Lade Inhalt...

Landreformen in Lateinamerika

Hausarbeit 2003 19 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung einer Land Reform und ihre Ziele

3. Land Reform in Lateinamerika: historischer Hintergrund und Analyse

4. Negotiated Land Reform in Kolumbien
4.1 Das Neue Gesetz
4.2 Identifizierung von Begünstigten
4 .3 Landmarktbasis
4.4 Die produktiven Projekte
4.5 Training Programm
4.6 Erfolglose Fälle

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema der Landreform (LR) stellt einen sehr interessanten Bereich aus der Perspektive der Institutionen und der Agrarökonomie dar. Empirische Studien zeigen zum Beispiel, dass eine Landreform Gerechtigkeit und Produktivität erreichen kann, was zugleich zu einer Erhöhung der Wohlfahrt der Menschen führen kann.

Die Landverteilung ist ausserdem seit undenklichen Zeiten ein Grund für soziale Konflikte, Revolten und Revolutionen. Dies ist heutzutage klar zu beobachten in Ländern wie Brasilien und Kolumbien. Blutige Konflikte reflektieren, dass diese Länder zusammen mit Süd Afrika, die ungerechteste Landverteilung von Lateinamerika aufweisen (Deininger, 1999).

Im ersten Teil werden die Bedeutung einer Landreform und ihre wichtigsten Ziele erläutert. Im zweiten Teil wird eine Übersicht verschiedener Landreformen in Lateinamerika gegeben und Gründe für das Scheitern dieser aus der Literatur zusammengestellt. Der letzte Teil widmet sich dem Landreformsverfahren in Kolumbien.

2. Die Bedeutung einer Land Reform und ihre Ziele

"Get off this estate.
What for?
Because it is mine.
Where did you get it?
From my father.
Where did he get it?
From his father.
And where did he get it?
He fought for it.
Well, I’ll fight you for it."

(Carl Sandburg)

Eine Land Reform (LR) ist eine institutionelle Innovation bzw. ein Wandel, der vor allem eine Veränderung in der agrarischen Struktur erzielt. Eine agrarische Struktur besteht aus einem System von sozialen Beziehungen (Produktionsformen und die damit resultierenden Klassen) sowie einer Grundbesitzverfassung. Landreformen können somit die Form der Produktion, die Klassestruktur und die Grundbesitzverfassung ändern. Dies bedeutet weiter, dass Landreformen nicht nur eine reine Neuverteilung von Eigentumsrechten des Bodens darstellen, sondern auch eine mögliche Veränderung der Verfügungsrechte über diesen bedeutet[1].

Ziele der Landreformen lassen sich nach verschiedenen Autoren unterschiedlich formulieren. De Janvry (1981, P. 385) vertritt eine marxistische Definition, indem er LR als eine Innovation betrachtet, die versucht die ökonomischen und politischen Wiedersprüche zu beseitigen, ohne dass es eine Veränderung der vorherrschenden sozialen Verhältnissen gibt. Nach Janvry besteht eine LR nicht nur in der Veränderung von Gesetzten bezüglich der gerechten Umverteilung von Eigentumsrechten, sondern dient auch dazu den Status Quo der ländlichen Elite zu erhalten.

Dieses abgeleitete Ziel der LR entstand aus der möglichen Schlussfolgerung heraus, dass die Landreformen in Lateinamerika als eine institutionelle Wandlung betrieben wurden um soziale Unruhen zu beruhigen. Diese Strategie erzielte vor allem die Verhinderung von Revolutionen[2] und somit die Durchsetzung von sozialistischen Systemen.

Weitere Ziele der LR sind[3]: politische Ziele wie die Beseitigung von feudalistischen Strukturen und großem Bodenbesitz. Ökonomische Ziele wie die Verstärkung bzw. Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion, die Schaffung von zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten und die Verringerung der Auswanderung von den Bauern in die Städte. Soziale Ziele sind die Verbesserung der Einkommensverteilung und somit eine Armutsbekämpfung sowie die Förderung der ländlichen Entwicklung (Bergmann, 1980; Kuhnen, 1982; Banerjee, 1998).

