe, Produktivität und Arten-Diversität

Die Organisationshöhe oder der Organisationsgrad wird durch den Grad der Verknüpfung erfasst, was dem Informationsgehalt des Systems entspricht. Starke Verknüpfung schliesst Zufälligkeiten weitgehend aus und wird insofern als ein Maß von Stabilität im System interpretiert (Vogel/Angermann 1990: 265).

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Abbildung 3: Nahrungsbeziehungen allgemein und konkret beim Ren (Tundra)

Die Arten-Diversität kann nach der Shannon-Wiener-Formel des Informationsgehalts genauer ausgedrückt werden als bei bloßer Berücksichtigung von Artenzahlen und Verknüpfungen: D = Hs = Summe (i = 1 bis S) von pi multipliziert mit ln p.

Dabei entspricht die Diversität D dem Informationsgehalt HS eines Systems mit S Elementen; pi ist der Anteil der Art i (i = 1, 2, 3, . . . S) an der als 1 gesetzten Gesamtzahl der Individuen. Der Wert von HS nimmt mit der Komponentenzahl des Systems zu und ist dabei am höchsten, wenn alle Verknüpfungen gleich sind und verringert sich, je ungleichmäßiger die Verteilung der Verknüpfungen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Informationsgehalt und Artendiversität

Mit steigender Arten-, Klima- und Raumdiversität wächst durch Zunahme von Regulationsmechanismen die Stabilität des Ökosystems. Damit wächst auch die Gefahr, dass das nunmehr komplexe und empfindliche Gefüge durch aussergewöhnliche Belastungen (Um-weltstress) stärker belastet werden kann, als u. U. eine ursprüngliche Störung vermuten lassen würde. Der Aufbau hochorganisierter Ökosysteme dauert sehr lange (106-108 Jahre), ihre Zerstörung kann hingegen sehr rasch erfolgen (Vogel/Angermann 1990: 264f).

In seiner ersten pragmatischen Ausarbeitung stammt der Diversitätsbegriff ziemlich sicher aus der Biologie. Insgesamt werden 'biologistisch' geprägte sprachliche Anklänge in allen drei der nachfolgend besprochenen theoretischen Erklärungsansätze herangezogen. Insbesondere kommt bei Hannerz aber auch die Sorge um die biologische Diversität in konkretem Zusammenhang mit der kulturellen Diversität zum Ausdruck. Allerdings unterscheiden sie sich für ihn grundlegend von der biologischen, insofern die zoologischen und botanischen Spezies schneller und schneller verschwinden, während sich keine neuen entwickeln, die Entwicklung der kulturellen Diversität sich allerdings immer schneller vollzieht (Hannerz 1996: 64).

2 Aspekte theoretischer Ansätze des Diversitätsverständnisses

Was das implizite geopolitische Einflussgebiet bzw. die Komplexität bzw. Diversität der mit diesen Ansätzen angesprochenen kulturellen Phänomene betrifft, so kann gesagt werden, dass Hannerz in seinen Arbeiten vorwiegend internationalstaatliche, respektive 'transnationalstaatliche' Kulturphänomene betrachtet. Hansen setzt sich auf Grundlage des deutschen Nationalstaats dementsprechend mit einer geringeren Diversität, respektive Komplexität auseinander. Geertz betrachtet zunächst eine noch geringere Komplexität, indem er sich mit den klassischen 'kleineren' Gruppen und kulturellen Phänomenen, die die konventionellen Untersuchungseinheiten der Kulturanthropologie beschäftigen, auseinandersetzt. Dies gilt insbesondere für seine früheren Abhandlungen, die hier, wenn auch nur sehr knapp und als rein singuläres Beispiel, die Brücke zwischen den theoretischen Konzepten seit Kroeber/Kluckhohn zu den jüngeren Ausführungen schlagen soll. Dabei hatte Geertz zu allen Zeiten die nationalstaatliche Perspektive mit im Blickwinkel, was dadurch deutlich wird, dass er immer wieder die Zusammenhänge und Belange der Nationalstaaten (insbesondere Marokko und Indonesien) sowie deren Ein- und Auswirkungen auf die von ihm innerhalb dieser Nationalstaaten untersuchten kleineren Populationen mitberücksichtigt und in Relation setzt. Hinsichtlich der Schilderung der nachfolgenden drei theoretischen Ansätze ist zu berücksichtigen, dass die jeweiligen Originalabhandlungen natürlich durch eine Vielzahl meist kleinerer (Geertz), fiktiver, aber sehr plausibler (Hansen) und längerer konkreter (Hannerz) Beispiele dem Leser verdeutlicht werden, was in der vorliegenden Arbeit aufgrund der vorgegebenen kapazitären Beschränkungen leider unterbleiben muss.

2.1 Clifford Geertz

Clifford Geertz strebt eine wissenschaftliche Kulturphänomenologie an (Geertz 1994: 138). Die Benennung seines Ansatzes fällt im Lauf der Jahre unterschiedlich aus: semantisch, semiotisch, symbolisch, interpretativ. Allen ist die zentrale Prämisse gemein, dass der Mensch darauf angewiesen ist, "sich gewisser Zeichen oder Symbole zu bedienen, um sich orientieren und verständigen zu können. Diese Zeichen verändern sich mit ihrer Anwendung, ihrer Epoche und der Kultur" (Gottowik 1997: 217).

