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Sporttherapie bei Adipositas

Zwischenprüfungsarbeit 1998 22 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Adipositas
3.1 Definition
3.2 Die Krankheitsursachen von Adipositas
3.2.1 Psychische Faktoren
3.2.2 Genetische Faktoren
3.2.3 Soziale und familiäre Faktoren
3.3 Adipositasformen
3.4 Folgekrankheiten von Adipositas
3.5 Kombinationen zur Sporttherapie bei Adipositas
3.5.1 Formula-Diäten
3.5.2 Fettreduzierung und unbegrenzte Kohlenhydratzufuhr
3.5.3 Verhaltenstherapie
3.5.4 Körpertherapie

4. Sporttherapie
4.1 Definition
4.2 Allgemeine Verhaltensänderungen
4.3 Muskelstoffwechsel
4.4 Auswahl der Sporttherapieform

4. Zielsetzungen der Sporttherapie

5. Lebenslanger Sport

6. Schlußbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

In westlichen Ländern sind die Menschen seit einigen Jahrzehnten in der Lage, aus einem noch nie dagewesenen und schier unerschöpflichen Lebensmittelsortiment auszuwählen. Die unbeschränkte Verwendung von Nahrungsfetten und die eingeschränkte körperliche Bewegung führen zu einem Konflikt mit den entwicklungsbiologischen Programmen und begünstigen bei entsprechend veranlagten Menschen ein übergewichtiges Erscheinungsbild mit den gesundheitlichen Risiken, die heute bekannt sind (vgl. Pudel, Ernährung, in: Psychotherapie der Eßstörungen, hrsg. von Reich und Cierpka, 1997, S. 25). Die mangelnde körperliche Bewegung wird besonders durch die soziale Entwicklung im Industriezeitalter von einer Arbeiter- in eine Dienstleistungsgesellschaft gefördert und führt zu Zivilisationskrankheiten. Schätzungen gingen 1997 davon aus, daß 30-50% der Wohnbevölkerung übergewichtig sind und damit Kosten in Höhe von 100 Milliarden DM im Gesundheitswesen verursacht werden (vgl. ,,Allgemeine Medizin", 1997; 73: S. 151). ,,Das deutsche Gesundheitsministerium beziffert die Folgekosten der Adipositas pro Jahr auf 30 Milliarden DM" (http://www.adipositas-brief.de/ausgaben/brief03/adi39702.htm).

Aufgrund dessen soll anhand dieser Arbeit dargestellt werden, weshalb gerade die Sporttherapie als ein Teil der kombinierten Therapie bei Adipositas (Fettsucht) eine immer größer werdende Rolle aufgrund ihrer Erfolge während und auch nach der Behandlung in unserer Gesellschaft spielen wird.

In Kapitel 3 werden das Krankheitsbild, die Ursachen, die Krankheitsformen und häufige Folgekrankheiten von Adipositas ausführlich dargestellt, da ihre Ausprägungen individuell sehr unterschiedlich sind und in engem Zusammenhang zur Therapieform stehen sollten. Neue Erkenntnisse der Forschung werden hier zusammengefaßt und sollten bestehende Vorurteile gegenüber Adipösen abbauen.

Eine Therapie von Adipositas ist angezeigt, weil die Erkrankung bei vielen Betroffenen zu Einschränkungen im alltäglichen Leben führt, sie diese gehäuft über ihr Äußeres klagen läßt und sich eine einstellende Unbeholfenheit aufgrund der Leibesfülle zu Bewegungseinschränkungen führen kann. Diskriminierung durch die Gesellschaft im täglichen Leben, z.B. beim erschwerten Bekleidungskauf durch zu kleine Konfektionsgrößen oder zu eng bemessene

Sitzplätze in Bussen und Flugzeugen, gehören für die meisten Adipösen dazu. Dieser gesellschaftliche Druck trägt meist zur Entstehung von Minderwertigkeitsgefühlen oder zu deren Verstärkung bei. Die daraus resultierende soziale Isolation steht in engem Zusammenhang mit erneuter Gewichtszunahme, die durch ,,Frustessen" und gesteigerten Bewegungsmangel zum Ausdruck kommt.

Nicht nur externe Erschwernisse, sondern auch die überbeanspruchten Organsysteme, wie z.B. das Herz-Kreislauf-System, machen vielen Betroffenen zu schaffen. Viele Folgekrankheiten sind mit dem Gewichtsverlust reversibel, der leider nicht oft und selten dauerhaft erreicht wird. Da die bisherigen Verhaltenstherapien nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, ist zu überlegen, ob die Forschung nicht neue Wege gehen und andere Therapieelemente wie Sport und Bewegung noch weiter in den Vordergrund rücken sollte.

Der Sport ist ein therapeutisches Mittel, das seinen Beitrag in Form von Ausdauersportarten, Ballsportarten und Kraftsport sowohl in der Prävention als auch in der Langzeittherapie und Nachbehandlung von Adipositas leisten kann, da er individuell gestaltet werden und die Betroffenen unterstützen kann.

