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Friedrich II., sein Kreuzzug und Jerusalem

Seminararbeit 2002 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Biographie und Charakteristik Kaiser Friedrichs II.

2. Die Vorbereitungen zum Kreuzzug
2.1 Das Kreuzzugsversprechen Friedrichs II
2.2 Die Heirat mit Isabella II
2.3 Der misslungene Kreuzzugsaufbruch
2.4 Die Exkommunikation Friedrichs II. durch Papst Gregor IX

3. Der „Kreuzzug“ Friedrichs II.
3.1 Die Situation im Vorfeld des Kreuzzugs
3.2 Die Fahrt bis nach Jerusalem und der Vertrag von Jaffa
3.3 In Jerusalem

4. Friedrichs Rückkehr nach Italien
4.1 Die Abreise aus dem Heiligen Land
4.2 Der Sieg über die Widersacher in Italien
4.3 Der „Friede“ mit dem Papst

Schlussbetrachtung

Anhänge
Quelle 1: Das Kreuzzugsversprechen Friedrichs II
Quelle 2: Der Vertrag von Jaffa mit den Noten des Patriarchen Gerold von Jerusalem

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Kreuzzüge – eine der interessantesten und bedeutendsten Phasen der Geschichte. Bedeutend, da sich die religiösen Gegensätze im Heiligen Land und der Heiligen Stadt Jerusalem bis in die heutige Zeit politisch, wie auch gesellschaftlich-kulturell auswirken, wie der Konflikt zwischen Israel und Palästina nur allzu deutlich zeigt.

Interessant, weil sie mit einer Fülle schillernder Persönlichkeiten, einer Vielzahl neuer kultureller Einflüsse für die damalige Zeit und – leger ausgedrückt – jeder Menge Action aufwarten kann. Der neueste Roman Umberto Ecos „Baudolino“ und dessen Verkaufszahlen beweisen, dass das Thema Kreuzzüge nicht nur für Historiker, sondern auch für Freunde der Belletristik interessant, ja sogar unterhaltsam sein kann.

Während Eco der Kreuzzug Friedrich Barbarossas als Grundlage für seinen Roman diente, soll nun der „Kreuzzug“ Friedrich II. Gegenstand dieser Arbeit sein, ein Kreuzzug, der deutliche Unterschiede zum doch eher blutigen Unterfangen der vorangegangenen Kreuzzüge aufweist und vielleicht gerade deshalb umso bemerkenswerter ist. Den Verlauf von Friedrichs Kreuzzug nachzuzeichnen und die Besonderheiten herauszuarbeiten ist das Ziel dieser Arbeit.

1. Biographie und Charakteristik Friedrich II.

Ohne Zweifel gehört auch Friedrich II. zu den oben angesprochenen schillernden Persönlichkeiten der Zeit der Kreuzzüge. Der englische Historiker Mathaeus Parisiensis gab Friedrich II. in seinem Werk „Chronica Maiora“ im Jahre 1240, also noch zu Friedrichs Lebzeiten, den Namen Stupor Mundi et Immutator Mirabilis[1]. Doch wie kam es zu einer solchen Verherrlichung Friedrichs II. durch seine Zeitgenossen? Zumindest der erste Teil dieses Namens lässt sich größtenteils durch Friedrichs Lebensart erklären. Am 26. Dezember 1194 in Iesi bei Ancona geboren, wuchs Friedrich im Königreich Sizilien auf, stark beeinflusst von sarazenischen und arabischen Gebräuchen. Er wurde von arabischen Lehrern in der Philosophie und den Naturwissenschaften geschult, sprach sechs Sprachen, darunter auch arabisch und beschäftigte sich ausführlich mit dem Islam und dessen Gebräuchen. Er entwickelte eine ehrliche Sympathie für den Islam[2] und baute in Lucera eine ganze muslimische Stadt, mit Moschee und Religionsschulen auf. Sein ganzes Auftreten und Benehmen ähnelte mehr und mehr einem König eines sarazenischen Landes: Er umgab sich mit Eunuchen, hatte einen Harem mit vielen Sarazeninnen und schmückte sich mit orientalischem Gepränge.

All das brachte ihm hier und da den Ruf ein, er wäre mehr Muslim als Christ, was aber sicherlich nicht zutreffend war, da Friedrich trotz seines Interesses für östliche Gebräuche und seiner Sympathie für den Islam nach den Richtlinien des Christentums, nicht unbedingt nach denen der Kirche und des Papstes, lebte und seiner Religion treu war und blieb.

Gar nicht zu seinem Auftreten wollte sein äußeres Erscheinungsbild passen: Friedrich war klein, kurzsichtig, bartlos, neigte zur Fettleibigkeit und hatte rotblondes Haar.[3] Payne schreibt: „Natürliche Anmut ging ihm ab, außer wenn er auf seinem Pferd daherritt.“[4]

Friedrichs Charakter war geprägt durch seinen Hang zur Selbstdarstellung, seinen Egoismus und seine Launen, die nicht selten seine Entscheidungen beeinflussten und seinem Regierungsstil zum Teil chaotische Züge verliehen[5]. Er war kühl, grausam und unablässig darauf bedacht, seine Interessen durchzusetzen. So verfolgte er unerbittlich alle, die er als seine Feinde und Widersacher betrachtete.

Schon früh, nämlich bei seiner Königskrönung am 25. Juli 1215 in Aachen, gab Friedrich II. sein erstes Kreuzzugsversprechen ab, dass aber erst später politisch relevant werden sollte. Erst als er im Jahre 1220 durch Papst Honorius III. zum Kaiser gekrönt wurde, begann die Vorbereitungsphase für seinen Kreuzzug.

