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Ein Weg zur verantwortungsvollen Nutzung des Internets im Geschichtsunterricht

Entwicklung eines Konzeptes zur Förderung eines kritischen und reflektierten Umgangs mit dem Internet für einen Grundkurs 11

Examensarbeit 2003 39 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Theoretische Vorüberlegungen bezüglich notwendiger Voraussetzungen zum Interneteinsatz im Geschichtsunterricht
1.2. Pädagogische und fachdidaktische Überlegungen zum Einsatz des Internets im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe II
1.3. Fachdidaktische Entfaltung des Themas
1.4. Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsreihe

2. Planung der Unterrichtssequenz
2.1. Darstellung der einzelnen Unterrichtsstunden der Unterrichtssequenz
2.1.1. Erste Stunde: Hinwendung zur Sekundärliteratur; Umfrage und Stellungnahmen zur Glaubwürdigkeit von Internetseiten
2.1.2. Zweite Stunde: Erstellen eines Kriterienkataloges zur Glaubwürdigkeit von Internetseiten; Informationsbeschaffung im Internet
2.1.3. Dritte Stunde : Sichtung und Auswertung der Materialien nach Inhalt und Glaubwürdigkeit
2.1.4. Vierte Stunde: Vergleich der Gruppenergebnisse und erneute Umfrage; Besprechung von Internetseiten mit potentiell hoher Glaubwürdigkeit; Abschluss der Reihe: Fazit zur Leitfrage

3. Schluss

4. Anhang
4.1. Literatur
4.2. Zitierte Internetseiten

1. Einleitung

Der Anlass, eine Arbeit mit einem solchen thematischen Schwerpunkt zu verfassen, ergab sich aus meiner unmittelbaren Unterrichtspraxis; konkreter aus persönlichen Beobachtungen, die ich während meinen Unterrichtsleitungen und -hospitationen machen konnte. Unabhängig von meinen beiden Unterrichtsfächern, Geschichte und katholische Religion, sowie der Klasse bzw. Stufe[1] der beobachteten Schülerinnen und Schüler[2] ist mir gehäuft folgendes Verhalten aufgefallen: Bei SuS, die im Rahmen von Hausaufgaben, Arbeiten während des Unterrichts oder auch bei zusätzlichem häuslichen Engagement Informationen aus dem Internet nutzten, zeigte sich oftmals, dass diese Informationen zwar ausgedruckt vorlagen, die SuS diese (abgesehen von Textüberschriften) aber kaum inhaltlich bearbeitet hatten und sich bezüglich der Glaubwürdigkeit[3] der Informationen (soweit ich dies feststellen konnte) keine Gedanken gemacht hatten. Konkret äußerten sich diese Beobachtungen z.B. in vorgelesenen Einzelbeiträgen von SuS anhand der aus dem Internet stammenden Informationen, wobei die SuS kaum in der Lage waren, diese Beiträge mit eigenen Worten zu erklären. Ein weiteres Beispiel wäre ein zweiseitiges Referat, das sich inhaltlich auf die Rolle der Frauen in der Französischen Revolution beziehen sollte, tatsächlich aber Informationen zur Beteiligung von Frauen im Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 enthielt, oder, als letztes Beispiel, eine von einem Schüler präsentierte Karte, die laut eigenen Angaben aus dem Internet stammte (ohne Nachweis der entsprechenden Seite), und Italien zur Zeit des Imperialismus als deutsche Kolonie auswies.

Hierin zeigten sich für mich zwei grundlegende Probleme:

a) Die Gefahr der Oberflächlichkeit

Informationen werden heruntergeladen und ausgedruckt, inhaltlich aber nicht ausreichend bearbeitet, um als verstanden bezeichnet werden zu können.

b) Ein Mangel an kritischer Haltung

Informationen werden bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit nicht ausreichend hinterfragt und als gesichertes Faktum hingenommen.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll sich auf den zweitgenannten Problemaspekt, den Mangel an kritischer Haltung oder, positiv formuliert, der Ausarbeitung eines Konzeptes zur

Förderung einer kritischen und reflektierten Haltung gegenüber der Glaubwürdigkeit von Informationen aus dem Internet beziehen. Aus dieser Haltung soll ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Medium Internet erwachsen, der sich darin äußert, dass die SuS Informationen aus dem Internet bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit zukünftig bewusst infrage stellen und sie vor einer Weiterverwendung auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüfen.