2.1.1 Soziale-Struktur und Kultur

Kultur und Soziale-Struktur sind die beiden zentralen analytisch-begrifflichen Abstraktionen zur Untersuchung von Ideen bzw. Bedeutungen in sozialen Prozessen (Geertz 1994: 134). Sie werden als unabhängige aber nicht voneinander losgelöste Kräfte verstanden, die als Integrationsmöglichkeiten innerhalb sozialer Kontexte (?Strukturen, Systeme, Prozesse?) wirken, an die sie sich anpassen und von denen sie stimuliert werden (Geertz 1994: 99f, 134). Sowohl zwischen Kultur und Sozialer-Struktur besteht eine innere Inkongruenz und Spannung als auch zwischen ihnen und der Persönlichkeits-Struktur, d. h. dem System der motivationalen Integration im Individuum (Geertz 1994: 100). Analog behauptet Geertz, dies in Anlehnung an Talcott Parsons abzuleiten, der bei der Strukturierung eines konkreten sozialen Handlungssystems drei Aspekte unterscheidet: das Soziale-System, das Persönlichkeits-System der einzelnen Handelnden und das Kultur-System, das dem Einzelhandeln unterliegt (Geertz 1994: 100). Genau wie bei der Struktur ist keines der drei Systeme, die nach seinen Worten ja die Struktur eines konkreten sozialen Handlungssystems darstellen, unabhängig für die Organisation der (System- und/oder Struktur-) Elemente des Handlungssystems, d. h. keine der Bedingungen eines einzelnen Systems ist auf eine oder eine Kombination der beiden anderen reduzierbar, während sie gleichzeitig natürlich auch interdependent sind und sich durchdringen (Geertz 1994: 100, 135). Die Soziale-Struktur ist darüber hinaus die fassbare Form oder das tatsächlich existierende Netz der sozialen Beziehungen, des Interaktions-Systems bzw. des permanenten Interaktions-Prozesses selbst. Sie ist mit dem Handeln durch ihren Beitrag zum Funktionieren des Sozialen-Systems verbunden (?des sozialen Handlungssystems/Interaktions-Systems oder eventuell auch des Sozialen-Systems, Persönlichkeits-Systems oder Kultur-Systems als dessen konstitutiven Elemente?). Durch sie erfolgt eine 'kausal-funktionale Integration', die das System in Gang hält (Geertz 1994: 99f).[8]

Kultur ist ein geordnetes geschichtlich überliefertes System von expressiven Bedeutungen und Symbolen (ein Gefüge von Vorstellungen, Werten, Ausdrucksformen, stilistischen oder logischen Einheiten, ein einheitliches Bedeutungs- und Wertganzes, Geflecht, selbstgesponnenes Bedeutungsgewebe usw.) in gesellschaftlicher Gestalt und Form, vermittels dessen Menschen gesellschaftliche Interaktion verwirklichen, die Welt, Gefühle, Urteile, Erfahrungen, Einstellungen, Handlungen definieren, ausdrücken, interpretieren, erhalten, weiterentwickeln, ausrichten. Kultur ist also mit sozialem Handeln unter dem Aspekt ihrer Bedeutung für die Handelnden verbunden. Durch Kultur erfolgt eine 'logisch-sinnstiftende Integration', d. h. sie liefert Programme für die Anordnung und das Funktionieren der sozialen und psychologischen Prozesse, die das öffentliche Verhalten steuern (Geertz 1994: 9, 46, 99).

Zwischen genetisch und kulturell programmierten Prozessen besteht immer eine gewisse, mehr oder weniger starke substantielle Beziehung. Die Art der Informationen und die Weise ihrer Übermittlung sind aber insofern völlig verschieden, als das menschliche Verhalten nur wenig durch intrinsische Informationsquellen determiniert ist, weshalb die kulturellen extrinsischen Quellen so wesentlich sind. Kulturmuster (bzw. Symbolsysteme, Symbolkomplexe, Bedeutungssysteme, Modelle usw.) sind extrinsische Informationsquellen ausserhalb der Grenzen einzelner Organismen. Sie dienen als Baupläne oder Schablonen, um nicht völlig genetisch determinierte Prozesse zu gestalten (Geertz 1994: 51). Diese materialisieren sich in Symbolen (Geertz 1994: 94), wobei ein Symbol alles sein kann (Geertz 1994: 49), was als Vehikel von Bedeutung im gesellschaftlichen Leben dienlich ist (Geertz 1993: 118). Kulturmuster bzw. Symbolmuster bilden demnach die Beziehungen zwischen Grössen, Prozessen, oder was es sonst noch in physikalischen, organischen, sozialen und psychologischen Systemen gibt, nach, indem sie sie 'abbilden', imitieren oder simulieren. Sie sind gleichzeitig 'Modell von etwas' und 'Modell für etwas' (Geertz 1994: 52). Das 'Modell von etwas' meint den Umgang mit Symbol-Strukturen. Es ist so konstruiert, dass es ein gegebenes nichtsymbolisches System abbildet (z. B. Funktion von Staudämmen, mit Hilfe einer Theorie der Hydraulik oder eines Flussdiagramms). Es sind Modelle von 'Wirklichkeit'. Bei dem 'Modell für etwas' geht es demgegenüber um die Manipulation nichtsymbolischer Systeme nach Vorgaben der symbolischen Systeme (z. B. Errichtung eines Dammes nach Bauvorschriften, die von der Theorie der Hydraulik oder aus einem Flussdiagramm gewonnen wurden). Die physikalischen Beziehungen werden nach dem Vorbild der Theorie organisiert. Es sind Modelle für 'Wirklichkeit' (Geertz 1994: 52). Psychologische Systeme (Persönlichkeits-Systeme), Soziale-Systeme und kulturelle Modelle (Systeme), die wir durch Begriffe wie 'Theorien, Lehren, Melodien, Riten usw.' bezeichnen, unterscheiden sich hiervon überhaupt nicht (Geertz 1994: 52).

