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Didaktische Analyse zweier Schulgeschichtsbücher zum Gegenstand des deutschen Bauernkrieges mit einem ausführlichen Exkurs über theoretische Gesichtspunkte der Schulbuchanalyse

Hausarbeit 1999 19 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 METHODISCHE VORÜBERLEGUNGEN ZUR DIDAKTISCHEN ANALYSE VON SCHULBÜCHERN

3 ANALYSE DER SCHULBÜCHER
3.1 QUANTITATIVE INHALTSANALYSE
3.1.1 Inhalt und Ordnung
3.1.2 Statistische Materialerfassung
3.2 QUALITATIVE INHALTSANALYSE
3.2.1 Inhaltliche Einordnung der Kapitel in den Kontext
3.2.2 Dimensionen historischer Erfahrung
3.2.3 Gliederungsprinzipien der Kapitel
3.2.4 Gegenwartsbezug

4 AUSWERTUNG

5 SCHLUß

6 LITERATUR

1 Einleitung

Die Begegnung und Auseinandersetzung mit Geschichte ist nur über Medien möglich, d.h. über Realisationen eines historischen Bewußtseins: Darstellungen und Quellen der Geschichte. Somit ist auch jede Lehrererzählung ein Medium, wir wollen uns jedoch im Folgenden nur auf die Medien beschränken, die den Charakter von Unterrichtsmaterialien besitzen oder in ihrem Sinne verwendet werden. Unter den darstellenden Medien ist im Geschichtsunterricht kein anderes Arbeitsmittel so häufig im Gebrauch wie das Schulgeschichtsbuch. Laut Umfragen von Anwander/Timmermann/Müller benutzen 80% der Geschichtslehrer das Schulgeschichtsbuch häufig im Unterricht, rund drei Viertel ziehen es auch zur Unterrichtsvorbereitung heran. Knapp ein Drittel der 642 befragten Lehrer arbeitete im Durchschnitt zwischen 25 und 30 % der Unterrichtszeit mit dem Buch.1 Diese Aussagen erlauben es freilich nicht, die wirkliche Bedeutung des Schulbuchs konkret einzuschätzen, lassen jedoch den Schluß zu, daß das Schulgeschichtsbuch als Informationsträger für Lehrer und Schüler gleichermaßen dient und einen großen struktualistischen Anteil an dem didaktischen Aufbau der Unterrichtseinheiten hat.

Hieraus leitet sich die Forderung und Notwendigkeit ab, das in den Büchern niedergelegte Schulwissen systematisch und kontinuierlich zu analysieren. Dieses soll in dieser Arbeit exemplarisch an dem Gegenstandsbereich "der Deutsche Bauernkrieg" geleistet werden. Dafür wurden zwei Schulgeschichtsbücher2 für die Sekundarstufe I ausgewählt:

- Hug, Wolfgang, Danner, Wilfried und Busley, Hejo: Geschichtliche Weltkunde, Band 2. Frankfurt am Main 1977.3
- Bernlocher, Ludwig, Furth, Peter u.a.: Geschichte und Geschehen, Band.Z. Stuttgart 1987.4

Die Kriterien für die Auswahl dieser Bücher waren vor allem: Die gleiche Adressatenschaft (Sek.I), sowie ein deutlicher Unterschied im Erscheinungsjahr der beiden Werke. Das zweite Kriterium wurde in der Erwartung gewählt, Unterschiede im Bereich der didaktischen Aufbereitung feststellen zu können.

2 Methodische Vorüberlegungen zur didaktischen Analyse von Schulbüchern

Der erste Schritt der Schulbuchanalyse wird sein, sich eine genaue Übersicht über die inhaltliche Struktur der zu bearbeitenden Materie zu verschaffen. Dies soll mit Hilfe einer quantitativen und qualitativen Inhaltsanalyse geschehen. Mit der Bezeichnung quantitativ wird dabei eine statistische Semantik verstanden, welche dazu dient, die Häufigkeit von Textbestandteilen, -einheiten, Motiven usw. zu bestimmen.