Der erstgenannte Problemaspekt, die Gefahr der Oberflächlichkeit, soll bei einer solchen Schwerpunktsetzung nicht gänzlich ausgeklammert werden. Immerhin hat ein (mangelndes) Verständnis der Sachinhalte auch maßgeblichen Einfluss auf die Einschätzung der Glaubwürdigkeit von Informationen, und ohne Inhalte stellt sich die Frage der Glaubwürdigkeit gar nicht erst, oder, drastischer formuliert, das Erlernen eines kritischen Umgangs mit Informationen bleibt ohne Inhalt abstrakte Theorie. Bei einer Arbeit dieses Umfanges kann eine Förderung der Vertiefung der Informationsverarbeitung aber nur untergeordnet behandelt werden.

Wie bereits erwähnt, stammen die dargelegten Problembeschreibungen aus persönlichen Beobachtungen von SuS und ihrem Umgang mit dem Internet. Es wurde also bis zum jetzigen Zeitpunkt weder eine vollständige Problemanalyse/–nennung noch eine wissenschaftlich fundierte, über Einzelfälle hinausgreifende Problemstellung intendiert. Im weiteren wird zu zeigen sein, inwieweit die genannten Problemaufrisse in der Fachdidaktik zur Sprache kommen, sich als in der Unterrichtspraxis stellende Probleme eingeordnet und welche Lösungsansätze dort angeboten werden.

Die beiden oben benannten Problemaufrisse könnten sich freilich bei dem Einsatz von anderen „Informationsträgern“ (Bücher, Zeitschriften, Fernseh- und Kinofilme, Hörspiele, CD-Roms usw.) ergeben und sind nicht allein auf den Einsatz des Internets beschränkt. Es wird also aufzuzeigen sein, welche unterrichtliche bzw. gesellschaftliche Relevanz dem Einsatz des Mediums Internet zukommt und inwieweit damit erlernte Erkenntnisse und Methoden auf andere Medien transferierbar sind.

1.1. Theoretische Vorüberlegungen bezüglich notwendiger Voraussetzungen zum Interneteinsatz im Geschichtsunterricht

Die notwendigen Voraussetzungen lassen sich in drei Punkte unterteilen: Voraussetzungen seitens der Räumlichkeiten und technischen Ausstattung, Voraus-setzungen seitens der SuS und Voraussetzungen seitens des Lehrers.

Grundvoraussetzung ist selbstredend die Ausstattung der Schule mit Computern, die einen Zugang zum Internet ermöglichen. Bei dem in dieser Arbeit zu entwickelnden Konzept wird eine Ausstattung vorausgesetzt, die es ermöglicht, dass für maximal zwei SuS einer Lerngruppe ein Computerarbeitsplatz vorhanden ist. Eine größere Anzahl von SuS an einem Computer halte ich nicht für sinnvoll, da die aktive Beteiligung an der Computerarbeit schon allein wegen der grundsätzlichen Auslegung eines Computers für nur einen Benutzer (nur eine Tastatur und Maus, nur ein Bildschirm) nicht gewährleistet scheint. Dabei besteht die Gefahr, dass sich der Schüler mangels der Möglichkeit einer Beteiligung (zurecht, denn er hat ja im Grunde keine Aufgabe) aus dem Arbeitsprozess zurückzieht. Die Besetzung eines Computers mit zwei Personen hat praktische und pädagogische Gründe. Zum einen ist bei einer Kursstärke von 25-30 Personen kaum eine Schule so gut ausgestattet, dass jedem Schüler ein eigener Rechner zur Verfügung steht. Zum zweiten besteht bei einer Nutzung der Computer in Partnerarbeit die Chance, dass auch SuS, die sich nicht ausreichend genug mit einem Computer auskennen, um alleine zu arbeiten, sich das nötige Know-how von ihren Mitschülern abschauen und so methodisch Differenzen im Kurs zwischen Könnern und Nichtkönnern aufgefangen werden. Hiermit wird schon in Ansätzen eine Binnendifferenzierung bezüglich des Ausgangsniveaus der SuS vorgenommen, ohne dass der Lehrer im Zentrum dieses Prozesses stehen muss.