Zur Bearbeitung des Themas dient Fachliteratur aus den Bereichen Psychologie, Medizin und Sportwissenschaften. Zudem werden Erkenntnisse aus Internetveröffentlichungen herangezogen und zur besseren Darstellung einige Grafiken verwendet.

3. ADIPOSITAS

Um ein Grundlagenverständnis für die Adipositas und deren Therapie zu schaffen, befaßt sich dieses Kapitel ausführlich mit Definition, Krankheitsursachen, Adipositasformen und möglichen Folgekrankheiten. Darauf aufbauend erklären sich die unterschiedlichen Therapieformen, unter denen die Sporttherapie eine besondere Stellung einnimmt.

3.1 Definition

Bei der Adipositas, auch Fettsucht genannt, handelt es sich um eine der häufigsten ernährungsabhängigen Erkrankungen, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind. Adipositas ist das Symptom einer gestörten Energiebilanz, bei der das Körperfett und das Körpergewicht durch eine erhöhte Energiezufuhr im Vergleich zum Energiebedarf wesentlich erhöht sind.

Die Bezeichnung ,,Adipöser" wird nachfolgend dem Begriff ,,Fettsüchtiger" vorgezogen, da sie den Adipösen weder vorschnell als Süchtigen betitelt noch im Sprachgebrauch diskriminiert (vgl. Uexküll, 1990, S. 565).

Adipositas beginnt ab einem BMI (,,Body-Mass-Index") von 30 und extreme Adipositas definitionsgemäß ab einem BMI von 40. Der BMI wird aus dem Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat errechnet und dient zur Klassifikation des Körpergewichtes. Beispielsweise hätte eine 1,75 m große Person mit 70 kg Körpergewicht einen BMI von 22,8 und somit keine Adipositas (BMI = 70: 3,06 = 22,8).

Leider läßt der BMI unberücksichtigt, daß zwei Personen mit gleichem BMI einen sehr unterschiedlichen Körperfettanteil haben können. Da viele Verfahren zur Körperfettmessung kosten- und zeitintensiv sind, bietet sich hier die Bioimpedanzanalyse an, bei der ein ungefährlicher Schwachstrom ausgehend von einer Wiege- bzw. Meßplattform durch den Körper geleitet wird. Bezogen auf das Körpergewicht, Körpergröße und Fließgeschwindigkeit wird das Körperfett automatisch berechnet. Das Verfahren bietet größtmögliche Meßgenauigkeit bei einfacher und preiswerter Handhabung. Gute Werte liegen für Männer bei 14-23% und bei Frauen zwischen 17-30% Körperfett in Abhängigkeit vom Alter.

3.2 Die Krankheitsursachen

Die häufigsten Krankheitsursachen in unserer Überflußgesellschaft sind Bewegungsarmut und übermäßige Nahrungsaufnahme. Beide Faktoren besitzen nicht mehr primär lebenserhaltende Funktionen, sondern vielseitige psychische, genetische, familiäre und soziale Aufgaben. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben, es soll nur verdeutlicht werden, wie vielfältig die Ursachen für Adipositas sein können.

3.2.1 Psychische Faktoren

Störungen im Lernprozeß in der frühen Kindheit durch unangemessenes Zufüttern bei allen Äußerungen von Mißempfindungen des Säuglings können eine Störung der Wahrnehmung von Hunger und Sättigung sowie des Körperschemas anlegen (vgl. Steinhausen, 1993, S. 180). Dies könnte dazu führen, daß Essen aufgrund der Vorerfahrung andere Aufgaben als nur die der Sättigung übernimmt.

Besonders fetthaltige Speisen wie Fleisch, Butter und Schokolade sind meist der Inbegriff der Belohnung und des Trostes. Man tut sich etwas ,,Gutes" mit Lebensmitteln, die z.B. in den Kriegs- und Nachkriegsjahren knapp waren und geschmacklich bevorzugt wurden (der Vater bekam am Sonntag Fleisch, das Kind Schokolade, wenn es artig war). Geschmacksbevorzugungen entstehen durch Gewohnheitsbildung, Beobachtungslernen (Eltern als Modelle) und durch kognitive Bewertung der Sinneswahrnehmung.

Diese Innensteuerung wird in neuer ernährungswissenschaftlicher Literatur nicht unbedingt berücksichtigt, da Autoren wie Pudel und Westenhöfer die Meinung vertreten, daß ,,bis heute nicht genügend bestimmte Persönlichkeitsmerkmale gefunden wurden, die erklären, warum Adipöse soviel essen" (Pudel/Westenhöfer, 1998, S. 137). Es würde aber erklären, warum gerade fettkalorienreiche Nahrungsmittel wie Schokolade und Braten gegessen werden.