Nichtsymbolische Informationsquellen sind immer nur 'Modell für etwas' und lassen sich in der Natur überall dort finden, wo Muster übermittelt werden, z. B. Lernen durch Prägung in der Tierwelt durch automatische Vorführung und Nachahmung, um genetisch angelegte Reaktionsfolgen zu aktivieren, Bienentänze, aber auch Wasserrinnsale, die Wege bahnen usw. (Geertz 1994: 52f). 'Modelle von etwas' kommen unter den Lebewesen höchstwahrscheinlich nur beim Menschen vor. Kulturmuster als 'Modelle von etwas und für etwas' verleihen der sozialen und psychologischen Wirklichkeit Bedeutung (in Vorstellungen objektivierte Form), indem sie die Bedeutung auf diese Wirklichkeit ausrichten und zugleich die Wirklichkeit auf sich ausrichten, d. h. sie bilden Strukturen in einem anderen Medium ab und liefern dadurch Informationen und Darstellungen, nach denen weitere Prozesse gebildet werden können (Geertz 1994: 53). Dieser doppelte Aspekt unterscheidet echte Symbole von anderen Bedeutungsträgern. Durch die symbolische Formulierung ergibt sich die gegenseitige Übertragbarkeit von 'Modellen für etwas' und 'Modellen von etwas'. Das Programm (Modell für etwas) wird als Darstellung, Vorstellung, Symbol des Programmierten (Modell von etwas) verstanden (Geertz 1994: 54).

Bei der Erforschung von Kultur geht es somit um die Feststellung von Zusammenhängen sowie um die Bestimmung von Diskrepanzen[9] (Geertz 1994: 196). Die Untersuchung von Kultur sucht dazu nach signifikanten Symbolen, signifikanten Symbolgruppen und Gruppen von signifikanten Symbolgruppen und versucht jene Regelmäßigkeiten nachzuweisen, die der menschlichen Erfahrung zugrunde liegen und ihre Formierung mitbewirken. Zu einer brauchbaren Kulturtheorie kann man nur gelangen, wenn man von direkt beobachtbaren Denkweisen ausgehend Gruppen von Denkweisen bestimmt, um dann zu variableren, weniger eng zusammenhängenden, gleichwohl aber geordneten 'polypenartigen' Systemen von Denkweisen zu kommen, die sich aus voll integrierten Teilen, inkongruenten Teilen und unabhängigen Teilen zusammensetzen (Geertz 1994: 197). Auch das Fortschreiten der Kultur vollzieht sich nicht einheitlich durch reibungslos aufeinander abgestimmte Teile oder ein geballtes Zusammenwirken des Ganzen, sondern in unzusammenhängenden Bewegungen, die gemeinsam irgendwie eine Richtung ergeben (Geertz 1994: 197). Die kulturelle Integration und Desintegration selbst vollzieht sich dabei im menschlichen Alltagsleben (Geertz 1994: 194). Dieses ist selbst ein Kulturprodukt, das einen Rahmen symbolischer Vorstellungen unwandelbarer Tatsachen formuliert und dadurch den Schauplatz und vorgegebenen Gegenstand unserer Handlungen bildet, der von Generation zu Generation weitergegeben wird (Geertz 1994: 76). Die Lektüre des Formenrepertoires einer Kultur kann überall begonnen werden und an beliebiger Stelle aufhören (Geertz 1994: 259). Die Bedeutung von Gegenständen, Handlungen, Vorgängen usw., denen der Begriff Kultur zukommt, wohnt ihnen nicht inne, sondern wird ihnen beigelegt. Die Erklärung ihrer Eigenschaften ist bei den Menschen in der Gesellschaft zu suchen, dort wo die Sinngebung stattfindet (Geertz 1994: 192).

2.1.2 Kultur und Zeit

Nach Alfred Schütz unterscheidet Geertz in Vorgänger, Zeitgenossen, Mitmenschen und Nachfolger, um Beziehungen zwischen Auffassungen von persönlicher Identität und den darin implizierten Vorstellungen von zeitlicher Ordnung genauer zu exemplifizieren (Geertz 1994: 139).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Analyseraster für zeitliche personale Beziehungen

Mitmenschen sind Menschen, die sich im Alltagsleben direkt begegnen und eine zeitliche und räumliche Gemeinschaft bilden (Geertz 1994: 139). Damit sind Konstellationen recht kurzfristiger direkter sozialer Interaktion bis hin zu langen dauerhaften Beziehungen gemeint. Den Kern bilden i. d. R. Personen, die regelmäßig solche Beziehungen unterhalten und ausrichten. Zeitgenossen bilden demgegenüber zeitliche Gemeinschaften, die für gewöhnlich nicht direkt persönlich zusammentreffen. Ihre Verbindung beruht auf einer Anzahl verallgemeinerter, symbolisch formulierter d. h. kultureller Annahmen über die typischen Verhaltensweisen des jeweils anderen. Dazu gehören verschiedene Allgemeinheitsgrade wie oberflächliches Beteiligtsein bis hin zur vollständigen Anonymität. Vorgänger und Nachfolger bilden keine zeitliche Gemeinschaft und können daher per Definition nicht direkt interagieren. Vorgänger können bekannt sein bzw. man kann von ihnen wissen und ihre Handlungen können das Leben ihrer Nachfolger beeinflussen, während das Umgekehrte naturgemäß nicht möglich ist (Geertz 1994: 141f).