Zur notwendigen technischen Ausstattung zähle ich noch die Ausstattung der Computer mit einer Textverarbeitungssoftware, die es ermöglicht, digitale Daten, die aus Internetseiten kopiert wurden, auf dem eigenen Rechner zu bearbeiten, also zu verändern, neu zu ordnen, in ein Präsentationsprogramm einzuladen usw. Des Weiteren sollte die Möglichkeit gegeben sein, erarbeitete Ergebnisse auch vor Ort ausdrucken zu können, so dass eine weitere Bearbeitung dieser Materialien ohne große Zeitverzögerung möglich ist. Bei der räumlichen Aufteilung wäre eine Trennung von Computerarbeitsplätzen und Arbeitsplätzen im konventionellen Sinne (Tisch und Stuhl) ideal, da sich so die Möglichkeit ergibt, nach abgeschlossener Recherche das ausgedruckte Material vor sich auszubreiten und ohne Ablenkung seitens des Computers zu bearbeiten. Ein zentraler Punkt der technischen Voraussetzungen, und dies gilt für Hard- und Software in gleichem Maße, ist die Funktionstüchtigkeit und Verlässlichkeit der Ausstattung. Es ist evident, dass der Computereinsatz wenig sinnvoll und zeitlich unkalkulierbar erscheint, wenn ständige technische Probleme, Programmabstürze, verlorengegangene Daten, Softwarefehler usw. die meiste Zeit des Unterrichts in Anspruch nehmen und ein kontinuierliches Arbeiten nicht erlauben. Mängel in diesem Bereich können dazu führen, auch dem motiviertesten Lehrer vom Einsatz des Internets als Medium des Unterrichts abstand nehmen zu lassen.[4]

Der zweite Punkt, die Voraussetzungen seitens der SuS, bezieht sich vor allem auf die

Kenntnisse der SuS beim Umgang mit dem Computer, Textverarbeitungssoftware und ihre Kenntnisse bezüglich des Recherchierens im Internet. Hierbei werden grundlegende Kenntnisse in diesen Bereichen vorausgesetzt, da es nicht Aufgabe des Geschichtsunter-richtes sein kann, SuS an die rein technische Komponente des Computers heranzuführen.[5]

Im letzten Punkt ist von den Voraussetzungen seitens des Lehrers zu sprechen. Neben der Bereitschaft zum Computereinsatz im Unterricht ist es geradezu unabdingbar, dass der Lehrer die gleichen Voraussetzungen erfüllt, die gerade bezüglich der SuS genannt wurden, bzw. in diesen Bereichen auf ein fundierteres Wissen zurückgreifen kann. Dabei wird dem Lehrer nicht nur im direkten Umgang mit dem Computer und eventuell auftretenden Problemen (auch durch Bedienungsfehler der SuS) einiges Know-how abverlangt, auch bei der Vorbereitung sowie der didaktischen und theoretischen Fundierung der Unterrichtsreihe sollte der Lehrer über mehr Kenntnisse bezüglich der Funktionsweise und des Aufbaus des Internets verfügen, als ein bloßes technische Bedienen erfordert. Auf diesen Aspekt werde ich noch unter den Punkten 1.2 bis 1.4 dieser Arbeit zu sprechen kommen.

1.2. Pädagogische und fachdidaktische Überlegungen zum Einsatz des Internets im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe II

Zu Beginn stellt sich die Frage, warum es überhaupt sinnvoll erscheint, trotz der beschriebenen anspruchsvollen Voraussetzungen und mannigfaltigen möglichen Probleme das Internet als Medium im Geschichtsunterricht einzusetzen. Hierfür sehe ich vor allem zwei maßgebliche Gründe:

Zum Ersten ist in den letzten Jahren eine Entwicklung unserer Gesellschaft zu einer Informationsgesellschaft festzustellen.[6] Schuhbeck spricht in diesem Zusammenhang von einer „Explosion des Wissens“, welche er u.a. an einer in der Menschheitsgeschichte noch nie erreichten Quantität an Forschungstätigkeit und wissenschaftlichen Publikationen festmacht.[7] Dabei ist eine verstärkte Nutzung des Internets als Arbeitsinstrument zur Präsentation, zum Abrufen und zur Diskussion wissenschaftlichen Materials festzustellen.[8]

