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Frühgeburtlichkeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 26 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Definition und Epidemiologie

3. Die biologisch-medizinische Entwicklung des Frühgeborenen
3.1 Respiratorische Erkrankungen
3.2 Zentrales Nervensystem ( Gehirn)
3.3 Immunsystem
3.4 Magendarmsystem
3.5 Behinderungen

4. Psychosozial- emotionale Entwicklung des Frühgeborenen
4.2 Die Schulische Entwicklung des Frühgeborenen

5. Die Situation der Eltern

6.1 Belastungsaspekte
6.2 Eltern-Kind- Beziehung
6. Therapie
6.1 Physiotherapie
6.1.1 Känguruh Methode
6.1.2 Die Bobath und Vojta Methoden
6.1.3 Sensorische Integrationstherapie
6.1.4 Minihandling
6.2 Auditive Stimulation

7. Die Rolle der Sonderpädagogik
7.1 Frühgeburt: Eine interdisziplinäre Aufgabe
7.2 Beratung und Betreuung auf der Neonatologie
7.3 Sonderpädagogische Aufgaben auf der Neonatologie

8. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Verschiedene Ursache führen dazu, dass ca. vier bis neun Prozent aller Kinder vor der 38. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. Diese Frühgeborenen Kinder haben heutzutage bereits ab der 22. Schwangerschaftswoche Chancen zu überleben. Aufgrund der Unreife der Lunge haben die meisten Frühchen Probleme mit dem Atmen, was die Sauerstoffversorgung verschiedener Organe gefährdet. Das unreife Gehirn ist für viele andere Störungen verantwortlich. Behinderungen sind deshalb oft der Preis für das Überleben. Es gilt, je kleiner das Frühgeborene, desto grösser das Risiko einer Behinderung. Nebst den offensichtlichen körperlichen und geistigen Behinderungen, muss man heutzutage vermehrt feststellen, dass Frühgeburtlichkeit auch massive Folgen auf psychosozialer und emotionaler Ebene habe kann. Laut verschiedenen Studien weisen Frühgeborene signifikant häufiger Aufmerksamkeitsprobleme, soziale Probleme und hyperkinetische Symptome auf als reifgeborene Kinder. Auch in der Schule haben Frühgeborene Kinder massive Probleme. Verschiedene Belastungen, die eine Frühgeburt mit sich bringt, können die Eltern- Kind Beziehung stark beeinträchtigen. Gerade diese Beziehung ist jedoch für die Entwicklung des Kindes sehr wichtig.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten um die Folgen der zu frühen Geburt zu minimieren. Vor allem auf physiotherapeutischer Ebene gibt es viele Methoden, z. B. das ‚Känguruhn’, Bobath, Vojta, Sensorische Integrationstherapie, Basale Stimulation etc. Weiter gibt es die auditive Stimulation oder die Interaktive Frühförderung nach Sarimski. Behinderte Frühgeborene Kinder werden im Rahmen der heilpädagogischen Früherziehung gefördert. Doch nicht nur behinderte Frühgeborene, sondern der gesamte Bereich der Frühgeburtlichkeit ist für die Sonderpädagogik relevant. Denn Frühgeborene sind Risikokinder und bedürfen spezieller Förderung.

1. Einleitung

Es hat mich schon immer fasziniert, dass solche winzige, viel zu früh geborene Lebewesen mit gerade mal 500 Gramm, überleben können. Ich frage mich jedoch, was der Preis für dieses Überleben ist. Deshalb lautet meine erste Fragestellung: ‚Welches sind mögliche Folgen von Frühgeburtlichkeit?’Ich möchte anhand der Literatur und Studien herausfinden, was für Folgen eine zu frühe Geburt auf körperlicher und emotionaler Ebene haben kann.

Als Sonderpädagogin interessiert es mich natürlich auch, wie man mit diesen Folgen umgeht. ‚Was für Therapien werden angewendet?’ ist folglich meine zweite zu beantwortende Fragestellung.

‚Welche Rolle spielt die Sonderpädagogik?’ lautet die dritte Fragestellung. Mit dieser Frage möchte ich gerne herausfinden, welche Bedeutung der Sonderpädagogik im Bereich der Frühgeburtlichkeit zukommt.