Allgemein schaffen sich Menschen ein Bewusstsein des Verlaufs der Zeit durch den Wechsel der Jahreszeiten, die Veränderungen des Monds, das Wachstum der Pflanzen, das regelmäßige Wiederkehren von Riten, agrikulturellen Arbeiten oder Tätigkeiten im Haushalt, das Vorbereiten und Festsetzen geplanter sowie das Erinnern und Beurteilen bereits durchgeführter Handlungen, das Bewahren von Genealogien, Personenklassen, Personennamen, das Erzählen von Legenden und die Aufstellung von Prophezeiungen, die Wahrnehmung des biologischen Alterns: das Auftauchen, Heranreifen, Verfallen und Verschwinden konkreter Einzelmenschen (Geertz 1994: 137, 171).

Die Beziehungen zwischen Mitmenschen, Zeitgenossen, Vorgängern und Nachfolgern sind dabei nur über ihre kulturelle Ausformung zu erfassen, was Geertz an einem balinesischen Beispiel durchführt (Geertz 1994: 143ff). Er kommt zu dem Schluss, dass diese Beziehungen sich von Gesellschaft zu Gesellschaft unterscheiden, insofern der Bestand an verfügbaren Kulturmustern, durch die sie sich ausdrücken, verschieden ist. Sie sind innerhalb einer einzigen Gesellschaft von Situation zu Situation verschieden, insofern jeweils andere Muster aus dem verfügbaren Bestand als angemessen gewählt werden. Sie sind trotz ähnlicher Situationen von Handelndem zu Handelndem verschieden, insofern persönliche Eigenheiten, Präferenzen und Interpretationen ins Spiel kommen (Geertz 1994: 142). All dies trägt dann dazu bei, wie man zum Mitmenschen, Zeitgenossen, Vorgänger und Nachfolger nicht nur geboren, sondern vor allem auch gemacht wird (Geertz 1994: 142). Mitmenschen in 'Zeitgenossen' zu verwandeln, trübt bspw. das Bewusstsein des biologischen Alterns, womit die wichtigste Voraussetzung für das Bewusstsein eines zeitlichen Ablaufs entfällt. Zeremonialisierte Interaktion begünstigt eine standardisierte Wahrnehmung anderer, die wiederum die Vorstellung einer Gesellschaft 'im Ruhezustand' begünstigt, wodurch wiederum eine taxonomische Zeitwahrnehmung begünstigt wird (Geertz 1994: 194).

Allerdings scheint der unmittelbare Zusammenhang zwischen Personenvorstellungen, Zeitvorstellungen und Verhaltensvorstellungen ein allgemeingültiges strukturelles Phänomen der Organisation menschlicher Erfahrung zu sein und eine notwendige Folge der Bedingungen, unter denen menschliches Leben verläuft. Neben einer solcherart konstruierten Kohärenz oder 'Ruhezustandsphänomenologie' gibt es eine riesige und unbekannte Anzahl ähnlicher allgemeiner symbolischer Zusammenhänge, mit denen sie sich teilweise sehr direkt, teilweise weniger direkt, teilweise nur indirekt und teilweise wahrscheinlich überhaupt nicht deckt. Letztere sind die in allen Kulturen existierenden, untergeordneten gegensätzlichen Aspekte, die den übergeordneten oder dominanten Aspekten der kulturellen Integration in Form von sozialer Desintegration entgegenwirken bzw. diese negieren. Alle gründen in den allgemeinen Bedingungen des menschlichen Daseins. Tatsächlich dominieren die Integrierenden, sie verstärken einander und bestehen beharrlich fort, was Geertz auch Sinnzusammenhang nennt. Die kulturellen Systeme (Symbolsysteme, Sinnsysteme) können sehr dicht oder sehr locker zusammenhängen (Geertz 1994: 194, 196f). Dabei tauchen ähnliche Kultur-Muster in unterschiedlichen Gesellschaften losgelöst voneinander auf, weil die Bedürfnisse nach Orientierungen, für Probleme und Lösungen denen sie entgegenkommen, allgemein existentiell menschlicher Natur sind (Geertz 1994: 137).

2.1.3 Kulturelle Perspektiven und Systeme

Bei der Beschreibung der Verwendung von Symbolen beschreibt man Wahrnehmung, Empfindungen, Anschauungsweisen und Erfahrungen der Kultur, die man beobachtet – und erinnert sich dabei vielleicht an die Probleme der Semantik (Geertz 1994: 306). Geertz bspw. laviert dialektisch zwischen kleinsten lokalspezifischen Details und umfassendsten Strukturen (wie ein Perpetuum-Mobile) und beobachtet jede Seite von der anderen, um so das Ganze aus der Perspektive seiner Teile, die ihm zu Lebendigkeit und Nähe verhelfen, und die Teile aus der Perspektive des Ganzen zu betrachten, aus dem sie verständlich werden. Das eine wird ständig aus dem anderen heraus erklärt, was seiner Auffassung der Denkfigur des hermeneutischen Zirkels entspricht (Geertz 1994: 307).

Eine Perspektive ist dabei für Geertz eine Weise des Sehens in der weiten Bedeutung von erkennen, begreifen, verstehen, erfassen und deuten, die darüber hinaus der Einstellung entspricht. Hierzu gehören z. B. historische, wissenschaftliche, ästhetische, 'common-sense' oder sogar bizarre Perspektiven (Geertz 1994: 75). Alle Perspektiven werden durch das Kulturelle-System geschaffen (Geertz 1994: 77). Das menschliche Denken ist für Geertz seiner Entstehung, seiner Funktionen, seiner Form, seiner Anwendungen nach durch und durch gesellschaftlich und öffentlich, seine natürliche Heimat ist der Hof, der Markt, der städtische Platz (Geertz 1994: 133). Es spielt sich im Austausch bedeutungshaltiger, erfahrbarer Symbole und Gegenstände ab, die der Mensch mit Bedeutung versehen hat. Die Bedeutungen der Symbole sind die gegenständlichen Vehikel des Denkens, die natürlich schwer fassbar sein können (Geertz 1994: 136).