Aber nicht nur im universitär-wissenschaftlichen Bereich ist dieser Trend zu bemerken, auch vor dem privaten Bereich hat diese Entwicklung keinen Halt gemacht. 1993 wurden in

Deutschland 60% aller PC an Privathaushalte verkauft. 1994 waren bereits 60% der PC in

Deutschland mit dem Internet verbunden. Nicht zuletzt beschäftigen sich immer mehr SuS

in ihrer Freizeit mit dem Computer: Sie spielen Computerspiele, üben mit Lernprogrammen,

surfen und spielen im Internet oder fertigen Hausaufgaben mit dem Computer an.[9]

Unabhängig von Befürwortern oder Kritikern dieser wohl nicht aufzuhaltenden Entwicklung ist festzuhalten, dass der Computer mit seinen Anwendungsmöglichkeiten einen wachsenden Anteil an unserem zukünftigen gesellschaftlichen Leben haben wird.

Dass sich auch das schulische Bildungssystem vor dieser Entwicklung nicht verschließt, zeigte die 1996 ins Leben gerufene Initiative „Schulen ans Netz“ (SAN) des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie und der Deutschen Telekom AG, die Schulen mit Hard- und Software ausstattet und ihnen einen Internetzugang ermöglicht. Erklärtes Ziel dieser Initiative ist es, die SuS „an Standards [heranzuführen], deren Kenntnis ihren späteren Berufsalltag bestimmen. Lehrerinnen und Lehrer können mit dieser Technik den Anforderungen an einen zeitgemäßen Unterricht gerecht werden...“.[10] Ein weiteres Ziel dieser Initiative war es, bis zum Jahr 2000 10.000 Schulen den Zugang zum Internet zu ermöglichen, was nach Angaben des „Spiegel“ vom 18.10.1999 bereits schon zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels erreicht war.[11] Konsequenterweise findet sich dieses Postulat zum Einsatz des Internets im schulischen (Geschichts-) Unterricht auch in den Richtlinien und Lehrplänen für die Sekundarstufe II des Landes Nordrhein-Westfalen wieder. Dort wird im Rahmen der zu erlernenden Lern- und Arbeitsorganisationen des Faches Geschichte explizit gefordert, dass der Geschichtsunterricht der Sekundarstufe II den SuS „Zugang zu den Grundlagen des wissenschaftlichen historischen Denkens eröffnet und sie befähigt, zunehmend selbstständig und selbstverantwortlich die Arbeitsweisen der historischen Untersuchung (...) anzuwenden.“. Weiterhin wird in diesem Zusammenhang auch die Arbeit mit dem Computer erwähnt. Dabei heißt es: „Durch das Internet erschließen sich den Schülerinnen und Schülern für den Geschichtsunterricht weitere (tages-)aktuelle Informationskanäle (...), aber auch historisches Quellenmaterial (...). Eine sinnvolle Nutzung dieser Informationsmöglichkeiten setzt aber voraus, dass die Lernenden Strategien entwickeln, um zu einem historischen Thema im Internet die entsprechenden Seiten in angemessener Zeit zu finden und seriöse von nicht seriösen Informationen unterscheiden zu können.“.[12]

Hierbei wird neben dem Problem der Seriosität, die ich als synonym zu der bereits angesprochenen Glaubwürdigkeit von Beiträgen im Internet verstehe, ein zweites Problem angesprochen, nämlich die Schwierigkeit bei der großen Menge an Informationen, die das Internet bereithält, die für die eigenen Fragestellung relevanten von nichtrelevanten Informationen grundsätzlich überhaupt voneinander zu unterscheiden und dies mit möglichst effektivem Zeiteinsatz. Während Erstgenanntes direkt die Zielsetzung dieser Arbeit anspricht, wird auf das zweite Problemfeld zumindest ansatzweise einzugehen sein.

Neben den benannten Gründen, der Reaktion auf das Faktum der Nutzung des Internets durch die SuS, der vorausgesagten zukünftigen gesellschaftlichen Relevanz und der Forderung der Richtlinien komme ich nun zum zweiten Grund, der den Einsatz des Mediums Internet im Geschichtsunterricht rechtfertigt.