Unter qualitativ wird, in Anlehnung an die Erkenntnisse der Gestaltpsychologie die Prämisse vertreten, daß häufig erst der Zusammenhang einzelner Sujets die Richtung (Valenz) des Gesamtmaterials angibt. Aufgabe der qualitativen Analyse ist es somit, die dem Material - immanenten multiplen Konnotationen, die verschiedenen Interpretations- möglichkeiten, bzw. .latenten Sinnstrukturen herauszuarbeiten.5

Konkret ergeben sich aus den zwei oben benannten Untersuchungskriterien folgende Arbeitsschritte :

Im Bereich der quantitative Inhaltsanalyse ergeben sich derer zwei; Zuerst soll eine kurze Inhaltsangabe eine Übersicht über die im Material dargestellte und behandelte Thematik vermitteln. Der zweite Arbeitsschritt soll diese Übersicht um eine statistische Erfassung des Materials nach den Gesichtspunkten des Umfanges und der Häufigkeit verschiedener Elemente der Darstellung, ergänzen.6

Im Bereich der qualitativen Analyse haben wir fünf Arbeitsschritte:

Im ersten soll das behandelte Kapitel des Schulgeschichtsbuches in den ihn umfassenden Kontext gesetzt werden, um so die Frage nach der Kontinuität und inhaltlichen Zuordnung der einzelnen Kapitels im Gesamtkomposium des Buches beantworten zu können.7

Zweitens soll das Arbeitsmaterial auf seine Dimension in der Darstellung historischer Erfahrungen hin untersucht werden. Solche Erfahrungsdimensionen lassen sich wie folgt unterscheiden: Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Diese Unterscheidung entspricht sowohl heutiger vor- und außerwissenschaftlicher lebensweltlicher Erfahrung als auch einer üblichen Differenzierung von Betrachtungsweisen in der Geschichtswissenschaft. Diese Dimensionen sollen identifiziert und auf die Darstellung ihrer Interpendenzen hin befragt werden.8

Der dritte Punkt wird sich eingehender mit den Hilfsmitteln der Darstellung im Schulbuch befassen. Unter Hilfsmitteln seien dabei alle Gestaltungs- elemente des zu behandelnden Kapitels gemeint. Darunter sind alle (vom Verfasser formulierten) Überschriften des Kapitels, alle Bilder und bildhaften Darstellungen (Karten, Schaubilder), alle Texte, seien es Quellen oder Darstellungen und zuletzt alle Arbeitsvorschläge zu verstehen. Anhand der inhaltlichen Besprechung der Hilfsmittel sollte es möglich sein festzustellen, nach welchen Gliederungsprinzipien das Kapitel aufgebaut ist. Erst durch die Aufdeckung der grundlegenden Strukturen kann die Art und Weise der Darstellung ermittelt werden. Nach diesem Arbeitsschritt sollte zu beantworten sein, ob die gegebenen Informationen des Kapitels eher verlaufsorientiert oder problemorientiert sind, ob der im Kapitel erörterte Gegenstand poly- oder nur monoperspektivisch dargestellt wird und ob eine eigene Urteilsbildung vom Leser verlangt wird.9

Dem letztgenannten Aspekt wird im vierten Punkt noch nähere Aufmerksamkeit geschenkt, wobei die Hilfsmittel der Darstellung in ihrer Auswahl, Präsentation und eventuell dazu erdachten Arbeitsvorschläge daraufhin untersucht werden müssen, inwieweit sie den Leser bei seiner Urteilsbildung beeinflussen. Dieser Schritt der Untersuchung nimmt zur Prämisse, daß bewußt oder unbewußt, gewollt oder ungewollt bei der Auswahl der Hilfsmittel, der Komposition derselben sowie der Formulierung von Arbeitsaufträgen Intentionen und Interpretationsmuster des Verfassers mit in die Arbeit einfließen. Die Auslassung bestimmter Bereiche oder ihre Überbetonung wird zu interpretieren versucht.