Motivation (bzw. Motive) sind im Unterschied dazu, stete beständige Tendenzen (bzw. Neigungen) zu bestimmten Arten von Handlungen und in gewissen Arten von Situationen bestimmte Arten von Gefühlen zu erleben, wobei es sich meist um ganz verschiedene und ziemlich unklare Kategorien handelt (Geertz 1994: 56f). Motivationen sind vektorielle Qualitäten, also ihrem Verlauf nach gerichtet, für den eine gewöhnlich temporäre Erfüllung angestrebt wird. Sie bestehen über kürzere oder längere Zeiträume hinweg und ergeben einen Sinn in Bezug auf die Ziele, zu denen sie hinführen sollen. Sie werden genau wie transzendentale (religiöse, wissenschaftliche, künstlerische, 'common-sense') Deutungen von ihren Zielen her gedeutet. Stimmungen sind demgegenüber skalare Qualitäten, die sich nur in ihrer Intensität verändern und nicht gerichtet sind. Sie entspringen bestimmten Situationen, verfolgen aber keinen Zweck; wenn sie da sind, sind sie allumfassend (bspw. Traurigkeit, Fröhlichkeit, Melancholie). Sie ergeben Sinn in Bezug auf die Bedingungen, denen sie entspringen. Handlungen sind im Unterschied zu Motivationen und Stimmungen, intentionale Verhaltensweisen (Geertz 1994: 57f).

Fast immer wenn Geertz von Perspektive spricht, setzt er die besondere individuelle Perspektive mit der allgemeinen öffentlichen Perspektive, die durch seine Kulturellen-Teil-Systeme vorsichtig beschrieben werden, in eins, d. h. er führt theoretisch das fort, was Gottowik für seine Interpretationsmethode bereits festgestellt hat, nämlich: die Ineinssetzung von semantischer und pragmatischer Ebene der Kultur aus seiner eigenen Sicht. Allerdings hat Geertz durch die Behandlung der 'Modelle von etwas' und 'Modelle für etwas' quasi erklärt, warum das aus seiner Perspektive gar nicht anders geht.

Die Gefühle (Motivationen, Stimmungen, Emotionen), die ein Individuum oder ein Volk für das Leben hegt, zeigen sich in vielen Äusserungen. Im nachfolgenden sind dazu Religion, 'common-sense', Wissenschaft und Kunst als Kulturelle-Systeme[10] kurz charakterisiert, in denen sich diese individuellen Einstellungen/Perspektiven spiegeln und von denen sie gespiegelt werden, d. h. wieder: das eine ist nicht ohne das andere zu denken. Beide induzieren, vermitteln und schaffen sich gegenseitig. Geertz greift natürlich noch verschiedene andere Perspektiven heraus, wie z. B. Moral, Handel, Technologie, Politik, Zerstreuung, Recht, Alltagspraktiken, Macht, Geschichte, Philosophie usw. Allerdings verdichtet er sie theoretisch nicht oder nicht so sehr wie die hier angeführten (Geertz 1993: 76f, 96).

a) Religion als Kulturelles-System: Eine Religion ist i) ein Symbolsystem, das darauf zielt, ii) starke, umfassende und dauerhafte Stimmungen und Motivationen in den Menschen zu schaffen (und dadurch die menschlichen Handlungen auf eine Seinsordnung bzw. Weltauffassung abzustimmen), iii) indem es Vorstellungen (Motive) einer allgemeinen Seinsordnung (kosmischen Ordnung) formuliert und iv) diese Vorstellungen (Motive) mit einer solchen Aura von Faktizität (den realweltlichen Gegebenheiten, der Weltauffassung) umgibt (d. h. emotional bzw. intellektuell überzeugend macht), dass v) die Stimmungen und Motivationen völlig der Wirklichkeit zu entsprechen scheinen. Dies geschieht durch Projektion der kosmischen Ordnung auf den menschlichen Erfahrungsbereich, d. h. indem Punkt a) stattfindet (Geertz 1994: 47f). Nochmals in anderen Worten: Die religiöse Perspektive stellt die Realitäten des Alltagslebens (die Faktizität eines bestimmten Lebensstil/Lebensform, charakterisiert durch Ethos, Charakter, Beschaffenheit, Ethik, ästhetische Ausrichtung, Stimmung usw.) in einen Rahmen, der sich auf umfassende und nicht-hypothetische Wahrheiten (Realitäten, vollkommene Wirklichkeit, Idee des 'wirklich Wirklichen', bzw. eine dem Lebensstil meist implizite Metaphysik) beruft, wodurch das Ziel verfolgt wird, die eine Seite mit der Autorität der jeweils anderen zu stützen bzw. die Realitäten des Alltagslebens zu korrigieren und zu ergänzen (Geertz 1994: 48, 77). Das Grundaxiom hinter der 'religiösen Perspektive' ist dabei überall das gleiche: Wer wissen möchte, muss zunächst glauben, d. h. die religiöse Perspektive anerkennen. Aus der Anerkennung einer autoritären Instanz erfolgt die Erkenntnis. Dies bringt die symbolische Praxis der Religion als Kulturelles-System hervor, vertieft sie und versucht sie gegen anderslautende Erkenntnisse der säkularen Erfahrungen zu immunisieren (Geertz 1994: 74, 77).