Eine weitere mögliche Ursache für Adipositas könnte sein, daß bestimmte Lebensmittel ab Mitte der 60er Jahre unter die Verbotsempfehlungen der Ernährungsberatung für Adipöse fielen und als ungesund eingestuft wurden, da der Kaloriengehalt (er beschreibt die Energiemenge in Lebensmitteln) sehr hoch ist. Nicht mehr nur die Belohnung, sondern auch das ,,Verbot" verleitet viele Adipöse zur Präferenzbildung gerade dieser Lebensmittel durch ihre künstliche Verknappung (vgl. Pudel, Ernährung, in: Psychotherapie der Eßstörungen, hrsg. von Reich und Cierpka, 1997, S. 12). Dies würde auch erklären, warum viele Adipöse fetthaltige Nahrungsmittel den kohlenhydrathaltigen vorziehen.

3.2.2 Genetische Faktoren

Bis vor wenigen Jahren wurde dem genetischen Faktor für Adipositas wenig Bedeutung beigemessen, bis die Genforschung Mitte der 90er Jahre das obesitas-Gen, dessen Produkt ,,Leptin" den Hunger hemmt und die physische Aktivität steigert, isolieren konnte. Wenn dieses Gen fehlt, kommt es erst zur späteren Hemmung der Nahrungsaufnahme, was eine erhöhte Kalorienzufuhr zur Folge hat. Eine weitere Ursache kann in der Fehlprogrammierung des ,,Set-Points" liegen, wenn die Genaktivität vorhanden ist. Die Set-Point-Theorie geht von einem individuell variierenden idealem biologischem Gewicht aus, welches der Körper nach dem Prinzip der Homöostase (Gleichgewicht) reguliert und sich gegen Gewichtsveränderungen wehrt. Für Adipöse wird demnach ein höheres ideales Körpergewicht angenommen. Zur Zeit gibt es aber noch keine Erkenntnisse über die Verwendung dieser Ergebnisse für eine Therapie von Adipositas (vgl. Pudel, Ernährung, in: Psychotherapie der Eßstörungen, hrsg. von Reich und Cierpka, 1997, S. 18). Auch Mastversuche an eineiigen Zwillingen zeigten, daß Menschen bei vergleichbarer Überernährung sehr unterschiedlich an Gewicht zunehmen, was im Zusammenhang mit der Set-Point-Theorie ebenfalls diskutiert wird (vgl. Pudel/Westenhöfer, 1998, S. 150).

Zusätzlich werden Vermutungen über ein Inaktivitätsgen angestellt, welches gekoppelt mit anderen Gendefekten mangelnde Bereitschaft zur Bewegung und in Kopplung mit vermehrter Kalorienzufuhr zum Übergewicht führt. Die erhöhte Nahrungsaufnahme ist u.a. an die Wahrnehmung des Magenfüllungszustandes und die Sättigungsmeldung vom Gehirn geknüpft. Beides kann erblich bedingt gestört sein (vgl. http://banding.ch/Adipositas/Adipositas.htm).

Für die Wirksamkeit von genetischen Faktoren spricht ebenfalls, daß eineiige Zwillinge, die getrennt aufwachsen, hinsichtlich des BMI ähnlicher sind als zweieiige Zwillinge, die getrennt aufwachsen. Außerdem stammen adipöse Kinder häufig von adipösen Eltern ab, wenngleich hier Interaktionen von Umweltfaktoren und genetischer Prädisposition wahrscheinlich sind (vgl. Steinhausen, 1993, S. 180).

Von den primär endokrinen und metabolischen Erkrankungen (Erkrankungen der Hormondrüsen und des Stoffwechsels) sind nur wenige der fettsüchtigen Personen (~2%) betroffen. Diese Störungen gehen häufig mit Fettleibigkeit einher, aber auch nur dann, wenn dem Körper genügend Kalorien zugeführt werden. Viele Stoffwechselerkrankungen sind meist sekundär und mit Beseitigung der Adipositas bis zu einem gewissen Grad auch reversibel. Dazu gehört insbesondere der Diabetes mellitus.

3.2.3 Soziale und familiäre Faktoren

Nicht nur die ,,Außenreizabhängigkeit" durch absatzorientiertes Marketing, sondern auch verminderte Wahrnehmung der Körpergefühle werden als Ursachen in unserer heutigen Gesellschaft für das bestehende Eßverhalten genannt. Essen ist überwiegend positiv gesellschaftlich determiniert, sei es das Geschäftsessen oder der Ein- und Ausstand mit Sekt, Kaviar, Butterbrötchen und Kuchen. Bei diesen Veranstaltungen fällt es eher schwer, sich dem zu fettigen Essen zu entziehen, aber wenn Großmutter oder Mutter fetthaltig kochen, wird Nichtessen besonders kritisch, ja fast unmöglich. Vielfach wird dies als Liebeszurückweisung interpretiert und kann zu familiären Spannungen führen.

3.3 Adipositasformen

Adipositas kann sich unterschiedlich auf den Körper bezüglich der Fettverteilung und -entstehung auswirken, was bei vorhandenen Folgekrankheiten und der Wahl der Therapie von großer Bedeutung sein kann.

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Details

Seiten
22
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638115360
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2532
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Institut für Sportwissenschaften
Note
bestanden
Schlagworte
Sporttherapie Adipositas

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Titel: Sporttherapie bei Adipositas