Durch das Bewußtmachen und die Ermittlung von Implikationen und den Proportionen der ausgewählten Materialien sollte es möglich sein, das den Hilfsmitteln immanente Geschichtsverständnis und Menschenbild zu erfassen und auf seine ideologischen Motive hin kritisch zu befragen.10 Im fünften und letzten Punkt soll untersucht werden, inwieweit zwischen dem historischen Stoff und dem Bedingungsgefüge unseres heutigen Daseins eine Korrelation hergestellt wird, d.h. ob versucht wird, einen Gegenwartsbezug herzustellen bzw. dazu aufgefordert wird, einen solchen selbst zu suchen.11

Der zweite große Schritt der Schulbuchanalyse wird die abschließende Auswertung und Bewertung der oben angeführten Untersuchungspunkte mit der Frage nach den Arbeitsmöglichkeiten, die das aus dem Schul- geschichtsbuch ausgewählte Kapitel für die Schüler, wie auch den Lehrer bietet, sein. Die Frage nach der sachlichen Richtigkeit, also der Übereinstimmung der dargelegten Probleme mit der in der Wissenschaft vertretenen Auffassung (bzw. den Auffassungen), sowie der korrekten Zitation und unveränderten Darstellung von Quellen in Schrift und Bild, Bundesrepublik. Düsseldorf 1973.28-29. kann, schon allein aufgrund des Umfangs der Arbeit, nur untergeordnet behandelt werden.

3 Analyse der Schulbücher

3.1 Quantitative Inhaltsanalyse

3.1.1 Inhalt und Ordnung

Bei Hug/Danner/Busley werden zum Einstieg in das Kapitel Beschwerden von Bauern über soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten ihnen gegenüber seitens der Obrigkeit dargestellt. In diesem Zusammenhang wird Luthers Stellung zu den Beschwerden der Bauern eingebracht. Sodann werden soziale, wirtschaftliche, religiöse und politische Forderungen von Bauern sowie ein Auszug aus den "Zwölf Artikeln" dargelegt. Anschließend werden Bauernaufstände und deren Niederlage, sowie Luthers Ablehnung von Gewalteinsatz dargestellt. Am Ende werden die Folgen der gescheiterten Aufstände aufgezeigt.

Der Aufbau der Kapitel des Buches sowie die Abfolge der Hilfsmittel ist annähernd homogen und kann daher mit einer gewissen Allgemeingültigkeit dargestellt werden:

Zuerst kommt ein darstellender Textabschnitt, gefolgt von einem dazu inhaltlich ergänzenden schriftlichen Quellenauszug. Statt des Quellenauszuges kann auch ein didaktisch reduzierter Abschnitt aus einem wissenschaftlichen Werk folgen. Am Ende einer solchen Mikroeinheit eines Kapitels stehen Arbeitsvorschläge. Gerade beschriebene Elemente kommen in einem Kapitel in zwei- bis dreimaliger Abfolge vor, also in etwa:

Textabschnitt -Quellenauszug - Arbeitsvorschläge -Textabschnitt - wissenschaftlicher Textauszug - Arbeitsvorschläge -usw.

Eine solche Einheit ist immer mit bildhaft darstellenden Hilfsmitteln durchsetzt (Karten, Bilder, Schaubilder, Statistiken), deren Position im Komposium eines Kapitels ist jedoch unregelmäßig. Zudem werden alle verschiedenen schriftlichen Elemente eines Kapitels ihrer Gattung nach (darstellender Textabschnitt, Quellenauszug etc. ) verschiedenfarbig dargestellt und lassen sich so sehr leicht voneinander unterscheiden.

Bei Bernlocher/Furth wird am Anfang des Kapitels die soziale und politische Lage von Bauern sowie deren Forderungen nach Wiederherstellung des "alten Rechts" dargestellt. Sodann wird der Legititmationsversuch dieser Forderungen durch Berufung auf Luther und die Heilige Schrift angeführt. Anschließend wird die Erhebung und Niederschlagung von Bauern aufgezeigt.

Der Aufbau der Kapitel des Buches sowie die Abfolge der Hilfsmittel 'ist annähernd gleich und kann so mit einer gewissen Allgemeingültigkeit dargestellt werden:

Am Anfang eines Kapitels befindet sich ein darstellender Textabschnitt, mit Randbemerkungen, welche stichwortartig den Inhalt einzelner Abschnitte wiedergeben. Daraufhin erfolgt, graphisch von dem Text abgetrennt, eine definitionsartige Erläuterung von zentralen Begriffen des vorangegangenen Textes. Im Weiteren erfolgen schriftliche Quellenauszüge. Die bisher aufgezählten Elemente sind unregelmäßig durchsetzt von bildhaften Darstellungen (Bilder, Karten, Statistiken). Zum Schluß des Kapitels kommen Arbeitsvorschläge, die sich auf alle bisher aufgeführten Hilfsmittel beziehen können.