Insofern bestimmte Praktiken oder Rituale auch (Handlungs-)Symbole sind (Geertz 1994: 136, 47, 78) exerziert Geertz, das eben über 'Religion als Kulturelles-System' Gesagte nochmals am Beispiel des Rituals durch, wobei (Geertz 1994: 78) die Anerkennung der Autorität hinter der religiösen Perspektive, die das Ritual ausdrückt, aus dem Vollzug des Rituals selbst herrührt. Durch direkte persönliche Gegenüberstellung und wechselseitige Bestätigung objektivieren sich moralische und ästhetische Präferenzen als notwendige Lebensbedingungen in einer vorgegebenen, strukturierten Welt, die dadurch zum empirischen Beweis ihrer eigenen Gültigkeit wird (Geertz 1994: 47). Insbesondere die kunstvolleren und öffentlichen Rituale prägen das religiöse Bewusstsein eines Volkes. Sie sind als kulturelle Veranstaltungen der Punkt, an dem die gefühls- und vorstellungsmäßigen Aspekte des religiösen Lebens zusammenfliessen (Geertz 1994: 78). In der Praxis können religiöse, künstlerische oder politische Veranstaltungen nicht so einfach unterschieden werden, da sie als symbolische Formen, ähnlich wie gesellschaftliche Formen, ganz verschiedenen Zwecken dienen (Geertz 1994: 79). Die religiöse Perspektive hat dabei derart vielfältige Auswirkungen, dass es unmöglich ist, die Bedeutung von Religion in ethischer oder funktionaler Hinsicht allgemeingültig festzulegen (Geertz 1994: 91, 94).

b) 'Common-sense' als Kulturelles-System: Natürlichkeit, Praktischheit, Dünnheit, Unmethodischheit und Zugänglichkeit sind die Eigenschaften, die Geertz dem 'common-sense' als allgemein verbreiteter kultureller Form zuschreibt. Die 'common-sense'-Perspektive nimmt die Welt, deren Gegenstände und Prozesse als das wahr, was sie (meist naiv realistisch) zu sein scheinen; als das was dem Verstande aufgrund i. d. R. sehr einfacher Vorannahmen spontan einleuchtet, als läge das, was sie sind, einfach in der Natur und der Situation der Dinge, als von der Wirklichkeit nicht zu trennende Aspekte (Geertz 1994: 277). Dabei kann die jeweilige konkrete Darstellung von recht ungewöhnlichen Aussagen und Annahmen abhängig sein (Geertz 1994: 280). Unmethodischheit und Zugänglichkeit befriedigt die Lust an der Inkonsistenz. Die Weisheit des 'common-sense' ist schamloses und vorbehaltloses ad-hoc-Wissen. Sie zeigt sich in Epigrammen, Sprichwörtern, Spruchweisheiten, Witzen, Anekdoten, Fabeln, einer Flut von Aphorismen usw. (Geertz 1994: 284). Jedermann, dessen geistige Fähigkeiten einigermaßen intakt sind, kann 'common-sense'-Schlüsse begreifen. Es gibt keine wirklich anerkannten Autoritäten auf seinem Gebiet. Er definiert sich geradezu dadurch, dass er allgemeines Eigentum aller ist, zumindest aller guten Bürger (Geertz 1994: 285). Störendes Spezialwissen wird abgelegt. Dabei ist es überflüssig, sogar ein grosser Fehler, die Offensichtlichkeit des Offensichtlichen zu leugnen (Geertz 1994: 282). Er ist geleitet durch das pragmatische Motiv oder den Wunsch, die Welt entsprechend den praktischen Zielsetzungen der Einzelnen zu gestalten, sie untertan zu machen oder, falls das nicht geht, sich ihr anzupassen (Geertz 1994: 76, 275). Der 'common-sense' scheint uns als das, was übrigbleibt, wenn alle besser gegliederten Symbolsysteme[11] nicht mehr weiterhelfen, wobei er möglicherweise eine ebenso positive Errungenschaft ist (Geertz 1994: 275f, 284, 285, 287). Es handelt sich dabei genauso um einen Diskurs mit einer Norm, einen Rahmen für Denkweisen, der beansprucht umfassend richtig zu sein (Geertz 1994: 275). Es ist die Klangfarbe, die besondere Beschaffenheit der Beobachtungen, die an den Schlussfolgerungen ablesbare Geisteshaltung, die den 'common-sense' ausmachen (Geertz 1994: 276). Der beständige Wechsel zwischen religiöser Perspektive und 'common-sense'-Perspektive gehört nach Geertz zweifellos zu den augenfälligeren empirischen Sachverhalten einer Gesellschaft (Geertz 1994: 87).

c) Wissenschaft als Kulturelles-System: Die wissenschaftliche Perspektive geht vom Nichtfeststehenden aus. Sie stellt die Realitäten des Alltagslebens aufgrund institutionalisierter, methodischer, wohlerwogener Zweifel in Frage und stürzt die feststehenden Aspekte der Welt in einen Strudel probabilistischer Hypothesen. Ihre Losungsworte sind Distanz (objektiver Beobachtung) und Analyse (systematische Überprüfung) (Geertz 1994: 76f).[12]