Erwähnenswert für die Agrarökonomie ist die Annahme, dass unter bestimmten Umständen, die Landobergrenze bei einer Umverteilung die Produktivität erhöht. Empirische Daten zeigen, dass kleinere landwirtschaftliche Betriebe, die beispielweise von einer Familie geführt werden, je Qualität des Bodens, Opportunitätskosten für die Entlohnung der Familie, usw. produktiver sind als größere. Für die größeren entsteht ein Prinzipal-Agenten-Problem aufgrund der Distanzen und Irregularitäten in der landwirtschaftlichen Produktion, was zugleich die Überwachungskosten erhöht.[4] (Binswanger, H. und Deininger, K. 1997; Binswanger, H. et al, 1995; FAO,1997)

3. Land Reform in Lateinamerika: historischer Hintergrund und Analyse

Die Ergebnisse einer LR hängen im wesentlich davon ab, welche agrarischen Produktionsstrukturen vor der Durchführung einer LR vorherrschend waren und wie die gesamtwirtschaftliche Situation eines Landes aussieht. Die resultierenden Gruppen dieser Produktionsstrukturen mit den hinsichtlichten Verhandlungsfähigkeiten bestimmen die ökonomische Effizienz und die Stabilität des politischen Resultats eines Wandels.

In den Ländern Lateinamerikas waren diese oben genannten Produktionsstrukturen je Zeitperiode unterschiedlich. De Janvry (1981) erkennt drei Landproduktionsarten: semifeudal, capitalist und socialist, wobei die kapitalistische Art wiederum in Capitalist landed elites, farms und peasant zuzuordnen ist. Auf diese Weise stellten die Landreformen in Kolumbien (1961-67), Chile (1962-67) und Mexiko (1917-1934) einen institutionellen Wandel dar, welcher in einer semifeudalen Ordnung betrieben wurde (Vgl. Tabelle 1). Das den Bauern überlassene Land, war entweder unbebautes staatliches Land oder von der ländlichen Elite verlassenes Land. Diese Landreformen stellten die Beherrschung des semifeudalen Großgrundbesitzes über die Agrarstruktur nicht in Frage. Nach Bruce (1988) ist dennoch die LR in Mexiko durch die Revolution in den 30er Jahren zusammen mit der bolivianischen in den 50er, die größte. Die bolivianische LR fällt hierbei mit den asiatischen Reformen zusammen.

Die Landreformen in Bolivien (1952), Venezuela (1959), Ecuador (1964), Peru (1964-1969), Kolumbien (1968), Mexiko (1934-1940) und Chile (1967-1973) waren diejenigen, die hauptsächlich die Umwandlung von semifeudal zum kapitalistischen Großgrundbesitz gefördert hatten (Vgl. Tabelle 1). Implementierte Maßnahmen sind ein Minimumproduktionsniveau in der Landnutzung z.B. in Venezuela und Kolumbien, zusammen mit der Drohung von Enteignung sobald die Forderungen nicht erfüllt wurden sowie die Auferlegung von Landobergrenzen wie beispielsweise in Mexiko bis zum 200 Ha und 80 Ha in Chile.

[...]


[1] Banerjee, A. (1998) widmet sich zwei traditionelle Landreformsarten: die One-Shot Reform und die Land Reform with Compensation. Unter die alternativen Landreformen fallen die Market Assisted Land Reform und Tenancy Reform. Die drei erstere Landreformen beziehen sich auf die Übertragung von Land und die letzte auf die Veränderung der Verfügungsrechte des Pächters.

[2] Nach De Janvry (1981) ist eine Revolution zu vermeiden, denn sie ist die einzige, die die herrschenden Verhältnisse ändern kann.

[3] Einige Länder in denen LR erfolgreich durchgeführt worden ist wie in den westlichen asiatischen Ländern, zeigten nach der Implementierung ein nachhaltiges ökonomisches Wachstum. Doch die Erreichung dieser erwünschten Ziele sind mit negativen Externalitäten verbunden. Dieser Trade-off kommt auch in Brasilien auf, wo die Landreformverfahren ein verursachender Faktor von Abholzung des Regenwalds zu sein scheint (Alston et al, 1999; Binswanger und Deininger, 1997 und Vogelgesank, 1998)

[4] Hier ist die Frage der Betriebsgröße gemeint. Diese Frage fuhrt auf Williamson (1985, S. 149) züruck : Why cannot a large firm do everything that a collection of small firms can do and more? und ist ausführlich fokussiert für die landwirtschaftliche Betriebe bei Allen W. und Lueck D. (1998).

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638281225
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25526
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Wirschafts-und Sozialwissenschaften des Landbaus
Note
2
Schlagworte
Landreformen Lateinamerika Institutionen Politische

Autor

Zurück

Titel: Landreformen in Lateinamerika