Zuerst möchte ich einen kurzen Überblick über die Definition und Epidemiologie der Frühgeburtlichkeit geben. In Kapitel Drei gehe ich auf die biologisch-medizinische Entwicklung von Frühgeborenen Kindern ein. Dabei interessieren mich vor allem mögliche Behinderungen. Anschliessend beschäftige ich mich im vierten Kapitel mit der psychosozialen- emotionalen Entwicklung von Frühgeborenen. Im fünften Kapitel betrachte ich die Situation der Eltern: Ich befasse mich kurz mit den verschiedenen Belastungsaspekten die eine Frühgeburt mich sich bringt und der Eltern- Kind Beziehung. Im sechsten Kapitel gebe ich einen Überblick über verschiedene Therapiemöglichkeiten. Folgend mache ich mir in Kapitel Sieben Gedanken über die Rolle der Sonderpädagogik im Bereich der Frühgeburtlichkeit. In der Schlussfolgerung beantworte ich die oben beschriebenen Fragestellungen.

Literarisch stütze ich mich auf verschiedene Bücher und Artikel zum Thema. Viele interessante Informationen zu verschiedene Studien habe ich ausserdem im Internet gefunden. Leider sind die meisten Bücher zum Thema Frühgeburtlichkeit von Ärzten und Physiotherapeuten verfasst worden. Dennoch ist es mein Ziel, das Thema Frühgeburtlichkeit auch aus sonderpädagogischer Perspektive zu betrachten.

2. Definition und Epidemiologie

Ungefähr vier bis neun Prozent aller Säuglinge kommen zu früh zu Welt, d. h. vor der 38. Schwangerschaftswoche. Die meisten von ihnen haben ein Geburtsgewicht von unter 2500 Gramm. 20 Prozent dieser Frühgeborenen Kinder kommen vor der 31sten Schwangerschaftswoche zur Welt; dies sind die sogenannten ‚sehr frühen’ Frühgeburten. Bei einem Geburtgewicht von unter 2500 Gramm spricht man von einem niedrigen Geburtsgewicht (32. -37. SSW), bei weniger als 1500 Gramm (28.-32. SSW) von einem sehr niedrigen Geburtsgewicht und bei weniger als 1000 Gramm (22.-28 SSW) von einem extrem niedrigen Geburtsgewicht. (vgl. Aly 2002, 29; Dick et al. 1999, 19; Friese et al. 2000, 117; Vonderlin 1999, 9)

Heute haben Kinder bereits ab der 25. Schwangerschaftswoche, d. h. mit einem Gewicht von ca. 500 Gramm eine Überlebenschance. ( vgl. Vonderlin 1999,9) Die Swiss Society of Neonatology berichtet, dass es sogar Frühgeborene gegeben hat, die ab der 22. Schwangerschaftswoche überlebt haben. (vgl. http://www.neonet.ch/gestationsalter-d.doc)

Das Ausmass der Gefährdung des Neugeborenen wird durch den Apgar- Index beurteilt:

(Dick et al. 1999, 21)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

8 bis 10 Punkte: guter Allgemeinzustand

4 bis 7 Punkte: erhöhte Gefährdung

0 bis 3 Punkte: hochgradige Asphyxie, akute Gefährdung

Ursachen für eine vorzeitige Geburt können sein: (Dick et al. 1999, 19ff)

- Die Sauerstoff- und/ oder Nährstoffversorgung ist unzureichend
- Die Platzverhältnisse sind zu eng
- Die hormonelle Homöostase ist gestört
- Die Gebärmutter enthält zu wenig oder zu viel Fruchtwasser
- Infektionskrankheiten ( Gebärmutter, Fötus)
- Chronische Erkrankungen der Mutter
- Trauma
- Fetale Missbildungen oder andere Erkrankungen

Mortalität:

0,5 Prozent aller Neugeborenen sterben während der Geburt, davon sind 30 % Frühgeborene. Der Anteil Frühgeborener an der postnatalen Mortalität beträgt ca. 70 %. ( vgl. Friese et al. 2000, 117)

Die Mortalitätsrate der Frühgeborenen unter 1000 Gramm beträgt ca. 50 %. Ist das Kind zwischen 1000 und 1500 Gramm schwer überlebt es zu ca. 90 %. Ab 1500 Gramm ist die Sterblichkeitsrate unter einem Prozent. ( vgl. ebd., 376 ff)

3. Die biologisch-medizinisiche Entwicklung des Frühgeborenen

In diesem Kapitel möchte ich kurz auf die medizinischen Probleme von Frühgeborenen Kindern eingehen. Da ich das Thema Frühgeburtlichkeit unter einem sonderpädagogischen Gesichtspunkt betrachten will, gehe ich in Kapitel 3.6 detaillierter auf das Thema Frühgeburt und Behinderung ein.