d) Kunst als Kulturelles-System: Kunst ist vergleichbar einer fremden Kultur; ein Symbolsystem, das für die Perspektive eines Beobachters axiomatisch nicht in sich selbst enthalten ist (Geertz 1993: 118). Die Zeichen oder Zeichenelemente, die die Kunst ausmachen, nennt Geertz ästhetisch (Geertz 1993: 100). Die Ästhetik repräsentiert in gewisser Weise eine allgemeine Kulturnotation, die sich aus distinktiven Sensibilitäten (Gefühle, Wahrnehmungen) gegenüber dem Ganzen des Lebens ergibt und daran durch Formung bzw. Nachformung teilnimmt (Geertz 1993: 99). Die Wurzeln der Form stecken hierbei in der jeweils sozialen Geschichte der Imagination, die sich aus der Konstruktion und Dekonstruktion von symbolischen Systemen durch Individuen und Gruppen ergibt, die den Mannigfaltigkeiten um sie herum einen Sinn verleihen wollen (Geertz 1993: 99, 119). Falls es Gemeinsamkeiten zwischen den Künsten in der Welt gibt, so liegen diese nach Geertz kaum in der Anziehungskraft durch etwas allgemein Schönes, sondern eben darin, dass bestimmte Aktivitäten (Handlungen) dazu bestimmt scheinen, Ideen zu visualisieren, hörbar und berührbar zu machen, d. h. in Formen zu füllen, die sie Sinnen und Emotionen anderer Personen zugänglich machen (Geertz 1993: 120). Die künstlerische Form verdichtet Gefühle, indem sie eine Art des partikularen Experimentierens des Geistes materialisiert und in die Welt der Objekte als quasi-gegenständliche Dinge wie Gedichte, Schauspiele, Skulpturen, Symphonien usw. rückt. Dadurch erlangt sie jene besondere Aussagekraft, wie sie nur reinen Erscheinungen eigen ist (Geertz 1994: 77, 99). Die ästhetische Perspektive gibt den naiven Realismus des 'common-sense' und das praktische Interesse der Wissenschaft auf und löst sich von deren Faktizität (Geertz 1994: 76). Ihre Form steckt sowohl in der ausgedrückten medialen Form des Kunstwerks selbst, als auch in der besonderen Form, durch die lebende Künstler und ihre individuellen Schicksale in sie einfliessen (Geertz 1994: 119f). Die Kunst als Kulturelles-System erzeugt und akzeptiert dabei die Illusion, die unvollkommene Wirklichkeit, um sich mit den Dingen als solchen zu beschäftigen, mit ihren Erscheinungen, der Oberfläche. Sie verzichtet auf jeglichen Glauben, um Sinnqualitäten losgelöst von ihren gewöhnlichen Bedeutungen zu betrachten (Geertz 1994: 76f).

[...]


[1] Eine heutige institutionalisierte Fassung davon ist bspw. das sogenannte Weltkulturerbe, dass sich aus von der UNESCO als schutzwürdig erklärten Kunstwerken und Baudenkmälern zusammenstellt und dem später auch im Sinne eines Welterbes schutzwürdige Landschaftsregionen zugefügt wurden. Die Kulturgütern sind in der Welterbeliste (World Heritage List) als Rechtsgrundlage 1972 zusammengefasst und seit 1975 in Kraft (Brockhaus 1999: Weltkulturerbe; vgl. Anhang B).

[2] Wenn man die Perspektive an Personen festmachen möchte, so bieten die 'Klassiker' des Fachs einen Ansatz, wozu im zwanzigsten Jahrhundert u. a. zu rechnen sind: Leo Frobenius (1873-1938), Marcel Mauss (1872-1950), Eward Sapir (1884-1939), Benjamin Lee Whorf (1897-1941), Bronislaw Kaspar Malinowski (1884-1942), Julian Haynes Steward (1902-1971), Leslie Alvin White (1900-1975), Margaret Mead (1901-1978) (Marschall 1990: 5), Franz Boas (1858-1942), Alfred Louis Kroeber (1876-1960), Ruth Fulton Benedict (1887-1948), Ralph Linton (1893-1953), Abram Kardiner (1891- ), Emile Durkheim (1858-1917), A.R. Radcliffe-Brown (1881-1955), E. E. Evans-Pritchard (1902-1973 ), Claude Lévi-Strauss (1908-1990 ), Marshall D. Sahlins (1930- ) (Bohannan 1973: VIIff).

[3] Der Lehrplan des Faches Ethnologie an der Universität Mainz beinhaltet bspw. folgende Querverweise: Sozial, Wirtschaft, Weltauffassung (hierunter auch Religion), Recht, Politik, Entwicklung und Unterentwicklung, Geschichte, Museum, Literatur, Sprachwissenschaften, Soziologie, Philologie, Archäologie, Geschichte, Kognitive Ethnologie, kultureller und sozialer Wandel, Frauenforschung, Psychologie, Psychiatrie, Linguistik, Kunst, Musik, Bau, Wissenschaftstheorie, Ethik, Audiovisualität, Kulturgeschichte usw. (vgl. Studienordnung 1986).

[4] Victor Turner stellt in deutlicher Parallele zu diesem triadischen Modell drei Dimensionen auf, die bei Untersuchung von symbolischen Handlungen, Bedeutungen, Symbolen oder Symbolsystemen einer fremden Kultur erfasst werden müssen. Dies sind: die positionale Dimension (~Syntax), welche Beziehungen der Symbole untereinander untersucht, die operationale Dimension (~Semantik), die den Gebrauch der Symbole für Bedeutung analysiert, und die exegetische Dimension (~Pragmatik), welche die indigene Interpretation der Symbole erfasst (Gottowik 1997: 230f).

[5] Die Begriffe, respektive Definitionselemente sind hier assoziativ in dreizehn Kategorien eingeordnet. Die ursprüngliche Einteilung der Defintionselemente durch Kroeber und Kluckhohn ist in Anhang A dokumentiert. Nebenbei ist zu den Definitionen zu bemerken, dass zwischen der Definition von Tylor 1871 und dem Jahr 1920 nur sechs weitere Definitionen gefunden wurden, zwischen 1920 und 1950 die restlichen 157 (Kroeber/Kluckhohn 1963: 81, 292).