Der Einsatz eines so (u.a. auch kosten-) aufwendigen Mediums im Schulunterricht wäre obsolet, wenn dieses nicht gegenüber traditionellen Medien, gemeint sind Vermittlungsformen, die auch schon vor der Existenz des Internets zum Einsatz kamen (Schulbücher, Lehrererzählung, Archive und Bibliotheken), einen gewissen didaktischen und pädagogischen Mehrwert besitzen würde, d.h. Lernprozesse ermöglichen, die im traditionellen Unterricht nicht, oder nur mit großem Aufwand ermöglicht werden könnten.[13] Bedenkt man dabei noch, dass Medien, die für den Schulgebrauch konzipiert wurden, in der Regel auf der Basis didaktisch durchdachter Konzepte erstellt wurden, bei denen nicht ohne gute Gründe Reduktionen bezüglich des Umfangs und der Komplexität historischer Sachverhalte vorgenommen wurden, stellt sich dringlich die Frage, worin denn nun der spezifische Mehrwert des Internets besteht, der seinen Einsatz im Geschichtsunterricht rechtfertigt.[14]

Hier zeigt sich zuerst einmal der Vorteil der Aktualität gegenüber den üblichen Printmedien. Abgesehen von tagesaktuellem Geschehen sind auch im Bereich der Forschung an historischen Gegenständen Vorzüge zu entdecken. Nimmt man allein den Bereich mehrbändiger enzyklopädischer Lexika, so waren mitunter bei Erscheinen der letzten Bände, die ersten schon wieder „veraltet“. Hier gibt das Internet den Anbietern (zumindest) die Möglichkeit, ihre ins Netz eingespeisten Daten mit vergleichsweise geringem Aufwand regelmäßig zu aktualisieren und den Nutzern somit den neuesten Informationsstand bieten zu können. Dazu kommt der Vorzug der räumlichen und zeitlichen Unabhängigkeit.[15] Der Zugang zu umfangreichen Datenmengen (historischen Primärquellen und Sekundärliteratur) kann vom Schulgelände aus getätigt werden, ohne dass eine Exkursion zu (möglicherweise) entfernten Bibliotheken und Archiven notwendig wird.[16] Zudem wird ein solcher Zugang auch in einem engen Zeitraster von 45 Minuten ermöglicht, was bei jeder Art von außerschulischer Exkursion ein mangelhaftes Zeitbuget darstellen würde, bedenkt man nur An- und Abreise, sowie begrenzte Öffnungszeiten der Institute. Der rein planerische und juristische Aufwand, der bei außerschulischen Aktivitäten für den Lehrer anfällt, sei hier nur am Rande erwähnt. Bei schuleigenen oder städtischen Bibliotheken ist zudem nicht immer sichergestellt, dass hinreichende Informationen zu den gewünschten Gegenständen überhaupt vorhanden sind und wenn doch, dass auch genügend Material vorhanden ist, so dass sich die SuS auch in Kursstärke damit beschäftigen können und nicht ein „Kampf um das eine Buch“ entsteht.

Hinzu kommt die Möglichkeit, den Unterricht handlungsorientiert und selbstständig-keitsfördernd zu gestalten. Dank des Computers bieten sich rasche und bequeme Speicher- und Weiterverarbeitungsmöglichkeiten der digitalen Daten.[17] Diese Ergebnisse einer selbstständigen Recherche im Internet können von den SuS individuell bearbeitet und z.B. in Form einer Repräsentation dargestellt werden. Die multimedialen Möglichkeiten von Autorensystemen[18] bieten hier Chanchen, die weit über die üblichen Präsentationsformen (Wandtafeln, mündlicher Vortrag usw.) hinausgehen. Dabei kann aber (zumindest heute) noch nicht davon ausgegangen werden, und das werde ich auch bei diesem Konzept berücksichtigen, dass alle SuS die Anwendung von den diversen (und z.T. sehr komplexen) Autorensystemen ausreichend beherrschen.[19] Insgesamt gesehen bietet sich hier dennoch die Möglichkeit einer Verschiebung von einer eher (z.T. unverschuldete) passiv-rezeptiven Haltung der SuS, die von den Materialien abhängig sind, die der Lehrer ausgesucht und mitgebracht hat, zu einer eigenverantwortlichen, aktiven und produktiven Auseinandersetzung mit historischem Material. Dabei werden auch Ansätze eines entdeckenden und forschenden Lernens möglich, da in einem offenen Prozess durch die Sammlung und Bearbeitung von Informationen Ergebnisse erzielt und zur Diskussion gestellt werden können, die noch nicht in ihrer Gesamtheit fest definiert und vorgegeben sind.[20]

[...]