3.1 Respiratorische Erkrankungen

„Das Umschalten auf die Energieversorgung durch Einatmen von Luft auf dem Weg durch die Lunge setzt die hinreichende Reifeentwicklung der Lunge voraus.“ (Strobel 1988, 38)

Das Hauptproblem eines Frühgeborenen ist also die Unreife der Lunge. Respiratorische Erkrankungen sind die häufigste Todesursache von Neugeborenen. (vgl. Dick et al. 1999, 28)

Eine Atemschwäche führt zu einem Mangel der Sauerstoffsättigung im Blut, was die Sauerstoffversorgung aller Organe, vor allem aber die des Gehirns gefährdet. ( vgl. Aly 2002, 30)

3.2 Zentrales Nervensystem (Gehirn)

Das Gehirn steuert fast alle Stoffwechselvorgänge, wie Atmung, Kreislauf, Temperatur und Muskelspannung. Durch die Unreife des Gehirns können Regulationsstörungen entstehen, die Atemstillstände, Herzfrequenzveränderungen etc. verursachen. Das unreife Gehirn ist besonders anfällig für Blutungen. Viele dieser Blutungen bleiben ohne Folgen, können aber das Hirn massiv schädigen. (vgl. Strobel 1988, 39)

3.3 Immunsystem

Frühgeborene sind besonders gefährdet durch Infektionen. Reife Neugeborene erhalten in den letzten drei bis vier Schwangerschaftswochen Immunstoffe ihrer Mutter. Genau diese fehlen dem Frühgeborenen. Der Inkubator bietet Schutz vor Erregern. (vgl. Strobel 1988, 39)

3.4 Magen-Darm-System

Infolge des unreifen zerebralen Nervensystems, ist oft auch die Verdauung eines Frühgeborenen gestört. Der kleine Magen ist of nicht in der Lage, die benötigte Menge Nahrung aufzunehmen. In solch einer Situation besteht die Möglichkeit, die Nahrung direkt in die Vene zu geben.

3.5 Behinderungen

„Immer kleinere und unreifere Babys können gerettet werden. Leider ist manchmal eine Behinderung der Preis für das Überleben.“ (Strobel 1988, 131)

Die oben beschriebenen postnatalen Probleme können Ursachen von Behinderung sein. Aber auch perinatale Komplikationen haben einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Frühgeborenen Kindes.

Im Folgenden möchte ich kurz auf die Ergebnisse von drei Studien zum Thema Frühgeburt und Behinderung eingehen. Da alle Studienergebnisse recht unterschiedlich sind, kann man keine allgemeingültigen Aussagen darüber machen, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Frühgeborenes Kind behindert sein wird.

Eine englische Studie aus dem Jahr 1995 untersuchte das Outcome von lebend geborenen, sehr kleinen Frühgeburten (Gewicht unter 500 Gramm) 30 Monate nach der Geburt: (vgl. Wood 2000)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Laut einer Studie von C. Hanke aus dem Jahre 2002, die 68 ehemalige Frühgeborene im Vorschulalter untersuchte, haben 22 Prozent der Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1000 Gramm eine schwere Behinderung, 39 Prozent eine leichte, 39 Prozent gar keine. Von den Frühgeborenen Kindern, die mit mehr als 1000 Gramm auf die Welt kamen, weisen 6 Prozent eine schwere Behinderung, 28 Prozent eine leichte, 66 Prozent gar keine Behinderung auf. (vgl. Hanke, 42ff)

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Details

Seiten
26
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638281171
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25518
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Sonderpädagogik
Note
1
Schlagworte
Frühgeburtlichkeit

Autor

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Titel: Frühgeburtlichkeit