[6] Sie diskutieren dabei u. a. Wilhelm Dilthey, Talcott Parsons, Edward Shils, Antonio Gramsci, Ferdinand de Saussure, Robert K. Merton, Seymore Martin Lipset, Roland Barthes, Marshall Sahlins, Erving Goffman, Clifford Geertz, Jesse R. Pitts, Michael Walzer, Victor Turner, Mary Douglas, Carroll Smith-Rosenberg, E. P. Thompson, Michel Foucault, Pierre Bourdieu, Peter Berger, Wolfgang Schluchter, Robert Bellah, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Daniel Bell, Alvin Gouldner, Jean-Fraincois Lyotard, Jürgen Habermas, Andreas Huyssen (Alexander/Seidman 1990: Vf).

[7] Dabei werden zur tieferen Erläuterung je nach persönlichen Schwerpunkten und Zielsetzungen der Autoren dann Attribute, respektive Indikatoren in den Mittelpunkt gerückt, wie z. B.: Geschlecht, Rasse, Alter, ethnische Herkunft, Nationalität, Behinderungen, Religion, Familienstand, Status (Gesellschaft, Unternehmen, etc.), Persönlichkeit, Religion, sexuelle Orientierung, kulturelle Werte, Bildung, Sprachen, Hierarchieerfahrung, Fachkompetenz, körperliche Fähigkeiten, geographischer Standort, militärische Erfahrung, Einkommen, Familienstand, Arbeitserfahrung, Bildungsstand – und in alle möglichen 'problembezogenen' Kategorien unterteilt wie bspw. wahrnehmbar – kaum wahrnehmbar, primäre Dimensionen – sekundäre Dimensionen, usw. (Pietschmann 2001: 2f).

[8] Eine begrifflich brauchbare Unterscheidung zwischen Struktur und System trifft Geertz also nicht, wiewohl er beide benutzt, um sie scheinbar gegenseitig zu erklären, tatsächlich beschreibt er aber nur das eine durch das andere und setzt sie gleich (vgl. bspw.: Geertz 1994: 99f u. 134ff). Dies wird noch problematischer, wenn bedacht wird, dass bei Geertz die Gesellschaft (lat.: societas) und die Kultur als soziales Subsystem bzw. eigenständiges Äquivalent zur sozialen Struktur bzw. eigenständiger Part des sozialen Handlungssystems nicht direkt als Soziales-System bezeichnet, sehr wohl aber als solches behandelt wird. Im nachfolgenden konzentriere ich mich deshalb lediglich auf sein theoretisches Kulturverständnis.

[9] An dieser Stelle behauptet Geertz, nachdem er zuvor u. a. die Metaphern 'Gewebe bzw. Geflecht, Stadt, Ausführung eines Beethoven Quartetts' ausgiebig bebildert und in Bezug auf Kultur immer wieder interpretierend herangezogen hat: 'Das angemessene Bild einer kulturellen Organisation sei weder ein Spinnennetz noch ein Sandhaufen, sondern wäre besser mit einem Polypen zu vergleichen, dessen Arme weitgehend eigenständig funktionieren, die untereinander und mit dem, was beim Polypen als Gehirn gilt, nervenmäßig nur wenig verbunden sind, und der es dennoch zuwege bringt, als lebensfähiges, wenn auch recht ungeschicktes Wesen zurechtzukommen und sich zumindest eine Weile zu erhalten (Geertz 1994: 196).

[10] Ein weiteres von Geertz explizit herausgearbeitetes Kulturelles-System ist die Ideologie. Hierbei war es mir allerdings völlig unmöglich herauszubekommen, wie es sich von 'common-sense', Politik, Wissenschaft und etlichen anderen Querverweisen unterscheiden soll. Geertz grenzt es zwar scheinbar deutlich von anderen Systemen ab, trifft dazu aber immer solche Aussagen, die er im Licht anderer Aussagen wieder aufhebt, ohne dass er erklären würde warum (vgl. bspw. Geertz 1973: 204ff, 213ff, 217ff, 231ff). Allerdings hat er die hier skizzierten vier Kulturellen-Systeme auch erst einige Zeit nach der Darstellung der 'Ideologie als Kulturelles-System' entworfen, woraus sich vielleicht gewisse nicht entwirrbare perspektivische Überschneidungen ergeben haben.

[11] Hierunter sieht er: Wissenschaft, Kunst, Ideologie, Recht, Religion, Technik, Mathematik, Wissenschaft, Philosophie, Kunst, Ideologie, Kommunismus, Kapitalismus, Ethik, Erkenntnistheorie (Geertz 1994: 287), aber auch esoterisches Wissen, spezielle Technik, besondere Begabung, spezialisierte Ausbildung (Geertz 1994: 285) oder das Neue Testament, die Quantenmechanik (Geertz 1994: 275).

[12] Die Beschäftigung mit der wissenschaftlichen Perspektive zieht sich bei Geertz natürlich implizit und explizit, je nach Fragestellung verändernd, über sein gesamtes Werk, das selbst als ein besonderer Ausdruck der wissenschaftlichen Perspektive verstanden werden muss. Neben einigen theoretischen Entwürfen, auf die sich in dieser Arbeit beschränkt wird, spielt dabei natürlich seine Methodik bzw. die des Faches eine viel wichtigere Rolle. Eine Untersuchung seiner Methode hat bspw. Gottowik (1997) ausgearbeitet. Geertz Werk selbst ist gut gefüllt mit direkter und subversiver Kritik an seinem Fach und seinen Fachkollegen, insbesondere in: 'The Interpretation of Culture' (1973), 'Die künstlichen Wilden' (1993) und 'Spurenlesen' (1997).

Details

Seiten
144
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638115513
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2563
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Ethnologie
Note
1,0
Schlagworte
Diversitätsperspektiven Kulturanthropologie

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Titel: Diversitätsperspektiven in der Kulturanthropologie