[1] Ich beziehe mich auf konkrete Beobachtungen in den Klassen 8 und 10 sowie Grundkursen der Stufe 11 und 12 des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Marl.

[2] Im weiteren abgekürzt als SuS.

[3] Darunter verstehe ich die Verlässlichkeit von Informationen bezüglich ihrer sachlichen Richtigkeit sowie eine kritische Überprüfung, auf welcher Grundlage und unter welchen Voraussetzungen Informationen (Sach- und Werturteile) entstehen.

[4] Dies ist nicht nur meine „leidvolle“ persönliche Erfahrung Vgl. Plett, Walter M.: Computer im Geschichtsunterricht. Neues Medium mit neuen Möglichkeiten oder überflüssige Spielerei? Ein Erfahrungsbericht, in: GWU 1 / 98. 22f.

[5] Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für das Gymnasium – Sekundarstufe I- in Nordrhein-Westfalen, Geschichte, Frechen 1993. 139.

[6] Vgl. Erber, Robert: Medienkompetenz und Geschichtswissenschaft - Konsequenzen einer veränderten Medienwelt für wissenschaftliches Studium und fachdidaktische Ausbildung, in: GWU 1 / 98. 35.

[7] Schuhbeck, Sebastian: Am Anfang war das Word – Religionsunterricht mit PC und Internet, Freiburg, Basel, Wien 2001.16.

[8] Erber, Robert: Medienkompetenz und Geschichtswissenschaft. 36f.

[9] Wunderer, Hartmann, Computer im Geschichtsunterricht – Neue Chancen für historisches Lernen in der Informationsgesellschaft?, GWU 9 / 96. 526; Rave, Josef: Computer im Geschichtsunterricht, in: Bergmann, Klaus u.a. (Hrsg.), Handbuch der Geschichtsdidaktik, Seelze-Velber 1997. 451.

[10] Drabe, Michael und Garbe, Detlef (Hrsg.): Schulen ans Netz. Methodik - Didaktik - Technik – Organisation, Berlin 1997. Vorwort.

[11] Albrecht, Harro u.a.: "Kevin ist total beklobt". Kinder im Netz. 18.10.1999. 05.11.1999, http://www.spiegel.

de/spiegel/nf/0,1518,50628,00.html>. (19.4.03)

[12] Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für das Gymnasium – Sekundarstufe II- in Nordrhein-Westfalen, Geschichte, Frechen 1999. 54, 60.

[13] Plett, Walter M.: Computer im Geschichtsunterricht. 24.

[14] Wunderer, Hartmann, Computer im Geschichtsunterricht. 528.

[15] Schuhbeck, Sebastian: Am Anfang war das Word. 26.

[16] Dass Bibliotheken und Archive mit ihrem zum Teil differierenden Informationsangebot eine bisher nicht zu ersetzende und andersartige Arbeitsmöglichkeit bieten, sollte natürlich nicht außer acht gelassen werden. Vgl. Erber, Robert: Medienkompetenz und Geschichtswissenschaft. 36.

[17] A.a.O. 36.

[18] Bei Autorensoftware handelt es sich um Programme, die bei der Entwicklung oder Herstellung von Multimediaprodukten eingesetzt werden können. Die Programme dienen dabei als Instrument, mit dem einzelne Elemente (Graphik, Text, Ton, Animation, Video usw.) zusammengestellt und miteinander zu einem fertigen Endprodukt verknüpft werden.

[19] Schröder, Thomas A.: Geschichte im Internet: Möglichkeiten für den Unterricht, in GWU 1 / 98. 4.

[20] Wunderer, Hartmann, Computer im Geschichtsunterricht. 534; Pandel, Hans-Jürgen: Quellenarbeit, Quelleninterpretation, in: Handbuch der Geschichtsdidaktik. 431. Hug, Wolfgang: Geschichtsunterricht in der Praxis der Sekundarstufe I, Frankfurt a. M., Berlin, München 1985. 152.

Details

Seiten
39
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638277730
ISBN (Buch)
9783638648547
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25039
Note
2,3
Schlagworte
Nutzung Internets Geschichtsunterricht Fachseminar Geschichte

Autor

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