3.1.2 Statistische Materialerfassung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Qualitative Inhaltsanalyse

3.2.1 Inhaltliche Einordnung der Kapitel in den Kontext

Bei Hug/Danner/Busley wurde das Kapitel "Der deutsche Bauernkrieg" mit anderen Kapiteln zusammen unter der Gesamtüberschrift "Glaubensspaltung oder G1aubenskrieg" subsumiert. Zu Beginn dieses Großkapitels stehen (farblich abgehoben) Lernziele formuliert, die in abstrakter Weise darzustellen versuchen, was nach Bearbeitung der einzelnen gelernt worden sein sollte. Am Ende des Großkapitels befinden sich in ähnlicher Form Aufgaben zur Kontrolle der Lernziele. Durch diese Zusammenfassung der einzelnen Kapitel unter dem Gesamtkomplex Glaubensspaltung - Glaubenskriege wird ein übergreifender thematischer Zusammenhang der einzelnen Kapitel in Bezug auf das Gesamtthema impliziert. Ein direkter sachlicher Zusammenhang der einzelnen Kapitel ist nicht unbedingt ersichtlich. Im Vorwort des Buches ( ebenda, Seite V) wird darauf hingewiesen, daß bei der Darstellung der einzelnen Themen die Absicht bestand, nicht eine chronologische Ereignisabfolge darzustellen, sondern vielmehr Zusammenhänge so zu ordnen, daß eine "Struktur" einzelner geschichtlicher Einheiten zu erkennen ist. Dieses Vorhaben erscheint im Falle des zu untersuchenden Kapitels und in seinem Kontext gelungen.

[...]


1 Anwander,G. und Timmemlann, J.: Geschichtliches Interesse. 86. Müller, Hans.: Zur Effek1i"ität desGeschichtsunterrichts. 57.

2 Die beiden Schulgeschichtsbücher werden im Weiteren aus evidenten Gründen nicht mehr in den Anmerkungen vermerkt und im Text in abgekürzter Form zitiert. 4 Zitiert: Remlocher, Furth.

3. 3 Zitiert: HugiDanner/Busley

4 4 Zitiert: Remlocher, Furth.

5 Koch, Horst: Inhaltsanalyse -Methodische Überlegung zur Untersuchung von Schulbüchern, in: Stein, Gerd (Hrsg.): Schulbuchanalyse und Schulbuchkritik. Duisburg 1976. 9-13.

6 Hug, Wolfgang: Geschichtsunterricht in der Praxis der Sekundarstufe I -Befragungen, Analysen und Perspek-tiven. Frankfurt am Main, Berlin, München 1985. 139.

7 Hillingen. H.: Kriterien fiir die Beurteilung von Lehr- und Lermittel für den politischen Untenicht in der Sekundarstufe (7.-10. Schuljahr). in: Süssmuth. Hans. (Hrsg.): Historischpolitischer Untenicht. Bd.1. Göttingen 1980. 21-235.

8 Die Schule in Nordrhein-Westfalen. Eine Schriftreihe des Kultusministers (Hrsg.): Gymnasiale Oberstufe. Richtlinien Geschichte 4714 (1982). 32-33.

9 Moldenhauer. Gebhard: Das Deutschlandproblem in Sozia1kundebüchern. in: Freiwald. Helmut. Moldenhauer. Gebhard. u.a. (Hrsg.): Das Deutschlandproblem in Schulbüchern der

10 Arbeitsgruppe Geschichtsbuchanalyse Marburg (Einzelautor nicht ermittelbar): Systematisierung, in: Kühnl, Reinhard (Hrsg.): Geschichte und Ideologie - Kritische Analysee bundesdeutscherGeschichtsbücher. Reinbeck, Hamburg 1973. 183-184.

11 Jeismann, Karl Ernst: Grundfragen des Geschichtsunterrichts, in: Behrmann, G.C., Jeismann, Karl Ernst und Süssmuth. H. (Hrsg.): Geschichte und Politik. Didaktische Grundlegung eines kooperativen Unterrichts. Paderborn 1978. 76-79.

Details

Seiten
19
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638277778
ISBN (Buch)
9783638801911
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25043
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Schlagworte
Didaktische Analyse Schulgeschichtsbücher Gegenstand Bauernkrieges Exkurs Gesichtspunkte Schulbuchanalyse

Autor

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