2. Die Vorbereitungen zum Kreuzzug

2.1 Das Kreuzzugsversprechen Friedrichs II.

Die Kaiserkrönung Friedrichs durch Papst Honorius war weniger ein Zeichen der Hochschätzung des Papstes für Friedrich, als vielmehr ein Entgegenkommen der Kirche, um Friedrich die Kreuzfahrt schmackhaft zu machen. Wie schon gesagt wurde Friedrichs Kreuzzugsversprechen von 1215 erst jetzt durch die Lage, in der sich die kirchlichen Kreuzfahrer im Osten befanden, relevant. Deren Kreuzzug war zunächst positiv verlaufen und im Frühjahr 1219 bot der ägyptische Sultan al-Kamil vor dem bevorstehenden Angriff auf Damiette und dem geplanten Vorrücken auf Kairo den Kreuzfahrern die Rückgabe des gesamten Königreichs Jerusalem an, wenn sich diese im Gegenzug aus Ägypten zurückziehen würden. Jedoch lehnte der päpstliche Legat Kardinal Pelagius, getrieben von der Hoffnung auf noch weiterreichende Erfolge, das Angebot jedoch ab und begann den Feldzug gegen Damiette, das im November 1219 erobert wurde. Um nun aber dem Gegenschlag des ägyptischen Heeres standhalten zu können und die Eroberung weiter vorantreiben zu können brauchte Pelagius Unterstützung.

Um diese Unterstützung gewährleisten zu können, war es des Papstes größtes Anliegen, den frisch gekrönten Kaiser zum schnellen Aufbruch zu bewegen. Friedrich II. verpflichtete sich dann auch bei seiner Krönung, im August 1221 ins Heilige Land aufzubrechen und die im April und Juni vorausgeschickten Truppen verkündeten die Nachricht der bevorstehenden Ankunft des Kaisers. Doch Pelagius unternahm gegen den Rat seiner militärischen Berater den Versuch Kairo ohne die Hilfe des Kaisers anzugreifen. Er wurde vernichtend geschlagen und zur Aufgabe des gerade gewonnenen Damiettes gezwungen.

Obwohl diese Niederlage eindeutig auf die militärische Fehlentscheidung des päpstlichen Legaten zurückzuführen war, wurde sie von der Kurie doch Friedrich II. angelastet.[6]

Es folgte eine große Kreuzzugsmüdigkeit der abendländischen Ritterschaft und erst 1224 wurden die Vorbereitungen für einen neuen Kreuzzug wieder aufgenommen. Umso nachdrücklicher verlangte die Kurie nun von Friedrich die Erfüllung seines Versprechens. Der Kaiser seinerseits war gewillt dem Drängen Folge zu leisten und intensivierte seine Vorbereitungen. Dennoch musste der Aufbruch auf Grund der schwachen Resonanz der europäischen Ritterschaft immer wieder aufgeschoben werden. In Anbetracht der Umstände wurde dies zunächst auch von Honorius III. großzügig gebilligt.

Im Juli 1225 trafen sich Kaiser Friedrich II. und Papst Honorius III. zu einem Gespräch in San Germano. Friedrich verpflichtete sich eidesstattlich, am 15. April 1227 ins Heilige Land aufzubrechen. Die genauen Verpflichtungen beider Seiten wurden im Vertrag von San Germano festgehalten.[7]

Der Kaiser verpflichtete sich, tausend Ritter für zwei Jahre auszurüsten und für zweitausend Ritter die Überfahrt zu bezahlen (Artikel 1 und 3) und darüber hinaus hundert Kriegsschiffe und fünfzig Galeeren in Dienst zu halten (Art. 4). Als Pfand sollte Friedrich 100 000 Goldunzen hinterlegen, die ihm beim endgültigen Aufbruch zur freien Verwendung im Dienst für das Heilige Land zurückgegeben werden sollten (Art. 5 und 6). Artikel 7 des Vertrages regelte die Haftung des sizilischen Königreiches im Falle des Vertragsbruchs oder des Ablebens des Kaisers, wodurch selbst Friedrichs Thronerbe noch zum Kreuzzug verpflichtet gewesen wäre. Endgültig gebunden wurde der Kaiser durch seine schriftlich und freiwillig gegebene Zustimmung, ihn bei Vertragsbruch mit dem Kirchenbann zu belegen (Art. 8 und 9). Der Vertrag von San Germano bedeutete für den Kaiser einerseits eine große Verpflichtung, der er in relativ kurzer Zeit nachkommen musste, wollte er der harten Strafe der Kirche entgehen. Andererseits bedeutete der Vertrag aber auch, dass die Vorbereitung und Durchführung des Kreuzzugs allein der Leitung des Kaisers anvertraut wurde.

[...]


[1] Vgl.: Payne, Robert: Die Kreuzzüge. Zürich 1986, S. 327.

[2] Vgl.: Ebd., S. 343.

[3] Vgl.: Ebd., S. 327 und Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge. Band 3: Das Königreich Akkon und die späteren Kreuzzüge. München 1960, S. 180.

[4] Ebd., S. 327.

[5] Vgl.: Ebd., S. 327f.

[6] Vgl.: Van Eickels, Brüsch: Kaiser Friedrich II. Düsseldorf, Zürich 2000, S. 145.

[7] Vgl.: Lautemann, Wolfgang und Schlenke, Manfred (Hrsg.): Geschichte in Quellen. Band 2: Mittelalter. München 1970, Quelle 442, S. 517ff. (Im Anhang abgedruckt auf Seite 21)

Details

Seiten
25
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638281706
ISBN (Buch)
9783640521906
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25598
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Mittelalterliche Geschichte
Note
gut
Schlagworte
Friedrich Kreuzzug Jerusalem Seminar Kreuzzüge

Autor

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